Handschuhe schützen uns zuverlässig vor Infektionen, oder?
Medizinische Einmalhandschuhe sind Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung und dienen dem Eigenschutz von Mitarbeitenden bei Kontakt mit potentiell infektiösem Material. Jedoch werden Handschuhe im Krankenhaus auch in vielen Situationen getragen, in welchen sie nicht notwendig sind und sogar schädlich sein können. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Indikationen für eine Handschuhnutzung und in welchen Situationen Handschuhe nicht eingesetzt werden sollen.
Im Krankenhaus stellt die direkte Kontaktübertragung von Erregern, vor allem über unsere Hände, einen relevanten Infektionsweg dar. Deswegen stellt sich die Frage wie wir uns und die Patient*innen optimal vor Erregerübertragungen schützen können.
Die medizinischen Einmalhandschuhe sind ein Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Sie dienen dem Schutz des Personals vor grober Kontamination der Hände, indem sie z.B. beim Umgang mit potentiell infektiösen Sekreten/Exkreten wie Blut oder anderen Körperflüssigkeiten eine zusätzliche Barriere darstellen. Leider geben die Handschuhe oft ein falsches Gefühl der Sicherheit und lassen uns unaufmerksamer werden. Dies ist problematisch, da beim Einsatz von Handschuhen oft die hygienische Händedesinfektion, die die eigentliche hygienerelevante Maßnahme darstellt, vergessen wird. Krankheitserreger sind winzig klein und mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Die Handschuhe sind nicht 100%ig dicht. Das bedeutet, dass die Erreger, wenn wir Handschuhe tragen trotzdem auf unsere Hände gelangen können. Auch beim Ausziehen der (kontaminierten) Handschuhe gelangen häufig Erreger auf unsere Hände. Bei Ausbleiben der notwendigen Händedesinfektionen bleiben die Erreger auf den Händen und können dann auch auf andere Personen oder Gegenstände übertragen werden. Eine weitere Gefahr für Erregerübertragungen besteht, wenn Handschuhe prozessübergreifend oder patientenübergreifend eingesetzt werden.
In vielen Situationen werden zudem Handschuhe getragen, obwohl diese gar nicht notwendig sind, z.B. beim Impfen oder Blutdruckmessen. Selbst bei der Versorgung von Patient*innen mit multiresistenten Erregern, sind in der Regel keine Handschuhe notwendig, solange kein Kontakt zu Schleimhaut oder Körperflüssigkeiten besteht.
Tabelle 1 zeigt Beispiele in welchen Situationen im Krankenhaus medizinische Einmalhandschuhe getragen werden sollen und in welchen Situationen KEINE Handschuhe getragen werden sollen (Auszug nach KRINKO, vgl. Epidemiologisches Bulletin 10/24).
Neben dem Risiko für Erregerübertragungen durch den unsachgemäßen Einsatz von medizinischen Einmalhandschuhen, führt deren übermäßiger Einsatz zu einer erheblichen Abfallmenge, welches ökologische Belastungen verursacht und somit auch ein nachhaltiges Problem darstellt.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass medizinische Einmalhandschuhe im Krankenhaus häufig ohne Indikation eingesetzt werden. Dies kann zu Erregerübertragungen auf Patient*innen, anderes Personal oder Gegenstände führen. Die hygienische Händedesinfektion ist die notwendige infektionspräventive Maßnahme, die vor Erregerübertragungen schützt, nicht die Handschuhe. Aus baulicher Sicht ist deswegen bei der Planung von Krankenhäusern und Patientenzimmern eine Ausstattung mit gut erreichbaren und gut sichtbaren Händedesinfektionsmittelspendern zu beachten, um eine indikationsgerechte hygienische Händedesinfektion zu ermöglichen.
Weitere Information zu den Indikationen der hygienischen Händedesinfektion finden Sie auf den Seiten der Aktion Saubere Hände, sowie in den untenstehenden Artikeln.
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