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Hausanschlüsse ohne Zugang sanieren: Neues Verfahren aus dem Hauptkanal

Kanalsanierungen stehen heute in einem Spannungsfeld aus technischen Anforderungen, wirtschaftlichem Handlungsdruck und der Notwendigkeit, vorhandene Infrastruktur langfristig funktionsfähig zu erhalten. Unterschiedliche Schadensbilder und Randbedingungen vor Ort erfordern eine sorgfältige Bewertung, bevor geeignete Maßnahmen ausgewählt werden. Dabei geht es nicht allein um die Wahl eines Verfahrens, sondern um die Frage, welche Lösung unter den jeweiligen technischen und organisatorischen Voraussetzungen sinnvoll eingesetzt werden kann.

Wenn der klassische Zugang fehlt: der Sonderfall

Erneuerung in offener Bauweise. (Quelle: Dirk Mumm, Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück)

Die Sanierung von Hausanschlüssen über einen Revisionsschacht ist etabliertes Standardverfahren – funktioniert aber nicht, wenn dieser Schacht fehlt, überbaut oder überpflastert ist. Je nach Entwässerungssatzung endet die Zuständigkeit der Kommune zudem oft schon an der Grundstücksgrenze. Bislang blieb in solchen Fällen meist nur die offene Bauweise: aufwendiger, mit Eingriffen in die Verkehrsfläche, längeren Bauzeiten und höheren Kosten verbunden. Für genau diese Situationen wurde ein Verfahren entwickelt, das den Liner direkt aus dem Hauptkanal heraus einbaut; ganz ohne Zugang über das Privatgrundstück. Dirk Mumm, Leiter Kanalbetrieb & Kanalsanierung beim Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück, berichtet auf dem Schlauchlinertag von seinen Erfahrungen damit. Er betont, dass das Verfahren die klassische Sanierung über den Schacht nicht ersetzt, sondern gezielt dort ergänzt, wo die Randbedingungen es erfordern. Nach seiner Einschätzung kommt es bei rund einem Viertel der Hausanschlüsse in Rheda-Wiedenbrück zum Einsatz. Zur Marktreife entwickelt wurde die Technik in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber: Der EAW stellte geeignete Hausanschlüsse für Praxistests zur Verfügung, die Erkenntnisse flossen direkt in die Weiterentwicklung ein. Mittlerweile ist das Verfahren für eine kommunale Sanierungsmaßnahme in Rheda-Wiedenbrück ausgeschrieben.

Entwicklung unter Praxisbedingungen

Zur Marktreife entwickelt wurde die Technik in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber: Um den Schritt vom Labor in die Praxis zu gehen, nahm der Hersteller Kontakt zum EAW auf, der im Stadtgebiet geeignete Hausanschlüsse für die Erprobung bereitstellte und die Sanierung fachlich begleitete. Die dabei gewonnenen Erfahrungen flossen in die Weiterentwicklung ein, bis das Verfahren nach erneuten Praxistests für den Markt freigegeben wurde. Mittlerweile ist es für eine kommunale Sanierungsmaßnahme in Rheda-Wiedenbrück ausgeschrieben.

Die Sanierung eines Hausanschlusses vom Hauptkanal aus umfasst dabei mehr als den eigentlichen Linereinbau.

„Die Betrachtung des gesamten Arbeitsablaufs – von der Vorbereitung bis zur abschließenden Kontrolle – ist ein wesentlicher Aspekt des gesamten Prozesses“, beschreibt Mumm das Vorgehen.

Technische Voraussetzungen ebenso relevant

Vor der Renovierung müssen die Anschlussleitungen vom Hauptkanal aus untersucht und gereinigt werden, bei Bedarf auch von Ablagerungen oder Wurzeleinwuchs befreit. Auch die abschließende Abnahmebefahrung erfolgt über den Hauptkanal – dafür sind spezielle Inspektions-, Reinigungs- und Frässysteme mit Satellitentechnik erforderlich. Es gehe nicht nur darum, das neue Packersystem zu erwerben, man müsse auch alle Vorarbeiten vom Hauptkanal beherrschen, von der Voruntersuchung über die Reinigung bis zur Abnahmebefahrung, so Mumm.

Ein weiterer technischer Aspekt ist die Aushärtung des Liners: Das Verfahren arbeitet mit Lichthärtung, bei der die Aushärtung – anders als bei warmhärtenden Systemen – erst nach dem Einbau und dem Einschalten der UV-Lichtquelle beginnt. Dadurch lässt sich die Einschränkung der Grundstücksentwässerung während der Arbeiten auf ein vergleichsweise kurzes Zeitfenster reduzieren.

Sanierungskonzepte ergänzen und erweitern

Das neue Verfahren erweitert das Spektrum bewährter Sanierungsstrategien.

„Der unmittelbare Einblick in den Sanierungsalltag von Netzbetreibern ist ein wichtiger Bestandteil unseres Veranstaltungskonzepts“, betont Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. „So wird nachvollziehbar, unter welchen Randbedingungen sich solche Lösungen einsetzen lassen und wo sie bestehende Strategien sinnvoll ergänzen.“


Quelle: Thomas Martin Kommunikation

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Vom Meer in die Wolken: Zucker als Klimafaktor

Salz und Zucker aus dem Meer können bis in die freie Troposphäre aufsteigen und damit sowohl die Wolkenbildung als auch das Klima in der Arktis beeinflussen. Das zeigen Ballon-Messungen, die ein Forschungsteam im Herbst 2021 und Frühjahr 2022 auf Spitzbergen durchgeführt hat. Mit einer zunehmend eisfreien Arktis könnten immer mehr dieser Wolkenzutaten aus dem Meerwasser in die Atmosphäre gelangen und das Strahlungsbudget beeinflussen. Die Ergebnisse tragen so zu einem besseren Verständnis der überdurchschnittlichen Erwärmung der Arktis bei, schreibt das Team im Fachjournal „Atmospheric Chemistry and Physics“.

An der Studie unter Leitung des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) waren auch die Universität Köln, das Alfred-Wegener-Institut, das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie sowie die Universitäten Oldenburg und Bremen beteiligt.

Meeresgischt als Wolkenmacher

Die zentrale Arktis ist ein Ozean, der im Winter von Meereis bedeckt ist und im Sommer zunehmend offene Wasserflächen aufweist. Partikel aus Meeresgischt-Aerosol spielen dort eine Schlüsselrolle für die Wolkenbildung – und ihre Bedeutung wächst mit der Erwärmung und dem Rückgang des Meereises. Die Partikel gelangen durch brechende Wellen und platzende Luftblasen in die Luft. Sie bestehen aus Meersalz-Ionen sowie organischem Material, darunter marine Kohlenhydrate – meist komplexe, verzweigte Polysaccharide von Algen und Bakterien. Eine TROPOS-Studie von 2025 hatte bereits gezeigt, dass diese Zucker die Eiskeimbildungsaktivität der Partikel beeinflussen, was wiederum Wolkenbildung und Niederschlag prägt.

Messungen mit dem Fesselballon BELUGA

Der Fesselballon BELUGA während der Kampagne HALO-(AC)³ im März/April 2022 auf Spitzbergen in der Arktis (Quelle: Sebastian Zeppenfeld, TROPOS).

Bislang fehlten Messungen, die den Transport dieser marinen Zucker in höhere Luftschichten tatsächlich belegen. Die Forschenden schlossen diese Lücke: Bei Ny-Ålesund auf Spitzbergen nahmen sie mit dem Fesselballon BELUGA Luftproben in 300 bis 1000 Metern Höhe. Diese wurden im Labor mit Meerwasser- und Oberflächenfilmproben aus dem Kongsfjorden verglichen.

„Die Kombination der Aerosolmessungen am Boden und in verschiedenen Höhen mit den Wasserproben hat uns erstmals ermöglicht, den Transport mariner Zucker vom Ozean in die Atmosphäre direkt nachzuvollziehen“, erläutert Dr. Manuela van Pinxteren (TROPOS).

Eine dynamischere Atmosphäre als gedacht

Zusätzlich deuten Labor- und Feldbeobachtungen darauf hin, dass sich diese Zucker teils erst in der Atmosphäre bilden oder umwandeln – ausgelöst durch chemische und biologische Prozesse. Unter feuchten Bedingungen, besonders bei Niederschlagswolken, konnte das Team eine solche Zuckerbildung direkt in der Luft beobachten, möglicherweise im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel von Mikroorganismen.

„Die Atmosphäre ist also viel lebendiger als wir lange dachten“, folgert Dr. Sebastian Zeppenfeld (TROPOS).

Da der Transport in wolkenbildungsrelevante Höhen die Wolkenmikrophysik beeinflusst und seine Bedeutung mit dem Rückgang des Meereises weiter zunimmt, plant das BELUGA-Team, 2028 im Rahmen der Polarstern-Expedition „Antarctica-Insync“ vergleichbare Messungen im Südpolarmeer durchzuführen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Sebastian Zeppenfeld
wissenschaftlicher Mitarbeiter, Abteilung Chemie der Atmosphäre, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig

und
Dr. Manuela van Pinxteren

Originalpublikation:
Zeppenfeld, S., Schaefer, J., Pilz, C., Ebell, K., Zeising, M., Stratmann, F., Siebert, H., Wehner, B., Wietz, M., Bracher, A., and van Pinxteren, M.: Marine carbohydrates and other sea spray aerosol constituents across altitudes in the lower troposphere of Ny-Ålesund, Svalbard, Atmos. Chem. Phys., 26, 7235–7260, DOI: 10.5194/acp-26-7235-2026, 2026. (Published 27 May 2026)
https://doi.org/10.5194/acp-26-7235-2026


Quelle: Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

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Niedrigwasser in Deutschlands Flüssen: Warum Wegbaggern keine Lösung ist

Politik und Wirtschaft diskutieren derzeit über eine Vertiefung von Fahrrinnen, damit Binnenschiffe auch bei niedrigen Wasserständen möglichst uneingeschränkt und sicher fahren können. Aus wissenschaftlicher Sicht greift dieser Ansatz zu kurz.

„Wir müssen uns stärker an das vorhandene Wasserdargebot anpassen, statt die Flüsse immer weiter an unsere Nutzungsansprüche anzupassen“, sagt IGB-Forscher Dr. Christian Wolter.

Punktuelle Eingriffe zur Beseitigung einzelner Engstellen können zwar sinnvoll sein, eine weitere systematische Vertiefung der Flüsse ist jedoch keine nachhaltige Antwort auf häufiger auftretendes Niedrigwasser.

Lage des Wasserhaushalts durch Eingreifen in Flusslandschaft verschärft

Viele deutsche Flüsse wurden seit dem 19. Jahrhundert begradigt, verkürzt, befestigt und ihre Funktion als Wasserstraßen gefördert. Durchschnittlich verloren die Flüsse dadurch 20 Prozent ihrer Fließwege; das Wasser fließt dadurch schneller ab. Befestigte Ufer verhindern zudem, dass sich Flüsse seitlich ausbreiten können; stattdessen tieft sich ihre Sohle um mehrere Meter ein. Das trägt bei Niedrigwasser dazu bei, dass auch angrenzende Landschaften stärker entwässert werden. Gleichzeitig sind natürliche Wasserspeicher wie Auen, Feuchtgebiete und Moorlandschaften fast überall verschwunden.

„Das alles hat dazu beigetragen, dass uns die Folgen des Klimawandels heute so hart treffen“, warnt Wolter. „Wir wissen seit Jahrzehnten, dass wir Wasser stärker in der Landschaft zurückhalten müssen. Angesichts zunehmender Trockenheit wird es immer dringlicher, diese Erkenntnis auch umzusetzen.“

Wasserrückhalt stärken

Die Niedrigwasserproblematik lässt sich nicht allein über die jährliche Niederschlagsmenge erklären. Entscheidend ist auch deren jahreszeitliche Verteilung. Künftig fällt mehr Niederschlag in den Wintermonaten; während die Sommermonate trockener werden. Wasser aus den niederschlagsreichen Monaten muss deshalb länger in der Landschaft gespeichert werden. Dafür braucht es mehr Raum für Flüsse und ihre Auen. Begradigte Oberläufe sollten, wo möglich, wieder stärker mäandrieren und dadurch längere Fließwege erhalten. Auen und Feuchtgebiete sollten revitalisiert, Entwässerungsstrukturen überprüft und oberflächennahe Grundwasservorkommen besser geschützt werden.

„Wir sollten Wasser nicht möglichst schnell aus der Landschaft ableiten, sondern es dort halten, wo es später gebraucht wird“, erklärt Christian Wolter.

Solche Maßnahmen zum Wasserrückhalt stärken auch den natürlichen Hochwasserschutz: Naturnahe Flusslandschaften können Niederschläge aufnehmen und den Abfluss zeitlich verzögern.

Hitze verschärft ökologische Folgen von Niedrigwasser

Die Elbe in Dresden mit einem Pegelstand von 49 cm (Quelle: Adobe Stock/Andreas Gruhl).

Niedrige Wasserstände sind nicht nur ein Problem für die Schifffahrt. Besonders kritisch für viele Lebewesen ist die Kombination aus Niedrigwasser und hohen Temperaturen. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen, während Fische und andere Wasserorganismen bei steigenden Temperaturen zugleich mehr Sauerstoff benötigen. Niedrigwasser ist deshalb nicht nur eine Frage des Wasserstands. Es kann die gesamte ökologische Funktionsfähigkeit eines Flusses beeinträchtigen. Neben dem Wasserrückhalt in der Landschaft ist deshalb auch die Beschattung der Flussufer eine wichtige Maßnahme.

Kommt es nach langen Trockenperioden zu Starkregen, können ausgetrocknete oder versiegelte Böden die großen Wassermengen oft nur begrenzt aufnehmen. Dann werden innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen an organischem Material in die Gewässer gespült. Dessen Zersetzung verbraucht wiederum viel Sauerstoff und senkt den Sauerstoffgehalt im Wasser rasch weiter ab.

Fahrrinnenvertiefung löst das Grundproblem nicht

Eine klimaangepasste Verkehrspolitik bedeutet aus Sicht des IGB deshalb auch, die Infrastruktur und die Schifffahrt stärker auf die natürlichen Wasserverhältnisse auszurichten. Dazu gehören beispielsweise Schiffe mit geringerem Tiefgang.

„Wir können Niedrigwasser nicht einfach wegplanen oder wegbaggern. Wir müssen unsere Landschaften und unsere Nutzung der Flüsse so verändern, dass ihre wichtigen Funktionen auch bei weniger und unregelmäßiger verfügbarem Wasser erhalten bleiben“, sagt Wolter.

Naturnahe Flusslandschaften sind nicht nur ökologisch wertvoll. Sie sind ein zentraler Baustein, um Deutschland auf häufiger auftretendes Niedrigwasser, Hitze und zugleich zunehmende Starkregenereignisse vorzubereiten.


Originalpublikation:
Geßner, Jörn Jähnig, Sonja Charlotte Wolter, Christian (2025): Deutschlands Flüsse : Revitalisierung als Krisen- und Daseinsvorsorge – Policy Brief. Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e.V. https://doi.org/10.4126/FRL01-006489575

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Christian Wolter
christian.wolter@igb-berlin.de


Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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Moorschutz weltweit: Neun Erfolgsgeschichten trotz Klimamüdigkeit

Eine neue internationale Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Ambio, eröffnet eine ermutigende Perspektive auf die Klima- und Biodiversitätskrise. Während Moore häufig im Zusammenhang mit Degradierung und Treibhausgasemissionen diskutiert werden, stellt die Studie neun sogenannte „Bright Spots“ aus aller Welt vor. Die Beispiele reichen von gemeinschaftlich getragenen Renaturierungsinitiativen und großflächigen Wiedervernässungsprogrammen bis hin zu innovativen Formen der Nasslandwirtschaft und Kunstprojekten, die den Menschen wieder eine Verbindung zu Moorlandschaften herstellen.

Sie machen deutlich, dass bereits heute bedeutende Fortschritte erzielt werden, und liefern Inspiration sowie wertvolle Erkenntnisse für den Moorschutz weltweit. Die Studie wurde gemeinsam von Forschenden der Universität Greifswald (Partner im Greifswald Moor Centrum), die zugleich Mitglieder des Sonderforschungsbereichs WETSCAPES2.0 sind, sowie des Copernicus Institute for Sustainable Development der Universität Utrecht geleitet.

„Moorforschende verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, Verluste, die Degradierung und den dringenden Handlungsbedarf rund um Moore zu dokumentieren“, sagt die Ko-Erstautorin Dr. Renske Vroom von der Universität Greifswald und dem Sonderforschungsbereich WETSCAPES2.0. „Diese Realität bleibt wichtig, aber sie erzählt nur einen Teil der Geschichte. Wir wollten Beispiele hervorheben, die zeigen, was möglich ist, wenn Menschen gemeinsam Moore schützen und wiederherstellen.“

Vielfältige Wege zu erfolgreichem Moorschutz

Die Autor*innen verwenden den Begriff „Bright Spots“ für Initiativen, die bemerkenswerte Erfolge bei Moorschutz, Wiedervernässung, Renaturierung, nachhaltiger Nutzung oder gesellschaftlicher Beteiligung erzielt haben. Die neun ausgewählten Beispiele zeigen, dass erfolgreiche Maßnahmen zum Schutz von Mooren sehr unterschiedliche Formen annehmen können.

In Indonesien tragen großflächige Wiedervernässungsprogramme dazu bei, das Brandrisiko und Treibhausgasemissionen zu verringern. In Malaysia treiben lokale Gemeinschaften Renaturierungsmaßnahmen voran und entwickeln neue Ansätze für den nachhaltigen Umgang mit Mooren. Weitere Beispiele schaffen wirtschaftliche Perspektiven durch Paludikultur. Initiativen wie Turba Tol in Feuerland hingegen nutzen Kunst und kulturelles Engagement, um Menschen wieder mit Moorlandschaften in Verbindung zu bringen. Gemeinsam verdeutlichen diese Beispiele, dass es nicht den einen Weg zur erfolgreichen Wiederherstellung von Mooren gibt.

Trotz ihrer Diversität weisen alle Bright Spots mehrere gemeinsame Merkmale auf. Viele beruhen auf einer langfristigen Zusammenarbeit von Wissenschaft, Politik, Flächenmanagement, lokalen Gemeinschaften und Trägern indigenen Wissens. Andere zeigen, wie sich ökologische Renaturierung mit sozialen und wirtschaftlichen Vorteilen oder innovativen Formen der Öffentlichkeitsarbeit verbinden lässt.

Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

„Der Schlüssel zur Wiederherstellung von Mooren ist die Zusammenarbeit“, sagt Dr. Ralph Temmink, Assistenzprofessor für Ökologie und Renaturierung an der Universität Utrecht und Koautor der Studie. „Die erfolgreichsten Projekte verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Rahmenbedingungen und lokales Wissen, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln.“

Paludikultur: Wirtschaften auf nassen Mooren

Zu den in der Studie vorgestellten Beispielen gehört auch die Paludikultur, die landwirtschaftliche Nutzung nasser und wiedervernässter Moore. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft auf entwässerten Moorböden bleiben die Böden dabei dauerhaft nass und können dennoch wirtschaftlich genutzt werden. Das ist von großer Bedeutung, da entwässerte Moore erhebliche Mengen an Treibhausgasen freisetzen: Sobald der zuvor wassergesättigte Torf mit Sauerstoff in Kontakt kommt, beginnt er sich zu zersetzen und entweicht als Kohlenstoffdioxid.

Pflanzen wie Torfmoose, Schilf, Rohrkolben oder Seggen können hingegen auf nassen Mooren, ohne Entwässerung, angebaut werden. Dadurch lassen sich Emissionen reduzieren und gleichzeitig neue wirtschaftliche Perspektiven für Flächeneigentümerinnen und lokale Gemeinschaften schaffen. Viele erfolgreiche Beispiele hierfür finden sich in Deutschland, wo Forschende, Landwirtinnen und Unternehmen seit einigen Jahren gemeinsam neue Wertschöpfungsketten auf Basis von Biomasse aus nassen Mooren entwickeln. Produkte wie Versandkartons, Textilien oder Baustoffe aus Paludikultur-Biomasse sind bereits auf dem Markt erhältlich.

Von lokalen Erfolgen zu globalem Handeln

„Wir hoffen, dass diese Beispiele dazu ermutigen, über die Herausforderungen hinauszublicken und anzuerkennen, dass bereits Fortschritte erzielt werden“, sagt Vroom. „Die Wiederherstellung von Mooren und wirksamer Klimaschutz sind keine Zukunftsvision. Sie finden bereits heute in vielen unterschiedlichen Formen und Regionen der Welt statt. Gleichzeitig machen diese Beispiele deutlich, wie dringend wir unsere Anstrengungen ausweiten müssen. Nur wenn wir auf diesen Erfolgen aufbauen und die Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren beschleunigen, können wir das notwendige Tempo und den erforderlichen Umfang erreichen, um die Klimakrise wirksam einzudämmen.“

Moorrenaturierung kann unter sehr unterschiedlichen ökologischen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen erfolgreich sein und bietet gleichzeitig Vorteile für Klimaschutz, Biodiversität und lokale Gemeinschaften. Die Ergebnisse der Studie liefern wertvolle Impulse für zukünftige politische Strategien und Renaturierungsprogramme – in einer Zeit, in der immer mehr Länder ihre Klima- und Biodiversitätsziele erreichen müssen.


Originalpublikation:
Vroom, R.J.E. et al. (2026): Bright spots in peatland conservation, rewetting and restoration. Ambio.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner
Luca Räther
luca.raether@uni-greifswald.de


Quelle: Universität Greifswald

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PFAS aus Wasser entfernen: Magnetische Nanopartikel als neuer Ansatz

Johannes Voß und Linda Rockmann aus Haliks Team entwickelten dafür funktionalisierte Eisenoxid-Nanopartikel mit speziellem magnetischen Verhalten, deren Oberfläche gezielt so angepasst wurde, dass sie unterschiedliche PFAS binden können. Gekoppelt an die Eisenoxid-, also Rost-Partikel, können die PFAS einfach mit einem Magneten aus dem Wasser entfernt werden. Dabei verfolgen die Wissenschaftler/-innen einen breiten Ansatz: Statt sich auf einzelne PFAS-Verbindungen zu konzentrieren, wollten sie eine variable Lösung schaffen, die möglichst viele Materialien dieser vielfältigen Stoffklasse erfassen kann, also magnetische Nanopartikel, die sich gezielt an unterschiedliche Anforderungen der Wasseraufbereitung anpassen können.

Schwerpunkt allgemeiner Mikroplastik

Die neue Studie von Haliks Team erweitert die Einsatzmöglichkeiten der magnetischen Wasserreinigung um eine weitere hochrelevante Schadstoffklasse. Die Wissenschaftler/-innen konnten erstmals zeigen, dass sich das zugrunde liegende Prinzip nicht nur für einzelne PFAS-Moleküle, sondern auch für fluorhaltiges Mikroplastik anwenden lässt. Fluorhaltiges Mikroplastik entsteht zum Beispiel als Abrieb beim Waschen von Funktionskleidung oder ist in Kosmetika enthalten.

Der entscheidende Vorteil der Technologie liegt in der maßgeschneiderten Oberflächenchemie der Partikel. Je nach Funktionalisierung besitzen die Eisenoxidpartikel unterschiedliche Eigenschaften: Das in der Studie eingesetzte Material entfernt ein breites Spektrum an PFAS auch zuverlässig aus Wasserproben, die mit vielfältigen Stoffen und Organismen verunreinigt sind – wie Waschlauge oder Flusswasser. Andere Eisenoxid-Nanopartikel, mit denen Haliks Team arbeitete, lassen sich nach der magnetischen Separation regenerieren und mehrfach wiederverwenden. Zudem sind die Eisenoxid Partikel technisch skalierbar und nicht toxisch.

„Unsere Technologie spannt so den Bogen von molekularen Schadstoffen bis hin zu mikroskopischen Partikeln und unterstreicht das Potenzial funktionalisierter Eisenoxid-Nanopartikel als vielseitige und nachhaltige Plattform für die Wasseraufbereitung – inklusive komplex belasteter Wasserproben“, erklärt Professor Halik.

 

Praxisbedingungen zeigen Erfolg

Besonders wichtig war den Forschenden der Nachweis, dass das Verfahren auch außerhalb des Labors funktioniert. Deshalb testete das Team die Technologie an einer real belasteten Trinkwasserquelle, an Flusswasser, an Waschwässern aus der Bodensanierung sowie an Waschwasser von Outdoor-Textilien. Dabei gelang es, die PFAS-Konzentrationen aus einer kontaminierten Trinkwasserquelle um 87 Prozent zu reduzieren und den neuen in Deutschland geltenden Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter zu unterschreiten. Darüber hinaus konnten auch fluorhaltige Mikroplastik erfolgreich magnetisch aus dem Wasser entfernt werden.


Originalpublikation
Johannes Voß, Linda Rockmann, Victoria Meyer, Harald Unterweger, Dominik Bröse, Lukas Heinen, Lukas Müller, Henrik Gaß, René Stein, Laura Sophie Dreyer, Julia Fröhlich, Cristina Velasco-Schön, Christoph Alexiou, Holger Knapp, Marcus Halik,
The magnetic removal of PFAS from water − from molecules to microplastics, Materials Today,Volume 99,2026. https://doi.org/10.1016/j.mattod.2026.103471

Wissenschaftliche Ansprechpartner
Prof. Dr. Marcus Halik
marcus.halik@fau.de


Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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OOWV meistert SAP-Migration

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat einen wichtigen Meilenstein seiner Digitalisierungsstrategie erreicht: Die Migration auf SAP S/4HANA wurde erfolgreich abgeschlossen. Seit Ende Mai arbeiten die Mitarbeitenden des OOWV in den migrierten Systemen SAP S/4HANA Core und IS-U. Anfang Juli konnte zudem die sogenannte Hypercare-Phase, die intensive Betreuungsphase nach der Systemumstellung, planmäßig beendet werden.

„Mit der Umstellung auf SAP S/4HANA haben wir einen wichtigen und dringlichen Schritt in der digitalen Weiterentwicklung des OOWV vollzogen“, sagt Robert Pöhlmann, der die Einführung als Programmleiter mitgestaltete.

Als Partner wählte der Verband mit koenig.solutions ein auf kommunale Unternehmen spezialisiertes Beratungshaus. Intern waren bis zu 60 Mitarbeitende intensiv beteiligt.

Digitalisierung mit ins Team bringen

Der OOWV setzte das Vorhaben agil in Sprints nach der für den Verband maßgeschneiderten Methode SAP Activate um. Fachbereiche und Beratungshaus arbeiteten in gemeinsamen Streams zusammen, geführt von Stream-Leads. Dieses Vorgehen brachte internes Fachwissen und externe Beratung eng zusammen. Wohl wissend, dass Berechtigungen immer ein herausforderndes Gebiet sind, wurde auf das Berechtigungskonzept besonderer Fokus gelegt. Indem sie an Stellenprofile geknüpft wurden, blieben sie handhabbar. Das Resultat: Fast keine Berechtigungsprobleme nach dem Go-Live.

„Technisch war die Umstellung anspruchsvoll, folgte im Kern aber einem etablierten Standard”, sagt Core-Projektleiter Rainer Kruse. „Die eigentliche Aufgabe lag darin, die Belegschaft mitzunehmen und den Umgang mit der neuen Benutzeroberfläche SAP Fiori im Haus aufzubauen“, ergänzt IS-U-Projektleiter Timo Peters.

Mit Know-How ans neue System

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war das umfassende Schulungskonzept. Jeder beim OOWV konnte eine für seine Tätigkeit angepasste Schulungsmaßnahme besuchen – der Mitarbeiter im Kundenservice genauso wie die Führungskraft oder der Techniker in den Betriebsstellen. Wie umfangreich so eine Migration ist, zeigt die Anzahl der Testfälle: Rund 1.500 Stück durchlief das System vor dem Go-Live. Aber der Aufwand hat sich gelohnt: Bei der Umstellung trat nur ein einziger Fehler auf. In der Hypercare-Phase gingen lediglich 170 Tickets ein – kein einziges davon kritisch.

Das neue System eröffnet dem OOWV nun weitere Optimierungsmöglichkeiten, die in einer zweiten Welle des Programms angegangen werden. Dazu zählen unter anderem erweiterte Reporting-Funktionen mit der SAP Analytics Cloud, neue Fiori-Apps, zusätzliche Automatisierung und verbesserte Benutzeroberflächen.


Quelle: Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband

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121 Millionen SEK: Sweco übernimmt Hochwasserschutz-Planung in Polen

Das Projekt ist Teil der polnischen Initiativen im Rahmen der EU-Hochwasserrichtlinie zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Hochwasserereignissen. Sweco wird ein Konsortium leiten, das für die Aktualisierung der Pläne für sechs Flussgebietseinheiten in Polen zuständig ist, darunter die Einzugsgebiete von Weichsel und Oder.

„Diese Überprüfung und Aktualisierung der polnischen Hochwasserrisikomanagementpläne ist ein Schlüsselelement des sechsjährigen Planungszyklus im Rahmen der EU-Hochwasserrichtlinie. Durch die Bündelung von Fachwissen in den Bereichen Wasserwirtschaft, Umwelt- und Raumanalyse, wirtschaftliche Bewertung sowie Einbindung von Interessengruppen wird Sweco ‚Polish Waters‘ dabei unterstützen, die Widerstandsfähigkeit Polens gegenüber künftigen klimabedingten Hochwasserereignissen zu stärken“, sagt Maciej Chrzanowski, Präsident von Sweco in Polen.

Sweco kann auf eine langjährige Zusammenarbeit mit „Polish Waters“ (Państwowe Gospodarstwo Wodne Wody Polskie) zurückblicken, vor allem in den Bereichen Hochwasserrisikominderung, Stauseeplanung sowie Klimaanpassung und Wasserinfrastruktur.

Die neue Vereinbarung spiegelt den wachsenden Fokus auf Klimaresilienz in ganz Europa wider. Sie steht im Einklang mit Swecos jüngstem Bericht „Too much, too little, too polluted“, der sich auf europäische Daten und Swecos Fachwissen im Wassersektor aus verschiedenen Märkten stützt.


Quelle: Sweco

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Für die Tonne: 20 Meter Tiefe Regentonne als neue Reserve für Berlins Starkregen

Mitten in Berlin entsteht ein Bauwerk, das in seiner Dimension kaum jemand sehen wird – dessen Wirkung jedoch Millionen Menschen zugutekommen soll. Direkt neben dem Bundesnachrichtendienst an der Chausseestraße bauen die Berliner Wasserbetriebe einen unterirdischen Regenwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von 16.750 Kubikmetern. Das entspricht dem Inhalt von sechs Olympiaschwimmbecken.

Rund 20 Meter unter der Erdoberfläche wächst damit eine der größten Anlagen ihrer Art in der Hauptstadt. Ende 2026 soll der Speicher in Betrieb gehen und künftig eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von Starkregenereignissen übernehmen. Denn wenn innerhalb kurzer Zeit mehr Niederschlag fällt, als Kanalisation und Klärwerke aufnehmen können, drohen Mischwasserentlastungen in die Gewässer.

Der Aufsichtsrat der Berliner Wasserbetriebe besichtigt das Regenüberlaufbecken

Puffer für extreme Niederschläge

Der neue Speicher dient als unterirdische Reserve für genau solche Situationen. Bei Starkregen wird das mit Regen vermischte Abwasser zunächst zwischengespeichert, anstatt direkt in die Spree zu gelangen. Erst nach dem Niederschlagsereignis wird das Wasser kontrolliert in Richtung Klärwerk abgeführt und dort gereinigt.

Besonders bemerkenswert: Der Speicher kann innerhalb von nur 30 Minuten vollständig gefüllt werden. Damit schafft die Anlage zusätzlichen Raum im Kanalsystem und entlastet die bestehende Infrastruktur in einem dicht bebauten Innenstadtbereich.

Mit verbesserter Infrastruktur Richtung Schwammstadt

Der Bau ist Teil einer langfristigen Strategie zur Anpassung Berlins an die Folgen des Klimawandels. Häufigere Starkregenereignisse stellen viele Städte vor die Herausforderung, große Wassermengen kurzfristig aufzunehmen und gleichzeitig Gewässer vor Verschmutzungen zu schützen.

Ähnlich wie der bereits realisierte Speicher unter dem Mauerpark soll die neue Anlage dazu beitragen, die Kanalisation widerstandsfähiger zu machen und die Wasserqualität der Spree zu verbessern. Die größte „Regentonne“ Berlins zeigt damit, wie moderne Wasserinfrastruktur zunehmend unsichtbar im Untergrund entsteht – und dort eine entscheidende Funktion für den Schutz der Stadt übernimmt.

Hier geben die Berliner Wasserbetriebe einen Einblick über den Bauprozess der Regentonne.


Quelle: Berliner Morgenpost

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Natürliche Senken als Wasserspeicher für Brandenburg

Brandenburg gehört zu den trockenen Regionen Deutschlands. Längere Dürrezeiten und starke Regenfälle erschweren es, Wasser gleichmäßig über das Jahr verfügbar zu halten. Viele Landschaften in Nordostdeutschland wurden in der Vergangenheit durch Gräben und Drainagen so verändert, dass Wasser schnell abfließt. Das hilft zwar oft bei der Nutzung von Feldern, kann aber in trockenen Jahren zum Problem werden.

Die Forschenden untersuchten deshalb eine Methode, die auf Deutsch etwa „gesteuerte Grundwasseranreicherung“ heißt. Gemeint ist: Wasser, das in feuchten Zeiten in einem Fließgewässer zeitweise zusätzlich vorhanden ist, wird nicht sofort weitergeleitet, sondern in geeignete flache Senken gelenkt. Dort versickert es langsam – ähnlich wie Regenwasser in einem Gartenboden, nur gezielt geplant und kontrolliert.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass kleine natürliche Senken in der Landschaft helfen können, Wasser länger in der Region zu halten. Das ist besonders wichtig, wenn trockene Jahre häufiger werden“, sagt Jan Stautzebach, Erstautor der Studie und Forscher am ZALF.

Auswirkungen auf das Bachsystem

Darstellung der im Untersuchungsgebiet relevanten Formen der Managed Aquifer Recharge (MAR) (Quelle: Jan Stautzebach)

Für die Studie nutzte das Team ein Modell, das sowohl Oberflächenwasser als auch Grundwasser gemeinsam abbildet. Das ist wichtig, weil Bach und Grundwasser wie zwei verbundene Teile eines Systems funktionieren: sinkt das Grundwasser, kann ein Bach weniger Wasser bekommen. Steigt es, kann der Abfluss des Bachs in trockenen Zeiten gestützt werden.

Die Forschenden betrachteten ein rund 4,5 Quadratkilometer großes Gebiet im Einzugsgebiet des Demnitzer Mühlenfließes. In dem Gebiet liegen Wald, Acker- und Grünlandflächen. Für die Berechnungen nutzte das Team Wetter- und Landschaftsdaten für den Zeitraum 1991 bis 2020. In verschiedenen Szenarien wurde geprüft, wie viel Wasser aus dem Bach in naheliegende, zur Versickerung geeignete Senken geleitet werden könnte und wie Boden, Grundwasser und Bach darauf reagieren.

Das Neue an der Studie ist, dass nicht nur berechnet wurde, ob Wasser im Boden versickert. Das Team untersuchte auch, wie sich dieses Wasser später wieder auf verbundene Bäche auswirkt. Dabei zeigte sich: Das zusätzliche Wasser bewegt sich langsam durch den Untergrund und kann auch über mehrere hundert Meter hinweg Wirkung zeigen. In den Berechnungen reichte der Einfluss auf den Grundwasserspiegel über mehr als 900 Meter.

Standortwahl entscheidet über Erfolg

Die Ergebnisse zeigen, dass die Methode vor allem dann sinnvoll sein kann, wenn sie dezentral eingesetzt wird: also nicht mit großen Staumauern oder starken Pumpen, sondern mit vielen kleineren Stellen, an denen Wasser versickern kann. Die Forschenden schreiben, dass große Anlagen mit hohem Energiebedarf für diese Region eher nicht geeignet wären, weil in längeren Trockenzeiten wahrscheinlich nicht genug überschüssiges Wasser vorhanden ist.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass die Methode sorgfältig geplant werden muss. Wird zu viel Wasser eingeleitet, können tiefer liegende Flächen überflutet werden. Das kann in Mooren oder Feuchtgebieten erwünscht sein, in der Nähe von Gebäuden oder empfindlichen Nutzflächen aber Probleme verursachen. Auch Pflanzen können geschädigt werden, wenn ihre Wurzeln zu lange im nassen Boden stehen.

Die Ergebnisse beruhen auf Modellrechnungen. Sie zeigen also, was unter den gewählten Annahmen möglich wäre. Für eine Anwendung in der Praxis müssten konkrete Standorte vor Ort geprüft werden: Wie gut versickert das Wasser? Welche Flächen könnten betroffen sein? Welche Leitungen oder Gräben wären nötig? Wer betreibt und bezahlt die Anlagen? Der Artikel nennt hierzu noch keine konkreten Kosten. Mit dem neuen Wissen könnten Behörden, Wasserverbände und Landnutzende künftig besser einschätzen, wo Wasser in der Landschaft zurückgehalten werden kann. Ein nächster Schritt wäre, solche Standorte genauer zu untersuchen und kleinere Praxisversuche zu planen. Dabei müsste auch geprüft werden, wie viel Wasser einem Bach entnommen werden darf, ohne Tiere, Pflanzen und andere Nutzungen zu beeinträchtigen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Jan Stautzebach
Programmbereich 2 „Landnutzung und Governance“
jan.stautzebach@zalf.de


Originalpublikation
Stautzebach, J., Steidl, J., Merz, C. (2026): Quantifying the effect of managed aquifer recharge on the hydrologic resilience of coupled surface-groundwater systems in northeast Germany. Journal of Hydrology: Regional Studies 66, 103533. https://doi.org/10.1016/j.ejrh.2026.103533, veröffentlicht Open Access / veröffentlicht unter der Lizenz CC BY 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/


Quelle: Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

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Mehr Leistung aus Wasserkraft: Avacon Natur eröffnet modernisierte Anlage an der Rappbodetalsperre

An der Veranstaltung nahm unter anderem Sachsen-Anhalts Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt, Prof. Dr. Armin Willingmann, teil. Er würdigte das Projekt in seinem Grußwort und informierte sich bei einem Rundgang über die technische

Rappbodetalsperre (Quelle: Marc Stantien, Avacon)

Umsetzung der Modernisierung.

Die Rappbodetalsperre ist Deutschlands höchste Trinkwassertalsperre und erfüllt seit Jahrzehnten zentrale Aufgaben für die Region – von der Trinkwasserversorgung über den Hochwasserschutz bis hin zur Wasserbewirtschaftung. Mit der Modernisierung und Erweiterung des Wasserkraftwerks wurde die bestehende Infrastruktur gezielt weiterentwickelt, um zusätzliche Potenziale für die erneuerbare Energieerzeugung zu erschließen.

Im Zuge der Maßnahme wurden neben der Installation einer zweiten Turbine auch die Steuerungs- und Netztechnik umfassend erneuert. Teile der bestehenden Anlagen waren seit mehr als sechs Jahrzehnten in Betrieb. Darüber hinaus erfolgten Modernisierungen an der Netzinfrastruktur sowie langfristigen Sicherung der Bauwerksstruktur. Nach dem Baustart Anfang 2025 konnte die technische Inbetriebnahme bereits im März 2026 erfolgen.

Mit Modernisierung zur Energiewende

Mit einer jährlichen Stromerzeugung von rund 9,6 Gigawattstunden kann das Wasserkraftwerk künftig rechnerisch etwa 2.700 Haushalte mit erneuerbarem Strom versorgen. Die Investitionssumme für das Projekt beträgt rund drei Millionen Euro.

„Die Modernisierung zeigt, welches Potenzial in bestehender Infrastruktur steckt. Für die Energiewende bedeutet das: Wir bauen nicht nur neu, sondern nutzen vorhandene Systeme intelligenter. Projekte wie an der Rappbodetalsperre leisten genau diesen Beitrag; sie verbinden Versorgungssicherheit, Ressourceneffizienz und erneuerbare Erzeugung und machen die Energiewende im System wirksam“, sagte Rainer Schmittdiel, Technikvorstand der Avacon AG.

Angela Kröger, Geschäftsführerin der Avacon Natur GmbH, betonte die besondere Bedeutung des Standorts: „Die Rappbodetalsperre gilt als Jahrhundertprojekt der Wasserwirtschaft und ist ein zentraler Baustein der Trinkwasserversorgung in Sachsen-Anhalt. Mit dem Einbau der zweiten Turbine haben wir die bestehende Infrastruktur gezielt weiterentwickelt und die energetische Nutzung des vorhandenen Wasserdrucks deutlich gesteigert. Das Ergebnis zeigt, wie sich wasserwirtschaftliche Aufgaben und erneuerbare Stromerzeugung effizient und nachhaltig miteinander verbinden lassen. “

Das Wasserkraftwerk wird von Avacon Natur in Zusammenarbeit mit den langjährigen Partnern Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt (TSB) und Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz (FEO) betrieben. Die erfolgreiche Umsetzung der Modernisierung unterstreicht die Bedeutung dieses Engagements. Gemeinsam leisten die Partner einen Beitrag dazu, vorhandene Infrastruktur zukunftsfähig weiterzuentwickeln und die Energiewende in Sachsen-Anhalt praktisch weiter voranzubringen.


Quelle: Avacon

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Blütenpracht in Szene gesetzt: Hochdruckpumpe schafft Bühne beim Kirschblütenfest

Die Veranstaltung fand im Mai auf Einladung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zu Hamburg im Rahmen des 58. Kirschblütenfestes am Parksee in Planten un Blomen statt. Sie verband die Live-Kalligrafie der japanischen Meisterin Koho Kurihara mit einer Licht-, Klang- und Wasserprojektion des Künstlerduos cc2.Die Projektion erfolgte auf eine künstlich erzeugte Wasserwand, die mithilfe einer leistungsstarken Tsurumi-Pumpe erzeugt wurde. Ein Prellschild verteilte das Wasser bis in eine Höhe von acht Metern und formte daraus eine dünne, gleichmäßige Wasserfläche. Ein 20.000 ANSI-Lumen starker Laserprojektor der rebeam GmbH übertrug die Bildinhalte als Rückprojektion auf die Wasserwand. Die Ansteuerung erfolgte über eine Richtfunkstrecke, um eine flexible und zuverlässige Signalübertragung zu gewährleisten. Ergänzt wurde die audiovisuelle Inszenierung durch die Übertragung der Atem- und Körperbewegungen von Koho Kurihara mittels Mikrofontechnik. So wurden die Entstehung der Kalligrafie und die körperliche Präsenz der Künstlerin nicht nur sichtbar, sondern auch akustisch erfahrbar.

Pumpe sorgt für Wasserzauber

Eindrucksvolle Wasserbühne für das Kirschblütenfest. (Quelle: cc2)

„Bei Veranstaltungen dieser Art kommt es auf absolute Betriebssicherheit an. Die Zuschauer sahen die Kunst, wir sorgten dafür, dass die Wassertechnik als zentrales Element zuverlässig funktionierte“, sagte Sven Klauss vom Tsurumi-Vertrieb in Düsseldorf.

Zum Einsatz kam eine Hochdruckpumpe der Baureihe LH-W, die normalerweise für anspruchsvolle Entwässerungsaufgaben auf Baustellen oder im Bergbau verwendet wird. Die Baureihe verfügt über ein zweistufiges Laufradsystem und erreicht Förderhöhen von bis zu 216 Metern. Für die Wasserleinwand ist eine definierte Wassermenge erforderlich, die mit konstantem Druck kontinuierlich bereitgestellt werden muss. Bereits geringe Schwankungen können die Qualität der Projektionsfläche beeinträchtigen. Mit einer Motorleistung von 11 kW, einem 3-Zoll-Druckanschluss und einer robusten Bauweise erfüllte die eingesetzte LH311W diese Anforderungen. Die Pumpe ist für den Dauerbetrieb unter anspruchsvollen Bedingungen ausgelegt. Verschleißfeste Komponenten, eine doppelte Gleitringdichtung sowie weitere Schutzsysteme gewährleisten ein hohes Maß an Betriebssicherheit. Als japanischer Hersteller sieht Tsurumi sein Engagement zugleich als Beitrag zum kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Japan.

„Es freut uns besonders, dass unsere Technik dazu beitragen konnte, eine künstlerische Brücke zwischen Tradition und moderner Medienkunst zu schlagen“, so Klauss.

Die Resonanz auf die Veranstaltung fiel positiv aus. Nach Angaben der Veranstalter verfolgten rund 5.000 Besucher die Aufführung, womit ein neuer Besucherrekord erreicht worden sei.


Quelle: Tsurumi (Europe) GmbH

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Rettungsplan für Europas Seegraswiesen

Seegraswiesen gehören zu den wertvollsten Lebensräumen Europas. Sie filtern das Meerwasser, speichern Kohlenstoff, bieten zahlreichen Tierarten Schutz und Nahrung und dämpfen die Kraft von Wellen an den Küsten. Dennoch sind Seegraswiesen in vielen europäischen Regionen in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Steigende Wassertemperaturen, Algenwachstum, Küstenbebauung und intensive Nutzung setzen den Unterwasserwiesen zu.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die European Seagrass Restoration Alliance (ESRA) nun erstmals europaweite Empfehlungen für den Schutz, die Wiederansiedlung und das Management von Seegraswiesen veröffentlicht. Die „European Seagrass Recommendations 2026“ wurden von mehr als 50 Forschenden aus 17 Ländern gemeinsam erarbeitet. Sie bilden den ersten europaweiten wissenschaftlichen Konsens darüber, wie Seegraswiesen künftig geschützt, überwacht und wiederhergestellt werden können.

„Wir verfügen über die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Werkzeuge, um das Blatt zu wenden“, sagt Dr. Esther Thomsen, Meeresbiologin am GEOMAR, die an der Ausarbeitung der Empfehlungen beteiligt war.Ihre Kollegin Dr. Maike Paul vom Ludwig-Franzius-Institut der Leibniz Universität Hannover ergänzt: „Um Seegraswiesen erfolgreich zu schützen und wiederherzustellen, braucht es den politischen Willen und entsprechende Rahmenbedingungen. Die Empfehlungen bieten hierfür einen klaren, evidenzbasierten Fahrplan.“ Sie können dazu beitragen, die Umsetzung der EU Wiederherstellungsverordnung zu erleichtern, sind aber gleichermaßen auf Nicht-Mitgliedstaaten anwendbar.

Ganzheitliche Maßnahmen

Die Empfehlungen decken den gesamten Prozess der Wiederherstellung von Seegraswiesen ab. Dazu gehören der Schutz bestehender Bestände, die Verringerung menschlicher Belastungen, großflächige Wiederansiedlungsmaßnahmen, langfristige Überwachung sowie der Aufbau nachhaltiger Quellen für Pflanzmaterial. Darüber hinaus fordern die Autor:innen eine bessere Verzahnung von Umweltpolitik und praktischer Umsetzung, vereinfachte Genehmigungsverfahren und eine langfristige Finanzierung. Auch die Einbindung lokaler Gemeinschaften, transparente Datennutzung und gemeinsame ethische Standards spielen eine wichtige Rolle.

Von Frankreich bis in die Niederlande

Die Empfehlungen wurden im Anschluss an den zweiten European Seagrass Restoration Workshop im April 2025 in Frankreich entwickelt und bei einem Autor:innentreffen im Februar 2026 in den Niederlanden fertiggestellt. Sie stehen im Einklang mit der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen und dem Globalen Rahmenwerk für Biodiversität von Kunming-Montreal. Prof. Dr. Thorsten Reusch vom GEOMAR begleitete den Prozess als wissenschaftlicher Gutachter.

Wie wichtig die europäische Vernetzung beim Thema Seegraswiesen ist, betont Esther Thomsen: „Alleine können wir nur kleine Schritte gehen, aber gemeinsam können wir so viel mehr bewirken!“

Die ESRA fördert dafür die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg und hilft, Forschung und Politik besser miteinander ins Gespräch zu bringen. Die jetzt gemeinsam formulierten Empfehlungen stärken das wachsende Bewusstsein und unterstützen die Akteure dabei, Seegraswiesen effektiv und verantwortungsvoll wiederherzustellen.

European Seagrass Restoration Alliance (ESRA)

Die European Seagrass Restoration Alliance (ESRA) ist eine Kooperationsplattform, die eine Brücke zwischen Forschung und groß angelegter Renaturierungspraxis schlägt. Die ESRA bietet der europäischen Gemeinschaft für Seegrasrenaturierung eine Plattform für die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch.

Originalpublikation:
Govers, L., Fauvel, T., Mayot, N., Lilley, S. J., & Lilley, R. (2026). European Seagrass Recommendations 2026 – On the future of seagrass restoration in Europe (Version 2026). Zenodo.
https://doi.org/10.5281/zenodo.20055164

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Interaktive Storymap macht Veränderungen an den Ahr-Gewässern sichtbar

Als Vorbereitung für Nährstoffmessungen, werden die Wasserproben direkt am Gewässer filtriert und für den Transport abgefüllt. (Quelle: Sumita Thapa)

Das MonAHR-Projekt ist eine Forschungskooperation des Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier, der Universität Koblenz und der Hochschule Koblenz. Finanziert und unterstützt wird es durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz, den Landkreis Ahrweiler und die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Nach dem extremen Hochwasser 2021 an der Ahr sind umfangreiche Maßnahmen zum Wieder- und Neuaufbau der Infrastruktur erforderlich. In diesem Zusammenhang werden auch Maßnahmen zur Gewässerwiederherstellung durchgeführt. Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts steht die Frage, wie sich die ökologischen Prozesse und der Zustand der Ahr aus wissenschaftlicher Sicht entwickeln.

Interaktive Einblicke ins Ahrtal

Die nun veröffentlichte ArcGIS StoryMaps erklärt das Forschungsvorhaben und angewandte Methoden. Besonders hervorzuheben sind interaktive Karten, die Veränderungen in der Region vor und nach der Flut auf Luftbildern sichtbar machen. Nutzer*innen können so die dynamischen Entwicklungen im Ahrtal unmittelbar nachvollziehen. Darüber hinaus veranschaulicht die ArcGIS StoryMaps die wissenschaftlichen Methoden des Projekts und stellt die verwendeten Messgeräte vor. Aussagekräftige Bilder und begleitende Texte zeigen, wie Daten erhoben werden und welche Technologien dabei zum Einsatz kommen.

Mit der Veröffentlichung der ArcGIS StoryMaps schafft das MonAHR-Projekt einen offenen Zugang zu seiner Forschungsarbeit und stärkt den Wissenstransfer in die Öffentlichkeit. Perspektivisch wird die Plattform kontinuierlich erweitert: Zukünftig sollen hier auch aktuelle Forschungsergebnisse veröffentlicht und geteilt werden.

Ziele des MonAHR-Projekts

Mit Fokus auf den am stärksten betroffenen Mittel- und Unterlauf der Ahr wird das bereits existierende behördliche Monitoringnetz von den wissenschaftlichen Partner*innen ergänzt. Laufend werden Daten zur Entwicklung der Gewässerstrukturen, physikalisch-chemischen Wasserqualität und Entwicklung der Artgemeinschaften erhoben. Dadurch wird die Entwicklung der Ahr während der Umsetzung der Wiederherstellungsmaßnahmen wissenschaftlich begleitet.

Das Ziel von MonAHR ist ein genaues Verständnis der Entwicklung des Lebensraums Ahr mit seinen Strukturen, Prozessen und Artgemeinschaften sowie der sich daraus ergebenden Ökosystemleistungen und des ökologischen Bewertungszustands. Ein solches Verständnis ist notwendig, um Handlungsalternativen bei Neubau- und Wiederherstellungsmaßnahmen bewerten und Prognosen zu zukünftigen Entwicklungen an der Ahr geben zu können.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stefan Stoll
s.stoll@umwelt-campus.de


Quelle: Hochschule Trier

 

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Blau und sehr klein: neuer Oktopus auf 1800m Tiefe entdeckt

Erstmals entdeckt wurde das Tier 2015 während einer Expedition mit der E/V Nautilus, durchgeführt in Zusammenarbeit mit der Charles Darwin Foundation und der Galápagos-Nationalparkverwaltung. Mithilfe eines ferngesteuerten Unterwasserroboters untersuchte das Team den Meeresboden nahe Darwin Island. In 1.773 Metern Tiefe stieß die Kamera auf den kleinen Oktopus.

„Er ist winzig!“ – „Er ist blau!“

So reagierten die Forschenden laut Tonaufnahmen der Expedition auf den Fund. Das Tier, etwa so groß wie ein Golfball, wurde geborgen und später an der Charles-Darwin-Forschungsstation untersucht. Da unklar war, welcher Art es angehörte, wandten sich die Forschenden an die Oktopus-Expertin Janet Voight vom Field Museum in Chicago.

„Ich wusste sofort, dass es etwas ganz Besonderes war“, sagt Voight, Hauptautorin der Studie, in der die neue Art beschrieben wird. „So etwas hatte ich noch nie gesehen.“

Untersuchung ohne Beschädigung

Ventrale Betrachtung des kleinen Oktopus. (Quelle: © Charles Darwin Foundation)

Forschungsteam der Forschungsstation auf den Galápagos-Inseln konservierte den Körper des Oktopus in Alkohol und Formalin und schickte das Exemplar von den Galápagos-Inseln nach Chicago, damit Voight es im Field Museum untersuchen konnte. Der kleine Oktopus war in der Tat ein Unikat, was für die wissenschaftliche Forschung eine Herausforderung darstellte. Und weil nur ein einziges Exemplar vorlag, wollte das Forschungsteam den seltenen Fund nicht für Untersuchungen beschädigen. Stattdessen nutzten die Wissenschaftler CT-Scans, um die inneren Strukturen sichtbar zu machen. So konnten wichtige anatomische Merkmale untersucht werden, ohne das Tier aufzuschneiden.

„Wenn man eine neue Tintenfischart beschreibt, muss man alle Teile betrachten, einschließlich des Mauls, des Schnabels und der Zähne. Und um diese Dinge zu sehen, muss man das Exemplar aufschneiden. Wir hatten nur dieses eine Exemplar, also wollte ich es nicht auseinandernehmen“, sagt Voight.

Die neue Art trägt den Namen Microeledone galapagensis. Der kleine, gedrungene Tiefsee-Oktopus besitzt kurze Arme mit wenigen Saugnäpfen und weist mehrere ungewöhnliche Merkmale auf. Besonders auffällig sind seine nahezu pigmentfreie Oberseite, die dichte Färbung der inneren Mantelmuskulatur sowie anatomische Besonderheiten, die ihn von verwandten Arten unterscheiden.

Warum der Fund biologisch bedeutsam ist

Die Entdeckung ist auch wissenschaftlich relevant: Bislang galt die Familie der Megaleledonidae als ausschließlich großwüchsig und im Südlichen Ozean beheimatet. Der Fund vor den Galápagos-Inseln stellt diese Einordnung nun infrage und könnte zu einer Neubewertung der gesamten Tiergruppe führen. Die Forschenden vermuten zudem, dass die kurzen Arme und die geringe Zahl an Saugnäpfen evolutionäre Anpassungen darstellen könnten, die mehr Energie für die Fortpflanzung verfügbar machen.

Tiefsee der Galápagos bleibt voller Rätsel

Die Entdeckung zeigt, wie wenig die Tiefsee und damit die Tintenfischfauna rund um die Galápagos-Inseln bisher erforscht ist. Jede neue Art liefert wichtige Hinweise auf verborgene Ökosysteme – und darauf, warum ihr Schutz so entscheidend ist.

Entdeckungen wie diese zeigen, wie wichtig das Zusammenspiel von Wissenschaft und Naturschutz ist, um die Ozeane besser zu verstehen und Schutzgebiete wirksam zu verwalten“, sagt Lorena Sánchez, Direktorin des Galápagos-Nationalparks. „Jede neue Studie hilft, die marine Biodiversität besser zu verstehen – und unterstreicht, wie wichtig der Schutz dieser einzigartigen Ökosysteme für künftige Generationen ist.“

Die Forschungsergebnisse sind auf der Webseite der Fachzeitschrift Zootaxa als Open Access Paper zugänglich.


Quelle: Charles Darwin Foundation

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Seltener Gast an der Lippe: Fischotter nach Jahrzehnten wieder nachgewiesen

Passend zum „Tag der Artenvielfalt“ an diesem Freitag, 22. Mai, kann der Lippeverband eine besonders erfreuliche Nachricht verkünden: Der vom Aussterben bedrohte Fischotter ist an die Lippe zurückgekehrt. Erste Hinweise auf die Rückkehr des Tieres gab es bereits vor einigen Jahren, als der scheue „Wassermader“ an der Lippe zufällig beobachtet wurde. Seitdem wird er von Wissenschaftler*innen regelmäßig über Spurensuche nachgewiesen. Die Ansiedlung des Fischotters wertet der Lippeverband daher als Beleg für das Gelingen der Flussrenaturierung. Wie erfolgreich diese war, wird im Juli beim „Tag der lebendigen Lippe“ untersucht – wobei auch interessierte Bürgerinnen dann selbst mitforschen können.

„Auch wenn sich der Otter bisher noch nicht überall entlang der Lippe etabliert hat, zeigt die Entwicklung deutlich, dass die neu geschaffenen Lebensräume zunehmend angenommen werden. Fischotter brauchen saubere Gewässer, ruhige Ufer und genug Nahrung, weshalb ihr Vorkommen als Indikator für eine gute Gewässerqualität und intakte Ökosysteme gilt“, sagt Gunnar Jacobs, Mitarbeiter beim Lippeverband und Experte für Artenvielfalt.

Renaturierung als Schlüssel

Der Wasserwirtschaftsverband hat in der Vergangenheit zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um das Fluss-System wieder naturnaher zu gestalten: So wurde im Verbandsgebiet die Reinigungsleistung der Klär- und Regenwasserbehandlungsanlagen optimiert und zugleich umfassende Renaturierungsmaßnahmen entlang der Lippe durchgeführt. Dabei wurden Uferbereiche naturnah umgestaltet, befestigte Abschnitte des Flusses wieder geöffnet und außerdem die ökologische Durchgängigkeit des Fluss-Systems verbessert.

Der eurasische Fischotter (Lutra lutra) ist ein semiaquatischer Säuger aus der Familie der Marder (Mustelidae). Er steht in Deutschland nach Bundesnaturschutzgesetz unter strengem Schutz und galt dennoch in Nordrhein-Westfalen jahrzehntelang als ausgestorben. Denn vor allem die starke Flussverschmutzung sowie der Gewässerausbau im Zuge der Industrialisierung hatten seine Lebensbedingungen erheblich verschlechtert.

Die Rückkehr des Fischotters zeigt nun: Die Maßnahmen des Lippeverbandes zum Schutz und zur Renaturierung der Lippe wirken. Denn nicht nur der Fischotter profitiert – auch zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten besiedeln inzwischen die neu geschaffenen Lebensräume. Als Spitzenprädator stärkt der Fischotter zudem das ökologische Gleichgewicht im Fluss. Da er vor allem alte, schwache und kranke Fische frisst, trägt er so aktiv zu gesunden Fischbeständen bei.

Mittendrin in der Forschung

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Wasserwirtschaftsverbandes laden der Lippeverband, der NABU NRW und die Landschaftsagentur Plus zum „Tag der lebendigen Lippe“ in Datteln ein. Erstmals im Lippe-Gebiet nehmen Forscher*innen am 11. und 12. Juli die Natur am Haus Vogelsang unter die Lupe. Über 24 Stunden werden Tier- und Pflanzenarten gesichtet und dokumentiert, um die Artenvielfalt zu analysieren.
Am 12. Juli von 11.00 bis 17.00 Uhr können auch Besucherinnen selbst forschen. Spannende Mitmach-Aktionen für Klein und Groß laden dazu ein, die Flusslandschaft zu erkunden – etwa beim Keschern, am Mikroskop oder beim Basteln von Saatkugeln. Darüber hinaus bieten Expertinnen Führungen an. Themen sind unter anderem die Umbaumaßnahmen an der Lippe sowie Amphibien und Vögel.


Quelle: Emschergenossenschaft / Lippeverband

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Neue Regeln für Phosphorrezyklate und Klärschlammaschen

Für aus Klärschlamm zurückgewonnenen Phosphor muss es eine klare Perspektive für eine wirtschaftliche Verwertung geben. Als Düngemittel geeignete Phosphorrezyklate müssen rechtssicher in der Landwirtschaft eingesetzt werden können. Für Klärschlammaschen ohne verfügbare Rückgewinnungsoptionen ist eine befristete, rechtssichere und praxistaugliche Übergangslösung erforderlich. Die Umweltminister der Länder und des Bundes haben auf der Umweltministerkonferenz (UMK) am 8. Mai in Leipzig wichtige Weichen für die Zukunft der Phosphorrückgewinnung gestellt. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) begrüßt den UMK-Beschluss ausdrücklich.

„2029 werden keine ausreichenden Kapazitäten zur Phosphorrückgewinnung zur Verfügung stehen. Der Beschluss der Umweltminister ist ein wichtiger Schritt, um die Umsetzung der Phosphorrückgewinnung realistisch, verlässlich und innovationssicher zu gestalten, wie es die DWA bereits vor einigen Wochen angeregt hat“, betont DWA-Präsident Prof. Uli Paetzel.

Übergangsphase braucht klare Regeln

Die Klärschlammverordnung (AbfKlärV) schreibt ab 2029 die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm vor. Betreiber größerer Kläranlagensind verpflichtet, den in Klärschlamm oder Klärschlammasche enthaltenen Phosphor technisch zurückzugewinnen oder entsprechende Recyclingwege zu nutzen. Bis 2029 werden hochwahrscheinlich keine ausreichenden technischen Kapazitäten für die flächendeckende Rückgewinnung aus Klärschlamm und Klärschlammaschen zur Verfügung stehen. Darauf weisen auch die Umweltminister im UMK-Beschluss „Phosphorrückgewinnung stärken – Düngemittelverordnung zügig anpassen, um die Phosphorrückgewinnung nach Klärschlammverordnung sicherzustellen“ ausdrücklich hin. Für die daraus resultierende Übergangsphase müssen klare und belastbare Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Entsorgungssicherheit gewährleisten und zugleich Investitionen in Monoverbrennungs- und Phosphorrückgewinnungskapazitäten schützen.

Rezyklate rechtssicher nutzbar machen

Besonders wichtig ist aus Sicht der DWA die Aufforderung an das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, kurzfristig eine rechtssichere und praxistaugliche Übergangslösung für Klärschlammaschen zu schaffen, für die noch keine verfügbare Rückgewinnungsoption besteht. Um die erforderliche Technologiereife und die großtechnische Umsetzung von Anlagen zur Phosphorrückgewinnung insbesondere auch für schadstoffbelastete Aschen zu erreichen, ist es erforderlich, ausgehend von dem in der AbfKlärV vorgesehenen „Start“ der Phosphorrückgewinnung in 2029, eine Übergangsphase vorzusehen, die eine ambitionierte Rückgewinnung mit der technischen Machbarkeit harmonisiert. Die DWA wird hierzu entsprechende Vorschläge in die weitere Diskussion einbringen.

Der UMK-Beschluss bestätigt zentrale Forderungen der DWA. Dazu gehört neben einer praxistauglichen Übergangslösung die zügige Anpassung der Düngemittelverordnung. Hochwertige Phosphorrezyklate und geeignete Klärschlammaschenströme brauchen verlässliche und praktikable rechtliche Rahmenbedingungen, damit sie tatsächlich in den Stoffkreislauf zurückgeführt und als Düngemittel nutzbar gemacht werden können.


Quelle: DWA

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