Zur Historie von Schuleingangsuntersuchungen in Deutschland – Ein quellenbasierter Beitrag von den Anfängen bis zum Bielefelder Übereinkommen
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2871-6542
Ziel dieser Studie war die medizinhistorische Analyse der Entstehung der
Schuleingangsuntersuchungen (SEU) in Deutschland sowie ihrer
Weiterentwicklung bis zur erstmaligen formalen überregionalen
Standardisierung in den 1960er-Jahren.Auf der Grundlage einer systematischen Auswertung archivalischer
Primärquellen aus Bundes- und Landesarchiven erfolgte eine
historisch-kritische Analyse der institutionellen, normativen und
administrativen Entwicklung der SEU unter Einbeziehung ausgewählter
themenrelevanter Fachpublikationen.In Preußen lassen sich erste Ansätze schulärztlicher Untersuchungen ab 1838
nachweisen. Im Zuge der Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht
etablierten bis 1871 alle deutschen Bundesstaaten in unterschiedlicher
Ausprägung Instrumente der Schulgesundheitsfürsorge, die im weiteren Verlauf
fortlaufend formalisiert und an zeitgenössische gesundheitspolitische
Leitvorstellungen angepasst wurden. Ursprünglich dienten die SEU vornehmlich
militärischen und bevölkerungsmedizinischen Zielsetzungen. Während der
Weimarer Republik gewannen sozialkompensatorische und individualmedizinische
Aspekte an Bedeutung, bevor die Untersuchungen in der Zeit des
Nationalsozialismus rassenideologisch instrumentalisiert wurden. Nach 1945
standen in Westdeutschland zunächst somatische Gesundheitsaspekte im
Vordergrund. Die föderale Struktur der Bundesrepublik führte jedoch zu
erheblichen regionalen Unterschieden in Inhalt und Durchführung der SEU,
wodurch ab Mitte der 1960er-Jahre erste überregionale
Harmonisierungsbestrebungen im Rahmen des sogenannten Bielefelder
Übereinkommens initiiert wurden.Die Entwicklung der SEU in Deutschland ist als historisch gewachsener,
dynamischer Prozess zu verstehen, dessen Zielsetzungen und Funktionen eng an
politische, gesellschaftliche und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen
gebunden waren.
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