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Baulichen Krankenhausstruktur in Deutschland

04. November 2026 um 23:52
Baulichen Krankenhausstruktur in Deutschland

Baulichen Krankenhausstruktur in Deutschland

Um strategisch entscheiden zu können, wie die bauliche Struktur der deutschen Krankenhäuser entwickelt werden soll, ist ein Überblick über die aktuelle Struktur Voraussetzung. Im Rahmen des Verbundprojektes „HYBAU+“ (FKZ  10.08.18.7-14.04) konnte erstmals bundesweit der Zustand von baulichen Strukturen in deutschen Krankenhäusern mithilfe des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) abgefragt werden.

Bei der Befragung wurde der Ist-Zustand der baulichen Struktur der Krankenhäuser in Deutschland erfasst. Die Umfrage spannte hierbei einen Bogen von der Lage des Krankenhauses, ob städtisch oder ländlich, über die Kubatur  des Hauses, den geometrischen Aufbau der Funktionsbereiche bis hin zum Detail, wie z. B. die Ausstattung der Räume mit Händedesinfektionsmittelspendern. Die Umfrage erhob eine weite Bandbreite an Daten wie z. B. Baujahr des Krankenhauses, Zeiträume baulicher Veränderungen sowie bauliche Strukturen des Krankenhausgebäudes und selektiver Abteilungen. Weitere abgefragte Aspekte waren u. a. die Anzahl von Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern, die Zimmergröße und die Distanz vom Pflegestützpunkt zum entferntesten Patientenzimmer. Zur Abfrage der baulichen Strukturen entwickelte das Institut für konstruktives Entwerfen, Industriebau und Gesundheitsbau der TU Braunschweig Piktogramme, die in den Fragebogen integriert wurden.

 

Erkenntnisse

Methodischer Aufbau der Umfrage

Die Umfrage wurde als Online-Fragebogen an die für die KISS Erfassung zuständigen Mitarbeitende (meist Krankenhaushygieniker*innen und Hygienefachkräfte) geschickt. Die Befragung der an KISS  partizipierenden Krankenhäuser erfolgte von März bis Juni 2015. Die Einladung zur Teilnahme wurde an 1.357 der knapp 2.000 deutschen Krankenhäuser verschickt . Es konnten ein Fragebogen für das ganze Krankenhaus und je ein Kurzfragebogen für Intensivstationen und neonatologische Stationen beantwortet werden. 621 Krankenhäuser nahmen an der Umfrage teil. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 46 %. Der Fragebogen zu den Intensivstationen wurde von 534 Stationen aus 368 Krankenhäusern beantwortet. Von 246  kontaktierten neonatologischen Stationen? Oder Krankenhäusern mit neonatologischen Stationen?  gaben 127  Daten zu ihren baulichen Strukturen an.

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Bauliche Struktur von Intensivstationen in Deutschland

04. November 2026 um 23:43
Bauliche Struktur von Intensivstationen in Deutschland

Bauliche Struktur von Intensivstationen in Deutschland

Um strategisch entscheiden zu können, wie die bauliche Struktur der deutschen Intensivstationen entwickelt werden soll, ist eine Voraussetzung einen Überblick über die aktuelle Struktur zu erlangen. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Intensivstation der Zukunft“ (FKZ 10.08.18.7-20.07) wurde eine Erhebung des baulichen Zustandes von deutschen Intensivstationen durchgeführt. Die Abfrage erfolgte mithilfe des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ).

Methodischer Aufbau der Umfrage

Die Dauer der Umfrage betrug zehn Wochen von September bis November 2021. Die erhobenen Daten wurden deskriptiv ausgewertet. Von den 1508 angeschriebenen ITS-KISS Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 597 (39,5 %) an der Umfrage teilgenommen. Die teilnehmenden Stationen repräsentieren 2523 Einzel-, 2736 Mehrbettzimmer sowie 7115 Intensivbetten insgesamt.

Es wurden u.a. folgende Themen abgefragt:

  • Baujahr
  • Träger
  • Fachrichtung
  • Bettenanzahl
  • Versorgungslevel des Krankenhauses
  • Bettenanzahl im ganzen Krankenhaus

Erkenntnisse

Aus der Umfrage geht hervor, dass noch  ca. 65 % der Intensivbetten in Deutschland in Mehrbettzimmern verortet sind. Infektionsschützender sind jedoch Einbettzimmer. In Deutschland zeigt sich jedoch ein Trend zu mehr Einzelzimmern und mehr Isolationszimmern. Dieser Trend vollzieht sich allerdings sehr langsam. Parallel dazu steigt auch die Gesamtzahl an Zimmern auf Intensivstationen, der relative Anteil an Einzelzimmern bleibt deswegen stabil (ca. 50 %). Vor allem ITS in privaten Krankenhäusern und in solche mit niedrigerem Versorgungslevel weisen größere Lücken in der Ausstattung auf, um geltenden Anforderungen in Bezug auf z. B. Einzelzimmerausstattung gerecht zu werden. Darüber hinaus sind Waschbecken in Patientenzimmern weiterhin der Standard. Vor allem auf kleinen ITS, auf ITS in kleinen Krankenhäusern und in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung wird regelmäßig Wasser aus der Leitung für die Patientenversorgung benutzt. Empfohlen wird jedoch der Verzicht auf Waschbecken in ITS-Zimmern, um Infektionsrisiken zu vermeiden. Insgesamt gibt es also aus infektionspräventiver Sicht in vielen Strukturen einen Sanierungsbedarf. 20 % der befragten ITS in Deutschland wurden vor 1990 gebaut. Ältere bauliche Strukturen können nur mit größerem Aufwand an die geltenden Anforderungen und Empfehlungen angepasst werden. Welche dies sind, wird in Artikeln und Empfehlungen der IST beschrieben. In einigen Fällen könnte der Neubau nach modernen Konzepten die bessere Alternative darstellen (Fucini et al. 2023).

Umfrage zur baulichen Strukutur
Download Umfrageergebnisse

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Lichtplanung auf Normalpflegestationen im Krankenhaus – Bedeutung, Zielkonflikte und nutzerzentrierte Szenarien

04. November 2026 um 23:03
Lichtplanung auf Normalpflegestationen im Krankenhaus – Bedeutung, Zielkonflikte und nutzerzentrierte Szenarien

Lichtplanung auf Normalpflegestationen im Krankenhaus – Bedeutung, Ziel-konflikte und nutzerzentrierte Szenarien

Eine durchdachte Lichtplanung ist ein wesentlicher Bestandteil der gesundheitsfördernden Gestaltung von Normalpflegestationen. Sie beeinflusst die körperliche und psychische Gesundheit der Patienten, unterstützt die Arbeitsprozesse des medizinischen Personals und trägt zur Hygiene, Infektionsprävention und Sicherheit bei. Dabei muss die Beleuchtung sowohl funktionale und normative Anforderungen als auch individuelle Bedürfnisse berücksichtigen. Was genau zu beachten ist, wird in diesem Artikel erläutert.

Licht als Einflussfaktor auf Gesundheit und Genesung

Licht reguliert den menschlichen Hormonhaushalt und den zirkadianen Rhythmus, also den natürlichen Schlaf-Wach-Zyklus. Besonders Tageslicht unterstützt die zeitliche Orientierung, fördert das Wohlbefinden und kann sich positiv auf die Genesung auswirken. Seine nichtvisuelle, insbesondere melanopische Wirkung beeinflusst die innere Uhr, die Aktivierung und die Erholung. Gleichzeitig erzeugt Licht durch Helligkeit, Lichtfarbe und räumliche Verteilung eine Atmosphäre, die Sicherheit, Geborgenheit und Zuversicht vermitteln kann.

Das Konzept des Human Centric Lighting (HCL) stellt daher die biologischen, visuellen und emotionalen Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt. Durch dynamisch veränderbare Beleuchtung können natürliche Tageslichtverläufe hinsichtlich Helligkeit und Farbtemperatur nachgebildet werden. Tagsüber unterstützt aktivierendes Licht die Wachheit, während abends und nachts eine gedimmte, warmweiße Beleuchtung Ruhe und Schlaf begünstigt. Eine wohnliche, freundliche und blendfreie Lichtgestaltung trägt zusätzlich dazu bei, den häufig monotonen Krankenhausalltag angenehmer zu gestalten.

Licht als Voraussetzung für effektive Pflege und Arbeitssicherheit

Pflegekräfte und Ärzte benötigen ausreichend helle, gleichmäßige und farbgetreue Beleuchtung, um medizinische Tätigkeiten sicher durchführen zu können. Hierzu zählen Untersuchungen, Injektionen, die Beurteilung äußerer Krankheitsmerkmale, die Medikamentenvorbereitung und die Versorgung am Patientenbett.

Eine unzureichende Beleuchtung erhöht das Risiko von Behandlungsfehlern, Ermüdung und Arbeitsunfällen. Entscheidend sind deshalb neben der Beleuchtungsstärke auch die Lichtverteilung, Blendungsbegrenzung und Farbwiedergabe. Farbige Reflexionen, etwa durch grüne Wandoberflächen, können die Beurteilung der Hautfarbe verfälschen. Deshalb sollten Untersuchungen unter möglichst farbneutralen Lichtbedingungen erfolgen.

Licht als Bestandteil des baulichen Gesundheitsschutzes

Für den baulichen Gesundheitsschutz ist Beleuchtung insbesondere hinsichtlich Hygiene, Infektionsprävention und Unfallvermeidung relevant. Eine ausreichende Ausleuchtung sämtlicher Raumzonen, einschließlich Ecken und schwer zugänglicher Bereiche, ermöglicht es Reinigungskräften, Verschmutzungen zuverlässig zu erkennen und Reinigungsmaßnahmen vollständig durchzuführen.

Darüber hinaus können berührungslose Lichtsteuerungen hygienische Abläufe verbessern. Je nach kognitivem und motorischem Vermögen der Nutzergruppen sollten gewöhnliche Lichtschalter, digitale oder sprachgesteuerte Schalter geplant werden. Herkömmliche Lichtschalter stellen gemeinsam genutzte Kontaktflächen dar und können Kreuzkontaminationen begünstigen. Sensoren, Präsenzmelder und automatisierte Beleuchtungsszenarien reduzieren notwendige Berührungen und verhindern, dass Pflegekräfte ihre Tätigkeiten für die Lichtbedienung unterbrechen müssen. Dies unterstützt die Einhaltung hygienischer Arbeitsabläufe, insbesondere der fünf Momente der Händedesinfektion.

Eine gezielte nächtliche Orientierungsbeleuchtung reduziert außerdem Sturzrisiken bei Patienten, ohne den Schlaf anderer Personen wesentlich zu beeinträchtigen.

Widersprüche und Zielkonflikte zwischen natürlichem und künstlichem Licht

Natürliches Licht ist aufgrund seiner biologischen, psychologischen und visuellen Qualitäten grundsätzlich zu bevorzugen. Große Fensterflächen und der Blick ins Freie unterstützen den Tag-Nacht-Rhythmus, die Orientierung und das Wohlbefinden. Tageslicht ist jedoch hinsichtlich Intensität, Richtung und Farbtemperatur von Tageszeit, Jahreszeit und Wetter abhängig und deshalb nicht durchgehend kontrollierbar. Große Fensterflächen können darüber hinaus zu einer starken thermischen Belastung der Nutzenden führen.

Hieraus ergeben sich mehrere Zielkonflikte:

Tageslicht versus funktionale Beleuchtung: Natürliches Licht ist nicht jederzeit und überall ausreichend vorhanden. Medizinische Untersuchungen, Pflegearbeiten und Reinigungsprozesse benötigen jedoch jederzeit zuverlässig definierte Beleuchtungsstärken. Künstliche Beleuchtung muss daher fehlendes Tageslicht ergänzen und bei Bedarf unabhängig von äußeren Bedingungen ausreichende Helligkeit gewährleisten.

Tageslicht versus Blendung und thermischer Komfort: Große Fensterflächen verbessern den Tageslichteinfall, können jedoch Direktblendung, störende Reflexionen auf Bildschirmen und eine erhöhte sommerliche Wärmelast verursachen. Verschattung, geeignete Fensteranordnung, matte Oberflächen und blendungsarme Leuchten sind erforderlich, um Tageslicht nutzbar zu machen, ohne Sehkomfort und Raumklima zu beeinträchtigen.

Biologische Aktivierung versus Ruhe und Genesung: Helles, insbesondere tageslichtähnliches Licht fördert tagsüber die Aktivität, kann nachts aber den Schlaf stören. Gleichzeitig müssen Pflegekräfte auch bei Dunkelheit sicher arbeiten können. Notwendig ist deshalb eine differenzierte Beleuchtung, die nachts gezielt Arbeits- und Orientierungsbereiche erhellt, ohne den gesamten Raum stark zu beleuchten.

Wohnlichkeit versus medizinische Funktionalität: Warmweißes, indirektes Licht schafft eine angenehme Atmosphäre, ist jedoch nicht für jede Untersuchung geeignet, da Lichtfarbe und farbige Reflexionen die Wahrnehmung medizinisch relevanter Merkmale beeinflussen können. Für diagnostische Tätigkeiten werden daher ausreichend helle, farbgetreue und möglichst neutrale Lichtverhältnisse benötigt.

Individuelle Bedürfnisse versus gemeinschaftliche Raumnutzung: In Mehrbettzimmern können Patienten gleichzeitig unterschiedliche Beleuchtung wünschen. Während eine Person schlafen möchte, benötigt die andere möglicherweise Licht zum Lesen oder für die Körperpflege. Eine raumweit einheitliche Beleuchtung ist deshalb ungeeignet. Individuell steuerbare, zonierte und abgeschirmte Leuchten ermöglichen die parallele Nutzung ohne gegenseitige Störung.

Die zentrale planerische Aufgabe besteht folglich nicht darin, natürliches Licht vollständig durch Kunstlicht nachzubilden, sondern Tageslicht, künstliche Beleuchtung, Verschattung, Raumgestaltung und Steuerung zu einem abgestimmten Gesamtsystem zu verbinden.

Nutzerzentrierte Beleuchtungsszenarien

Eine nutzerzentrierte Lichtplanung berücksichtigt die Anforderungen von Patienten, Pflegekräften, Ärzten, Reinigungspersonal und Besuchern. Da sich deren Tätigkeiten räumlich, zeitlich und hinsichtlich ihrer visuellen Anforderungen unterscheiden, sind verschiedene, möglichst intuitiv abrufbare Beleuchtungsszenarien notwendig.

Entscheidend ist eine räumliche Zonierung, bei der Patientenbereiche, Pflegearbeitsplätze, Eingangsbereiche, Besucherzonen und Nasszellen unabhängig beleuchtet werden können. Besonders in Mehrbettzimmern müssen unterschiedliche Lichtbedürfnisse gleichzeitig erfüllbar sein.

Die Bedienung sollte für die jeweiligen Nutzergruppen intuitiv und möglichst kontaktarm erfolgen. Pflegekräfte benötigen beispielsweise eine zentrale Steuerung am Zimmereingang, während Patienten ihre individuelle Beleuchtung unmittelbar am Bett bedienen können. Eindeutig benannte Szenarien und Piktogramme erleichtern die Auswahl. Sensorbasierte Systeme können darüber hinaus automatisch auf Bewegung oder Anwesenheit reagieren.

Fazit

Eine bedarfsgerechte Lichtplanung auf Normalpflegestationen ist weit mehr als eine Frage ausreichender Helligkeit. Sie bildet eine wesentliche Schnittstelle zwischen heilungsfördernder Architektur, effizienter Pflege, Arbeitssicherheit und baulichem Gesundheitsschutz.

Die größte Herausforderung liegt darin, unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Anforderungen miteinander zu vereinbaren: natürliches Tageslicht und kontrollierbares Kunstlicht, aktivierende und beruhigende Beleuchtung, wohnliche Atmosphäre und medizinische Präzision sowie individuelle Bedürfnisse und gemeinschaftliche Nutzung.

Ein wirksames Lichtkonzept kombiniert deshalb natürliche Belichtung, dynamisch anpassbare Kunstlichtsysteme, räumliche Lichtzonierung, blendungsarme Leuchten und hygienisch vorteilhafte Steuerungstechnologien. Ausgangspunkt sind dabei nicht allein technische Normwerte, sondern die konkreten Tätigkeiten, Bedürfnisse und Einschränkungen aller Nutzergruppen.

So wird Licht zu einem integralen Bestandteil einer gesundheitsfördernden Krankenhausarchitektur, die den Genesungsprozess unterstützt, die Pflegequalität verbessert und gleichzeitig Hygiene- und Sicherheitsrisiken reduziert.

Bau
Gesundheitsschützende Ausstattung von Normalpflegestationen
Wie die Ausstattung in Normalpflegestationen für den baulichen Gesundheitsschutz gestaltet werden soll.

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Gesundheitsschützende Ausstattung von Normalpflegestationen

04. November 2026 um 22:42
Gesundheitsschützende Ausstattung von Normalpflegestationen

Gesundheitsschützende Ausstattung von Normalpflegestationen

Arbeitsabläufe werden durch die Art und Anzahl und Anordnung von Ausstattungsgegenständen in Innenräumen beeinflusst. Das moderne Patientenzimmer ist mit einer Vielzahl unterschiedlichster Ausstattungsgegenstände, Medizintechnik, Einbauten und weiteren Objekten gefüllt. Alle weisen verschiedenartig beschaffene Oberflächen, Funktionen und Formen auf. Im Folgenden wird erläutert, warum und wie die Ausstattung in Normalpflegestationen für den baulichen Gesundheitsschutz gestaltet werden soll.

Warum ist die Ausstattung hygienekritisch?

Generell sind alle Ausstattungsgegenstände mit Mikroorganismen kolonisiert, und werden je nach Funktion von verschiedenen Nutzergruppen unterschiedlich häufig berührt, verschoben oder aus dem Zimmer entfernt und zu einem späteren Zeitpunkt wieder hineingebracht. Somit tragen Menschen und mobile Objekte Erreger ein und aus und stellen relevante Vektoren in Infektionsketten bei der Kreuzkontamination dar. Daraus ergeben sich Ansprüche an die Hygienesicherheit. Gleichzeitig sind Ausstattungsobjekte konstituierend für das Wohlbefinden von Patienten und Personal, da sie die die Aufenthaltsqualität gestalten, sowie für die reibungslose Durchführbarkeit von Arbeitsprozessen. Jedoch können sich stark divergierende Ansprüche der verschiedenen Nutzergruppen ergeben, die miteinander in Einklang gebracht werden müssen. In der Normalpflege ist daher besonders die Vereinbarung von Patienten-, Arbeitsschutz und Ergonomie zu beachten.

 

Welchen Beitrag leistet die Ausstattung zum baulichen Gesundheitsschutz

Eine durchdachte Ausstattung kann Pflege- und Reinigungskräfte sowie medizinisches Personal entlasten, sodass diese ihre Arbeit konzentrierter und qualitativ hochwertiger durchführen können. Die Digitalisierung von Prozessen und Informationen, welche sich in Sensoren, Aktoren und (mobilen) Endgeräten manifestiert, kann zudem hygienekritische Informationen, wie die lokale Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmitteln in Spendern   zentral auswerten. Auch die Anzahl von gemeinsam genutzten Ausstattungsobjekte kann reduziert werden, wenn Personal und Patienten auf jeweils eigenen Endgeräten Informationen abrufen und eingeben. Zudem können gemeinsam genutzte Objekte und somit Kreuzkontamination zwischen Patienten, Personal und Besuchern reduziert werden.

Relevante Objekte

Welche Objekte insbesondere beachtet werden sollten, ergibt sich aus deren Wirkungsradien, Erreichbarkeit und Einsatz bei hygienekritischen Prozessen. Quantitativ stellen daher häufig genutzte Kontaktflächen ein höheres Übertragungsrisiko dar, als weniger genutzte Ausstattungsgegenstände. So wird beispielsweise die Türklinke von allen Nutzern berührt, die Schubladen des Nachttischs jedoch vorwiegend nur vom Patienten selber, seltener vom Besuch oder von Pflegekräften.

Objekte, die wiederum bei hygienekritischen Prozessen genutzt werden, müssen nicht häufig genutzt werden, sind durch ihren Einsatz jedoch ebenfalls relevant. So kann beispielsweise ein Ultraschallgerät, das an mehreren Patienten genutzt wird ein relevantes Übertragungsrisiko bergen, wenn es nicht fachgerecht aufbereitet wird.

Reinigbarkeit  – Ein Zusammenspiel von Material, Oberflächen und Form

Die Gestaltung von Einbauten und Ausstattungsobjekten trägt maßgeblich zur Reinigbarkeit/Desinfizierbarkeit eines Patientenzimmers bei. So ist auf die Materialalterung zu achten, aber auch auf die Vermeidung visuell unnötig unruhiger Oberflächentexturen . Oberflächen müssen glatt und wischdesinfizierbar sein. Auf monochromen und weniger unruhigen Oberflächen kann Schmutz leichter identifiziert werden. Die Vermeidung von Hinterschnitte , die Staub fangen können, radiale Übergänge an Objekten und wenige Fugen zwischen Oberflächen, Einbauten, Böden und Wänden reduzieren ebenfalls nur umständlich zu reinigende bauliche Details. Möglichst wenige Objekte sollten den Boden  berühren oder leicht verschiebbar sein, um das Wischen zu erleichtern. Der Übergang zum Boden, bzw. Wänden, soll bei festen Einbauten aber fugendicht verschlossen sein.

Atmosphäre und Erscheinungsbild

Ausstattungsobjekte sollten in ihrer äußeren Gestaltung und Anordnung zueinander sowohl das Patientenwohl als auch das Wohlbefinden des Personals fördern. Gleichzeitig dürfen sie keine sicherheitsrelevanten Informationen verschleiern und Tätigkeiten behindern, bzw. nur für die intendierte Zielgruppe gut zugänglich sein. Ihr Äußeres sollte sie bestimmten Nutzergruppen klar zuordnen, um unnötige Benutzungen oder Verwechslungen zu vermeiden. Bei Mehrbettzimmern sollte dies auch zwischen den Patienten zutreffen.

 

Geräuscharme Gestaltung

In einer geräuschintensiven Umgebung sollten Ausstattungsobjekte keine zusätzliche akustische Belastung für Patienten und Personal darstellen und den Widerhall in Zimmern reduzieren. Gerade rund um das Patientenbett ist für Ruhe zu sorgen.

Der Desinfektionsmittelspender

Die gezielte Positionierung von Desinfektionsmittelspendern verbessert die Händehygiene-Compliance mit den fünf Momenten der Händehygiene und reduziert unnötige Arbeitswege des Pflegepersonals. Dazu sollten die Spender entlang der Arbeitsroute strategisch und gut sichtbar platziert werden: oberhalb Pflegearbeitsfläche, am Point of Care am Patientenbett, in der Nasszelle und ggf. am Zimmereingang. Der Spender an der Arbeitsfläche ermöglicht eine schnelle Händedesinfektion bei der Pflegevorbereitung/vor Durchführung aseptischer Tätigkeiten wie dem Aufziehen von Infusionen. Ein flexibler, kompakter Spender am Bett gewährleistet die unmittelbare Erreichbarkeit von beiden Bettseiten und bei Mehrbettzimmern zwischen zwei Patientenkontakten. In der Nasszelle sollte sich der Spender, räumlich getrennt vom Seifenspender befinden oder äußerlich gut unterscheidbar sein, um Verwechslungen zu vermeiden. Es sollte eine ergonomische Montagehöhe von etwa 120 cm bis zum Pumphebel gewählt werden. Die Positionierung der HDM Spender sollte in gemeinsam mit der Krankenhaushygiene und den Nutzergruppen gemäß der spezifischen räumlichen Voraussetzungen geplant werden.

Ausstattung als integraler Teil des baulichen Gesundheitsschutzes

Um dem baulichen Gesundheitsschutz gerecht zu werden, sollte die Gestaltung und Auswahl der Ausstattungsobjekte die Wahrnehmung, das Verhalten und die Bedarfe der Patient*innen, der Pflege und des Reinigungspersonals berücksichtigen. Nur dann können Prozesse und Verhalten der Nutzenden Infektionsrisiken reduzieren. Wichtig ist dabei, die Oberflächengestaltung, Materialwahl, Anordnung, Form und das Gefüge zu beachten.

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Bedeutung und Umsetzung des baulichen Gesundheitsschutzes in der Zentralen Notaufnahme (ZNA)

04. November 2026 um 22:38
Bedeutung und Umsetzung des baulichen Gesundheitsschutzes in der Zentralen Notaufnahme (ZNA)

Bedeutung und Umsetzung des baulichen Gesundheitsschutzes in der Zentralen Notaufnahme (ZNA)

Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) ist eine besonders sensible Funktionseinheit des Krankenhauses. Als häufig erstere Kontaktpunkt der stationären Versorgung treffen hier täglich zahlreiche Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen und häufig unbekanntem Infektionsstatus aufeinander. Hohe Patientenzahlen, zeitkritische Behandlungsabläufe, begrenzte räumliche Kapazitäten und enge Kontakte zwischen Patienten und medizinischem Personal stellen besondere Herausforderungen an die Infektionsprävention, die im Weiteren identifiziert werden.

Warum ist der bauliche Gesundheitsschutz in der ZNA wichtig?

In Notaufnahmen treffen potenziell infektiöse und nichtinfektiöse Patient*innen häufig auf engem Raum zusammen. Insbesondere gemeinsam genutzte Warte-, Holding- und Behandlungsbereiche begünstigen die Übertragung von Krankheitserregern durch direkten Kontakt, kontaminierte Oberflächen sowie durch Tröpfchen und Aerosole.

Der hohe Patientendurchsatz und die medizinische Dringlichkeit können die konsequente Umsetzung hygienischer Maßnahmen erschweren. Kurze Wechselzeiten zwischen Behandlungen erhöhen zusätzlich die Anforderungen an Reinigung und Desinfektion.

Beschäftigte haben regelmäßig Kontakt zu vielen Patient*innen und können selbst Infektionen erwerben oder unbeabsichtigt Krankheitserreger zwischen Behandlungsbereichen oder Patient*innen übertragen. Eine geeignete bauliche Struktur kann solche Kontakte reduzieren und hygienisch sichere Arbeitsabläufe unterstützen.

Wie kann der bauliche Gesundheitsschutz umgesetzt werden?

Besonders relevant in der ZNA sind die räumliche Separierung, die bedarfsgerechte Flächengestaltung, die Dezentralisierung von Funktionsbereichen und die Optimierung der Lüftung.

Räumliche Separierung von Patienten und Behandlungsbereichen

Die räumliche Trennung stellt eine der wirksamsten untersuchten Maßnahmen dar. Ziel ist es, direkte Kontakte und gemeinsame Aufenthalte unterschiedlicher Patientengruppen zu reduzieren.

Mögliche Umsetzungen sind:

  • Einrichtung von Einzelbehandlungs-/Untersuchungsräumen anstelle großer gemeinsamer Behandlungsbereiche.
  • Abtrennung einzelner Behandlungsplätze durch feste Wände, flexible Trennwände oder Paravents, welche jedoch wischdesinfizierbar sein müssen.
  • Räumliche Trennung und Isolierung von Patient*innen mit Verdacht auf übertragbare Infektionskrankheiten oder Besiedlung mit isolationspflichtigen Multiresistenten Erregern.
  • Aufteilung großer Holding- und Wartebereiche in kleinere, voneinander getrennte Einheiten.
  • Festlegung eindeutig abgegrenzter infektiöser und nichtinfektiöser Versorgungsbereiche.
  • Remote Erfassung des Krankheitsbildes der Patienten bereits vor deren Betreten der ZNA.

Das Projekt InnoBRI zeigt anhand von Simulationen, dass die Separierung von Behandlungsbereichen die wirksamste untersuchte unabhängige Intervention für die gesamte modellierte Notaufnahme darstellt. Abhängig vom untersuchten Erreger konnten relative Reduktionen der Übertragungs- beziehungsweise Besiedlungsereignisse von etwa 10 bis 22 % für die gesamte ZNA modelliert werden.

Optimierung der Raumgrößen und räumlichen Organisation

Ausreichend dimensionierte Räume schaffen die Voraussetzungen für hygienisch sichere Behandlungsabläufe. Enge Behandlungsräume und überfüllte Funktionsbereiche erhöhen die Wahrscheinlichkeit enger Kontakte und erschweren die Trennung unterschiedlicher Arbeitsprozesse.

Eine geeignete Planung umfasst deshalb:

  • Ausreichend große Untersuchungs- und Behandlungsräume.
  • Vermeidung räumlicher Überbelegung.
  • Flächenreserven für wechselnde Patientenaufkommen.
  • Bedarfsgerechte räumliche Verteilung von Arbeitsplätzen und Versorgungseinrichtungen.
  • Ausreichende Bewegungsflächen für medizinisches Personal und Behandlungsvorgänge.

Ein weiterer Ansatz ist die Dezentralisierung von Funktionsbereichen, beispielsweise durch die Aufteilung eines zentralen Pflegestützpunktes auf mehrere kleinere Einheiten je nach Krankheitsbild. Dadurch können sich Personalbewegungen und Kontaktkonzentrationen verändern.

Hygienegerechte Oberflächen und technische Ausstattung

Neben der Raumaufteilung sind die Kontaktflächen innerhalb der ZNA von Bedeutung. Häufig berührte Gegenstände und Oberflächen können mit Krankheitserregern kontaminiert werden und als mögliche Übertragungsquellen dienen. Daher sollten bei der baulichen Planung Oberflächen und Einbauten berücksichtigt werden, die eine zuverlässige Reinigung und Desinfektion ermöglichen. Dies betrifft insbesondere Türen, Arbeitsflächen, medizinische Versorgungsbereiche und patientennahe Ausstattung, sowie medizinische Geräte. Darüber hinaus ist auf eine Ausstattung mit gut erreichbaren Händedesinfektionsmittelspendern zu achten.

Eine weitere untersuchte Möglichkeit ist der Einsatz berührungsloser Türöffnungssysteme, um Kontakte mit häufig genutzten Türgriffen zu reduzieren. Diese Maßnahme wurde im InnoBRI-Projekt als mögliche Intervention beschrieben, jedoch nicht abschließend hinsichtlich ihrer Wirksamkeit modelliert.

Unterstützung sicherer Arbeits- und Patientenwege

Die Grundrissarchitektur einer ZNA muss medizinische Abläufe unterstützen und gleichzeitig unnötige Kontakte reduzieren. Hierzu gehören eine klare räumliche Zonierung, übersichtliche Erschließungswege und eine funktional sinnvolle Zuordnung unterschiedlicher Versorgungsbereiche.

Die Trennung hygienisch unterschiedlicher Tätigkeiten, beispielsweise septischer und aseptischer Arbeitsprozesse, kann durch die bauliche Organisation unterstützt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass eine stärkere räumliche Trennung auch Nachteile verursachen kann. Hierzu zählen eine eingeschränkte Übersichtlichkeit, längere Wege und zusätzlicher organisatorischer Aufwand. Entscheidend ist deshalb eine Planung, die Infektionsschutz, Patientenüberwachung, medizinische Erreichbarkeit und betriebliche Funktionalität gleichermaßen berücksichtigt.

Welche Wirksamkeit haben die baulichen Maßnahmen?

Die Ergebnisse des InnoBRI-Projekts verdeutlichen, dass bauliche Maßnahmen einen messbaren Beitrag zur Infektionsprävention leisten können.

Für SARS-CoV-2 ergab die Kombination aus Behandlungsraumseparierung, Flächenvariation/Dezentralisierung und Lüftungsanpassung sogar eine modellierte Reduktion der Infektionsinzidenz um rund 39 %. Die Wirksamkeit ist jedoch abhängig vom jeweiligen Krankheitserreger und dessen Übertragungswegen. Maßnahmen gegen aerogen übertragene Erreger müssen deshalb nicht gleichermaßen wirksam gegen kontaktübertragene Erreger sein.

Fazit

Der bauliche Gesundheitsschutz ist ein wesentlicher Bestandteil einer sicheren, leistungsfähigen und zukunftsfähigen Zentralen Notaufnahme. Durch geeignete architektonische und technische Maßnahmen können Infektionsübertragungen reduziert, hygienische Arbeitsprozesse unterstützt und die Sicherheit von Patient*innen und Beschäftigten verbessert werden. Insbesondere räumlichen Separierung von Behandlungsbereichen, der bedarfsgerechten Flächengestaltung, der Dezentralisierung von Funktionsstellen und der Optimierung der Raumlufttechnik  bieten Potenziale.

Den größten Nutzen versprechen aufeinander abgestimmte Maßnahmen, die unterschiedliche Übertragungswege berücksichtigen und gleichzeitig eine funktionierende Notfallversorgung gewährleisten. Damit ist der bauliche Gesundheitsschutz nicht als ergänzende Ausstattungsmaßnahme, sondern als grundlegendes Planungsprinzip für Neubau, Umbau und Modernisierung von Zentralen Notaufnahmen zu verstehen. Er verbindet Infektionsprävention mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit und trägt langfristig zu einer verbesserten Versorgungsqualität bei.

Quellengrundlage

InnoBRI-Ergebnisbericht, 21.11.2024, insbesondere Kapitel 1, 5, 6 und 7. Die beschriebenen Effekte stammen überwiegend aus Modellrechnungen.

Abbildung mit Darstellung verschiedener Übertragunsgwege von Krankheitserregern
Hygiene
Infektionsübertragungswege
Welche Übertragungswege von Krankheitserregern gibt es? Welche Erreger werden wie übertragen?
Bild mit vielen Personen in einem Wartebereich eines Krankenhauses
Hygiene
Welche Rolle spielen luftübertragbare Erreger im Krankenhaus und welche Risikobereiche für eine Luftübertragung gibt es?
Viele respiratorische Erreger werden über die Luft übertragen und können sich vor allem bei schlechter Belüftung schnell ausbreiten. In diesem Artikel werden die Herausforderungen bei der Prävention luftübertragbarer Erreger thematisiert, sowie besondere Risikobereiche für die Luftübertragung im Krankenhaus definiert.

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Sommerlichen Sonnenschutz im Krankenhaus planen

04. November 2026 um 22:31
Sommerlichen Sonnenschutz im Krankenhaus planen

Sommerlichen Sonnenschutz im Krankenhaus planen

Wie bleiben Patientenzimmer im Sommer angenehm, ohne den Energiebedarf für Kühlung unnötig zu erhöhen? Ein Ansatz ist, den Sonneneintrag bereits durch die Gestaltung von Fenstern und Fassaden zu begrenzen. Entscheidend sind Lösungen, die zur jeweiligen Bausituation passen und zugleich Tageslicht und den Blick nach draußen erhalten.

Angenehme Räume trotz Sommerhitze

Hohe Raumtemperaturen können gerade für gesundheitlich geschwächte Menschen belastend sein. Gleichzeitig kostet es Energie, Räume und die zugeführte Luft zu kühlen. Durch große, ungeschützte Fensterflächen gelangt Sonnenwärme ins Gebäude und kann die Räume zusätzlich aufheizen. Deshalb sollte die Planung nicht nur nach geeigneter Kühlung fragen, sondern zunächst danach, wie sich vermeidbare Wärmeeinträge begrenzen lassen. 1,2

Ein Simulationsbeispiel aus EnHance verdeutlicht, dass auch im Sommer ein erheblicher Energiebedarf entstehen kann. Welcher Anteil davon durch Sonnenschutz vermieden werden kann, muss gesondert ermittelt werden.

Welche Faktoren sind für das Raumklima relevant?

Eine angemessene Raumtemperatur soll zusätzliche Belastungen für Patientinnen und Patienten vermeiden. Neben der Temperatur sind Luftfeuchte und Luftbewegung zu berücksichtigen. Ausreichender Luftaustausch kann die Konzentration luftgetragener Krankheitserreger verringern. Aus einer Sonnenanalyse allein lässt sich jedoch keine Wirkung auf Krankenhausinfektionen ableiten. 2,4,8

Wo Arzneimittel aufbewahrt werden, müssen auch deren Lagerbedingungen berücksichtigt werden. Wärme und direkte Sonne können die Qualität empfindlicher Präparate beeinträchtigen. Maßgeblich sind die jeweiligen Herstellerangaben, nicht eine einheitliche Temperaturgrenze für alle Medikamente. 3

Wesentliche Faktoren sind die Ausrichtung des Gebäudes, Größe und Form der Fenster, die Eigenschaften der Verglasung und der vorhandene Sonnenschutz. Auch Außenwände, Nutzung, Lüftung und Kühlung wirken auf die Raumtemperatur ein. Helligkeit und Wärmeeintrag sind dabei unterschiedliche Größen. 1,5,8

Die bauliche Ist-Situation systematisch erfassen

Im Bestand beginnt die Analyse mit vorhandenen Plänen und einer Begehung. Erfasst werden Stations- und Raumflächen, Raumhöhen, Ausrichtung, Fensterformate sowie verglaste und geschlossene Außenwandflächen. Fehlende Angaben lassen sich durch Aufmaß oder ergänzend durch 3D-Scans vervollständigen. Daraus kann ein digitales Flächenmodell entstehen. 8

Das Modell setzt beispielsweise die Fenster- und Außenwandflächen ins Verhältnis zur Raum- oder Stationsfläche. So lassen sich unterschiedlich große Stationen vergleichen und auffällige Räume gezielt untersuchen. Ergänzend werden Verglasung, vorhandene Verschattung, Nutzung und Gebäudetechnik betrachtet: Das Flächenverhältnis allein erklärt weder die Raumtemperatur noch die Luftqualität. 1,8

Unterschiedliche Baustrukturen brauchen angepasste Lösungen

Die untersuchten Charité-Stationen zeigen, wie unterschiedlich Grundrisse, Fensterlagen und Orientierungen ausfallen können. Für die Sanierung ist deshalb weniger ein unverändertes Einheitsbauteil gefragt als ein Lösungsprinzip, das sich an verschiedene Gebäudetypen anpassen lässt. 8

Große, ungeschützte Glasflächen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Bei einer Abschirmung von oben benötigen hohe Fenster unter gleichen Randbedingungen größere Überstände als niedrigere Fensterbänder. Neben südorientierten Räumen sind auch Ost- und Westfassaden zu prüfen, an denen tief stehende Sonne den Schutz erschwert. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Ausrichtung, Fenstergeometrie und Verschattung. 5

Sonnenanalysen für unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten helfen, die betroffenen Bereiche zu erkennen und geeignete Varianten zu vergleichen. 8

Im Sommer abschirmen und Wintersonne erhalten

Ein baulicher Lösungsansatz sind feste Verschattungselemente oberhalb der Fenster und an den seitlichen Laibungen. Ihre Form und Auskragung werden auf die Fenstergeometrie und Ausrichtung abgestimmt. Ziel ist, direkte Sonne in kritischen Sommerzeiten möglichst weitgehend abzufangen und im Winter nutzbare Sonneneinträge zuzulassen. 5,8

Dabei soll nicht der gesamte Raum verdunkelt werden: Tageslicht und der Blick nach draußen bleiben eigenständige Planungsziele. Ob ein festes Element ausreicht, ist für den jeweiligen Raum zu prüfen. Bewegliche Systeme wie Raffstoren können ergänzen; je nach Ausführung und Lamellenstellung lassen sie Licht und Durchsicht zu und führen nicht zwangsläufig zur vollständigen Verdunklung. 6,9

Varianten vergleichen und ihre Wirkung richtig einordnen

Was zeigt die Beispielrechnung?

Eine vereinfachte Simulation aus EnHance ergab für eine Auskragung von 34 cm am 1. Juli um 12 Uhr durchschnittlich 61,4 % geringere direkte Belichtungswerte. Das zeigt die Wirkung in dieser untersuchten Situation. Es ist weder eine allgemeine Bemessungsempfehlung noch ein Nachweis vollständiger Abschirmung über den gesamten Sommer. 8

Wie wird daraus eine Aussage zur Energieeinsparung?

Die berechneten Lux-Werte beschreiben die Belichtung, nicht den Energiebedarf. Für eine Aussage zur Kühlenergie muss die Verschattungsvariante in einer thermischen Gebäudesimulation mit Verglasung, Nutzung und Anlagenbetrieb bewertet werden. 61,4 % weniger direkte Belichtung bedeuten daher nicht 61,4 % weniger Kühlenergie. 8

Bei Neubauten Fassade und Lüftung gemeinsam planen

Bereits im Vorentwurf sollten Ausrichtung, Fensteranteile und -formate, Verglasung und bauliche Verschattung gemeinsam betrachtet werden. Das Planungsziel ist eine Fassade, die sommerliche Wärmeeinträge von sich aus begrenzt, Tageslicht und Außenbezug erhält und winterliche Sonne dort zulässt, wo ihre Wärmegewinne erwünscht sind. Ergänzender beweglicher Sonnenschutz bleibt möglich. 1,5,6

Auch das Lüftungskonzept gehört in diese frühe Planung. Dezentrale Systeme, die einzelne Räume oder Bereiche mit Außenluft versorgen, sind eine zu prüfende Option. Ihre Eignung ist anhand der Raumnutzung, hygienischen Anforderungen, Geräuschentwicklung, Wartung und Energieeffizienz zu bewerten. Fassade, Lüftung und gegebenenfalls Kühlung sollten als abgestimmtes Gesamtsystem geplant werden. 7

Literaturverweise

1  Umweltbundesamt: Gegen die Hitze – kühle Räume im Sommer.

2  Robert Koch-Institut: FAQ zu Klimawandel, Gesundheit und Hitze.

3  Bundesgesundheitsministerium: Umgang mit Arzneimitteln – richtig lagern.

4  Umweltbundesamt: Infektiöse Aerosole in Innenräumen.

5  PNNL / Building America: Shading and Solar Control for Windows and Skylights.

6  BAuA: Tageslichtnutzung und Sonnenschutzmaßnahmen an Büroarbeitsplätzen.

7  VDI: Hygiene-Anforderungen an RLT-Anlagen; Besonderheiten dezentraler Geräte.

8  Projektgrundlage: PlanGesund_EnHance_Artikelentwurf_V1.docx und V1_lj.docx; ergänzende Hinweise von Steven Hahnemann.

9  ROMA: Raffstorelamellen – Lichtlenkung und Sichtschutz (Herstellerangaben).

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Gesetze, Richtlinien und Normen im Bereich der baulichen Hygiene für den Krankenhausbau

04. November 2026 um 22:28
Gesetze, Richtlinien und Normen im Bereich der baulichen Hygiene für den Krankenhausbau

Gesetze, Richtlinien und Normen im Bereich der baulichen Hygiene für den Krankenhausbau

Im Bereich der Hygiene ist das Erfordernis nach gesetzlichen Vorgaben und Handlungsempfehlungen hoch. Aufgrund der im Alltag herrschenden Unsicherheiten, vorhandener Wissenslücken, Beratungsresistenzen oder geringer Compliance der Klinikmitarbeitenden sind gebotene infektionspräventive Maßnahmen sehr relevant. Im Folgenden werden wesentliche Standards zur Infektionsprävention im Kontext der baufunktionalen Anforderungen für Krankenhausbauten strukturiert dargestellt und entsprechend ihrer Wertigkeit in gesetzliche Regelungen, Verordnungen und Regelungen privater Organisationen unterteilt.

Deutsches Infektionsschutzgesetz (IfSG) und KRINKO

Das deutsche Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist seit dem 1. Januar 2001 in Kraft. Es regelt die Prävention, Bekämpfung und Meldepflicht von übertragbaren Krankheiten bzw. Erregern beim Menschen. Zentrale Bedeutung des Gesetzes haben die vorbeugenden Maßnahmen zur Übertragung von Krankheiten auf den Menschen, die schnelle Erfassung von Infektionen und die Vermeidung weiterer Verbreitung. Im IfSG ist auch geregelt, dass beim Robert Koch-Institut die KRINKO (Kommission für Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen und in Einrichtungen und Unternehmen der Pflege und Eingliederungshilfe) eingerichtet ist. Diese Kommission veröffentlicht fortlaufend Empfehlungen zu hygienerelevanten Themen wie der Reinigung und Desinfektion von Oberflächen, dem Umgang mit multiresistenten Erregern oder der Betriebsorganisation von Funktionsbereichen. Es werden in Teilen Empfehlungen zur baulich-funktionalen Gestaltung eines Krankenhauses ausgesprochen, z. B. dem Raumbedarf, der Raumgröße und der Lage von hygienerelevanten Räumen sowie zur Qualität des zu verwendenden Materials. Jene KRINKO-Empfehlungen, die sich mit baulich-funktionalen Aspekten auseinandersetzen, betreffen in erster Linie die Bereiche Endoskopie, Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA), Isolierstation, OP, Neonatologie, Onkologie und Intensivstation (ITS). Aufgrund der Gesetzesänderung des IfSG vom 28. Juli 2011 werden alle medizinischen Einrichtungen dazu verpflichtet, die Empfehlungen der KRINKO zu berücksichtigen. Auf Basis wissenschaftlicher Studien und theoretischer Begründungen hat die Kommission eine Kategorisierung ihrer einzelnen Empfehlungen entwickelt, um die Umsetzung der Hygienerichtlinien zu gewährleisten.

 

Auf Ebene der Verordnungen sind in Bezug auf baufunktionale Anforderungen u. a. die Bauordnung, die Krankenhausverordnungen verschiedener Bundesländer, die Trinkwasserverordnung, aber auch die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zu nennen. Neben den allgemeinen Bauordnungen haben sechs Bundesländer (Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein) Verordnungen erlassen, die sich mit den speziellen Anforderungen von Krankenhäusern auseinandersetzen.

 

Krankenhausbauverordnung

Darüber hinaus existiert die aus dem Jahr 1976 stammende Muster- Krankenhausbauverordnung (KhBauVO), in der Leitlinien zu den Themen Brandschutz, Hygiene, Belüftung, Belichtung sowie Raumgröße und Raumaufteilung festgelegt sind. Die über die Jahrzehnte veränderten Anforderungen an den Bau und den Betrieb von Gesundheitsgebäuden führen dazu, dass die Muster-Krankenhausbauverordnung nicht mehr aktuell ist und deshalb dringend überarbeitet werden müsste. Die Muster-Krankenhausbauverordnung wird dennoch von vielen Planenden als Orientierungshilfe genutzt.

 

Ergänzend zu den Gesetzen und Verordnungen gibt es eine Vielzahl von Richtlinien und Empfehlungen privater Organisationen, die von fachkundigen Ausschüssen aufgestellt werden und konkrete Handlungsanweisungen auf dem Gebiet der Hygiene geben.

DIN-Normen

Für den Bau von Krankenhäusern gibt die DIN 13080 die Gliederung des Krankenhauses in Funktionsbereiche und Funktionsstellen sowie die Strukturierung der Flächen nach krankenhausrelevanten Funktionen vor. Eine weitere für den Krankenhausbau relevante Norm ist die DIN 1946-4, die raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens betrifft.

 

VDI-Richtlinien

Der Verein Deutscher Ingenieure hat im Bereich des Krankenhausbaus und der Hygiene die VDI-Richtlinie 6023 „Hygiene in Trinkwasserinstallationen“ und die VDI-Richtlinie 6022 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität“ herausgegeben. Des Weiteren existiert seit 2013 ein Fachausschuss zum Thema Nachhaltigkeit bei Bau und Betrieb von Krankenhäusern, der sich u. a. mit dem Themenfeld Hygiene beschäftigt.

 

DIVI

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin ist ein Zusammenschluss von Personen, wissenschaftlichen Gesellschaften und Berufsfachverbänden mit dem Ziel der Förderung der Intensivmedizin. Für die Intensivstation existiert die „Empfehlung zur Struktur und Ausstattung von Intensivtherapiestationen“. die im Jahr 2022 aktualisiert wurde. Hier werden Hinweise zur personellen, funktionellen und baulichen Ausstattung von Intensivstationen auf der Basis der vorhandenen Literatur und Expertenmeinungen formuliert (Waydhas C 2022).

 

Landesämter

Die Landesämter verschiedener Bundesländer geben Informationsblätter zu infektionshygienischen Anforderungen heraus. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS) hat beispielsweise 2016 das Infoblatt „Bauanforderungen und funktionelle Empfehlungen aus der Sicht der Hygiene“ herausgegeben; das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) veröffentlichte 2014 den modularen Leitfaden „Erläuterungen zur Checkliste Versorgung von immunsupprimierten Patienten“.

 

Bauministerkonferenz Fachkommission Bau- und Kostenplanung

Die Bauministerkonferenz  ruft in regelmäßigen Abständen Projektgruppen zu krankenhausrelevanten Funktionsstellen aus. Auftrag der jeweiligen Projektgruppen ist die Entwicklung einer praxisorientierten Planungshilfe, die Empfehlungen zu baulichen, strukturellen und fachtechnischen Anforderungen im staatlichen und geförderten Krankenhausbau hinsichtlich Konzeptionen, Standards und Qualitäten liefert. Zu nennen ist die „Planungshilfe Intensivpflege“ des Netzwerkes Krankenhausbau aus dem Jahr 2018.

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Umfrage zur räumlichen Qualität von Intensivstationen in Deutschland

04. November 2026 um 21:56
Umfrage zur räumlichen Qualität von Intensivstationen in Deutschland

Umfrage zur räumlichen Qualität von Intensivstationen in Deutschland

Patient*innen werden als Endnutzer der Intensivstation gesehen. Dennoch wird die Intensivstation (ITS)  tagtäglich auch von unterschiedlichen Berufsgruppen als Arbeitsort erlebt. Lange Wege und Lärm sind wesentliche Störfaktoren im Alltag mit möglichen Konsequenzen auf die Ausdauer- und Konzentrationsfähigkeit  der Mitarbeitenden. Die bauliche Umgebung kann also einen Einfluss auf die Lebens- und – konsequenterweise – Arbeitsqualität der ITS-Mitarbeitenden haben, deren frühzeitige Involvierung in den Planungsprozess deshalb in der Praxis immer berücksichtigt werden sollte.

Zu welcher Berufsgruppe gehören Sie?
Die gesamten Umfrageergebnisse

Umfragemethodik

Das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité und das Institut für konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau der TU Braunschweig haben im Rahmen des Forschungsprojektes „Intensivstation der Zukunft“ (FKZ 10.08.18.7-20.07) einen Fragenkatalog für die Planung von zukünftigen Intensivstationen t, in dem nicht nur die wissenschaftliche Evidenz zum Patienten Outcome sondern auch soziale Aspekte des Arbeitsplatzes berücksichtigt werden. Es wurden 280 Fragebögen auf 7 Intensivstationen der Charité Berlin, des Vivantes Klinikum Berlin und des Städtischen Klinikums Braunschweig ausgefüllt. Es wurde ein Fragebogen aus 21 Fragen über unterschiedliche Aspekte der Intensivstationsstruktur und deren Einfluss auf den Arbeitsalltag von ITS-Mitarbeitern erstellt. Die Fragebögen wurden auf 13 Intensivstationen in sechs Krankenhäusern (fünf in Berlin, eins in Braunschweig) verteilt. Die Teilnahme zur Umfrage war anonym und freiwillig.

Erkenntnisse

Die Umfrage zeigt, dass sich die meist genutzten Arbeitsplätze auf Intensivstationen im Patientenzimmer und im zentralen Pflegestützpunkt befinden, so dass diese zwei Bereiche das Herz der Station darstellen. Für Intensivpersonal ist die direkte Sichtbarkeit der Patient*innen vom Arbeitsplatz aus wichtig, um beispielsweise medizinische Notfälle schnell zu erfassen. Das sollte die Planende dazu anleiten, Arbeitsplätze eher in unmittelbarer Nähe der Patientenzimmer vorzusehen. Gleichzeitig wird aber dem zentralen Stützpunkt eine unverzichtbare Rolle als Dokumentationsplatz und Treffpunkt anerkannt. Dies suggeriert, dass eine Kombination aus „zentralen“ und „dezentralen“ Arbeitsplätzen die bessere Lösung ist.

 

73 % der Mitarbeiter  empfinden Lautstärke als ein relevantes Problem im Alltag, davon antworteten 70 %, dass dies vor allem in Patientenzimmern und im Stützpunkt belastend sei. Eine gute Abschirmung dieser Bereiche von äußeren Störfaktoren sollte also – durch technische und bauliche Hilfsmittel – gewährleistet werden. Platzmangel wird v.a. im Patientenzimmer und in Lagerräumen als Problem empfunden. Gleichzeitig besteht seitens der Mitarbeitenden der Wunsch, feste Flächen im Zimmer für die Vorbereitung und für die Lagerung von Medikamenten bzw. Materialien zu haben. Deutlicher wird der Widerspruch zur vorhandenen Evidenz beim Thema Waschbecken und Vorräumen. Die beiden werden als sinnvoll und nützlich erachtet. Aus infektionspräventiver Sicht ist allerdings kein klarerer Vorteil – außer in wenigen Situationen – der Vorräume nachweisbar (i. e. Isolierung bei Luftübertragung) und es gibt mehrere Hinweise , dass Waschbecken sogar ein Risiko für die Umgebungskontamination und für nosokomiale Infektionen sein könnten.

 

Aus diesen Beispielen kann abgeleitet werden, dass bei der Umsetzung von theoretischen Empfehlungen gezielte Lösungen gesucht werden sollten, die die Umstellung von gewöhnten Prozessen begleiten und die Akzeptanz neuerer Grundrissmodelle erhöhen.

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Geht von Waschbecken in Patientenzimmern auf Intensivstationen ein Infektionsrisiko aus?

03. November 2026 um 12:50
Geht von Waschbecken in Patientenzimmern auf Intensivstationen ein Infektionsrisiko aus?

Geht von Waschbecken in Patientenzimmern auf Intensivstationen ein Infektionsrisiko aus?

Nosokomiale Infektionen können zu einer erhöhten Krankheitslast führen und sogar das Risiko zu versterben erhöhen. Patient*innen, die auf Intensivstationen (ITS) behandelt werden, haben ein besonderes Risiko solche Infektionen zu erleiden.

Nosokomiale Infektionen können durch eine Vielzahl an Erregern verursacht werden. Darunter gibt es Erreger, welche bevorzugt in feuchten Milieus leben und sich dort vermehren können. Deswegen sind beispielsweise Waschbecken in Patientenzimmern ein mögliches Reservoir für solche „Nasskeime“ [Kanamori et al., 2016, Kizny et al, 2017]. In der Literatur sind Ausbrüche in Krankenhäusern beschrieben, die von solchen Bakterien ausgingen. Ein Vertreter dieser Nasskeime ist das Bakterium Pseudomonas aeruginosa (P. aeruginosa). Kontaminierte Waschbecken wurden bereits als mögliche Quelle für die Verbreitung von Erregern und Übertragung auf Patient*innen diskutiert [Avaness et al., 2020; Catho et al., 2021; De Geyter et al., 2017].

Ergebnisse einer Studie unter ITS-KISS Teilnehmenden

Im Zeitraum September – Oktober 2021 wurde eine Umfrage unter den Teilnehmenden von ITS-KISS zur räumlichen Ausstattung von Intensivstationen durchgeführt [Fucini et al., 2023]. Die Teilnehmenden von ITS-KISS, einem Modul des Krankenhaus-Infektions-Surveillance- System (KISS), erfassen einheitlich und systematisch nosokomiale Infektionen. In der Umfrage wurde unter anderem nach der Standard Ausstattung der ITS – Patientenzimmer mit Waschbecken gefragt und dementsprechend zwei Gruppen gebildet: Die Gruppe von ITS mit Waschbecken in den Patientenzimmern („SG“ – „sink group“) bzw. die Gruppe der ITS ohne Waschbecken in den Patientenzimmern („NSG“ – „no-sink group“). Es erfolgte eine statistische Analyse der Infektions-Daten von 552 Intensivstationen. Hierbei wurde unter anderem das Risiko für das Auftreten einer nosokomialen Infektion gesamt (alle Erreger) bzw. für Infektionen mit dem Erreger P. aeruginosa zwischen den beiden Gruppen verglichen. Die univariate Analyse hat gezeigt, dass die Inzidenzdichte, also die Infektionen pro 1000 Patiententage, von nosokomialen Infektionen (alle Erreger) in der Gruppe der ITS mit Waschbecken (SG) signifikant höher war (3,97 vs. 3,20, p=0,019). Ebenso war die Inzidenzdichte von nosokomialen Atemwegsinfektionen mit dem Bakterium P. aeruginosa in der SG signifikant höher (0,24 vs. 0,18, p=0,034). Das Risiko einer nosokomialen Infektion (alle Erreger) war in der SG insgesamt um 24% erhöht (Inzidenzraten Verhältnis IRR= 1,24). Die multivariate Analyse, bei der mögliche andere Einflussfaktoren auf dieses Ergebnis mit berücksichtigt werden, bestätigte das erhöhte Infektionsrisiko wenn Waschbecken in den Patientenzimmern vorhanden sind.

Die Autoren schlussfolgern, dass insbesondere bei dem Bau neuer Intensivstationen, sowie auch bei Umbauten bereits bestehender Intensivstationen das Risiko von Erregerübertragungen oder auch Infektionen, die mit Waschbecken in den Patientenzimmern zusammenhängen, bedacht werden sollten. Der Verzicht auf den Bau eines Waschbeckens in den Patientenzimmern könnte daher eine Maßnahme sein, um das Risiko für nosokomiale Infektionen zu senken.

Die vollständige Studie von Fucini et al. finden Sie unter dem folgenden Link.

 

 

 

 

 

 

Bild mit Darstellung einer hygienischen Händedesinfektion. Im Hintergrund ist ein Waschbecken mit einem Händedesinfektionsmittelspender zu sehen.
Hygiene
Wo werden Spender für Händedesinfektionsmittel benötigt und wo reichen Wasser und Seife?
Grundlagen zum Händewaschen und der hygienischen Händedesinfektion mit Besonderheiten der verschiedenen Infrastrukturen.
Schwarz-Weiß Bild mit Darstellung eines laufenden Wasserhahnes
Hygiene
Was ist bei Wassersystemen zu beachten?
Hygienische Aspekte zur Infektionsprävention bei der Planung von Wassersystemen.

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Baumaßnahmen in Einrichtungen des Gesundheitswesens sind hygienerelevant!

03. November 2026 um 12:49
Baumaßnahmen in Einrichtungen des Gesundheitswesens sind hygienerelevant!

Baumaßnahmen im Krankenhaus sind oft unvermeidlich und müssen teilweise im laufenden Patientenbetrieb durchgeführt werden. Durch die Baumaßnahmen wird Baustaub freigesetzt, der durch krankheitserregende Mikroorganismen, insbesondere Pilze (Aspergillen) kontaminiert sein kann [1]. Hierdurch besteht die Möglichkeit einer Patientengefährdung. Was bei der Durchführung von Baumaßnahmen in medizinischen Einrichtungen zu beachten ist, erfahrt ihr hier.

Baustaub – eine potentielle Gesundheitsgefahr

Der Baustaub kann in angrenzende Bereiche gelangen. Vor allem für immunsupprimierte Patient*innen entsteht hierdurch ein erhöhtes Risiko einer nosokomialen Aspergilleninfektion. Besonders gefährdete Bereiche sind beispielsweise die Hämato-Onkologie, der OP und Intensivstationen. Im Krankenhaus sind Baumaßnahmen daher hygienerelevant. Um einen Staubaustrag in angrenzende Bereiche zu verhindern und die Patient*innen zu schützen, sind entsprechende infektionspräventive Maßnahmen während der Bautätigkeiten zu ergreifen [2].

 

Staubschutzmaßnahmen ergreifen

Die Planung einer Baumaßnahme im Krankenhaus umfasst ergänzend immer auch die Planung erforderlicher Staubschutzmaßnahmen. Die Art, sowie der Umfang hängen von der jeweiligen Baumaßnahme und dem betroffenen Bereich ab und müssen frühzeitig mit dem Personal der Krankenhaushygiene abgestimmt werden. Die Baumaßnahme sollte erst nach erfolgter Abnahme des Staubschutzes durch die Krankenhaushygiene erfolgen. Zusätzliche hausinterne Vorgaben sind zu beachten.

Das Ziel der Staubschutzmaßnahmen ist es, einen Austrag in angrenzende (patientenführende) Bereiche zu verhindern. Um dies zu erreichen erfolgt der Zugang zu der Baustelle optimalerweise von außen, damit Schutt und Material und die Wegeführung des Baupersonals nicht über patientenführende Bereiche erfolgen muss. In vielen Situationen ist dies jedoch nicht möglich. Zudem ist immer auch eine konsequente Abschirmung der Bauzone von angrenzenden Klinikbereichen wichtig. Hierfür sind solide Staubschutzwände erforderlich, die Zwischenräume (zu Boden/ Wänden/ Decke) sollten zusätzlich z.B. mittels Folie/ Klebeband abgedichtet werden. Wenn Zwischendecken vorhanden sind, sollten diese entsprechend der lokalen Gegebenheiten abgedichtet werden.
Bei größeren Baumaßnahmen kann ggf. die Errichtung einer Schleuse (für Material und Personal) notwendig sein. Es ist auf eine getrennte Wegeführung für Patient*innen und Personal einerseits und Bauarbeiter*innen andererseits zu achten. Der Abtransport von Bauschutt sollte ebenfalls möglichst über nicht-patientenführende Wege bzw. zeitlich außerhalb der Haupt- Betriebszeiten erfolgen.

Darüber hinaus sollte die Klimaanlage bzw. raumlufttechnische Anlage im betreffenden Bauabschnitt abgeschaltet oder abgeschottet werden, um eine Verteilung des Baustaubes über diesen Weg zu verhindern. Innerhalb des zu bebauenden Bereiches müssen Medizinprodukte, Sterilgut, medizintechnische Geräte, etc. vor Kontamination mit Staub geschützt werden und sollten vor Beginn der Baumaßnahme soweit möglich aus dem Baustellenbereich entfernt werden. Schränke und nicht mobile Gegenstände sind auszuräumen oder sollten durch Abkleben etc. vor Staubstaub geschützt werden.

Bei sehr staubträchtigen Arbeiten oder der Nähe zu stark gefährdeter Patient*innen, sollte eine erhöhte Reinigungs-/Desinfektionsfrequenz der angrenzenden Bereiche erfolgen.

Bei Baumaßnahmen an trinkwasserführenden Systemen oder lüftungstechnischen Anlagen sind entsprechende Vorgaben darüber hinaus zu beachten.

Für die Einhaltung der hygienischen Sicherungsmaßnahmen während der Bauphase ist im allgemeinen der/ die Bauherr*in verantwortlich und hat dafür zu sorgen, dass alle an der Baumaßnahme Beteiligten einschließlich der Mitarbeitenden von Fremdfirmen über die hygienischen Sicherungsmaßnahmen informiert werden.

 

Die oben genannten Maßnahmen sollen einen allgemeinen Überblick über notwendige Staubschutzmaßnahmen geben. Die konkrete Umsetzung, sowie ggf. notwendige ergänzende Maßnahmen sind von den lokalen Gegebenheiten vor Ort abhängig und sollten mit dem krankenhaushygienischen Personal abgesprochen werden. Die Einhaltung der Staubsicherungsmaßnahmen kann eine Gefährdung der Patient*innen durch die Baumaßnahme reduzieren.

 

Quellen:

[1]= Vonberg RP, Gastmeier P. Nosocomial aspergillosis in outbreak settings J Hosp inf 2006; 63, 246-254

[2]= Fournel I et al. Airborne Aspergillus contamination during hopital constructinon works: Efficacy of protective measures. Am J Infect Control 2010, 38 189-194

Abbildung mit Darstellung verschiedener Übertragunsgwege von Krankheitserregern
Hygiene
Infektionsübertragungswege
Welche Übertragungswege von Krankheitserregern gibt es? Welche Erreger werden wie übertragen?

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Welche Rolle spielen luftübertragbare Erreger im Krankenhaus und welche Risikobereiche für eine Luftübertragung gibt es?

03. November 2026 um 12:48
Welche Rolle spielen luftübertragbare Erreger im Krankenhaus und welche Risikobereiche für eine Luftübertragung gibt es?

Welche Rolle spielen luftübertragbare Erreger im Krankenhaus und welche Risikobereiche für eine Luftübertragung gibt es?

Erreger können auf unterschiedlichen Wegen übertragen werden. Viele respiratorische Erreger, wie z.B. SARS-CoV-2 oder Influenza werden über die Luft, das heißt über Tröpfchen oder Aerosole übertragen und können sich vor allem bei schlechter Belüftung schnell ausbreiten. Um nosokomiale Infektionen zu vermeiden, sind gute Infektionspräventionsmaßnahmen im Krankenhaus essentiell.  In diesem Artikel sollen die Herausforderungen bei der Prävention luftübertragbarer Erreger thematisiert werden, sowie besondere Risikobereiche für die Luftübertragung im Krankenhaus definiert werden.

Relevanz und luftübertragbarer Erreger im Krankenhaus

Im Krankenhaus treffen unterschiedliche Personengruppen aufeinander: Patient*innen die mit bzw. wegen respiratorischen Erkrankungen behandelt werden, Patient*innen die wegen anderen akuten oder chronischen Erkrankungen aufgenommen werden, ambulante Patient*innen und Mitarbeitende verschiedener Berufsgruppen, sowie Besucher*innen. Es ist essentiell die Übertragung von Infektionserregern von bereits infizierten Personen auf andere Personen, zu verhindern.

SARS-CoV-2, ein typisches luftübertragbares Virus, wird hauptsächlich über Tröpfchen und Aerosole übertragen, welche beispielweise beim Sprechen, Atmen, Husten und Niesen entstehen. Tröpfchen können bei nahem Kontakt (bis ca. 1,5 m) direkt auf die Schleimhäute einer anderen Person übertragen werden.  Aerosole können sich schnell im Raum verbreiten und insbesondere bei geringem Luftaustausch oder in kleinen Räumen über längere Zeiträume in der Luft verbleiben und infektiös bleiben. Bei geöffneter Tür oder bei nicht korrekt eingestellten Lüftungsanlagen, können sich Aerosole in angrenzende Bereiche ausbreiten. Weitere Personen können die Aerosole einatmen und sich ggf. infizieren. Eine strikte Unterscheidung zwischen Übertragungen durch Tröpfchen und Aerosolen ist nicht sinnvoll, da es hier einen fließenden Übergang gibt.

Prinzipiell können sich alle Personen im Krankenhaus mit luftübertragbaren Erregern infizieren, weshalb theoretisch alle Bereiche des Krankenhauses, in denen Menschen aufeinandertreffen als Risikobereiche anzusehen sind. Im Folgenden werden Bereiche mit darüberhinausgehendem Risiko für die Übertragung von luftübertragbaren Erregern betrachtet.

 

Risikobereiche im Krankenhaus für Luftübertragung

Als Risikobereiche für eine Luftübertragung gelten Räume mit hohem Personenaufkommen, längerer Aufenthaltsdauer der Personen und schlechter Belüftung, da dies die Wahrscheinlichkeit einer Aerosolverbreitung und damit das Risiko einer Exposition erhöht. Dazu zählen beispielsweise Wartebereiche für Patient*innen, Notaufnahmen, der Aufwachraum im OP oder Pausenräume für das Personal. Ebenfalls kritisch sind Stationen mit Mehrbettzimmern. Hier besteht bei einem infizierten Patienten das Risiko, dass gleich mehrere Mitpatientinnen exponiert werden – was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ausbreitung steigert. Hinzu kommt, dass häufige Patientenverlegungen mit wechselnden Zimmernachbarn die Kontrolle der Infektionsketten weiter erschwert.

Weitere Risikobereiche sind Abteilungen mit Patient*innen, die aufgrund einer geschwächten oder noch nicht ausgebildeten Immunabwehr besonders gefährdet sind, wie die Hämato-/Onkologie, Neonatologie oder Intensivstationen (ITS).
Außerdem kann auf pneumologischen Stationen ein erhöhtes Risiko für Luftübertragungen bestehen, da dort viele Patient*innen mit respiratorischen Infektionskrankheiten oder chronischen Atemwegserkrankungen behandelt werden. Diese Bereiche verfügen aber oft über eine gute infektionspräventive bauliche Ausstattung, wie das Vorhandensein mechanischer Lüftungssysteme zur Erzeugung eines Druckgradienten. Zudem verfügt das Personal in der Regel über eine hohe fachliche Kompetenz zur Prävention luftübertragbarer Erreger.

Ebenfalls risikobehaftet können bestimmte medizinische Tätigkeiten sein, sogenannte „Aerosol produzierende Tätigkeiten“ wie die Intubation, das offene Absaugen, Inhalationstherapie oder die Bronchoskopie. Durch diese Maßnahmen können potentiell infektiöse Aerosole vermehrt freigesetzt werden. Diese Prozesse können sowohl in Funktionsbereichen, wie der Bronchoskopie Abteilung stattfinden, im OP, oder auf ITS, aber zum Teil auch auf Normalstationen.

Ob es nach einer Exposition von luftübertragbaren Erregern zu einer Infektion kommt, wird vor allem von der individuellen Suszeptibilität (Empfänglichkeit) der Person für den Infektionserreger beeinflusst. Diese ist beispielweise abhängig von Alter, Grunderkrankungen, Immunitätslage, Impfstatus, etc..

 

Maßnahmen gegen die Ausbreitung luftübertragbarer Erreger

Bei bekannter Infektion mit einem luftübertragbaren Erreger oder bei entsprechender respiratorischer Symptomatik werden Patient*innen im Krankenhaus isoliert. Der Umfang der Isolationsmaßnahmen ist abhängig vom Erreger bzw. Übertragungsweg, sowie interner Vorgaben des Krankenhauses.  Zum Beispiel sollten die Patient*innen in Isolation wegen luftübertragbarer Erreger im Einzelzimmer, möglichst mit raumlufttechnischer Anlage, untergebracht werden. Bei der Versorgung der Patient*innen sollten vom Personal Masken getragen werden bzw. Patient*innen bei Verlassen des Zimmers eine Maske tragen. Damit die infektiösen Aerosole nicht in angrenzende Patientenzimmer oder Bereiche gelangen, sollten die Türen bei den isolierten Patient*innen geschlossen gehalten werden. Ein gutes Kontaktpersonenmanagement (z.B. Quarantäne mit Symptommonitoring von Kontaktpersonen, Testung bei Infektionsverdacht oder nach bestimmtem zeitlichem Intervall) kann dazu beitragen, mögliche Erregerübertragungen auf Kontaktpersonen frühzeitig zu erkennen und so die weitere Ausbreitung eines Erregers zu verhindern.

Eine Herausforderung der Infektionsprävention besteht bei Patient*innen, die sich noch in der präsymptomatischen Phase befinden oder bei welchen noch kein Testergebnis auf einen luftübertragbaren Erreger vorliegt. Hier kann bereits eine Infektiosität bestehen, ohne dass diese bekannt ist.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass luftübertragbare Erreger wie SARS-CoV-2 oder Influenza im Krankenhaus ein Risiko für nosokomiale Atemwegsinfektionen darstellen, besonders bei schlechter Belüftung oder hoher Personendichte. Das Infektionsrisiko wird durch patientenbezogene Faktoren wie dem individuellen Immunstatus, der Expositionszeit, den durchgeführten Tätigkeiten, sowie baulichen Strukturen wie der Art der Unterbringung oder dem Vorhandensein einer raumlufttechnischen Anlage beeinflusst. Die Prävention erfordert daher eine Kombination aus baulich-strukturellen Maßnahmen, fachlicher Schulung des Personals und konsequenter Anwendung von infektionspräventiven Maßnahmen – auch bereits bei Verdachtsfällen.

 

Abbildung mit Darstellung verschiedener Übertragunsgwege von Krankheitserregern
Hygiene
Infektionsübertragungswege
Welche Übertragungswege von Krankheitserregern gibt es? Welche Erreger werden wie übertragen?
Zwei Personen im Schnitt mit Atemwegen und Lunge, dazwischen ausgeatmete Partikel, darüber ein Luftauslass an der Decke und aufsteigende Wärme an den Körpern
Lüftungstechnik
Übertragung von Krankheitserregern über die Luft
Im folgenden Artikel wird die Übertragung von Krankheitserregern über die Luft, das Verhalten von Erregern in der Luft und wie ihre Konzentration in der Innenraumluft reduziert werden kann, thematisiert.
Bild mit Darstellung verschiedener Generationen (Mädchen, Frau mittleren Alters, älterer Mann), die beieinander sitzen und ein enges Verhältnis zu haben scheinen.
Hygiene
Exposition und Disposition der verschiedenen Nutzergruppen
Beurteilung des Infektionsrisikos in den jeweiligen Infrastrukturen für die verschiedenen Nutzergruppen.

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Handschuhe schützen uns zuverlässig vor Infektionen, oder?

03. November 2026 um 12:19
Handschuhe schützen uns zuverlässig vor Infektionen, oder?

Medizinische Einmalhandschuhe sind Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung und dienen dem Eigenschutz von Mitarbeitenden bei Kontakt mit potentiell infektiösem Material. Jedoch werden Handschuhe im Krankenhaus auch in vielen Situationen getragen, in welchen sie nicht notwendig sind und sogar schädlich sein können. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Indikationen für eine Handschuhnutzung und in welchen Situationen Handschuhe nicht eingesetzt werden sollen.

Im Krankenhaus stellt die direkte Kontaktübertragung von Erregern, vor allem über unsere Hände, einen relevanten Infektionsweg dar. Deswegen stellt sich die Frage wie wir uns und die Patient*innen optimal vor Erregerübertragungen schützen können.

Die medizinischen Einmalhandschuhe sind ein Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Sie dienen dem Schutz des Personals vor grober Kontamination der Hände, indem sie z.B. beim Umgang mit potentiell infektiösen Sekreten/Exkreten wie Blut oder anderen Körperflüssigkeiten eine zusätzliche Barriere darstellen. Leider geben die Handschuhe oft ein falsches Gefühl der Sicherheit und lassen uns unaufmerksamer werden. Dies ist problematisch, da beim Einsatz von Handschuhen oft die hygienische Händedesinfektion, die die eigentliche hygienerelevante Maßnahme darstellt, vergessen wird. Krankheitserreger sind winzig klein und mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Die Handschuhe sind nicht 100%ig dicht. Das bedeutet, dass die Erreger, wenn wir Handschuhe tragen trotzdem auf unsere Hände gelangen können. Auch beim Ausziehen der (kontaminierten) Handschuhe gelangen häufig Erreger auf unsere Hände. Bei Ausbleiben der notwendigen Händedesinfektionen bleiben die Erreger auf den Händen und können dann auch auf andere Personen oder Gegenstände übertragen werden. Eine weitere Gefahr für Erregerübertragungen besteht, wenn Handschuhe prozessübergreifend oder patientenübergreifend eingesetzt werden.

In vielen Situationen werden zudem Handschuhe getragen, obwohl diese gar nicht notwendig sind, z.B. beim Impfen oder Blutdruckmessen. Selbst bei der Versorgung von Patient*innen mit multiresistenten Erregern, sind in der Regel keine Handschuhe notwendig, solange kein Kontakt zu Schleimhaut oder Körperflüssigkeiten besteht.

Tabelle 1 zeigt Beispiele in welchen Situationen im Krankenhaus medizinische Einmalhandschuhe getragen werden sollen und in welchen Situationen KEINE Handschuhe getragen werden sollen (Auszug nach KRINKO, vgl. Epidemiologisches Bulletin 10/24).

Neben dem Risiko für Erregerübertragungen durch den unsachgemäßen Einsatz von medizinischen Einmalhandschuhen, führt deren übermäßiger Einsatz zu einer erheblichen Abfallmenge, welches ökologische Belastungen verursacht und somit auch ein nachhaltiges Problem darstellt.

 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass medizinische Einmalhandschuhe im Krankenhaus häufig ohne Indikation eingesetzt werden. Dies kann zu Erregerübertragungen auf Patient*innen, anderes Personal oder Gegenstände führen. Die hygienische Händedesinfektion ist die notwendige infektionspräventive Maßnahme, die vor Erregerübertragungen schützt, nicht die Handschuhe. Aus baulicher Sicht ist deswegen bei der Planung von Krankenhäusern und Patientenzimmern eine Ausstattung mit gut erreichbaren und gut sichtbaren Händedesinfektionsmittelspendern zu beachten, um eine indikationsgerechte hygienische Händedesinfektion zu ermöglichen.

Weitere Information zu den Indikationen der hygienischen Händedesinfektion finden Sie auf den Seiten der Aktion Saubere Hände, sowie in den untenstehenden Artikeln.

Abbildung mit Darstellung verschiedener Übertragunsgwege von Krankheitserregern
Hygiene
Infektionsübertragungswege
Welche Übertragungswege von Krankheitserregern gibt es? Welche Erreger werden wie übertragen?
Bild mit Darstellung einer hygienischen Händedesinfektion. Im Hintergrund ist ein Waschbecken mit einem Händedesinfektionsmittelspender zu sehen.
Hygiene
Wo werden Spender für Händedesinfektionsmittel benötigt und wo reichen Wasser und Seife?
Grundlagen zum Händewaschen und der hygienischen Händedesinfektion mit Besonderheiten der verschiedenen Infrastrukturen.

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Temporäre Isolierung und Versorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern in Krankenhäusern

02. November 2026 um 20:49
Temporäre Isolierung und Versorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern in Krankenhäusern

Temporäre Isolierung und Versorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern in Krankenhäusern

Globalisierung, Klimawandel und weltweites Bevölkerungswachstum erhöhen das Ausbreitungsrisiko auch von hochpathogenen Erregern. Doch wie kann reagiert werden, wenn der Verdacht einer Infektion mit einem solchen Erreger bei einer Patientin oder einem Patienten zum Beispiel in der Notaufnahme ausgesprochen wird und keine sofortige Möglichkeit zur Isolierung in einer hierfür spezialisierten Einrichtung besteht? Wo und wie lange sollte eine entsprechende Isolierungsmaßnahme im Krankenhaus stattfinden? Und wie kann eine geeignete bauliche Umgebung bei der Isolierung und Versorgung solcher Patient*innen helfen?

Hochpathogene Erreger – Eine wachsende Gefahr für Deutschland?

Der Anstieg der weltweiten Bevölkerungszahlen, die Globalisierung und der Klimawandel erhöhen das Risiko, dass sich hochpathogene Erreger aus anderen Klimazonen auch bei uns in Deutschland ausbreiten können. Zu diesen sogenannten „High Consequence Infectious Diseases“ (HCIDs) gehören überwiegend Erreger der Risikogruppe 4 gemäß Biostoffverordnung (BiostoffV), wie z. B. das Ebola- oder Marburg-Virus. Potente Krankheitserreger können sich in stetig wachsenden und sich verdichtenden urbanen Räumen leichter verbreiten und somit steigt auch das Risiko erhöhter Mutationsraten, was unter Umständen zu einer weiteren Anpassung des Virus an veränderte Umgebungsbedingungen führen kann. Die zunehmende globale Mobilität ermöglicht dann eine Ausbreitung weit über Ländergrenzen hinaus.

Ein in Deutschland lokalisiertes Ausbruchsgeschehen ist aktuell noch recht unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist die Einreise infizierter Reiserückkehrer*innen aus Epidemiegebieten außerhalb Deutschlands. Dabei besteht das Risiko, dass diese sich bei Auftritt von Symptomen nicht sofort in eines der hierfür in Deutschland zuständigen Krankenhäuser mit Sonderisolierstation (SIS) begeben. Mögliche erste Anlaufstellen sind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit die regionalen Krankenhäuser und deren Notaufnahmen. Es stellt sich also die Frage nach dem Umgang mit diesen Patient*innen, deren Versorgung vor Ort bis zum Transport auf die zuständige SIS binnen 24 Stunden nach Aussprache des Verdachts und der Sicherheit von Mitarbeitenden und anderen Patient*innen.

Vorbereitungen für den Ernstfall – Wie ist der Stand?

Der für eine adäquate Isolierung und Versorgung von HCID-Patient*innen bzw. -Verdachtsfällen tatsächliche Vorbereitungs- und Ausbildungsstand in den Kliniken ist schwer zu ermitteln, scheint jedoch aktuell sehr unterschiedlich zu sein. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Kliniken bei derartigen Gefahrenlagen an den Rand ihrer Kapazitäten und Kompetenzen gelangen, da für die benötigten Mitarbeiterschulungen im Klinikalltag oft keine Zeit und nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Hinzu kommt die Tatsache, dass alle Maßnahmen in diesem Bereich sehr personal- und materialintensiv sind, viel Logistik und idealerweise auch entsprechende Räumlichkeiten erfordern. Einen guten Einblick in die Komplexität gibt hier zum Beispiel das „Handbuch EKOS-Net: Hygienemanagement bei Verdacht auf Krankheiten durch hochpathogene Erreger außerhalb einer Sonderisolierstation“ des Robert Koch-Instituts (Robert Koch-Institut 2026).

Somit ergeben sich insbesondere bei Bestandsbauten ohne vorhandene bzw. geeignete Isolierbereiche einige Herausforderungen, da der Aufwand für mögliche bauliche Anpassungen je nach Ausgangslage und Anforderungen durchaus erheblich sein kann. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit der Einreise von mit hochpathogenen Erregern infizierten Patient*innen aktuell noch relativ gering. Die Konsequenzen einer verspäteten oder falschen Diagnose und/oder eines falschen Umgangs mit solchen Patient*innen wären wiederum schwerwiegend. Je länger HCID-Patienten unentdeckt oder ohne konkrete Diagnose bleiben, desto mehr steigt das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Erregers. Und aufgrund der zuvor genannten Herausforderungen bei der Isolierung und Versorgung solcher Patient*innen kommen auch eigentlich stabile Gesundheitssysteme bei steigenden HCID-Infektionszahlen schnell an einen Punkt, an dem es Auswirkungen auf die alltägliche Versorgung anderer Patient*innen geben kann.

Aus diesen Gründen sollten in naher Zukunft weitere Anstrengungen unternommen werden, Konzepte zum präventiven Infektionsschutz und zur temporären Isolierung und Versorgung von Verdachtsfällen oder tatsächlich infizierter Personen in Krankenhäusern ohne Sonderisolierstation zu entwickeln und zu implementieren. Neben Schulungskonzepten und Kommunikationsstrategien zur Resilienzförderung für die Mitarbeitenden der Kliniken heißt dies auch die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine sichere temporäre Isolierung zu schaffen und bereitzuhalten.

Mehr als reine Isolierung – Konzepte und Lösungen für die sichere Versorgung von HCID-Patient*innen

Weltweit wurden verschiedene Möglichkeiten der Isolierung und Versorgung von HCID-Patienten entwickelt, die jeweils unterschiedliche bauliche Anforderungen haben und verschiedene Level der Patientenversorgung und -behandlung ermöglichen. So gibt es zum Beispiel modulare Containersysteme, die zu Unterdruck-isolierstationen zusammengesetzt werden können. Ein solches System wurde zum Beispiel während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 zur Erweiterung der bestehenden Isolierungs- und Versorgungskapazitäten in Singapur eingesetzt (Wee et al. 2021). Weitere Konzepte beinhalten Patientenzimmer und Stationen mit vorgeschalteten Schleusenbereichen, die im Normalfall z. B. für die Isolierung von Patienten mit multiresistenten Keimen genutzt werden, sowie unterschiedliche Zeltsysteme, bei denen je nach Konzept allerdings auch das Spektrum möglicher Pflege- und Behandlungsmaßnahmen für die Patient*innen reduziert ist.

Die genannten Zelt- oder Containersysteme sind von den eigentlichen Krankenhausgebäuden mehr oder weniger unabhängige Lösungen und bieten daher auch einige Vorteile, wie z. B. die geringe Gefahr einer Eintragung des Erregers in andere Krankenhausbereiche, keine räumlichen Einschränkungen in den anderen Gebäuden durch die Einrichtung eines temporären Isolierbereiches und dadurch hervorgerufene mögliche Störungen bei der Versorgung anderer Patient*innen. Allerdings haben sie auch deutliche Nachteile. So sind Containersysteme teuer und eine Nutzung außerhalb des Einsatzbereiches als Isolierstation ist zumeist unpraktikabel. Die Aufstellung von Containersystemen im Akutfall kostet zu viel Zeit und bei einer dauerhaften Aufstellung werden regelmäßige Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten notwendig. Sie kosten somit auch bei Nichtnutzung Geld. Außenzeltsysteme können im Einsatzfall zwar deutlich schneller als die Containersysteme aufgestellt werden,  bei einer normalerweise anvisierten Isolierungsdauer der Patient*innen von maximal 24 Stunden bis zum Transport in eine Sonderisolierstation ist die benötigte Aufbauzeit, inklusive Anschluss an die notwendige technische Infrastruktur, jedoch ebenfalls zu lang. Zudem bieten Außenzeltsysteme nur wenig Schutz gegen schwankende Temperaturen und Umgebungsgeräusche, was bei bereits geschwächten Patient*innen zu weiterem Stress führen kann.

Zur temporären Isolierung in Bestandsgebäuden werden aus Sicht des baulich-funktionalen Hygienemanagements verschiedene Anforderungen an die Räumlichkeiten definiert. Hierbei muss standortspezifisch der jeweils bestmögliche Kompromiss zwischen der geforderten Qualität der medizinischen Versorgung für die HCID-Patienten, der Sicherheit für die Mitarbeitenden und anderen Patienten sowie den verfügbaren finanziellen, logistischen und infrastrukturellen Mitteln gefunden werden.

Zu den infrastrukturellen Anforderungen gehören u. a.:

  • Ein ausreichend großer, separierbarer Bereich, der nicht als Durchgangs- oder Verbindungsbereich dient. Dieser sollte idealerweise einen zusätzlichen, leicht zugänglichen und abschließbaren Zugang von außen mit einer lichten Breite von min. 90 cm haben.
  • Der als am wahrscheinlichsten angesehene Ort der Verdachtsdiagnose ist die Notaufnahme. Um die Transportwege des potenziell infizierten Patienten zu verkürzen und die Gefahr einer hierdurch verursachten Ausbreitung des Erregers im Krankenhaus zu verringern, sollte sich der Isolierbereich daher in der Nähe der Notaufnahme befinden.
  • Dieser Bereich sollte folgende Räumlichkeiten umfassen:
    • Ein ausreichend dimensioniertes Isolierzimmer. Idealerweise sollte man, unter Berücksichtigung der Erschwernisse des Arbeitens in persönlicher Schutzausrüstung (PSA), von allen Seiten an den Patienten rankommen ohne das Patientenbett oder andere Ausstattungsgegenstände hin und her schieben zu müssen.
    • Raum zum Ankleiden der PSA mit ausreichend Platz zur Lagerung des Materials.
    • Raum zur Dekontamination und Auskleiden der PSA. Dieser ist dem Isolierzimmer direkt vorgeschaltet und dient auch als „Luftschleuse“ zur Verhinderung eines direkten Luftaustauschs zwischen dem Risikobereich (Rotbereich) und dem Bereich mit geringem Infektionsrisiko (Grünbereich). Bei wenig zur Verfügung stehendem Platz kann hier auch das Ankleiden erfolgen. Hierfür müssen dann jedoch die einzelnen Prozesse eng miteinander abgestimmt sein, um zum Beispiel das Betreten des Raumes durch einen Mitarbeitenden aus dem Rotbereich während des Ankleidens zu verhindern.
    • Zusätzlicher Materiallagerraum
    • Lagerraum für sicher und luftdicht verpackten Abfall. Dieser ist ausreichend groß zu dimensionieren, da erheblicher Materialverbrauch zu erwarten ist.
    • Büroraum / Mitarbeiterstützpunkt
    • Weitere Räume nach Bedarf und Konzept.
  • Alle Bereichsräume sollten geeignete Oberflächenqualitäten und Bauteilfügungen aufweisen, d. h. sie sollten robust, geschlossen, glatt, abriebfest sowie chemikalien- und desinfektionsmittelbeständig sein.
  • Die in dem Bereich installierten haustechnischen Anlagen müssen entweder den Anforderungen eines Isolierbereiches entsprechen oder, falls dies nicht der Fall ist, für die Zeit der Isolierungsmaßnahme außer Betrieb genommen werden können. Dies betrifft überwiegend die Lüftungsanlage, da grundsätzlich auch von einem möglichen Auftreten aerogen übertragbarer Erreger ausgegangen werden muss. Ist das Isolierzimmer also über einen Lüftungskanal mit anderen Räumen oder Bereichen des Krankenhauses verbunden, besteht die Gefahr einer ungewollten Ausbreitung der Erreger über diese Verbindung (z. B. wenn im Isolierzimmer unbeabsichtigt ein Überdruck gegenüber den anderen Räumlichkeiten auftritt).
  • Aufgrund des finanziellen sowie personellen Aufwands bei Errichtung und Instandhaltung ist die Notwendigkeit einer autarken Lüftungsanlage mit HEPA-Filtern zum Aufbau eines Unterdrucks im temporären Isolierbereich abzuwägen und zu diskutieren. Sollte eine solche Anlage jedoch bereits vorhanden sein, ist dies für den Betrieb von Vorteil.
  • Insbesondere für das Isolierzimmer werden abgehängte Decken und Festeinbauten kritisch gesehen. Diese können, je nach Konstruktion und Material, (nicht luftdicht) geschlossene Bereiche ausbilden, in denen sich potenziell sekundäre Erregerreservoire bilden und die den Aufbau eines im gesamten Raum konstanten Unterdrucks und eine vollständige Raumdekontamination (z.B. durch Begasung) nach Beendigung der Isolierungsmaßnahme erschweren.
  • Sämtlicher Abfall aus dem Risikobereich darf nicht der normalen Entsorgung zugeführt werden, sondern muss entweder
    • direkt in der Station vollständig dekontaminiert (z. B. über geeignete Autoklaven) und anschließend über den normalen Abfall entsorgt werden oder
    • in mehreren Lagen sicher verpackt und von außen dekontaminiert an ein hierfür zertifiziertes Entsorgungsunternehmen übergeben und an anderer Stelle dekontaminiert und entsorgt werden.
  • Bei der Entsorgung von kontaminiertem Abwasser ist die Nutzung des normalen Abwasserleitungssystems der Bestandshäuser auszuschließen, da hierüber eine potenzielle Ausbreitung der Erreger möglich ist. Flüssigabfälle sind daher soweit möglich zu vermeiden, im gegebenen Fall über Zellulose oder ähnliche Materialien zu binden, sicher zu verpacken und mit dem weiteren Abfall später über geeignete Verfahren zu dekontaminieren und zu entsorgen.

Ansprechpartner und Regularien

Das zentrale Gremium in diesem Fachgebiet stellt in Deutschland der Ständige Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) am Robert Koch-Institut dar. Der STAKOB ist ein bundesweites Expertennetzwerk, das das Management, die Versorgung und die Behandlung von HCID-Patienten koordiniert.

Regulatorische Vorgaben zu diesem Gebiet finden sich zum Beispiel in der Biostoffverordnung (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie des Bundesamts für Justiz 15.07.2013) und den dazugehörigen „Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe“ (TRBA). Hervorzuheben sind hierbei insbesondere die TRBA 250 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2025b) sowie die TRBA 252 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2025a). Einen umfassenden Überblick zu dem Thema bietet außerdem das im März 2026 vom Robert Koch-Institut herausgegebene und bereits erwähnte „Handbuch EKOS-Net“ (Robert Koch-Institut 2026).

Fazit

Unabhängig davon welches Konzept ausgewählt wird, sollte die Lösung eine angemessene Versorgung betroffener Patient*innen und Verdachtsfälle zulassen, ohne dabei unwirtschaftlich hohe Erstinvestitionen und Unterhaltungs- sowie Personalkosten zu generieren. Gleichzeitig soll ein Höchstmaß an Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter gewährleistet werden.

Literaturverzeichnis

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie des Bundesamts für Justiz (15.07.2013): Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen. Biostoffverordnung – BioStoffV, vom Vom 15.07.2013 (BGBl. I S. 2514). Online verfügbar unter https://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html, zuletzt geprüft am 26.10.2026.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (Hg.) (2025a): Tätigkeiten mit Biostoffen der Risikogruppe 4 im Gesundheitsdienst und im Bestattungswesen. TRBA 252. Online verfügbar unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRBA/TRBA-252, zuletzt geprüft am 12.05.2026.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (Hg.) (2025b): Biologische Arbeitsstoffe im Gesund­ heitsdienst und in der Wohlfahrtspflege. TRBA 250. Online verfügbar unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRBA/TRBA-250, zuletzt geprüft am 12.05.2026.

Robert Koch-Institut (Hg.) (2026): Handbuch EKOS-Net: Hygienemanagement bei Verdacht auf Krankheiten durch hochpathogene Erreger außerhalb einer Sonderisolierstation. Praxisbericht mit Arbeitshilfen und Hinweisen. Unter Mitarbeit von Melanie Brunke. Robert Koch-Institut / ZBS 7: Strategie und Einsatz. Online verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Biologische-Gefahren/Handlungsempfehlungen/Verdachts-Krankheitsfall/Handbuch-EKOS-Net_pdf.html, zuletzt geprüft am 12.05.2026.

Wee, Liang En; Fan, Esther Monica Peijin; Heng, Raphael; Ang, Shin Yuh; Chiang, Juat Lan; Tan, Thuan Tong et al. (2021): Construction of a container isolation ward: A rapidly scalable modular approach to expand isolation capacity during the coronavirus disease 2019 (COVID-19) pandemic. In: Infection Control and Hospital Epidemiology 42 (9), S. 1162–1164. DOI: 10.1017/ice.2020.1222.

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Wohin strömen Aerosole im Klassenraum?

30. Oktober 2026 um 09:24

Wohin strömen Aerosole im Klassenraum?

Zwei Strömungssimulationen zeigen, wie sich ausgeatmete Partikel in einem mechanisch belüfteten Klassenraum verteilen

Wie verteilen sich Aerosole in einem Klassenraum, wenn eine einzelne Person sie abgibt? Es wurde dafür ein Klassenraum mit einer Strömungssimulation (CFD, Computational Fluid Dynamics) untersucht. Der Raum wird mechanisch belüftet, das Raumvolumen wird neunmal pro Stunde ausgetauscht. Einmal gibt die Lehrkraft die Partikel ab, einmal eine Schülerin oder ein Schüler.

Was die Animationen zeigen

Jeder Punkt ist ein einzelnes Partikel, das von der Quelle in Atemhöhe abgegeben wird. Die Farbe gibt an, wie lange sich das Partikel schon im Raum befindet (Verweilzeit in Sekunden). Die Abluft wird oben an den Fenstern und an der Tür abgesaugt. So lässt sich verfolgen, wohin die Luftströmung die Partikel trägt, wo sie sich länger aufhalten und wie sie den Raum über die Abluft verlassen.

Abbildung 1: Partikelausbreitung im Klassenraum bei neunfachem Luftwechsel, die Lehrkraft gibt die Partikel ab. Simulation: Yunus Emre Cetin, TU Berlin, HRI.

Quelle bei einer Schülerin oder einem Schüler

Im zweiten Fall sitzt die Quelle zwischen den anderen Kindern. Der Vergleich zeigt, dass der Weg der Partikel davon abhängt, wo die Quelle sitzt und wie die Luft durch den Raum geführt wird.

Abbildung 2: Partikelausbreitung im Klassenraum bei neunfachem Luftwechsel, eine Schülerin oder ein Schüler gibt die Partikel ab. Simulation: Yunus Emre Cetin, TU Berlin, HRI.

Was das für die Planung bedeutet

Die Luftmenge allein sagt nicht, wohin die Partikel strömen. Entscheidend ist, wo Zuluft und Abluft angeordnet sind und wo sich die Menschen im Raum aufhalten. Wer Lüftung für Schulen plant, sollte deshalb die Luftführung im Raum mitdenken und nicht nur den Luftwechsel.

Die Simulationen sind qualitativ: Sie zeigen Strömungsbilder, keine Infektionswahrscheinlichkeiten. Wie stark Lüftung und Aufenthaltsdauer das Infektionsrisiko beeinflussen, lässt sich mit dem Infektionsrisiko-Rechner abschätzen.

Hinweis

Simulation: Yunus Emre Cetin, TU Berlin, Hermann-Rietschel-Institut. Software Simcenter STAR-CCM+, Lagrange-Partikelverfolgung.

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Infektionsrisiko-Rechner

30. Oktober 2026 um 08:51

Infektionsrisiko-Rechner

Wie stark beeinflussen Lüftung und Aufenthaltsdauer das Risiko, sich in einem Raum über Aerosole anzustecken? Der Rechner schätzt das individuelle Infektionsrisiko für nicht immunisierte Personen in typischen Innenräumen ab. Grundlage ist das PIRA-Modell (Predicted Infection Risk via Aerosols) nach Kriegel et al. (2020) .

Raum und Lüftung

Raum
Lüftung

2 h

Rahmen der Berechnung

Das Modell gilt für über die Luft (Aerosole) übertragbare Atemwegserkrankungen. Die voreingestellten Werte beschreiben beispielhaft SARS-CoV-2.

Quelle: PIRA-Modell (Predicted Infection Risk via Aerosols) nach Kriegel et al. (2020)

  • Gilt für nicht immunisierte Personen – ohne Impfschutz oder durchgemachte Infektion.
  • Die Luft im Raum ist vollständig (homogen) vermischt.
  • Zu Beginn befinden sich keine infektiösen Aerosole in der Raumluft.
  • Auch die während der Lüftung zugeführte Luft ist sauber (frei von Krankheitserregern).
  • Erreger-Emissionsrate: 100 Quanta/h (mittlere Infektiosität, normale Atmung).
  • Atemvolumenstrom: 0,54 m³/h (sitzende Tätigkeit).
  • Inaktivierungsrate: 0,58 1/h (Beispielwert SARS-CoV-2, Raumtemperatur).
  • Eine infektiöse Person (Atemwegserkrankung) im Raum.
  • Das Nahfeld infizierter Personen (< 1,5 m Abstand) ist nicht Teil der Berechnung.
  • Elimination durch Deposition auf Oberflächen wird vernachlässigt.

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Infektionsrisiko-Rechner

28. Oktober 2026 um 14:29

Infektionsrisiko-Rechner

Wie stark beeinflussen Lüftung und Aufenthaltsdauer das Risiko, sich in einem Raum über Aerosole anzustecken? Der Rechner schätzt das individuelle Infektionsrisiko für nicht immunisierte Personen in typischen Innenräumen ab. Grundlage ist das PIRA-Modell (Predicted Infection Risk via Aerosols) nach Kriegel et al. (2020) .

Raum und Lüftung

Raum
Lüftung

* Mindest-Außenluftvolumenstrom nach DIN EN 16798-1:2022, Kategorie II. „+ 50 %“ und „+ 100 %“ sind entsprechend erhöht.

2,0 h

Ergebnis

–

  • Niedrig unter 1 %
  • Moderat 1 bis 10 %
  • Hoch 10 bis 50 %
  • Sehr hoch über 50 %

Für den Rechner muss JavaScript im Browser aktiviert sein.

Rahmen der Berechnung

Das Modell gilt für über die Luft (Aerosole) übertragbare Atemwegserkrankungen. Die voreingestellten Werte beschreiben beispielhaft SARS-CoV-2.

Quelle: PIRA-Modell (Predicted Infection Risk via Aerosols) nach Kriegel et al. (2020) (öffnet in neuem Tab)

  • Gilt für nicht immunisierte Personen, also ohne Impfschutz oder durchgemachte Infektion.
  • Die Luft im Raum ist vollständig (homogen) vermischt.
  • Zu Beginn befinden sich keine infektiösen Aerosole in der Raumluft.
  • Auch die während der Lüftung zugeführte Luft ist sauber (frei von Krankheitserregern).
  • Erreger-Emissionsrate: 100 Quanta/h (mittlere Infektiosität, normale Atmung).
  • Atemvolumenstrom: 0,54 m³/h (sitzende Tätigkeit).
  • Inaktivierungsrate: 0,58 1/h (Beispielwert SARS-CoV-2, Raumtemperatur).
  • Eine infektiöse Person (Atemwegserkrankung) im Raum.
  • Das Nahfeld infizierter Personen (unter 1,5 m Abstand) ist nicht Teil der Berechnung.
  • Elimination durch Deposition auf Oberflächen wird vernachlässigt.

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CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg

13. Oktober 2026 um 12:50
CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg

CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg

Wie gut ist ein Raum belüftet? Eine einfache Messung schafft Klarheit

Wenn unklar ist, wie gut ein Raum tatsächlich belüftet ist, liefert eine Messung von Kohlenstoffdioxid (CO₂) schnell und kostengünstig Klarheit. Schon eine Basismessung, also eine erste Messung im normalen Betrieb über ein bis zwei Wochen, zeigt, ob die Luftqualität ausreicht oder Handlungsbedarf besteht. Der Artikel erklärt, warum CO₂ ein guter Indikator, also eine aussagekräftige Kenngröße, für die Lüftung ist, wie eine Basismessung abläuft und wie sich die Ergebnisse einordnen lassen.

Warum CO₂ ein guter Indikator ist

Menschen atmen CO₂ aus – je mehr Personen sich in einem Raum aufhalten und je schlechter gelüftet wird, desto stärker steigt die Konzentration. CO₂ ist damit ein zuverlässiger Stellvertreter für den Anteil verbrauchter Luft und indirekt für die Anreicherung ausgeatmeter Aerosole. Aerosole sind kleinste, in der Luft schwebende Tröpfchen und Partikel, die auch Krankheitserreger tragen können. CO₂ zeigt nicht die Erreger selbst an, eignet sich aber hervorragend, um die Lüftungssituation zu bewerten.

Orientierungswerte

Die CO₂-Konzentration wird in ppm angegeben (parts per million, also Millionstel Anteile der Luft): 1.000 ppm entsprechen 0,1 Prozent. Die Außenluft liegt bei rund 400–420 ppm. Als Faustregel gilt: Unter 1.000 ppm ist die Luftqualität gut. Dieser Richtwert geht auf den Hygieniker Max von Pettenkofer zurück und heißt deshalb Pettenkofer-Wert. Zwischen 1.000 und 2.000 ppm wird die Luftqualität auffällig, über 2.000 ppm ist sie hygienisch unzureichend – hier besteht klarer Handlungsbedarf. Diese Schwellen orientieren sich an der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“ [2].

CO₂-Orientierungswerte nach ASR A3.6. Quelle: eigene Darstellung nach ASR A3.6.

So läuft eine Basismessung ab

Ein einfaches NDIR-Messgerät genügt. NDIR steht für nichtdispersive Infrarotmessung: Der Sensor misst, wie stark CO₂ Infrarotlicht einer bestimmten Wellenlänge aufnimmt, und bestimmt daraus die Konzentration. So wird CO₂ direkt gemessen. Günstige Geräte, die CO₂ nur aus anderen Gasen abschätzen (oft als „eCO₂“ angegeben), sind für eine Bewertung nicht geeignet. Das Messgerät wird über ein bis zwei Wochen im normalen Betrieb aufgestellt und zeichnet den Tagesverlauf auf. Sinnvoll ist die Platzierung in Atemhöhe, also etwa 1,0 bis 1,5 m über dem Boden, nicht direkt neben Fenster, Tür oder einer Person. Werden mehrere Räume gemessen, lassen sich Problemzonen schnell erkennen.

Von der Messung zur Maßnahme

Aus dem Verlauf wird ersichtlich, wann und wo Spitzen auftreten – etwa in vollen Räumen am Nachmittag. Fällt die Kurve zwischendurch ab – etwa in der Mittagspause –, ist der Raum meist unbesetzt: ohne Personen fehlt die CO₂-Quelle, und die Lüftung senkt den Wert. Daraus lassen sich gezielte Schritte ableiten: häufigeres Stoßlüften (Fenster für wenige Minuten weit öffnen), geringere Belegung, eine dauerhaft installierte CO₂-Ampel, die den Messwert in Grün, Gelb und Rot anzeigt, oder – bei anhaltend hohen Werten – die Nachrüstung einer mechanischen Lüftung, also einer Lüftungsanlage mit Ventilatoren. Wie sich Raumluftqualität sensorbasiert im Krankenhaus dauerhaft überwachen lässt, zeigt unter anderem das Forschungsprojekt EnHance (Energy-efficient Hospital Environments), an dem die TU Berlin beteiligt ist [1]. Die Basismessung ist damit die Grundlage für fundierte Entscheidungen.

Typischer CO₂-Tagesverlauf – Spitzen zeigen Handlungsbedarf. Quelle: eigene Darstellung, Massenbilanzrechnung.

Quellen

[1] EnOB:EnHance – Energy-efficient Hospital Environments. Forschungsverbund u. a. mit TU Berlin (Hermann-Rietschel-Institut), TU Braunschweig und Charité (Laufzeit 2023–2026). https://hermann-rietschel-institut.de/research-en/building-en/enob-enhance/

[2] ASR A3.6 „Lüftung“ – Technische Regeln für Arbeitsstätten, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

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Organisatorische Maßnahmen bei fehlender Lüftung oder Ausfällen

13. Oktober 2026 um 09:09
Organisatorische Maßnahmen bei fehlender Lüftung oder Ausfällen

Organisatorische Maßnahmen bei fehlender Lüftung oder Ausfällen

Kurzfristige Stellschrauben, wenn die Lüftungstechnik fehlt oder ausfällt

Nicht jedes Gebäude verfügt über eine ausreichende Lüftung – sei es im Bestand ohne Anlage, bei unterdimensionierter Technik oder während eines Ausfalls. Bis eine technische Lösung umgesetzt ist, können organisatorische Maßnahmen die Luftqualität kurzfristig spürbar verbessern und das Infektionsrisiko senken. Der Artikel zeigt die wichtigsten Stellschrauben – und wo ihre Grenzen liegen.

Wenn die Lüftung nicht ausreicht

Das Ziel organisatorischer Maßnahmen ist einfach: die Menge an verbrauchter, potenziell erregerhaltiger Luft pro Person und Zeit begrenzen. Da sich Aerosole in schlecht belüfteten Räumen anreichern, wirken schon geringe Änderungen an Belegung und Nutzung. Vier Stellschrauben stehen dabei im Vordergrund (Abb. 1): weniger Personen pro Raum, eine kürzere Aufenthaltsdauer, regelmäßiges Stoßlüften sowie eine zeitliche und räumliche Entzerrung der Nutzung.

Vier organisatorische Stellschrauben bei fehlender Lüftung. Quelle: eigene Darstellung.

Belegung und Aufenthaltsdauer reduzieren

Weniger Personen pro Raum und kürzere Aufenthaltszeiten senken die Aerosolkonzentration unmittelbar. Wo möglich, sollten größere Räume genutzt, Gruppen verkleinert und längere Zusammenkünfte aufgeteilt werden. Auch das Verlegen von Aktivitäten nach draußen ist eine wirksame Option. (Abb. 2)

Weniger Personen und kürzere Aufenthalte senken die Aerosolkonzentration. Quelle: eigene Darstellung.

Nutzung zeitlich und räumlich entzerren

Termine takten, Pausen konsequent zum Stoßlüften nutzen und Räume zwischen zwei Nutzungen durchlüften – so wird die Luft regelmäßig ausgetauscht. Getrennte Wege, die in der Planung der Gebäudeerschließung berücksichtigt werden sollten, und versetzte Nutzungszeiten verringern zusätzlich, dass sich viele Menschen gleichzeitig denselben Luftraum teilen.

Ergänzende Maßnahmen und Grenzen

Mobile Luftreiniger mit HEPA-Filter (H13/H14) oder UVC-Systeme können die Aerosollast ergänzend senken, ersetzen aber keine Frischluftzufuhr. Einen energetischen Vergleich beider Ansätze in einem Luftreinigungsgerät liefern Brockmann et al. [1]. Eine CO₂-Ampel macht sichtbar, wann gelüftet werden muss, und unterstützt die Umsetzung im Alltag. Wichtig: Organisatorische Maßnahmen sind eine Übergangslösung. Sie verschaffen Zeit, ersetzen aber langfristig keine bedarfsgerechte Lüftung.

Quellen

[1] Brockmann, G.; Lausch, K. H.; Reißner, J. et al. (2026): Energetic comparison of the inactivation of airborne corona viruses using UVC radiation or a conventional HEPA filter in an air purification unit. Energy and Buildings. https://doi.org/10.1016/j.enbuild.2026.117513

[2] Kriegel, M.; Buchholz, U.; Gastmeier, P.; Bischoff, P.; Abdelgawad, A.; Hartmann, A. (2020): Predicted Infection Risk for Aerosol Transmission of SARS-CoV-2. medRxiv. https://doi.org/10.1101/2020.10.08.20209106

Weiterführende Artikel

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Hybridlüftung: Fenster und Technik sinnvoll kombinieren

13. Oktober 2026 um 09:04
Hybridlüftung: Fenster und Technik sinnvoll kombinieren

Hybridlüftung: Fenster und Technik sinnvoll kombinieren

Die Flexibilität der Fensterlüftung mit der Verlässlichkeit der Anlage verbinden

Viele Gebäude verfügen sowohl über zu öffnende Fenster als auch über eine mechanische Lüftungsanlage. Werden beide Systeme bewusst aufeinander abgestimmt, spricht man von Hybridlüftung. Richtig betrieben verbindet sie die Vorteile beider Welten: die Flexibilität der Fensterlüftung und die Verlässlichkeit der mechanischen Lüftung. Entscheidend ist das abgestimmte Zusammenspiel – andernfalls arbeiten die Systeme gegeneinander, und es entstehen Energieverluste oder eine schlechtere Luftqualität. Der Artikel erläutert, was Hybridlüftung ausmacht, worauf es bei der Regelung ankommt und wofür sie sich eignet.

Was ist Hybridlüftung?

Hybridlüftung kombiniert zwei Lüftungsprinzipien in einem Raum oder Gebäude: die freie (natürliche) Lüftung über Fenster oder Öffnungen und die mechanische Lüftung über eine Anlage. Beide Systeme können sich zeitlich abwechseln oder ergänzen. Maßgeblich ist, dass eine übergeordnete Logik festlegt, wann welches System die Hauptaufgabe übernimmt – nicht der Zufall.

Typisch ist, dass die mechanische Lüftung die verlässliche Grundversorgung sicherstellt, während die Fensterlüftung gezielt für zusätzliche Frischluft oder zur Nachtkühlung genutzt wird. Ebenso möglich sind jahreszeitlich umschaltende Konzepte, bei denen in der Übergangszeit überwiegend über Fenster und bei großer Kälte oder Hitze überwiegend mechanisch gelüftet wird. (Abb. 1)

Hybridlüftung kombiniert Fensterlüftung und mechanische Lüftung. Eine übergeordnete Regelung stimmt beide Wege aufeinander ab. Quelle: eigene Darstellung.

Warum kombinieren? Stärken und Grenzen beider Systeme

Fensterlüftung ist einfach, kostengünstig und von den Nutzenden direkt steuerbar. Ihre Wirkung hängt aber stark von Wetter, Wind und Verhalten der Nutzenden ab und ist deshalb schwer vorhersehbar. Mechanische Lüftung liefert dagegen einen definierten, gleichmäßigen Luftvolumenstrom – unabhängig von der Witterung – verursacht jedoch höhere Investitions- und Betriebskosten.

Die Hybridlüftung versucht, die jeweiligen Schwächen auszugleichen: Sie sichert über die Anlage einen Mindestluftwechsel und nutzt die Fensterlüftung dort, wo sie ohne großen Aufwand zusätzlichen Nutzen bringt. So lassen sich Energieeffizienz und Raumluftqualität besser in Einklang bringen als mit nur einem System allein.

Das Zusammenspiel: Regelung ist entscheidend

Der häufigste Fehler ist ein unkoordinierter Parallelbetrieb: Stehen Fenster offen, während die Anlage mit voller Leistung läuft, geht im Winter Heizenergie verloren, und die Wärmerückgewinnung kann ihre Wirkung nicht entfalten. Eine Hybridlüftung braucht deshalb klare Regeln, wann welches System aktiv ist.

Bewährt haben sich sensor- und bedarfsgeführte Strategien, etwa anhand der CO₂-Konzentration, der Raumtemperatur und der Außenbedingungen. Die Anlage kann ihre Leistung zurückfahren, wenn ausreichend über Fenster gelüftet wird, und automatisch hochfahren, wenn die Fenster geschlossen sind oder die Luftqualität sinkt. Anzeigen wie CO₂-Ampeln oder einfache Hinweise unterstützen die Nutzenden dabei, im richtigen Moment zu lüften. (Abb. 2)

Bedarfsgeführte Regelung – der CO₂-Sensor steuert beide Lüftungswege: Die Anlage sichert den Mindestluftwechsel und passt ihre Leistung bedarfsgerecht an. Quelle: eigene Darstellung.

Bedeutung für Raumluftqualität und Infektionsschutz

Für die Verdünnung von CO₂, Feuchte und aerosolgebundenen Belastungen zählt letztlich der tatsächlich erreichte Luftwechsel – unabhängig davon, ob er über Fenster oder die Anlage zustande kommt. Die Hybridlüftung ist dann vorteilhaft, wenn sie sicherstellt, dass auch bei ungünstigem Nutzerverhalten ein ausreichender Mindestluftwechsel erhalten bleibt.

Gerade für den Infektionsschutz ist die Verlässlichkeit wichtig: Reine Fensterlüftung schwankt stark, während die mechanische Komponente eine planbare Untergrenze garantiert. So bleibt die aerosolbedingte Belastung auch in stark genutzten Räumen kontinuierlich begrenzt.

Einsatzbereiche und typische Gebäude

Hybridkonzepte eignen sich besonders für Schulen und Bildungseinrichtungen, Büro- und Verwaltungsgebäude sowie Mehrzweck- und Aufenthaltsräume mit wechselnder Belegung. Auch im Gebäudebestand ist Hybridlüftung interessant: Wo eine vollständige mechanische Lüftung baulich oder wirtschaftlich nur schwer nachrüstbar ist, kann eine Teilausstattung in Kombination mit gezielter Fensterlüftung einen guten Kompromiss darstellen.

Planung und Betrieb

Auslegungsgrundlage für die erforderlichen Außenluftvolumenströme und die Kategorien der Raumluftqualität ist die DIN EN 16798-1; für Nichtwohngebäude konkretisiert die DIN EN 16798-3 die Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen. Hybridlüftung sollte von Beginn an als Gesamtkonzept geplant werden – mit definierten Umschalt- und Regelstrategien, einer abgestimmten Luftführung sowie regelmäßiger Wartung und Filterwechsel.

Wichtig ist außerdem die Einbindung der Nutzenden: Transparente Anzeigen und einfache Bedienlogiken erhöhen die Akzeptanz und vermeiden Fehlbedienungen, etwa dauerhaft gekippte Fenster im Heizbetrieb.

Grenzen: Wo Hybridlüftung nicht ausreicht

In hygienisch kritischen Bereichen – etwa Funktions- und Behandlungsräumen im Gesundheitswesen – gelten besondere Anforderungen an einen kontinuierlichen, definierten Luftwechsel und an die Luftführung. Hier ist die mechanische Lüftung maßgeblich; eine bedarfsabhängige Reduktion über Fensterlüftung ist in diesen Räumen nicht zulässig. Hybridkonzepte bleiben in solchen Gebäuden auf Verwaltungs- und Aufenthaltsbereiche beschränkt.

Einordnung und Ausblick

Hybridlüftung ist kein Kompromiss aus der Not, sondern ein eigenständiges Konzept, das Flexibilität, Energieeffizienz und verlässliche Luftqualität verbindet. Ihren Nutzen entfaltet sie jedoch nur mit einer durchdachten Regelung und einer klaren Aufgabenteilung beider Systeme. Als Teil eines ganzheitlichen Gebäudekonzepts kann sie dazu beitragen, Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit im Alltag zu unterstützen und gleichzeitig Energie zu sparen.

Weiterführende Literatur

DIN EN 16798-1:2022-03: Energetische Bewertung von Gebäuden – Lüftung von Gebäuden – Teil 1: Eingangsparameter für das Raumklima zur Auslegung und Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden bezüglich Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik. Beuth Verlag, Berlin.

DIN EN 16798-3:2017-11: Energetische Bewertung von Gebäuden – Lüftung von Gebäuden – Teil 3: Lüftung von Nichtwohngebäuden – Leistungsanforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen sowie Raumkühlsysteme. Beuth Verlag, Berlin.

Heiselberg, P. (Hrsg.): Principles of Hybrid Ventilation. IEA Energy Conservation in Buildings and Community Systems, Annex 35 „Hybrid Ventilation in New and Retrofitted Office Buildings (HybVent)“, Aalborg University, 2002.

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Fensterlüftung im Gesundheitswesen

05. Oktober 2026 um 11:16
Fensterlüftung im Gesundheitswesen

Fensterlüftung im Gesundheitswesen

Klare Abläufe, gezielte Luftführung und die Grenzen der Fensterlüftung

In Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen ist die Fensterlüftung häufig die einzige oder eine ergänzende Möglichkeit, Räume mit Frischluft zu versorgen. Anders als im Büro gelten hier jedoch besondere hygienische Anforderungen: Es halten sich oft vulnerable Personen im Gebäude auf, und die Übertragung von Krankheitserregern über die Luft muss aktiv begrenzt werden. Fensterlüftung kann das leisten – aber nur mit klaren Abläufen. Der Artikel zeigt, worauf es ankommt: kurze Lüftungsintervalle zwischen den Nutzungen, eine gezielte Luftführung und das Wissen um die Grenzen des Verfahrens.

Warum hier besondere Sorgfalt nötig ist

In Gebäuden/ Einrichtungen des Gesundheitswesens treffen vulnerable Personen, hohe Belegungswechsel und ein erhöhtes Infektionsrisiko aufeinander. Verbrauchte, mit potentiell infektiösen Aerosolen angereicherte Luft soll deshalb zügig abgeführt werden, ohne dabei unkontrolliert von einem Raum in den nächsten zu gelangen. Fensterlüftung ist wirksam, aber wetter- und verhaltensabhängig – sie braucht daher eine bewusste Steuerung statt Zufall.

Klare Abläufe: kurze Intervalle zwischen den Nutzungen

In Behandlungsräumen empfiehlt sich Stoßlüften zeitlich zwischen zwei Patientinnen und Patienten, also bei jedem Belegungswechsel. Wartebereiche, die meist durchgehend belegt sind, werden dagegen in festen Intervallen gelüftet. In beiden Fällen gilt: Fenster vollständig öffnen, idealerweise quer, für wenige Minuten. Wie lange, hängt von Raumgröße und Belegung ab – eine CO₂-Messung hilft, den passenden Rhythmus zu finden. Der CO₂-Gehalt dient dabei als Indikator für den Luftaustausch: Er steigt mit der Zahl der Personen und der Aufenthaltsdauer. Hohe Werte zeigen, dass sich ausgeatmete und damit potenziell erregerhaltige Luft im Raum anreichert. Im Normalbetrieb sollte die CO₂-Konzentration während der Nutzung im Mittel unter 1000 ppm liegen, in Zeiten erhöhten Infektionsgeschehens unter 800 ppm. Werte über 2000 ppm sind ohne Gegenmaßnahmen nicht akzeptabel (siehe Artikel „CO₂-gestützte Fensterlüftung“). Feste und bewusst durchgeführte Lüftungsintervalle können eine verlässliche Luftqualität trotz unterschiedlich intensiven Tagesgeschäfts sicherstellen.

Gezielte Luftführung: von rein nach unrein

Die Strömungsrichtung sollte von Bereichen, die nicht durch potenziell infektiöse Aerosole belastet sind, zu stärker belasteten Bereichen führen, nicht umgekehrt. Beim Fensterlüften heißt das: Die Raumluft aus Behandlungs- und Warteräumen, in denen sich potenziell infektiöse Personen aufhalten, wird über das Fenster direkt nach außen abgeführt und nicht in Flure oder Nachbarräume. Türen zu sensiblen Räumen bleiben beim Lüften möglichst geschlossen, damit belastete Luft nicht in Flure oder Nachbarräume gezogen wird. Zugluft direkt über Patientinnen und Patienten ist zu vermeiden. Quer- und Stoßlüftung sind der reinen Kipplüftung deutlich überlegen.

Gezielte Luftführung – die Luft strömt vom Fenster über den Behandlungsraum in den Flur, also von rein nach unrein.

Grenzen: wann Technik nötig wird

Für infektionskritische Bereiche wie OP-Säle, Isolier- oder Immunsupprimierten-Zimmer reicht Fensterlüftung nicht aus – hier sind raumlufttechnische Anlagen nach DIN 1946-4 mit definierten Druckverhältnissen und Filterstufen erforderlich (Raumklasse II z. B. mit zweistufiger Filterung und rund 40 m³/h Außenluft pro Person). Welche mechanischen Lüftungsstrategien in kritischen Bereichen wirksam sind, untersuchen unter anderem Wissenschaftler der TU Berlin am Beispiel von Mehrbett-Isolierzimmern [1]. In Bereichen ohne besondere raumlufttechnische Anforderungen, also Warte-, Behandlungs- und Büroräumen, kann Fensterlüftung dagegen einen wichtigen Beitrag leisten. Infektiologisch relevant bleiben aber auch diese Räume: Gerade in Wartebereichen halten sich viele Personen oft lange im selben Raum auf. Dort sind regelmäßiges Lüften, eine CO₂-Überwachung und organisatorische Maßnahmen wie eine begrenzte Belegung und kurze Wartezeiten besonders wichtig.

Wann Fensterlüftung reicht – und wann Technik nötig ist.

Aktuelle Forschung: EnHance

Wie weit natürliche Fensterlüftung im klinischen Umfeld tatsächlich zu einer guten Innenraumluftqualität beitragen kann, untersucht derzeit das Forschungsprojekt EnOB:EnHance, an dem das Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin gemeinsam mit der TU Braunschweig und der Charité beteiligt ist. Am Beispiel eines Berliner Krankenhauses werden Normal- und Intensivstationen betrachtet und Infektionsschutz, Hitzeschutz, Innenraumluftqualität und Energiebedarf zusammen gedacht. Ein Schwerpunkt liegt auf den Grenzen der Fensterlüftung: Es wird analysiert, wie viel Luftaustausch, Innenraumluftqualität und Hitzeschutz sich allein über die natürliche Lüftung erreichen lassen und wo im Vergleich raumlufttechnisch belüftete – und damit klimatisierte – Patientenzimmer erforderlich werden. Gerade auf Intensivstationen mit hohen inneren Wärmelasten durch Medizintechnik und Personal und besonders schutzbedürftigen Patientinnen und Patienten hilft dieser Vergleich, den notwendigen Anteil mechanischer Lüftung fundiert zu bestimmen und Energieeffizienz mit Infektions- und Hitzeschutz in Einklang zu bringen.

Quellen

[1] Cetin, Y. E.; Kriegel, M. (2026): Integrated assessment of ventilation strategies for exposure and comfort in a multi-bed negative-pressure isolation room. Results in Engineering. https://doi.org/10.1016/j.rineng.2026.109210

[2] EnOB:EnHance – Energy-efficient Hospital Environments. Forschungsverbund u. a. mit TU Berlin (Hermann-Rietschel-Institut), TU Braunschweig und Charité (Laufzeit 2023–2026). https://hermann-rietschel-institut.de/research-en/building-en/enob-enhance/

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