❌

Lese-Ansicht

Krankenhaus Tergooi MC in Hilversum, Niederlandevon Wiegerinck Architekten

Infrastrukturen |
Best Practice

Krankenhaus Tergooi MC in Hilversum, Niederlande von Wiegerinck Architekten

Im Tergooi MC wurden die Akutversorgung, Intensivmedizin und stationäre Versorgung der bisherigen Standorte Blaricum und Hilversum an einem neuen Standort zusammengeführt.

2011 wurde beschlossen, in Hilversum einen zentralisierten Standort für die medizinische Versorgung zu errichten. Dabei verfolgte das Krankenhaus das Ziel, mehr Behandlungen wohnortnah oder zu Hause anzubieten und den Neubau entsprechend kompakter zu halten. Wiegerinck gliederte das Krankenhaus in vier Baukörper, die sich in die bewaldete Parklandschaft von Monnikenberg einfügen. Die Verbindung zur Umgebung war dabei ein zentrales Thema für den Entwurf und wird im Inneren immer wieder sichtbar: entlang der zentralen Erschließung, an den begrünten Höfen und in den einzelnen Behandlungsbereichen, von überall ist ein Blick in die Natur möglich.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

Wiegerinck

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2023


Standort

Hilversum, Niederlande

BGF

55.000 m2 im Neubau

 

Quelle: William Moore
Quelle: William Moore
Quelle: William Moore
Ein Krankenhaus im Grünen

Das Tergooi MC liegt im ehemaligen Klosterpark Monnikenberg am Rand von Hilversum. Bei der Verortung des Neubaus wurden die vorhandenen Bäume und Grünflächen möglichst weitgehend erhalten. Die einzelnen Gebäudekörper sind zwischen drei und sechs Stockwerke hoch und stehen mit unterschiedlichen Abständen zueinander. Dadurch entstehen Zwischenräume, die den Eindruck vermitteln, dass sich die Parklandschaft bis in das Innere des Krankenhauses hereinzieht.

Zum Gelände gehören außerdem die eigenständige Behandlungsklinik Tergooi MC Clinics, eine Ambulanzstation und ein Parkhaus. Zwei Flügel des bisherigen Krankenhauses wurden für die weitere Nutzung von Büros und unterstützende Funktionen erhalten.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Vier Baukörper und sechs Höfe

Zwischen den Bäumen entdeckt man das Krankenhaus mit einer klar gegliederten Fassade aus Backstein, Aluminium, Beton und Glaselementen. Der Neubau besteht aus drei höheren Baukörpern und einem niedrigeren, zentral gelegenen Gebäudeteil. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind sie miteinander verbunden. In den darüberliegenden Ebenen sind die einzelnen Baukörper deutlicher als eigenständige Stationen zu erkennen. Eine zentrale Achse verbindet alle Körper miteinander.

Insgesamt gibt es sechs Innenhöfe, die das Krankenhaus gliedern. Sie liegen sowohl innerhalb der Baukörper als auch zwischen den Gebäudeteilen und bringen viel Tageslicht in die innenliegenden Bereiche. Die Grundrisse zeigen, wie orientierungsgebend diese Höfe sind und wie sich Räume und Erschließungswege um diese Freiflächen anordnen. Dadurch erhalten auch Bereiche im Inneren des Krankenhauses einen Bezug nach außen und greifen das Entwurfsthema, die Einbindung der Natur, wieder auf.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Ein zentraler Weg als Orientierung

Vom Haupteingang führt ein Magistrale durch das Krankenhaus. Diese bildet die zentrale Erschließungsachse, von der die einzelnen Baukörper und Abteilungen erschlossen werden. So liegen unter anderem die Radiologie und die Ambulanzen im Erdgeschoss und sind von dieser Achse aus erreichbar.

Zwischen den Baukörpern wird diese Achse zu einem verglasten Verbindungsraum zwischen Innen und Außen. Hier öffnet sich der Wege zu den bepflanzten Innenhöfen und zur umgebenden Parklandschaft. Diese Bereiche unterscheiden sich von den geschlossenen Raumfolgen innerhalb der Abteilungen. Sie brechen den langen Weg auf und bieten Rückzugsbereiche und Orientierung.

Auch die Wartebereiche beziehen sich auf die Höfe und das Grün. Entlang der zentralen Achse sind in den Wänden immer wieder Sitznischen eingelassen. Durch den kleinen Rücksprung bieten sie Privatsphäre und kleine Rückzugsorte innerhalb der gemeinsam genutzten Erschließung.

Quelle: Hanne van der Woude
Kurze Verbindungen zwischen den Behandlungsbereichen

Die Wege und Prozesse für Besuchende, Personal und Bettentransporte sind auf unterschiedlichen Ebenen organisiert. Während die öffentliche Erschließung hauptsächlich im Erdgeschoss stattfindet, können Patient*innen im ersten Obergeschoss zwischen den Gebäudeteilen im Bett transportiert werden.

Über Erschließungskerne, die an die zentrale Magistrale anschließen, werden die Obergeschosse erschlossen, die als drei eigenständige Baukörper über dem Sockelgeschoss liegen. Die Stationen ordnen sich hier jeweils um den großen Innenhof an und werden über eine innenliegende Erschließung erschlossen. So erhalten auch die nach innen gerichteten Räume Tageslicht und einen Blick ins Grüne.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Der OP-Bereich

Der OP-Bereich befindet sich im zentralen Gebäudeteil im ersten Obergeschoss, über der Radiologie. Von dort aus ist er ideal an die umliegenden Abteilungen und die vertikale Erschließung angeschlossen, sodass kurze Wege möglich sind. So können Patient*innen schnellstmöglich auf die Stationen verlegt werden, aber auch die Tagesklinik ist über einen eigenen Weg an den Vorbereitungs- und Aufwachbereich angebunden, was vor allem durch die steigenden Zahlen an ambulanten Operationen von großer Bedeutung ist. Die Zentralsterilisation ist unmittelbar neben dem OP-Bereich verortet. Sterile Materialien werden über einen anderen Weg angeliefert, als gebrauchte Instrumente zur Aufbereitung zurückgeführt werden. Für reine und unreine Versorgungen spielen Prozesse und Erschließungswege eine wichtige Rolle.

Wie im gesamten Krankenhaus wurde auch im OP-Bereich viel Wert auf natürliches Licht gelegt. Die Vor- und Nachbereitungsräume sowie die zwölf Operationssäle sind größtenteils an die Fassade angeschlossen, sodass Mitarbeitende während der Arbeit das Tageslicht wahrnehmen und die Patient*innen beim Aufwachen ins Grüne schauen können.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Patientenzimmer und Pflegestationen

Die Bettenstationen sind jeweils um einen Innenhof angeordnet. Die Patientenzimmer liegen sowohl an den äußeren Fassaden als auch zur Hofseite. Die Erschließung erfolgt über einen umlaufenden und innenliegenden Erschließungsbereich. In die Ringstruktur sind Treppen, Aufzüge und dienenden Räume, wie der Pflegestützpunkt und das Materiallager eingebunden.

Die Pflegestationen für die Patient*innen sind mit Einzelzimmern und einer zugehörigen Nasszelle ausgestattet. Zwischen den Zimmern liegen die  Nasszellen, sodass die Korridorseite für den Zugang und den Kontakt zum Pflegepersonal zugänglich bleibt. Die Zimmer bieten außerdem ausreichend Platz für Besuch, ärztliche Gespräche und physiotherapeutische Übungen.

Auf einer Normalstation gibt es Platz für 28 Patient*innen. Zusätzlich sind die Stationen mit allen notwendigen Räumlichkeiten für die Pflege, wie einem zentralen Pflegestützpunkt, Mitarbeitendenbereichen, rein- und unreinen Lagerräumen etc., ausgestattet. Eine Besonderheit sind kleine Nischen in dem Erschließungsbereich, in denen Versorgungswägen oder Geräte platziert werden können.

Die Überwachung von Patient*innen bekommt auf der Intensivstation nochmal eine größere Bedeutung, sodass diese Stationen als kleinere Einheiten gestaltet sind. Die Intensivzimmer sind ebenfalls als Einbettzimmer ausgestattet und eine Station bietet Platz für 12 Patient*innen. Vor jedem Zimmer gibt es noch einen zusätzlichen Überwachungs- und Dokumentationsplatz. Ergänzend gibt es noch Isolationszimmer und im Akutfall können Stationen oberhalb der Intensivstation in den Intensivstatus hochgefahren werden und über einen separaten Zugang direkt aus der Intensivstation erschlossen werden. Die Stationen haben neben dem Stationsstützpunkt, den reinen und unreinen Arbeitsräumen etc. vor allem einen zusätzlichen Raum für die Medikamentenvorbereitung.
Die Zimmer sind großzügig gestaltet, sodass auch für die Einbindung von Angehörigen ausreichend Platz zur Verfügung steht.

Der den Architekt*innen wichtige Bezug zwischen Innen- und Außenraum wird auch in den  Patient*innenzimmern noch einmal deutlich. Hohe Fenster mit niedrigen Brüstungen ermöglichen einen direkten Blick vom Bett in die Umgebung und lassen viel Tageslicht hinein.

Tagesklinik mit Zugang ins Freie

In der onkologischen Tagesklinik im vierten Obergeschoss sind die Behandlungsplätze in vier Gruppen mit jeweils drei oder sechs Plätzen zusammengefasst. Vorhänge bieten die Möglichkeit, dass trotz der großen Anzahl an Behandlungsplätzen eine gewisse Privatsphäre besteht. Der für den Entwurf wichtige Bezug zum Außenraum wird auch hier noch einmal deutlich. Große Fenster bringen viel Tageslicht in die offenen Behandlungsbereiche und ermöglichen einen direkten Blick ins Grüne. Eine Besonderheit stellt hier der direkte Zugang auf eine Dachterrasse dar, der die Einbindung der Dachterrasse in den Behandlungsalltag ermöglicht.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Der Entwurf des Tergooi MC integriert Entwurfsprinzipien des baulichen Gesundheitsschutzes auf unterschiedlichen Maßstabsebenen.

Die zentrale Magistrale, die alle Baukörper miteinander verbindet, schafft eine gute Orientierung innerhalb der öffentlichen Bereiche. Die Innenhöfe und der Blick in den Außenraum unterstützten die räumliche Orientierung zusätzlich. Auf der Achse verortete dezentrale Erschließungen der einzelnen Baukörper entzerren Personenströme, vermeiden ungewollte Kontakte und organisieren Personenströme bedarfsgerecht. Gleichzeitig unterstützen interne Erschließungsbereiche ungewollte Kontakte zwischen Mitarbeitenden, Besuchenden und Patient*innen oder auch die Ver- und Entsorgung.

Im Akutfall lassen sich die einzelnen Baukörper kohortieren und separat erschließen. Die Erschließung kann teilweise direkt aus dem Außenraum erfolgen. Besonders hervorzuheben sind die Kohortierungsmöglichkeiten der Intensivstation sowie die Ausstattung der Stationen mit Isolierzimmern. Die Intensivstationen sind kompakt gestaltet und umfassen zwölf Bettplätze. Im Akutfall kann durch die Kohortierung der Stationen die Anzahl auf sechs Bettplätze reduziert werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Kapazitäten der Intensivstation durch die baugleiche Struktur auf andere Stationen zu übertragen und so im Bedarfsfall die intensivmedizinische Versorgung aufzustocken.

Die Stationen sind mit einem zentralen Stationsstützpunkt ausgestattet und dezentrale Dokumentationsplätze vor den Intensivzimmern unterstützen die Überwachung der Patient*innen. Vor allem der Entwurf und die Gestaltung der Patient*innenzimmer, auf der Intensivstation sowie auf Normalpflege, tragen zum baulichen Gesundheitsschutz bei. Alle Zimmer sind als Einbettzimmer ausgestattet. Ausreichend Bewegungsfläche und klar definierte Zonen für Mitarbeitende, Patient*innen und Besuchende unterstützen reibungslose Abläufe und tragen zur Compliance der Hygiene bei.
Die großen Fensterflächen lassen viel Tageslicht in die Zimmer einfallen, was sich zum einen unterstützend auf die Mitarbeitenden auswirkt, aber zum anderen vor allem das Wohlbefinden der Patient*innen unterstützt. Die Zimmer werden möglichst frei von medizinischen Geräten oder außerhalb des Blickfeldes ausgestattet, was zum einen ausreichend Platz für Behandlungen bietet, aber vor allem den Stressfaktor bei Patient*innen minimiert. Zudem trägt die Gestaltung der Räumlichkeiten durch warme Farben und Holz zum Wohlbefinden bei.

Erschließung EG
Orientierung EG
Kohortierbarkeit OG
Erschließung OG

The post Krankenhaus Tergooi MC in Hilversum, Niederlandevon Wiegerinck Architekten appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Sana Klinik München von Wörner Traxler Richter Architekten

Infrastrukturen |
Best Practice

Sana Klinik München von Wörner Traxler Richter Architekten

Die Sana Klinik München in München-Sendling wurde 2017 nach dem Entwurf von Wörner Traxler Richter Architekten fertiggestellt. Der Neubau ergänzt die bestehende Bebauung zum Sana Gesundheitscampus München und eröffnet eine Fachklinik für orthopädische Chirurgie. Die Architekt*innen haben in ihrem Entwurf einen Fokus auf die Mitarbeitenden gesetzt und besonders auf eine wohltuende Arbeitsatmosphäre geachtet. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die natürliche Belichtung des Arbeitsumfeldes, sodass auch in den Operationssälen ein Arbeiten bei Tageslicht ermöglicht wird.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

Wörner Traxler Richter, Frankfurt am Main I Dresden I München I Basel

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2017


Standort

München, Deutschland

BGF

14.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

173 Betten + 7 Intensivpflegebetten

Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner

Die Sana Klinik München ist ein fünfgeschossiger Neubau und liegt im Münchner Stadtteil Sendling. Sie wurde 2017 als Fachklinik für orthopädische Chirurgie eröffnet. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Klinikaltbau bildet er den Sana Gesundheitscampus München.

Das Gebäude gliedert sich in mehrere Gebäudeflügel, die einen offenen Hof von drei Seiten umschließen. Zwei seitliche Flügel sind durch einen querliegenden Gebäudeteil miteinander verbunden und bilden so einen U-förmigen Grundriss. Am oberen Ende des rechten Flügels verbindet sich der Neubau mit dem Bestand eines Mehrfamilienhauses. So bildet pro Etage jeder der beiden Seitenflügel eine Station aus. Die Patient*innenenzimmer liegen entlang der Fassade und öffnen sich entweder zum Hof oder zu den umliegenden Gebäuden.

Die zentrale Erschließung der Station liegt in der Mitte des U-förmigen Grundrisses, in dem verbindenden Gebäudeteil und erfolgt über drei Aufzüge und ein Treppenhaus. Der Erschließungsbereich wird durch Wartemöglichkeiten, Büroflächen und Sanitäranlagen ergänzt. Von hier durchstößt ein zentraler Erschließungsbereich die jeweiligen Stationen und bildet somit auch den Eingang zu den Stationen aus. Beim Betreten der Station fällt der Blick direkt über das gegenüberliegende Fenster in den Außenraum. Die Patient*innen oder Angehörigen werden zunächst am Stationsstützpunkt empfangen.

Ein zentraler, innenliegender Flur erschließt in den Seitenflügeln jeweils die Patient*innenzimmer. Die östlichen Stationen weisen aufgrund des verbindenden Gebäudeflügels, der den Neubau mit dem Altbau verbindet, eine höhere Anzahl an Zimmern auf. Am knickenden Gelenk des Flügels befinden sich hier noch einmal dienende Räume  und im Seitenflügel ordnen sich fünf weitere Patient*innenzimmer zur Fassade hin an. Jede Station weist am Kopfende der Flügel, zur Straßenseite angeordnet, einen Gemeinschaftsraum vor. Durch die Anordnung von Aufenthaltsbereichen nahe der zentralen Erschließung als auch an den Enden der Gebäudeflügel können diese als Orte der Begegnung dienen.

Weitere Treppenkerne befinden sich jeweils am Ende der Gebäudeflügel. Im rückwärtigen Bereich des Verbindungsflügels ordnen sich die dienenden Räumlichkeiten der jeweiligen Station an, die separate Zugänge für Mitarbeitende vorweisen.

Die Sana Klinik München zeichnet sich durch einen großen Fensteranteil in der Fassade aus. Die großen, nahezu bodentiefen Fenster lassen viel Tageslicht in die Patientenzimmer und ermöglichen gleichzeitig einen Blick in den Hof oder auf die umliegenden Gebäude. Die Patientenzimmer zum Hof weisen hier eine Besonderheit durch ihre schräg angeordneten Fensterbereiche auf. Die Wände zum Hof sind um etwa 30° abgewinkelt und bilden so einen privaten Blick in den Hof aus. Dadurch verändert sich auch die Struktur der Zimmer im Fensterbereich und bildet dort eine gemütliche Sitzecke aus.

Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Standardzimmer

Die Standardzimmer sind als Zweibettzimmer konzipiert und werden über den Stationsflur erschlossen. Im Eingangsbereich befindet sich die zugehörige Nasszelle. Durch die abgeschrägte Wand wird der Blick in das Zimmer geöffnet und zusätzliche Bewegungsfläche im Patientenzimmer geschaffen.
Die Betten sind parallel zueinander und mit ihren Kopfenden an derselben Seitenwand angeordnet. Zum Hof hin öffnet sich der Raum durch den abgewinkelten Fensterbereich. Hier befindet sich eine gemeinsame Sitzgruppe mit einem Tisch und zwei Stühlen. Dadurch entsteht neben dem Bereich der Betten ein zusätzlicher Platz zum Sitzen und für Gespräche.

Privatzimmer

Die Wahlleistungszimmer sind als Zweibettzimmer konzipiert und werden über einen gemeinsamen Eingangsbereich erschlossen, von dem auch das gemeinsame Bad betreten wird. In diesem Eingangsbereich befinden sich zusätzlich Arbeits- und Lagermöglichkeiten. Ein festes Trennelement gliedert das Zimmer in zwei private Bereiche und schafft eine seitliche Abschirmung der Patient*innen. Zum Eingangsbereich bleiben beide Bereiche offen und miteinander verbunden. Jeder Bettplatz verfügt über einen eigenen Fensterabschnitt sowie separate Sitz- und Ablagemöglichkeiten. Im Vergleich zu den Standardzimmern bietet diese Raumaufteilung mehr Platz und Privatheit.

Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Die Sana Klinik in München Sending sticht vor allem durch ihren hohen Fensteranteil hervor, wodurch viel Tageslicht in die Patient*innenzimmer gelangt und eine gute natürliche Belüftung möglich ist.
Durch die klare Gliederung der Grundrissstruktur können die einzelnen Stationen im Akutfall kohortiert und dezentral erschlossen werden.
Die Stationen sind übersichtlich gestaltet und weisen einen zentralen Stationsstützpunkt vor, wodurch sich Mitarbeitende, Angehörige und Patient*innen gut orientieren können.

Die klare Gliederung der Station ermöglicht kurze Wege zwischen den dienenden und hochfrequentierten Räumen und den Patient*innenzimmern, sodass auch die Arbeitsprozesse unterstützt werden. Auf den größeren Stationen sind noch einmal dezentrale Räumlichkeiten zur Patient*innenversorgung angeordnet, wodurch die Arbeitsprozesse noch weiter unterstützt und Wege verkürzt werden.
Durch die same-handed Anordnung der Grundrisse in den Patient*innenzimmern auf der Normalstation wird das Personal zusätzlich in ihren Arbeitsprozessen unterstützt. So muss sich das Personal in den unterschiedlichen Zimmern nicht neu orientieren und die Versorgungsprozesse können optimiert werden.
Im Unterschied dazu ist die Gestaltung in Privatzimmern nicht same-handed ausgebildet Dafür sind jedoch die Patient*innenbereiche klar voneinander getrennt, wodurch auch die Prozesse klar gegliedert und voneinander getrennt stattfinden. Durch die räumliche Trennung finden auch die Arbeitsbereiche in den dafür ausgewiesenen Flächen pro Patient*in statt. Durch die klar lesbaren und nutzerspezifischen Zonen im Patient*innenzimmer können unkontrollierte Kontakte vermieden werden.

Vom Eingang sind die Bettplätze für das Personal gut einsehbar, sodass eine gute Überwachung der Patientinnen ermöglicht wird und im Notfall ein schneller Eingriff möglich ist.

Die Gestaltung der Patient*innenzimmer trägt durch ein hohes Maß an natürlichem Lichteinfall zum Wohlbefinden der Patient*innen bei.

Flächenmanagement Pflegezimmer
Flächenmanagement Privatzimmer
Kohortierung OG
Orientierung OG

The post Sana Klinik München von Wörner Traxler Richter Architekten appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Akershus University Hospital in Oslo, von C.F. Møller Architects

Infrastrukturen |
Best Practice

Akershus University Hospital in Norwegen, von C.F. Møller Architects

Im Jahr 2000 gewannen C.F. Møller Architects den Wettbewerb zur Realisierung des neuen Universitätskrankenhauses, New Ahus. Das Krankenhaus wurde 2015 final fertiggestellt. Den Architekt*innen war für ihren Entwurf die Beziehung von Innen- und Außenraum von Bedeutung. Viel Tageslicht und der Bezug zur Natur sind ein wesentliches Gestaltungselement, das sich in den unterschiedlichen Bereichen des Krankenhauses widerspiegelt.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

C.F. Møller Architects, Aarhus I Berlin I Copenhagen

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Krankenhaus

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2015


Standort

Nordbyhagen, Norwegen

BGF

118,000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

565 Betten

Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod

Das Universitätskrankenhaus liegt nordöstlich von Oslo in der Provinz Akerhus, die zum Großraum Oslo gehört. Eingebettet in einen grünen Universitätscampus liegt der Haupteingang im Norden des Geländes und wird über einen Vorplatz betreten.

Der offen und einladend gestaltete Entwurf der Architekt*innen empfängt die Patient*innen und Angehörigen am Haupteingang und leitet sie entlang einer großzügigen Achse zu den unterschiedlichen Funktionsbereichen. Ein großes Auditorium sowie eine Kantine schließen direkt an den Eingangsbereich im Norden an. Im Erdgeschoss sind entlang der Erschließungsachse Freiflächen, Begegnungsflächen, Rückzugsflächen und öffentliche Funktionen wie eine Apotheke, ein Friseur oder ein Café angeordnet. Das große Glasdach und die Fassadenelemente ermöglichen einen Bezug zur Natur und bieten eine gute Orientierung. Entlang der Achse sind Erschließungskerne angeordnet, die einen Zugang zu den unterschiedlichen Funktionsbereichen des Universitätskrankenhauses ermöglichen. Gläserne Brücken durch die Erschließungsachse, verbinden die gegenüberliegenden Erschließungskerne der unterschiedlichen Funktionsbereiche miteinander.

Auf der östlichen Seite, in den Fingern der Kammstruktur, befinden sich im Erdgeschoss ambulante Stationen. In den oberen Geschossen befinden sich stationäre Bettenstationen. Die Patient*innenzimmer sind beidseitig an der Fassade angeordnet und werden über einen innenliegenden Erschließungsbereich erschlossen. Zwischen den einzelnen Bettenstationen sind die Funktionsbereiche für die Versorgung parallel zur Erschließungsachse angeordnet. Die Räumlichkeiten orientieren sich dabei sowohl zum Luftraum der Erschließungsachse als auch zum Außenraum.

Auf der westlichen Seite liegen Büro- und Verwaltungsräume ebenfalls parallel zur Erschließungsachse. Die Finger der Kammstruktur sind auf dieser Seite mit einem Riegel verbunden, sodass ein Innenhof ausgebildet wird. Um die beiden nördlichen Innenhöfe orientieren sich in den unteren Etagen u.a. Tagesklinik, Aufwachräume, Radiologie und Schmerzklinik. Die Stationen sind so strukturiert, dass der Leitgedanke des Entwurfes, die Verbindung von Innen- und Außenraum sowie Tageslicht in allen Arbeitsbereichen, ermöglicht wird. Dies wird besonders in der fünften Etage, in der sich die Operationsbereiche befinden, verdeutlicht. Die Operationssäle und alle dienenden Räume sind an die Fassade angeschlossen und werden so mit direktem Tageslicht versorgt.

Die Notaufnahme wird über die westliche Fassadenseite erschlossen. Durch einen Geländeversprung erfolgt die Liegendanfahrt, sowie der Eingang zur Notaufnahme, über die zweite Etage. Die Triage, der Notfall-Operationsbereich und der Behandlungsbereich schließen sich hier ebenfalls direkt an und orientieren sich um die beiden südlichen Innenhöfe herum. Im südlichen Gebäudeteil schließt direkt zwischen Notaufnahme und Erschließungsachse ein Kopfbau an, in dem die Kinder- und Frauenheilkunde untergebracht ist. Hier befinden sich u.a. die Neonatologie, Geburtsstationen und Kinderklinik. Dieser Funktionsbereich wird über einen separaten Eingang im Süden der Erschließungsachse betreten und bietet Kindern und ihren Familien einen geschützten Raum.

Durch die Verwendung von Holz als natürliches Material und den direkten Einfall von natürlichem Licht wird eine wohltuende Atmosphäre erzeugt.

Quelle: Jorgen True
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Bei einem Universitätskrankenhaus steht selbstverständlich der Gesundheitsschutz im Vordergrund. Ein Entwurf kann durch die Struktur zu optimierten Arbeitsprozessen, aber auch aufgrund der Materialwahl oder Bauteilfügung zur Infektionsprävention beitragen.

Die große Erschließungsachse im Universitätskrankenhaus Akershus trägt zur guten Orientierung innerhalb der Gebäudestruktur bei. Von dieser Magistrale, an der sich alle öffentlichen Funktionen anordnen, erfolgt über dezentrale Erschließungskerne die Erschließung der unterschiedlichen ambulanten und stationären Funktionsbereiche. Somit ist einerseits eine gezielte Erschließung möglich, wodurch Personenströme direkt geleitet werden können und nicht notwendige Kontakte vermieden werden. Andererseits ist die Kohortierung der einzelnen Bettenstationen, aber auch der Operationsbereiche oder weiterer Fachbereiche voneinander möglich. Des Weiteren ermöglichen Fluchttreppenhäuser, an den Kopfseiten der Kämme, eine direkte Erschließung aus dem Außenraum.

Die separate Erschließung der Notaufnahme mit direkter Anbindung an den OP-Bereich unterstützt die Arbeitsprozesse im Notfall. Zusätzlich ist die Frauen- und Kinderklinik noch einmal mit einem separaten Gebäudetrakt von den weiteren Funktionsbereichen getrennt, sodass sich Personenströme nicht begegnen und im Notfall eine prozessorientierte Versorgung durch die kurzen Wege bspw. zwischen Kreißsaal und Neonatologie erfolgen kann.

Direkte und kurze Wege zwischen den Fachbereichen und dem bspw. Operationsbereich sowie die Verbindung über Brücken in die Bettenstationen ermöglichen kurze Wege zwischen Behandlungen und im Notfall.

Nutzernahe Lagerflächen, bspw. durch die Anordnung der Versorgungsräume direkt am  Zugang zur Bettenstation, ermöglichen eine dezentrale Lagerung von Materialien, die bedarfsgerecht und prozessorientiert aufgefüllt werden können.

Kohortierbarkeit EG
Erschließung EG
Kurze Wege EG
Orientierung EG
Kohortierbarkeit OG
Erschließung OG
Kurze Wege OG
Orientierung OG

The post Akershus University Hospital in Oslo, von C.F. Møller Architects appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Patientenzimmer der Zukunft in Braunschweig, Forschungsprojekt gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Infrastrukturen |
Best Practice

Patientenzimmer der Zukunft in Braunschweig, Forschungsprojekt gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Bei dem Patientenzimmer der Zukunft handelt es sich um den Demonstrator eines Zweitbettzimmers auf einer Normalpflegestation. Das Patientenzimmer entstand in dem  Verbundforschungsprojekt KARMIN, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen von „InfectControl 2020“ gefördert und realisiert wurde. Der Entwurf und die Realisierung entstanden als Reaktion auf die vermehrten Forderungen, dass im Krankenhaus maßgeblich Einbettzimmer realisiert und genutzt werden sollen. Der Demonstrator sollte alternativ die baulichen Ertüchtigungen von Zweibettzimmern untersuchen und die Reduzierung von Infektionen und Übertragunge von Erregern durch bauliche Maßnahmen fokussieren.

Die Forschungspartner*innen haben hier zunächst auf der Basis u.a. einer wissenschaftlichen Analyse von Bestandsbauten, der anschließenden Bewertung und der daraus resultierenden Entwicklung von Entwurfsprinzipien und Lösungsansätzen den Entwurf eines Zweibettpatientenzimmers inklusive einer Nasszelle pro Bettplatz entworfen. In der Entwicklung des Prototypen lag der Fokus auf unterschiedlichen Betrachtungsfeldern, wie der Grundrissstruktur, Prozessen, Materialität oder Lichtszenarien. Gemeinsam mit Industriepartnern wurde der Demonstrator anschließend realisiert.

Der Demonstrator wurde zunächst auf dem Campus Mitte der Charité Universitätsmedizin Berlin errichtet. Seit 2023 wird der Demonstrator als Forschungs- und Studienlabor genutzt und steht auf dem Gelände des Städtischen Klinikums in Braunschweig.

Architektur statt Antibiotika

Die Patientenzimmer stellen einen zentralen Aspekt in der Hygiene und dem Krankenhausbau dar. Diese nehmen einen Großteil der Fläche eines Krankenhausbaus ein und zudem finden dort die zentralen Prozesse und der längste Aufenthalt im Prozess der Genesung der Patienten statt. Im Krankenhausbau gibt es viele hygienekritische Bereiche und auch das Patientenzimmer ist einer dieser Bereiche, in denen das Infektionsrisiko steigt und die Einhaltung der Hygiene-Compliance sehr wichtig ist.
Die Architektur kann durch die Struktur, Bauteilfügung oder Materialwahl zum baulichen Gesundheitsschutz, aber auch zur Compliance der Prozesse beitragen.

Quelle: Tom Bauer
Quelle: Tom Bauer
Quelle: Tom Bauer
Quelle: Tom Bauer
Der evidenzbasierte Entwurf

Bei dem evidenzbasierten Entwurf des Zweibettzimmers wurde von der Grundrissstruktur bis ins Detail an Lösungen zur Infektionsprävention gearbeitet. Der Entwurf eines baulichen Best-Practice-Beispiels stand hier im Fokus. Das Zimmer ist zunächst in vier Zonen aufgeteilt worden: den Eingangsbereich, den Pflegebereich, den Patientenbereich und den Bereich für Besuchende. Zusätzlich gibt es zwei Nasszellen, die den jeweiligen Bettplätzen zugeteilt sind.
Wird das Zimmer über den Flur betreten, so kommt man zunächst im Vorbereich, zwischen den beiden Nasszellen, an und der Blick fällt direkt auf die großflächige Fassade. Vom Eingangsbereich öffnet sich der Raum trichterförmig zu den beiden Patientenbetten, die sich jeweils rechts und links gegenüberstehen. Die Grundstruktur des Raumes ermöglicht einen guten Einblick auf die beiden Bettplätze und unterstützt so die Überwachung der Patienten.
Die Patientenbereiche liegen zentral im Zimmer, sodass der Abstand zur Fassade sowie zur Nasszelle für beide Bettplätze gleichwertig gestaltet ist. Je Bettplatz gibt es eine Abstellfläche für den Pflegewagen sowie einen kleinen Schreibtisch und einen Schrank, die an der Außenfassade angeordnet sind.

Je ein Pflegebereich pro Patient befindet sich zwischen dem Bettplatz sowie der Wand zur Nasszelle. In diesem Pflegearbeitsbereich haben die Mitarbeitenden ausreichend Platz zur Vor- und Nachbereitung. Ein Pflegearbeitsschrank, ein Abwurfeimer, Handschuh- und Desinfektionsmittelspender stehen hier für jeden Bettplatz zur Verfügung.

Unter der großen Fensterfläche, die viel Tageslicht in das Zimmer einfallen lässt, befindet sich eine große Sitzbank für Besuchende. Rechts und links von dieser Bank befinden sich die kleinen Schreibtische der jeweiligen Bettplätze, die auch von den Besuchenden mitgenutzt werden können.

Jeweils eine Nasszelle steht pro Patient zur Verfügung. Dies führt einerseits zu mehr Privatsphäre in den Patientenzimmern und es gibt ausreichend Platz für persönliche Gegenstände. Andererseits werden ungewollte Kontakte und Schmierinfektionen verhindert. Die Nasszellen sind barrierefrei ausgeführt und werden über eine große Schiebetür erschlossen. Abfalleimer im Bad sowie der Abwurf im Pflegebereich sind in der Wand verbunden, sodass Abfälle gebündelt entsorgt werden können und die Arbeitsschritte erleichtert werden.

Quelle: Tom Bauer
Quelle: Tom Bauer
Quelle: Tom Bauer
Lichtszenarien

Für die unterschiedlichen Prozesse im Zimmer gibt es die Möglichkeit, verschiedene nutzerspezifische Lichtszenarien einzustellen. So können neben der Komforteinstellung für den Patienten bspw. während der Visite oder während der Reinigung die Prozesse durch eine passende Ausleuchtung des Raumes unterstützt werden.

Die Positionierung der Leuchtmittel unterstützt außerdem die Einteilung des Zimmers in die vier Zonen: Eingangs-, Patienten-, Pflege- und Besucherbereich. Durch den Einsatz von Human-Centric-Lighting soll zusätzlich der Genesungsprozess unterstützt werden. Die Lichtszenarien können neben einem Panel am Eingangsbereich oder direkt am Patientenbett auch über bewusst positionierte Taster bedient werden.

Ausstattung

Für das Patientenzimmer wurden unterschiedliche Ausstattungsgegenstände entworfen, die bei der Reinigung und Pflege unterstützen sollen und so zur Infektionsprävention beitragen.

Der Boden sollte möglichst frei von Ausstattungsgegenständen bleiben oder diese sollten mobil sein, damit der Reinigungsprozess nicht behindert wird. Somit wurde beispielsweise die Bank für Besuchende freihängend gestaltet. Der Pflegearbeitswagen wurde fugenlos entworfen, damit eine optimale Reinigung durchgeführt werden kann. Zur Unterstützung der Prozesse ist der Pflegewagen von beiden Seiten gleichermaßen nutzbar.

Je nach Nutzungsbedarf wurden an verschiedenen Positionen im Zimmer Desinfektionsmittelspender positioniert. Diese unterscheiden sich je nach Nutzungszweck. Der ebenfalls eigens für das Zimmer neu entworfene KARMIN-Desinfektionsmittelspender verfügt über ein Belohnungssystem, das nachweislich zur Nutzung der Spender und somit zur Hygiene-Compliance beiträgt.

Auch Patienten können zur Hygiene beitragen. Deshalb spielt die Aufklärung der Patienten im Projekt KARMIN eine große Rolle. Auf dem Bedside-Terminal können Patienten neben dem allgemeinen Mediaangebot auch Informationen zum Gesundheitsschutz und zur Hygiene finden.

Materialien

Im Patientenzimmer wurden Materialien gewählt, die einerseits robust und leicht zu reinigen sind sowie durch ihre Oberflächenbeschaffenheit Verunreinigungen sichtbar machen. Andererseits wurde bei der Materialwahl bewusst auch auf das Wohlbefinden von Patient*innen geachtet. Eine Mischung aus kalten und warmen Farben erzeugt durch den Einsatz von Holzdekor einen wohnlichen Charakter und wird durch den Ausblick in die Natur und den Einfall von Tageslicht ergänzt.

Quelle: Tom Bauer
Quelle: Tom Bauer
Quelle: Tom Bauer
Wie kann es ein Best-Practice-Beispiel bleiben?

Aktuell wird unter der Federführung des Instituts für Konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE) der TU Braunschweig, des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig und des Städtischen Klinikums Braunschweig der Demonstrator als Forschungs- und Studienlabor aktiv weitergenutzt. An diesem Best-Practice-Beispiel sollen kontinuierlich Prozesse weiter untersucht und im Sinne der Compliance weiterentwickelt werden. Gleichzeitig sollen weiterhin innovative, praxistaugliche baulich-technische Musterlösungen, smarte Materialien und Oberflächen sowie zukunftsfähige Ausstattungselemente und Produkte im Sinne der Infektionsprävention und Reinigung getestet und weiterentwickelt werden.

Flächenmanagemant
Ausstattung
Nutzernahe Lagerflächen
Dezentrale Sanitäranlagen

The post Patientenzimmer der Zukunft in Braunschweig, Forschungsprojekt gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung appeared first on PlanGesund.info.

  •  

KRH Klinikum Siloah in Hannover von a|sh sander.hofrichter architekten

Infrastrukturen |
Best Practice

KRH Klinikum Siloah in Hannover von a|sh sander.hofrichter architekten

Mit dem Neubau wurden die Krankenhäuser Siloah und Oststadt-Heidehaus am bestehenden Standort Siloah zusammengeführt. Die Architekt*innen a|sh sander.hofrichter haben 2007 den ersten Preis für ihren Entwurf sowie den Auftrag für die weitere Planung erhalten. Neben der neuen Organisation der medizinischen Bereiche war die Einbindung in das vorhandene Klinikgelände eine zentrale Aufgabe. Der neu entstandene Bau nimmt im Sockel die Traufhöhe der denkmalgeschützten Bestandsgebäude auf und ordnet sich entlang der neu entstandenen Klinikallee zwischen der Ihme und den Bestandsbauten an.

 

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

a|sh sander.hofrichter architekten, Ludwigshafen

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Kammstruktur auf einem Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2014


Standort

Hannover, Deutschland

BGF

ca. 62.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

535 Planbetten und 40 Wahlleistungsbetten

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Markus Bachmann
Quelle: Markus Bachmann
Ankommen und Orientierung

Das KRH Klinikum Siloah liegt im hannoverschen Stadtteil Linden-Süd direkt an der Ihme. Der Neubau steht auf dem bestehenden Klinikgelände zwischen den historischen Krankenhausgebäuden und dem begrünten Flussufer der Ihme. Der Haupteingang, gesäumt von zwei alten Eichen, orientiert sich zur Klinikallee und stellt eine direkte Sichtbeziehung zwischen dem Altbau und dem Neubau her. Auf der Rückseite des Krankenhauses öffnet sich das Gelände zum Grünraum entlang der Ihme.

Von der Eingangshalle am Haupteingang erstreckt sich über zwei Geschosse eine große Erschließungsmagistrale, die einen offenen und gleichzeitig ruhigen Eindruck vermittelt. Direkt beim Betreten des Klinikums kann man bis in den grünen Hof der Cafeteria schauen und darüber hinaus einen Blick auf die Ihme bekommen.

Von der Mitte dieser Magistrale führt querliegend die Haupterschließungsachse des Krankenhauses in beide Richtungen. Von dieser Erschließungsachse führen Erschließungsbereiche in die einzelnen Abteilungen und Funktionsbereiche. In  regelmäßigen Abständen sind auf dieser Achse die Treppen und Aufzüge für die vertikale Erschließung verortet. Im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss des Sockelbaus befinden sich die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche. Auf dem Sockelbau liegt eine Kammstruktur, in deren Flügeln sich die Pflegestationen befinden.

Untersuchung und Behandlung

Im Erdgeschoss befinden sich unter anderem die Notaufnahme, das Aufnahme- und Untersuchungszentrum sowie die Radiologie. Im ersten Obergeschoss sind die OP-Abteilung, die interventionelle Diagnostik und die Intensivmedizin zu finden. Die räumliche Nähe ermöglicht die Zusammenarbeit der Fachbereiche und begrenzt die Wege zwischen den Behandlungsschritten.

In der Grundrissstruktur ordnen sich die einzelnen Raumgruppen um sieben unterschiedlich große Innenhöfe an. So entstehen innerhalb des Sockels zusätzliche Außenfassaden, über die Tageslicht und ein Außenraumbezug in die angrenzenden Räume gelangen. Zudem unterbrechen die Innenhöfe die langen Flure und bieten den Patient*innen, Besuchenden und Mitarbeitenden Orientierungspunkte. Der Zugang zur Notaufnahme im Untergeschoss erfolgt über deinen direkten Weg vom Empfangstresen in der Eingangshalle oder über die dezentrale Zufahrt über die Querseite des Gebäudes, zum Eingang ds Krankenhausgeländes gerichtet.

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Markus Bachmann
Das Patient*innengeschoss und die Patient*innenzimmer

In den oberen Geschossen befinden sich die Pflegestationen, die über dezentrale Treppenhäuser und Aufzüge in der Erschließungsachse erschlossen werden. Die drei Bettenhausflügel sind durch einen gemeinsamen Querbau miteinander verbunden. In diesem Querbau sind die drei dezentralen Erschließungskerne verortet, die direkt gegenüber dem Zugang der Stationen liegen. Dort befinden sich die Pflegestützpunkte, sodass diese direkt beim Betreten der Station sichtbar sind und einen Orientierungspunkt für Patient*innen und Besuchende ausbilden.

Innerhalb der Flügel verläuft jeweils ein innenliegender Erschließungsbereich, von dem aus die beidseitig an der Fassade angeordneten Patient*innenzimmer erschlossen werden. Durch die Struktur erhalten alle Zimmer direktes Tageslicht. Die Zimmer sind als Zwei- und Vierbettzimmer ausgebildet. Die Sanitärräume liegen jeweils an der Flurseite, während sich der Aufenthaltsbereich mit einer kleinen Sitzgruppe, an der Fassade anordnet. Im Zweibettzimmer stehen die Betten parallel nebeneinander und ergänzend spiegeln sich im Vierbettzimmer noch zwei weitere Betten an der gegenüberliegenden Wand. Durch große Fensterflächen haben die Patient*innen einen Blick ins Grüne und auf die Ihme. Die Zimmer der Patient*innen sind mit hellen Möbeln ausgestattet, haben einen Boden in Holzoptik und hinter den Betten sind großformatige Pflanzenmotive in den passenden Farben zum jeweiligen Signaletikkonzept der Station angebracht.

Zwischen den Flügeln entstehen große Freiräume, die sich zur Ihme hin öffnen. Im Querbau der Kammstruktur ordnen sich weitere Pflegezimmer zwischen den Stationsstützpunkten an. Zwischen den dezentralen Erschließungskernen sind u.a. Sanitäranlagen und Lagerräume angeordnet. Zwei parallele Erschließungsbereiche verlaufen beidseitig entlang dieser dienenden Spange. Im rückwärtigen Bereich des Querbaus befinden sich, entlang der Fassade, Arzt- und Untersuchungszimmer, sowie weitere dienende Räumlichkeiten. An den äußeren Enden des Querbaus sind Aufenthaltsräume mit Sitzgruppen verortet.

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Farbe als Orientierungshilfe

Ein starkes Signaletikkonzept unterstützt die Besuchenden und Patient*innen bei der Orientierung und Durchwegung des Gebäudes. So sind unterschiedliche Nutzungen und Funktionsbereiche durch Farben gekennzeichnet und werden durch das Farbkonzept leichter erkennbar. Grün kennzeichnet beispielsweise die Behandlungsbereiche im Sockelgeschoss, wohingegen Violett, Gelb und Rot die drei stationären Pflegestationen kennzeichnen. Die Farben Violett, Gelb und Rot beziehen sich auf die Heilpflanzen Lavendel, Ringelblume und Hibiskus. Durch farbige Wandflächen sind damit unter anderem die Aufzüge, Treppen und Stationszugänge markiert. Von dort wird die jeweilige Farbe vom Pflegestützpunkt bis in die Patientenzimmer weitergeführt.

In den Behandlungsbereichen findet sich das Grün unter anderem an der Anmeldung der Notaufnahme und an den Türen wieder. Großflächige Pflanzenzeichnungen und kurze Texte ergänzen die Beschilderung in den Fluren. In den Patient*innenzimmern werden die Pflanzen auch als Wandmotive hinter den Betten aufgegriffen. So begleitet das Farb- und Pflanzenkonzept den Weg durch das gesamte Klinikum bis hin zum einzelnen Bettplatz.

Fassade und Materialität

Der Aufbau des Krankenhauses lässt sich an den Fassaden ablesen. Der massive, zweigeschossige Sockel mit u.a. den Untersuchungs- und Behandlungsräumen ist mit einem hellen Klinker verkleidet. Über dem Sockelgeschoss liegt eine fünfgeschossige Kammstruktur, in der sich die Bettenstationen befinden. Eine zurückgesetzte, dunkel verglaste Etage trennt die oberen Baukörper optisch vom Sockel und zusammen mit den auskragenden Gebäudekanten verstärkt sie den Eindruck, dass die Bettenhäuser über dem unteren Gebäudeteil schweben. Die oberen vier Etagen sind mit einer hellen, grünschimmernden Fassade und grauen Fensterelementen verkleidet.

Quelle: Markus Bachmann
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Das Siloah Klinikum in Hannover bietet seinen Patient*innen und Besuchenden von innen und außen eine gute Orientierung und Übersichtlichkeit. Dies hilft dabei, ungewollte Kontakte zu Personengruppen zu vermeiden und direkte Wege zunehmen. Im Siloah Klinikum kann die Aufteilung in Funktions- und Pflegebereiche bereits in der Fassade durch den massiven Sockel und die leichte Kammstruktur abgelesen werden. Die große Magistrale bietet eine gute Übersichtlichkeit und wird durch das Signaletikkonzept noch weiter unterstützt. Diese Magistrale kann im Akutfall auch zum Errichten von temporären Flächen genutzt werden. Der große Empfangsbereich auf der Magistrale und die Stationsstützpunkte, die jeweils gegenüber der dezentralen Erschließung liegen, bieten direkte Anlaufstellen und eine zusätzliche gute Überwachung. Die dezentrale Erschließung verringert die Kontaktzahl bzw. die Kontaktzeit von Personengruppen. Zusätzlich unterstützt diese die Möglichkeit der Kohortierung im Pandemiefall. Durch die dezentralen Erschließungskerne können die einzelnen Bettenflügel separat erschlossen werden. Durch die jeweils den Erschließungskernen u.a. zugeordneten Sanitäranlagen und Lagerflächen ist die Bildung von Kohorten möglich, sodass im Akutfall die einzelnen Funktionsbereiche losgelöst voneinander genutzt werden könnten.
Die Wege zwischen den Untersuchungs- und Behandlungsbereichen sind kurz. Dies reduziert die Laufwege zwischen unterschiedlichen Bereichen und optimiert die Prozesse der Mitarbeitenden. Die Funktionsbereiche sind so aufgebaut, dass das medizinische Personal zu den Patient*innen kommt, wodurch die Kontakte minimiert werden.

Erschließung EG
Temporäre Flächen EG
Orientierung EG
Erschließung OG
Orientierung OG
Nutzernahe Lagerflächen OG

The post KRH Klinikum Siloah in Hannover von a|sh sander.hofrichter architekten appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Bürgerspital Solothurn, Schweiz von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten

Infrastrukturen |
Best Practice

Bürgerspital Solothurn in der Schweiz von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten

Beim Neubau des Bürgerspitals Solothurn haben Silvia Gmür Reto Gmür Architekten den Fokus auf das Wohlbefinden von Mitarbeitenden und Patient*innen gelegt. Mit ihrem Entwurf „Oasis“ gewannen sie 2008 den Wettbewerb für den Neubau des Bürgerspitals Solothurn. Das Spital wurde 2021 nach rund sechsjähriger Bauzeit eröffnet und bietet Platz für bis zu 290 Betten. Ein  zweigeschossiger Sockelbau verbindet öffentliche Nutzungen, Untersuchungen und Behandlungen mit einem darüberliegenden Bettenhaus. Drei unterschiedlich große Innenhöfe bringen viel Tageslicht in das Gebäude und auf dem freien Dach des Sockelbaus liegt ein Dachgarten. In den Zweibettzimmern stehen die Betten versetzt, sodass sich persönliche Bereiche mit einem Blick in den Außenraum für die Patient*innen ausbilden.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

Silvia Gmür Reto Gmür Architekten, Basel, Schweiz

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2021


Standort

Solothurn, Schweiz

GF

ca. 57.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

290 Betten

Quelle: Architekturfotografie Gempeler, Bern
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Reto Gmür, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Reto Gmür, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Neubau Bürgerspital Solothurn

Der Neubau des Bürgerspitals Solothurn geht auf einen internationalen Wettbewerb zurück, den Silvia Gmür Reto Gmür Architekten 2008 mit ihrem Entwurf „Oasis“ gewonnen haben. Bei der Planung des Akutspitals standen neben der stationären Versorgung mit 290 Betten auch spezialisiertere Bereiche im Fokus. Hierzu zählen u.a. die Operationssäle, Intensivmedizin, Tagesklinik und Notfallversorgung. Der Neubau entstand parallel zum Normalbetrieb des bereits bestehenden Spitals, das nach der Eröffnung des Neubaus abgerissen wurde.

Das Spital teilt sich in einen unteren, zweigeschossigen Sockelbau und einen Bettenturm. Die beiden Gebäudeteile folgen unterschiedlichen räumlichen Anforderungen und dennoch einer klaren Grundstruktur. Im Sockel befinden sich öffentliche Nutzungen sowie Untersuchungs- und Behandlungsbereiche und im oberen Bereich befinden sich die stationären Bereiche für die Patient*innen.

Der Sockelbereich baut auf einer linearen Grundstruktur auf, die für unterschiedliche Nutzungen ausgelegt ist und spätere Anpassungen zulässt. So lassen sich innerhalb dieses Rasters unterschiedliche Raumgrößen und Raumgruppen bilden. Die Struktur soll flexibel und erweiterbar sein, um auf zukünftige Anforderungen reagieren zu können.
Drei Innenhöfe ermöglichen in dem großen Sockelbau viel Tageslicht und eine gute Orientierung. Neben dem Bettenturm wird die freie Sockeldachfläche als Dachgarten genutzt.

Der Bettenturm

Die Patientengeschosse für den stationären Aufenthalt befinden sich im oberen Gebäudeteil, in dem Bettenturm. Die Stationen sind ringförmig aufgebaut. Die Zimmer der Patienten liegen dabei nahezu umlaufend an der Außenfassade und werden von einem sich immer wieder aufweitenden Erschließungsbereich, der ebenso einmal um das gesamte Geschoss verläuft, erschlossen. So erhalten alle Zimmer direktes Tageslicht und einen Blick nach außen. In der Geschossmitte befinden sich die dienenden Stationsräume sowie zwei Lichthöfe, die auch Tageslicht in die innenliegenden Erschließungsbereiche und Räumlichkeiten bringen.

Der umlaufende Erschließungsbereich verläuft zwischen den Patient*innenzimmern und dem inneren Kern aus dienenden Räumen sowie Lichthöfen. An den Ecken wird dieser regelmäßige Verlauf des Erschließungsbereiches durch schräg gestellte Wände unterbrochen und weitet sich auf. An diesen vier sich öffnenden Flächen entstehen zum einen lichtdurchflutete Freiflächen und zum anderen der Stationszugang über Aufzüge und Treppen. Ausgewiesene und lichtdurchflutete Bereiche für Patient*innen und Angehörige bieten Platz für Begegnungen.

Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Die Patient*inenzimmer

Das Zweibettzimmer auf der Normalstation ist so aufgeteilt, dass Patient*innen innerhalb des gemeinsamen Raums einen eigenen Bereich erhalten, sodass Privatsphäre und Gemeinschaft nah beieinander liegen. Der Grundriss lässt sich dabei in drei Zonen gliedern: den Versorgungsbereich der Patient*innen, die Bewegungszone sowie den Bereich für den Aufenthalt von Besuchenden und Patient*innen.

Wenn das Zimmer betreten wird, befindet sich im Eingang ein kleiner Bereich für das medizinische Personal und der Zugang zur Nasszelle mit WC, Waschbecken und Dusche. Die Wand der Nasszelle bildet zugleich die Kopfwand für das korridornahe Bett. Dieses Bett ist mit seiner Längsachse zur Fensterfront ausgerichtet. Mittig im Zimmer ist ein Versatz in der Wand ausgebildet. Hinter diesem Versatz steht das zweite Bett, quer zum ersten Bett, an einem schräg verlaufenden Abschnitt der Zimmertrennwand.

Der Versatz der seitlichen Wände unterstützt die Aufteilung in zwei persönliche Bereiche. Dabei verschiebt sich der fensternahe Teil des Zimmers gegenüber dem korridornahen. Zusammen mit der annähernd rechtwinkligen Bettenstellung ermöglicht dies beiden Patienten einen unabhängigen Blick nach draußen. Vom weiter innen liegenden Bett führt die Sicht am zweiten Bett vorbei zur Fensterfront. Auch der fensternahe Bettplatz besitzt einen eigenen Ausblick.

Die beiden Plätze unterscheiden sich in ihrer Lage und Ausrichtung, bieten aber jeweils Aussicht und Platz für Besuch. An beiden Betten sind Sitzmöglichkeiten vorgesehen und im fensternahen Bereich befindet sich zusätzlich ein Tisch. Zwischen den beiden Bettplätzen bleibt genug Platz für eine ausreichende Bewegungsfläche, um die Betten zu manövrieren.

Beide Betten haben die Möglichkeit, mit Sichtschutzvorhängen die Bettplätze bei Bedarf einzeln abzuschirmen, ohne den jeweils anderen Bereich zu beeinträchtigen. Die medizinischen Anschlüsse und die Beleuchtung sind in wandhängende Holzmöbel an den Bettplätzen integriert.

Die Patientenzimmer sind durch einen Parkettboden und Holzmöbel an den Bettplätzen ausgestattet. Die sichtbare Holzmaserung gibt dem Raum zusammen mit den textilen Vorhängen einen eher wohnlichen Charakter und auch die Wände und die Decke sind in hellen, zurückhaltenden Farbtönen gehalten. Die farbigen Streifen in den Vorhängen sowie rote Tische und Sitzmöbel setzen einzelne farbliche Akzente. An den Fenstern gibt es lichtdurchlässige Vorhänge, die Tageslicht in den Raum lassen und zugleich einen leichten Sichtschutz bieten.

Quelle: Reto Gmür, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

In dem Spital Solothurn treffen ein hohes Maß an Flexibilität und Funktionalität auf Gemeinschaft und Privatsphäre. Durch das hohe Maß an Flexibilität bietet die Grundstruktur die Möglichkeit, zum Errichten von temporären Flächen. Zudem ist das Spital klar gegliedert, wodurch sich eine gute Übersichtlichkeit ergibt. Die Bündelung der Funktionsbereiche ermöglicht für die Mitarbeitenden kurze und direkte Wege und kann somit zu optimierten Arbeitsprozessen beitragen.

Besonders hervorzuheben sind die Patient*innenzimmer, die durch ihre Struktur in einem hohem Maß zum Wohlbefinden und zur Privatsphäre der Patient*innen jedoch auch zur Compliance der Hygiene beitragen. Durch die klare Gliederung der Zonen im Zimmer wird die Hygiene während der Arbeitsprozesse unterstützt. Zusätzlich bietet die Ausstattung des Zimmers durch den Arbeitsbereich eine gezieltere Versorgung und die Möglichkeit der Lagerung von Hilfsmaterial. Ebenso kann der Abstand der Patient*innen die Infektionsübertragung durch eine räumliche Distanzierung zueinander minimieren. Dies unterstützt ebenfalls die Compliance des Personals, da die Gefahr, zwei nebeneinanderliegende Patient*innen nacheinander ohne eine zwischenzeitliche Händedesinfizierung zu versorgen, reduziert wird.

Die klare Zonierung des Zimmers und die Positionierung der Betten sorgen zudem für eine privatere Atmosphäre. Durch die Ausrichtung der Betten haben die Patient*innen während des Aufenthaltes die Möglichkeit, einen direkten Blick in den Außenraum zu werfen und ein hohes Maß an natürlichem Licht fällt in den Raum, wodurch das Wohlbefinden gesteigert wird.
Zum Wohlbefinden der Patient*innen trägt schlussendlich auch die Gestaltung der Räumlichkeiten bei. Die Architekt*innen schaffen in Solothurn durch warme Farben und Holzelemente einen wohnlichen Charakter.

Flächenmanagement
Orientierung
Kurze Wege

The post Bürgerspital Solothurn, Schweiz von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Herlev Hospital in Kopenhagen von Henning Larsen – Architects

Infrastrukturen |
Best Practice

Herlev Hospital in Kopenhagen von Henning Larsen – Architects

2011 gewann das Team von Henning Larsen den Wettbewerb für die Erweiterung des Herlev Hospitals. Südlich des bestehenden Krankenhauses entstand ein Neubau mit u.a. einer Notaufnahme sowie einem Frauen- und Kinderzentrum, der 2021 in Betrieb genommen wurde. Die Architekt*innen fokussierten sich bei ihrem Entwurf auf den Einfluss von Tageslicht und Natur auf die Gesundheit der Patient*innen.

Der Altbau, mit seinen 120 Meter hohen Bettenturm und der Neubau, der aus viel kleineren Baukörpern besteht, sind durch das neue Foyer des Krankenhauses miteinander verbunden.

Auf einem rechteckigen Sockelbau stehen zwei unterschiedlich große Ringbauten, die durch ihre Form in den unteren Sockelgeschossen unterschiedlich große Lichthöfe ermöglichen. In den unteren Geschossen befinden sich die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche und in den oberen Geschossen liegen in den Ringbauten die Pflegestationen. Der Neubau wird vom Foyer durch einen hellen und offenen Verbindungsflur erschlossen, in dem sich der neue Haupteingang befindet.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

Henning Larsen, Kopenhagen

Gebäudetypologie

Akutkrankenhaus mit Frauen- und Kinderzentrum

Grundrisstypologie

Ringförmige Bettenhäuser auf rechteckigen Behandlungssockel

Bauvorhaben

Neubau als Bestandserweiterung

Fertigstellung

2021


Standort

Herlev bei Kopenhagen, Dänemark

BGF

56.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

28 Betten

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Mikkel Eye/ Henning Larsen
Quelle: Mikkel Eye/ Henning Larsen
Ankommen und Orientierung

Vom Haupteingang aus führt das Foyer in die neuen Krankenhausbereiche. Ein mit Holz verkleideter Empfang liegt direkt am Eingang. Breite, verglaste Erschließungsbereiche verbinden die einzelnen Funktionsbereiche miteinander und geben den Blick auf die bepflanzten Höfe frei. Entlang der Wege befinden sich Sitzgruppen und Wartebereiche, die teilweise über zwei Geschosse reichen.

Die Erschließung im Sockel folgt zunächst einer geradlinigen Ordnung: An den Übergängen zu den Ringbauten liegen Treppenkerne und Aufzüge, über die die oberen Patientengeschosse erreichbar sind. Die Innenhöfe und Gärten bleiben dabei immer wieder sichtbar und bieten Bezugspunkte auf dem Weg durch das Gebäude.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Untersuchung und Behandlung

Betreten die Besuchenden, Patient*innen und Mitarbeitenden den Neubau, dann weiten sich die Erschließungsbereiche immer wieder auf und stellen eine Verbindung zu den Innenhöfen her. Neben dem Haupteingang können die einzelnen Funktionsbereiche im Erdgeschoss über dezentrale Eingänge betreten werden und auch separate Eingänge für das Personal sind hier vorzufinden. Dezentrale Stationsstützpunkte an den Eingängen der Funktionsbereiche bieten Anlaufstellen innerhalb der großen Strukturen.
Im EG des Sockelbaus unter dem kleineren Ringbau befinden sich der Bereitschaftsdienst, ein ambulanter Kinderarzt und ein Kinderschutzzentrum. Die Räumlichkeiten werden über einen innenliegenden Erschließungsbereich erschlossen, sodass durch den begrünten Innenhof und den Außenraumbezug viel Tageslicht in u.a. die Behandlungs- und Besprechungsräume fällt.

Im Erdgeschoss unterhalb des großen Ringbaus befinden sich u.a. ein ambulanter Gynäkologe, eine Ergotherapie und die Notaufnahme. In der Notaufnahme sind die Zugänge für selbstständig ankommende Patient*innen und für Krankentransporte getrennt angeordnet. Auf der östlichen Fassadenseite befinden sich Anmeldung, Ersteinschätzung und Wartebereiche, auf der südlichen Seite die Zufahrt für die Rettungswagen und die unmittelbar anschließenden Behandlungsräume.

Die Untersuchungsräume gruppieren sich um die Innenhöfe, sodass überall Tageslicht hinfallen kann. Röntgen-, CT- und MRT-Räume sind in die Notaufnahme eingebunden, um kurze Wege zu gewährleisten. Die Bildgebung liegt damit in direkter Nähe zu den Bereichen, in denen Patienten aufgenommen und behandelt werden.

Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind in den meisten Funktionsbereichen doppelte Erschließungsspannen vorzufinden. Dadurch sind beispielsweise MRT- und CT-Räume nicht an der Fassade angeordnet, jedoch von zwei Seiten zu betreten.

Im Obergeschoss befinden sich die Entbindungsstationen, Familienbereiche,  Operationsbereiche und Intensivstationen. Im Obergeschoss unterscheidet der Grundriss zwischen den Wegen innerhalb des OP-Bereichs und zusätzlichen Service- und Logistikfluren. So können reine und unreine Prozesse voneinander getrennt werden. Ein eigener Aufzugskern verbindet die übereinanderliegenden Akutbereiche.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Das Patientengeschoss

Auf dem zweigeschossigen Sockelbau sind die Pflegestationen als kreisrunder Ring angeordnet. Ein umlaufender Erschließungsbereich verbindet die einzelnen Stationsbereiche miteinander, die über drei Erschließungskerne erreichbar sind. Die Patient*innenzimmer liegen auf beiden Seiten der Struktur und orientieren sich entweder zur äußeren Umgebung oder zu den innenliegenden Gärten. An zwei der Zugänge liegen größere gemeinsame Empfangsbereiche. Zwischen den Bettenzimmern sind Stationsstützpunkte angeordnet, sodass das Personal innerhalb der Stationen erreichbar ist.

Die gleichmäßige Folge der Patientenzimmer wird durch Arbeitsplätze, Nebenräume und gemeinschaftliche Aufenthaltsbereiche unterbrochen. Zur Hofseite liegen außerdem Küchen- und Aufenthaltsräume sowie eine Lounge. Diese Bereiche haben größere Fensterflächen, die die Stationen zu den Gärten hin öffnen und viel Tageslicht hineinlassen.

Die Patient*innenzimmer sind als Einzelzimmer mit jeweils eigener Nasszelle geplant. Die Nasszellen zweier benachbarter Zimmer sind paarweise zwischen den Zimmern angeordnet und können über Schiebetüren im Zimmer betreten werden. Dadurch bleibt vom Eingang aus eine direkte Blickachse zum Fenster frei. Schon beim Betreten des Zimmers kann man den gesamten Raum erfassen und hat einen direkten Blick auf Patient*innen.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Vier Gärten als Innenhöfe

Die Mitte des großen Ringbaus wird durch vier Gärten geteilt. Die strukturelle Anordnung der Räumlichkeiten im Sockelgeschoss und der verbindende Erschließungsbereich bildet im Erdgeschoss eine kreuzförmige Struktur, die die Höfe voneinander trennt. Die Dächer sind bepflanzt, sodass die Patient*innen von ihren Zimmern aufs Grüne schauen.

Die vier Gärten sind unterschiedlich gestaltet. Durch große Verglasungen entlang der angrenzenden Erschließungsbereiche werden diese Bepflanzungen auch von innen sichtbar.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Fassade und Materialität

Von außen ist der Unterschied zwischen dem Sockel und dem Bettenhaus deutlich erkennbar. Der Sockelbau wird durch helle Fassadenflächen, schlanke Stützen und große Verglasungen gegliedert. Darauf steht der Ringbau mit seiner grünlich schimmernden Außenfassade und hellen Fassade im Inneren. Dort folgen die Fenster einem Raster und die Geschosse sind in der Fassade abzulesen.

Zur Hofseite wird die Kreisform durch vor- und zurückspringende Fassade im Erdgeschoss aufgelockert. Dabei wechseln sich hochformatige Fensterflächen mit dunklen, fein strukturierten Fassadenflächen ab. In den Bereichen mit der größeren Fensterfläche befinden sich die gemeinschaftlich genutzten Bereiche und machen sie so auch aus den Gärten erkennbar.

Im Inneren werden Sichtbeton und Glas mit hellen Holzoberflächen kombiniert. Schmale Holzlamellen verlaufen dabei entlang der öffentlichen Wege und verkleiden teilweise sowohl die Wände als auch die Decken. Zusammen mit den hellen Böden und den Holztischen in den Sitzbereichen geben sie den Räumen eine warme Atmosphäre. Die Sitzgruppen sind an den großen Fenstern angeordnet, sodass Patient*innen und Besucher beim Warten oder im Gespräch auf die bepflanzten Höfe schauen können. An den Aufzügen und Durchgängen werden einzelne Wandflächen in kräftigem Farben, wie Rot oder Grün hervorgehoben und helfen bei der Orientierung. Durch die großen Verglasungen fällt viel Tageslicht in die Räume, das je nach Tageszeit unterschiedliche Schatten auf die Böden und Wände wirft.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Der Neubau des Herlev Hospitals in Kopenhagen ergänzt durch neue Funktionsbereiche den bestehenden Krankenhausbau un trägt durch u.a. die Struktur im neuen Entwurf zum baulichen Gesundheitsschutz bei.

Der Neubau bietet von innen und außen eine gute Orientierung. In der Fassadengestaltung lassen sich die unterschiedlichen Funktionsbereiche sehr gut ablesen. Im Inneren unterstützen großzügig dimensionierte Erschließungsbereiche mit klaren Wegeführungen und wiederkehrenden Blickbeziehungen zum Außenraum die räumliche Orientierung. Durch die farbliche Markierung der Erschließungskerne wird die Orientierung bis in die Details unterstützt.

Über einen zentralen Haupteingang können Besuchende und Patient*innen das Krankenhaus erschließen. Ergänzend bestehen dezentrale Erschließungen zu den Funktionsbereichen. Dies ermöglicht eine gezielte Erschließung im Pandemiefall, ungewollte Kontakte werden vermieden bzw. die Kontaktzeit wird minimiert. An den Zugängen der jeweiligen Funktionsbereiche befinden sich zusätzlich Stützpunkte, die den Zugang kontrollieren.
Eigene Zugänge für das Personal optimieren die Arbeitsprozesse und verhindern ebenfalls ungewollte Kontakte. In der Notaufnahme sind zudem die Zugänge und Zufahrten für selbstständig ankommende Patient*innen und den Rettungswagen ebenfalls getrennt. Dies entzerrt Personenströme, unterstützt die Arbeitsprozesse der Mitarbeitenden und trägt zur Compliance bei.

Die Wege zwischen den Funktionsbereichen sind kurz und interne Verbindungen zwischen bspw. Notaufnahme und Operationsbereich reduzieren die Laufwege und tragen zu optimierten Arbeitsprozessen bei.

Durch die großen Fensterflächen und den Außenraumbezug fällt viel Tageslicht in die Räumlichkeiten. Dies trägt zum Wohlbefinden der Patient*innen und Mitarbeitenden bei. Die ringförmige Grundrissstruktur auf den Pflegestationen kann die Patient*innen zur Bewegung animieren. Gleichzeitig laden auch die öffentlicheren Erschließungsbereiche durch ihr Wechselspiel zwischen Ausblick und verschlossenen Fassadenelementen und den vielen Sitz- und Begegnungsmöglichkeiten zur Bewegung ein. Die Gestaltung dieser Bereiche mit warmen Farben und Holzdekoren kann das Wohlbefinden der Patient*innen zusätzlich steigern.
Der direkte Zugang in die kleinen Innenhöfe kann zusätzlich durch die eigenständige Exposition der Patient*innen an der frischen Luft zur Reduzierung der Keimbelastung beitragen und das Wohlbefinden fördern.

Erschließung EG
Erschließung OG
Kurze Wege OG
Orientierung OG

The post Herlev Hospital in Kopenhagen von Henning Larsen – Architects appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Bauliche Struktur von Intensivstationen in Deutschland

Bauliche Struktur von Intensivstationen in Deutschland

Bauliche Struktur von Intensivstationen in Deutschland

Um strategisch entscheiden zu können, wie die bauliche Struktur der deutschen Intensivstationen entwickelt werden soll, ist eine Voraussetzung einen Überblick über die aktuelle Struktur zu erlangen. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Intensivstation der Zukunft“ (FKZ 10.08.18.7-20.07) wurde eine Erhebung des baulichen Zustandes von deutschen Intensivstationen durchgeführt. Die Abfrage erfolgte mithilfe des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ).

Methodischer Aufbau der Umfrage

Die Dauer der Umfrage betrug zehn Wochen von September bis November 2021. Die erhobenen Daten wurden deskriptiv ausgewertet. Von den 1508 angeschriebenen ITS-KISS Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 597 (39,5 %) an der Umfrage teilgenommen. Die teilnehmenden Stationen repräsentieren 2523 Einzel-, 2736 Mehrbettzimmer sowie 7115 Intensivbetten insgesamt.

Es wurden u.a. folgende Themen abgefragt:

  • Baujahr
  • Träger
  • Fachrichtung
  • Bettenanzahl
  • Versorgungslevel des Krankenhauses
  • Bettenanzahl im ganzen Krankenhaus

Erkenntnisse

Aus der Umfrage geht hervor, dass noch  ca. 65 % der Intensivbetten in Deutschland in Mehrbettzimmern verortet sind. Infektionsschützender sind jedoch Einbettzimmer. In Deutschland zeigt sich jedoch ein Trend zu mehr Einzelzimmern und mehr Isolationszimmern. Dieser Trend vollzieht sich allerdings sehr langsam. Parallel dazu steigt auch die Gesamtzahl an Zimmern auf Intensivstationen, der relative Anteil an Einzelzimmern bleibt deswegen stabil (ca. 50 %). Vor allem ITS in privaten Krankenhäusern und in solche mit niedrigerem Versorgungslevel weisen größere Lücken in der Ausstattung auf, um geltenden Anforderungen in Bezug auf z. B. Einzelzimmerausstattung gerecht zu werden. Darüber hinaus sind Waschbecken in Patientenzimmern weiterhin der Standard. Vor allem auf kleinen ITS, auf ITS in kleinen Krankenhäusern und in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung wird regelmäßig Wasser aus der Leitung für die Patientenversorgung benutzt. Empfohlen wird jedoch der Verzicht auf Waschbecken in ITS-Zimmern, um Infektionsrisiken zu vermeiden. Insgesamt gibt es also aus infektionspräventiver Sicht in vielen Strukturen einen Sanierungsbedarf. 20 % der befragten ITS in Deutschland wurden vor 1990 gebaut. Ältere bauliche Strukturen können nur mit größerem Aufwand an die geltenden Anforderungen und Empfehlungen angepasst werden. Welche dies sind, wird in Artikeln und Empfehlungen der IST beschrieben. In einigen Fällen könnte der Neubau nach modernen Konzepten die bessere Alternative darstellen (Fucini et al. 2023).

Umfrage zur baulichen Strukutur
Download Umfrageergebnisse

The post Bauliche Struktur von Intensivstationen in Deutschland appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Gesundheitsschützende Ausstattung von Normalpflegestationen

Gesundheitsschützende Ausstattung von Normalpflegestationen

Gesundheitsschützende Ausstattung von Normalpflegestationen

Arbeitsabläufe werden durch die Art und Anzahl und Anordnung von Ausstattungsgegenständen in Innenräumen beeinflusst. Das moderne Patientenzimmer ist mit einer Vielzahl unterschiedlichster Ausstattungsgegenstände, Medizintechnik, Einbauten und weiteren Objekten gefüllt. Alle weisen verschiedenartig beschaffene Oberflächen, Funktionen und Formen auf. Im Folgenden wird erläutert, warum und wie die Ausstattung in Normalpflegestationen für den baulichen Gesundheitsschutz gestaltet werden soll.

Warum ist die Ausstattung hygienekritisch?

Generell sind alle Ausstattungsgegenstände mit Mikroorganismen kolonisiert, und werden je nach Funktion von verschiedenen Nutzergruppen unterschiedlich häufig berührt, verschoben oder aus dem Zimmer entfernt und zu einem späteren Zeitpunkt wieder hineingebracht. Somit tragen Menschen und mobile Objekte Erreger ein und aus und stellen relevante Vektoren in Infektionsketten bei der Kreuzkontamination dar. Daraus ergeben sich Ansprüche an die Hygienesicherheit. Gleichzeitig sind Ausstattungsobjekte konstituierend für das Wohlbefinden von Patienten und Personal, da sie die die Aufenthaltsqualität gestalten, sowie für die reibungslose Durchführbarkeit von Arbeitsprozessen. Jedoch können sich stark divergierende Ansprüche der verschiedenen Nutzergruppen ergeben, die miteinander in Einklang gebracht werden müssen. In der Normalpflege ist daher besonders die Vereinbarung von Patienten-, Arbeitsschutz und Ergonomie zu beachten.

 

Welchen Beitrag leistet die Ausstattung zum baulichen Gesundheitsschutz

Eine durchdachte Ausstattung kann Pflege- und Reinigungskräfte sowie medizinisches Personal entlasten, sodass diese ihre Arbeit konzentrierter und qualitativ hochwertiger durchführen können. Die Digitalisierung von Prozessen und Informationen, welche sich in Sensoren, Aktoren und (mobilen) Endgeräten manifestiert, kann zudem hygienekritische Informationen, wie die lokale Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmitteln in Spendern   zentral auswerten. Auch die Anzahl von gemeinsam genutzten Ausstattungsobjekte kann reduziert werden, wenn Personal und Patienten auf jeweils eigenen Endgeräten Informationen abrufen und eingeben. Zudem können gemeinsam genutzte Objekte und somit Kreuzkontamination zwischen Patienten, Personal und Besuchern reduziert werden.

Relevante Objekte

Welche Objekte insbesondere beachtet werden sollten, ergibt sich aus deren Wirkungsradien, Erreichbarkeit und Einsatz bei hygienekritischen Prozessen. Quantitativ stellen daher häufig genutzte Kontaktflächen ein höheres Übertragungsrisiko dar, als weniger genutzte Ausstattungsgegenstände. So wird beispielsweise die Türklinke von allen Nutzern berührt, die Schubladen des Nachttischs jedoch vorwiegend nur vom Patienten selber, seltener vom Besuch oder von Pflegekräften.

Objekte, die wiederum bei hygienekritischen Prozessen genutzt werden, müssen nicht häufig genutzt werden, sind durch ihren Einsatz jedoch ebenfalls relevant. So kann beispielsweise ein Ultraschallgerät, das an mehreren Patienten genutzt wird ein relevantes Übertragungsrisiko bergen, wenn es nicht fachgerecht aufbereitet wird.

Reinigbarkeit  – Ein Zusammenspiel von Material, Oberflächen und Form

Die Gestaltung von Einbauten und Ausstattungsobjekten trägt maßgeblich zur Reinigbarkeit/Desinfizierbarkeit eines Patientenzimmers bei. So ist auf die Materialalterung zu achten, aber auch auf die Vermeidung visuell unnötig unruhiger Oberflächentexturen . Oberflächen müssen glatt und wischdesinfizierbar sein. Auf monochromen und weniger unruhigen Oberflächen kann Schmutz leichter identifiziert werden. Die Vermeidung von Hinterschnitte , die Staub fangen können, radiale Übergänge an Objekten und wenige Fugen zwischen Oberflächen, Einbauten, Böden und Wänden reduzieren ebenfalls nur umständlich zu reinigende bauliche Details. Möglichst wenige Objekte sollten den Boden  berühren oder leicht verschiebbar sein, um das Wischen zu erleichtern. Der Übergang zum Boden, bzw. Wänden, soll bei festen Einbauten aber fugendicht verschlossen sein.

Atmosphäre und Erscheinungsbild

Ausstattungsobjekte sollten in ihrer äußeren Gestaltung und Anordnung zueinander sowohl das Patientenwohl als auch das Wohlbefinden des Personals fördern. Gleichzeitig dürfen sie keine sicherheitsrelevanten Informationen verschleiern und Tätigkeiten behindern, bzw. nur für die intendierte Zielgruppe gut zugänglich sein. Ihr Äußeres sollte sie bestimmten Nutzergruppen klar zuordnen, um unnötige Benutzungen oder Verwechslungen zu vermeiden. Bei Mehrbettzimmern sollte dies auch zwischen den Patienten zutreffen.

 

Geräuscharme Gestaltung

In einer geräuschintensiven Umgebung sollten Ausstattungsobjekte keine zusätzliche akustische Belastung für Patienten und Personal darstellen und den Widerhall in Zimmern reduzieren. Gerade rund um das Patientenbett ist für Ruhe zu sorgen.

Der Desinfektionsmittelspender

Die gezielte Positionierung von Desinfektionsmittelspendern verbessert die Händehygiene-Compliance mit den fünf Momenten der Händehygiene und reduziert unnötige Arbeitswege des Pflegepersonals. Dazu sollten die Spender entlang der Arbeitsroute strategisch und gut sichtbar platziert werden: oberhalb Pflegearbeitsfläche, am Point of Care am Patientenbett, in der Nasszelle und ggf. am Zimmereingang. Der Spender an der Arbeitsfläche ermöglicht eine schnelle Händedesinfektion bei der Pflegevorbereitung/vor Durchführung aseptischer Tätigkeiten wie dem Aufziehen von Infusionen. Ein flexibler, kompakter Spender am Bett gewährleistet die unmittelbare Erreichbarkeit von beiden Bettseiten und bei Mehrbettzimmern zwischen zwei Patientenkontakten. In der Nasszelle sollte sich der Spender, räumlich getrennt vom Seifenspender befinden oder äußerlich gut unterscheidbar sein, um Verwechslungen zu vermeiden. Es sollte eine ergonomische Montagehöhe von etwa 120 cm bis zum Pumphebel gewählt werden. Die Positionierung der HDM Spender sollte in gemeinsam mit der Krankenhaushygiene und den Nutzergruppen gemäß der spezifischen räumlichen Voraussetzungen geplant werden.

Ausstattung als integraler Teil des baulichen Gesundheitsschutzes

Um dem baulichen Gesundheitsschutz gerecht zu werden, sollte die Gestaltung und Auswahl der Ausstattungsobjekte die Wahrnehmung, das Verhalten und die Bedarfe der Patient*innen, der Pflege und des Reinigungspersonals berücksichtigen. Nur dann können Prozesse und Verhalten der Nutzenden Infektionsrisiken reduzieren. Wichtig ist dabei, die Oberflächengestaltung, Materialwahl, Anordnung, Form und das Gefüge zu beachten.

The post Gesundheitsschützende Ausstattung von Normalpflegestationen appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Sommerlichen Sonnenschutz im Krankenhaus planen

Sommerlichen Sonnenschutz im Krankenhaus planen

Sommerlichen Sonnenschutz im Krankenhaus planen

Wie bleiben Patientenzimmer im Sommer angenehm, ohne den Energiebedarf für Kühlung unnötig zu erhöhen? Ein Ansatz ist, den Sonneneintrag bereits durch die Gestaltung von Fenstern und Fassaden zu begrenzen. Entscheidend sind Lösungen, die zur jeweiligen Bausituation passen und zugleich Tageslicht und den Blick nach draußen erhalten.

Angenehme Räume trotz Sommerhitze

Hohe Raumtemperaturen können gerade für gesundheitlich geschwächte Menschen belastend sein. Gleichzeitig kostet es Energie, Räume und die zugeführte Luft zu kühlen. Durch große, ungeschützte Fensterflächen gelangt Sonnenwärme ins Gebäude und kann die Räume zusätzlich aufheizen. Deshalb sollte die Planung nicht nur nach geeigneter Kühlung fragen, sondern zunächst danach, wie sich vermeidbare Wärmeeinträge begrenzen lassen. 1,2

Ein Simulationsbeispiel aus EnHance verdeutlicht, dass auch im Sommer ein erheblicher Energiebedarf entstehen kann. Welcher Anteil davon durch Sonnenschutz vermieden werden kann, muss gesondert ermittelt werden.

Welche Faktoren sind für das Raumklima relevant?

Eine angemessene Raumtemperatur soll zusätzliche Belastungen für Patientinnen und Patienten vermeiden. Neben der Temperatur sind Luftfeuchte und Luftbewegung zu berücksichtigen. Ausreichender Luftaustausch kann die Konzentration luftgetragener Krankheitserreger verringern. Aus einer Sonnenanalyse allein lässt sich jedoch keine Wirkung auf Krankenhausinfektionen ableiten. 2,4,8

Wo Arzneimittel aufbewahrt werden, müssen auch deren Lagerbedingungen berücksichtigt werden. Wärme und direkte Sonne können die Qualität empfindlicher Präparate beeinträchtigen. Maßgeblich sind die jeweiligen Herstellerangaben, nicht eine einheitliche Temperaturgrenze für alle Medikamente. 3

Wesentliche Faktoren sind die Ausrichtung des Gebäudes, Größe und Form der Fenster, die Eigenschaften der Verglasung und der vorhandene Sonnenschutz. Auch Außenwände, Nutzung, Lüftung und Kühlung wirken auf die Raumtemperatur ein. Helligkeit und Wärmeeintrag sind dabei unterschiedliche Größen. 1,5,8

Die bauliche Ist-Situation systematisch erfassen

Im Bestand beginnt die Analyse mit vorhandenen Plänen und einer Begehung. Erfasst werden Stations- und Raumflächen, Raumhöhen, Ausrichtung, Fensterformate sowie verglaste und geschlossene Außenwandflächen. Fehlende Angaben lassen sich durch Aufmaß oder ergänzend durch 3D-Scans vervollständigen. Daraus kann ein digitales Flächenmodell entstehen. 8

Das Modell setzt beispielsweise die Fenster- und Außenwandflächen ins Verhältnis zur Raum- oder Stationsfläche. So lassen sich unterschiedlich große Stationen vergleichen und auffällige Räume gezielt untersuchen. Ergänzend werden Verglasung, vorhandene Verschattung, Nutzung und Gebäudetechnik betrachtet: Das Flächenverhältnis allein erklärt weder die Raumtemperatur noch die Luftqualität. 1,8

Unterschiedliche Baustrukturen brauchen angepasste Lösungen

Die untersuchten Charité-Stationen zeigen, wie unterschiedlich Grundrisse, Fensterlagen und Orientierungen ausfallen können. Für die Sanierung ist deshalb weniger ein unverändertes Einheitsbauteil gefragt als ein Lösungsprinzip, das sich an verschiedene Gebäudetypen anpassen lässt. 8

Große, ungeschützte Glasflächen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Bei einer Abschirmung von oben benötigen hohe Fenster unter gleichen Randbedingungen größere Überstände als niedrigere Fensterbänder. Neben südorientierten Räumen sind auch Ost- und Westfassaden zu prüfen, an denen tief stehende Sonne den Schutz erschwert. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Ausrichtung, Fenstergeometrie und Verschattung. 5

Sonnenanalysen für unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten helfen, die betroffenen Bereiche zu erkennen und geeignete Varianten zu vergleichen. 8

Im Sommer abschirmen und Wintersonne erhalten

Ein baulicher Lösungsansatz sind feste Verschattungselemente oberhalb der Fenster und an den seitlichen Laibungen. Ihre Form und Auskragung werden auf die Fenstergeometrie und Ausrichtung abgestimmt. Ziel ist, direkte Sonne in kritischen Sommerzeiten möglichst weitgehend abzufangen und im Winter nutzbare Sonneneinträge zuzulassen. 5,8

Dabei soll nicht der gesamte Raum verdunkelt werden: Tageslicht und der Blick nach draußen bleiben eigenständige Planungsziele. Ob ein festes Element ausreicht, ist für den jeweiligen Raum zu prüfen. Bewegliche Systeme wie Raffstoren können ergänzen; je nach Ausführung und Lamellenstellung lassen sie Licht und Durchsicht zu und führen nicht zwangsläufig zur vollständigen Verdunklung. 6,9

Varianten vergleichen und ihre Wirkung richtig einordnen

Was zeigt die Beispielrechnung?

Eine vereinfachte Simulation aus EnHance ergab für eine Auskragung von 34 cm am 1. Juli um 12 Uhr durchschnittlich 61,4 % geringere direkte Belichtungswerte. Das zeigt die Wirkung in dieser untersuchten Situation. Es ist weder eine allgemeine Bemessungsempfehlung noch ein Nachweis vollständiger Abschirmung über den gesamten Sommer. 8

Wie wird daraus eine Aussage zur Energieeinsparung?

Die berechneten Lux-Werte beschreiben die Belichtung, nicht den Energiebedarf. Für eine Aussage zur Kühlenergie muss die Verschattungsvariante in einer thermischen Gebäudesimulation mit Verglasung, Nutzung und Anlagenbetrieb bewertet werden. 61,4 % weniger direkte Belichtung bedeuten daher nicht 61,4 % weniger Kühlenergie. 8

Bei Neubauten Fassade und Lüftung gemeinsam planen

Bereits im Vorentwurf sollten Ausrichtung, Fensteranteile und -formate, Verglasung und bauliche Verschattung gemeinsam betrachtet werden. Das Planungsziel ist eine Fassade, die sommerliche Wärmeeinträge von sich aus begrenzt, Tageslicht und Außenbezug erhält und winterliche Sonne dort zulässt, wo ihre Wärmegewinne erwünscht sind. Ergänzender beweglicher Sonnenschutz bleibt möglich. 1,5,6

Auch das Lüftungskonzept gehört in diese frühe Planung. Dezentrale Systeme, die einzelne Räume oder Bereiche mit Außenluft versorgen, sind eine zu prüfende Option. Ihre Eignung ist anhand der Raumnutzung, hygienischen Anforderungen, Geräuschentwicklung, Wartung und Energieeffizienz zu bewerten. Fassade, Lüftung und gegebenenfalls Kühlung sollten als abgestimmtes Gesamtsystem geplant werden. 7

Literaturverweise

1  Umweltbundesamt: Gegen die Hitze – kühle Räume im Sommer.

2  Robert Koch-Institut: FAQ zu Klimawandel, Gesundheit und Hitze.

3  Bundesgesundheitsministerium: Umgang mit Arzneimitteln – richtig lagern.

4  Umweltbundesamt: Infektiöse Aerosole in Innenräumen.

5  PNNL / Building America: Shading and Solar Control for Windows and Skylights.

6  BAuA: Tageslichtnutzung und Sonnenschutzmaßnahmen an Büroarbeitsplätzen.

7  VDI: Hygiene-Anforderungen an RLT-Anlagen; Besonderheiten dezentraler Geräte.

8  Projektgrundlage: PlanGesund_EnHance_Artikelentwurf_V1.docx und V1_lj.docx; ergänzende Hinweise von Steven Hahnemann.

9  ROMA: Raffstorelamellen – Lichtlenkung und Sichtschutz (Herstellerangaben).

The post Sommerlichen Sonnenschutz im Krankenhaus planen appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Baumaßnahmen in Einrichtungen des Gesundheitswesens sind hygienerelevant!

Baumaßnahmen in Einrichtungen des Gesundheitswesens sind hygienerelevant!

Baumaßnahmen im Krankenhaus sind oft unvermeidlich und müssen teilweise im laufenden Patientenbetrieb durchgeführt werden. Durch die Baumaßnahmen wird Baustaub freigesetzt, der durch krankheitserregende Mikroorganismen, insbesondere Pilze (Aspergillen) kontaminiert sein kann [1]. Hierdurch besteht die Möglichkeit einer Patientengefährdung. Was bei der Durchführung von Baumaßnahmen in medizinischen Einrichtungen zu beachten ist, erfahrt ihr hier.

Baustaub – eine potentielle Gesundheitsgefahr

Der Baustaub kann in angrenzende Bereiche gelangen. Vor allem für immunsupprimierte Patient*innen entsteht hierdurch ein erhöhtes Risiko einer nosokomialen Aspergilleninfektion. Besonders gefährdete Bereiche sind beispielsweise die Hämato-Onkologie, der OP und Intensivstationen. Im Krankenhaus sind Baumaßnahmen daher hygienerelevant. Um einen Staubaustrag in angrenzende Bereiche zu verhindern und die Patient*innen zu schützen, sind entsprechende infektionspräventive Maßnahmen während der Bautätigkeiten zu ergreifen [2].

 

Staubschutzmaßnahmen ergreifen

Die Planung einer Baumaßnahme im Krankenhaus umfasst ergänzend immer auch die Planung erforderlicher Staubschutzmaßnahmen. Die Art, sowie der Umfang hängen von der jeweiligen Baumaßnahme und dem betroffenen Bereich ab und müssen frühzeitig mit dem Personal der Krankenhaushygiene abgestimmt werden. Die Baumaßnahme sollte erst nach erfolgter Abnahme des Staubschutzes durch die Krankenhaushygiene erfolgen. Zusätzliche hausinterne Vorgaben sind zu beachten.

Das Ziel der Staubschutzmaßnahmen ist es, einen Austrag in angrenzende (patientenführende) Bereiche zu verhindern. Um dies zu erreichen erfolgt der Zugang zu der Baustelle optimalerweise von außen, damit Schutt und Material und die Wegeführung des Baupersonals nicht über patientenführende Bereiche erfolgen muss. In vielen Situationen ist dies jedoch nicht möglich. Zudem ist immer auch eine konsequente Abschirmung der Bauzone von angrenzenden Klinikbereichen wichtig. Hierfür sind solide Staubschutzwände erforderlich, die Zwischenräume (zu Boden/ Wänden/ Decke) sollten zusätzlich z.B. mittels Folie/ Klebeband abgedichtet werden. Wenn Zwischendecken vorhanden sind, sollten diese entsprechend der lokalen Gegebenheiten abgedichtet werden.
Bei größeren Baumaßnahmen kann ggf. die Errichtung einer Schleuse (für Material und Personal) notwendig sein. Es ist auf eine getrennte Wegeführung für Patient*innen und Personal einerseits und Bauarbeiter*innen andererseits zu achten. Der Abtransport von Bauschutt sollte ebenfalls möglichst über nicht-patientenführende Wege bzw. zeitlich außerhalb der Haupt- Betriebszeiten erfolgen.

Darüber hinaus sollte die Klimaanlage bzw. raumlufttechnische Anlage im betreffenden Bauabschnitt abgeschaltet oder abgeschottet werden, um eine Verteilung des Baustaubes über diesen Weg zu verhindern. Innerhalb des zu bebauenden Bereiches müssen Medizinprodukte, Sterilgut, medizintechnische Geräte, etc. vor Kontamination mit Staub geschützt werden und sollten vor Beginn der Baumaßnahme soweit möglich aus dem Baustellenbereich entfernt werden. Schränke und nicht mobile Gegenstände sind auszuräumen oder sollten durch Abkleben etc. vor Staubstaub geschützt werden.

Bei sehr staubträchtigen Arbeiten oder der Nähe zu stark gefährdeter Patient*innen, sollte eine erhöhte Reinigungs-/Desinfektionsfrequenz der angrenzenden Bereiche erfolgen.

Bei Baumaßnahmen an trinkwasserführenden Systemen oder lüftungstechnischen Anlagen sind entsprechende Vorgaben darüber hinaus zu beachten.

Für die Einhaltung der hygienischen Sicherungsmaßnahmen während der Bauphase ist im allgemeinen der/ die Bauherr*in verantwortlich und hat dafür zu sorgen, dass alle an der Baumaßnahme Beteiligten einschließlich der Mitarbeitenden von Fremdfirmen über die hygienischen Sicherungsmaßnahmen informiert werden.

 

Die oben genannten Maßnahmen sollen einen allgemeinen Überblick über notwendige Staubschutzmaßnahmen geben. Die konkrete Umsetzung, sowie ggf. notwendige ergänzende Maßnahmen sind von den lokalen Gegebenheiten vor Ort abhängig und sollten mit dem krankenhaushygienischen Personal abgesprochen werden. Die Einhaltung der Staubsicherungsmaßnahmen kann eine Gefährdung der Patient*innen durch die Baumaßnahme reduzieren.

 

Quellen:

[1]= Vonberg RP, Gastmeier P. Nosocomial aspergillosis in outbreak settings J Hosp inf 2006; 63, 246-254

[2]= Fournel I et al. Airborne Aspergillus contamination during hopital constructinon works: Efficacy of protective measures. Am J Infect Control 2010, 38 189-194

Abbildung mit Darstellung verschiedener Übertragunsgwege von Krankheitserregern
Hygiene
Infektionsübertragungswege
Welche Übertragungswege von Krankheitserregern gibt es? Welche Erreger werden wie übertragen?

The post Baumaßnahmen in Einrichtungen des Gesundheitswesens sind hygienerelevant! appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Temporäre Isolierung und Versorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern in Krankenhäusern

Temporäre Isolierung und Versorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern in Krankenhäusern

Temporäre Isolierung und Versorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern in Krankenhäusern

Globalisierung, Klimawandel und weltweites Bevölkerungswachstum erhöhen das Ausbreitungsrisiko auch von hochpathogenen Erregern. Doch wie kann reagiert werden, wenn der Verdacht einer Infektion mit einem solchen Erreger bei einer Patientin oder einem Patienten zum Beispiel in der Notaufnahme ausgesprochen wird und keine sofortige Möglichkeit zur Isolierung in einer hierfür spezialisierten Einrichtung besteht? Wo und wie lange sollte eine entsprechende Isolierungsmaßnahme im Krankenhaus stattfinden? Und wie kann eine geeignete bauliche Umgebung bei der Isolierung und Versorgung solcher Patient*innen helfen?

Hochpathogene Erreger – Eine wachsende Gefahr für Deutschland?

Der Anstieg der weltweiten Bevölkerungszahlen, die Globalisierung und der Klimawandel erhöhen das Risiko, dass sich hochpathogene Erreger aus anderen Klimazonen auch bei uns in Deutschland ausbreiten können. Zu diesen sogenannten „High Consequence Infectious Diseases“ (HCIDs) gehören überwiegend Erreger der Risikogruppe 4 gemäß Biostoffverordnung (BiostoffV), wie z. B. das Ebola- oder Marburg-Virus. Potente Krankheitserreger können sich in stetig wachsenden und sich verdichtenden urbanen Räumen leichter verbreiten und somit steigt auch das Risiko erhöhter Mutationsraten, was unter Umständen zu einer weiteren Anpassung des Virus an veränderte Umgebungsbedingungen führen kann. Die zunehmende globale Mobilität ermöglicht dann eine Ausbreitung weit über Ländergrenzen hinaus.

Ein in Deutschland lokalisiertes Ausbruchsgeschehen ist aktuell noch recht unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist die Einreise infizierter Reiserückkehrer*innen aus Epidemiegebieten außerhalb Deutschlands. Dabei besteht das Risiko, dass diese sich bei Auftritt von Symptomen nicht sofort in eines der hierfür in Deutschland zuständigen Krankenhäuser mit Sonderisolierstation (SIS) begeben. Mögliche erste Anlaufstellen sind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit die regionalen Krankenhäuser und deren Notaufnahmen. Es stellt sich also die Frage nach dem Umgang mit diesen Patient*innen, deren Versorgung vor Ort bis zum Transport auf die zuständige SIS binnen 24 Stunden nach Aussprache des Verdachts und der Sicherheit von Mitarbeitenden und anderen Patient*innen.

Vorbereitungen für den Ernstfall – Wie ist der Stand?

Der für eine adäquate Isolierung und Versorgung von HCID-Patient*innen bzw. -Verdachtsfällen tatsächliche Vorbereitungs- und Ausbildungsstand in den Kliniken ist schwer zu ermitteln, scheint jedoch aktuell sehr unterschiedlich zu sein. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Kliniken bei derartigen Gefahrenlagen an den Rand ihrer Kapazitäten und Kompetenzen gelangen, da für die benötigten Mitarbeiterschulungen im Klinikalltag oft keine Zeit und nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Hinzu kommt die Tatsache, dass alle Maßnahmen in diesem Bereich sehr personal- und materialintensiv sind, viel Logistik und idealerweise auch entsprechende Räumlichkeiten erfordern. Einen guten Einblick in die Komplexität gibt hier zum Beispiel das „Handbuch EKOS-Net: Hygienemanagement bei Verdacht auf Krankheiten durch hochpathogene Erreger außerhalb einer Sonderisolierstation“ des Robert Koch-Instituts (Robert Koch-Institut 2026).

Somit ergeben sich insbesondere bei Bestandsbauten ohne vorhandene bzw. geeignete Isolierbereiche einige Herausforderungen, da der Aufwand für mögliche bauliche Anpassungen je nach Ausgangslage und Anforderungen durchaus erheblich sein kann. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit der Einreise von mit hochpathogenen Erregern infizierten Patient*innen aktuell noch relativ gering. Die Konsequenzen einer verspäteten oder falschen Diagnose und/oder eines falschen Umgangs mit solchen Patient*innen wären wiederum schwerwiegend. Je länger HCID-Patienten unentdeckt oder ohne konkrete Diagnose bleiben, desto mehr steigt das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Erregers. Und aufgrund der zuvor genannten Herausforderungen bei der Isolierung und Versorgung solcher Patient*innen kommen auch eigentlich stabile Gesundheitssysteme bei steigenden HCID-Infektionszahlen schnell an einen Punkt, an dem es Auswirkungen auf die alltägliche Versorgung anderer Patient*innen geben kann.

Aus diesen Gründen sollten in naher Zukunft weitere Anstrengungen unternommen werden, Konzepte zum präventiven Infektionsschutz und zur temporären Isolierung und Versorgung von Verdachtsfällen oder tatsächlich infizierter Personen in Krankenhäusern ohne Sonderisolierstation zu entwickeln und zu implementieren. Neben Schulungskonzepten und Kommunikationsstrategien zur Resilienzförderung für die Mitarbeitenden der Kliniken heißt dies auch die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine sichere temporäre Isolierung zu schaffen und bereitzuhalten.

Mehr als reine Isolierung – Konzepte und Lösungen für die sichere Versorgung von HCID-Patient*innen

Weltweit wurden verschiedene Möglichkeiten der Isolierung und Versorgung von HCID-Patienten entwickelt, die jeweils unterschiedliche bauliche Anforderungen haben und verschiedene Level der Patientenversorgung und -behandlung ermöglichen. So gibt es zum Beispiel modulare Containersysteme, die zu Unterdruck-isolierstationen zusammengesetzt werden können. Ein solches System wurde zum Beispiel während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 zur Erweiterung der bestehenden Isolierungs- und Versorgungskapazitäten in Singapur eingesetzt (Wee et al. 2021). Weitere Konzepte beinhalten Patientenzimmer und Stationen mit vorgeschalteten Schleusenbereichen, die im Normalfall z. B. für die Isolierung von Patienten mit multiresistenten Keimen genutzt werden, sowie unterschiedliche Zeltsysteme, bei denen je nach Konzept allerdings auch das Spektrum möglicher Pflege- und Behandlungsmaßnahmen für die Patient*innen reduziert ist.

Die genannten Zelt- oder Containersysteme sind von den eigentlichen Krankenhausgebäuden mehr oder weniger unabhängige Lösungen und bieten daher auch einige Vorteile, wie z. B. die geringe Gefahr einer Eintragung des Erregers in andere Krankenhausbereiche, keine räumlichen Einschränkungen in den anderen Gebäuden durch die Einrichtung eines temporären Isolierbereiches und dadurch hervorgerufene mögliche Störungen bei der Versorgung anderer Patient*innen. Allerdings haben sie auch deutliche Nachteile. So sind Containersysteme teuer und eine Nutzung außerhalb des Einsatzbereiches als Isolierstation ist zumeist unpraktikabel. Die Aufstellung von Containersystemen im Akutfall kostet zu viel Zeit und bei einer dauerhaften Aufstellung werden regelmäßige Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten notwendig. Sie kosten somit auch bei Nichtnutzung Geld. Außenzeltsysteme können im Einsatzfall zwar deutlich schneller als die Containersysteme aufgestellt werden,  bei einer normalerweise anvisierten Isolierungsdauer der Patient*innen von maximal 24 Stunden bis zum Transport in eine Sonderisolierstation ist die benötigte Aufbauzeit, inklusive Anschluss an die notwendige technische Infrastruktur, jedoch ebenfalls zu lang. Zudem bieten Außenzeltsysteme nur wenig Schutz gegen schwankende Temperaturen und Umgebungsgeräusche, was bei bereits geschwächten Patient*innen zu weiterem Stress führen kann.

Zur temporären Isolierung in Bestandsgebäuden werden aus Sicht des baulich-funktionalen Hygienemanagements verschiedene Anforderungen an die Räumlichkeiten definiert. Hierbei muss standortspezifisch der jeweils bestmögliche Kompromiss zwischen der geforderten Qualität der medizinischen Versorgung für die HCID-Patienten, der Sicherheit für die Mitarbeitenden und anderen Patienten sowie den verfügbaren finanziellen, logistischen und infrastrukturellen Mitteln gefunden werden.

Zu den infrastrukturellen Anforderungen gehören u. a.:

  • Ein ausreichend großer, separierbarer Bereich, der nicht als Durchgangs- oder Verbindungsbereich dient. Dieser sollte idealerweise einen zusätzlichen, leicht zugänglichen und abschließbaren Zugang von außen mit einer lichten Breite von min. 90 cm haben.
  • Der als am wahrscheinlichsten angesehene Ort der Verdachtsdiagnose ist die Notaufnahme. Um die Transportwege des potenziell infizierten Patienten zu verkürzen und die Gefahr einer hierdurch verursachten Ausbreitung des Erregers im Krankenhaus zu verringern, sollte sich der Isolierbereich daher in der Nähe der Notaufnahme befinden.
  • Dieser Bereich sollte folgende Räumlichkeiten umfassen:
    • Ein ausreichend dimensioniertes Isolierzimmer. Idealerweise sollte man, unter Berücksichtigung der Erschwernisse des Arbeitens in persönlicher Schutzausrüstung (PSA), von allen Seiten an den Patienten rankommen ohne das Patientenbett oder andere Ausstattungsgegenstände hin und her schieben zu müssen.
    • Raum zum Ankleiden der PSA mit ausreichend Platz zur Lagerung des Materials.
    • Raum zur Dekontamination und Auskleiden der PSA. Dieser ist dem Isolierzimmer direkt vorgeschaltet und dient auch als „Luftschleuse“ zur Verhinderung eines direkten Luftaustauschs zwischen dem Risikobereich (Rotbereich) und dem Bereich mit geringem Infektionsrisiko (Grünbereich). Bei wenig zur Verfügung stehendem Platz kann hier auch das Ankleiden erfolgen. Hierfür müssen dann jedoch die einzelnen Prozesse eng miteinander abgestimmt sein, um zum Beispiel das Betreten des Raumes durch einen Mitarbeitenden aus dem Rotbereich während des Ankleidens zu verhindern.
    • Zusätzlicher Materiallagerraum
    • Lagerraum für sicher und luftdicht verpackten Abfall. Dieser ist ausreichend groß zu dimensionieren, da erheblicher Materialverbrauch zu erwarten ist.
    • Büroraum / Mitarbeiterstützpunkt
    • Weitere Räume nach Bedarf und Konzept.
  • Alle Bereichsräume sollten geeignete Oberflächenqualitäten und Bauteilfügungen aufweisen, d. h. sie sollten robust, geschlossen, glatt, abriebfest sowie chemikalien- und desinfektionsmittelbeständig sein.
  • Die in dem Bereich installierten haustechnischen Anlagen müssen entweder den Anforderungen eines Isolierbereiches entsprechen oder, falls dies nicht der Fall ist, für die Zeit der Isolierungsmaßnahme außer Betrieb genommen werden können. Dies betrifft überwiegend die Lüftungsanlage, da grundsätzlich auch von einem möglichen Auftreten aerogen übertragbarer Erreger ausgegangen werden muss. Ist das Isolierzimmer also über einen Lüftungskanal mit anderen Räumen oder Bereichen des Krankenhauses verbunden, besteht die Gefahr einer ungewollten Ausbreitung der Erreger über diese Verbindung (z. B. wenn im Isolierzimmer unbeabsichtigt ein Überdruck gegenüber den anderen Räumlichkeiten auftritt).
  • Aufgrund des finanziellen sowie personellen Aufwands bei Errichtung und Instandhaltung ist die Notwendigkeit einer autarken Lüftungsanlage mit HEPA-Filtern zum Aufbau eines Unterdrucks im temporären Isolierbereich abzuwägen und zu diskutieren. Sollte eine solche Anlage jedoch bereits vorhanden sein, ist dies für den Betrieb von Vorteil.
  • Insbesondere für das Isolierzimmer werden abgehängte Decken und Festeinbauten kritisch gesehen. Diese können, je nach Konstruktion und Material, (nicht luftdicht) geschlossene Bereiche ausbilden, in denen sich potenziell sekundäre Erregerreservoire bilden und die den Aufbau eines im gesamten Raum konstanten Unterdrucks und eine vollständige Raumdekontamination (z.B. durch Begasung) nach Beendigung der Isolierungsmaßnahme erschweren.
  • Sämtlicher Abfall aus dem Risikobereich darf nicht der normalen Entsorgung zugeführt werden, sondern muss entweder
    • direkt in der Station vollständig dekontaminiert (z. B. über geeignete Autoklaven) und anschließend über den normalen Abfall entsorgt werden oder
    • in mehreren Lagen sicher verpackt und von außen dekontaminiert an ein hierfür zertifiziertes Entsorgungsunternehmen übergeben und an anderer Stelle dekontaminiert und entsorgt werden.
  • Bei der Entsorgung von kontaminiertem Abwasser ist die Nutzung des normalen Abwasserleitungssystems der Bestandshäuser auszuschließen, da hierüber eine potenzielle Ausbreitung der Erreger möglich ist. Flüssigabfälle sind daher soweit möglich zu vermeiden, im gegebenen Fall über Zellulose oder ähnliche Materialien zu binden, sicher zu verpacken und mit dem weiteren Abfall später über geeignete Verfahren zu dekontaminieren und zu entsorgen.

Ansprechpartner und Regularien

Das zentrale Gremium in diesem Fachgebiet stellt in Deutschland der Ständige Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) am Robert Koch-Institut dar. Der STAKOB ist ein bundesweites Expertennetzwerk, das das Management, die Versorgung und die Behandlung von HCID-Patienten koordiniert.

Regulatorische Vorgaben zu diesem Gebiet finden sich zum Beispiel in der Biostoffverordnung (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie des Bundesamts für Justiz 15.07.2013) und den dazugehörigen „Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe“ (TRBA). Hervorzuheben sind hierbei insbesondere die TRBA 250 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2025b) sowie die TRBA 252 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2025a). Einen umfassenden Überblick zu dem Thema bietet außerdem das im März 2026 vom Robert Koch-Institut herausgegebene und bereits erwähnte „Handbuch EKOS-Net“ (Robert Koch-Institut 2026).

Fazit

Unabhängig davon welches Konzept ausgewählt wird, sollte die Lösung eine angemessene Versorgung betroffener Patient*innen und Verdachtsfälle zulassen, ohne dabei unwirtschaftlich hohe Erstinvestitionen und Unterhaltungs- sowie Personalkosten zu generieren. Gleichzeitig soll ein Höchstmaß an Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter gewährleistet werden.

Literaturverzeichnis

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie des Bundesamts für Justiz (15.07.2013): Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen. Biostoffverordnung – BioStoffV, vom Vom 15.07.2013 (BGBl. I S. 2514). Online verfügbar unter https://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html, zuletzt geprüft am 26.10.2026.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (Hg.) (2025a): Tätigkeiten mit Biostoffen der Risikogruppe 4 im Gesundheitsdienst und im Bestattungswesen. TRBA 252. Online verfügbar unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRBA/TRBA-252, zuletzt geprüft am 12.05.2026.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (Hg.) (2025b): Biologische Arbeitsstoffe im Gesund­ heitsdienst und in der Wohlfahrtspflege. TRBA 250. Online verfügbar unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRBA/TRBA-250, zuletzt geprüft am 12.05.2026.

Robert Koch-Institut (Hg.) (2026): Handbuch EKOS-Net: Hygienemanagement bei Verdacht auf Krankheiten durch hochpathogene Erreger außerhalb einer Sonderisolierstation. Praxisbericht mit Arbeitshilfen und Hinweisen. Unter Mitarbeit von Melanie Brunke. Robert Koch-Institut / ZBS 7: Strategie und Einsatz. Online verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Biologische-Gefahren/Handlungsempfehlungen/Verdachts-Krankheitsfall/Handbuch-EKOS-Net_pdf.html, zuletzt geprüft am 12.05.2026.

Wee, Liang En; Fan, Esther Monica Peijin; Heng, Raphael; Ang, Shin Yuh; Chiang, Juat Lan; Tan, Thuan Tong et al. (2021): Construction of a container isolation ward: A rapidly scalable modular approach to expand isolation capacity during the coronavirus disease 2019 (COVID-19) pandemic. In: Infection Control and Hospital Epidemiology 42 (9), S. 1162–1164. DOI: 10.1017/ice.2020.1222.

The post Temporäre Isolierung und Versorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern in Krankenhäusern appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Entscheidungshilfe Raumlufthygiene

Entscheidungshilfe Raumlufthygiene

Entscheidungshilfe Raumlufthygiene v2

Vertiefen Sie Ihr Wissen zum Thema Raumlufthygiene und finden Sie mit unserer interaktiven Entscheidungshilfe heraus, welche Lüftungstechnik die richtige für Ihr Projekt ist.

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

Empfehlung

Eine einfache und sofort umsetzbare Maßnahme für Räume mit Fensterlüftung: CO₂-Ampeln unterstützen bedarfsgerechtes Stoß- und Querlüften und helfen dabei, Luftqualität und Infektionsschutz im Alltag besser zu steuern.

Empfehlung

Fensterlüftung im Gesundheitswesen: In Arztpraxen und Krankenhäusern braucht Fensterlüftung klare Abläufe. Kurze Lüftungsintervalle zwischen Nutzungen, gezielte Luftführung und besondere hygienische Anforderungen stehen hier im Vordergrund.

Empfehlung

Organisatorische Maßnahmen bei fehlender Lüftung: Wenn keine oder nur unzureichende Lüftung vorhanden ist, können organisatorische Maßnahmen kurzfristig entlasten, etwa durch geringere Belegung, kürzere Aufenthaltszeiten und angepasste Nutzungsabläufe.

Empfehlung

Mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt auch bei hoher Nutzung für verlässliche Luftqualität und verbindet CO₂-geführte Regelung, angepasste Volumenströme und Energieeffizienz in einem System.

Empfehlung

Hybridlüftung: Hybridlüftung kombiniert Fensteröffnung und technische Anlage. Entscheidend ist das abgestimmte Zusammenspiel beider Systeme, damit Luftqualität verbessert und Fehlbetrieb vermieden wird.

Empfehlung

Wenn die Ausgangssituation unklar ist, bietet eine CO₂-Messung über ein bis zwei Wochen einen guten Einstieg. So lässt sich die Luftqualität bewerten und der weitere Handlungsbedarf besser ableiten.

The post Entscheidungshilfe Raumlufthygiene appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Eine gute Innenraumlufthygiene schützt – aber wie gelingt das energieeffizient?

Eine gute Innenraumlufthygiene schützt – aber wie gelingt das energieeffizient?

Eine gute Innenraumlufthygiene schützt – aber wie gelingt das energieeffizient?

Energieeffizienter Infektionsschutz für Innenräume

Wie lassen sich Infektionsschutzmaßnahmen in Innenräumen wirksam gestalten – ohne den Energieverbrauch unnötig zu erhöhen? Im Forschungsprojekt „MinInfekt“ wurden praxistaugliche Handlungsempfehlungen entwickelt, die zeigen, wie eine gute Raumluftqualität erhalten und zugleich Energie effizient eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse bieten eine fundierte Grundlage für eine integrierte Planung und Nutzung von Räumen, in denen Gesundheitsschutz und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen.

Abbildung 1: Energieeffizienter Infektionsschutz soll sichergestellt werden.

Energieeffizienter Infektionsschutz: Wie geht das zusammen?

Viele Maßnahmen zur Infektionsprävention in Gebäuden verursachen zusätzlichen Energiebedarf – etwa durch den Einsatz von raumlufttechnischen Anlagen, Luftreinigern oder durch häufiges Lüften im Winter. Gerade in energetisch sanierten oder modernen, luftdichten Gebäuden wird das bewusste Lüften zur Herausforderung. Ziel des Forschungsprojekts „MinInfekt“ war es daher, technische Strategien zu entwickeln und zu bewerten, die sowohl eine Reduktion des Infektionsrisikos durch Aerosole als auch einen effizienten Energieeinsatz ermöglichen. Dies ist besonders relevant für Einrichtungen mit hoher Personendichte und sensiblem Nutzungskontext, etwa Schulen, Pflegeeinrichtungen oder medizinische Versorgungszentren.

 

Bewertungsansatz: Welche Kriterien zählen?

Zur systematischen Bewertung der Maßnahmen wurden verschiedene Lüftungssysteme – natürlich, mechanisch und hybrid – unter realitätsnahen Bedingungen betrachtet. Bewertet wurden insbesondere:

  • CO₂-Konzentration
  • Expositionszeit gegenüber potenziell infektiösen Partikeln
  • lufthygienische Wirksamkeit (Verdünnung, Abtransport)

Die Simulationen und Messungen orientierten sich an praxisnahen Raumszenarien und verdeutlichen, wie stark das Infektionsrisiko mit den eingesetzten Lüftungsstrategien variiert. Ein zentrales Ziel war es, Handlungsempfehlungen für typische Raumtypen und Nutzungsszenarien (z. B. Unterrichtsraum, Wartebereich, Pflegeeinrichtung) abzuleiten, die sich sowohl technisch als auch organisatorisch umsetzen lassen.

 

 

Abbildung 2: Das Optimum zwischen Energieeinsatz und Infektionsschutz muss gefunden werden.

Empfehlungen im Überblick

Das Ergebnis ist eine strukturierte Sammlung konkreter Empfehlungen:

  • Generelle Empfehlungen: z. B. CO₂-Konzentration möglichst unter 1000 ppm halten; bei erhöhtem Infektionsgeschehen < 800 ppm
  • Außenluftzufuhr: möglichst gleichmäßig und aufenthaltsnah einbringen
  • Lüftungswirksamkeit: Vermeidung von Kurzschlüssen, Berücksichtigung der Aufenthaltszone
  • Energetische Aspekte: Einsatz effizienter Wärmerückgewinnung, Bedarfslüftung statt Dauerbetrieb
  • Monitoring: Einsatz von CO₂-Sensoren zur Steuerung und Erfolgskontrolle

Diese Empfehlungen richten sich an Verantwortliche für Planung, Betrieb und Ausstattung von Innenräumen in unterschiedlichen Nutzungskontexten.

 

Fazit und Ausblick

Die Studie zeigt: Infektionsschutz und Energieeffizienz müssen kein Widerspruch sein. Entscheidend ist eine differenzierte Planung, die Lufthygiene, Nutzerverhalten und energetische Zielwerte gemeinsam denkt. Durch eine Kombination aus technischer Ausstattung, angepasstem Nutzerverhalten und kontinuierlicher Überprüfung der Luftqualität lassen sich belastbare Konzepte entwickeln, die auch bei zukünftigen Herausforderungen tragfähig sind. Die Studie zeigt: Infektionsschutz und Energieeffizienz müssen kein Widerspruch sein. Entscheidend ist eine differenzierte Planung, die Lufthygiene, Nutzerverhalten und energetische Zielwerte gemeinsam denkt. Durch eine Kombination aus technischer Ausstattung, angepasstem Nutzerverhalten und kontinuierlicher Überprüfung der Luftqualität lassen sich belastbare Konzepte entwickeln, die auch bei zukünftigen Herausforderungen tragfähig sind.

Die Ergebnisse können als Grundlage für weitere Projekte, Richtlinien oder Planungsprozesse genutzt werden – insbesondere mit Blick auf aktuelle Fragestellungen wie Empfehlungen zum Krankenhausbau, zu Büro- und Verwaltungsgebäuden oder zur Kohortierung.

Weitere Infos und Download der ausführlichen Empfehlungen:
Energieeffizienter Infektionsschutz – Handlungsempfehlungen aus MinInfekt

Abbildung 3: Kurzschlussströmung

The post Eine gute Innenraumlufthygiene schützt – aber wie gelingt das energieeffizient? appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Warum betrifft der bauliche Gesundheitsschutz alle Infrastrukturen?

Warum betrifft der bauliche Gesundheitsschutz alle Infrastrukturen?

Warum betrifft der bauliche Gesundheitsschutz alle Infrastrukturen?

Der bauliche Gesundheitsschutz betrifft zunächst die gebaute Umgebung unterschiedlicher Infrastrukturen mit ihren Materialien, Ausstattungsgegenständen und technischen Anlagen sowie deren Einfluss auf das Infektionsrisiko. Innerhalb der gebauten Umgebung stellen jedoch Menschen als infizierte Wirte die primäre Infektionsquelle dar. Gebäude sind Orte für Zusammenkünfte unterschiedlicher Personen(-gruppen) und bedingen somit das Infektionsrisiko. Daher betrifft der bauliche Gesundheitsschutz alle gebauten Versammlungsorte.

Infektionsgeschehen in einer Vielzahl unterschiedlicher Infrastrukturen

Je nach Nutzung, Struktur und Prozess haben Gebäude als Infrastrukturen eine unterschiedlich große Auswirkung auf das lokale Infektionsgeschehen. Gemeinsam haben jedoch alle Infrastrukturen, dass sie ein Ort für Zusammenkünfte von Menschen sind. Für das Gemeinwohl unserer Gesellschaft ist es daher wichtig, Infektionen im Normalbetrieb und Schließungen von Infrastrukturen im Fall eines hohen Infektionsgeschehens wie einer Pandemie vorzubeugen, indem der Infektionsschutz in der Bauplanung beachtet wird.

 

Abbildung 1 verdeutlicht, dass die Infektionen mit SARS-CoV-2 im Jahr 2020 in sehr unterschiedlichen Infrastrukturen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfanden. Im gemeinsamen Forschungsprojekt SAVE der TU Braunschweig, TU Berlin und Charité Universitätsmedizin Berlin wurden Alten- und Pflegeheime, Arztpraxen, Kindertagesstätten und Schulen als kritische Infrastrukturen identifiziert und effektive Strategien zur Kontrolle und zum Umgang mit Ausbreitungswegen von Erregern in diesen Infrastrukturen erarbeitet. Die Infrastrukturen wurden als kritisch identifiziert, da sie Räume für unterschiedliche vulnerable Gruppen bieten und wichtig für die Aufrechterhaltung des alltäglichen Lebens und die soziale Entwicklung sind.
Arztpraxen sollten auch im pandemischen Fall geöffnet bleiben, um die ambulante Gesundheitsversorgung der Gesellschaft dauerhaft zu gewährleisten, und damit sie im Bedarfsfall genutzt werden können, um Impfkampagnen zu unterstützen.
Bildungseinrichtungen sollten während einer Pandemie weiterhin geöffnet sein, da sie für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft von großer Bedeutung sind und gleichzeitig Eltern sowie Erziehungsberechtigten die Möglichkeit bieten, ihre beruflichen Aktivitäten weiter auszuüben. Zusätzlich sind Alten- und Pflegeheime das Zuhause und der Lebensmittelpunkt einer vulnerablen Personengruppe unserer Gesellschaft, deren Schutz hohe Priorität hat.

Viele lüftungstechnische Empfehlungen und bauliche Entwurfsprinzipien des baulichen Gesundheitsschutzes sind generell auf alle Gebäude übertragbar. Neben den im Forschungsprojekt SAVE betrachteten Infrastrukturen gibt es jedoch weitere Infrastrukturen, die durch infrastrukturspezifische Prozesse und die Nutzung durch spezifische vulnerable Personengruppen besondere Maßnahmen erfordern. Krankenhäuser, Produktionsstätten, Supermärkte, Büros, Verkehrs- oder Verwaltungsbauten sind hierbei von großer Bedeutung. Auch deren betriebliche Aufrechterhaltung sollte während einer Pandemie gewährleistet sein, um Versorgungsengpässen vorzubeugen. Pandemische Situationen können zu erheblichen Engpässen in der Versorgung der Gesellschaft führen, wenn Infrastrukturen nicht mehr weiter genutzt werden können.

Zum gesundheitlichen Schutz und Wohlbefinden aller Menschen innerhalb gebauter Umgebungen sollte daher neben dem Brandschutz und Arbeitsschutz immer der bauliche Gesundheitsschutz in der Planung bedacht werden. Eine Beschreibung zur Umsetzung ist im Bereich Warum & Wie zu finden.

Verwandte Artikel
Bau
Der Mehrwert des baulichen Gesundheitsschutzes
Die Gestaltung unserer gebauten Umgebung hat durch die Bauteilfügung, die Materialwahl, die Grundrissstruktur, die Ausstattungsobjekte und die technische Gebäudeausstattung einen unmittelbaren Einfluss auf die Tätigkeiten und Prozesse im Gebäudeinneren und schlussendlich das Wohlbefinden der Nutzenden. Die Architektur vereint somit wortwörtlich eine Vielzahl gesundheitsschützender Maßnahmen unter einem Dach und beeinflusst die Zusammenkunft von potentiellem Wirt und Erregern.
Mehrere Personen schauen sich architektonische Pläne an.
Forschung
Wie wird zum baulichen Gesundheitsschutz geforscht?
Ein breites Spektrum möglicher Forschungsmethoden qualitativer, quantitativer, experimenteller und simulativer Art werden für die interdisziplinäre Forschungsarbeit genutzt, um der Komplexität des baulichen Gesundheitsschutzes gerecht zu werden. Die Methoden des baulichen Gesundheitsschutzes werden im Folgenden beschrieben.
Zwei Personen schauen auf ein Klemmbrett während die eine Person darauf schreibt.
Bau
Die 10 Essentials des baulichen Gesundheitsschutzes
Die 10 wesentlichen Punkte, die man beim baulichen Gesundheitsschutz beachten sollte.

The post Warum betrifft der bauliche Gesundheitsschutz alle Infrastrukturen? appeared first on PlanGesund.info.

  •  

Der Mehrwert des baulichen Gesundheitsschutzes

Der Mehrwert des baulichen Gesundheitsschutzes

Ein Mehrwert für alle Nutzenden in Gebäuden

Wir verbringen bis zu 90 % unserer Lebenszeit in Innenräumen. Zeit, die unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit beeinflusst. Wie der Bau sich auf unser Wohlbefinden und auch auf das Zusammentreffen zwischen Erregerquelle und Wirt auswirken kann, wird hier beschrieben.

Präventiver, reaktiver und adaptiver gesunder Bau

Bauliche Maßnahmen können die Rahmenbedingungen festlegen, in denen präventiv auf die alltägliche Basishygiene und das Wohlbefinden eingewirkt wird, aber auch reaktiv und adaptiv auf ein wechselndes lokales Infektionsgeschehen oder gar auf eine pandemische Situation reagiert werden kann. Dies umfasst makroskopische Zusammenhänge zwischen Umgebung und Mensch, beispielsweise Materialemissionen, die wir einatmen, die Vermeidung von Biofilmbildung auf Oberflächen, die wir berühren könnten, oder die Luftqualität, aber auch prozessuale Bedingungen, wenn beispielsweise genügend Desinfektionsmittelspender in Krankenhäusern an den sicht- und erreichbaren Stellen positioniert sind, um eine hygienische Pflege sicherzustellen. Eine bewegungsfördernde und grüne Architektur mit Sichtbezügen zu Pflanzen und Bäumen kann ebenfalls ein gesteigertes Wohlbefinden bewirken. Auch können durch baukonstruktive Details Reinigungsprozesse erleichtert werden.

Designentscheidungen der Grundrissstruktur prägen zudem die Interaktionsformen zwischen Personen, können das soziale Erleben intensivieren, aber auch Infektionsübertragungen zwischen Menschen befördern. Wenn ein Grundriss beispielsweise eine Kohortierung von Wohngruppen in Altenheimen erlaubt, kann einfacher auf lokale Ausbruchssituationen reagiert werden. Eine automatische, sensorgesteuerte Lüftungstechnik kann ebenfalls auf einen sich verändernden Kontext adaptiert werden. Die Planung sollte dabei niemals nur bis zum Abschluss des Bauvorhabens gedacht werden, sondern auch den Betrieb und die laufende Instandhaltung bedenken, die das persönliche Engagement der Nutzenden erfordern kann. Somit wirkt sich der Bau auf den Gesundheitsschutz aus und bildet die Rahmenbedingungen für Maßnahmen anderer Disziplinen. Die Architektur vereint wortwörtlich eine Vielzahl gesundheitsschützender Maßnahmen unter einem Dach. Der Ansatz des gesundheitsschützenden Bauens kann in Teilen analog zum Brandschutz gedacht werden. Durch eine präventive, reaktive und adaptive gesundheitsschützende Bauweise kann dann sowohl der Normalbetrieb verbessert als auch ein pandemischer Betrieb flexibel sichergestellt werden.

Keine absolute Sicherheit, aber eine gesundheitsschützende Umgebung

Bei der Entscheidung, welche Maßnahmen und Entwurfsprinzipien umgesetzt werden sollten, muss berücksichtigt werden, dass nicht alle möglichen Maßnahmen den infrastrukturspezifischen Gegebenheiten entsprechend sinnvoll sind. Voraussetzung dafür ist das Wissen, welche möglichen Krankheitserreger und Übertragungswege für welche Funktionsbereiche relevant sind. Dazu bietet der Bereich Hygiene Informationen. Auch muss beachtet werden, dass die Maßnahmen keine absolute Sicherheit vor einer Infektion garantieren, sondern ein Infektionsrisiko nur reduzieren können. Die gesamten Informationen dieser Wissensplattform tragen zum Verständnis und der Umsetzung des baulichen Gesundheitsschutzes bei. Bisher fehlen strukturierte Angaben und Leitfäden zum baulichen Gesundheitsschutz. Daher werden auf PlanGesund Entwurfsprinzipien und Empfehlungen zu deren Umsetzung vorgestellt und spezifische Fragen tiefergehend in Artikeln beantwortet. Eine erfolgreiche Umsetzung des baulichen Gesundheitsschutzes erfordert immer ein interdisziplinäres Denken und Handeln – also den intensiven fachlichen Austausch in allen Leistungsphasen der Planung.

Verwandte Artikel
Bau
Warum betrifft der bauliche Gesundheitsschutz alle Infrastrukturen?
Warum der bauliche Gesundheitsschutz für alle Gebäude relevant ist und wo welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen, erfahren Sie hier. Denn wichtig bei der Entscheidungsfindung ist eine Abwägung, welche Infektionserreger in welchen Infrastrukturen relevant sind und infektionspräventiver Maßnahmen bedürfen.
Zwei Personen schauen auf ein Klemmbrett während die eine Person darauf schreibt.
Bau
Die 10 Essentials des baulichen Gesundheitsschutzes
Die 10 wesentlichen Punkte, die man beim baulichen Gesundheitsschutz beachten sollte.
Mehrere Personen schauen sich architektonische Pläne an.
Forschung
Wie wird zum baulichen Gesundheitsschutz geforscht?
Ein breites Spektrum möglicher Forschungsmethoden qualitativer, quantitativer, experimenteller und simulativer Art werden für die interdisziplinäre Forschungsarbeit genutzt, um der Komplexität des baulichen Gesundheitsschutzes gerecht zu werden. Die Methoden des baulichen Gesundheitsschutzes werden im Folgenden beschrieben.

The post Der Mehrwert des baulichen Gesundheitsschutzes appeared first on PlanGesund.info.

  •