Der Mensch im Mittelpunkt – das Vermächtnis von Dorothee Bürkert
Als Firmengründer Christian Bürkert im Oktober 1971 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, galt die Zukunft des Unternehmens als ungewiss. Das Land steckte in einer Rezession, Rücklagen gab es nach Angaben der Stiftung so gut wie keine. Dennoch entschied sich Dorothee Bürkert gegen einen Verkauf und übernahm die Verantwortung für das Familienunternehmen. Anlässlich ihres 100. Geburtstags am 19. August erinnert die Christian und Dorothee Bürkert Stiftung an diese Entscheidung und das Wirken der Unternehmerin.
Verantwortung in einer schwierigen Phase übernommen
„Ein bezeichnendes Merkmal Dorles war Treue“, sagt ihr Bruder Ulrich Gauss, ehemaliger Oberbürgermeister von Waiblingen und heute 94. „Für sie kam es praktisch nicht infrage zu sagen: Ich höre auf, weil es schwierig wird.“
Unter ihrer Leitung entwickelte sich Bürkert Fluid Control Systems von einer patriarchalisch geprägten Firma zu einer kooperativen Organisation. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit mehr als 3.700 Mitarbeitende und unterhält Produktionsstandorte in Deutschland, Frankreich, China, den USA und Indien.
Mitarbeiterorientierung früh als Führungsprinzip verankert
Bereits 1984 verankerte Dorothee Bürkert Führungsgrundsätze, die den Menschen in den Mittelpunkt stellten – lange bevor Mitarbeiterorientierung zu einem wirtschaftlichen Schlagwort wurde.
Ihre Haltung brachte sie selbst auf den Punkt: „Wenn dem Management nichts Besseres einfällt, als aus Kostengründen in Billiglohnländer zu gehen, dann sollten nicht die Mitarbeiter entlassen werden, sondern das Management.“
Statt wie viele Unternehmen in den 1990er-Jahren die Produktion ins Ausland zu verlagern, schuf Bürkert nach Angaben der Stiftung flexible Strukturen in der Region – ohne Entlassungen.
Stiftung führt gesellschaftliches Engagement fort
Bereits 1978 gründete Dorothee Bürkert die Christian Bürkert Stiftung und verwirklichte damit die Idee ihres Mannes, Erträge des Unternehmens dem Gemeinwohl zugutekommen zu lassen. Seit 2024 wird dieses Vermächtnis durch die Christian und Dorothee Bürkert Stiftung fortgeführt. Auf sie wurde die Beteiligung an der Unternehmensgruppe übertragen; seither trägt die Stiftung auch den Namen Dorothee Bürkerts.
Nach Angaben der Stiftung fördert sie junge Talente, engagiert sich für faire Bildungschancen, unterstützt Forschungsprojekte sowie soziale und kulturelle Projekte im Umfeld der Unternehmensstandorte. So kannte Dorothee Bürkert die Namen der Auszubildenden und richtete eine „Freud-und-Leid-Kasse“ ein, aus der Beschäftigte in Notlagen unterstützt wurden.
Für ihr unternehmerisches Wirken erhielt Dorothee Bürkert 1996 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Die Stadt Ingelfingen ernannte sie zudem zur Ehrenbürgerin.
Dorothee Bürkert starb am 19. Juli 2012, einen Monat vor ihrem 86. Geburtstag.
Quelle: Christian und Dorothee Bürkert Stiftung
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