Belastungsfaktoren von Familien mit (schwer-)kranken Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen: Eine Analyse der aktuellen Lebenssituation
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2939-7368
Familien mit chronisch kranken oder pflegebedürftigen Kindern sind häufig
erheblichen organisatorischen, psychosozialen und gesundheitlichen
Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig erschweren komplexe
Versorgungsstrukturen und unklare Zuständigkeiten den Zugang zu
Unterstützungsangeboten. Ziel der Studie ist es, die Belastungssituation von
Familien mit pflegebedürftigen Kindern in Niedersachsen zu beschreiben und
Faktoren zu identifizieren, die die Lebenssituation der Eltern
beeinflussen.Im September 2024 wurden über die AOK Niedersachsen postalisch Fragebögen an
600 Familien mit pflegebedürftigen Kindern (0–18 Jahre) versendet. Der
Fragebogen basierte auf einer vorangegangenen qualitativen Interviewstudie
und erfasste soziodemografische Angaben, krankheitsspezifische Merkmale
sowie 26 Belastungsindikatoren. Zur Bewertung der Lebenssituation wurden
vier Dimensionen erhoben: Alltagsbewältigung, Deckung des
Versorgungsbedarfs, Verfügbarkeit von Unterstützungsangeboten und der eigene
Gesundheitszustand. Die Auswertung erfolgte deskriptiv. Zusammenhänge wurden
mittels Spearman-Rangkorrelation analysiert.111 Familien nahmen an der Befragung teil (Rücklaufquote 19%). Die Versorgung
der Kinder wird überwiegend durch die Eltern selbst sichergestellt; nur
12,6% nutzen unterstützend einen Pflegedienst. Häufig berichtete Belastungen
sind Sorgen um das Kind (95%), hoher zeitlicher Versorgungsaufwand (91%)
sowie fehlende Zeit als Paar (83%). Gleichzeitig berichten 73% der Befragten
von unklaren Zuständigkeiten der Sozialleistungsträger und 54% von
unzureichenden Unterstützungsangeboten. Soziale Faktoren, insbesondere
Auswirkungen auf Geschwister, soziale Isolation und fehlende Unterstützung,
stehen mit allen untersuchten Dimensionen der Lebenssituation in
Zusammenhang.Die Ergebnisse weisen auf eine hohe multidimensionale Belastung von Familien
mit pflegebedürftigen Kindern hin. Neben strukturellen Herausforderungen
spielen psychosoziale Faktoren und die Gesundheit der Eltern eine zentrale
Rolle. Maßnahmen zur Versorgungskoordination sowie niedrigschwellige
Informations- und Unterstützungsangebote könnten zur Entlastung betroffener
Familien beitragen.
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