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CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg

CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg

CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg

Wie gut ist ein Raum belüftet? Eine einfache Messung schafft Klarheit

Wenn unklar ist, wie gut ein Raum tatsächlich belüftet ist, liefert eine Messung von Kohlenstoffdioxid (CO₂) schnell und kostengünstig Klarheit. Schon eine Basismessung, also eine erste Messung im normalen Betrieb über ein bis zwei Wochen, zeigt, ob die Luftqualität ausreicht oder Handlungsbedarf besteht. Der Artikel erklärt, warum CO₂ ein guter Indikator, also eine aussagekräftige Kenngröße, für die Lüftung ist, wie eine Basismessung abläuft und wie sich die Ergebnisse einordnen lassen.

Warum CO₂ ein guter Indikator ist

Menschen atmen CO₂ aus – je mehr Personen sich in einem Raum aufhalten und je schlechter gelüftet wird, desto stärker steigt die Konzentration. CO₂ ist damit ein zuverlässiger Stellvertreter für den Anteil verbrauchter Luft und indirekt für die Anreicherung ausgeatmeter Aerosole. Aerosole sind kleinste, in der Luft schwebende Tröpfchen und Partikel, die auch Krankheitserreger tragen können. CO₂ zeigt nicht die Erreger selbst an, eignet sich aber hervorragend, um die Lüftungssituation zu bewerten.

Orientierungswerte

Die CO₂-Konzentration wird in ppm angegeben (parts per million, also Millionstel Anteile der Luft): 1.000 ppm entsprechen 0,1 Prozent. Die Außenluft liegt bei rund 400–420 ppm. Als Faustregel gilt: Unter 1.000 ppm ist die Luftqualität gut. Dieser Richtwert geht auf den Hygieniker Max von Pettenkofer zurück und heißt deshalb Pettenkofer-Wert. Zwischen 1.000 und 2.000 ppm wird die Luftqualität auffällig, über 2.000 ppm ist sie hygienisch unzureichend – hier besteht klarer Handlungsbedarf. Diese Schwellen orientieren sich an der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“ [2].

CO₂-Orientierungswerte nach ASR A3.6. Quelle: eigene Darstellung nach ASR A3.6.

So läuft eine Basismessung ab

Ein einfaches NDIR-Messgerät genügt. NDIR steht für nichtdispersive Infrarotmessung: Der Sensor misst, wie stark CO₂ Infrarotlicht einer bestimmten Wellenlänge aufnimmt, und bestimmt daraus die Konzentration. So wird CO₂ direkt gemessen. Günstige Geräte, die CO₂ nur aus anderen Gasen abschätzen (oft als „eCO₂“ angegeben), sind für eine Bewertung nicht geeignet. Das Messgerät wird über ein bis zwei Wochen im normalen Betrieb aufgestellt und zeichnet den Tagesverlauf auf. Sinnvoll ist die Platzierung in Atemhöhe, also etwa 1,0 bis 1,5 m über dem Boden, nicht direkt neben Fenster, Tür oder einer Person. Werden mehrere Räume gemessen, lassen sich Problemzonen schnell erkennen.

Von der Messung zur Maßnahme

Aus dem Verlauf wird ersichtlich, wann und wo Spitzen auftreten – etwa in vollen Räumen am Nachmittag. Fällt die Kurve zwischendurch ab – etwa in der Mittagspause –, ist der Raum meist unbesetzt: ohne Personen fehlt die CO₂-Quelle, und die Lüftung senkt den Wert. Daraus lassen sich gezielte Schritte ableiten: häufigeres Stoßlüften (Fenster für wenige Minuten weit öffnen), geringere Belegung, eine dauerhaft installierte CO₂-Ampel, die den Messwert in Grün, Gelb und Rot anzeigt, oder – bei anhaltend hohen Werten – die Nachrüstung einer mechanischen Lüftung, also einer Lüftungsanlage mit Ventilatoren. Wie sich Raumluftqualität sensorbasiert im Krankenhaus dauerhaft überwachen lässt, zeigt unter anderem das Forschungsprojekt EnHance (Energy-efficient Hospital Environments), an dem die TU Berlin beteiligt ist [1]. Die Basismessung ist damit die Grundlage für fundierte Entscheidungen.

Typischer CO₂-Tagesverlauf – Spitzen zeigen Handlungsbedarf. Quelle: eigene Darstellung, Massenbilanzrechnung.

Quellen

[1] EnOB:EnHance – Energy-efficient Hospital Environments. Forschungsverbund u. a. mit TU Berlin (Hermann-Rietschel-Institut), TU Braunschweig und Charité (Laufzeit 2023–2026). https://hermann-rietschel-institut.de/research-en/building-en/enob-enhance/

[2] ASR A3.6 „Lüftung“ – Technische Regeln für Arbeitsstätten, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

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Organisatorische Maßnahmen bei fehlender Lüftung oder Ausfällen

Organisatorische Maßnahmen bei fehlender Lüftung oder Ausfällen

Organisatorische Maßnahmen bei fehlender Lüftung oder Ausfällen

Kurzfristige Stellschrauben, wenn die Lüftungstechnik fehlt oder ausfällt

Nicht jedes Gebäude verfügt über eine ausreichende Lüftung – sei es im Bestand ohne Anlage, bei unterdimensionierter Technik oder während eines Ausfalls. Bis eine technische Lösung umgesetzt ist, können organisatorische Maßnahmen die Luftqualität kurzfristig spürbar verbessern und das Infektionsrisiko senken. Der Artikel zeigt die wichtigsten Stellschrauben – und wo ihre Grenzen liegen.

Wenn die Lüftung nicht ausreicht

Das Ziel organisatorischer Maßnahmen ist einfach: die Menge an verbrauchter, potenziell erregerhaltiger Luft pro Person und Zeit begrenzen. Da sich Aerosole in schlecht belüfteten Räumen anreichern, wirken schon geringe Änderungen an Belegung und Nutzung. Vier Stellschrauben stehen dabei im Vordergrund (Abb. 1): weniger Personen pro Raum, eine kürzere Aufenthaltsdauer, regelmäßiges Stoßlüften sowie eine zeitliche und räumliche Entzerrung der Nutzung.

Vier organisatorische Stellschrauben bei fehlender Lüftung. Quelle: eigene Darstellung.

Belegung und Aufenthaltsdauer reduzieren

Weniger Personen pro Raum und kürzere Aufenthaltszeiten senken die Aerosolkonzentration unmittelbar. Wo möglich, sollten größere Räume genutzt, Gruppen verkleinert und längere Zusammenkünfte aufgeteilt werden. Auch das Verlegen von Aktivitäten nach draußen ist eine wirksame Option. (Abb. 2)

Weniger Personen und kürzere Aufenthalte senken die Aerosolkonzentration. Quelle: eigene Darstellung.

Nutzung zeitlich und räumlich entzerren

Termine takten, Pausen konsequent zum Stoßlüften nutzen und Räume zwischen zwei Nutzungen durchlüften – so wird die Luft regelmäßig ausgetauscht. Getrennte Wege, die in der Planung der Gebäudeerschließung berücksichtigt werden sollten, und versetzte Nutzungszeiten verringern zusätzlich, dass sich viele Menschen gleichzeitig denselben Luftraum teilen.

Ergänzende Maßnahmen und Grenzen

Mobile Luftreiniger mit HEPA-Filter (H13/H14) oder UVC-Systeme können die Aerosollast ergänzend senken, ersetzen aber keine Frischluftzufuhr. Einen energetischen Vergleich beider Ansätze in einem Luftreinigungsgerät liefern Brockmann et al. [1]. Eine CO₂-Ampel macht sichtbar, wann gelüftet werden muss, und unterstützt die Umsetzung im Alltag. Wichtig: Organisatorische Maßnahmen sind eine Übergangslösung. Sie verschaffen Zeit, ersetzen aber langfristig keine bedarfsgerechte Lüftung.

Quellen

[1] Brockmann, G.; Lausch, K. H.; Reißner, J. et al. (2026): Energetic comparison of the inactivation of airborne corona viruses using UVC radiation or a conventional HEPA filter in an air purification unit. Energy and Buildings. https://doi.org/10.1016/j.enbuild.2026.117513

[2] Kriegel, M.; Buchholz, U.; Gastmeier, P.; Bischoff, P.; Abdelgawad, A.; Hartmann, A. (2020): Predicted Infection Risk for Aerosol Transmission of SARS-CoV-2. medRxiv. https://doi.org/10.1101/2020.10.08.20209106

Weiterführende Artikel

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Hybridlüftung: Fenster und Technik sinnvoll kombinieren

Hybridlüftung: Fenster und Technik sinnvoll kombinieren

Hybridlüftung: Fenster und Technik sinnvoll kombinieren

Die Flexibilität der Fensterlüftung mit der Verlässlichkeit der Anlage verbinden

Viele Gebäude verfügen sowohl über zu öffnende Fenster als auch über eine mechanische Lüftungsanlage. Werden beide Systeme bewusst aufeinander abgestimmt, spricht man von Hybridlüftung. Richtig betrieben verbindet sie die Vorteile beider Welten: die Flexibilität der Fensterlüftung und die Verlässlichkeit der mechanischen Lüftung. Entscheidend ist das abgestimmte Zusammenspiel – andernfalls arbeiten die Systeme gegeneinander, und es entstehen Energieverluste oder eine schlechtere Luftqualität. Der Artikel erläutert, was Hybridlüftung ausmacht, worauf es bei der Regelung ankommt und wofür sie sich eignet.

Was ist Hybridlüftung?

Hybridlüftung kombiniert zwei Lüftungsprinzipien in einem Raum oder Gebäude: die freie (natürliche) Lüftung über Fenster oder Öffnungen und die mechanische Lüftung über eine Anlage. Beide Systeme können sich zeitlich abwechseln oder ergänzen. Maßgeblich ist, dass eine übergeordnete Logik festlegt, wann welches System die Hauptaufgabe übernimmt – nicht der Zufall.

Typisch ist, dass die mechanische Lüftung die verlässliche Grundversorgung sicherstellt, während die Fensterlüftung gezielt für zusätzliche Frischluft oder zur Nachtkühlung genutzt wird. Ebenso möglich sind jahreszeitlich umschaltende Konzepte, bei denen in der Übergangszeit überwiegend über Fenster und bei großer Kälte oder Hitze überwiegend mechanisch gelüftet wird. (Abb. 1)

Hybridlüftung kombiniert Fensterlüftung und mechanische Lüftung; eine übergeordnete Regelung stimmt beide Wege aufeinander ab.

Warum kombinieren? Stärken und Grenzen beider Systeme

Fensterlüftung ist einfach, kostengünstig und von den Nutzenden direkt steuerbar. Ihre Wirkung hängt aber stark von Wetter, Wind und Verhalten der Nutzenden ab und ist deshalb schwer vorhersehbar. Mechanische Lüftung liefert dagegen einen definierten, gleichmäßigen Luftvolumenstrom – unabhängig von der Witterung – verursacht jedoch höhere Investitions- und Betriebskosten.

Die Hybridlüftung versucht, die jeweiligen Schwächen auszugleichen: Sie sichert über die Anlage einen Mindestluftwechsel und nutzt die Fensterlüftung dort, wo sie ohne großen Aufwand zusätzlichen Nutzen bringt. So lassen sich Energieeffizienz und Raumluftqualität besser in Einklang bringen als mit nur einem System allein.

Das Zusammenspiel: Regelung ist entscheidend

Der häufigste Fehler ist ein unkoordinierter Parallelbetrieb: Stehen Fenster offen, während die Anlage mit voller Leistung läuft, geht im Winter Heizenergie verloren, und die Wärmerückgewinnung kann ihre Wirkung nicht entfalten. Eine Hybridlüftung braucht deshalb klare Regeln, wann welches System aktiv ist.

Bewährt haben sich sensor- und bedarfsgeführte Strategien, etwa anhand der CO₂-Konzentration, der Raumtemperatur und der Außenbedingungen. Die Anlage kann ihre Leistung zurückfahren, wenn ausreichend über Fenster gelüftet wird, und automatisch hochfahren, wenn die Fenster geschlossen sind oder die Luftqualität sinkt. Anzeigen wie CO₂-Ampeln oder einfache Hinweise unterstützen die Nutzenden dabei, im richtigen Moment zu lüften. (Abb. 2)

Bedarfsgeführte Regelung – der CO₂-Sensor steuert beide Lüftungswege: Die Anlage sichert den Mindestluftwechsel und passt ihre Leistung bedarfsgerecht an. Quelle: eigene Darstellung.

Bedeutung für Raumluftqualität und Infektionsschutz

Für die Verdünnung von CO₂, Feuchte und aerosolgebundenen Belastungen zählt letztlich der tatsächlich erreichte Luftwechsel – unabhängig davon, ob er über Fenster oder die Anlage zustande kommt. Die Hybridlüftung ist dann vorteilhaft, wenn sie sicherstellt, dass auch bei ungünstigem Nutzerverhalten ein ausreichender Mindestluftwechsel erhalten bleibt.

Gerade für den Infektionsschutz ist die Verlässlichkeit wichtig: Reine Fensterlüftung schwankt stark, während die mechanische Komponente eine planbare Untergrenze garantiert. So bleibt die aerosolbedingte Belastung auch in stark genutzten Räumen kontinuierlich begrenzt.

Einsatzbereiche und typische Gebäude

Hybridkonzepte eignen sich besonders für Schulen und Bildungseinrichtungen, Büro- und Verwaltungsgebäude sowie Mehrzweck- und Aufenthaltsräume mit wechselnder Belegung. Auch im Gebäudebestand ist Hybridlüftung interessant: Wo eine vollständige mechanische Lüftung baulich oder wirtschaftlich nur schwer nachrüstbar ist, kann eine Teilausstattung in Kombination mit gezielter Fensterlüftung einen guten Kompromiss darstellen.

Planung und Betrieb

Auslegungsgrundlage für die erforderlichen Außenluftvolumenströme und die Kategorien der Raumluftqualität ist die DIN EN 16798-1; für Nichtwohngebäude konkretisiert die DIN EN 16798-3 die Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen. Hybridlüftung sollte von Beginn an als Gesamtkonzept geplant werden – mit definierten Umschalt- und Regelstrategien, einer abgestimmten Luftführung sowie regelmäßiger Wartung und Filterwechsel.

Wichtig ist außerdem die Einbindung der Nutzenden: Transparente Anzeigen und einfache Bedienlogiken erhöhen die Akzeptanz und vermeiden Fehlbedienungen, etwa dauerhaft gekippte Fenster im Heizbetrieb.

Grenzen: Wo Hybridlüftung nicht ausreicht

In hygienisch kritischen Bereichen – etwa Funktions- und Behandlungsräumen im Gesundheitswesen – gelten besondere Anforderungen an einen kontinuierlichen, definierten Luftwechsel und an die Luftführung. Hier ist die mechanische Lüftung maßgeblich; eine bedarfsabhängige Reduktion über Fensterlüftung ist in diesen Räumen nicht zulässig. Hybridkonzepte bleiben in solchen Gebäuden auf Verwaltungs- und Aufenthaltsbereiche beschränkt.

Einordnung und Ausblick

Hybridlüftung ist kein Kompromiss aus der Not, sondern ein eigenständiges Konzept, das Flexibilität, Energieeffizienz und verlässliche Luftqualität verbindet. Ihren Nutzen entfaltet sie jedoch nur mit einer durchdachten Regelung und einer klaren Aufgabenteilung beider Systeme. Als Teil eines ganzheitlichen Gebäudekonzepts kann sie dazu beitragen, Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit im Alltag zu unterstützen und gleichzeitig Energie zu sparen.

Weiterführende Literatur

DIN EN 16798-1:2022-03: Energetische Bewertung von Gebäuden – Lüftung von Gebäuden – Teil 1: Eingangsparameter für das Raumklima zur Auslegung und Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden bezüglich Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik. Beuth Verlag, Berlin.

DIN EN 16798-3:2017-11: Energetische Bewertung von Gebäuden – Lüftung von Gebäuden – Teil 3: Lüftung von Nichtwohngebäuden – Leistungsanforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen sowie Raumkühlsysteme. Beuth Verlag, Berlin.

Heiselberg, P. (Hrsg.): Principles of Hybrid Ventilation. IEA Energy Conservation in Buildings and Community Systems, Annex 35 „Hybrid Ventilation in New and Retrofitted Office Buildings (HybVent)“, Aalborg University, 2002.

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Fensterlüftung im Gesundheitswesen

Fensterlüftung im Gesundheitswesen

Fensterlüftung im Gesundheitswesen

Klare Abläufe, gezielte Luftführung und die Grenzen der Fensterlüftung

In Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen ist die Fensterlüftung häufig die einzige oder eine ergänzende Möglichkeit, Räume mit Frischluft zu versorgen. Anders als im Büro gelten hier jedoch besondere hygienische Anforderungen: Es halten sich oft vulnerable Personen im Gebäude auf, und die Übertragung von Krankheitserregern über die Luft muss aktiv begrenzt werden. Fensterlüftung kann das leisten – aber nur mit klaren Abläufen. Der Artikel zeigt, worauf es ankommt: kurze Lüftungsintervalle zwischen den Nutzungen, eine gezielte Luftführung und das Wissen um die Grenzen des Verfahrens.

Warum hier besondere Sorgfalt nötig ist

In Gebäuden/ Einrichtungen des Gesundheitswesens treffen vulnerable Personen, hohe Belegungswechsel und ein erhöhtes Infektionsrisiko aufeinander. Verbrauchte, mit potentiell infektiösen Aerosolen angereicherte Luft soll deshalb zügig abgeführt werden, ohne dabei unkontrolliert von einem Raum in den nächsten zu gelangen. Fensterlüftung ist wirksam, aber wetter- und verhaltensabhängig – sie braucht daher eine bewusste Steuerung statt Zufall.

Klare Abläufe: kurze Intervalle zwischen den Nutzungen

In Behandlungsräumen empfiehlt sich Stoßlüften zeitlich zwischen zwei Patientinnen und Patienten, also bei jedem Belegungswechsel. Wartebereiche, die meist durchgehend belegt sind, werden dagegen in festen Intervallen gelüftet. In beiden Fällen gilt: Fenster vollständig öffnen, idealerweise quer, für wenige Minuten. Wie lange, hängt von Raumgröße und Belegung ab – eine CO₂-Messung hilft, den passenden Rhythmus zu finden. Der CO₂-Gehalt dient dabei als Indikator für den Luftaustausch: Er steigt mit der Zahl der Personen und der Aufenthaltsdauer. Hohe Werte zeigen, dass sich ausgeatmete und damit potenziell erregerhaltige Luft im Raum anreichert. Im Normalbetrieb sollte die CO₂-Konzentration während der Nutzung im Mittel unter 1000 ppm liegen, in Zeiten erhöhten Infektionsgeschehens unter 800 ppm. Werte über 2000 ppm sind ohne Gegenmaßnahmen nicht akzeptabel (siehe Artikel „CO₂-gestützte Fensterlüftung“). Feste und bewusst durchgeführte Lüftungsintervalle können eine verlässliche Luftqualität trotz unterschiedlich intensiven Tagesgeschäfts sicherstellen.

Gezielte Luftführung: von rein nach unrein

Die Strömungsrichtung sollte von Bereichen, die nicht durch potenziell infektiöse Aerosole belastet sind, zu stärker belasteten Bereichen führen, nicht umgekehrt. Beim Fensterlüften heißt das: Die Raumluft aus Behandlungs- und Warteräumen, in denen sich potenziell infektiöse Personen aufhalten, wird über das Fenster direkt nach außen abgeführt und nicht in Flure oder Nachbarräume. Türen zu sensiblen Räumen bleiben beim Lüften möglichst geschlossen, damit belastete Luft nicht in Flure oder Nachbarräume gezogen wird. Zugluft direkt über Patientinnen und Patienten ist zu vermeiden. Quer- und Stoßlüftung sind der reinen Kipplüftung deutlich überlegen.

Gezielte Luftführung – die Luft strömt vom Fenster über den Behandlungsraum in den Flur, also von rein nach unrein.

Grenzen: wann Technik nötig wird

Für infektionskritische Bereiche wie OP-Säle, Isolier- oder Immunsupprimierten-Zimmer reicht Fensterlüftung nicht aus – hier sind raumlufttechnische Anlagen nach DIN 1946-4 mit definierten Druckverhältnissen und Filterstufen erforderlich (Raumklasse II z. B. mit zweistufiger Filterung und rund 40 m³/h Außenluft pro Person). Welche mechanischen Lüftungsstrategien in kritischen Bereichen wirksam sind, untersuchen unter anderem Wissenschaftler der TU Berlin am Beispiel von Mehrbett-Isolierzimmern [1]. In Bereichen ohne besondere raumlufttechnische Anforderungen, also Warte-, Behandlungs- und Büroräumen, kann Fensterlüftung dagegen einen wichtigen Beitrag leisten. Infektiologisch relevant bleiben aber auch diese Räume: Gerade in Wartebereichen halten sich viele Personen oft lange im selben Raum auf. Dort sind regelmäßiges Lüften, eine CO₂-Überwachung und organisatorische Maßnahmen wie eine begrenzte Belegung und kurze Wartezeiten besonders wichtig.

Wann Fensterlüftung reicht – und wann Technik nötig ist.

Aktuelle Forschung: EnHance

Wie weit natürliche Fensterlüftung im klinischen Umfeld tatsächlich zu einer guten Innenraumluftqualität beitragen kann, untersucht derzeit das Forschungsprojekt EnOB:EnHance, an dem das Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin gemeinsam mit der TU Braunschweig und der Charité beteiligt ist. Am Beispiel eines Berliner Krankenhauses werden Normal- und Intensivstationen betrachtet und Infektionsschutz, Hitzeschutz, Innenraumluftqualität und Energiebedarf zusammen gedacht. Ein Schwerpunkt liegt auf den Grenzen der Fensterlüftung: Es wird analysiert, wie viel Luftaustausch, Innenraumluftqualität und Hitzeschutz sich allein über die natürliche Lüftung erreichen lassen und wo im Vergleich raumlufttechnisch belüftete – und damit klimatisierte – Patientenzimmer erforderlich werden. Gerade auf Intensivstationen mit hohen inneren Wärmelasten durch Medizintechnik und Personal und besonders schutzbedürftigen Patientinnen und Patienten hilft dieser Vergleich, den notwendigen Anteil mechanischer Lüftung fundiert zu bestimmen und Energieeffizienz mit Infektions- und Hitzeschutz in Einklang zu bringen.

Quellen

[1] Cetin, Y. E.; Kriegel, M. (2026): Integrated assessment of ventilation strategies for exposure and comfort in a multi-bed negative-pressure isolation room. Results in Engineering. https://doi.org/10.1016/j.rineng.2026.109210

[2] EnOB:EnHance – Energy-efficient Hospital Environments. Forschungsverbund u. a. mit TU Berlin (Hermann-Rietschel-Institut), TU Braunschweig und Charité (Laufzeit 2023–2026). https://hermann-rietschel-institut.de/research-en/building-en/enob-enhance/

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Bedarfsgerechte mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Bedarfsgerechte mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Bedarfsgerechte mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Technische Lösung für gute Raumluftqualität, Komfort und Energieeffizienz

In vielen Gebäuden reicht Fensterlüftung allein nicht aus, um dauerhaft eine gute Raumluftqualität sicherzustellen. Besonders in Büros, Verwaltungsgebäuden, Bildungseinrichtungen oder stark genutzten Aufenthaltsräumen kommt es darauf an, Frischluft kontinuierlich und verlässlich bereitzustellen, ohne dabei unnötig Energie zu verlieren. Bedarfsgerechte mechanische Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung bieten hierfür eine technische Lösung, die Luftqualität, Komfort und Energieeffizienz miteinander verbindet. Der Artikel erläutert Funktionsweise, Einsatzbereiche sowie relevante Aspekte für Planung, Betrieb und Nutzung.

Was bedeutet bedarfsgerechte mechanische Lüftung?

Mechanische Lüftung bezeichnet den kontrollierten Luftaustausch über eine Lüftungsanlage. Bedarfsgerecht ist eine Lüftung dann, wenn sie ihre Leistung automatisch an den tatsächlichen Bedarf anpasst – etwa an die Anzahl der anwesenden Personen oder die aktuelle Luftbelastung mit Feinstaub oder CO2.

Als Steuergrößen dienen häufig der CO₂-Gehalt der Raumluft, die relative Luftfeuchte sowie Belegungszeiten oder hinterlegte Nutzungsprofile. Auf dieser Grundlage wird der Luftvolumenstrom erhöht, wenn die Nutzung steigt, und reduziert, wenn Räume nur gering oder gar nicht belegt sind.

Wärmerückgewinnung: Frischluft ohne hohe Wärmeverluste

Ein zentraler Bestandteil moderner Lüftungsanlagen ist die Wärmerückgewinnung. Wie in der Abb.  dargestellt, wird dabei die Wärme der abgeführten Raumluft genutzt, um die einströmende Außenluft vorzuwärmen. Zuluft und Abluft bleiben dabei hygienisch getrennt und tauschen ihre Energie über einen Wärmetauscher aus.

Auf diese Weise lassen sich Wärmeverluste deutlich reduzieren, die Zuluft erreicht im Winter ein angenehmes Temperaturniveau und Zugerscheinungen werden vermieden. Gut geplante Anlagen können einen großen Teil der in der Abluft enthaltenen Wärme zurückgewinnen und tragen so wesentlich zur Energieeffizienz des Gebäudes bei.

Bedeutung für Raumluftqualität und Gesundheit

Menschen geben beim Atmen u.a. kontinuierlich CO₂, Feuchtigkeit und Aerosole an die Raumluft ab. In dicht belegten oder gut gedämmten Gebäuden kann sich die Luftqualität ohne gezielte Lüftung rasch verschlechtern. Typische Folgen sind Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder ein Gefühl verbrauchter Luft.

Eine mechanische Lüftung sorgt für einen gleichmäßigen Luftaustausch, hält CO₂-Konzentrationen auf moderatem Niveau und führt Gerüche sowie überschüssige Feuchtigkeit zuverlässig ab. Darüber hinaus werden aerosolgebundene Belastungen kontinuierlich verdünnt, was insbesondere in stark genutzten Innenräumen zur Reduktion gesundheitlicher Risiken oder von Infektionen beitragen kann.

Bedarfsgerechte Steuerung statt Dauerbetrieb

Ein Dauerbetrieb der Lüftungsanlagen mit konstant hohen Luftmengen ist weder energetisch sinnvoll noch erforderlich. Moderne Lüftungssysteme nutzen daher Sensoren und Regelstrategien, um ihre Leistung automatisch anzupassen.

Typisch sind reduzierte Luftvolumenströme in Pausen, nachts oder am Wochenende sowie eine Erhöhung der Lüftungsleistung bei steigender CO₂-Konzentration, wie in der folgenden Abbildung 2 dargestellt. Die kontinuierliche Erfassung relevanter Raumluftparameter ermöglicht zudem eine laufende Bewertung der Luftqualität im Betrieb, sodass Abweichungen frühzeitig erkannt werden können.

Einsatzbereiche und typische Gebäude

Bedarfsgerechte mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung eignet sich besonders für Büro- und Verwaltungsgebäude, Schulen und andere Bildungseinrichtungen, Besprechungs- und Mehrzweckräume sowie Gebäude mit hohen energetischen Standards.

In diesen Nutzungen ist Fensterlüftung allein häufig nicht ausreichend oder nur eingeschränkt praktikabel, etwa aufgrund von Lärmbelastung, Sicherheitsanforderungen oder ungünstigen Witterungsbedingungen.

Besonderheiten im Gesundheitswesen

In Krankenhäusern und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens gelten besondere hygienische Anforderungen an die Lüftung. In vielen Bereichen ist ein kontinuierlicher Mindestluftwechsel erforderlich, um die Verdünnung und Abführung potenziell gesundheitsschädlicher Luftbestandteile oder Infektionserreger sicherzustellen.

Bedarfsgerechte Lüftung kommt hier daher nicht im Sinne einer vollständigen Reduzierung der Luftmengen zum Einsatz, sondern innerhalb klar definierter hygienischer Grenzen. Üblich sind Konzepte, bei denen ein Mindestluftvolumenstrom dauerhaft eingehalten und die Lüftungsleistung bei Bedarf zusätzlich erhöht wird.

Während in Funktions- und Behandlungsbereichen hygienische Anforderungen den Betrieb maßgeblich bestimmen, können bedarfsgerechte Strategien in Verwaltungs- oder Aufenthaltsbereichen von Krankenhäusern stärker genutzt werden.

Planung, Betrieb und Nutzung

Damit eine mechanische Lüftung ihre Vorteile entfalten kann, sind eine nutzungsangepasste Auslegung der Luftmengen, eine durchdachte Luftführung im Aufenthaltsbereich sowie regelmäßige Wartung und Filterwechsel erforderlich.

Auch die Information der Nutzenden spielt eine wichtige Rolle. Transparente Anzeigen der Raumluftqualität oder einfache Hinweise zur Funktionsweise können Akzeptanz schaffen und Fehlbedienungen vermeiden.

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CO₂-gestützte Fensterlüftung

CO₂-gestützte Fensterlüftung

CO₂-gestützte Fensterlüftung

Einfache Strategie für bessere Raumluft und wirksamen Infektionsschutz.

CO₂-gestützte Fensterlüftung ist ein praktisches Vorgehen, um die Luftqualität in Innenräumen zu verbessern. Es eignet sich besonders für Gebäude ohne mechanische Lüftungsanlage, etwa in Kindertagesstätten, Schulen, Büros oder Besprechungsräumen. CO₂-Messgeräte machen sichtbar, wann lüften sinnvoll ist, damit verbrauchte Raumluft durch frische Außenluft ersetzt wird.

Warum CO₂ beim Lüften hilft

In Innenräumen sammeln sich mit zunehmender Aufenthaltsdauer Stoffe an, die die Luftqualität verschlechtern: CO₂, Feuchtigkeit, Gerüche sowie feinste Aerosole. Aerosole können Krankheitserreger enthalten, sodass sie bei der Übertragung luftgetragener Erreger relevant sind. Regelmäßiger Luftaustausch reduziert diese Belastungen deutlich.

Ein CO₂-Wert ist dabei ein einfacher, objektiver Anhaltspunkt. Er zeigt nicht direkt die Konzentration von Aerosolen oder Krankheitserregern an, sondern wird als indirekter Maßstab für den Luftaustausch genutzt. Ein hoher CO₂-Wert weist daher auf einen hohen Anteil bereits ausgeatmeter Luft im Raum hin und damit auf unzureichenden Luftaustausch.

CO₂ selbst ist in den üblichen Innenraumkonzentrationen nicht das gesundheitliche Hauptproblem. Entscheidend ist vielmehr, was ein erhöhter CO₂-Wert signalisiert: nämlich, dass sich bereits viel ausgeatmete Luft im Raum angesammelt hat. Der Wert macht damit sichtbar, ob ausreichend Frischluft zugeführt wird. So lässt sich die Raumluftqualität im Alltag objektiver beurteilen, als wenn man sich allein auf das eigene Empfinden verlässt.

Orientierungswerte

Je nach Bewertungsmaßstab unterscheiden sich die Einordnungen leicht. Während die Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes CO₂-Werte unter 1.000 ppm als hygienisch unauffällig einstuft und Werte über 2.000 ppm als inakzeptabel bewertet, klassifiziert die DIN EN 13779 bereits Konzentrationen über 1.400 ppm als niedrige Raumluftqualität.

Im Normalbetrieb wird eine Basisraumlufthygiene mit CO₂-Werten unter 1.000 ppm angestrebt. Bei erhöhtem, lokalem Infektionsgeschehen oder in pandemischen Situationen werden strengere Zielwerte empfohlen, etwa unter 800 ppm. Diese Anpassung dient der vorsorglichen Reduktion des Anteils bereits ausgeatmeter Luft im Raum und damit einer zusätzlichen Minimierung des indirekten Infektionsrisikos.

  • unter 800 ppm: gute Luftqualität
  • 800–1.000 ppm: Lüften einplanen
  • über 1.000 ppm: Lüften erforderlich
  • über 2.000 ppm: hygienisch inakzeptabel, weitere Maßnahmen prüfen

So funktioniert es in der Praxis

1.) CO₂ messen
Ein CO₂-Messgerät wird gut sichtbar im Raum platziert, möglichst in Atemhöhe und nicht direkt am Fenster. Das Gerät zeigt kontinuierlich die aktuelle Konzentration an.

2.) Gezielt lüften
Steigt der CO₂-Wert über den Zielbereich, wird stoß- oder quer gelüftet: Fenster vollständig öffnen und möglichst gegenüberliegende Öffnungen nutzen. Wenige Minuten genügen oft bereits. Kipplüftung ist dagegen wenig wirksam und energetisch ungünstig.

3.) Lüften im passenden Zeitfenster
Besonders effektiv ist Lüften in Pausen, zwischen Nutzungsphasen oder bei geringer Belegung. So lassen sich Komfort, Infektionsschutz und Energieeinsatz besser miteinander vereinbaren. Dieses Vorgehen ist auch dann gut skalierbar, wenn sich Nutzung und Belegung im Tagesverlauf deutlich ändern.

Worauf es ankommt

Zugluft vermeiden: Luftströmungen sollten nicht über längere Zeit direkt auf Aufenthaltsbereiche gerichtet sein.

Insofern möglich: höhere Fenster nutzen. Oberlichter oder hohe Fenster sind oft günstiger.

Witterung berücksichtigen: Bei sehr kalten Temperaturen lieber kürzer, aber häufiger lüften.

Bei erhöhtem Infektionsrisiko oder in Erkältungswellen kann es sinnvoll sein, Lüftungsintervalle zu verdichten und stärker auf niedrige CO₂-Werte zu achten.

Vorteile und Grenzen

Vorteile

  • sofort umsetzbar
  • geringe Kosten
  • kein baulicher Eingriff erforderlich
  • hohe Transparenz für Nutzer*innen
  • wirksam für den Infektionsschutz

Grenzen

  • abhängig vom Nutzerverhalten
  • energetisch ungünstiger als mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung
  • keine kontinuierliche Luftführung

Langfristig kann daher die Ergänzung oder der Ersatz durch technische Lösungen sinnvoll sein, insbesondere wenn ein kontinuierlich hoher Luftwechsel bei guter Energieeffizienz erreicht werden soll.

Fazit

CO₂-gestützte Fensterlüftung macht Raumluftqualität sichtbar und kann sie gezielt verbessern. Sie unterstützt Infektionsschutz und hilft dabei, im Alltag eine stabile Basisraumqualität sicherzustellen, besonders dort, wo keine Lüftungsanlage vorhanden ist.

Quellen und Literatur

[1] – Umweltbundesamt (2025): Ausschuss für Innenraumrichtwerte. Online verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/kommissionen-arbeitsgruppen/ausschuss-fuer-innenraumrichtwerte#ausschuss-fur-innenraumrichtwerte-air
(zuletzt abgerufen am 24.04.2026).

[2] – Umweltbundesamt (2008): Leitfaden für die Innenraumhygiene in Schulgebäuden. Online verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3689.pdf
(zuletzt abgerufen am 24.04.2026).

[3] – Saskia Maisch-Hellrung (2025): CO2-Messgeräte im Test – Diese Modelle überzeugen im Vergleich von Stiftung Warentest. Online verfügbar unter: https://produkte-im-test.de/co2-messgeraete-stiftung-warentest/
(zuletzt abgerufen am 24.04.2026).

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Entscheidungshilfe Raumlufthygiene

Entscheidungshilfe Raumlufthygiene

Entscheidungshilfe Raumlufthygiene v2

Vertiefen Sie Ihr Wissen zum Thema Raumlufthygiene und finden Sie mit unserer interaktiven Entscheidungshilfe heraus, welche Lüftungstechnik die richtige für Ihr Projekt ist.

Können technische Systeme nachgerüstet werden?

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Empfehlung

Eine einfache und sofort umsetzbare Maßnahme für Räume mit Fensterlüftung: CO₂-Ampeln unterstützen bedarfsgerechtes Stoß- und Querlüften und helfen dabei, Luftqualität und Infektionsschutz im Alltag besser zu steuern.

Empfehlung

Fensterlüftung im Gesundheitswesen: In Arztpraxen und Krankenhäusern braucht Fensterlüftung klare Abläufe. Kurze Lüftungsintervalle zwischen Nutzungen, gezielte Luftführung und besondere hygienische Anforderungen stehen hier im Vordergrund.

Empfehlung

Organisatorische Maßnahmen bei fehlender Lüftung: Wenn keine oder nur unzureichende Lüftung vorhanden ist, können organisatorische Maßnahmen kurzfristig entlasten, etwa durch geringere Belegung, kürzere Aufenthaltszeiten und angepasste Nutzungsabläufe.

Empfehlung

Mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt auch bei hoher Nutzung für verlässliche Luftqualität und verbindet CO₂-geführte Regelung, angepasste Volumenströme und Energieeffizienz in einem System.

Empfehlung

Hybridlüftung: Hybridlüftung kombiniert Fensteröffnung und technische Anlage. Entscheidend ist das abgestimmte Zusammenspiel beider Systeme, damit Luftqualität verbessert und Fehlbetrieb vermieden wird.

Empfehlung

Wenn die Ausgangssituation unklar ist, bietet eine CO₂-Messung über ein bis zwei Wochen einen guten Einstieg. So lässt sich die Luftqualität bewerten und der weitere Handlungsbedarf besser ableiten.

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Eine gute Innenraumlufthygiene schützt – aber wie gelingt das energieeffizient?

Eine gute Innenraumlufthygiene schützt – aber wie gelingt das energieeffizient?

Eine gute Innenraumlufthygiene schützt – aber wie gelingt das energieeffizient?

Energieeffizienter Infektionsschutz für Innenräume

Wie lassen sich Infektionsschutzmaßnahmen in Innenräumen wirksam gestalten – ohne den Energieverbrauch unnötig zu erhöhen? Im Forschungsprojekt „MinInfekt“ wurden praxistaugliche Handlungsempfehlungen entwickelt, die zeigen, wie eine gute Raumluftqualität erhalten und zugleich Energie effizient eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse bieten eine fundierte Grundlage für eine integrierte Planung und Nutzung von Räumen, in denen Gesundheitsschutz und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen.

Abbildung 1: Energieeffizienter Infektionsschutz soll sichergestellt werden.

Energieeffizienter Infektionsschutz: Wie geht das zusammen?

Viele Maßnahmen zur Infektionsprävention in Gebäuden verursachen zusätzlichen Energiebedarf – etwa durch den Einsatz von raumlufttechnischen Anlagen, Luftreinigern oder durch häufiges Lüften im Winter. Gerade in energetisch sanierten oder modernen, luftdichten Gebäuden wird das bewusste Lüften zur Herausforderung. Ziel des Forschungsprojekts „MinInfekt“ war es daher, technische Strategien zu entwickeln und zu bewerten, die sowohl eine Reduktion des Infektionsrisikos durch Aerosole als auch einen effizienten Energieeinsatz ermöglichen. Dies ist besonders relevant für Einrichtungen mit hoher Personendichte und sensiblem Nutzungskontext, etwa Schulen, Pflegeeinrichtungen oder medizinische Versorgungszentren.

 

Bewertungsansatz: Welche Kriterien zählen?

Zur systematischen Bewertung der Maßnahmen wurden verschiedene Lüftungssysteme – natürlich, mechanisch und hybrid – unter realitätsnahen Bedingungen betrachtet. Bewertet wurden insbesondere:

  • CO₂-Konzentration
  • Expositionszeit gegenüber potenziell infektiösen Partikeln
  • lufthygienische Wirksamkeit (Verdünnung, Abtransport)

Die Simulationen und Messungen orientierten sich an praxisnahen Raumszenarien und verdeutlichen, wie stark das Infektionsrisiko mit den eingesetzten Lüftungsstrategien variiert. Ein zentrales Ziel war es, Handlungsempfehlungen für typische Raumtypen und Nutzungsszenarien (z. B. Unterrichtsraum, Wartebereich, Pflegeeinrichtung) abzuleiten, die sich sowohl technisch als auch organisatorisch umsetzen lassen.

 

 

Abbildung 2: Das Optimum zwischen Energieeinsatz und Infektionsschutz muss gefunden werden.

Empfehlungen im Überblick

Das Ergebnis ist eine strukturierte Sammlung konkreter Empfehlungen:

  • Generelle Empfehlungen: z. B. CO₂-Konzentration möglichst unter 1000 ppm halten; bei erhöhtem Infektionsgeschehen < 800 ppm
  • Außenluftzufuhr: möglichst gleichmäßig und aufenthaltsnah einbringen
  • Lüftungswirksamkeit: Vermeidung von Kurzschlüssen, Berücksichtigung der Aufenthaltszone
  • Energetische Aspekte: Einsatz effizienter Wärmerückgewinnung, Bedarfslüftung statt Dauerbetrieb
  • Monitoring: Einsatz von CO₂-Sensoren zur Steuerung und Erfolgskontrolle

Diese Empfehlungen richten sich an Verantwortliche für Planung, Betrieb und Ausstattung von Innenräumen in unterschiedlichen Nutzungskontexten.

 

Fazit und Ausblick

Die Studie zeigt: Infektionsschutz und Energieeffizienz müssen kein Widerspruch sein. Entscheidend ist eine differenzierte Planung, die Lufthygiene, Nutzerverhalten und energetische Zielwerte gemeinsam denkt. Durch eine Kombination aus technischer Ausstattung, angepasstem Nutzerverhalten und kontinuierlicher Überprüfung der Luftqualität lassen sich belastbare Konzepte entwickeln, die auch bei zukünftigen Herausforderungen tragfähig sind. Die Studie zeigt: Infektionsschutz und Energieeffizienz müssen kein Widerspruch sein. Entscheidend ist eine differenzierte Planung, die Lufthygiene, Nutzerverhalten und energetische Zielwerte gemeinsam denkt. Durch eine Kombination aus technischer Ausstattung, angepasstem Nutzerverhalten und kontinuierlicher Überprüfung der Luftqualität lassen sich belastbare Konzepte entwickeln, die auch bei zukünftigen Herausforderungen tragfähig sind.

Die Ergebnisse können als Grundlage für weitere Projekte, Richtlinien oder Planungsprozesse genutzt werden – insbesondere mit Blick auf aktuelle Fragestellungen wie Empfehlungen zum Krankenhausbau, zu Büro- und Verwaltungsgebäuden oder zur Kohortierung.

Weitere Infos und Download der ausführlichen Empfehlungen:
Energieeffizienter Infektionsschutz – Handlungsempfehlungen aus MinInfekt

Abbildung 3: Kurzschlussströmung

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