Vernetzt. Intelligent. Verwundbar
Beispielsweise im Gewässermonitoring zeigt sich, wie stark sich die Branche verändert. Sensorik, Fernerkundung und digitale Plattformen ermöglichen heute eine erheblich dichtere Beobachtung von Wasserständen, Stofffrachten, Temperaturentwicklungen oder mikrobiologischen Belastungen. Europäische und internationale Programme stützen diese Entwicklung zunehmend mit risikobasierten Ansätzen in Überwachung und Vorsorge.
Die WHO betont, dass Water Safety Plans auf einer Risikoanalyse und einem Risikomanagement entlang der gesamten Versorgungskette beruhen müssen und nach ihren Leitlinien das wirksamste Mittel sind, um die Sicherheit und Akzeptanz der Trinkwasserversorgung dauerhaft zu gewährleisten. [1] Parallel wächst mit Copernicus und anderen Erdbeobachtungsdiensten die Fähigkeit, Gewässerzustände großräumig und zeitnah zu erfassen; Copernicus stellt etwa globale Lake-Water-Quality-Produkte auf Basis von Sentinel-3-Daten mit regelmäßiger, zeitnaher Bereitstellung bereit. [2]
Der Einsatz künstlicher Intelligenz
Der nächste Entwicklungsschritt ist der gezielte Einsatz künstlicher Intelligenz. UNESCO beschreibt KI und Machine Learning inzwischen ausdrücklich als Technologien, die das Wassermanagement transformieren können – von Monitoring-Systemen bis zu Fragen einer ethisch verantwortungsvollen Einführung. [3] In der Praxis können solche Systeme historische und Echtzeitdaten zusammenführen, Anomalien früher sichtbar machen, Prognosen unterstützen und damit den Übergang von reaktiver zu proaktiver Betriebsführung beschleunigen.
Mehr Digitalisierung eröffnet mehr Angriffsmöglichkeiten
Doch jeder Fortschritt in der Digitalisierung erweitert auch die Angriffsfläche. Die NIS2-Richtlinie schafft einen EU-weiten Rahmen für Cybersicherheit in kritischen Sektoren. In Deutschland trat die NIS2-Umsetzungsrichtlinie im Dezember 2025 in Kraft. Trinkwasser- und Abwasserbereiche fallen dabei unter die relevanten kritischen Sektoren. [4] Die ENISA (European Union Agency for Cybersecurity) weist zugleich auf Nachholbedarf im Wassersektor hin: Trinkwasser- und Abwassersektor zeigen im Vergleich zu anderen NIS2-Sektoren eine eher niedrige Cybersicherheitsreife; zudem nehmen Cloud-, IoT- und vernetzte Technologien zu, wodurch die Exposition gegenüber Cyberrisiken steigt. Das ist ein Warnsignal, denn ein Cybervorfall in der Wasserwirtschaft ist nie nur ein IT-Problem: ENISA hält fest, dass ein Vorfall im Trinkwassersektor zu Versorgungsunterbrechungen oder beeinträchtigter Wasserqualität führen kann, mit spürbaren Auswirkungen innerhalb weniger Stunden. [5]
Verantwortungsvoller Umgang mit Daten und Technologien
Damit wird deutlich: Die Zukunft der Wasserwirtschaft liegt nicht allein in mehr Daten, mehr Sensorik oder mehr Automatisierung. Entscheidend ist, diese Technologien verantwortungsvoll, sicher und resilient einzusetzen. KI kann helfen, Risiken früher zu erkennen und Entscheidungen besser abzusichern – sie darf aber nicht als isolierte Effizienztechnologie verstanden werden.
Gerade weil Wasserver- und Abwasserentsorgung kritische Infrastrukturen sind, müssen Digitalisierung, Cybersicherheit, organisatorische Vorsorge und regulatorische Anforderungen von Anfang an zusammengedacht werden. Nur so kann der Schritt von reaktiver Krisenbewältigung zu vorausschauender, robuster und vertrauenswürdiger Wasserbewirtschaftung gelingen.
>> Lesen Sie mehr zu den Themen Digitalisierung, KI und Cybersicherheit in der Maiausgabe 2026 der gwf Wasser/Abwasser (ET: 22.5.2026).
[1] https://www.who.int/teams/environment-climate-change-and-health/water-sanitation-and-health/water-safety-and-quality/water-safety-planning
[2] https://land.copernicus.eu/en/products/water-bodies/lake-water-quality-near-real-time-v2-1-300m
[3] https://www.unesco.org/en/articles/applications-artificial-intelligence-water-management
[4] https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/nis2-directive?utm_source=chatgpt.com
[5] https://www.enisa.europa.eu/sites/default/files/2025-03/ENISA%20-%20NIS360%20-%202024_0.pdf
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