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Vierte Reinigungsstufe bleibt zentral für den Gewässerschutz

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) bekräftigt vor dem Hintergrund des Schlussantrags der EU-Generalanwältin Juliane Kokott zur Nichtigkeitsklage Polens gegen die Erweiterte Herstellerverantwortung die Bedeutung der vierten Reinigungsstufe für den Gewässer- und Umweltschutz. Kokott empfiehlt dem Europäischen Gerichtshof, die Erweiterte Herstellerverantwortung in ihrer derzeitigen Form aufzuheben.

Die Schlussanträge der Generalanwältin betreffen dabei die konkrete Ausgestaltung der Finanzierung, nicht jedoch die grundsätzliche Umsetzung des Verursacherprinzips über eine Erweiterte Herstellerverantwortung oder die Notwendigkeit der Spurenstoffelimination in Kläranlagen.

„Die vierte Reinigungsstufe schützt unsere Gewässer wirksam vor Mikroschadstoffen. Wer diese Stoffe in Verkehr bringt, muss sich nach dem Verursacherprinzip auch an den Kosten ihrer Entfernung beteiligen“, betont DWA-Präsident Prof. Uli Paetzel. „Dieses Prinzip stellt die Generalanwältin nicht in Frage. Die Ausführungen beziehen sich auf die wissenschaftliche Herleitung der vorgesehenen Kostenverteilung zwischen einzelnen Branchen.“

Spurenstoffe stellen Gewässer zunehmend vor Herausforderungen

Vor dem Hintergrund der Empfehlungen der Generalanwältin und des weiterhin laufenden Verfahrens betont die DWA die große Bedeutung der Erweiterung ausgewählter Kläranlagen um eine vierte Reinigungsstufe für einen nachhaltigen und langfristigen Gewässerschutz.

Konventionelle Kläranlagen mit drei Reinigungsstufen können Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände nicht oder nur in geringen Mengen zurückhalten beziehungsweise abbauen. Dadurch gelangen die Stoffe über die Abläufe der Kläranlagen in die Gewässer. Die sogenannte vierte Reinigungsstufe, die die EU mit der Novellierung der Kommunalabwasserrichtlinie für große sowie ausgewählte mittelgroße Kläranlagen bis 2045 vorschreibt, kann Arzneimittelrückstände und andere Spurenstoffe zu weit über 90 Prozent zurückhalten. Damit können die Gewässer deutlich entlastet werden.

Die Belastung des Abwassers mit Arzneimittelrückständen nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Mit einer älter werdenden Bevölkerung steigt der Verbrauch von Arzneimitteln und damit auch der Eintrag entsprechender Rückstände in den Wasserkreislauf. Zusätzlich verschärft der Klimawandel die Situation. Kläranlagen leiten das behandelte Abwasser in Bäche und Flüsse ein. In trockenen Sommermonaten kann der Anteil des behandelten Abwassers insbesondere in kleineren Gewässern auf weit über 50 Prozent steigen. Selbst im Rhein liegt dieser Anteil während Niedrigwasserphasen bei über 20 Prozent. Längere Trockenperioden führen dazu, dass weniger Wasser zur Verdünnung zur Verfügung steht. Dadurch nimmt der Anteil des gereinigten Abwassers im Gewässer zu und die Konzentration der Spurenstoffe steigt.

Kosten sollen nach dem Verursacherprinzip verteilt werden

Aus Sicht der DWA ist die Erweiterte Herstellerverantwortung das geeignete Instrument, um das Verursacherprinzip bei der Finanzierung der Spurenstoffelimination umzusetzen. Eine ausschließliche Finanzierung durch Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbebetriebe würde die Kosten des Gewässerschutzes von den Verursachenden auf die Allgemeinheit verlagern.

Die Kosten der vierten Reinigungsstufe können und dürfen nach Auffassung der DWA daher nicht allein über Abwassergebühren finanziert werden. Auch die Verursacher müssten in die Pflicht genommen werden. Dies soll zugleich Lenkungseffekte hin zu weniger umweltgefährdenden Stoffen fördern.

Generalanwältin kritisiert derzeitige Kostenverteilung

Am 10. März 2025 hatte Polen Klage gegen das Europäische Parlament und den Rat der Europäischen Gemeinschaft bezüglich der Kommunalabwasserrichtlinie KARL eingereicht (Rechtssache C-193/25). Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Erweiterte Herstellerverantwortung. Danach sollen die Arzneimittel- und Kosmetikindustrie mindestens 80 Prozent der Kosten für die vierte Reinigungsstufe auf Kläranlagen übernehmen.

Die zuständige EuGH-Generalanwältin Juliane Kokott empfiehlt in ihren Schlussanträgen vom 3. September 2026, Artikel 9 Absatz 1 der EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) aufgrund „offensichtlicher Ermittlungs- und Beurteilungsfehler“ für nichtig zu erklären. Kokott beanstandet in ihrem Schlussantrag nicht die Viertbehandlung, die Erweiterte Herstellerverantwortung an sich oder die Anwendung des Verursacherprinzips. Ihre Kritik richtet sich vielmehr gegen eine aus ihrer Sicht nicht ausreichend wissenschaftlich und rechtlich abgesicherte beziehungsweise begründete Verursachung als Rechtfertigung dafür, zwei Produktgruppen mit 80 Prozent der Kosten zu belasten. Nach Auffassung der Generalanwältin hat der Unionsgesetzgeber nicht ausreichend nachvollziehbar dargelegt, warum gerade Hersteller von Arzneimitteln und Kosmetika in die Pflicht genommen werden, andere mögliche Quellen von Mikroschadstoffen hingegen nicht.

Datengrundlage zur toxischen Belastung in der Kritik

Darüber hinaus äußert Kokott Zweifel an den zugrunde gelegten Daten zur toxischen Belastung. Nach ihrer Einschätzung wurden sehr niedrige PNEC-Werte verwendet. PNEC-Werte, Predicted No Effect Concentration, bezeichnen Umweltkonzentrationen eines Stoffes, unterhalb derer keine negativen Auswirkungen auf ein Ökosystem zu erwarten sind.

Bei Verwendung anderer verfügbarer Werte würde der Anteil der Arzneimittel an der toxischen Belastung deutlich geringer ausfallen, so die Generalanwältin. Zudem bemängelt sie eine fehlende Ermessensausübung. Parlament, Rat und Kommission hätten weder während des Gesetzgebungsverfahrens noch vor Gericht klar und eindeutig gezeigt, dass sie die maßgeblichen Grunddaten sorgfältig geprüft und wesentliche Zweifel berücksichtigt hätten.

Der Schlussantrag ist rechtlich nicht bindend. Die endgültige Entscheidung liegt beim Europäischen Gerichtshof (EuGH). Der EuGH folgt jedoch sehr häufig den Empfehlungen der Generalanwaltschaft. Das Urteil wird in den kommenden Wochen erwartet. Das Gericht kann zudem die mündliche Verhandlung wieder eröffnen, um den Beteiligten Gelegenheit zu geben, sich zu den erörterten Zweifeln zu äußern.

DWA fordert belastbare und rechtssichere Regelung

Nach Auffassung der DWA ist nun der europäische Gesetzgeber gefordert, die Erweiterte Herstellerverantwortung wissenschaftlich belastbar, transparent und rechtssicher weiterzuentwickeln. Die Schlussanträge lassen ausdrücklich Raum für eine angepasste und verursachergerechte Ausgestaltung des Instruments.

Die DWA unterstützt eine regelmäßige Überprüfung der Datengrundlagen und zeigt sich grundsätzlich offen für die Prüfung weiterer relevanter Produktgruppen, sofern dies fachlich begründet erfolgt. Entscheidend sei, das Verursacherprinzip wirksam umzusetzen und die notwendigen Investitionen in den Gewässerschutz auf eine solide und faire Finanzierungsgrundlage zu stellen. Kommunen und Zweckverbände als Abwasserbeseitigungspflichtige benötigen Rechtssicherheit und eine verlässliche Finanzierung, um den Schutz der Gewässer vor dem zunehmenden Eintrag von Spurenstoffen voranzutreiben und die Vorgaben der EU-Kommunalabwasserrichtlinie fristgerecht umzusetzen.


Quelle: Vierte Reinigungsstufe schützt Gewässer, Herstellerverantwortung sichert faire Finanzierung – DWA e. V.

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Delegation zu Gast OOWV-Modellprojekt für energieeffiziente Kläranlage in Südafrika vor Abschluss

Seit dem Jahr 2012 besteht die Klimapartnerschaft zwischen der Stadt Oldenburg und der südafrikanischen Buffalo City Metropolitan Municipality (BCMM). Seit Februar 2022 wird diese Partnerschaft um die Betreiberpartnerschaft zwischen dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV), dem Wupperverband und BCMM ergänzt. Gemeinsam setzen die Stadt Oldenburg und die Betreiberpartnerschaft seit November 2023 das Modellprojekt „Entwicklung einer energieeffizienten Kläranlage in East London“ um. Gefördert wird dies durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über das Förderprogramm für kommunale Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekte (FKKP). Ziel ist es, den Energieverbrauch der Kläranlage zu optimieren und einen Teil des Strombedarfs mit Photovoltaik selbst zu erzeugen.

Südafrikanische Fachkräfte besuchen OOWV-Anlagen

Projektingenieur Ingo Schuster führte die Besuchergruppe durch den Neubau des Wasserwerks Marienhafe (Quelle: Heino Hermanns/OOWV)

Kurz vor Projektende besuchte eine Delegation aus den Bereichen Wasser, Abwasser, Energie und internationale Beziehungen den OOWV. Auf dem Programm standen unter anderem die Klärschlammtrocknung Riepe, das Wasserwerk Marienhafe, die Kläranlage Oldenburg und das Wasser- und Waldzentrum Schortens.

„Wir brauchen den globalen Blick, um lokal auf Veränderungen reagieren zu können“, sagt OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht. „Der direkte Austausch zwischen Expertinnen und Experten auf allen Ebenen macht die Partnerschaften so gewinnbringend für beide Seiten.“

Ein Schwerpunkt des Austauschs liegt auf der Frage, welche Technologien sich unter den Bedingungen in Südafrika einsetzen lassen. OOWV-Ingenieur Gerold Eiben verweist etwa auf Vandalismus und Materialdiebstahl, die den Betrieb technischer Anlagen erschweren.

„Das bedeutet aber auch, dass sehr viel improvisiert wird und die Technik so einfach wie möglich gehalten werden muss.“

Potenzial sehen die Beteiligten insbesondere bei Photovoltaik. OOWV-Projektkoordinatorin Anna Hörlein erklärt:

„Die Tatsache, dass Solarenergie bei uns funktioniert, obwohl das Potential nicht annähernd so hoch ist wie in Südafrika, hat die Partner überzeugt, es auch auszuprobieren.“ Die Zusammenarbeit mit so vielen verschiedenen Akteuren wie der Stadt Oldenburg, verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und den Partnern von der Betreiberpartnerschaft klappe hervorragend. „Ich bin dankbar, dass ich so viele verschiedene Sichtweisen auf das Projekt kennenlernen kann und wir alle an einem Strang ziehen.“

16 Klärwärter bereits geschult

Neben der Technik ist der Wissenstransfer Bestandteil der Partnerschaft. Nach Angaben von BCMM haben bereits 16 Klärwärter an speziellen Trainings teilgenommen.

„Durch das Pilotprojekt wollen wir Erfahrungen sammeln im Umgang mit neuen Technologien“, sagt Ayanda Skwebu, stellvertretender Bereichsleiter für Wasser und Abwasser bei BCMM. Die Erfahrungen mit Photovoltaik, Klärschlammverwertung und Biogas unterstützten die Entscheidungsfindung in Südafrika. „Wir würden daher gerne weitere Projekte durchführen.“

Modellprojekt geht in die Schlussphase

Das Projekt soll im Dezember 2026 enden. Mit dem Delegationsbesuch geht die Zusammenarbeit damit in ihre Schlussphase. Die beteiligten Fachkräfte wollen die gewonnenen Erfahrungen unter anderem für Entscheidungen über Photovoltaik, Biogas und weitere technische Maßnahmen in der südafrikanischen Wasser- und Abwasserwirtschaft nutzen.

Für die wasserwirtschaftliche Praxis zeigt das Projekt zugleich, dass Energieeffizienz und Eigenversorgung nicht losgelöst von den örtlichen Betriebsbedingungen betrachtet werden können. Technische Konzepte müssen zu Infrastruktur, verfügbarem Fachwissen und den konkreten Herausforderungen des Anlagenbetriebs passen. Der Austausch zwischen Betreibern kann dabei helfen, Erfahrungen aus unterschiedlichen Rahmenbedingungen für neue Lösungen nutzbar zu machen.


Quelle: Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband

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Mülheimer Wasseranalytisches Seminar 2026: Aktuelle Entwicklungen der Wasseranalytik im Fokus

Die Wasseranalytik entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue analytische Verfahren und technische Innovationen erweitern die Möglichkeiten zur Erfassung eines immer größeren Stoffspektrums. Gleichzeitig steigt der Bedarf, bestehende Verfahren leistungsfähiger und ressourcenschonender zu gestalten. Das gilt unter anderem für die Analytik von poly- und perfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) sowie von Pflanzenschutzmittel-Metaboliten. Auch Miniaturisierung und Automatisierung spielen dabei eine zunehmende Rolle.

Das zweitägige Programm deckt ein breites Spektrum der modernen Wasseranalytik ab. Zu den Schwerpunkten gehören Probenahme und Probenvorbereitung, Chromatographie und Massenspektrometrie, Spurenstoffe wie PFAS und PMT, relevante und nicht relevante Metaboliten von Pflanzenschutzmitteln sowie Datenprozessierung und -analyse. Weitere Themen sind neue Techniken und Green Analytical Chemistry sowie molekularbiologische Methoden in der Wasseranalytik.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Wasseranalytik und Digitalisierung. Auf der Tagung werden unter anderem Ansätze zur digitalen Transformation im Chemikalienmanagement, zur Digitalisierung der Trinkwasserdaten-Berichterstattung und zu einheitlichen Schnittstellen und Datenformaten für Labore vorgestellt. Weitere Sessions befassen sich mit der Analytik, Toxizität und Bewertung von Stoffen sowie mit PFAS im Wasserkreislauf.

Fachausstellung und Präsentationen

Begleitet wird das Seminar von einer Fachausstellung mit Workshops, Firmenvorträgen, Demonstrationen sowie Geräte- und Produktpräsentationen. Darüber hinaus bietet eine Posterausstellung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, aktuelle Projekte und Forschungsvorhaben vorzustellen. Die besten Poster werden von einer Kommission ausgezeichnet; der Posterpreis ist mit insgesamt 600 Euro dotiert.

Verleihung des 10. Mülheimer Water Award

Am Abend des ersten Veranstaltungstages steht zudem die Verleihung des 10. Mülheim Water Award auf dem Programm. Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis würdigt praxisorientierte Forschung und Entwicklung sowie die Implementierung innovativer Konzepte in den Bereichen Trinkwasserversorgung und Wasseranalytik. Die Preisverleihung findet im Rahmen des Konferenz-Dinners statt.

Mit dem MWAS 2026 bringt das IWW Hersteller, Anwenderinnen und Anwender sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen. Die Veranstaltung bietet damit ein Forum für den fachlichen Austausch über aktuelle analytische Verfahren, technologische Innovationen und die zukünftigen Anforderungen an die Wasseranalytik.

Veranstaltungsort: Stadthalle Mülheim an der Ruhr, Theodor-Heuss-Platz 1, 45479 Mülheim an der Ruhr
Termin: 16. und 17. September 2026

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MEORGA MSR-Spezialmesse in Ludwigshafen

Hier zeigen ca. 150  Fachfirmen (darunter die Marktführer der Branche) ihr Leistungsspektrum, Geräte und Systeme, Engineering- und Serviceleistungen sowie neue Trends im Bereich der Automatisierung. Darüber hinaus können sich die Besucher in praxisnahen Fachvorträgen umfassend über den aktuellen Stand der MSR-Technik informieren.

Auf den Ständen sind die jeweiligen regionalen Ansprechpartner vertreten, welche den größten Wert auf das lösungsorientierte Fachgespräch in einer professionellen und serviceorientierten Messeatmosphäre legen. Dabei werden nicht nur neue Kundenkontakte aufgebaut, sondern auch bestehende gepflegt.

Die Messe wendet sich an Fachleute und Entscheidungsträger, die in ihren Unternehmen für die Optimierung der Geschäfts- und Produktionsprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette verantwortlich sind. Der Eintritt zur Messe und die Teilnahme an den Fachvorträgen sind für die Besucher kostenlos und sollen ihnen Informationen und interessante Gespräche ohne Hektik und Zeitdruck ermöglichen.

Zur Anmeldung

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Künstliche Intelligenz soll Pflanzen vor Trockenstress schützen

In diesem Hitzesommer wurden in Deutschland vielerorts nicht nur Temperaturrekorde erreicht. Aufgrund anhaltender Wasserknappheit galten regional auch Bewässerungsverbote. Trockene Gärten und Grünflächen sowie Ernteausfälle in der Landwirtschaft zeigen, wie wichtig ein effizienter Umgang mit der Ressource Wasser wird.

Wie lässt sich Wasser einsparen und gleichzeitig eine ausreichende Versorgung von Nutzpflanzen gewährleisten? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Forschungsprojekt der Universität Osnabrück. Mithilfe KI-gestützter Überwachung wollen die Forschenden untersuchen, wie sich Trockenstress bei Pflanzen zuverlässig erkennen lässt und wie darauf aufbauend ein intelligentes Wassermanagement umgesetzt werden kann.

Menschliche und künstliche Intelligenz verbinden

„Wir sehen Pflanzen beim Sterben zu“, bringt Piper Powell ihre Forschungsarbeit auf den Punkt und lacht.

Eigentlich hat die 28-Jährige mit Botanik wenig am Hut: Sie ist Informatikerin und Teil des HybrInt-Teams. HybrInt ist ein gemeinsames Projekt der Universität Osnabrück und der Universität Hannover und wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit rund drei Millionen Euro gefördert. Unterstützt wird das Projekt zudem durch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Osnabrück. Dazu gehört unter anderem ein Gärtnermeister, der sich um die Versorgung der Versuchspflanzen kümmert.

Ziel von HybrInt ist es, KI-Methoden zu entwickeln, die Stärken menschlicher Intelligenz wie Kreativität und Intuition mit den Fähigkeiten maschineller Systeme, beispielsweise bei der Verarbeitung großer Datenmengen, verbinden. Das intelligente Wassermanagement bildet dabei eines der Teilprojekte.

Roboter ADA sammelt Daten über Pflanzen

Eine zentrale Rolle übernimmt der „Agricultural Data Acquisition Robot“, kurz ADA. Der Roboter wurde 2025 von einem Team der Universität Osnabrück und des DFKI entwickelt und kommt in einem Folientunnel auf dem Gut Arenshorst in der Gemeinde Bohmte zum Einsatz. Ausgestattet mit RGB-, Hyperspektral-, Tiefen- und Wärmebildkameras kann das tischmontierte System Tausende Bilder pro Stunde aufnehmen. Bei einem einzigen Versuch können auf diese Weise automatisch Datenmengen im Terabyte-Bereich entstehen.

Aktuell erfasst ADA die Pflanzen zunächst während ihres Wachstums und anschließend während einer gezielt herbeigeführten Trockenstressphase.

„Wir lassen die Pflanzen kontrolliert austrocknen und nehmen sie dabei auf“, erläutert Prof. Dr. Martin Atzmüller, Professor am Institut für Informatik der Uni Osnabrück und Leiter des Forschungsbereichs Kooperative und Autonome Systeme am DFKI.

Die gewonnenen Daten dienen dazu, neue Modelle zu trainieren, die den aktuellen Zustand einer Pflanze möglichst zuverlässig erkennen können.

„Das Ziel ist es, Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo und wann sie am meisten gebraucht werden“, so Atzmüller.

Wenn vertrocknete Pflanzen wieder zum Leben erwachen

Wie schwierig es sein kann, den tatsächlichen Zustand einer Pflanze einzuschätzen, zeigte sich auch während der Versuche.

„Wir hatten dabei auch schon den einen oder anderen Zombie-Moment“, sagt Piper Powell.

Die Doktorandin und ihre Kollegen Amos Smith und Isaak Ihorst hatten bereits völlig vertrocknet wirkenden Zuckerrüben-Pflänzchen wieder Wasser gegeben – mit überraschendem Ergebnis: Die Pflanzen erholten sich. Powell zufolge sei es daher gar nicht so leicht festzustellen, wann eine Pflanze tatsächlich abgestorben sei – zumindest bei Zuckerrüben.

Offene Daten für ein intelligentes Wassermanagement

Ergänzt werden die von ADA erhobenen Informationen durch sogenannte Ground-Truth-Daten zum Trockenstress. Dazu zählen unter anderem Messungen des Wassergehalts in den Blättern, die anhand der Blattdicke und des relativen Wassergehalts bestimmt werden. Zusätzlich dokumentieren die Forschenden den Gesundheitszustand der Pflanzen sowie einen möglichen Schädlingsbefall.

Die gesammelten Daten werden anschließend über OsnaData, die Forschungsdatenbank der Universität Osnabrück, öffentlich bereitgestellt.

„Indem wir die Daten offen zugänglich machen, schaffen wir eine wertvolle Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten“, so Prof. Dr. Joachim Hertzberg von der Uni Osnabrück.

Damit sollen die Forschungsergebnisse nicht nur innerhalb des HybrInt-Projekts genutzt werden, sondern auch weiteren wissenschaftlichen Arbeiten zugutekommen und langfristig die Entwicklung eines intelligenten und ressourcenschonenden Wassermanagements unterstützen.


Quelle: HybrInt-Projekt: Mit KI gegen den Trockenstress

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Ukrainische Fachkräfte erneut zu Gast beim OOWV

Erneut hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) Fachkolleginnen und Fachkollegen aus der Ukraine zu einer Hospitation begrüßt. Drei Teilnehmende des OOWV-Partners Chernihivvodokanal aus Chernihiv und zwei Teilnehmende des Unternehmens Miskvodokanal aus Sumy nutzten den Aufenthalt, um ihr Wissen in den Bereichen Kanalsanierung und Abwasser zu vertiefen. Begleitet und fachlich betreut wurde die Gruppe von den OOWV-Mitarbeitern Marc Meierholz, Mario Marotzki und Juri Wunder.

Schlauchlinersanierung direkt auf der Baustelle

Zum Auftakt besuchte die Gruppe ein Großprojekt, bei dem sie eine Schlauchlinersanierung live vor Ort verfolgen konnte. Projektleiter Jan-Niklas Girod stellte das Projekt vor und gab den Gästen einen praxisnahen Einblick in den Ablauf der Sanierungsmaßnahme. Bei diesem Verfahren erhalten sowohl Kanalhaltungen als auch Schächte eine neue Innenauskleidung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), ohne dass umfangreiche Erdarbeiten notwendig sind. Dazu wird ein mit Harz imprägnierter, glasfaserverstärkter Kunststoffschlauch in den bestehenden Kanal eingebracht und anschließend ausgehärtet. Auf diese Weise entsteht innerhalb des bestehenden Kanals eine neue und dauerhafte Rohrinnenwand.

Wie wichtig solche Verfahren für die ukrainischen Gäste sind, machte einer der Teilnehmenden im Gespräch deutlich: „Dies ist besonders interessant, da wir zwar auf Rohrbrüche stoßen, unsere technischen Möglichkeiten jedoch eine vollständige Erneuerung des Systems nicht möglich machen.“

Die Rohrbrüche müssten dennoch repariert werden. Dabei erschweren unter anderem ein dichtes Netz benachbarter Versorgungsleitungen, große Verlegetiefen und die Bedingungen in einem dicht bebauten städtischen Umfeld die Arbeiten.

Praktische Schulung mit Geopolymermörtel

Ein weiterer Programmpunkt war eine Anwenderschulung für Geopolymermörtel durch die Scholten GmbH. Nach einer theoretischen Einführung in den Räumlichkeiten der Betriebsstelle Elsfleth ging es zur Firma Tiesler-Bau. Dort konnten die ukrainischen Gäste auf dem Betriebshof selbst an einem Teststück arbeiten und lernen, wie der Mörtel fachgerecht aufgetragen und verarbeitet wird.

Dank gebühre dabei den beiden beteiligten Firmen sowie den Kolleginnen und Kollegen der Betriebsstelle Elsfleth für die Unterstützung, sagt Lena Sophie Sept, die für den OOWV die Projektleitung übernommen hat.Ergänzt wurde das Programm durch den Besuch einer Baustelle in Lemwerder. Bei der dortigen Tiefbaumaßnahme konnte die Delegation erleben, wie im Baustellenalltag mit Treibsand umgegangen wird. Eine Herausforderung, mit der auch die ukrainischen Partner immer wieder konfrontiert sind.

Abwassertechnik und praktische Anwendungen

Zum Abschluss der Hospitationswoche rückte das Thema Abwasser in den Mittelpunkt. Auf dem Programm standen Besuche der Kläranlage Brake einschließlich der neuen Brauchwasseranlage sowie der Kläranlage Sandstedt.

Zusätzlich demonstrierte die Stadt.Land.Grün GmbH, eine hundertprozentige Tochter des OOWV, den Einsatz eines Spülanhängers mit unterschiedlichen Düsen sowie einer Schiebekamera. Ein vergleichbarer Spülanhänger wurde bereits erfolgreich für die ukrainischen Partner beschafft. Auch die Anschaffung einer entsprechenden Kamera ist zeitnah vorgesehen. Die Gäste hatten somit bereits während ihres Aufenthalts die Möglichkeit, das Gerät und seinen Einsatz kennenzulernen.

Aus Fachkollegen werden vertraute Partner

Die gesamte Hospitationswoche war von einer geradezu familiären Atmosphäre geprägt. Wie eng die Beteiligten inzwischen miteinander verbunden sind, zeigte sich am Ende des Besuchs: Statt mit einem Handschlag verabschiedeten sich die Teilnehmenden mit einer herzlichen Umarmung.

Der Dolmetscher brachte die Entwicklung der Partnerschaft auf den Punkt: „Beim zweiten Mal umarmt man sich.”

Für November 2026 ist bereits eine weitere Hospitation geplant. Dann wollen beide Seiten den Austausch zu den Themen Kurzlinersanierung und Installation von Sonden auf der Kläranlage vertiefen.

Solidarpartnerschaft seit Beginn des Ukraine-Krieges

Die ersten Kontakte zwischen den Wasserversorgern der ukrainischen Städte Sumy und Chernihiv und dem OOWV entstanden bereits kurz nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022. Daraus entwickelte sich eine Solidarpartnerschaft, die bis heute fortgeführt wird.

In der ersten Phase stand vor allem die technische Unterstützung im Mittelpunkt, sagt Projektleiterin Lena Sophie Sept. Unter anderem wurden ein Saugfahrzeug sowie Analysegeräte für den Trinkwasserbereich in die Ukraine geliefert. Inzwischen liegt der Schwerpunkt der Partnerschaft verstärkt auf dem Austausch von Fachwissen.


Quelle: OOWV

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Ein Eimer Wasser voller Arten

Till-Hendrik Macher und Robin Schütz, damals beide Doktoranden in der Biologie der Universität Duisburg-Essen, fuhren ein Jahr lang alle zwei Wochen zur renaturierten Lippemündung bei Wesel und filtrierten je zwei Wasserproben – 26 Termine, 52 Proben. Darin konnten sie in Summe 1.072 Arten nachweisen:

  • 40 Fisch- und Neunaugenarten,
  • 41 Vogel- und 26 Säugetierarten,
  • 425 aquatische,
  • 350 terrestrische Wirbellose und
  • 190 Arten von Kieselalgen

Zum Vergleich: Für denselben Ort sind in der globalen Biodiversitätsdatenbank GBIF insgesamt 1.029 Arten registriert, die in über 130 Jahren zusammengetragen wurden.

DNA-Metabarcoding bildet Artenvielfalt und saisonale Muster ab

Bei der klassischen Methode werden Organismen einzeln mit Kescher, Pinzette, Lupe und Mikroskop bestimmt. Mittels DNA-Metabarcoding lassen sich Arten hingegen über ihre Erbinformationen identifizieren, die sich in den Proben nachweisen lassen.

„Wir haben mit zwei Litern Wasser pro Termin 1.072 Arten quer durch den Stammbaum des Lebens nachgewiesen – von Kieselalgen über Eintagsfliegen bis zum Biber“, sagt Till-Hendrik Macher, Erstautor der Studie, der inzwischen an der Universität Trier forscht. „Und wir konnten nachweisen, dass unsere Daten tatsächlich die Biologie der Lippe abbilden und nicht nur zufällig in den Fluss gespülte DNA ist“, ergänzt Robin Schütz, mittlerweile Wissenschaftler am Bundesamt für Naturschutz. „Denn Winterlaicher wie Quappe und Hecht zum Beispiel zeigten ihre DNA-Maxima im Winter, die Blässgans genau in ihrer Überwinterungszeit.“

Auch ökonomisch ist der Ansatz interessant, denn der Bedarf an solchen Daten wächst: Sowohl das globale Biodiversitätsrahmenwerk von Kunming-Montreal (GBF) als auch die nationalen und europäischen Berichtspflichten verlangen eine räumliche und zeitliche Datendichte, die mit klassischen Methoden kaum zu leisten ist.

Effizienz bei geringeren Kosten

Mit der Methode von Macher und Schütz kostete die Analyse aller 52 Proben rund 12.000 Euro. Eine vergleichbare klassische Erfassung derselben Organismengruppen über ein Jahr würde etwa 70.000 Euro kosten – rund das Sechsfache. Für die EU-Wasserrahmenrichtlinie werden derzeit pro Fluss im Schnitt 1,71 der vier biologischen Qualitätskomponenten (Fische, Wirbellose, Mikroalgen, Wasserpflanzen) untersucht, bei den wenigsten Gewässern alle vier.
Eine Kombination aus einer klassischen Erfassung mit drei Erhebungen, die auf Umwelt-DNA basieren, käme auf alle vier – bei etwa 115 Prozent des bisherigen Budgets.

„Die Rechnung zeigt, welches Potenzial in der Kombination der Methoden steckt“, sagt Florian Leese, Leiter der AG Aquatische Ökosystemforschung an der UDE. „Denn Biomasse und Individuenzahlen liefert die Umwelt-DNA nicht, sodass wir weiterhin auch andere Methoden brauchen, um ein vollständiges Bild zu bekommen.“

Die Untersuchungen entstanden im Rahmen der Projekte GeDNA und TrendDNA, gefördert vom Umweltbundesamt (FKZ 3719242040, Projektnummer 156318), in Kooperation mit Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV).


Originalpublikation:
Macher T-H, Schütz R, Arle J, Beermann AJ, Haase P, Koschorreck J, Krehenwinkel H, Mora D, Sinclair JS, Zimmermann J, Leese F (2026): eDNA metabarcoding provides scalable and continuous biodiversity monitoring across the tree of life. Ecological Indicators 190, 115316. https://doi.org/10.1016/j.ecolind.2026.115316

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Florian Leese, Aquatische Ökosystemforschung
florian.leese@uni-due.de


Quelle: Universität Duisburg-Essen

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Wien erweitert Wasserwerk Donauinsel für zusätzliche Trinkwasserreserve

Mit der Erweiterung des Wasserwerks Donauinsel schafft Wien zusätzliche Kapazitäten für die Trinkwasseraufbereitung. Die neue Anlage zwischen Nordbrücke und Steinitzsteg soll bis zu 1.000 Liter Wasser pro Sekunde aufbereiten können. Sie dient als zusätzliche Reserve für die Versorgung der rund zwei Millionen Menschen in der österreichischen Hauptstadt. Hintergrund des Ausbaus sind unter anderem Spitzenverbräuche, Hitzeperioden und Wartungsarbeiten an den Hochquellenleitungen. Das Projekt ist Teil der Strategie „Wiener Wasser 2050“, mit der sich die Stadt auf Bevölkerungswachstum und die Folgen des Klimawandels für die Wasserversorgung vorbereitet.

Trinkwasseraufbereitung in mehreren Stufen

Das Rohwasser für die neue Anlage stammt aus 17 Grundwasserbrunnen in den Schutzgebieten Donauinsel und Nußdorf. Für die Aufbereitung ist ein mehrstufiges Verfahren vorgesehen. Zunächst wird das Grundwasser mit Sauerstoff belüftet. Anschließend durchläuft es Grob- und Feinfilter. Den Abschluss bildet eine UV-Desinfektion. Das Verfahren ist auf die Aufbereitung des örtlichen Grundwassers ausgelegt. Die Kombination aus Belüftung, Filtration und Desinfektion soll das Wasser für die Einspeisung in die Wiener Trinkwasserversorgung aufbereiten.

Bis zu 1.000 Liter pro Sekunde als zusätzliche Reserve

Die hohe Aufbereitungskapazität ist vor allem für die Versorgungssicherheit relevant. Wien bezieht einen wesentlichen Teil seines Trinkwassers über die Hochquellenleitungen. Die neue Anlage auf der Donauinsel soll zusätzliche Kapazitäten bereitstellen, wenn dort Wartungsarbeiten stattfinden oder der Wasserbedarf besonders hoch ist. Damit erweitert die Stadt ihre Möglichkeiten, auf unterschiedliche Versorgungssituationen zu reagieren. Die Anlage ist nicht als Ersatz für die bestehende Infrastruktur vorgesehen, sondern als zusätzliche leistungsfähige Reserve.

Wien bereitet Wasserversorgung auf steigenden Bedarf vor

Die Erweiterung ist ein Baustein der langfristigen Wiener Wasserstrategie. Neben dem Bevölkerungswachstum rücken dabei auch längere Hitzeperioden und damit mögliche Verbrauchsspitzen in den Fokus. Zusätzliche Aufbereitungskapazitäten können den Handlungsspielraum des Versorgers in solchen Situationen erhöhen. Mit dem Wasserwerk Donauinsel verbindet Wien deshalb Wassergewinnung, mehrstufige Aufbereitung und zusätzliche Reservekapazitäten. Entscheidend für das Projekt ist weniger eine einzelne Verfahrenstechnik als das Zusammenspiel der Aufbereitungsstufen mit der bestehenden Versorgungsinfrastruktur. Die Anlage wird bis 2030 fertiggestellt. Mahmut Gedek, Geschäftsführer der VA TECH WABAG GmbH& CEO WABAG Europe Group kommentiert:

„Von Wien aus setzen wir Wasserprojekte in aller Welt um. Dass diese Kompetenz nun einem Schlüsselprojekt in unserer eigenen Stadt zugutekommt, hat für uns eine besondere Bedeutung. Wir danken der Stadt Wien– Wiener Wasser für das entgegengebrachte Vertrauen. Die Erweiterung des Wasserwerks Donauinsel ist ein strategisch wichtiges Infrastrukturprojekt für die langfristige Versorgungssicherheit der Bundeshauptstadt. Wir sind stolz, unser technologisches Know-how als Partner von Wiener Wasser in dieses Projekt einbringen zu dürfen.“


Quelle: VA TECH WABAG GmbH

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Kölner Kolloquium 2026 nimmt Kanalsysteme und Abwasserinfrastruktur in den Blick

Aktuelle Anforderungen an Kanalsysteme und die Abwasserinfrastruktur stehen am 14. und 15. September 2026 beim 24. Kölner Kanal und Kläranlagen Kolloquium auf dem Programm. Die zweitägige Fachveranstaltung im Maternushaus in Köln verbindet Themen aus Kanalisationstechnik und Abwasserreinigung und wird von einer Fachausstellung begleitet.

Kanalsysteme zwischen Stadtentwicklung und Niederschlagswasser

Der erste Veranstaltungstag widmet sich der wassersensiblen Stadtentwicklung, der Öffentlichkeitswirksamkeit und dem dezentralen Niederschlagswassermanagement. Damit greift das Kolloquium Fragestellungen auf, die für Planung und Betrieb kommunaler Entwässerungsinfrastruktur zunehmend zusammen betrachtet werden müssen.

Die Veranstaltung beschäftigt sich bereits seit mehr als 20 Jahren mit Fragestellungen der Kanalisationstechnik. Zu den behandelten Themen gehören Bau, Betrieb, Zustandserfassung, Instandhaltung und Sanierung von Kanälen sowie Fremdwasser und rechtliche Rahmenbedingungen. Seit 2008 umfasst das Programm zusätzlich Fragen zu Technik, Betrieb und Unterhaltung von Abwasserreinigungsanlagen.

Kanalplanung, Kanalbau und digitale Instrumente

Am zweiten Veranstaltungstag stehen Infrastrukturbewirtschaftung und digitale Instrumente ebenso auf der Agenda wie Kanalplanung, Kanalbau und Kanalbetrieb. Weitere Themenblöcke befassen sich mit Abwasserreinigung, Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Klärschlamm.

Damit deckt das Programm verschiedene Phasen der kommunalen Abwasserinfrastruktur ab – von der Planung und Bewirtschaftung der Kanalnetze bis zur Behandlung des Abwassers und des anfallenden Klärschlamms. Für Fachleute aus Rohrleitungsbau, Planung und Netzbetrieb bietet insbesondere die Verbindung von baulichen und betrieblichen Themen Anknüpfungspunkte.

Fachausstellung begleitet das Kolloquium

Begleitet wird das 24. Kölner Kanal und Kläranlagen Kolloquium von einer Fachausstellung. Anmeldeschluss für Teilnehmer:innen ist Freitag, 11. September 2026. Die Veranstaltung ist gemäß Fort- und Weiterbildungsordnung der Ingenieurkammer-Bau NRW anerkannt.

Zum Kolloquium

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Wasserwirtschaft investiert Milliarden in Deutschlands Trinkwassernetz

Pro Jahr werden in Deutschland rund 4,7 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser verbraucht. Das entspricht 4.700 Milliarden Litern. In Haushalte, Gewerbe und Industrie wird dieses Wasser durch ein Leitungsnetz von insgesamt 534.000 Kilometern Länge transportiert. Zum Vergleich: Die Länge würde reichen, um mehr als 13-mal den Globus zu umrunden.

Konstante Investition für den Erhalt

Um auch weiterhin eine sichere Versorgung mit Trinkwasser zu garantieren, leisten die Wasserversorger hohe Investitionen: Jährlich fließen rund 4 Milliarden Euro in die öffentliche Wasserversorgung. Mehr als 60 Prozent davon, etwa 2,5 Milliarden Euro, werden ins Trinkwassernetz investiert. Die restlichen Investitionen fließen hauptsächlich in Gewinnung, Aufbereitung und Speicherung von Trinkwasser. Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser, kommentiert:

„Auch in den kommenden Jahren sind hohe Investitionen nötig, um die Trinkwasserversorgung selbst bei zunehmenden Extremwetterereignissen in gewohnt hoher Qualität sicherzustellen. Der Klimawandel hat längst konkrete finanzielle Auswirkungen auf die Wasserversorgung: Eine Pilotstudie des BDEW und DVGW hat gezeigt, dass allein dadurch in den kommenden zehn Jahren zusätzliche Investitionen zwischen 3,2 und 13,5 Milliarden Euro erforderlich werden können. Wir müssen deshalb heute die richtigen Investitionsentscheidungen treffen, um unsere Wasserinfrastruktur resilient und zukunftsfest aufzustellen. Dafür muss die Wasserwirtschaft auch von den Infrastrukturfördermitteln des Bundes profitieren.“


Quelle: BDEW

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Kommunalheldinnen 2026 für herausragendes Engagement ausgezeichnet

Mit dem Preis „Die Kommunalheldin“ hat das ZFK Frauennetzwerk am 3. September 2026 zum zweiten Mal Frauen ausgezeichnet, die sich mit besonderen Leistungen in der Kommunalwirtschaft engagieren. Die Preisverleihung fand bei der Stadtwerke Lübeck Gruppe statt. Unterstützt wird die Auszeichnung von Gelsenwasser, Freibaden Consulting und der VKU-Initiative Kommunal Kann.

Aus den zahlreichen Einreichungen wählte die Jury in diesem Jahr drei Preisträgerinnen aus: Alina Kosmützky von den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB Köln), Josefin Büttner von Stromnetz Berlin und Julia Dreindl von den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB).

Neue Konzepte für das Regenwassermanagement

Alina Kosmützky ist Projektleiterin für Erschließungen und Klimafolgenanpassung bei den StEB Köln. Bei der Planung des neuen Kölner Stadtteils „Kreuzfeld“ setzt sie auf dezentrale und innovative Konzepte für das Regenwassermanagement.

Als nächsten Schritt beschäftigt sie sich mit der getrennten Erfassung und Wiederverwendung von Stoffströmen im Abwasser. Ziel ist es, Ressourcen nachhaltig im Kreislauf zu führen. „Neuartige Sanitärsysteme zeigen, wie wir dem Klimawandel aktiv begegnen können“, erklärt Kosmützky.

Stromversorgung für 100.000 Haushalte wiederhergestellt

Josefin Büttner ist Fachgebietsleiterin Kabel & Leitungen Hochspannung bei Stromnetz Berlin. Nach einem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz koordinierte sie über sieben Tage hinweg durchgehend die Störungsbearbeitung. Dabei gelang es, die Stromversorgung für 100.000 Haushalte mitten im Winter wiederherzustellen.

„Mich motiviert die Gewissheit, mit unserer Arbeit jeden Tag einen direkten Beitrag zur Versorgungssicherheit und Lebensqualität der Berlinerinnen und Berliner zu leisten“, sagt Büttner.

Hochspannungsarbeiten ohne externe Dienstleister

Julia Dreindl arbeitet als Netzanlagentechnikerin bei den Innsbrucker Kommunalbetrieben und ist höchstwahrscheinlich die einzige zertifizierte 110-kV-Monteurin Österreichs. Durch ihr fachliches Engagement können die IKB Kabelarbeiten im Hochspannungsnetz vollständig ohne externe Dienstleister durchführen. Das ermöglicht insbesondere bei Störungen schnelle Reaktionszeiten.

„Es motiviert mich, Verantwortung zu übernehmen – für die Menschen, die auf eine sichere Energieversorgung angewiesen sind, ebenso wie für die Infrastruktur von morgen“, erklärt Dreindl.

Mit dem Preis will das ZFK Frauennetzwerk die Leistungen von Frauen in der Kommunalwirtschaft stärker sichtbar machen. „Das ZFK Frauennetzwerk macht mit dem Preis ‚Die Kommunalheldin‘ die Frauen sichtbar, die unsere Branche täglich prägen. Ich bin stolz, dass wir ihnen als ZFK eine Bühne für ihre herausragende Arbeit bieten dürfen“, sagt Carsten Wagner, Geschäftsführer der ZFK.


Quelle: ZFK

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Sortimentswechsel im Tiefbau

Der Markt für Verbindungstechnik im Tiefbau befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Wenn etablierte Systemanbieter ihr Tiefbausortiment zurückziehen, hinterlässt das spürbare Lücken in Planung, Beschaffung und Betrieb von Wasserversorgungsnetzen. Wasserversorger, Stadtwerke und Tiefbauunternehmen stehen plötzlich vor der Aufgabe, langjährig eingesetzte Systeme zu ersetzen, Freigabelisten anzupassen und die Kompatibilität zu bestehenden Netzen sicherzustellen.

Besonders kritisch ist dabei, dass Hausanschlusstechnik und Verbinderlösungen für PE- und PVC-Rohre nicht nur „austauschbare“ Standardkomponenten sind. Sie bestimmen die Montageprozesse auf der Baustelle, die Fehleranfälligkeit im Einbau und die Langzeitzuverlässigkeit der Infrastruktur. Aktuell stehen viele Netzbetreiber vor der Herausforderung, ihre Verbindersysteme strategisch neu zu bewerten – mit Auswirkungen auf Lagerhaltung, Schulung des Personals und langfristige Investitionssicherheit.

Herausforderungen für Wasserversorger: Kontinuität, Kompatibilität, Risiko

Für Wasserversorger stellt sich zuerst die Frage nach der Versorgungssicherheit: Sind Ersatz- und Erweiterungskomponenten auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch verfügbar – und zwar systemkompatibel zu heute bestehenden Netzen? Existiert ein komplettes Sortiment plötzlich nicht mehr, drohen „Sortimentsinseln“ im Netz: unterschiedliche Verbindergeometrien, Klemmprinzipien und Materialien, die im Störungsfall zusätzliche Fehlerquellen eröffnen.

Beim Sortimentswechsel steigt in der Übergangsphase das Risiko für Montagefehler, weil sich Abläufe, Werkzeuge und Vorgaben verändern. Für Wasserversorger bedeutet das: Der Systemwechsel ist nicht nur eine Beschaffungs-, sondern immer auch eine Risikofrage im Netzbetrieb.

Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte: Parallelhaltung alter und neuer Systeme verursacht höhere Lagerbestände und kompliziertere Disposition. Gerade kleinere Versorger mit begrenzten Ressourcen benötigen deshalb Lösungen, die den Systemwechsel möglichst reibungslos gestalten und gleichzeitig zukünftige regulatorische Anforderungen bereits abdecken.

Bleifrei-Regulatorik: vom nationalen Rahmen zur europäischen Materialpositivliste

Parallel zur Marktdynamik verschärfen sich die hygienischen Anforderungen an Materialien im Trinkwasserkontakt deutlich. In Deutschland gelten aktuell noch die nationalen Bewertungsgrundlagen des Umweltbundesamtes (UBA) gemäß § 15 Trinkwasserverordnung, einschließlich Positivlisten und Prüfvorschriften. Diese legen unter anderem fest, welche metallischen Werkstoffe und organischen Materialien im Kontakt mit Trinkwasser eingesetzt werden dürfen und unter welchen Prüfbedingungen ihre Eignung nachzuweisen ist.

Besonders relevant für metallische Verbinder ist die Absenkung des Bleigrenzwerts im Trinkwasser: In Deutschland wird dieser Grenzwert ab dem 12.01.2028 auf 5,0 µg/l reduziert. Das UBA hat bereits Werkstoffe identifiziert, die ab diesem Zeitpunkt nicht mehr eingebaut werden dürfen. Die europäische Positivliste enthält nur noch Legierungen, die diesen strengeren Grenzwert einhalten. Für bleihaltige Messinglegierungen bedeutet das faktisch ein Auslaufen im Neuanlagen- und Sanierungsbereich. Für Netzbetreiber ist damit klar: Zukünftige Sortimentsentscheidungen müssen bleifrei sein, wenn sie in Zukunft rechtssicher eingesetzt werden sollen.

 

Klemmverbinder mit festem Stützrohr / Quelle: Beulco

Klemmverbinder mit losem Stützrohr / Quelle: Beulco

Klemmverbinder ohne Stützrohr / Quelle: Beulco

Was bedeutet das in der Praxis?

Für Wasserversorger ergibt sich eine doppelte Herausforderung:

  • Sortimentswandel durch den Rückzug einzelner Anbieter und die Notwendigkeit, bewährte Systeme zu ersetzen.
  • Gleichzeitig die Verpflichtung, auf bleifreie, europarechtskonforme Materialien umzustellen, die sowohl die nationale Übergangsphase als auch die spätere EU-Regulierung sicher abdecken.

Planungssicherheit entsteht nur, wenn beide Ebenen gemeinsam betrachtet werden: Wer heute ein neues Verbindersystem freigibt, muss sicherstellen, dass die eingesetzten Legierungen in der europäischen Positivliste enthalten sind bzw. bleiben, und dass der Hersteller den Übergang vom UBA-System zur EU-Konformitätsbewertung aktiv gestaltet (z. B. durch frühzeitige Neubewertungsanträge bei der ECHA).

Lösungsansätze: Sortimentsstrategie und Verbindungstechnik

1. Systemwahl: Kompatibilität und Langfristverfügbarkeit

Eine zentrale Stellschraube ist die Auswahl eines durchgängigen Verbindersortiments, das die Anforderungen von Neuverlegung, Bestandserweiterung und Reparatur gleichermaßen abdeckt.

Systemfamilien mit verschiedenen Ausprägungen – etwa Varianten mit festem oder losem Stützrohr und eine Ausführung ohne Stützrohr – ermöglichen es Versorgern, je nach Anwendung (Neubau, Sanierung, Reparatur) gezielt zu wählen, bleiben aber technisch und logistisch innerhalb einer Sortimentslogik. Das erleichtert den Umstieg von auslaufenden Systemen, ohne die Komplexität in Lager und Baustellenlogistik zu erhöhen.

2. Bleifreiheit als strategische Vorgabe

Angesichts der Absenkung des Bleigrenzwerts und der europäischen Positivliste ist die konsequente Entscheidung für bleifreie Messingwerkstoffe im Trinkwasserbereich keine optionale Produktoptimierung mehr, sondern eine regulatorische Notwendigkeit. Versorger sollten bei Neufreigaben gezielt prüfen:

  • Ist der Werkstoff bleifrei und aktuell in der nationalen bzw. europäischen Positivliste enthalten?
  • Liegen gültige Konformitätsbestätigungen vor, die über 2026 hinaus Bestand haben?
  • Hat der Hersteller eine Roadmap für die Umstellung auf die EU-Zertifizierung und Kennzeichnung vorgelegt (inkl. Fristen bis 2032)?

So lässt sich vermeiden, dass heute eingeführte Systeme bereits in wenigen Jahren erneut ausgetauscht werden müssen, weil sie die künftigen Grenzwerte nicht mehr erfüllen.

3. Montage- und Betriebssicherheit

Technische Konzepte, die Dicht- und Klemmfunktion trennen, Rohrverdrehungen konstruktiv verhindern und Oberflächenrauheiten kompensieren, adressieren typische Fehlerquellen auf der Baustelle. Für den Netzbetreiber zählen hier:

  • reproduzierbare Montageabläufe in wenigen, klar definierten Schritten
  • geringe Anfälligkeit für Montagefehler (z. B. keine Abhängigkeit von exakt positionierten Stützrohren oder empfindlichen Kunststoffklemmringen)
  • hohe Zug- und Druckfestigkeit, auch bei Bodensetzungen und Druckstößen.

4. Übergangsmanagement und Bestandsschutz

Die europäische Regelung sieht ausdrücklich Übergangsfristen und Bestandsschutz für bereits eingesetzte Produkte vor, solange die Anlagen korrekt betrieben werden und die Trinkwasserqualität eingehalten wird. Für Versorger eröffnet das die Möglichkeit, den Sortimentswechsel gesteuert vorzunehmen:

  • Altbestand weiterhin rechtssicher betreiben
  • Neuprojekte und größere Sanierungsmaßnahmen bereits mit bleifreien, EU-tauglichen Systemen ausführen
  • nach und nach technische Richtlinien, Ausschreibungen und Schulungen auf das neue Sortiment umstellen.

Ein enger Austausch mit Systemanbietern, die ihre Materialien und Zertifizierungen proaktiv auf das neue europäische Regelwerk ausrichten, erleichtert diesen Übergang erheblich.

So entsteht aus dem aktuellen Sortimentswandel keine reine Restrisiko-Debatte, sondern die Chance, Verbindungstechnik im Tiefbau langfristig robuster, hygienischer und normenkonform aufzustellen – von der einzelnen Klemmverbindung bis zur strategischen Netzplanung.

Bewährte Verbindungstechnik als zukunftssichere Sortimentsbasis

Im Ergebnis dieses Sortiments- und Regulierungswandels rücken Lösungen in den Fokus, die sowohl technisch belastbar als auch langfristig rechtssicher sind.

Das aktuelle Verbindersortiment von Beulco bietet durchgängige Lösungen für Neuverlegung, Bestandserweiterung und Reparatur, deckt typische Hausanschlussdimensionen ab und erlaubt die sichere Verbindung gängiger Kunststoffrohre ohne Systembruch. Für metallische Komponenten kommen trinkwassergeeignete, bleifreie Werkstoffe zum Einsatz, die die künftigen Anforderungen an Bleigrenzwerte erfüllen und auf die langfristige Einhaltung der Trinkwassergüte ausgelegt sind. Für Netzbetreiber bedeutet das: Sie können den notwendigen Sortimentswechsel nutzen, um auf ein Verbinderprogramm umzustellen, das sowohl technisch bewährt als auch regulatorisch zukunftsfähig ist – und damit das Risiko weiterer Systemwechsel in den kommenden Jahren deutlich reduziert.

 

Weitere Informationen

Quelle: Beulco

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Neue Membranfilter setzen Maßstäbe in der Abwasserreinigung

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnet den Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer von Membion, mit dem Deutschen Umweltpreis 2026 aus. Er teilt sich die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Auszeichnung mit der Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen. Die Preisverleihung findet am 25. Oktober in Aachen statt.

Vossenkaul wird für seine Entwicklungen im Bereich der Hohlfasermembranen für die Abwasserreinigung geehrt. Die Technologie verbindet eine hohe Reinigungsleistung mit einem geringeren Energie- und Platzbedarf und soll Membrantechnik auch wirtschaftlich konkurrenzfähig zur klassischen Klärtechnik machen.

Membrantechnik für neue Anforderungen

Mit der 2025 in Kraft getretenen EU-Kommunalabwasser-Richtlinie steigen die Anforderungen an die Abwasserreinigung. Zum besseren Schutz der Gewässer vor Mikroschadstoffen ist eine vierte Reinigungsstufe vorgesehen. Die Richtlinie muss bis Ende Juli 2027 in der EU umgesetzt werden.

Die von Membion entwickelte Membrantechnologie ist modular aufgebaut und eignet sich insbesondere für Kläranlagen mit begrenztem Platzangebot. Die Hohlfasermembranen bestehen aus dünnen, rund 1,60 Meter langen Röhrchen. Ihre Poren sind so fein, dass unter anderem Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime aus dem Abwasser herausgefiltert werden können. In Verbindung mit Aktivkohle lassen sich auch Arznei- und Kosmetikrückstände entfernen.

Bei der Membranbioreaktor-Technologie werden die Membranmodule direkt in den Klärschlamm eingetaucht. Das zuvor biologisch gereinigte Wasser wird durch die Membranen abgesaugt. Herkömmliche Rundbecken zur Trennung von Schlamm und Wasser sind dadurch nicht erforderlich. Das aufbereitete Wasser ist zwar kein Trinkwasser, kann aber beispielsweise zur Bewässerung in der Landwirtschaft genutzt werden.

Mehr als 90 Prozent weniger Energie für die Spülung

Ein entscheidender Ansatzpunkt der Entwicklung ist die Reinigung der Membranen. Bei bisherigen Membranbioreaktoren war dafür ein vergleichsweise hoher Energieeinsatz erforderlich, was Betreiber häufig von einer Installation abhielt. Seit fast fünf Jahren wird die Membion-Technologie in einer Pilot-Kläranlage in Konzen bei Monschau gemeinsam mit herkömmlichen Plattenmodul-Membranfiltern eingesetzt. Dabei konnte der Energieverbrauch für die Spülung der Membranen um mehr als 90 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig verringerte sich der Platzbedarf um 75 Prozent.

Möglich wird dies unter anderem durch sogenannte Geysir-Elemente unterhalb der Membranen. Kurze Luftpulse bewegen den Schlamm nach oben und halten so die Membranporen sauber. Das als „JetSplash“ bezeichnete Verfahren ist eines von insgesamt 28 Patenten Vossenkauls.

Großanlage in Wolfsburg geplant

Die Membion-Technologie wird bereits in industriellen Anwendungen eingesetzt, unter anderem beim Galvanik-Unternehmen Collini und beim Lebensmittelhersteller McCain. Künftig soll sie außerdem das Herzstück von Deutschlands größter Membran-Kläranlage in Wolfsburg-Stahlberg bilden. Dort sollen 3.000 Fußelemente eingesetzt werden, in denen jeweils mehr als 1.600 Membranen verankert sind.

In Deutschland reinigen rund 8.700 öffentliche Kläranlagen jährlich etwa 8,3 Milliarden Kubikmeter Abwasser. Weltweit gelangen laut DBU bis zu 80 Prozent des anfallenden Abwassers ungeklärt in die Umwelt.


Quelle: Neue Ära für die Abwasserreinigung – DBU

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DWA fordert Wasserresilienz-Pakt für Deutschland

Niedrigwasser auf Rhein, Elbe und anderen Bundeswasserstraßen beeinträchtigt zunehmend Transportwege, Industrie und Lieferketten. Gleichzeitig sorgen Trockenperioden für Ernteausfälle, erhöhen die Waldbrandgefahr und belasten Wälder und Gewässer. In Städten verschärfen langanhaltende Hitzeperioden die Situation zusätzlich und stellen auch Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen vor wachsende Herausforderungen.

Für die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) zeigen diese Entwicklungen, welche Bedeutung ein stabiler Wasserhaushalt für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands hat. Wasserresilienz müsse deshalb stärker in der Wirtschafts-, Infrastruktur- und Klimaanpassungspolitik berücksichtigt werden.

Anlässlich der Kabinettsklausur der Bundesregierung hat die DWA einen Wasserresilienz-Pakt für Deutschland vorgelegt. Darin formuliert der Verband zehn Ziele, mit denen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wasserknappheit, Dürre, Niedrigwasser, Waldbränden und den Folgen zunehmender Hitze gestärkt werden soll.

„Wassersicherheit entscheidet zunehmend mit über die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts. Ohne verlässliche Wasserverfügbarkeit gibt es weder eine wettbewerbsfähige Industrie noch klimaresiliente Städte und Regionen. Deutschland hat das Wissen, die Technologien und die Fachleute. Jetzt geht es darum, daraus Tempo zu machen: mit klaren Prioritäten, verlässlichen Rahmenbedingungen und einer Umsetzung, die Bund, Länder und Kommunen gemeinsam tragen“, sagt Dr.-Ing. Lisa Irwin-Broß, Vorständin der DWA.

Wasser besser speichern und verfügbar halten

Aus Sicht der DWA dürfen die Folgen von Niedrigwasser, Trockenheit und Hitze nicht isoliert betrachtet werden. Sie hängen unmittelbar mit einem Wasserhaushalt zusammen, der durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät. Entscheidend sei daher, vorhandenes Wasser künftig besser in der Landschaft und in Siedlungsräumen zu speichern, verfügbar zu halten und effizienter zu nutzen.

Der Wasserresilienz-Pakt setzt dafür an verschiedenen Stellen an. Die DWA fordert unter anderem, das Prinzip der Schwammlandschaft als nationales Ziel zu verfolgen und Moore, Auen und Gewässer stärker als natürliche Infrastruktur zu schützen. Gleichzeitig sollen Schwammstädte und Schwammdörfer zu einem bundesweiten Investitionsschwerpunkt werden.

Weitere Ziele sind eine bessere Wasserversorgung von Stadtgrün, die stärkere Nutzung von Wasserwiederverwendung sowie die Einführung regionaler Wasserbilanzen. Auch die Vorsorge für Dürre- und Niedrigwasserereignisse soll professionalisiert werden. Ergänzend fordert die DWA messbare Fortschritte bei der Klimaanpassung und insgesamt schnellere Planungs- und Umsetzungsprozesse.

DWA fordert klare Zuständigkeiten und schnellere Umsetzung

Der Verband versteht den Pakt als Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen. Dabei soll es nicht bei der Formulierung langfristiger Ziele bleiben. Vielmehr müssten konkrete Maßnahmen priorisiert, Zuständigkeiten geklärt und Fortschritte überprüfbar gemacht werden.

„Wir brauchen keine weitere Problembeschreibung. Wir müssen vom Wissen ins Handeln kommen. Die Lösungsansätze liegen auf dem Tisch. Jetzt geht es darum, Prioritäten zu setzen, Umsetzung zu beschleunigen und Fortschritte messbar zu machen“, so Irwin-Broß.

Die DWA will die Umsetzung des Pakts fachlich begleiten. Vorgesehen sind unter anderem eine Roadmap mit Zeithorizonten und Verantwortlichkeiten für die zehn Maßnahmen sowie die Aufbereitung übertragbarer Praxisbeispiele aus Kommunen und Regionen. Darüber hinaus sollen Szenarien zum Investitions- und Finanzierungsbedarf entwickelt und Expertenformate mit Bundesministerien, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden, Wissenschaft und Wirtschaft angeboten werden.

Nach Auffassung der DWA sollte Wassersicherheit künftig systematisch bei Entscheidungen über Infrastruktur, Wirtschaft und Klimaanpassung berücksichtigt werden. Eine verlässliche Wasserverfügbarkeit sei nicht nur für die öffentliche Daseinsvorsorge entscheidend, sondern ebenso für Industrie, Landwirtschaft, Energieversorgung und Logistik.


Quelle: DWA

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Klimawandel erhöht Investitionsdruck auf Wasserversorger

Deutschlands Trinkwasserversorgung gilt weiterhin als sicher. Doch längere Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände und veränderte Niederschlagsmuster erhöhen den Anpassungsdruck auf die Wasserversorger. Damit die Versorgung auch unter den Bedingungen des Klimawandels zuverlässig bleibt, sind umfangreiche Investitionen in Wassergewinnung, Speicher, Leitungsnetze und weitere Infrastruktur erforderlich.

Hoher Investitionsbedarf trifft auf begrenzte Mittel

Eine aktuelle Umfrage unter den wasserversorgenden Stadtwerken der Thüga-Gruppe, Deutschlands größtem Netzwerk kommunaler Energie- und Wasserversorger, macht die finanzielle Herausforderung deutlich. 86 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihren Investitionsbedarf für eine zukunftssichere Wasserversorgung als hoch oder sehr hoch. Zugleich geben 76 Prozent an, dass sich die notwendigen Investitionen mit den derzeitigen Wasserpreisen nicht finanzieren lassen.

Klimaanpassung ist damit nicht allein eine technische Aufgabe. Entscheidend ist auch die Frage, wie sich eine langfristig sichere Wasserversorgung finanzieren lässt.

„Versorgungssicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben“, fasst ein Teilnehmer der Umfrage die Herausforderung zusammen.

Neben den zusätzlichen Anforderungen durch den Klimawandel steigen auch die Kosten für Erhalt, Modernisierung und Ausbau der bestehenden Infrastruktur.

Versorgungssicherheit braucht tragfähige Finanzierung

Aus Sicht der Stadtwerke ist deshalb eine breitere gesellschaftliche Diskussion über den Wert von Trinkwasser notwendig. Dabei müsse deutlich werden, dass eine zuverlässige Wasserversorgung langfristige und erhebliche Investitionen erfordert.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht möglichst hohe Wasserpreise, sondern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Versorgungssicherheit, Investitionsbedarf und Bezahlbarkeit.

Ein weiterer Teilnehmer der Umfrage formuliert es so: „Wir brauchen eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung zu angemessenen und transparenten Preisen.“

Auch beim Umgang mit Trinkwasser sehen die Befragten Handlungsbedarf: „Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Es sollte primär auch nur für diesen Zweck verwendet werden!“

Zugleich sollten zusätzliche Kosten, die durch Verschmutzungen und einen erhöhten Reinigungsaufwand entstehen, nicht von der Allgemeinheit getragen werden. Die Wasserversorgung müsse künftig stärker in größeren Strukturen gedacht werden. Zudem sollten die Kosten für zusätzliche Reinigungsstufen nach dem Verursacherprinzip getragen werden.

Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Wasserversorgern könnte zusätzlich dazu beitragen, Know-how zu bündeln, effizienter zu arbeiten und Investitionen gemeinsam umzusetzen. Die bestehende Finanzierungslücke lässt sich dadurch allein jedoch nicht schließen.

Investitionen müssen frühzeitig angestoßen werden

Für die Wasserversorger ist deshalb entscheidend, die Anpassung an den Klimawandel nicht erst dann voranzutreiben, wenn dessen Auswirkungen unmittelbar spürbar werden. Wassergewinnungsanlagen, Speicher und Leitungsnetze haben lange Planungs- und Nutzungszeiträume. Investitionsentscheidungen müssen entsprechend frühzeitig getroffen werden.

„Die deutsche Wasserversorgung ist eine der zuverlässigsten der Welt. Das bleibt sie nur, wenn wir jetzt investieren. In Anbetracht des Klimawandels wird nicht die Frage sein, ‚ob‘ wir investieren, sondern ob wir es rechtzeitig tun“, sagt Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga.


Quelle: Thüga AG

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Feuchteverträgliches Spachtelharz für die robotergestützte Kanalsanierung

Konudur Robopox 26 ist eine standfeste, maschinell verarbeitbare Zweikomponenten-Epoxidharzspachtelmasse. Die auf den Spachtelprozess abgestimmte Viskosität ermöglicht eine präzise Verarbeitung, auch im Überkopfbereich. Das Material haftet zuverlässig auf trockenen, mattfeuchten und feuchten mineralischen Untergründen sowie auf Schlauchlinern. Konudur Robopox 26 ist feuchteverträglich und härtet auch unter Wasser aus. Darüber hinaus zeichnet sich das Spachtelharz durch eine hohe chemische Beständigkeit sowie gute mechanische Eigenschaften nach der Erhärtung aus.

Effiziente maschinelle Verarbeitung mit weniger Verpackungsaufwand

Die Epoxidharzspachtelmasse ist sowohl in Blechgebinden als auch in Schlauchbeuteln verfügbar. In Kombination mit handelsüblichen Mischanlagen bietet Konudur Robopox 26 eine effiziente Lösung für die maschinelle Verarbeitung. Das Anmischen des Materials mittels Mischanlage und Schlauchbeutel reduziert den Reinigungsaufwand und verringert den Verbrauch von Transportverpackungen.


Quelle: MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG Chemische Fabriken

 

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Aktionswoche für mehr Grün in Städten

Vom 14. bis 20. September 2026 steht bundesweit eine Woche lang die Begrünung und Entsiegelung im Mittelpunkt. Die Aktionswoche Gebäudegrün lädt auch in diesem Jahr wieder zum Mitmachen ein. Initiator der Image- und Aufklärungskampagne ist der Bundesverband GebäudeGrün e. V. (BuGG), der die verschiedenen Aktionen sammelt und auf einer interaktiven Karte veröffentlicht.

Begrünung bundesweit voranbringen

Während der Aktionswoche finden in ganz Deutschland Veranstaltungen in Präsenz, online und in hybrider Form statt. Ziel ist es, die Themen Begrünung und Entsiegelung an möglichst vielen Orten aufzugreifen und weiter voranzubringen. Im Fokus stehen dabei der Informations- und Wissenstransfer, der Abbau von Vorbehalten und die Motivation, selbst Begrünungsmaßnahmen umzusetzen.

Die Angebote richten sich unter anderem an Städte, Planende und Bauende sowie an die breite Bevölkerung. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik gehören zu den Zielgruppen. An der Umsetzung vor Ort beteiligen sich Verbände und deren Mitglieder, Kommunen, Naturschutzorganisationen und Unternehmen.

Exkursionen, Beratung und Aktionen vor Ort

Auch der BuGG und zahlreiche seiner Mitglieder beteiligen sich mit eigenen Angeboten. Mit dabei sind unter anderem die Naturdachwelten GmbH, die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft Hamburg, das Institut für Akustik und Bauphysik der Universität Stuttgart sowie die Städte Karlsruhe, Lübeck und Bonn.

Im Rahmen der BuGG-Exkursionsreihe „Stadt. Dach. Fassade. GebäudeGrün“ können Interessierte in München und Erfurt bereits umgesetzte Projekte der Dach- und Fassadenbegrünung besichtigen.

Klimaanpassung im Mittelpunkt

Während des Aktionszeitraums findet außerdem die Beratungswoche „GebäudeGrünHoch3“ des BuGG und der Stadt Freiburg im Breisgau statt. In Offenburg können sich Unternehmen kostenfrei über verschiedene Maßnahmen zur Klimaanpassung informieren. Unterstützt wird die Aktionswoche Gebäudegrün 2026 von den BuGG-Mitgliedern Carl Stahl ARC, Metz Gebäudebegrünung, Mobilane und Zinco.

Zur Aktionswebsite

Quelle: BuGG

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Sportverein plant Schutz vor Hitze und Starkregen

Ein Gründach für den Zuschauerbereich, Sonnenschutz am Vereinsheim, eine Regenwasserzisterne, wasserdurchlässige Flächen und eine begrünte Fassade bilden die fünf zentralen Bausteine eines neuen Klimaanpassungskonzepts für den FSV Cappel. Entwickelt wurde es vom Öko-Institut gemeinsam mit dem Fußballverein, dem Architekturbüro Atelier Spitzner und der Lean FM GmbH. Gefördert wurde das Projekt über die Förderrichtlinie „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Der FSV Cappel zählt mehr als 550 Mitglieder. Rund 400 davon sind aktive Spielerinnen, darunter etwa 300 Kinder und Jugendliche. Auch Seniorinnen halten sich regelmäßig auf dem Vereinsgelände auf. Gerade Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen können durch zunehmende Hitze, intensive UV-Strahlung und mangelnden Witterungsschutz besonders belastet werden.

„Unser Klimaanpassungskonzept verbindet wissenschaftliche Analysen mit den Erfahrungen der Menschen, die die Anlage täglich nutzen“, sagt Stefanie Degreif, Projektleiterin am Öko-Institut. „Gemeinsam konnten wir Maßnahmen entwickeln und bewerten, die gezielt auf die Situation beim FSV Cappel zugeschnitten sind.“

Versiegelte Flächen verstärken die Belastung

Die Untersuchungen zeigen, dass insbesondere Hitze und starke Sonneneinstrahlung Probleme auf der Sportanlage verursachen. Wenige Schattenplätze, versiegelte Asphaltflächen und ein fehlender außenliegender Sonnenschutz begünstigen die Aufheizung des Vereinsheims und seiner Umgebung. Besonders deutlich wird dies auf dem Kunstrasenplatz: Bei einer Lufttemperatur von rund 35 Grad Celsius kann sich dessen Oberfläche auf bis zu 55 Grad Celsius erwärmen. Hinzu kommt das Risiko durch Starkregen. Da große Teile des Geländes versiegelt sind, kann Niederschlagswasser nur begrenzt versickern. Überflutete oder nasse Bereiche können den Trainings- und Spielbetrieb beeinträchtigen. Gleichzeitig fehlen teilweise geschützte Bereiche, in die sich Menschen bei schlechtem Wetter zurückziehen können.

„Das Vereinsgelände ist ein Treffpunkt für viele unterschiedliche Menschen. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich Kinder, Aktive, ältere Mitglieder und Zuschauer*innen auch bei zunehmender Hitze oder Starkregen sicher dort aufhalten können“, sagt Reiner Muth vom FSV Cappel. „Das Konzept gibt uns eine konkrete Grundlage, um die Anlage Schritt für Schritt klimaangepasster zu gestalten.“

Aus 40 Ideen werden fünf konkrete Vorhaben

Insgesamt sammelte das Projektteam 40 mögliche Ansätze, um das Sportgelände widerstandsfähiger gegenüber den Folgen von Extremwetter zu machen. In einem mehrstufigen Auswahlprozess wurden daraus fünf bauliche Maßnahmen priorisiert und anschließend einer umfassenden Nachhaltigkeitsprüfung unterzogen.

Gründach über dem Zuschauerbereich: Eine Holzkonstruktion mit begrüntem Retentionsdach soll die barrierefreien Rollstuhl- und Begleitplätze künftig vor Sonne, Hitze und Niederschlag schützen. Gleichzeitig kann das Dach Regenwasser zurückhalten, durch Verdunstung zur Kühlung beitragen und zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.

Sonnenschutz am Vereinsheim: An der südwestlichen Fensterfront sollen regelbare außenliegende Sonnenschutzsysteme den Wärmeeintrag und die Blendwirkung reduzieren. Für den Gastraum und den Außenverkauf sind jeweils an die Nutzung angepasste Lösungen vorgesehen.

Regenwasserzisterne: Niederschlagswasser soll gesammelt und anschließend zur Bewässerung der Kinderarena genutzt werden. Damit lässt sich der Trinkwasserverbrauch reduzieren. Gleichzeitig verbleibt mehr Regenwasser auf dem Gelände und kann über die Rasenflächen versickern, anstatt direkt in die Kanalisation abgeleitet zu werden.

Teilentsiegelung des Eingangsbereichs: Die vorhandene Asphaltfläche soll einem wasserdurchlässigen Pflasterbelag weichen. Dabei müssen sowohl die Barrierefreiheit als auch die Befahrbarkeit für Rettungsfahrzeuge erhalten bleiben. Wenn möglich, sollen gebrauchte Pflastersteine wiederverwendet werden.

Begrünung der Südfassade: Kletterpflanzen und Rankhilfen sollen die stark der Sonne ausgesetzte Fassade verschatten. Neben einer kühlenden Wirkung auf das Gebäudeumfeld kann die Begrünung die Artenvielfalt fördern und zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Ein Pflege-, Bewässerungs- und Kontrollkonzept soll die Wirkung langfristig sichern.

Mitglieder bringen Erfahrungen aus dem Vereinsalltag ein

Bei der Erarbeitung des Konzepts wurden die Menschen, die das Gelände regelmäßig nutzen, frühzeitig einbezogen. An einer Befragung nahmen 155 Vereinsmitglieder und Besucher*innen verschiedener Altersgruppen und mit unterschiedlichen Funktionen im Verein teil.

In einem Workshop im Februar 2026 diskutierten Vertreterinnen verschiedener Vereinsgruppen die möglichen Anpassungsmaßnahmen und legten gemeinsam Prioritäten fest. Die fünf ausgewählten Vorhaben verbinden damit wissenschaftliche und bauliche Erkenntnisse mit den praktischen Erfahrungen der Nutzerinnen.

Mit dem Klimawandel nehmen Hitzeperioden, Dürren und Starkregenereignisse in Deutschland zu. Die Folgen betreffen nicht nur Vereinsgebäude und Sportflächen, sondern auch Sportlerinnen, Zuschauerinnen, Betreuungspersonen und weitere Menschen, die sich dort aufhalten. Maßnahmen zur Klimaanpassung sollen daher sowohl die Infrastruktur als auch die Gesundheit der Nutzer*innen schützen.

Beitrag zu den Klimazielen der Stadt Marburg

Mit seinem Klimaanpassungskonzept orientiert sich der FSV Cappel an den entsprechenden Zielen der Stadt Marburg und will einen konkreten Beitrag zu einer klimaresilienten Stadtentwicklung leisten. Dazu arbeitet der Verein mit den zuständigen Fachbereichen der Stadt zusammen, um die geplante Weiterentwicklung des Sportgeländes mit den kommunalen Klimazielen abzustimmen.


Originalpublikation: Klimaanpassungskonzept für den Fußballverein FSV 1926 Cappel e.V. in Marburg | oeko.de

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Islands Eisschild prägte die Chemie des Nordatlantiks

Das Wachstum und der Rückgang des isländischen Eisschildes haben die Meerwasserchemie des Nordatlantiks in den vergangenen 230.000 Jahren erheblich beeinflusst. Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel von Eis und Vulkanismus auf Island. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Instituts für Umweltphysik an der Universität Heidelberg nach der Untersuchung von Sedimentkernen vom Rockall Plateau im nordöstlichen Atlantik. Das Team analysierte dafür die Isotopenzusammensetzung des Seltene-Erden-Elements Neodym in den Bohrproben. Dabei zeigte sich, dass das isotopische Signal zwischen glazialen und interglazialen Perioden deutlich schwankte und dem „Rhythmus“ der Eiszeiten folgte, wie die Untersuchungen unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Frank zeigen.

Neodym als chemischer Fingerabdruck des Meerwassers

Die Isotopenzusammensetzung von Neodym (Nd) im Meerwasser gehört zu den häufig verwendeten Methoden, um Veränderungen der Ozeanzirkulation in der jüngeren geologischen Vergangenheit zu rekonstruieren. Grundlage ist die Annahme, dass die chemischen „Fingerabdrücke“ der großen Wassermassen über lange Zeiträume weitgehend konstant geblieben sind.

Die Ergebnisse der Heidelberger Wissenschaftler stellen diese Annahme zumindest für den Nordatlantik während glazialer Perioden infrage. Die Analysen der Tiefseesedimente vom Rockall Plateau zeigen, dass sich die Chemie des nordatlantischen Meerwassers wiederholt und deutlich verändert hat. Als Ursache sehen die Forschenden vulkanisches Material, das von Island in den Ozean gelangte.

Gesteinsmehl gelangte durch das Eis in den Atlantik

Verschiedene kontinentale Gesteine besitzen unterschiedliche isotopische Signaturen. Das Verhältnis der Isotope 143Nd und 144Nd des im Meerwasser gelösten Neodyms gibt deshalb Hinweise darauf, aus welchen Gesteinen das Seltene-Erden-Element herausgelöst wurde.

Rückte der Eisschild auf Island während eines Glazials vor und bewegte sich über das basaltische Grundgestein, entstanden große Mengen feinen und hochreaktiven Gesteinsmehls. Dieses Material gelangte in den Nordatlantik und setzte dort Neodym mit einer ausgeprägten radiogenen Signatur frei, das mit 143Nd angereichert war. Die Untersuchung der Neodym-Isotope aus dem Sedimentkern ODP Site 982 des Rockall Plateau zeigt, dass die oberen Wassermassen des Nordatlantiks während der Höhepunkte der Eiszeiten deutlich radiogener waren als während der warmen Zwischeneiszeiten. Die Schwankungen standen dabei in engem Zusammenhang mit dem Volumen des isländischen Eisschildes.

Meerwasserchemie folgte der Dynamik des Eises

Mithilfe eines sogenannten Boxmodells konnten die Heidelberger Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Analysen der Tiefseesedimente reproduzieren. Demnach verliefen die Veränderungen der Meerwasserchemie infolge des vulkanischen Eintrags nicht gleichmäßig. Vielmehr reagierten sie auf die Dynamik des Eises auf Island und erreichten während Phasen schneller Vergletscherung ihre stärkste Ausprägung.

„Das isotopische Signal folgte dem Rhythmus der Eiszeiten fast Schritt für Schritt“, sagt Dr. Antao Xu. „Das weist darauf hin, dass die isländischen Eisschilde selbst die treibenden Kräfte dafür waren, dass die Meerwasserchemie des Nordatlantiks während der vergangenen 230.000 Jahre mehrfach umgestaltet wurde.“

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass der Eisschild den Eintrag von Mikronährstoffen wie Eisen beeinflusste. Dies dürfte sich während der Eiszeiten auch auf das marine Leben und den Kohlenstoffkreislauf ausgewirkt haben, so Dr. Xu, der Mitglied der von Prof. Frank geleiteten Arbeitsgruppe „Physik der Umweltarchive“ ist.

Neue Erkenntnisse über die Regulierung der Ozeanchemie

„Die Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten unterstreichen, dass die Eisschildsysteme in hohen Breitengraden bei der Regulierung der Ozeanchemie eine entscheidende Rolle spielen“, betont Prof. Frank.

Die Erkenntnisse haben nach Einschätzung des Wissenschaftlers weitreichende Konsequenzen für die Rekonstruktion vergangener Veränderungen der Ozeane. „Sie mahnen zur Vorsicht bei der Annahme, dass feste isotopische Fingerabdrücke existieren, die zur Rekonstruktion der vergangenen Ozeanzirkulation eingesetzt werden können. Zudem decken sie einen bislang unterschätzten Zusammenhang zwischen der Kryosphäre, der kontinentalen Verwitterung und der Chemie des Ozeans auf.“

Sedimentkerne dokumentieren vergangene Klimaphasen

Die Untersuchungen waren Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Ozeanzirkulation und geochemische Kreisläufe während großer Klimawandelphasen der Vergangenheit entwickelt haben. Die Forschung basiert auf Sedimentkernen einer Expedition des Ocean Drilling Program (ODP) / International Ocean Discovery Program (IODP). Zur Verfügung gestellt wurden die Proben vom IODP Bremen Core Repository am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Die Ergebnisse der Heidelberger Forschungsarbeiten sind in „Science Advances“ erschienen.

Weitere Informationen

Originalpublikation: A. Xu, K. Just, A. M. Piotrowski, J. Stohl, N. Frank: Ice-sheet dynamics drive glacial-interglacial shifts in North Atlantic seawater neodymium isotopes. Science Advances (19 August 2026), DOI: 10.1126/sciadv.aeg5747

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Hausanschlüsse ohne Zugang sanieren: Neues Verfahren aus dem Hauptkanal

Kanalsanierungen stehen heute in einem Spannungsfeld aus technischen Anforderungen, wirtschaftlichem Handlungsdruck und der Notwendigkeit, vorhandene Infrastruktur langfristig funktionsfähig zu erhalten. Unterschiedliche Schadensbilder und Randbedingungen vor Ort erfordern eine sorgfältige Bewertung, bevor geeignete Maßnahmen ausgewählt werden. Dabei geht es nicht allein um die Wahl eines Verfahrens, sondern um die Frage, welche Lösung unter den jeweiligen technischen und organisatorischen Voraussetzungen sinnvoll eingesetzt werden kann.

Wenn der klassische Zugang fehlt: der Sonderfall

Erneuerung in offener Bauweise. (Quelle: Dirk Mumm, Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück)

Die Sanierung von Hausanschlüssen über einen Revisionsschacht ist etabliertes Standardverfahren – funktioniert aber nicht, wenn dieser Schacht fehlt, überbaut oder überpflastert ist. Je nach Entwässerungssatzung endet die Zuständigkeit der Kommune zudem oft schon an der Grundstücksgrenze. Bislang blieb in solchen Fällen meist nur die offene Bauweise: aufwendiger, mit Eingriffen in die Verkehrsfläche, längeren Bauzeiten und höheren Kosten verbunden. Für genau diese Situationen wurde ein Verfahren entwickelt, das den Liner direkt aus dem Hauptkanal heraus einbaut; ganz ohne Zugang über das Privatgrundstück. Dirk Mumm, Leiter Kanalbetrieb & Kanalsanierung beim Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück, berichtet auf dem Schlauchlinertag von seinen Erfahrungen damit. Er betont, dass das Verfahren die klassische Sanierung über den Schacht nicht ersetzt, sondern gezielt dort ergänzt, wo die Randbedingungen es erfordern. Nach seiner Einschätzung kommt es bei rund einem Viertel der Hausanschlüsse in Rheda-Wiedenbrück zum Einsatz. Zur Marktreife entwickelt wurde die Technik in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber: Der EAW stellte geeignete Hausanschlüsse für Praxistests zur Verfügung, die Erkenntnisse flossen direkt in die Weiterentwicklung ein. Mittlerweile ist das Verfahren für eine kommunale Sanierungsmaßnahme in Rheda-Wiedenbrück ausgeschrieben.

Entwicklung unter Praxisbedingungen

Zur Marktreife entwickelt wurde die Technik in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber: Um den Schritt vom Labor in die Praxis zu gehen, nahm der Hersteller Kontakt zum EAW auf, der im Stadtgebiet geeignete Hausanschlüsse für die Erprobung bereitstellte und die Sanierung fachlich begleitete. Die dabei gewonnenen Erfahrungen flossen in die Weiterentwicklung ein, bis das Verfahren nach erneuten Praxistests für den Markt freigegeben wurde. Mittlerweile ist es für eine kommunale Sanierungsmaßnahme in Rheda-Wiedenbrück ausgeschrieben.

Die Sanierung eines Hausanschlusses vom Hauptkanal aus umfasst dabei mehr als den eigentlichen Linereinbau.

„Die Betrachtung des gesamten Arbeitsablaufs – von der Vorbereitung bis zur abschließenden Kontrolle – ist ein wesentlicher Aspekt des gesamten Prozesses“, beschreibt Mumm das Vorgehen.

Technische Voraussetzungen ebenso relevant

Vor der Renovierung müssen die Anschlussleitungen vom Hauptkanal aus untersucht und gereinigt werden, bei Bedarf auch von Ablagerungen oder Wurzeleinwuchs befreit. Auch die abschließende Abnahmebefahrung erfolgt über den Hauptkanal – dafür sind spezielle Inspektions-, Reinigungs- und Frässysteme mit Satellitentechnik erforderlich. Es gehe nicht nur darum, das neue Packersystem zu erwerben, man müsse auch alle Vorarbeiten vom Hauptkanal beherrschen, von der Voruntersuchung über die Reinigung bis zur Abnahmebefahrung, so Mumm.

Ein weiterer technischer Aspekt ist die Aushärtung des Liners: Das Verfahren arbeitet mit Lichthärtung, bei der die Aushärtung – anders als bei warmhärtenden Systemen – erst nach dem Einbau und dem Einschalten der UV-Lichtquelle beginnt. Dadurch lässt sich die Einschränkung der Grundstücksentwässerung während der Arbeiten auf ein vergleichsweise kurzes Zeitfenster reduzieren.

Sanierungskonzepte ergänzen und erweitern

Das neue Verfahren erweitert das Spektrum bewährter Sanierungsstrategien.

„Der unmittelbare Einblick in den Sanierungsalltag von Netzbetreibern ist ein wichtiger Bestandteil unseres Veranstaltungskonzepts“, betont Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. „So wird nachvollziehbar, unter welchen Randbedingungen sich solche Lösungen einsetzen lassen und wo sie bestehende Strategien sinnvoll ergänzen.“


Quelle: Thomas Martin Kommunikation

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