Kommt die Kernenergie mit Mini-Kraftwerken zurück?

© matejmo / Getty Images / iStock

© matejmo / Getty Images / iStock

© iLexx / Getty Images / iStock

© anang / stock.adobe.com

© masa44 / stock.adobe.com

© kyoshino / Getty Images / iStock
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-3795
Regular physical activity promotes health, quality of life, and functional
independence in older adults. However, climate change is leading to
increasing environmental stressors such as heat, air pollution, and pollen
exposure, which increase health risks and hinder adherence to physical
activity recommendations. Older adults, particularly those with
cardiovascular or respiratory conditions and pollen allergies, are
especially affected. The aim of this project was to develop evidence-based
recommendations to safely enable physical activity under climatically
challenging conditions.The recommendations were developed through a three-step process: (1) a
systematic online search of relevant guidelines, professional and
governmental publications, and information from patient organisations; (2)
an interdisciplinary expert workshop to refine and adapt recommendations for
the target group; (3) a modified Delphi process with experts to finalise
recommendations through multiple feedback rounds.A total of 54 relevant articles published by 24 institutions were identified
and compiled into a preliminary catalogue. The developed recommendations for
heat, air pollution, and pollen exposure include: adaptation of activity
according to timing and location (using climatically favourable time windows
and indoor spaces), selection of appropriate intensity and types of
exercise, breaks, hydration, sun protection, and self-monitoring of
physiological warning signs. For individuals with pollen allergies, indoor
activities, low-pollen locations, and the use of pollen forecasts are
recommended. The recommendations provide practical guidance to maintain
physical activity despite adverse environmental conditions.An evidence-based, systematic approach to complement physical activity
recommendations with climate-change-related environmental stressors is
feasible and necessary. Older adults can remain active, reduce health risks,
and preserve independence. Tailored presentation and practical
implementation of the recommendations represent the next crucial step.Regelmäßige körperliche Aktivität fördert Gesundheit, Lebensqualität und
funktionale Selbstständigkeit im höheren Lebensalter. Der Klimawandel führt
jedoch zu zunehmenden Umweltbelastungen wie Hitze, Luftverschmutzung und
Pollenbelastung, die gesundheitliche Risiken erhöhen und die Umsetzung der
Bewegungsempfehlungen erschweren. Ältere Menschen, insbesondere jene mit
Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen sowie Pollenallergien, sind hiervon
besonders betroffen. Ein Ziel dieses Projekts war die Entwicklung
evidenzbasierter Empfehlungen, um körperliche Aktivität unter klimatisch
herausfordernden Bedingungen sicher zu ermöglichen.Die Empfehlungen wurden in einem dreistufigen Prozess entwickelt: (1)
Systematische Internetrecherche relevanter Leitlinien, Fachgesellschafts-
und Behördenpublikationen sowie Informationen von Selbsthilfeorganisationen,
(2) interdisziplinärer Expert*innenworkshop zur Präzisierung und
Zielgruppenanpassung, (3) modifizierter Delphi-Prozess mit Expert*innen zur
Finalisierung durch mehrere Rückkoppelungsschleifen.Insgesamt wurden 54 relevante Artikel, herausgegeben von 24 Institutionen,
identifiziert und in einem vorläufigen Katalog zusammengefasst. Die
erarbeiteten Empfehlungen bei Hitze, Luftverschmutzung und Pollenbelastung
enthalten: zeitliche und räumliche Anpassung der Aktivität (Nutzung
klimatisch günstiger Zeitfenster und Innenräume), Wahl geeigneter Intensität
und Sportarten, Pausen, Flüssigkeitszufuhr, Sonnenschutz sowie
Selbstbeobachtung körperlicher Warnsignale. Für Personen mit Pollenallergie
werden Innenaktivitäten, pollenarme Orte und die Nutzung von
Pollenfluginformationen empfohlen. Die Empfehlungen bieten praxisnahe
Handlungshilfen, um körperliche Aktivität trotz klimatisch belastender
Bedingungen aufrechtzuerhalten.Ein evidenzbasierter, systematischer Ansatz zur Ergänzung von
Bewegungsempfehlungen an die Auswirkungen klimawandelbedingter
Umweltbelastungen ist machbar und notwendig. Ältere Menschen können so aktiv
bleiben, gesundheitliche Risiken reduzieren und ihre Selbstständigkeit
wahren. Zielgruppenspezifische Aufbereitung und praxisgerechte Umsetzung der
Empfehlungen sind als nächster wichtiger Schritt entscheidend.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2886-3229
Anthropogenic climate change presents significant health challenges for older
people with care needs across all care settings, from private homes and
supported living arrangements to institutional care facilities. Those
particularly at risk include individuals with limited mobility, multimorbidity,
or social isolation. Care and support systems therefore need to implement
measures for both climate change mitigation and adaptation. Mitigation
encompasses reducing energy and water consumption, minimising waste, decreasing
reliance on fossil fuels, managing chemicals, and strengthening political and
regulatory cooperation. Adaptation involves capacity building, technological
innovation, financial management, education and research, monitoring and
evaluation, as well as institutional and social support. The effectiveness of
structural, organisational, and social measures, such as thermally resilient
buildings, efficient ventilation and cooling systems, emergency power supply,
secure water and waste infrastructure, hygiene standards, and community-based
support services, is well documented. Good practice examples, including
community-based support in home settings, structural and technical modernisation
in care facilities, and strategic instruments in procurement and governance,
demonstrate that climate-resilient strategies enhance care security, support the
prevention of care dependency, improve the quality of life of older people, and
simultaneously achieve ecological and economic objectives. Climate mitigation
and adaptation are integral components of future-oriented, needs-based care,
positioning care facilities and community structures as key levers for
sustainable transformation.Der menschengemachte Klimawandel stellt ältere, pflegebedürftige Menschen in
allen Versorgungssettings, von zu Hause über betreute Wohnformen bis hin zu
Pflegeeinrichtungen, vor erhebliche gesundheitliche Herausforderungen. Besonders
vulnerabel sind Personen mit eingeschränkter Mobilität, Multimorbidität oder
sozialer Isolation. Pflege- und Betreuungsstrukturen müssen daher Maßnahmen zur
Klimawandelminderung (Mitigation) und Klimawandelanpassung (Adaptation)
umsetzen. Mitigation umfasst die Reduktion von Energie- und Wasserverbrauch,
Abfallminimierung, Senkung fossiler Brennstoffnutzung, Chemikalienmanagement
sowie politische und regulatorische Kooperation. Adaptation beinhaltet
Kapazitätsaufbau, technologische Innovation, finanzielle Steuerung, Bildung und
Forschung, Monitoring, Evaluation sowie institutionellen und sozialen Support.
Die Wirksamkeit baulicher, organisatorischer und sozialer Maßnahmen, etwa
thermisch robuste Gebäude, effiziente Belüftungs- und Kühlsysteme,
Notstromversorgung, sichere Wasser- und Abfallinfrastruktur, Hygienestandards
und kommunale Unterstützungsangebote, ist gut dokumentiert.
Good-Practice-Beispiele wie kommunale Unterstützungsangebote im häuslichen
Umfeld, bauliche und technische Modernisierungen in Pflegeeinrichtungen sowie
strategische Instrumente im Beschaffungs- und Governancebereich zeigen, dass
klimaresiliente Strategien die Versorgungssicherheit erhöhen,
Pflegebedarfsprävention fördern, die Lebensqualität älterer Menschen verbessern
und gleichzeitig ökologische sowie ökonomische Ziele erreichen. Klimaschutz und
Klimaanpassung sind integrale Bestandteile einer zukunftsfähigen,
bedarfsgerechten Versorgung und machen Pflegeeinrichtungen sowie kommunale
Strukturen zu Hebeln für nachhaltigen Wandel.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text

© Gerd Baumgarten / IAP

© ESA/ATG medialab; background: ESO/S. Brunier / Gaia mapping the stars of the Milky Way

© Eisenlohr / Getty Images / iStock
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-0161
Für eine differenzierte Erhebung und Darstellung des Versorgungsbedarfs
werden in verschiedenen Ländern bevölkerungsbezogene Klassifikationssysteme
genutzt. Das PopGroup Projekt hatte zum Ziel, ein solches
Klassifikationssystem für den deutschen Versorgungskontext zu entwickeln.
Der PopGrouper liegt zwischenzeitlich in der Version 1.0 vor und ordnet jede
Person genau einer PopGroup (PG) zu. Nach einer vorausgehenden Publikation
zu Gruppierungen von Erkrankungen mit Zuordnungen von Schweregraden sollen
im vorliegenden Artikel Folgeschritte zur exklusiven Gruppierung aller
Versicherten auf mehreren Ebenen vorgestellt und erläutert werden, womit die
methodische Beschreibung des Groupers komplettiert wird.Für die Entwicklung der Version 1.0 wurden Trainings- und Testdaten zu
insgesamt 8,8 Mio. Versicherten der BARMER-Krankenkasse im Verhältnis 4 zu 1
aus dem Jahr 2022 genutzt. Nach einer inhaltlich-klinisch orientierten
Gruppierung erfolgten weitere Aufteilungen algorithmisch, wozu in
Trainingsdaten mehrfach sog. Entscheidungslisten und Regressionsbäume mit
spezifischer Implementierung genutzt wurden. So konnte ein Regelwerk
erstellt werden, das auch zur Gruppierung anderweitiger Populationen
geeignet ist.Alle Personen wurden auf 4 hierarchischen Ebenen jeweils genau einer von 10,
427, bzw. 610 Gruppen sowie abschließend genau einer der 776 PGs zugeordnet,
die in Testdaten 38,8% der Varianz von versichertenbezogen dokumentierten
Kosten für die gesundheitliche Versorgung erklärten. Nach Anwendung der
Gruppierungsregeln in Daten zu 2021 sowie 2023 zeigten sich ähnliche
Ergebnisse, wobei erklärte Varianzanteile auf allen Gruppierungsebenen in
Daten zu 2023 tendenziell höher als 2022 lagen.Mit dem PopGrouper 1.0 liegt erstmals ein für Daten der gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) in Deutschland angepasster bevölkerungsbezogener
Grouper vor, der umfassend dokumentiert ist und frei genutzt werden kann.
Ergebnisse deuten auf gut nutzbare Gruppierungen für die Datenjahre 2021 bis
2023 hin, für die bereits vollständige Gruppierungsregeln existieren.
Anpassungen für Folgejahre sollten angestrebt werden, wobei geprüft werden
könnte, inwiefern Vereinfachungen des Groupers und seiner Pflege ohne
Qualitätsverluste möglich sind.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2776-2703
Colorectal and pancreatic cancers impose profound physical, psychological, and social challenges on patients, underscoring the need for comprehensive assessments of their impact on health-related quality of life (HRQoL). This study aimed to evaluate HRQoL levels in colorectal and pancreatic cancer patients, including the comparison to the general population and the assessment of sociodemographic as well as disease- and treatment-related predictors.The analyses are based on data from a clinical registry of the NCT/UCC Dresden. Patients were recruited during consultation hours between August 2020 and December 2024. Baseline quality of life data and routine data from the tumor documentation system were used. The final analytical sample comprised n=417 patients in the colorectal study group and n=193 patients in the pancreatic study group. Multivariable linear regression analyses were calculated, with results presented as regression coefficients (b) and 95% confidence intervals (CI).Colorectal and pancreatic cancer patients exhibited significantly lower HRQoL compared to the general population, with large differences in social function and medium differences in role function and global health. Pancreatic cancer patients reported lower HRQoL across most domains compared to colorectal cancer patients. In the colorectal study group, statutory health insurance (b=–14.10, CI=–22.54; –5.66), living in rural counties with some urbanization (b=–5.34, CI=–10.51; –0.17) and recent chemotherapy (b=–9.10, CI=–16.36; –1.85) predicted worse global health. With regard to pancreatic cancers, residence in rural counties with some urbanization (b=–10.26, CI=–18.93; –1.59) was associated with worse global health, whereas longer time since diagnosis (b=0.06, CI=0.01; 0.12) was associated with better global health.Sociodemographic factors were the most consistent predictors of HRQoL in patients with pancreatic and colorectal cancer. These findings suggest social disparities, particularly for patients in rural areas and those with lower socioeconomic status. Efforts to improve access to healthcare, provide psychosocial support, and manage symptom burden are critical to enhancing the quality of life for these patients.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2800-6420
Aktuelle Entwicklungen in Deutschland führen zu Konzentrationsprozessen
hausärztlicher Versorgungsangebote, aus denen insbesondere in ländlich
geprägten Räumen längere Wegstrecken oder -zeiten resultieren können. Zwar
existieren bislang lediglich Empfehlungen zur Zumutbarkeit des Aufwands zu
ihrer Erreichbarkeit. Gleichwohl werden vermehrt Anstrengungen, z. B. für
mobilitätseingeschränkte Menschen und chronisch Erkrankte gefordert, um
mögliche Zugangsbarrieren abzubauen. Ein Diskussionsstrang der letzten Jahre
ist die Weiterentwicklung zugehender und aufsuchender hausärztlicher
Versorgungsangebote. Dabei werden u. a. mobile Hausarztpraxen sowie
spezifische Beförderungsangebote für Patientinnen und Patienten als
Ergänzung zum ÖPNV und Individualverkehr diskutiert. Bedarfe und Stellenwert
entsprechender Angebote im deutschen Gesundheitssystem wurden jedoch bislang
kaum untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über bestehende
Angebotstypen zu geben, diese zu diskutieren und mögliche Potenziale für das
deutsche Gesundheitswesen aufzuzeigen.Neben Datenbankrecherchen zur Identifizierung wissenschaftlicher
Publikationen wurde eine Internetrecherche durchgeführt. Es wurden sowohl
nationale als auch internationale Ergebnisse berücksichtigt.Die identifizierten Ansätze aus den 21 einbezogenen Publikationen wurden nach
Angebotstypen geclustert. Es wurden die vier Cluster „Eigenständige mobile
Arztpraxis“, „Mobile Zweigpraxis“, „Spezifische Beförderungsangebote für
Patientinnen und Patienten als Ergänzung des Nahverkehrs“ und
„Maklerleistungen zur Beförderung von Patientinnen und Patienten“
herausgearbeitet. Bei Konzeption und Implementierung förderlich, hat sich
v. a. ein eng aufeinander abgestimmtes Vorgehen relevanter Akteure mit
partizipativem Ansatz zur Berücksichtigung verschiedener Perspektiven
gezeigt. Hemmend wirken neben rechtlichen Hürden v. a. nicht kostendeckende
Wirtschaftlichkeitsaspekte, die oft mit der eher geringen Inanspruchnahme
der Angebote assoziiert sind.Mobile Arztpraxen und Angebote zur Ergänzung bestehender Mobilitätsoptionen
für Patientinnen und Patienten können potenziell einen Beitrag zum Abbau von
Zugangsbarrieren zu einer wohnortnahen hausärztlichen Versorgung leisten,
insbesondere wenn sie Teil eines Gesamtkonzeptes für eine
multiprofessionelle Primärversorgung sind und die jeweiligen Bedarfslagen
berücksichtigen. Zur Konkretisierung des Potenzials ist eine
wissenschaftlich fundierte Evaluation etwaiger, weiterer Modellprojekte
empfehlenswert. Dabei sollten regionale Bedarfe und Bedürfnisse konsequent
berücksichtigt werden.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text
Krankenhaushygiene up2date 2026; 21: 111-112
DOI: 10.1055/a-2811-3841
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Artikel in Thieme eJournals:
Inhaltsverzeichnis | Volltext
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2780-8325
Linking project data and data from routine clinical practice with
healthcare-related data is essential for German healthcare research in order to
answer complex questions validly and efficiently. Currently, fragmented data
sources, heterogeneous legal requirements, and a lack of infrastructure prevent
the optimal use and linking of these data. The Network University Medicine (NUM)
is therefore developing a dedicated data infrastructure to link primary study
data and routine clinical data with external healthcare-related data (e. g.,
data from statutory and private health insurance companies, data from cancer
registries of the federal states, and data from registration offices). The
position paper describes the various data worlds, including examples from
epidemiological and clinical research that illustrate the added value and
challenges of data linkage. In particular, it presents the new structures of the
data acceptance and processing center (DAAeD) in the NUM, which is intended to
enable quality-assured, data protection-compliant receipt and linkage of data.
Standardized application and approval procedures as well as innovative
privacy-preserving record linkage procedures are central to this. International
experience, including from Scandinavia and the UK, demonstrates the benefits of
such infrastructures for research and healthcare. In conclusion, we advocate
rapid political and institutional implementation of the recommendations
described in order to make health research in Germany competitive in
international comparison and to ensure sustainable, patient-centered health
care.Die Verknüpfung von Projektdaten und Daten aus der klinischen Routine mit
versorgungsnahen Daten ist für die deutsche Versorgungsforschung essentiell, um
komplexe Fragestellungen valide und effizient zu beantworten. Aktuell stehen
fragmentierte Datenquellen, heterogene rechtliche Vorgaben und fehlende
Infrastrukturen einer optimalen Nutzung und Verknüpfung dieser Daten entgegen.
Das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) entwickelt daher eine darauf
ausgerichtete Dateninfrastruktur zur Verknüpfung primärer Studiendaten und
klinischer Routinedaten mit externen versorgungsnahen Daten (z. B. Daten der
gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, Daten der Landeskrebsregister
und Daten der Melderegister). Das Positionspapier beschreibt die verschiedenen
Datenwelten einschließlich Beispiele aus epidemiologischer und klinischer
Forschung, die die Mehrwerte und Herausforderungen der Datenverknüpfung
abbilden. Insbesondere werden die neuen Strukturen der Datenannahme- und
-aufbereitungsstelle (DAAeD) im NUM dargestellt, die eine qualitätsgesicherte,
datenschutzkonforme Annahme und Verknüpfung von Daten ermöglichen soll. Zentral
sind vereinheitlichte Antrags- und Genehmigungsverfahren sowie innovative
Privacy-Preserving-Record-Linkage-Verfahren. Internationale Erfahrungen, u. a.
aus Skandinavien und UK, belegen den Nutzen solcher Infrastrukturen für
Forschung und Versorgung. Es wird für eine rasche politische und institutionelle
Umsetzung der beschriebenen Empfehlungen plädiert, um die Gesundheitsforschung
in Deutschland im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu machen und eine
nachhaltige, patientenzentrierte Gesundheitsversorgung zu sichern.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2823-6449
Das zentrale Ziel der Studie ist die Analyse möglicher Veränderungen bei der
Zusatznutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Folge
des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes (GKV-FinStG). Die Untersuchung prüft,
ob die Verschärfung der AMNOG-Leitplanken zu einer restriktiveren
Bewertungspraxis geführt hat. Operationalisiert wird dies durch eine
vergleichende Analyse deutscher und französischer Nutzenbewertungen vor und
nach dem GKV-FinStG. Die Studie verfolgt zwei zentrale Forschungsfragen: (1)
Lassen sich statistisch signifikante Veränderungen in den
Zusatznutzenbewertungen des G-BA nachweisen? (2) Können beobachtete
Veränderungen kausal auf die Verschärfung der AMNOG-Leitplanken
zurückgeführt werden? Die Untersuchung verwendet ein quasi-experimentelles Difference-in-Difference
(DiD) Design zur Analyse von Veränderungen der Zusatznutzenbewertung.
Deutschland fungiert als Interventionsgruppe, Frankreich als Kontrollgruppe.
Die Erfassung der deutschen Nutzenbewertungen erfolgte über den
AMNOG-Monitor für den Zeitraum 2020–2024, französische Bewertungen über die
Haute Autorité de Santé (HAS). Separate Analysen wurden nach
Patentschutzstatus der zweckmäßigen Vergleichstherapie (zVT)
durchgeführt.Die Studie liefert erstmals empirische Evidenz für einen möglichen Einfluss
der verschärften AMNOG-Leitplanken auf das Bewertungsverhalten des G-BA. Der
statistisch signifikante Difference-in-Difference-Effekt von −9,74%
(p=0,028) zeigt, dass der Anteil mindestens beträchtlicher
Zusatznutzenbewertungen in Deutschland nach der Reform um nahezu 10
Prozentpunkte stärker zurückging als in Frankreich. Bei Verfahren mit
patentgeschützter zVT zeigt sich mit −14,56% der stärkste Effekt, während
bei generischer zVT erwartungskonform kein relevanter Effekt (0,88%)
auftritt.Die Verschärfung der AMNOG-Leitplanken hat zu einer systematischen Reduktion
des Anteils mindestens beträchtlicher Zusatznutzenbewertungen geführt. Die
beobachtete Veränderung könnte auf unbewusste kognitive Anpassungen oder
bewusste strategische Überlegungen zur Begrenzung der GKV-Ausgaben
zurückzuführen sein. Die Befunde legen nahe, dass Einsparungen nicht nur
durch direkte Preiseffekte, sondern auch durch restriktivere
Bewertungspraxis entstehen.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | Full text
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2778-0259
In gesundheitswissenschaftlichen Studien und der Gesundheitsberichterstattung
werden zunehmend Karten aufgrund des wachsenden Interesses an regionalen
Fragestellungen verwendet. Bei fehlenden methodischen Kenntnissen für die
Erstellung von Karten können Probleme bei der Interpretation kartographischer
Darstellungen entstehen. Aufgrund dessen wurde von einem Expertenkreis aus
Geographie, Kartographie, Epidemiologie und Gesundheitswissenschaften die „Gute
Kartographische Praxis im Gesundheitswesen (GKPiG)“ entwickelt und einer ersten
Revision unterzogen. Diese dient als Orientierungshilfe zur Erstellung und
Interpretation von Karten mit gesundheitlichem Bezug nach aktuellen
wissenschaftlichen Standards. Vor der eigentlichen Kartenerstellung erfolgt die
Planung der Karte, um die Rahmenbedingungen und Anforderungen an die
Darstellungsform der Karte festzulegen. Diese umfasst die Definition der
Zielsetzung, des Mediums und der Zielgruppe. Der weitere Arbeitsprozess gliedert
sich in die Arbeitsvorbereitung, die Datenaufbereitung sowie den
Erstellungsprozess der Karte, welcher in mehrere Teilaspekte subsummiert ist.
Für jede dieser Arbeitsphasen wurden spezifische Empfehlungen zur Umsetzung
erarbeitet. Zur Nachvollziehbarkeit der Karte sollten Hinweise zum Verständnis
der Karte gegeben werden, um Endnutzer*innen die Interpretation zu erleichtern.
Entsprechende Empfehlungen für die Umsetzung wurden ebenfalls formuliert.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text
Krankenhaushygiene up2date 2026; 21: 21-41
DOI: 10.1055/a-2653-2585
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Artikel in Thieme eJournals:
Inhaltsverzeichnis | Volltext
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2776-2466
Die Versorgung von Patienten mit Seltenen Erkrankungen in Deutschland stellt eine
Herausforderung dar; das endogene Cushing-Syndrom verdeutlicht diese
Problematik. Eine Analyse der Versorgungssituation soll Verbesserungspotenziale
aufzeigen. Eine systematische Literaturrecherche zur Versorgungssituation wurde
mit Verordnungsdaten aus Deutschland und Frankreich sowie Ärztestatistiken aus
europäischen Ländern verglichen. In Deutschland besteht eine geringere
Versorgungsdichte mit Endokrinologen, eine niedrigere Behandlungsprävalenz als
in Frankreich und eine längere Zeit bis zur Diagnosestellung als in anderen
Ländern mit vergleichbar gut entwickelten Gesundheitssystemen. Um eine
bedarfsgerechte Versorgung von Seltenen Erkrankungen zu gewährleisten, sind
Investitionen in die Aus- und Weiterbildung von Spezialisten, wie Fachärzte für
Endokrinologie, und in neue, sektorenübergreifende Versorgungsformen
notwendig.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2711-1073
Die sozialgesetzlich im SGB V neu gefasste außerklinische Intensivpflege (AKI)
gestattet schwerstkranken Patienten, die zum großen Teil trachealkanüliert oder
beatmungspflichtig sind, ein soweit als möglich teilhabeorientiertes Leben auch
in häuslicher Umgebung. Als Leistung der Krankenkassen setzt sie eine spezielle
vertragsärztliche Verordnung voraus, eine qualifizierte Potenzialerhebung wird
bei beatmeten bzw. trachealkanülierten Patienten zusätzlich verlangt. Eine
jährlich stattfindende, obligate Begutachtung durch den Medizinischen Dienst
(MD) am Leistungsort bildet zusammen mit der ärztlichen Verordnung die Grundlage
der genehmigenden Leistungsentscheidung der Krankenkasse. Es wurde eine
Sekundärdatenanalyse von insgesamt 1615 Vor-Ort-Begutachtungen des MD Hessen aus
den ersten 17 Monaten nach Inkrafttreten der neuen Regelungen und Maßgaben zur
Durchführung der AKI durchgeführt. Bei dem hohen Anteil an tracheotomierten
Patienten von 72,6% der Gesamtpopulation wurden 27,7% durchgängig oder
intermittierend invasiv beatmet. Bei 46,5% war eine damals noch zwingend
erforderliche Potenzialerhebung noch ausstehend. In rund 8,2% aller Fälle konnte
die Notwendigkeit einer AKI sozialmedizinisch nicht nachvollzogen werden. Die
jährliche MD-Begutachtung vor Ort ermöglicht erstmals ein individuelleres und
differenzierteres Bild der speziellen Konstellation nach ICF-Kriterien mit Blick
auf die sozialmedizinische Notwendigkeit einer AKI-Versorgung. Schwerpunkte sind
hier insbesondere die Sicherstellung einer adäquaten medizinischen und
pflegerischen Versorgung vor Ort sowie die Ausschöpfung eines festgestellten
Weaning- und Dekanülierungspotenzials.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | open access Full text