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Heute — 28. Mai 2026Das Gesundheitswesen

Support factors and barriers in the implementation of an app for refugees in an inpatient psychiatric setting: a qualitative interview studyFörderfaktoren und Barrieren der Implementierung einer App für Geflüchtete im stationär-psychiatrischen Kontext – eine qualitative Interview-Studie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2816-4741

Refugees are a particularly vulnerable target group in healthcare. Innovative digital treatment options offer the opportunity to reduce or even close gaps in care for this particular group. Despite promising evidence, only a few digital interventions have been used in inpatient psychiatric care in Germany to date. The I-REACH project investigated the implementation of „blended care“ (the use of a digital support in addition to face-to-face (F2F) routine care services) in inpatient psychiatric care for refugees. The aim was to describe the factors promoting and hindering implementation from the perspective of professionals in order to support implementation efforts.As part of the I-REACH project, a qualitative survey was conducted to explore support factors and barriers to the implementation of a blended care application (“blended Almamar-App” in combination with face-to-face diagnostics and therapy). Between August and November 2024, 15 guided interviews were conducted with eight healthcare professionals and seven local study coordinators from the participating study centres. The interviews were coded and evaluated using a qualitative content analysis according to Kuckartz.Key promoting factors and barriers were identified deductively and inductively in accordance with the interview guide from the perspective of professionals involved in the project. Technical, patient-related, practitioner-related, organizational, and structural factors were described.In order to integrate digital interventions such as the “blended Almamar-App” into routine care, technical requirements such as existing devices and reliable network connectivity, continuous information and training for users, and structured organization are particularly important. It is advisable to integrate data into existing digital hospital information systems wherever possible and to provide resource-oriented support to practitioners in implementing digital treatment options.Geflüchtete Personen stellen in der Gesundheitsversorgung eine besonders vulnerable Zielgruppe dar. Mit innovativen, digitalen Behandlungsoptionen besteht die Möglichkeit, Versorgungslücken für diese Zielgruppe zu verringern oder gar zu schließen. In der stationär-psychiatrischen Versorgung in Deutschland kommen – trotz vielversprechender Evidenz – bisher nur wenige digitale Interventionen zum Einsatz. Das I-REACH Projekt untersuchte die Umsetzung von „Blended Care“ (Nutzung einer digitalen Unterstützung zusätzlich zu den face-to-face (F2F) Angeboten der Routineversorgung) in der stationär-psychiatrischen Versorgung von Geflüchteten. Förderfaktoren und Barrieren der Implementierung aus Sicht von Fachkräften sollten beschrieben werden, um Implementierungsbemühungen zu fördern.Im Rahmen des I-REACH Projektes wurden anhand einer qualitativen Erhebung Förderfaktoren und Barrieren für die Implementierung einer Blended Care Anwendung („blended Almamar-App“ in Kombination mit persönlich erbrachter Diagnostik und Therapie) exploriert. In der Zeit von August bis November 2024 fanden 15 leitfadengestützte Interviews mit acht in der Krankenversorgung aktiven Fachkräften und sieben lokalen Studienkoordinator*innen aus den teilnehmenden Studienzentren statt. Die Interviews wurden codiert und anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet.Deduktiv und induktiv wurden entsprechend des Interviewleitfadens zentrale Förderfaktoren und Barrieren aus Sicht projektbeteiligter Fachkräfte identifiziert. Es wurden technische, patient*innenseitige, behandler*innenseitige, organisatorische und strukturelle Faktoren beschrieben.Um digitale Interventionen wie die „blended Almamar-App“ in die Routineversorgung zu überführen, bedarf es insbesondere technischer Voraussetzungen wie vorhandene Endgeräte und problemlose Netzanbindung, stetiger Information und Schulung der Anwender*innen sowie einer strukturierten Organisation. Es empfiehlt sich, die App-Daten möglichst in vorhandene digitale Klinikinformationssysteme zu integrieren und Behandler*innen in der Umsetzung der digitalen Behandlungsmöglichkeit ressourcenorientiert zu fördern.
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Schließungen von Kindertagesstätten und SARS-CoV-2-Ausbreitung: Eine regionale Analyse zu einer Lockdown-Maßnahme

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2822-5812

Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) SARS-CoV-2 zur Pandemie. In Ermangelung spezifischer Impfstoffe oder wirksamer antiviraler Therapien standen zunächst nicht-pharmazeutische Interventionen (NPIs), darunter zeitweilige Schließungen von Kindertagesstätten (Kitas), im Vordergrund.Methoden Auf Basis routinemäßig gemeldeter Falldaten des Gesundheitsamtes Landshut wurde der Zeitraum November 2020 bis Februar 2021 analysiert. Die SARS-CoV-2-Inzidenz vor und nach den Kita-Schließungen wurde für Kinder im Alter von 0–5 Jahren sowie für die Gesamtbevölkerung mittels unterbrochener Zeitreihenanalyse (ITSA; Interrupted Time Series Analysis) unter Anwendung eines negativen binomialen Regressionsmodells untersucht.Nach den Kita-Schließungen zeigte sich ein Rückgang der gemeldeten SARS-CoV-2-Fälle sowohl bei Kindern im Alter von 0–5 Jahren (IRR: 0,96; 95%-KI: 0,92–0,99) als auch in der Gesamtbevölkerung (IRR: 0,97; 95%-KI: 0,95–0,98).Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass zeitweilige Kita-Schließungen mit einem Rückgang gemeldeter SARS-CoV-2-Neuinfektionen assoziiert waren und damit die pandemische Infektionsdynamik beeinflusst haben könnten. Gleichzeitig sollten potenzielle psychosoziale Folgen für Kinder in der Bewertung von NPIs berücksichtigt und in die Planung zukünftiger pandemischer Ereignisse ergebnisoffen einbezogen werden.
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Patientensteuerung in der ambulanten Primärversorgung – Online-Erhebung unter Medizinern in Primärversorgungseinheiten sowie Physiotherapeuten mit Kassenvertrag in Österreich

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2853-8719

Die ambulante Primärversorgung in Österreich ist gekennzeichnet durch manifestierte Systemintransparenz und bestehende Versorgungsbarrieren entlang der übergreifenden Patientenkarrieren. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Patienten- und Ressourcensteuerung mittels koordinierter Ablauforganisation und integrierter Kooperation zu verbessern. Es stellt sich die Frage: Wie sollte die übergreifende Patientensteuerung in der ambulanten Primärversorgung aus Sicht von involvierten Health Professionals ausgestaltet und weiterentwickelt werden?Hierzu wurde eine Online-Umfrage (11.06.2025 – 20.06.2025) unter Mediziner:innen, die in Primärversorgungseinheiten (PVE) tätig sind (N=123), sowie Physiotherapeut:innen mit einem Kassenvertrag (N=153) durchgeführt. Der Rücklauf und die Rücklaufquote betrugen n=46 sowie rr=16,7% (PVE-Mediziner:innen n=23, rr=18,7%; Physiotherapeut:innen n=23, rr=15,0%).Die priorisierten Zielsetzungen der Patientensteuerung liegen aus Sicht der Health Professionals auf den taktisch-operativen Sachzielen, wie Linderung, Heilung, Prävention, abgestimmter Diagnostik und kontinuierlicher Betreuung. Die PVE-Mediziner:innen gewichten diese übergreifenden Ziele höher als die ebenfalls involvierten Physiotherapeuten, was auf deren Hauptverantwortung für die übergreifende Patientensteuerung hinweist.Hinsichtlich der Bündelung der identifizierten Lösungsansätze und Handlungsfelder einer übergreifenden Patientensteuerung eignet sich die Visualisierung, Analyse und Dialog anhand einer Patient Journey. Dabei lassen sich den wichtigen Handlungsfeldern, wie Prävention, Heimübungsprogramme, Therapietreue sowie Koordination und Kommunikation zwischen Akteuren und Patienten, konkrete Verbesserungspotenziale, wie Zugangsgestaltung, Technologieeinsatz und Organisationsmethoden mittels edukativer Videos, qualitätsorientierter Vergütung, KI-gestützter Therapien sowie multiprofessioneller Qualitätszirkel, zuordnen.
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Analyse der Gesundheitsversorgung für kardiologische, pneumologische und geburtshilfliche Erkrankungen in Hessen: Regionale Unterschiede und Erreichbarkeiten

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2800-8207

Personen mit kardiologischen und pneumologischen Erkrankungen sowie Schwangere sind durch den Klimawandel besonders gesundheitlich gefährdet. Studien zeigen, dass diese Gruppen während Hitzeperioden und bei vermehrter Luftverschmutzung mehr medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Im Rahmen des LOEWE-Schwerpunktprojektes „HABITAT“ wird unter anderem untersucht, wie die aktuelle Versorgungsituation in Hessen in diesen Fachbereichen ausgestaltet ist und inwieweit die ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung bedarfsgerecht und innerhalb angemessener Fahrzeit erreichbar ist.Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um eine regionale, deskriptive Tertiärdatenanalyse mit räumlicher Erreichbarkeitsanalyse. Anhand von öffentlich zugänglichen Tertiärdaten wurden Prävalenzdaten mit Bevölkerungsdaten (insbesondere Alter und soziale Deprivation) und Erreichbarkeitsdaten verknüpft.Es lassen sich regionale Unterschiede zwischen den Landkreisen bei der Verteilung der Erkrankten an COPD, Asthma bronchiale, Herzinsuffizienz und KHK erkennen. Auch die Inzidenzen von hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft unterscheiden sich in den Landkreisen. Es zeigt sich, dass besonders in Landkreisen, wie dem Vogelsbergkreis oder Hersfeld-Rotenburg, die durch ein erhöhtes Durchschnittsalter und eine höhere soziale Deprivation gekennzeichnet sind, vermehrt pneumologische und kardiologische Erkrankungen auftreten. In solchen Regionen ist zusätzlich die Dichte an Gesundheitseinrichtungen geringer. Mit Ausnahme weniger Gemeinden im ländlichen Raum des Vogelsbergkreises sind alle ambulanten Gesundheitseinrichtungen mit dem PKW innerhalb von 30 Minuten erreichbar.Insgesamt kann die Anzahl der Gesundheitseinrichtungen sowie deren PKW-Erreichbarkeit in Hessen als angemessen bezeichnet werden. Angesichts des demografischen Wandels und sozioökonomischer Unterschiede sollte jedoch bedacht werden, dass die PKW-Erreichbarkeit nicht ausreicht, da Bevölkerungsgruppen nicht berücksichtigt werden, die auf eine ÖPNV-Nutzung angewiesen sind.
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Ältere BeiträgeDas Gesundheitswesen

Gesundheitsämter im Krisenmanagement: Lehren aus der Corona-Pandemie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2833-6148

Der Beitrag berichtet von einer kleinen Studie zum Krisenmanagement der Gesundheitsämter in Deutschland während der Corona-Pandemie. Ein Ziel der Studie war es, die Herausforderungen, Erfolge und die Rolle digitaler Innovationen im Kontext der Pandemie zu analysieren. Hierfür wurden acht leitfadengestützte Interviews mit neun Leitungspersonen und Mitarbeitenden aus verschiedenen Gesundheitsämtern geführt. Zu Beginn der Pandemie stellten vor allem die fehlende Digitalisierung (faxbasierte Meldeprozesse) und knappe Personalressourcen zentrale Herausforderungen dar. Flexibilität und pragmatisches Handeln der Führungskräfte sowie gute Teamarbeit erwiesen sich als wesentliche Faktoren für Effizienz und Resilienz. Auch digitale Tools, oftmals sogar eigenständig entwickelte Anwendungen, trugen wesentlich zum Kontaktpersonenmanagement und effizienteren Meldewesen bei. Für zukünftige Krisen fordern die Befragten einen rechtlichen Rahmen, der den Gesundheitsämtern mehr Agilität bei ihrer Arbeit ermöglicht, sowie eine schneller fortschreitende Digitalisierung mit interoperablen Schnittstellen und einheitlichen Standards. Darüber hinaus empfehlen sie ein strukturiertes Wissensmanagement, einen modularen Werkzeugkasten für Krisenpläne und den Ausbau intersektoraler sowie überregionaler Vernetzungsstrukturen.
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Healthcare situation before long-term care – A cohort study of AOK-insured individuals aged 60 years and older in GermanyVersorgungssituation im Vorfeld einer Pflegebedürftigkeit – eine Kohortenstudie von AOK-Versicherten ab 60 Jahren in Deutschland

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2776-2382

The number of people in Germany in need of long-term care has increased more sharply in recent years than previously projected. The question of what role healthcare utilization plays in the lead-up to potential long-term care dependency has rarely been addressed to date. The aim of the present study was to describe healthcare utilization over a five-year period preceding the onset of care dependency.This cohort study analyzed routine data from AOK-insured individuals for the period 2016–2021. The data basis consisted of linked routine data from all AOK health and long-term care insurance funds. The sample included AOK insured persons aged 60 and over who received a care degree classification for the first time in 2021. Inpatient hospital stays, general practitioner services, and prescriptions for therapeutic appliances and assistive aids were analyzed for the 20 quarters prior to the onset of care dependency and stratified by age (<80 /≥80 years) and gender.In 2021, 345,945 AOK-insured individuals (58.9% women, mean age 79.7 years) were newly classified with a care degree. In the last quarter before the onset of care dependency, the proportion of people with hospital stays increased significantly, especially for men aged 60–79. The use of general practitioner services remained consistently high – over 90% per quarter – for the cohort aged 80+, while a continuous but lower-level increase was observed among the younger male cohort. The utilization of assistive aids increased over the observation period (14–33%).The results suggest that there is prevention potential particularly among the cohort aged 60–79, which should be more intensively utilized. To this end, more detailed insights into diseases and events that lead to a spike in hospitalizations shortly before the onset of care dependency are needed. Furthermore, research is required into the protective effects of specific therapeutic and assistive aids, and whether they are currently being used appropriately. Finally, the findings point to possible access barriers in health care, which should ideally be explored through a linkage of routine and survey data.Die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland ist in den letzten Jahren stärker gestiegen als prognostiziert. Die Frage, welche Rolle das Versorgungsgeschehen in Hinblick auf eine drohende Pflegebedürftigkeit spielt, wurde bisher selten adressiert. Ziel der vorliegenden Studie war, das Versorgungsgeschehen (fünf Jahre retrospektiv) im Vorfeld einer Pflegebedürftigkeit darzustellen.In der Kohortenstudie wurden Abrechnungsdaten von AOK-Versicherten (ab 60 Jahren) im Zeitraum 2016–2021 untersucht. Datengrundlage bilden verknüpfte Routinedaten aller AOK-Kranken- und Pflegekassen, die Stichprobe umfasst Versicherte, die im Jahr 2021 erstmalig einen Pflegegrad erhielten. Krankenhausaufenthalte, hausärztliche Leistungen sowie die Verordnung von Heil- und Hilfsmittel wurden jeweils für die 20 Quartale vor Eintritt in die Pflegebedürftigkeit analysiert und nach Alter (60–79 Jahre/ab 80 Jahre) und Geschlecht stratifiziert.Im Jahr 2021 wurde bei 345 945 AOK-Versicherten (58,9% Frauen, Altersdurchschnitt 79,7 Jahre) erstmalig ein Pflegegrad festgestellt. Im letzten Quartal vor Eintritt in eine Pflegebedürftigkeit nahm der Anteil von Personen mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt deutlich zu, insbesondere bei Männern im Alter von 60–79 Jahren. Die mindestens einmalige Inanspruchnahme hausärztlicher Leistungen verlief bei Personen ab 80 Jahren auf einem stetig hohen Niveau von über 90% pro Quartal, während bei den 60–79 jährigen Männern ein kontinuierlicher Anstieg zu beobachten war, allerdings auf einem geringeren Niveau (85–90%). Der Anteil an Hilfsmitteln nahm im Beobachtungszeitraum zu (14–33%).Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass besonders für die Kohorte der 60–79-Jährigen Präventionspotentiale bestehen, die stärker genutzt werden sollten. Hierfür sind zum einen nähere Erkenntnisse zu den Erkrankungen und Ereignissen notwendig, die kurz vor Eintritt in eine Pflegebedürftigkeit zu häufigeren Krankenhausaufenthalten führen. Darüber hinaus besteht Forschungsbedarf zur protektiven Wirkung verschiedener Heil- und Hilfsmittel und zur Frage, ob diese adäquat genutzt werden. Schließlich verweisen die Ergebnisse auf mögliche Zugangsbarrieren in der Versorgung, die idealerweise durch eine Synergie von Routine- und Surveydaten erforscht werden sollten.
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Erfahrungen, Herausforderungen und Wünsche bei der Nutzung der Darmkrebsvorsorge – eine qualitative Untersuchung von Menschen mit türkischer und afghanischer Migrationsgeschichte

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2801-3544

Die Studie untersucht Herausforderungen und Bedürfnisse von Menschen mit türkischer und afghanischer Migrationsgeschichte bei der Nutzung der Darmkrebsvorsorge.Es wurden teilstrukturierte Interviews mit 18 Menschen mit türkischer sowie afghanischer Migrationsgeschichte im Alter von 42 bis 75 Jahren durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden anhand verschiedener soziodemografischer Merkmale ausgewählt, um eine heterogene Stichprobe zu gewährleisten. Die Interviews wurden auf Deutsch und bei Bedarf auf Türkisch oder Dari geführt, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet und nach dem sozioökologischen Modell nach Bronfenbrenner strukturiert.Mangelndes Wissen, unzureichende ärztliche Aufklärung, kulturelle und religiöse Überzeugungen, Sprachbarrieren und geringe Risikowahrnehmung sind Hauptbarrieren für die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge. Frauen und Personen mit niedrigem Bildungsstatus sind weniger über Vorsorgemöglichkeiten informiert und nehmen diese seltener in Anspruch. Die Befragten berichteten über überwiegend positive Erfahrungen bei bisherigen Vorsorgeuntersuchungen, wünschen sich jedoch eine umfassendere und kultursensible Aufklärung.Diversitätssensible Aufklärungsmaßnahmen, flächendeckende Informationsverbreitung, mehrsprachige Informationen und gezielte Informationsveranstaltungen sind notwendig, um eine informierte Entscheidung über die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge bei Menschen mit türkischer und afghanischer Migrationsgeschichte zu fördern. Hausärzt/innen, als zentrale Aufklärungs- und Vertrauenspersonen, sind hierbei entscheidend. Weitere Forschung ist erforderlich, um spezifische Strategien zur Verbesserung der Darmkrebsvorsorge zu entwickeln.
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Ambulante Krebsberatungsstellen in Deutschland – Eine vergleichende Analyse zu Leistungsspektrum, Qualitätsstandards und Strukturmerkmalen der Jahre 2015 und 2023

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2826-9286

Die ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen (KBS) stellen eine zentrale Säule der psychoonkologischen Versorgung mit einem umfangreichen Leistungsspektrum dar. Für die Qualitätssicherung der KBS stehen seit 2016 Standards bereit. Seit 2020 die Übernahme eines Finanzierungsanteils der KBS durch Krankenkassen möglich.Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über das Leistungsangebot der KBS und vergleicht Qualitätsmerkmale der KBS für erwachsene Krebspatient:innen der Jahre 2015 und 2023.Die quantitative Analyse erfolgt auf der Basis zweier bundesweiter KBS-Befragungen. Allen beim Krebsinformationsdienst Heidelberg registrierten KBS wurde nach Kontaktaufnahme ein Fragebogen zugesandt. Die Befragungsinhalte umfassten Rahmenbedingungen der KBS sowie Qualitätsmerkmale (z. B. Personal, Qualitätssicherung, Leistungen). Die Daten sind univariat ausgewertet (absolute und relative Häufigkeiten, Mittelwertvergleiche). Signifikanzen werden mit Chi2- bzw. ANOVA- Test geprüft. Die Effektstärke werden je nach Datenniveau mit Cramers V oder Eta2 angegeben.2023 nahmen 117 (von 191) KBS an der Studie teil, 2015 106 (von 151) KBS. Bezüglich der Rahmenbedingungen der KBS (z. B. Zeit seit Bestehen) gibt es keine Unterschiede zwischen den Erhebungszeitpunkten. Bei der Personalstruktur zeigen sich 2023 positive Veränderungen, insbesondere bzgl. multiprofessionelles Team (64% vs. 46% der KBS; p<0,01) sowie der Anzahl festangestellter Berater:innen (4,1 vs. 2,6; p<0,001). Auch für weitere Qualitätsmerkmale ist ein signifikant gestiegener Grad der Erfüllung 2023 festzustellen. Das Leistungsspektrum hat sich kaum verändert, konnte aber 2023 hinsichtlich der Psychoedukation signifikant ausgebaut werden (89,7% vs. 64,2% der KBS; p<0,001). Die Daten 2023 zeigen Optimierungsbedarf, u. a. hinsichtlich der Leistung psychologische Beratung. Zu beiden Zeitpunkten waren die KBS mischfinanziert, allerdings überwog 2023 die Krankenkassenförderung.Unsere komparative Analyse 2023/2015 zeigt in Hinblick auf die betrachteten Qualitätsmerkmale der KBS in vielen Punkten signifikante Verbesserungen. Dies ist auch im Kontext der Krankenkassenförderung der KBS (§65e SGB V) und den hier vorgenommenen Anpassungen an die Förderrichtlinien zu sehen. Ausstehend sind Analysen, inwieweit dies die bestehende Versorgungslage insgesamt verändert (z. B. flächendeckend ambulante Angebote) und wie die Qualitätssteigerungen der KBS sich in Patient:innennutzen und -zufriedenheit abbildet.
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Sekundärdatenanalysen mit Patientenquittungen – Erfahrungen aus zwei Innovationsfondsprojekten

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2715-0986

Sekundärdatenanalysen mit Abrechnungs- bzw. Routinedaten der Kranken- und Pflegekassen sind zentraler Bestandteil von Versorgungsforschung, nicht zuletzt im Rahmen von Projekten des Innovationsfonds des G-BA. Ein Zugriff auf die für die Evaluation notwendigen Routinedaten der Krankenkassen ist nicht immer systematisch möglich. An der Intervention teilnehmende Proband:innen von Krankenkassen, die nicht am Projekt beteiligt sind, können dadurch nicht in die Evaluation einbezogen werden. Die Erhebung und Analyse von Patientenquittungen stellt eine Alternative zur systematischen Routinedaten-Lieferung beteiligter Krankenkassen dar. Die Heterogenität der Patientenquittungen, die vorwiegend papierbasierte Übermittelung und die individuelle Digitalisierung stellen Herausforderungen im Umgang mit Patientenquittungen dar.
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Impulspapier: Digitale Angebote zur Sturzprävention für ältere Menschen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2825-1609

Stürze und ihre Folgen haben in Deutschland erhebliche gesundheitsökonomische Auswirkungen. Maßgeschneidertes Bewegungstraining gehört zu den effektivsten Maßnahmen zur Sturzprävention bei älteren Erwachsenen. Vor-Ort-Trainings-Programme allein reichen jedoch nicht aus, um eine flächendeckende Sturzprävention zu gewährleisten und sturzbedingte Verletzungen wirksam zu reduzieren. Digitale Angebote haben das Potenzial, herkömmliche Sturzpräventionsprogramme zu ergänzen und zu verbessern, die Zugänglichkeit zu verbessern und eine breitere Bevölkerung zu erreichen. Trotz dieses Potenzials gibt es in Deutschland derzeit keine evidenzbasierten digitalen Sturzpräventionsprogramme. In Zukunft ist es wichtig, digitale, evidenzbasierte Lösungen zu entwickeln, zu evaluieren und umzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich, die Innovationen unterstützen und nicht durch übermäßige bürokratische Hürden behindern. Darüber hinaus sollten digitale Anwendungen so gestaltet werden, dass sie für die Nutzer intuitiv zugänglich sind und gleichzeitig die geltenden Datenschutzstandards einhalten.
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Health research requires the linking of healthcare-related dataGesundheitsforschung braucht die Verknüpfung versorgungsnaher Daten

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2780-8325

Linking project data and data from routine clinical practice with healthcare-related data is essential for German healthcare research in order to answer complex questions validly and efficiently. Currently, fragmented data sources, heterogeneous legal requirements, and a lack of infrastructure prevent the optimal use and linking of these data. The Network University Medicine (NUM) is therefore developing a dedicated data infrastructure to link primary study data and routine clinical data with external healthcare-related data (e. g., data from statutory and private health insurance companies, data from cancer registries of the federal states, and data from registration offices). The position paper describes the various data worlds, including examples from epidemiological and clinical research that illustrate the added value and challenges of data linkage. In particular, it presents the new structures of the data acceptance and processing center (DAAeD) in the NUM, which is intended to enable quality-assured, data protection-compliant receipt and linkage of data. Standardized application and approval procedures as well as innovative privacy-preserving record linkage procedures are central to this. International experience, including from Scandinavia and the UK, demonstrates the benefits of such infrastructures for research and healthcare. In conclusion, we advocate rapid political and institutional implementation of the recommendations described in order to make health research in Germany competitive in international comparison and to ensure sustainable, patient-centered health care.Die Verknüpfung von Projektdaten und Daten aus der klinischen Routine mit versorgungsnahen Daten ist für die deutsche Versorgungsforschung essentiell, um komplexe Fragestellungen valide und effizient zu beantworten. Aktuell stehen fragmentierte Datenquellen, heterogene rechtliche Vorgaben und fehlende Infrastrukturen einer optimalen Nutzung und Verknüpfung dieser Daten entgegen. Das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) entwickelt daher eine darauf ausgerichtete Dateninfrastruktur zur Verknüpfung primärer Studiendaten und klinischer Routinedaten mit externen versorgungsnahen Daten (z. B. Daten der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, Daten der Landeskrebsregister und Daten der Melderegister). Das Positionspapier beschreibt die verschiedenen Datenwelten einschließlich Beispiele aus epidemiologischer und klinischer Forschung, die die Mehrwerte und Herausforderungen der Datenverknüpfung abbilden. Insbesondere werden die neuen Strukturen der Datenannahme- und -aufbereitungsstelle (DAAeD) im NUM dargestellt, die eine qualitätsgesicherte, datenschutzkonforme Annahme und Verknüpfung von Daten ermöglichen soll. Zentral sind vereinheitlichte Antrags- und Genehmigungsverfahren sowie innovative Privacy-Preserving-Record-Linkage-Verfahren. Internationale Erfahrungen, u. a. aus Skandinavien und UK, belegen den Nutzen solcher Infrastrukturen für Forschung und Versorgung. Es wird für eine rasche politische und institutionelle Umsetzung der beschriebenen Empfehlungen plädiert, um die Gesundheitsforschung in Deutschland im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu machen und eine nachhaltige, patientenzentrierte Gesundheitsversorgung zu sichern.
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Einfluss der Änderung der AMNOG-Leitplanken durch das GKV-FinStG auf die Nutzenbewertungen des G-BA

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2823-6449

Das zentrale Ziel der Studie ist die Analyse möglicher Veränderungen bei der Zusatznutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Folge des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes (GKV-FinStG). Die Untersuchung prüft, ob die Verschärfung der AMNOG-Leitplanken zu einer restriktiveren Bewertungspraxis geführt hat. Operationalisiert wird dies durch eine vergleichende Analyse deutscher und französischer Nutzenbewertungen vor und nach dem GKV-FinStG. Die Studie verfolgt zwei zentrale Forschungsfragen: (1) Lassen sich statistisch signifikante Veränderungen in den Zusatznutzenbewertungen des G-BA nachweisen? (2) Können beobachtete Veränderungen kausal auf die Verschärfung der AMNOG-Leitplanken zurückgeführt werden? Die Untersuchung verwendet ein quasi-experimentelles Difference-in-Difference (DiD) Design zur Analyse von Veränderungen der Zusatznutzenbewertung. Deutschland fungiert als Interventionsgruppe, Frankreich als Kontrollgruppe. Die Erfassung der deutschen Nutzenbewertungen erfolgte über den AMNOG-Monitor für den Zeitraum 2020–2024, französische Bewertungen über die Haute Autorité de Santé (HAS). Separate Analysen wurden nach Patentschutzstatus der zweckmäßigen Vergleichstherapie (zVT) durchgeführt.Die Studie liefert erstmals empirische Evidenz für einen möglichen Einfluss der verschärften AMNOG-Leitplanken auf das Bewertungsverhalten des G-BA. Der statistisch signifikante Difference-in-Difference-Effekt von −9,74% (p=0,028) zeigt, dass der Anteil mindestens beträchtlicher Zusatznutzenbewertungen in Deutschland nach der Reform um nahezu 10 Prozentpunkte stärker zurückging als in Frankreich. Bei Verfahren mit patentgeschützter zVT zeigt sich mit −14,56% der stärkste Effekt, während bei generischer zVT erwartungskonform kein relevanter Effekt (0,88%) auftritt.Die Verschärfung der AMNOG-Leitplanken hat zu einer systematischen Reduktion des Anteils mindestens beträchtlicher Zusatznutzenbewertungen geführt. Die beobachtete Veränderung könnte auf unbewusste kognitive Anpassungen oder bewusste strategische Überlegungen zur Begrenzung der GKV-Ausgaben zurückzuführen sein. Die Befunde legen nahe, dass Einsparungen nicht nur durch direkte Preiseffekte, sondern auch durch restriktivere Bewertungspraxis entstehen.
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