Heißes Pflaster Wien: Wie ältere Menschen Hitze empfinden und wie sie damit umgehen
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2894-0587
Bewohner:innen urbaner Wärmeinseln, insbesondere ältere Personen, sind
während Hitzeperioden erheblich gesundheitlich belastet. Angesichts von
Klima- und demografischem Wandel sind Anpassungsstrategien essentiell. Es
wurde der Frage nachgegangen, welche Hitzebewältigungsstrategien von
älteren, selbständig und nicht selbständig lebenden Personen in Wien
bevorzugt angewandt werden.Vier Zielgebietstypen in Wien wurden für die Auswahl der Befragten aufgrund
sozio-ökonomischer Faktoren und Grünraumanteil definiert. Von September bis
November 2011 wurden 901 Personen befragt. Interviews erfolgten persönlich
mit Bewohner:innen von Senior:innen-Wohnhäusern (n=200,≥65 Jahre) sowie
telefonisch mit Personen in Privatwohnungen (n=401,≥65 Jahre) und einer
Kontrollgruppe (n=300, 18–55 Jahre). Zur Identifizierung von Diskrepanzen
zwischen empfohlenem und tatsächlichem Verhalten wurden Interviews mit
Expert:innen durchgeführt. In einer zweiten Welle wurden zwei Jahre später
bei Bewohner:innen von Hitzeinseln (n=200,≥65 Jahre) in sozioökonomisch
besser und schlechter gestellten Wiener Gebieten zu Hitzesymptomen und
Abhilfemaßnahmen befragt.Die häufigsten Auswirkungen von Hitze waren altersunabhängig Müdigkeit und
Schlafstörungen. Während körperbezogene Maßnahmen wie mehr trinken
unabhängig von Beschwerden angewendet wurden, nahmen Indoor-Maßnahmen mit
zunehmenden Hitzebeschwerden zu. Outdoor-Strategien wurden bei geringerer
Symptomatik häufiger eingesetzt. Insgesamt hielten sich bei Hitze 70% der
Bewohner:innen von Senior:innen-Wohnhäusern, 66% in Privathaushalten und,
54% der Kontrollgruppe überwiegend in der Wohnung auf.In Hitzeinseln bewerteten 80% der Befragten ihre Wohnung während einer
Hitzewelle als heiß bis extrem heiß, wobei Bewohner:innen sozioökonomisch
benachteiligter Bezirke über mehr Hitzebeschwerden berichteten.Ältere Menschen, die sich nicht effektiv an Hitze anpassen können, haben
nicht nur ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, sondern auch ein erhöhtes Risiko
für soziale Isolation. Personen, die stark unter der Hitze leiden, ziehen
sich eher aus dem öffentlichen Raum in ihre Wohnungen zurück. Dies ist im
Fall von kühleren Wohnungen vorteilhaft, kann aber auch zu sozialer
Isolation und damit einem Risikofaktor führen.Die Schaffung hitzeresilienter Wohngebiete und Nachbarschaften ist ein
zentrales Handlungsfeld des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zur Reduktion
gesundheitlicher Ungleichheiten im Alter.
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