Lese-Ansicht

Risikokommunikation: Vom Ende her denken (015)

Wie funktioniert die Kommunikation über gesundheitliche Risiken?

Das Internet ist voll mit Informationen zu gesundheitlichen Themen und angeblichen und tatsächlichen Risiken. Gerade reißerisch gemachte Videos und Social-Media-Posts erreichen dort schnell Millionen Menschen. Für Behörden und Medien, die seriös und auf Basis der wissenschaftlichen Fakten über solche Themen aufklären wollen, ist das eine besondere Herausforderung. In dieser Risiko-Folge geht es um die Frage, wie diese sogenannte Risikokommunikation funktioniert und worauf es dabei ankommt.

Gast: Prof. Dr. Eva Baumann, Leiterin des Hanover Center for Health Communication an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)

Moderation: Sonja Schäche und Stefan Römermann

Links:

Risiko-Folge 005: Mikroplastik: Kleine Partikel – großes Risiko?

Forschung zur Risikokommunikation auf der BfR-Webseite

Vita Eva Baumann - Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

Hanover Center for Health Communication

Wissenschaftlicher Beirat des BfR

Hinweis: Die im Podcast geäußerten Meinungen von externen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern geben ausschließlich deren persönliche Auffassung wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Position des BfR.

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Gesundheitsämter im Krisenmanagement: Lehren aus der Corona-Pandemie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2833-6148

Der Beitrag berichtet von einer kleinen Studie zum Krisenmanagement der Gesundheitsämter in Deutschland während der Corona-Pandemie. Ein Ziel der Studie war es, die Herausforderungen, Erfolge und die Rolle digitaler Innovationen im Kontext der Pandemie zu analysieren. Hierfür wurden acht leitfadengestützte Interviews mit neun Leitungspersonen und Mitarbeitenden aus verschiedenen Gesundheitsämtern geführt. Zu Beginn der Pandemie stellten vor allem die fehlende Digitalisierung (faxbasierte Meldeprozesse) und knappe Personalressourcen zentrale Herausforderungen dar. Flexibilität und pragmatisches Handeln der Führungskräfte sowie gute Teamarbeit erwiesen sich als wesentliche Faktoren für Effizienz und Resilienz. Auch digitale Tools, oftmals sogar eigenständig entwickelte Anwendungen, trugen wesentlich zum Kontaktpersonenmanagement und effizienteren Meldewesen bei. Für zukünftige Krisen fordern die Befragten einen rechtlichen Rahmen, der den Gesundheitsämtern mehr Agilität bei ihrer Arbeit ermöglicht, sowie eine schneller fortschreitende Digitalisierung mit interoperablen Schnittstellen und einheitlichen Standards. Darüber hinaus empfehlen sie ein strukturiertes Wissensmanagement, einen modularen Werkzeugkasten für Krisenpläne und den Ausbau intersektoraler sowie überregionaler Vernetzungsstrukturen.
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Healthcare situation before long-term care – A cohort study of AOK-insured individuals aged 60 years and older in GermanyVersorgungssituation im Vorfeld einer Pflegebedürftigkeit – eine Kohortenstudie von AOK-Versicherten ab 60 Jahren in Deutschland

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2776-2382

The number of people in Germany in need of long-term care has increased more sharply in recent years than previously projected. The question of what role healthcare utilization plays in the lead-up to potential long-term care dependency has rarely been addressed to date. The aim of the present study was to describe healthcare utilization over a five-year period preceding the onset of care dependency.This cohort study analyzed routine data from AOK-insured individuals for the period 2016–2021. The data basis consisted of linked routine data from all AOK health and long-term care insurance funds. The sample included AOK insured persons aged 60 and over who received a care degree classification for the first time in 2021. Inpatient hospital stays, general practitioner services, and prescriptions for therapeutic appliances and assistive aids were analyzed for the 20 quarters prior to the onset of care dependency and stratified by age (<80 /≥80 years) and gender.In 2021, 345,945 AOK-insured individuals (58.9% women, mean age 79.7 years) were newly classified with a care degree. In the last quarter before the onset of care dependency, the proportion of people with hospital stays increased significantly, especially for men aged 60–79. The use of general practitioner services remained consistently high – over 90% per quarter – for the cohort aged 80+, while a continuous but lower-level increase was observed among the younger male cohort. The utilization of assistive aids increased over the observation period (14–33%).The results suggest that there is prevention potential particularly among the cohort aged 60–79, which should be more intensively utilized. To this end, more detailed insights into diseases and events that lead to a spike in hospitalizations shortly before the onset of care dependency are needed. Furthermore, research is required into the protective effects of specific therapeutic and assistive aids, and whether they are currently being used appropriately. Finally, the findings point to possible access barriers in health care, which should ideally be explored through a linkage of routine and survey data.Die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland ist in den letzten Jahren stärker gestiegen als prognostiziert. Die Frage, welche Rolle das Versorgungsgeschehen in Hinblick auf eine drohende Pflegebedürftigkeit spielt, wurde bisher selten adressiert. Ziel der vorliegenden Studie war, das Versorgungsgeschehen (fünf Jahre retrospektiv) im Vorfeld einer Pflegebedürftigkeit darzustellen.In der Kohortenstudie wurden Abrechnungsdaten von AOK-Versicherten (ab 60 Jahren) im Zeitraum 2016–2021 untersucht. Datengrundlage bilden verknüpfte Routinedaten aller AOK-Kranken- und Pflegekassen, die Stichprobe umfasst Versicherte, die im Jahr 2021 erstmalig einen Pflegegrad erhielten. Krankenhausaufenthalte, hausärztliche Leistungen sowie die Verordnung von Heil- und Hilfsmittel wurden jeweils für die 20 Quartale vor Eintritt in die Pflegebedürftigkeit analysiert und nach Alter (60–79 Jahre/ab 80 Jahre) und Geschlecht stratifiziert.Im Jahr 2021 wurde bei 345 945 AOK-Versicherten (58,9% Frauen, Altersdurchschnitt 79,7 Jahre) erstmalig ein Pflegegrad festgestellt. Im letzten Quartal vor Eintritt in eine Pflegebedürftigkeit nahm der Anteil von Personen mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt deutlich zu, insbesondere bei Männern im Alter von 60–79 Jahren. Die mindestens einmalige Inanspruchnahme hausärztlicher Leistungen verlief bei Personen ab 80 Jahren auf einem stetig hohen Niveau von über 90% pro Quartal, während bei den 60–79 jährigen Männern ein kontinuierlicher Anstieg zu beobachten war, allerdings auf einem geringeren Niveau (85–90%). Der Anteil an Hilfsmitteln nahm im Beobachtungszeitraum zu (14–33%).Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass besonders für die Kohorte der 60–79-Jährigen Präventionspotentiale bestehen, die stärker genutzt werden sollten. Hierfür sind zum einen nähere Erkenntnisse zu den Erkrankungen und Ereignissen notwendig, die kurz vor Eintritt in eine Pflegebedürftigkeit zu häufigeren Krankenhausaufenthalten führen. Darüber hinaus besteht Forschungsbedarf zur protektiven Wirkung verschiedener Heil- und Hilfsmittel und zur Frage, ob diese adäquat genutzt werden. Schließlich verweisen die Ergebnisse auf mögliche Zugangsbarrieren in der Versorgung, die idealerweise durch eine Synergie von Routine- und Surveydaten erforscht werden sollten.
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Erfahrungen, Herausforderungen und Wünsche bei der Nutzung der Darmkrebsvorsorge – eine qualitative Untersuchung von Menschen mit türkischer und afghanischer Migrationsgeschichte

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2801-3544

Die Studie untersucht Herausforderungen und Bedürfnisse von Menschen mit türkischer und afghanischer Migrationsgeschichte bei der Nutzung der Darmkrebsvorsorge.Es wurden teilstrukturierte Interviews mit 18 Menschen mit türkischer sowie afghanischer Migrationsgeschichte im Alter von 42 bis 75 Jahren durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden anhand verschiedener soziodemografischer Merkmale ausgewählt, um eine heterogene Stichprobe zu gewährleisten. Die Interviews wurden auf Deutsch und bei Bedarf auf Türkisch oder Dari geführt, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet und nach dem sozioökologischen Modell nach Bronfenbrenner strukturiert.Mangelndes Wissen, unzureichende ärztliche Aufklärung, kulturelle und religiöse Überzeugungen, Sprachbarrieren und geringe Risikowahrnehmung sind Hauptbarrieren für die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge. Frauen und Personen mit niedrigem Bildungsstatus sind weniger über Vorsorgemöglichkeiten informiert und nehmen diese seltener in Anspruch. Die Befragten berichteten über überwiegend positive Erfahrungen bei bisherigen Vorsorgeuntersuchungen, wünschen sich jedoch eine umfassendere und kultursensible Aufklärung.Diversitätssensible Aufklärungsmaßnahmen, flächendeckende Informationsverbreitung, mehrsprachige Informationen und gezielte Informationsveranstaltungen sind notwendig, um eine informierte Entscheidung über die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge bei Menschen mit türkischer und afghanischer Migrationsgeschichte zu fördern. Hausärzt/innen, als zentrale Aufklärungs- und Vertrauenspersonen, sind hierbei entscheidend. Weitere Forschung ist erforderlich, um spezifische Strategien zur Verbesserung der Darmkrebsvorsorge zu entwickeln.
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Ambulante Krebsberatungsstellen in Deutschland – Eine vergleichende Analyse zu Leistungsspektrum, Qualitätsstandards und Strukturmerkmalen der Jahre 2015 und 2023

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2826-9286

Die ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen (KBS) stellen eine zentrale Säule der psychoonkologischen Versorgung mit einem umfangreichen Leistungsspektrum dar. Für die Qualitätssicherung der KBS stehen seit 2016 Standards bereit. Seit 2020 die Übernahme eines Finanzierungsanteils der KBS durch Krankenkassen möglich.Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über das Leistungsangebot der KBS und vergleicht Qualitätsmerkmale der KBS für erwachsene Krebspatient:innen der Jahre 2015 und 2023.Die quantitative Analyse erfolgt auf der Basis zweier bundesweiter KBS-Befragungen. Allen beim Krebsinformationsdienst Heidelberg registrierten KBS wurde nach Kontaktaufnahme ein Fragebogen zugesandt. Die Befragungsinhalte umfassten Rahmenbedingungen der KBS sowie Qualitätsmerkmale (z. B. Personal, Qualitätssicherung, Leistungen). Die Daten sind univariat ausgewertet (absolute und relative Häufigkeiten, Mittelwertvergleiche). Signifikanzen werden mit Chi2- bzw. ANOVA- Test geprüft. Die Effektstärke werden je nach Datenniveau mit Cramers V oder Eta2 angegeben.2023 nahmen 117 (von 191) KBS an der Studie teil, 2015 106 (von 151) KBS. Bezüglich der Rahmenbedingungen der KBS (z. B. Zeit seit Bestehen) gibt es keine Unterschiede zwischen den Erhebungszeitpunkten. Bei der Personalstruktur zeigen sich 2023 positive Veränderungen, insbesondere bzgl. multiprofessionelles Team (64% vs. 46% der KBS; p<0,01) sowie der Anzahl festangestellter Berater:innen (4,1 vs. 2,6; p<0,001). Auch für weitere Qualitätsmerkmale ist ein signifikant gestiegener Grad der Erfüllung 2023 festzustellen. Das Leistungsspektrum hat sich kaum verändert, konnte aber 2023 hinsichtlich der Psychoedukation signifikant ausgebaut werden (89,7% vs. 64,2% der KBS; p<0,001). Die Daten 2023 zeigen Optimierungsbedarf, u. a. hinsichtlich der Leistung psychologische Beratung. Zu beiden Zeitpunkten waren die KBS mischfinanziert, allerdings überwog 2023 die Krankenkassenförderung.Unsere komparative Analyse 2023/2015 zeigt in Hinblick auf die betrachteten Qualitätsmerkmale der KBS in vielen Punkten signifikante Verbesserungen. Dies ist auch im Kontext der Krankenkassenförderung der KBS (§65e SGB V) und den hier vorgenommenen Anpassungen an die Förderrichtlinien zu sehen. Ausstehend sind Analysen, inwieweit dies die bestehende Versorgungslage insgesamt verändert (z. B. flächendeckend ambulante Angebote) und wie die Qualitätssteigerungen der KBS sich in Patient:innennutzen und -zufriedenheit abbildet.
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Sekundärdatenanalysen mit Patientenquittungen – Erfahrungen aus zwei Innovationsfondsprojekten

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2715-0986

Sekundärdatenanalysen mit Abrechnungs- bzw. Routinedaten der Kranken- und Pflegekassen sind zentraler Bestandteil von Versorgungsforschung, nicht zuletzt im Rahmen von Projekten des Innovationsfonds des G-BA. Ein Zugriff auf die für die Evaluation notwendigen Routinedaten der Krankenkassen ist nicht immer systematisch möglich. An der Intervention teilnehmende Proband:innen von Krankenkassen, die nicht am Projekt beteiligt sind, können dadurch nicht in die Evaluation einbezogen werden. Die Erhebung und Analyse von Patientenquittungen stellt eine Alternative zur systematischen Routinedaten-Lieferung beteiligter Krankenkassen dar. Die Heterogenität der Patientenquittungen, die vorwiegend papierbasierte Übermittelung und die individuelle Digitalisierung stellen Herausforderungen im Umgang mit Patientenquittungen dar.
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Impulspapier: Digitale Angebote zur Sturzprävention für ältere Menschen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2825-1609

Stürze und ihre Folgen haben in Deutschland erhebliche gesundheitsökonomische Auswirkungen. Maßgeschneidertes Bewegungstraining gehört zu den effektivsten Maßnahmen zur Sturzprävention bei älteren Erwachsenen. Vor-Ort-Trainings-Programme allein reichen jedoch nicht aus, um eine flächendeckende Sturzprävention zu gewährleisten und sturzbedingte Verletzungen wirksam zu reduzieren. Digitale Angebote haben das Potenzial, herkömmliche Sturzpräventionsprogramme zu ergänzen und zu verbessern, die Zugänglichkeit zu verbessern und eine breitere Bevölkerung zu erreichen. Trotz dieses Potenzials gibt es in Deutschland derzeit keine evidenzbasierten digitalen Sturzpräventionsprogramme. In Zukunft ist es wichtig, digitale, evidenzbasierte Lösungen zu entwickeln, zu evaluieren und umzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich, die Innovationen unterstützen und nicht durch übermäßige bürokratische Hürden behindern. Darüber hinaus sollten digitale Anwendungen so gestaltet werden, dass sie für die Nutzer intuitiv zugänglich sind und gleichzeitig die geltenden Datenschutzstandards einhalten.
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