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Sortimentswechsel im Tiefbau

04. September 2026 um 07:58

Der Markt für Verbindungstechnik im Tiefbau befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Wenn etablierte Systemanbieter ihr Tiefbausortiment zurückziehen, hinterlässt das spürbare Lücken in Planung, Beschaffung und Betrieb von Wasserversorgungsnetzen. Wasserversorger, Stadtwerke und Tiefbauunternehmen stehen plötzlich vor der Aufgabe, langjährig eingesetzte Systeme zu ersetzen, Freigabelisten anzupassen und die Kompatibilität zu bestehenden Netzen sicherzustellen.

Besonders kritisch ist dabei, dass Hausanschlusstechnik und Verbinderlösungen für PE- und PVC-Rohre nicht nur „austauschbare“ Standardkomponenten sind. Sie bestimmen die Montageprozesse auf der Baustelle, die Fehleranfälligkeit im Einbau und die Langzeitzuverlässigkeit der Infrastruktur. Aktuell stehen viele Netzbetreiber vor der Herausforderung, ihre Verbindersysteme strategisch neu zu bewerten – mit Auswirkungen auf Lagerhaltung, Schulung des Personals und langfristige Investitionssicherheit.

Herausforderungen für Wasserversorger: Kontinuität, Kompatibilität, Risiko

Für Wasserversorger stellt sich zuerst die Frage nach der Versorgungssicherheit: Sind Ersatz- und Erweiterungskomponenten auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch verfügbar – und zwar systemkompatibel zu heute bestehenden Netzen? Existiert ein komplettes Sortiment plötzlich nicht mehr, drohen „Sortimentsinseln“ im Netz: unterschiedliche Verbindergeometrien, Klemmprinzipien und Materialien, die im Störungsfall zusätzliche Fehlerquellen eröffnen.

Beim Sortimentswechsel steigt in der Übergangsphase das Risiko für Montagefehler, weil sich Abläufe, Werkzeuge und Vorgaben verändern. Für Wasserversorger bedeutet das: Der Systemwechsel ist nicht nur eine Beschaffungs-, sondern immer auch eine Risikofrage im Netzbetrieb.

Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte: Parallelhaltung alter und neuer Systeme verursacht höhere Lagerbestände und kompliziertere Disposition. Gerade kleinere Versorger mit begrenzten Ressourcen benötigen deshalb Lösungen, die den Systemwechsel möglichst reibungslos gestalten und gleichzeitig zukünftige regulatorische Anforderungen bereits abdecken.

Bleifrei-Regulatorik: vom nationalen Rahmen zur europäischen Materialpositivliste

Parallel zur Marktdynamik verschärfen sich die hygienischen Anforderungen an Materialien im Trinkwasserkontakt deutlich. In Deutschland gelten aktuell noch die nationalen Bewertungsgrundlagen des Umweltbundesamtes (UBA) gemäß § 15 Trinkwasserverordnung, einschließlich Positivlisten und Prüfvorschriften. Diese legen unter anderem fest, welche metallischen Werkstoffe und organischen Materialien im Kontakt mit Trinkwasser eingesetzt werden dürfen und unter welchen Prüfbedingungen ihre Eignung nachzuweisen ist.

Besonders relevant für metallische Verbinder ist die Absenkung des Bleigrenzwerts im Trinkwasser: In Deutschland wird dieser Grenzwert ab dem 12.01.2028 auf 5,0 µg/l reduziert. Das UBA hat bereits Werkstoffe identifiziert, die ab diesem Zeitpunkt nicht mehr eingebaut werden dürfen. Die europäische Positivliste enthält nur noch Legierungen, die diesen strengeren Grenzwert einhalten. Für bleihaltige Messinglegierungen bedeutet das faktisch ein Auslaufen im Neuanlagen- und Sanierungsbereich. Für Netzbetreiber ist damit klar: Zukünftige Sortimentsentscheidungen müssen bleifrei sein, wenn sie in Zukunft rechtssicher eingesetzt werden sollen.

 

Klemmverbinder mit festem Stützrohr / Quelle: Beulco

Klemmverbinder mit losem Stützrohr / Quelle: Beulco

Klemmverbinder ohne Stützrohr / Quelle: Beulco

Was bedeutet das in der Praxis?

Für Wasserversorger ergibt sich eine doppelte Herausforderung:

  • Sortimentswandel durch den Rückzug einzelner Anbieter und die Notwendigkeit, bewährte Systeme zu ersetzen.
  • Gleichzeitig die Verpflichtung, auf bleifreie, europarechtskonforme Materialien umzustellen, die sowohl die nationale Übergangsphase als auch die spätere EU-Regulierung sicher abdecken.

Planungssicherheit entsteht nur, wenn beide Ebenen gemeinsam betrachtet werden: Wer heute ein neues Verbindersystem freigibt, muss sicherstellen, dass die eingesetzten Legierungen in der europäischen Positivliste enthalten sind bzw. bleiben, und dass der Hersteller den Übergang vom UBA-System zur EU-Konformitätsbewertung aktiv gestaltet (z. B. durch frühzeitige Neubewertungsanträge bei der ECHA).

Lösungsansätze: Sortimentsstrategie und Verbindungstechnik

1. Systemwahl: Kompatibilität und Langfristverfügbarkeit

Eine zentrale Stellschraube ist die Auswahl eines durchgängigen Verbindersortiments, das die Anforderungen von Neuverlegung, Bestandserweiterung und Reparatur gleichermaßen abdeckt.

Systemfamilien mit verschiedenen Ausprägungen – etwa Varianten mit festem oder losem Stützrohr und eine Ausführung ohne Stützrohr – ermöglichen es Versorgern, je nach Anwendung (Neubau, Sanierung, Reparatur) gezielt zu wählen, bleiben aber technisch und logistisch innerhalb einer Sortimentslogik. Das erleichtert den Umstieg von auslaufenden Systemen, ohne die Komplexität in Lager und Baustellenlogistik zu erhöhen.

2. Bleifreiheit als strategische Vorgabe

Angesichts der Absenkung des Bleigrenzwerts und der europäischen Positivliste ist die konsequente Entscheidung für bleifreie Messingwerkstoffe im Trinkwasserbereich keine optionale Produktoptimierung mehr, sondern eine regulatorische Notwendigkeit. Versorger sollten bei Neufreigaben gezielt prüfen:

  • Ist der Werkstoff bleifrei und aktuell in der nationalen bzw. europäischen Positivliste enthalten?
  • Liegen gültige Konformitätsbestätigungen vor, die über 2026 hinaus Bestand haben?
  • Hat der Hersteller eine Roadmap für die Umstellung auf die EU-Zertifizierung und Kennzeichnung vorgelegt (inkl. Fristen bis 2032)?

So lässt sich vermeiden, dass heute eingeführte Systeme bereits in wenigen Jahren erneut ausgetauscht werden müssen, weil sie die künftigen Grenzwerte nicht mehr erfüllen.

3. Montage- und Betriebssicherheit

Technische Konzepte, die Dicht- und Klemmfunktion trennen, Rohrverdrehungen konstruktiv verhindern und Oberflächenrauheiten kompensieren, adressieren typische Fehlerquellen auf der Baustelle. Für den Netzbetreiber zählen hier:

  • reproduzierbare Montageabläufe in wenigen, klar definierten Schritten
  • geringe Anfälligkeit für Montagefehler (z. B. keine Abhängigkeit von exakt positionierten Stützrohren oder empfindlichen Kunststoffklemmringen)
  • hohe Zug- und Druckfestigkeit, auch bei Bodensetzungen und Druckstößen.

4. Übergangsmanagement und Bestandsschutz

Die europäische Regelung sieht ausdrücklich Übergangsfristen und Bestandsschutz für bereits eingesetzte Produkte vor, solange die Anlagen korrekt betrieben werden und die Trinkwasserqualität eingehalten wird. Für Versorger eröffnet das die Möglichkeit, den Sortimentswechsel gesteuert vorzunehmen:

  • Altbestand weiterhin rechtssicher betreiben
  • Neuprojekte und größere Sanierungsmaßnahmen bereits mit bleifreien, EU-tauglichen Systemen ausführen
  • nach und nach technische Richtlinien, Ausschreibungen und Schulungen auf das neue Sortiment umstellen.

Ein enger Austausch mit Systemanbietern, die ihre Materialien und Zertifizierungen proaktiv auf das neue europäische Regelwerk ausrichten, erleichtert diesen Übergang erheblich.

So entsteht aus dem aktuellen Sortimentswandel keine reine Restrisiko-Debatte, sondern die Chance, Verbindungstechnik im Tiefbau langfristig robuster, hygienischer und normenkonform aufzustellen – von der einzelnen Klemmverbindung bis zur strategischen Netzplanung.

Bewährte Verbindungstechnik als zukunftssichere Sortimentsbasis

Im Ergebnis dieses Sortiments- und Regulierungswandels rücken Lösungen in den Fokus, die sowohl technisch belastbar als auch langfristig rechtssicher sind.

Das aktuelle Verbindersortiment von Beulco bietet durchgängige Lösungen für Neuverlegung, Bestandserweiterung und Reparatur, deckt typische Hausanschlussdimensionen ab und erlaubt die sichere Verbindung gängiger Kunststoffrohre ohne Systembruch. Für metallische Komponenten kommen trinkwassergeeignete, bleifreie Werkstoffe zum Einsatz, die die künftigen Anforderungen an Bleigrenzwerte erfüllen und auf die langfristige Einhaltung der Trinkwassergüte ausgelegt sind. Für Netzbetreiber bedeutet das: Sie können den notwendigen Sortimentswechsel nutzen, um auf ein Verbinderprogramm umzustellen, das sowohl technisch bewährt als auch regulatorisch zukunftsfähig ist – und damit das Risiko weiterer Systemwechsel in den kommenden Jahren deutlich reduziert.

 

Weitere Informationen

Quelle: Beulco

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Neue Membranfilter setzen Maßstäbe in der Abwasserreinigung

03. September 2026 um 14:30

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnet den Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer von Membion, mit dem Deutschen Umweltpreis 2026 aus. Er teilt sich die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Auszeichnung mit der Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen. Die Preisverleihung findet am 25. Oktober in Aachen statt.

Vossenkaul wird für seine Entwicklungen im Bereich der Hohlfasermembranen für die Abwasserreinigung geehrt. Die Technologie verbindet eine hohe Reinigungsleistung mit einem geringeren Energie- und Platzbedarf und soll Membrantechnik auch wirtschaftlich konkurrenzfähig zur klassischen Klärtechnik machen.

Membrantechnik für neue Anforderungen

Mit der 2025 in Kraft getretenen EU-Kommunalabwasser-Richtlinie steigen die Anforderungen an die Abwasserreinigung. Zum besseren Schutz der Gewässer vor Mikroschadstoffen ist eine vierte Reinigungsstufe vorgesehen. Die Richtlinie muss bis Ende Juli 2027 in der EU umgesetzt werden.

Die von Membion entwickelte Membrantechnologie ist modular aufgebaut und eignet sich insbesondere für Kläranlagen mit begrenztem Platzangebot. Die Hohlfasermembranen bestehen aus dünnen, rund 1,60 Meter langen Röhrchen. Ihre Poren sind so fein, dass unter anderem Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime aus dem Abwasser herausgefiltert werden können. In Verbindung mit Aktivkohle lassen sich auch Arznei- und Kosmetikrückstände entfernen.

Bei der Membranbioreaktor-Technologie werden die Membranmodule direkt in den Klärschlamm eingetaucht. Das zuvor biologisch gereinigte Wasser wird durch die Membranen abgesaugt. Herkömmliche Rundbecken zur Trennung von Schlamm und Wasser sind dadurch nicht erforderlich. Das aufbereitete Wasser ist zwar kein Trinkwasser, kann aber beispielsweise zur Bewässerung in der Landwirtschaft genutzt werden.

Mehr als 90 Prozent weniger Energie für die Spülung

Ein entscheidender Ansatzpunkt der Entwicklung ist die Reinigung der Membranen. Bei bisherigen Membranbioreaktoren war dafür ein vergleichsweise hoher Energieeinsatz erforderlich, was Betreiber häufig von einer Installation abhielt. Seit fast fünf Jahren wird die Membion-Technologie in einer Pilot-Kläranlage in Konzen bei Monschau gemeinsam mit herkömmlichen Plattenmodul-Membranfiltern eingesetzt. Dabei konnte der Energieverbrauch für die Spülung der Membranen um mehr als 90 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig verringerte sich der Platzbedarf um 75 Prozent.

Möglich wird dies unter anderem durch sogenannte Geysir-Elemente unterhalb der Membranen. Kurze Luftpulse bewegen den Schlamm nach oben und halten so die Membranporen sauber. Das als „JetSplash“ bezeichnete Verfahren ist eines von insgesamt 28 Patenten Vossenkauls.

Großanlage in Wolfsburg geplant

Die Membion-Technologie wird bereits in industriellen Anwendungen eingesetzt, unter anderem beim Galvanik-Unternehmen Collini und beim Lebensmittelhersteller McCain. Künftig soll sie außerdem das Herzstück von Deutschlands größter Membran-Kläranlage in Wolfsburg-Stahlberg bilden. Dort sollen 3.000 Fußelemente eingesetzt werden, in denen jeweils mehr als 1.600 Membranen verankert sind.

In Deutschland reinigen rund 8.700 öffentliche Kläranlagen jährlich etwa 8,3 Milliarden Kubikmeter Abwasser. Weltweit gelangen laut DBU bis zu 80 Prozent des anfallenden Abwassers ungeklärt in die Umwelt.


Quelle: Neue Ära für die Abwasserreinigung – DBU

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DWA fordert Wasserresilienz-Pakt für Deutschland

03. September 2026 um 07:34

Niedrigwasser auf Rhein, Elbe und anderen Bundeswasserstraßen beeinträchtigt zunehmend Transportwege, Industrie und Lieferketten. Gleichzeitig sorgen Trockenperioden für Ernteausfälle, erhöhen die Waldbrandgefahr und belasten Wälder und Gewässer. In Städten verschärfen langanhaltende Hitzeperioden die Situation zusätzlich und stellen auch Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen vor wachsende Herausforderungen.

Für die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) zeigen diese Entwicklungen, welche Bedeutung ein stabiler Wasserhaushalt für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands hat. Wasserresilienz müsse deshalb stärker in der Wirtschafts-, Infrastruktur- und Klimaanpassungspolitik berücksichtigt werden.

Anlässlich der Kabinettsklausur der Bundesregierung hat die DWA einen Wasserresilienz-Pakt für Deutschland vorgelegt. Darin formuliert der Verband zehn Ziele, mit denen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wasserknappheit, Dürre, Niedrigwasser, Waldbränden und den Folgen zunehmender Hitze gestärkt werden soll.

„Wassersicherheit entscheidet zunehmend mit über die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts. Ohne verlässliche Wasserverfügbarkeit gibt es weder eine wettbewerbsfähige Industrie noch klimaresiliente Städte und Regionen. Deutschland hat das Wissen, die Technologien und die Fachleute. Jetzt geht es darum, daraus Tempo zu machen: mit klaren Prioritäten, verlässlichen Rahmenbedingungen und einer Umsetzung, die Bund, Länder und Kommunen gemeinsam tragen“, sagt Dr.-Ing. Lisa Irwin-Broß, Vorständin der DWA.

Wasser besser speichern und verfügbar halten

Aus Sicht der DWA dürfen die Folgen von Niedrigwasser, Trockenheit und Hitze nicht isoliert betrachtet werden. Sie hängen unmittelbar mit einem Wasserhaushalt zusammen, der durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät. Entscheidend sei daher, vorhandenes Wasser künftig besser in der Landschaft und in Siedlungsräumen zu speichern, verfügbar zu halten und effizienter zu nutzen.

Der Wasserresilienz-Pakt setzt dafür an verschiedenen Stellen an. Die DWA fordert unter anderem, das Prinzip der Schwammlandschaft als nationales Ziel zu verfolgen und Moore, Auen und Gewässer stärker als natürliche Infrastruktur zu schützen. Gleichzeitig sollen Schwammstädte und Schwammdörfer zu einem bundesweiten Investitionsschwerpunkt werden.

Weitere Ziele sind eine bessere Wasserversorgung von Stadtgrün, die stärkere Nutzung von Wasserwiederverwendung sowie die Einführung regionaler Wasserbilanzen. Auch die Vorsorge für Dürre- und Niedrigwasserereignisse soll professionalisiert werden. Ergänzend fordert die DWA messbare Fortschritte bei der Klimaanpassung und insgesamt schnellere Planungs- und Umsetzungsprozesse.

DWA fordert klare Zuständigkeiten und schnellere Umsetzung

Der Verband versteht den Pakt als Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen. Dabei soll es nicht bei der Formulierung langfristiger Ziele bleiben. Vielmehr müssten konkrete Maßnahmen priorisiert, Zuständigkeiten geklärt und Fortschritte überprüfbar gemacht werden.

„Wir brauchen keine weitere Problembeschreibung. Wir müssen vom Wissen ins Handeln kommen. Die Lösungsansätze liegen auf dem Tisch. Jetzt geht es darum, Prioritäten zu setzen, Umsetzung zu beschleunigen und Fortschritte messbar zu machen“, so Irwin-Broß.

Die DWA will die Umsetzung des Pakts fachlich begleiten. Vorgesehen sind unter anderem eine Roadmap mit Zeithorizonten und Verantwortlichkeiten für die zehn Maßnahmen sowie die Aufbereitung übertragbarer Praxisbeispiele aus Kommunen und Regionen. Darüber hinaus sollen Szenarien zum Investitions- und Finanzierungsbedarf entwickelt und Expertenformate mit Bundesministerien, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden, Wissenschaft und Wirtschaft angeboten werden.

Nach Auffassung der DWA sollte Wassersicherheit künftig systematisch bei Entscheidungen über Infrastruktur, Wirtschaft und Klimaanpassung berücksichtigt werden. Eine verlässliche Wasserverfügbarkeit sei nicht nur für die öffentliche Daseinsvorsorge entscheidend, sondern ebenso für Industrie, Landwirtschaft, Energieversorgung und Logistik.


Quelle: DWA

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Klimawandel erhöht Investitionsdruck auf Wasserversorger

01. September 2026 um 13:10

Deutschlands Trinkwasserversorgung gilt weiterhin als sicher. Doch längere Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände und veränderte Niederschlagsmuster erhöhen den Anpassungsdruck auf die Wasserversorger. Damit die Versorgung auch unter den Bedingungen des Klimawandels zuverlässig bleibt, sind umfangreiche Investitionen in Wassergewinnung, Speicher, Leitungsnetze und weitere Infrastruktur erforderlich.

Hoher Investitionsbedarf trifft auf begrenzte Mittel

Eine aktuelle Umfrage unter den wasserversorgenden Stadtwerken der Thüga-Gruppe, Deutschlands größtem Netzwerk kommunaler Energie- und Wasserversorger, macht die finanzielle Herausforderung deutlich. 86 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihren Investitionsbedarf für eine zukunftssichere Wasserversorgung als hoch oder sehr hoch. Zugleich geben 76 Prozent an, dass sich die notwendigen Investitionen mit den derzeitigen Wasserpreisen nicht finanzieren lassen.

Klimaanpassung ist damit nicht allein eine technische Aufgabe. Entscheidend ist auch die Frage, wie sich eine langfristig sichere Wasserversorgung finanzieren lässt.

„Versorgungssicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben“, fasst ein Teilnehmer der Umfrage die Herausforderung zusammen.

Neben den zusätzlichen Anforderungen durch den Klimawandel steigen auch die Kosten für Erhalt, Modernisierung und Ausbau der bestehenden Infrastruktur.

Versorgungssicherheit braucht tragfähige Finanzierung

Aus Sicht der Stadtwerke ist deshalb eine breitere gesellschaftliche Diskussion über den Wert von Trinkwasser notwendig. Dabei müsse deutlich werden, dass eine zuverlässige Wasserversorgung langfristige und erhebliche Investitionen erfordert.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht möglichst hohe Wasserpreise, sondern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Versorgungssicherheit, Investitionsbedarf und Bezahlbarkeit.

Ein weiterer Teilnehmer der Umfrage formuliert es so: „Wir brauchen eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung zu angemessenen und transparenten Preisen.“

Auch beim Umgang mit Trinkwasser sehen die Befragten Handlungsbedarf: „Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Es sollte primär auch nur für diesen Zweck verwendet werden!“

Zugleich sollten zusätzliche Kosten, die durch Verschmutzungen und einen erhöhten Reinigungsaufwand entstehen, nicht von der Allgemeinheit getragen werden. Die Wasserversorgung müsse künftig stärker in größeren Strukturen gedacht werden. Zudem sollten die Kosten für zusätzliche Reinigungsstufen nach dem Verursacherprinzip getragen werden.

Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Wasserversorgern könnte zusätzlich dazu beitragen, Know-how zu bündeln, effizienter zu arbeiten und Investitionen gemeinsam umzusetzen. Die bestehende Finanzierungslücke lässt sich dadurch allein jedoch nicht schließen.

Investitionen müssen frühzeitig angestoßen werden

Für die Wasserversorger ist deshalb entscheidend, die Anpassung an den Klimawandel nicht erst dann voranzutreiben, wenn dessen Auswirkungen unmittelbar spürbar werden. Wassergewinnungsanlagen, Speicher und Leitungsnetze haben lange Planungs- und Nutzungszeiträume. Investitionsentscheidungen müssen entsprechend frühzeitig getroffen werden.

„Die deutsche Wasserversorgung ist eine der zuverlässigsten der Welt. Das bleibt sie nur, wenn wir jetzt investieren. In Anbetracht des Klimawandels wird nicht die Frage sein, ‚ob‘ wir investieren, sondern ob wir es rechtzeitig tun“, sagt Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga.


Quelle: Thüga AG

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Sportverein plant Schutz vor Hitze und Starkregen

31. August 2026 um 07:40

Ein Gründach für den Zuschauerbereich, Sonnenschutz am Vereinsheim, eine Regenwasserzisterne, wasserdurchlässige Flächen und eine begrünte Fassade bilden die fünf zentralen Bausteine eines neuen Klimaanpassungskonzepts für den FSV Cappel. Entwickelt wurde es vom Öko-Institut gemeinsam mit dem Fußballverein, dem Architekturbüro Atelier Spitzner und der Lean FM GmbH. Gefördert wurde das Projekt über die Förderrichtlinie „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Der FSV Cappel zählt mehr als 550 Mitglieder. Rund 400 davon sind aktive Spielerinnen, darunter etwa 300 Kinder und Jugendliche. Auch Seniorinnen halten sich regelmäßig auf dem Vereinsgelände auf. Gerade Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen können durch zunehmende Hitze, intensive UV-Strahlung und mangelnden Witterungsschutz besonders belastet werden.

„Unser Klimaanpassungskonzept verbindet wissenschaftliche Analysen mit den Erfahrungen der Menschen, die die Anlage täglich nutzen“, sagt Stefanie Degreif, Projektleiterin am Öko-Institut. „Gemeinsam konnten wir Maßnahmen entwickeln und bewerten, die gezielt auf die Situation beim FSV Cappel zugeschnitten sind.“

Versiegelte Flächen verstärken die Belastung

Die Untersuchungen zeigen, dass insbesondere Hitze und starke Sonneneinstrahlung Probleme auf der Sportanlage verursachen. Wenige Schattenplätze, versiegelte Asphaltflächen und ein fehlender außenliegender Sonnenschutz begünstigen die Aufheizung des Vereinsheims und seiner Umgebung. Besonders deutlich wird dies auf dem Kunstrasenplatz: Bei einer Lufttemperatur von rund 35 Grad Celsius kann sich dessen Oberfläche auf bis zu 55 Grad Celsius erwärmen. Hinzu kommt das Risiko durch Starkregen. Da große Teile des Geländes versiegelt sind, kann Niederschlagswasser nur begrenzt versickern. Überflutete oder nasse Bereiche können den Trainings- und Spielbetrieb beeinträchtigen. Gleichzeitig fehlen teilweise geschützte Bereiche, in die sich Menschen bei schlechtem Wetter zurückziehen können.

„Das Vereinsgelände ist ein Treffpunkt für viele unterschiedliche Menschen. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich Kinder, Aktive, ältere Mitglieder und Zuschauer*innen auch bei zunehmender Hitze oder Starkregen sicher dort aufhalten können“, sagt Reiner Muth vom FSV Cappel. „Das Konzept gibt uns eine konkrete Grundlage, um die Anlage Schritt für Schritt klimaangepasster zu gestalten.“

Aus 40 Ideen werden fünf konkrete Vorhaben

Insgesamt sammelte das Projektteam 40 mögliche Ansätze, um das Sportgelände widerstandsfähiger gegenüber den Folgen von Extremwetter zu machen. In einem mehrstufigen Auswahlprozess wurden daraus fünf bauliche Maßnahmen priorisiert und anschließend einer umfassenden Nachhaltigkeitsprüfung unterzogen.

Gründach über dem Zuschauerbereich: Eine Holzkonstruktion mit begrüntem Retentionsdach soll die barrierefreien Rollstuhl- und Begleitplätze künftig vor Sonne, Hitze und Niederschlag schützen. Gleichzeitig kann das Dach Regenwasser zurückhalten, durch Verdunstung zur Kühlung beitragen und zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.

Sonnenschutz am Vereinsheim: An der südwestlichen Fensterfront sollen regelbare außenliegende Sonnenschutzsysteme den Wärmeeintrag und die Blendwirkung reduzieren. Für den Gastraum und den Außenverkauf sind jeweils an die Nutzung angepasste Lösungen vorgesehen.

Regenwasserzisterne: Niederschlagswasser soll gesammelt und anschließend zur Bewässerung der Kinderarena genutzt werden. Damit lässt sich der Trinkwasserverbrauch reduzieren. Gleichzeitig verbleibt mehr Regenwasser auf dem Gelände und kann über die Rasenflächen versickern, anstatt direkt in die Kanalisation abgeleitet zu werden.

Teilentsiegelung des Eingangsbereichs: Die vorhandene Asphaltfläche soll einem wasserdurchlässigen Pflasterbelag weichen. Dabei müssen sowohl die Barrierefreiheit als auch die Befahrbarkeit für Rettungsfahrzeuge erhalten bleiben. Wenn möglich, sollen gebrauchte Pflastersteine wiederverwendet werden.

Begrünung der Südfassade: Kletterpflanzen und Rankhilfen sollen die stark der Sonne ausgesetzte Fassade verschatten. Neben einer kühlenden Wirkung auf das Gebäudeumfeld kann die Begrünung die Artenvielfalt fördern und zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Ein Pflege-, Bewässerungs- und Kontrollkonzept soll die Wirkung langfristig sichern.

Mitglieder bringen Erfahrungen aus dem Vereinsalltag ein

Bei der Erarbeitung des Konzepts wurden die Menschen, die das Gelände regelmäßig nutzen, frühzeitig einbezogen. An einer Befragung nahmen 155 Vereinsmitglieder und Besucher*innen verschiedener Altersgruppen und mit unterschiedlichen Funktionen im Verein teil.

In einem Workshop im Februar 2026 diskutierten Vertreterinnen verschiedener Vereinsgruppen die möglichen Anpassungsmaßnahmen und legten gemeinsam Prioritäten fest. Die fünf ausgewählten Vorhaben verbinden damit wissenschaftliche und bauliche Erkenntnisse mit den praktischen Erfahrungen der Nutzerinnen.

Mit dem Klimawandel nehmen Hitzeperioden, Dürren und Starkregenereignisse in Deutschland zu. Die Folgen betreffen nicht nur Vereinsgebäude und Sportflächen, sondern auch Sportlerinnen, Zuschauerinnen, Betreuungspersonen und weitere Menschen, die sich dort aufhalten. Maßnahmen zur Klimaanpassung sollen daher sowohl die Infrastruktur als auch die Gesundheit der Nutzer*innen schützen.

Beitrag zu den Klimazielen der Stadt Marburg

Mit seinem Klimaanpassungskonzept orientiert sich der FSV Cappel an den entsprechenden Zielen der Stadt Marburg und will einen konkreten Beitrag zu einer klimaresilienten Stadtentwicklung leisten. Dazu arbeitet der Verein mit den zuständigen Fachbereichen der Stadt zusammen, um die geplante Weiterentwicklung des Sportgeländes mit den kommunalen Klimazielen abzustimmen.


Originalpublikation: Klimaanpassungskonzept für den Fußballverein FSV 1926 Cappel e.V. in Marburg | oeko.de

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Wasserversorgung unter wachsendem Anpassungsdruck

27. August 2026 um 12:21

Niedrigwasser, trockene Böden, Waldbrände und regionale Einschränkungen bei der Wassernutzung prägen den Sommer 2026. Dennoch erweist sich die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland insgesamt weiterhin als stabil. Das geht aus dem Klimaresilienz-Index Wasser hervor, den der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches zum zweiten Mal erhoben hat.

Mit 48 von 100 Punkten liegt der Index geringfügig unter dem Vorjahreswert von 49 Punkten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wasserversorgungsunternehmen die aktuellen Belastungen weiterhin zuverlässig bewältigen. Gleichzeitig bleibt der Druck hoch, die Systeme an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

DVGW-Vorstand Wasser Dr. Wolf Merkel erklärt: „Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland ist leistungsfähig und resilient. Der Klimaresilienz-Index 2026 zeigt aber auch, dass wir heute die Voraussetzungen schaffen müssen, um die Versorgungssicherheit auch unter künftig verschärften Klimabedingungen dauerhaft zu gewährleisten.“

Klimaanpassung als langfristige Aufgabe

Wie sich Wasserversorger auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen, zeigt unter anderem das Beispiel Düsseldorf. Dr. Verena Svensson, Leiterin Wasserversorgung der Stadtwerke Düsseldorf, betont: „Die Wasserversorgung klimaresilient aufzustellen, ist eine Daueraufgabe und keine Modeerscheinung. Dazu führen die Stadtwerke Düsseldorf regelmäßig Analysen durch, wie zum Beispiel Szenario basierte Prognosen des zukünftigen Wasserbedarfs und Auswirkungen von Niedrigwasserständen auf die Gewinnungsanlagen. Jüngstes Beispiel für den Ausbau der Infrastruktur ist der Bau eines neuen Trinkwasserspeichers, um auch bei höheren Bedarfsspitzen langfristig die Versorgungssicherheit für Düsseldorf und die Region zu garantieren.“

Insgesamt erreicht der Klimaresilienz-Index 48 Punkte und bewegt sich damit weiterhin im mittleren Bereich. Vergleichsweise positiv werden die Robustheit der Wasserversorgung mit 59 Punkten und der Anpassungsgrad mit 53 Punkten bewertet. Schwächer schneiden dagegen die Handlungsfähigkeit mit 43 Punkten, der rechtliche Rahmen mit 40 Punkten sowie die Zukunftsperspektive mit 46 Punkten ab.

 

Quelle:DVGW

Spitzenbedarfe und Investitionen nehmen zu

Die Wasserversorgungsunternehmen beobachten zunehmend höhere Spitzenwasserbedarfe und eine stärkere Beanspruchung ihrer Systemressourcen. Das Wassermengen- und Engpassmanagement wird aktuell zwar noch positiv eingeschätzt, für die kommenden Jahre erwarten die Unternehmen jedoch eine Verschlechterung. Gleichzeitig gewinnt das Monitoring von Veränderungen des Wasserdargebots an Bedeutung. Zu den weiteren Faktoren, die die Verwundbarkeit der Versorgung erhöhen können, gehören der steigende Investitionsbedarf für Klimaanpassungsmaßnahmen sowie die langfristige Sicherung der Trinkwasserressourcen.

Vor allem größere Wasserversorger sehen sich beim Erhalt und bei der Anpassung ihrer Infrastruktur unter zunehmendem Druck. Als größtes strukturelles Risiko bewerten die befragten Unternehmen den Fachkräftemangel.

Genehmigungsverfahren bremsen Infrastrukturprojekte

Verbesserungsbedarf sehen die Versorger zudem bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Insbesondere langwierige Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren gelten als wesentliches Hindernis für eine schnelle Anpassung der Infrastruktur.

Wolf Merkel fordert deshalb: „Klimaanpassung in der Wasserversorgung braucht mehr Tempo. Wer zusätzliche Wassergewinnungskapazitäten, Speicher, Verbundsysteme oder Aufbereitungsanlagen schaffen will, benötigt verlässliche und vor allem schnellere Genehmigungsprozesse mit deutlich weniger Bürokratie. Das sind zentrale Voraussetzungen für mehr Klimaresilienz.”

Als weitere zentrale Herausforderungen nennen die Unternehmen den Rückgang des natürlichen Wasserdargebots, den notwendigen Ausbau der Infrastruktur, steigende Spitzenbedarfe und Finanzierungsfragen. Hinzu kommen bürokratische Hürden und die Notwendigkeit, regionale Versorgungssysteme stärker miteinander zu vernetzen.

Merkel appelliert: „Die öffentliche Wasserversorgung ist heute resilient. Damit sie es auch morgen bleibt, müssen mehr Investitionen getätigt, Trinkwasserressourcen besser geschützt, Fachkräfte gesichert und regulatorische Hemmnisse konsequent abgebaut werden. Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie muss jetzt höchste Priorität erhalten.“

227 Wasserversorger befragt

Der Klimaresilienz-Index Wasser ist als Wiederholungsbefragung konzipiert. Für die Erhebung 2026 wurden 227 Führungskräfte deutscher Trinkwasserversorgungsunternehmen online befragt.

Die Auswertung beruht auf 50 Indikatoren aus den fünf Themenfeldern Robustheit, Anpassungsgrad, Handlungsfähigkeit, rechtlicher Rahmen und Zukunftsperspektive. Um die Struktur der deutschen Wasserversorgung möglichst realitätsnah abzubilden, wurden die Ergebnisse nach der jeweiligen Wasserabgabe der Unternehmen gewichtet.


Quelle:DVGW

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Studie zeigt Zusammenhang zwischen Wasserknappheit und Weizenpreisen

26. August 2026 um 12:12

Eine Dürre in einer einzelnen Agrarregion kann bereits erhebliche Ernteausfälle verursachen. Treffen starke Dürren jedoch mehrere der weltweit wichtigsten Weizenanbaugebiete gleichzeitig oder in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren, können die Folgen weit über die betroffenen Regionen hinausreichen. Ein internationales Forschungsteam hat untersucht, wie sich solche Ereignisse auf die globalen Weizenpreise auswirken.

Dafür kombinierten die Forschenden Klimabeobachtungen, Daten zu weltweiten Anbaugebieten und Rohstoffpreisen mit Simulationen verschiedener Klimamodelle. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß starker Wasserknappheit in Weizenanbaugebieten und dem globalen Weizenpreis. Mit fortschreitender Erderwärmung könnte dieser Effekt weiter zunehmen.

Die Studie wurde von Prof. Dr. Miroslav Trnka vom Global Change Research Institute (CzechGlobe) der Tschechischen Akademie der Wissenschaften geleitet. Beteiligt waren außerdem Prof. Dr. Jan Esper vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und Prof. Dr. Max Torbenson, der inzwischen von der JGU an die Texas A&M University in den USA gewechselt ist. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Earth’s Future“ veröffentlicht.

Weizen reagiert besonders stark auf Wassermangel

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand Weizen, der für die weltweite Ernährung eine zentrale Rolle spielt. Er wird global auf einer größeren Fläche angebaut als Reis oder Mais, liefert einen erheblichen Anteil der aufgenommenen Kalorien und Proteine und gehört zu den international am stärksten gehandelten Agrarprodukten. Gleichzeitig liegen viele Weizenanbaugebiete in Regionen mit begrenzter Wasserverfügbarkeit.

Während frühere Untersuchungen zu den Folgen des Klimawandels für Nahrungsmittelpreise häufig langfristige Veränderungen der durchschnittlichen Ernteerträge betrachteten, wählte das Forschungsteam einen anderen Ansatz. Untersucht wurde, ob sich globale Getreidepreise mit dem räumlichen Ausmaß von Wasserknappheit während der Wachstumsphase der Pflanzen in Verbindung bringen lassen. Dazu entwickelten die Forschenden einen weltweit anwendbaren und auf die jeweilige Nutzpflanze zugeschnittenen Indikator für starke Wasserknappheit, die sogenannte „Severe Water Scarcity“ (SWS). Berücksichtigt werden sowohl kurzfristige als auch länger anhaltende Dürren. Im Fokus stehen die vier Monate vor der Ernte, in denen die Pflanzen besonders empfindlich auf Wassermangel reagieren.

Anschließend ermittelten die Forschenden, wie stark die Anbauflächen von Weizen, Mais und Reis von solchen Ereignissen betroffen waren, und verglichen die Ergebnisse mit den jeweiligen globalen Rohstoffpreisen. Der stärkste Zusammenhang zeigte sich beim Weizen.

Hauptanbaugebiete von Reis, Mais und Weizen mit Hervorhebung der 10 wichtigsten Exportländer. Die Ringdiagramme zeigen die Anteile der drei wichtigsten Kulturpflanzen an der globalen Ackerfläche, der Kalorienversorgung und am Handel mit Agrarerzeugnissen. Abb./©: Trnka et al., Earth’s Future 14 (2026), e2025EF006095, CC BY 4.0

 

Wasserknappheit beeinflusst Weizenpreise deutlich

Ein Modell, das ausschließlich das Ausmaß starker Wasserknappheit berücksichtigt, konnte 74 Prozent der jährlichen Schwankungen der globalen Weizenpreise zwischen 2000 und 2021 erklären. Die Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 waren nicht in die Entwicklung des Modells eingeflossen. Dennoch konnte es auch für diesen von starken Verwerfungen auf den Weltmärkten geprägten Zeitraum die Größenordnung und Entwicklung der Weizenpreise grundsätzlich abbilden.

Bei Mais lassen sich demnach bis zu 40 Prozent der Preisschwankungen mit starker Wasserknappheit in Verbindung bringen. Für Reis stellten die Forschenden dagegen keinen vergleichbaren Zusammenhang fest.

Klimamodelle erwarten weiteren Preisanstieg

Für den Blick in die Zukunft wertete das Forschungsteam Simulationen von insgesamt 31 globalen Klimamodellen aus. Sie zeigen eine klare Tendenz: Mit zunehmender Erderwärmung nimmt starke Wasserknappheit in den Weizenanbaugebieten zu. Gleichzeitig steigen die auf Grundlage des Modells geschätzten Weizenpreise.

Bei einer globalen Erwärmung um 2 Grad Celsius gegenüber dem Referenzzeitraum 1951 bis 1980 ergibt das Modell einen durchschnittlichen Weizenpreis von rund 273 US-Dollar pro Tonne. Bei einer Erwärmung um 3 Grad Celsius steigt der geschätzte Preis auf 364 US-Dollar pro Tonne. Das entspricht etwa dem Dreifachen des inflationsbereinigten globalen Weizenpreises im Jahr 2010.

Dürren wirken sich über Anbauregionen hinaus aus

Die Entwicklung der Weizenpreise hängt allerdings nicht allein von Dürren ab. Auch Energie- und Düngemittelkosten, Lagerbestände, Wechselkurse, handelspolitische Entscheidungen, Markterwartungen, Schädlinge und Pflanzenkrankheiten sowie geopolitische Konflikte beeinflussen die internationalen Agrarmärkte.

Die Studie macht jedoch ein klimabedingtes Signal sichtbar, das bislang nur schwer zu erfassen und zu quantifizieren war: Großräumige Wasserknappheit in mehreren wichtigen Produktionsregionen kann sich über die internationalen Märkte auf den weltweiten Weizenpreis auswirken. Das ist insbesondere mit Blick auf die globale Ernährungssicherheit relevant. Weizen ist für einen großen Teil der Weltbevölkerung ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Sind mehrere bedeutende Produktionsregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander von schweren Dürren betroffen, können die Folgen deshalb auch Länder und Haushalte treffen, die Tausende Kilometer von den eigentlichen Anbaugebieten entfernt liegen.

Die Forschenden plädieren daher dafür, bei künftigen Bewertungen der globalen Ernährungssicherheit nicht nur langfristige Veränderungen durchschnittlicher Ernteerträge zu betrachten. Auch großräumige, wiederkehrende und geografisch miteinander verbundene Ereignisse extremer Wasserknappheit, die mehrere wichtige Produktionsregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander treffen, sollten stärker berücksichtigt werden.


Originalpublikation: Climate‐Induced Severe Water Scarcity Events as Harbingers of Global Wheat Price – Trnka – 2026 – Earth’s Future – Wiley Online Library

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Pilotanlage zur vierten Reinigungsstufe startet Praxistest in Ahrensburg

26. August 2026 um 08:01

Spurenstoffe aus Waschmitteln, Schmerzmitteln und anderen Alltagsprodukten gelangen täglich ins Abwasser und können von herkömmlichen Kläranlagen nur bedingt zurückgehalten werden. Die Pilotanlage zur vierten Reinigungsstufe der TH Lübeck ist nun erstmals ausgerückt. Ihr vorübergehender Standort: Ahrensburg. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden vor Ort soll in den kommenden Monaten untersucht werden, welches Verfahren sich für den Einsatz eignen könnte. Dabei treffen Forschung, Lehre und praktische Anwendung unmittelbar aufeinander.

Auf dem Gelände der Kläranlage in Reinfeld befindet sich die Versuchs- und Ausbildungskläranlage der Technischen Hochschule Lübeck. Direkt vor der Halle, in der Forschung und Lehre täglich Hand in Hand gehen, standen seit einigen Monaten rote und blaue Container. Vier von ihnen sind nun mithilfe eines Krans, zweier Lkw und eines Anhängers umgezogen. Gemeinsam mit dem Land Schleswig-Holstein hat die TH Lübeck ein dreijähriges Forschungs- und Entwicklungsprojekt zum Aufbau und Betrieb eines landeseigenen Spurenstoffzentrums gestartet. In den Containern befinden sich Pilotanlagen, mit denen unterschiedliche Verfahren der sogenannten vierten Reinigungsstufe untersucht werden.

Neue Anforderungen an die Spurenstoffelimination

Spurenstoffe stellen kommunale Kläranlagen zunehmend vor große Herausforderungen. Aufgrund der Novellierung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) werden bestimmte Kläranlagen dazu verpflichtet, eine zusätzliche Reinigungsstufe einzubauen. Darunter fallen beispielsweise Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten sowie Anlagen ab 10.000 Einwohnerwerten in sensiblen Gebieten.

Letzteres ist auch der Grund dafür, dass die Pilotanlagen nun nach Ahrensburg transportiert wurden. Die Aue, in die das gereinigte Abwasser der Kläranlage eingeleitet wird, weist eine hohe Konzentration von Spurenstoffen auf. Eine Begründung liege darin, dass vor Ort ein hoher Abwasseranteil bestehe und daher nur wenig Verdünnung mit vorhandenem Flusswasser stattfinde, erklärt Sabrina Schwarz vom Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein (LfU).

 

In dem grauen Turm befindet sich eine Filtrationsanlage. Foto: TH Lübeck.

Pilotanlagen erstmals unter Praxisbedingungen

Der Einsatz der Pilotanlagen könnte Aufschluss darüber geben, ob und welches Verfahren sich in Ahrensburg eignet, um die Werte der Aue zu verbessern.

Die mobile Forschungseinrichtung schaute sich auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt am Montag, dem 10. August 2026, genauer an, denn: „Sauberes Wasser ist die wichtigste Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen.“ Er ergänzt: „Die Verbesserung der größeren Klärwerke durch eine vierte Reinigungsstufe ist wichtig und dringlich, aber auch herausfordernd in der Umsetzung. Deshalb bauen wir seit diesem Jahr ein landeseigenes Spurenstoffzentrum auf. Mit dem Einsatz von Pilotanlagen sollen Verfahren wissenschaftlich begleitet getestet werden. Hier, an der Kläranlage Ahrensburg, kommen diese nun das erste Mal unter Praxisbedingungen zum Einsatz.“

Vor Ort stehen nun drei Container und ein Turm. Der kleinste blaue Container dient als Analysecontainer. Hier befindet sich die Mess- und Regeltechnik für die Anlagen. „Wir richten hier quasi ein kleines Labor ein“, sagt Jascha Hödl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projektes an der TH Lübeck.

In dem kleineren roten Container befindet sich die sogenannte Ozonungsanlage. Ozon ist ein starkes Oxidationsmittel und wird in der Abwasserwirtschaft zur Elimination von Mikroschadstoffen wie Arzneimittelrückständen, Hormonen oder Pestiziden eingesetzt. Dabei bricht Ozon die molekularen Strukturen organischer Stoffe auf und macht sie auf diese Weise unschädlich oder biologisch abbaubar.

Aktivkohle als zweite Verfahrensoption

In dem grauen Turm befindet sich eine Filtrationsanlage mit granulierter Aktivkohle. Anders als bei der Ozonung werden die Spurenstoffe hier absorbiert. Aufgrund der extrem großen spezifischen Oberfläche der Kohle können sich die Spurenstoffe an deren Struktur ablagern.

Im größten Container befindet sich quasi das Verteilerzentrum. Durch ein Netz aus Pumpen wird das gereinigte Abwasser der Kläranlage in die beiden Pilotanlagen geleitet, um eine tatsächliche vierte Reinigungsstufe aufzubauen. Da es sich aktuell noch um eine Testphase handelt, wird das Abwasser nach der erneuten Reinigung nicht in die Aue geleitet, sondern zurück in den Kreislauf des Klärwerks. Im Fokus stehen zunächst die im Versuch gewonnenen Messwerte.

„Wir haben vorab bereits Untersuchungen durchgeführt“, erklärt Hödl. „Wir haben den Zu- und Ablauf beprobt und geschaut, was die Anlage bereits herausfiltert.“

Auf dieser Grundlage wurde entschieden, mit welchen Methoden vor Ort weitere Untersuchungen stattfinden sollen. Beide Verfahren können sowohl einzeln als auch in einer Reihenschaltung eingesetzt werden. Welche Empfehlungen die Forschenden am Ende geben können, soll sich voraussichtlich im Frühjahr 2027 zeigen. Bis dahin sollen die Container in Ahrensburg bleiben.

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Nachruf Dipl.-Ing. Hartmut Schwieger verstorben

25. August 2026 um 12:36

Die Landesgütegemeinschaft Erhaltung von Bauwerken Hessen-Thüringen e.V. (LGGHuT) trauert um ihren Geschäftsführer Dipl.-Ing. Hartmut Schwieger, der am 25. Mai plötzlich verstorben ist. Mit ihm verlieren die LGGHuT und die Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V. einen erfahrenen Bautechnik-Experten und langjährigen Kollegen.

Langjähriges Engagement für die Bauwerkserhaltung

Hartmut Schwieger studierte von 1990 bis 1996 Bauingenieurwesen an der TU Braunschweig. Nach beruflichen Stationen im technischen Vertrieb und beim Bundesverband Kalksandsteinindustrie in Hannover war er seit dem 1. August 2010 beim Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. als Leiter der Abteilung Bautechnik tätig. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf der Qualitätssicherung und der Erhaltung von Bauwerken. Als Geschäftsführer der LGGHuT setzte er sich für verlässliche technische Standards und die Weiterentwicklung der Bauwerksprüfung ein.

Besonders wichtig waren ihm die Qualifizierung und Zertifizierung der Aus- und Fortbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren in der Bauwerksprüfung. Auch das jährliche Fachsymposium der LGGHuT in Bad Nauheim prägte er maßgeblich mit. Unter dem Leitthema „Bauwerke instand setzen – heute und morgen“ beschäftigt sich die Veranstaltung mit aktuellen Entwicklungen, neuen Materialien und digitalen Methoden. Darüber hinaus engagierte sich Schwieger im Beirat des VFIB für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Aus- und Fortbildung in der Bauwerksprüfung.

 

Quelle: Familie Schwieger/Landesgütegemeinschaft Erhaltung von Bauwerken Hessen – Thüringen e.V. (LGGHuT e.V.)

Fachlich versiert und persönlich geschätzt

Kolleginnen und Kollegen schätzten Hartmut Schwieger für seine große Fachkenntnis, seine Verlässlichkeit und seine sorgfältige Arbeitsweise. Technische Fragestellungen analysierte er gründlich und mit Blick auf die praktischen Folgen von Entscheidungen. Seine Einschätzungen basierten auf umfassendem Wissen und langjähriger Erfahrung. Auch persönlich galt er mit seiner ruhigen, besonnenen Art und seinem trockenen Humor als geschätzter Ansprechpartner innerhalb und außerhalb der LGGHuT.

Mit Hartmut Schwieger verlieren die LGGHuT und die Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V. einen engagierten Fachmann, der die Bauwerkserhaltung über viele Jahre mitgestaltet hat. Seine fachliche Expertise und sein Einsatz für die Branche werden in Erinnerung bleiben.

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Raus aus dem Abwasser, zurück in den Kreislauf: Pilotanlage gewinnt Ammoniak

17. August 2026 um 07:15

Eine Pilotanlage im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm soll Ammonium aus Abwasser entfernen und den enthaltenen Stickstoff zurückgewinnen. Das Verfahren haben Forschende des Instituts für Chemieingenieurwesen der Universität Ulm gemeinsam mit dem Zweckverband Klärwerk Steinhäule (ZVK) entwickelt. Seit Mai 2026 wird die Anlage unter Praxisbedingungen getestet.

Ammonium aus Abwasser für die weitere Nutzung zurückgewinnen

Hintergrund des Projekts sind steigende Anforderungen an die Entfernung von Stickstoff und Phosphor aus kommunalen Abwässern. Nach Angaben der Projektpartner verpflichtet die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie die Kommunen ab August 2027 dazu, in ihren Kläranlagen deutlich mehr Stickstoff und Phosphor zu entfernen als bislang.

Ein Teil des Stickstoffs liegt im Abwasser als Ammonium vor. Zu hohe Einträge von Stickstoff und Phosphor können zur Eutrophierung von Gewässern beitragen. Ammonium ist zudem für Fische giftig. Die Projektgruppe unter Leitung von Professor Thomas Grützner verfolgt deshalb einen Ansatz, der die Entfernung des Stickstoffs mit seiner Rückgewinnung verbindet.

„Der ZVK hat großes Interesse am Einsatz zukunftsfähiger Technologien in allen Bereichen des Klärwerks, insbesondere an solchen, die auf Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft abzielen“, sagt Jonathan Fuchs, Abteilungsleiter Betrieb und Labor beim Zweckverband Klärwerk Steinhäule über die Kooperation mit der Uni Ulm.

Die Testanlage im Neu-Ulmer Klärwerk Steinhäule entfernt Ammoniak aus Klärschlamm. Dafür wird Wasserdampf in den Sumpf einer Stripping-Kolonne geleitet. (Christine Liebhardt / Uni Ulm)

Dampfstrippung trennt Ammoniak vom Zentratwasser

Technische Grundlage der Pilotanlage ist die Dampfstrippung. Bei diesem thermischen Trennverfahren nimmt Wasserdampf eine leicht flüchtige Komponente aus einer Flüssigkeit auf. Die Anlage behandelt sogenanntes Zentratwasser, das bei der Klärschlammentwässerung entsteht und stark mit Ammonium belastet ist.

Das Zentrat aus dem Faulschlamm wird in einer Kolonne im Gegenstrom zum aufsteigenden Dampf geführt. Dabei erwärmt der Wasserdampf das Zentrat auf Siedebedingungen. Das ursprünglich gebundene Ammonium geht als Ammoniak in die Gasphase über und wird mit dem Dampf nach oben aus der Anlage transportiert.

Am unteren Ende der Kolonne verlässt das gereinigte Zentrat die Anlage. Es enthält nur noch geringe Mengen Ammonium, die anschließend im biologischen Klärprozess entfernt werden. Den oben austretenden Dampf mit dem enthaltenen Ammoniak kondensiert die Anlage.

Kondensat wird zu Ammoniakwasser aufkonzentriert

Ein Teil des Kondensats gelangt zurück in die Kolonne. Dadurch lässt sich der Ammoniumgehalt im Kondensat erhöhen. Der übrige Anteil kann bei Bedarf in einem zusätzlichen Verfahrensschritt weiter aufkonzentriert werden. Als Produkt entsteht konzentriertes Ammoniakwasser.

Für diesen Stoff sehen die Forschenden weitere Anwendungsmöglichkeiten.

„Ammoniakwasser kann zum Beispiel eingesetzt werden, um CO2 aus industriellen Abgasen zu entfernen“, erläutert Grützner.

Damit zielt das Verfahren nicht allein auf eine weitergehende Stickstoffelimination in der Abwasserreinigung. Der im Prozesswasser enthaltene Stickstoff soll zugleich als nutzbarer Stoff zurückgewonnen werden.

Pilotbetrieb soll Daten für die Hochskalierung liefern

Die Pilotanlage wurde gemeinsam mit Spezialisten für thermische Trenntechnik der Iludest GmbH entworfen. An den vorausgegangenen Arbeiten der Projektgruppe waren neben Professor Grützner auch Chiara Lukas, Lorraine Arzner und Yannick Waibel beteiligt.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unseren kommunalen Partner bei Entwicklung und Bau dieser Pilotanlage unterstützen und so einen deutlichen Mehrwert für unsere Region generieren können“, freut sich Professor Thomas Grützner.

Der mehrmonatige Betrieb im Klärwerk Steinhäule dient nun dazu, das entwickelte Verfahren unter Praxisbedingungen zu testen. Auf dieser Grundlage soll geprüft werden, wie sich der Prozess später in den industriellen Maßstab hochskalieren lässt.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Thomas Grützner
Universität Ulm, Institut für Chemieingenieurwesen
thomas.gruetzner@uni-ulm.de

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Wasserkraftverband warnt vor Folgen der neuen 25-kW-Grenze

14. August 2026 um 08:12

Der Wasserkraftverband Mitteldeutschland sieht in der geplanten EEG-Novelle 2027 Risiken für kleine Wasserkraftprojekte und damit auch für die Wasserwirtschaft. Nach Angaben des Verbands sollen neue Wasserkraftanlagen mit einer installierten Leistung von weniger als 25 Kilowatt künftig keine EEG-Vergütung mehr erhalten. Bestehende Anlagen wären von dieser Regelung nicht betroffen.

Wasserwirtschaft: Querbauwerke vor Rückbau prüfen

Der Verband verbindet seine Kritik an der geplanten EEG-Regelung mit der Diskussion über bestehende Querbauwerke. Gerade während trockener Perioden könnten Wasserkraftwerke und andere Querbauwerke nach seiner Einschätzung dazu beitragen, Wasser in der Landschaft zurückzuhalten. Deshalb fordert er erneut ein Moratorium gegen den Abriss solcher Bauwerke.

Vor einem Rückbau sollten die energetischen, gewässerökologischen und denkmalpflegerischen Potenziale eines Standorts unabhängig untersucht werden. Bestehende Staustufen könnten nach Auffassung des Verbands saniert und teilweise gleichzeitig zur Erzeugung erneuerbaren Stroms genutzt werden. Bei einer Reaktivierung seien zudem Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung möglich.

„Es ist widersinnig, bestehende Querbauwerke mit öffentlichen Mitteln abzureißen und gleichzeitig privaten Investoren die wirtschaftliche Grundlage dafür zu entziehen, genau diese Standorte zu sanieren und für die Energiewende nutzbar zu machen“, sagt Martin Richter, Präsident des Wasserkraftverbandes Mitteldeutschland. „Wir sollten Wasser in der Landschaft halten, bestehende Infrastruktur sinnvoll weiterentwickeln und dort erneuerbaren Strom erzeugen, wo dies ökologisch verträglich möglich ist. Das verbindet Gewässerschutz, Klimaschutz und einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld.“

25-kW-Grenze könnte Reaktivierung kleiner Standorte erschweren

Nach Darstellung des Wasserkraftverbands betrifft die geplante 25-kW-Grenze neue Anlagen. Dazu zählt der Verband auch Projekte, bei denen bislang ungenutzte oder stillgelegte Staustufen erstmals oder erneut für die Stromerzeugung erschlossen werden. Gerade kleinere Querbauwerke könnten in eine Leistungsklasse unterhalb von 25 kW fallen.

Ohne eine verlässliche EEG-Vergütung würde sich nach Einschätzung des Verbands die wirtschaftliche Grundlage solcher Projekte verschlechtern. Das könne Investitionen in Turbinen, die ökologische Durchgängigkeit und die Sanierung wasserbaulicher Infrastruktur beeinflussen.

„Die 25-Kilowatt-Grenze verhindert im schlimmsten Fall genau die Projekte, die wir eigentlich brauchen“, so Richter. „Eine vorhandene Staustufe könnte erhalten und saniert werden, sie könnte zum Wasserrückhalt beitragen und gleichzeitig zuverlässig erneuerbaren Strom erzeugen. Wenn die EEG-Novelle solchen Projekten die wirtschaftliche Perspektive nimmt, ist weder der Energiewende noch unseren Gewässern geholfen.“

Verband fordert Prüfung ökologischer und energetischer Nutzung

Der Wasserkraftverband leitet daraus zwei Forderungen ab. Vor dem Rückbau bestehender Querbauwerke soll grundsätzlich geprüft werden, ob eine ökologische und energetische Weiternutzung möglich ist. Außerdem fordert der Verband, die vorgesehene 25-kW-Grenze für neue Wasserkraftanlagen aus dem EEG-Entwurf zu streichen.

Als rechtlichen Bezug nennt der Verband § 2 EEG. Danach liegen Errichtung und Betrieb von Anlagen sowie den dazugehörigen Nebenanlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien im überragenden öffentlichen Interesse und dienen der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit. In seiner Pressemitteilung fordert der Verband, diesen Stellenwert auch beim Umgang mit vorhandener wasserbaulicher Infrastruktur zu berücksichtigen.

Wasserrückhalt und Gewässerschutz im Blick

Für die Wasserwirtschaft berührt die Debatte mehrere Ziele gleichzeitig: den Umgang mit bestehenden Querbauwerken, den Wasserrückhalt, die ökologische Entwicklung von Gewässern und die Nutzung vorhandener Infrastruktur zur Energieerzeugung. Der Wasserkraftverband spricht sich dafür aus, diese Aspekte standortbezogen zu prüfen, anstatt Querbauwerke grundsätzlich zurückzubauen.

Als Beispiel verweist der Verband auf das Walkmühlenwehr in Bautzen. Dort hatte er bereits argumentiert, eine energetische Nutzung sei nach seiner Einschätzung zu einem Bruchteil der für den Rückbau vorgesehenen öffentlichen Mittel möglich gewesen. Konkrete Vergleichszahlen nennt die aktuelle Pressemitteilung dazu nicht.


Quelle: Wasserkraftverband Mitteldeutschland e.V.

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Restaurierungsstopp lässt Phosphorproblem im Arendsee ungelöst

14. August 2026 um 07:15

Die Phosphorbelastung im Arendsee bleibt trotz der vorerst gestoppten Restaurierung ein Problem. Ende Juli hat der Altmarkkreis Salzwedel die Genehmigung für das Restaurierungskonzept versagt. Nach den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen sind sowohl eine Verminderung der Nährstoffeinträge von außen als auch eine Reduzierung des bereits im See vorhandenen Phosphors erforderlich.

Phosphorbelastung im Arendsee seit Jahrzehnten zu hoch

Die Nährstoffkonzentrationen im Arendsee sind seit Jahrzehnten erhöht. Zu den Folgen zählen Sauerstoffmangel, Algenmassenentwicklungen, das Verschwinden der Unterwasservegetation, Fischsterben und Badeverbote. Das Land Sachsen-Anhalt unternimmt deshalb seit 2010 finanzielle und organisatorische Anstrengungen, um die Ursachen der Belastung zu ermitteln und eine Restaurierungsstrategie zu entwickeln.

Fachleute aus verschiedenen Bereichen der Wasserwirtschaft haben dazu in einer Projektarbeitsgruppe mögliche Maßnahmen diskutiert und priorisiert. Nach ihrer Einschätzung erfordert ein langfristiger Erfolg die Kombination zweier Ansätze: Die Nährstoffeinträge von außen müssen vermindert und der bereits im See vorhandene Phosphor reduziert werden.

Grundwasser transportiert Phosphor aus dem Siedlungsbereich

Die Suche nach den Quellen der Nährstoffbelastung führte zu Ergebnissen, die ursprüngliche Annahmen widerlegten.

IGB-Forscher Dr. Jörg Lewandowski erklärt: „Bevor wir mit unseren Untersuchungen begonnen haben, war man davon überzeugt, dass entweder Nährstoffe aus der Landwirtschaft oder nordische Gänse für die zu hohe Nährstoffbelastung verantwortlich sind.“

Nach den Untersuchungen gelangt etwa die Hälfte des Phosphors über das Grundwasser aus dem Siedlungsbereich der Stadt in den Arendsee. Der Eintrag ist menschengemacht. Die ehemalige Abwasserverrieselung und das ehemalige Düngemittellager im Bahnhofsbereich konnten als Ursachen ausgeschlossen werden.

Als mögliche Quellen kommen nicht ordnungsgemäß zurückgebaute Sickergruben, eine übermäßige Düngung in Privatgärten sowie undichte private oder öffentliche Kanalisation infrage.

Lewandowski erläutert: „Wir konnten im Grundwasser neben Phosphor auch Chemikalien wie Süßstoffe und Arzneimittelrückstände nachweisen. Die können eigentlich nur aus undichter Abwasserkanalisation stammen.“

Sanierung und Restaurierung müssen nicht gleichzeitig erfolgen

Eine alleinige Reduzierung der Einträge über das Grundwasser würde nach Einschätzung der Wissenschaftler erst langfristig Wirkung zeigen. Ursache ist die Wassererneuerungszeit des Arendsees von mehr als 50 Jahren.

IGB-Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Hupfer, der seit drei Jahrzehnten am Arendsee forscht, sagt: „Beschränkt man sich nur darauf, die Einträge über das Grundwasser zu reduzieren, würde es nach Abschluss der Maßnahmen mehrere Jahrzehnte dauern, bis der See wieder natürliche Nährstoffkonzentrationen erreicht. Grund dafür ist die lange Wassererneuerungszeit des Sees von mehr als 50 Jahren. Wenn der Phosphor mit einer Fällung schlagartig verringert wird, gewinnt man wertvolle Zeit für die Planung und Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen.“

Die Untere Wasserbehörde des Altmarkkreises Salzwedel macht die Genehmigungsfähigkeit der Fällung unter anderem davon abhängig, dass gleichzeitig die Ursachen der Belastung bekämpft werden. Ein entsprechendes Konzept liege bislang nicht vor.

Hupfer hält eine zeitgleiche Umsetzung jedoch nicht für erforderlich: „Unsere Berechnungen haben gezeigt, dass Sanierung und Restaurierung erforderlich sind, aber nicht zwingend gleichzeitig erfolgen müssen“. Sollten die Phosphoreinträge über das Grundwasser dauerhaft bestehen bleiben, müsste die Fällung nach den Berechnungen ähnlich wie beim Barleber See nach 20 bis 30 Jahren wiederholt werden.

Ökologische Risiken auch ohne Phosphorfällung

Nach Einschätzung der Wissenschaftler birgt auch ein Verzicht auf Maßnahmen Risiken für den Arendsee.

Lewandowski kritisiert: „Die Argumentation des Altmarkkreises, dass ein Einsatz von Fällmittel ein unkalkulierbares Risiko für das Ökosystem darstelle, ist nicht nachvollziehbar, denn wir haben es hier mit einer erprobten Technik zu tun. Die Versagung der Fällung berücksichtigt nicht, dass auch ein Verzicht auf Maßnahmen erhebliche ökologische Risiken für den See birgt“.

Die Sauerstoffsituation im Tiefenwasser ist seit Jahren kritisch. Mit dem Klimawandel werden nach den Angaben Massenentwicklungen von Algen häufiger auftreten, während sich der Lebensraum für Organismen mit Sauerstoffbedarf weiter verkleinert. Betroffen ist auch die Kleine Maräne. Ihr Bestand kann derzeit nur durch Besatz aufrechterhalten werden, da eine natürliche Fortpflanzung wegen des Sauerstoffmangels unter heutigen Bedingungen kaum möglich ist.

Phosphorreduktion als Teil der Klimaanpassung

Wissenschaftliche Untersuchungen an zahlreichen deutschen Seen zeigen nach Angaben des IGB, dass Seen mit niedrigeren Phosphorkonzentrationen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels sind. Hupfer fasst die Ergebnisse zusammen: „Die beste Methode um Seen auf weiteren Klimawandel vorzubereiten, ist die Senkung der Phosphorkonzentration“.

Phosphorfällungen werden seit fünf Jahrzehnten weltweit in Seen eingesetzt. Bei fachgerechter Anwendung lassen sich nach den Angaben ökologische Risiken minimieren. Das Fällprodukt soll dauerhaft im Sediment verbleiben und dort weiteren Phosphor binden.

Eine spätere Rücklösung des Phosphors erwarten die Wissenschaftler für den Arendsee nicht.

Lewandowski erklärt: „Der Arendsee ist ein tiefer See mit steil abfallenden Ufern, bei dem Wind die Fällprodukte nicht aufwirbeln kann. Deshalb spielen Rücklösungsprozesse hier keine Rolle.“

Auch die Größe des Sees steht demnach einer Fällung nicht entgegen, wenn die Dosierung entsprechend angepasst wird.

Mehr als 25 Tonnen Phosphor im Arendsee

Die Menge des im See gesammelten Phosphors beträgt mehr als 25 Tonnen. Eine seeinterne Fällung wäre auch mit anderen Fällmitteln als Polyaluminiumchlorid möglich. Als Alternative werden externe Reinigungsanlagen genannt, bei denen ebenfalls Fällmittel eingesetzt werden. Das behandelte Wasser könnte anschließend in den See zurückgeführt werden.

Die frühere Tiefenwasserableitung war nach Einschätzung Hupfers dagegen nicht erfolgreich: „Die frühere Tiefenwasserableitung hat nicht funktioniert, weil die Wasseraufenthaltszeit im See sehr lang ist und damit die entnehmbare Wasser- und Nährstoffmenge viel zu klein ist, als dass man einen Erfolg erzielen könnte“.

Technische Optionen für die Phosphoreinträge aus dem Grundwasser

Zur Verringerung der Phosphoreinträge aus dem Grundwasser werden neben der Suche nach den Quellen und deren Sanierung sogenannte End-of-Pipe-Technologien als Möglichkeit genannt. Dabei würden die Phosphorkonzentrationen unmittelbar an den Zutrittsstellen im Uferbereich des Arendsees gesenkt.

Eine Option wären Grundwasserentnahmebrunnen entlang der betroffenen Uferabschnitte. Durch die entstehenden Absenkungstrichter soll verhindert werden, dass anströmendes Grundwasser unmittelbar in den See gelangt. Das geförderte Wasser müsste anschließend technisch in einer Phosphor-Eliminationsanlage oder naturbasiert in großflächigen Pflanzenkläranlagen behandelt und danach in den Arendsee eingeleitet werden.

Als weitere technische Möglichkeit werden durchlässige aktive Barrieren genannt, mit denen Phosphor an besonders betroffenen Uferabschnitten entfernt werden könnte.

Hupfer sieht weiterhin Handlungsbedarf: „Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen vor Ort und die zuständigen Fachbehörden den Ernst der Lage erkennen. Nichtstun und Verhindern sind keine Alternative, wenn der Arendsee als Perle der Altmark wieder in neuem Glanz erstrahlen soll“.


Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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Weniger Stagnation im Netz: Bigge erneuert Trinkwasserleitung

13. August 2026 um 09:49

Die Hochsauerlandwasser GmbH (HSW) erneuert im Zentrum von Bigge rund 530 Meter einer Trinkwasserleitung. Die bestehende Hauptleitung stammt in weiten Teilen aus den 1950er Jahren und hat nach Angaben des Versorgers ihr technisches Nutzungsalter erreicht. Mit der Sanierung wird zugleich der Leitungsquerschnitt von 300 auf 150 Millimeter reduziert. Damit soll insbesondere das Stagnationsrisiko im Trinkwassernetz verringert werden.

Trinkwasserleitung aus den 1950er Jahren wird ersetzt

Die Arbeiten betreffen den Bereich Bigger Platz, Josef-Rüther-Straße und Stehestraße. Am Bigger Platz laufen die Bauarbeiten bereits seit einigen Wochen. Rund die Hälfte des Projekts ist nach Angaben der HSW abgeschlossen. Anschließend werden die Arbeiten im Bereich der Josef-Rüther- und Stehestraße fortgesetzt.

„Die Arbeiten gehen gut voran“, erläutert Dipl.-Ing. Philipp Hegener, Bereichsleiter Trinkwasserversorgung der HSW.

Neben dem Alter der vorhandenen Leitung nennt der Versorger defekte Armaturen als Grund für die Erneuerung. Diese erschweren den Betrieb. Zudem ist die bestehende Graugussleitung mit einem Querschnitt von 300 Millimetern für den heutigen Bedarf deutlich zu groß dimensioniert.

Kleinerer Querschnitt soll Stagnationsrisiko reduzieren

„Wahrscheinlich hat man in früheren Jahrzehnten mit stark steigenden Verbräuchen oder auch einem erheblichen Bevölkerungswachstum gerechnet“, vermutet Hegener.

Die neue Trinkwasserleitung besteht aus duktilem Gussrohr und weist einen Querschnitt von 150 Millimetern auf. Die Anpassung der Dimensionierung ist insbesondere unter hygienischen Gesichtspunkten relevant: Ein dem tatsächlichen Bedarf entsprechender Leitungsquerschnitt soll das Risiko längerer Stagnationszeiten reduzieren.

„Das bietet Vorteile vor allem für die Trinkwasserhygiene, aber auch für die Wirtschaftlichkeit“, erklärt Hegener.

Offene Bauweise und Einzug in bestehende Leitung

Der überwiegende Teil des neuen duktilen Gussrohres wird in offener Bauweise verlegt. Auf einem 65 Meter langen Teilabschnitt nutzt HSW dagegen die vorhandene Leitung: Dort wird das neue Rohr in die bisherige Leitung eingezogen. Im Zuge der Arbeiten werden außerdem zwölf Hausanschlüsse erneuert oder saniert.

Hauptleitung versorgt weite Teile des östlichen Bigge

Die sanierte Hauptleitung übernimmt eine zentrale Funktion in der örtlichen Trinkwasserversorgung. Vom Hochbehälter Hagen wird das Trinkwasser zunächst in Richtung Ruhrufer geführt. Von dort zweigt die Hauptleitung nach Osten ab und versorgt weite Teile des östlichen Bereichs von Bigge.

Für die Erneuerung der rund 530 Meter langen Hauptleitung investiert die Hochsauerlandwasser GmbH nach eigenen Angaben rund 280.000 Euro.


Quelle: Hochsauerlandwasser

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Digitale Lösungen stärken die Hochwasservorsorge bei Starkregen

10. August 2026 um 14:41

Die Wasserwirtschaft steht angesichts zunehmender Hochwasser- und Starkregenereignisse vor wachsenden Herausforderungen. Während der Hochwasserschutz an großen Flüssen in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut wurde, rücken lokale Starkregenereignisse, kleinere Gewässer und oberflächliche Abflusswege verstärkt in den Fokus. Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) untersucht, welchen Beitrag digitale Technologien zur kommunalen Hochwasservorsorge leisten können.

Digitale Technologien unterstützen die Wasserwirtschaft bei der Hochwasservorsorge

Die Untersuchung beschreibt digitale Werkzeuge entlang des gesamten Vorsorgezyklus – von der Risikoanalyse über die Planung geeigneter Schutzmaßnahmen bis hin zur Warnung der Bevölkerung. Sensoren erfassen Pegel- und Niederschlagsdaten in Echtzeit, während Datenplattformen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen. Urbane Digitale Zwillinge ermöglichen darüber hinaus die Simulation von Überflutungsszenarien und zeigen auf, welche Straßen, Gebäude oder kritischen Infrastrukturen bei Starkregen besonders gefährdet sind.

Auf dieser Grundlage können Kommunen Risiken fundierter bewerten, Maßnahmen zielgerichteter planen und Einsatzkräfte im Ereignisfall besser unterstützen.

(Copyright: BBSR; Foto: Juan Manuel Sanchez on Unsplash)

Praxisbeispiele aus den Modellprojekten Smart Cities

Die Studie stellt fünf Anwendungsbeispiele aus den Modellprojekten Smart Cities vor. Berlin und Dresden nutzen digitale Modelle, um Starkregenabflüsse zu analysieren und blau-grüne Infrastruktur wie Retentionsräume, Parks und Versickerungsflächen gezielt zu planen.

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm verbessern zusätzliche Sensoren die Datengrundlage an kleineren Fließgewässern. Darauf aufbauend entsteht ein KI-gestütztes Frühwarnsystem für Hochwasserereignisse.

Solingen setzt Umweltsensoren und digitale Kommunikationswege ein, um die Bevölkerung bei Extremwetterlagen schneller zu informieren. Der Landkreis Hof nutzt einen Digitalen Zwilling zur Visualisierung von Hochwasserrisiken und bündelt Daten, Analysen und Fachwissen in einer zentralen Beratungsstelle für seine kreisangehörigen Kommunen.

Digitale Anwendungen ergänzen klassische Schutzmaßnahmen

Nach den Ergebnissen der Studie ersetzen digitale Technologien weder technische Hochwasserschutzanlagen noch Rückhalteräume oder eine klimaangepasste Stadtentwicklung. Sie ergänzen bestehende Maßnahmen, indem sie Risiken frühzeitig sichtbar machen, Entscheidungsgrundlagen verbessern und Warnprozesse beschleunigen.

Voraussetzung für ihren erfolgreichen Einsatz sind verlässliche Daten, klar definierte Zuständigkeiten sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und weiteren Fachdisziplinen. Ebenso wichtig ist die langfristige Integration digitaler Anwendungen in kommunale Arbeitsabläufe sowie der Aufbau entsprechender Fachkompetenzen.


Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

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Wasserkraftzuflüsse im Alpenraum nahe historischem Tiefstand

07. August 2026 um 07:15

Die Wasserwirtschaft im Alpenraum ist derzeit von außergewöhnlich geringen Wasserzuflüssen geprägt. Nach einer Analyse des Energieinformationsanbieters Montel lagen die Zuflüsse zu Speicherseen und Laufwasserkraftwerken in Österreich und der Schweiz im Juli rund 50 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch für die kommenden Wochen erwarten die Analysten aufgrund der anhaltenden Trockenperiode keine grundlegende Verbesserung.

Historisch geringe Zuflüsse beeinträchtigen die Wasserkrafterzeugung

Die niedrigen Zuflüsse wirken sich unmittelbar auf die Stromerzeugung aus Wasserkraft aus. In Österreich erreichte die Wasserkraftproduktion im Juli lediglich 51 Prozent des 15-Jahres-Durchschnitts. In der Schweiz lag sie bei 48 Prozent des Normalwerts, in Deutschland bei 63 Prozent und in Frankreich bei 68 Prozent.

Nach Einschätzung von Eylert Ellefsen, Senior Hydrology Analyst bei Montel, ist frühestens im September mit einer Verbesserung zu rechnen. Die Wetterprognosen für die kommenden zwei Wochen deuteten weiterhin auf eine trockene Witterung hin.

Versorger melden außergewöhnlich schwache Wasserführung

Der österreichische Energieversorger Verbund bezeichnete die aktuelle Situation als das schlechteste Wasserkraftjahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Vorstandsvorsitzender Michael Strugl erklärte, dem Unternehmen fehle rund ein Drittel der Wassermenge, die unter normalen Bedingungen durch die Wasserkraftwerke fließen würde. Aufgrund der schwachen Zuflüsse senkte Verbund seine Prognose für die Wasserkrafterzeugung im Gesamtjahr um 12 Prozent.

Auch andere Betreiber berichten über unterdurchschnittliche Erzeugungswerte. Tiwag lag mit seinem Wasserkraftwerkspark im ersten Halbjahr 17 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Schweizer Energieversorger Alpiq meldete für seine Laufwasserkraftwerke eine um 15 Prozent geringere Stromproduktion als üblich.

Anhaltende Trockenheit belastet das europäische Energiesystem

Nach Angaben mehrerer Wasserkraftbetreiber ist kurzfristig nicht mit einer deutlichen Verbesserung der hydrologischen Situation zu rechnen. Gleichzeitig weisen die Unternehmen darauf hin, dass Speicherkraftwerke künftig eine wichtige Rolle beim Ausgleich von Angebot und Nachfrage im Stromsystem spielen werden.

Die anhaltende Hitze- und Trockenperiode belastet darüber hinaus weitere Bereiche der europäischen Energieversorgung. Betroffen sind unter anderem Kernkraftwerke in Frankreich und Ungarn, während gleichzeitig der Strombedarf für Kühlung steigt.


Quelle: Montel

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Wasserbewusste Stadtentwicklung braucht langfristige Finanzierung

06. August 2026 um 08:24

Klimaanpassung steht nach Angaben der Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“ angesichts von Hitze, Dürreperioden, Starkregen und Überschwemmungen zunehmend im Fokus. Das Netzwerk fordert, die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe nach Artikel 91a des Grundgesetzes zu verankern. Ziel ist eine langfristig gesicherte Finanzierung von Präventions-, Anpassungs- und Investitionsmaßnahmen durch Bund, Länder und Kommunen.

Klimaanpassung und wasserbewusste Stadtentwicklung

Nach Angaben der Allianz belasten Hitze, Dürreperioden, Starkregen und Überschwemmungen die Menschen in Städten und Gemeinden zunehmend. Grün-blaue Infrastrukturen mit Grün- und Wasserflächen sowie entsiegelten Bereichen tragen nach Darstellung des Netzwerks dazu bei, Städte auch bei zunehmender Hitze funktionsfähig zu halten. Sie schützen die Gesundheit der Bevölkerung, sichern die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten, senken Folgekosten und erhöhen die Attraktivität für Unternehmen und Fachkräfte.

Langfristige Finanzierung gefordert

Nach Angaben der Allianz ist der klimaangepasste und wasserbewusste Umbau von Städten und Gemeinden notwendig und mit Kosten verbunden. Während wasserwirtschaftliche Anlagen über Gebühren finanziert werden, hängen Klimaanpassungsmaßnahmen wie das Anlegen und Unterhalten von Stadtgrün von der allgemeinen kommunalen Haushaltslage ab. Die Allianz fordert deshalb eine langfristig gesicherte Finanzierung. Kurzfristige Förderprogramme und zeitlich begrenzte Mittelbereitstellungen seien dafür nicht ausreichend.

Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung

Die Allianz fordert, die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe nach Artikel 91a des Grundgesetzes zu verankern. Nach ihrer Auffassung würde dies Bund, Ländern und Kommunen ermöglichen, dauerhaft gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und die Klimaanpassung rechtlich abgesichert, strategisch abgestimmt und langfristig finanziert umzusetzen.

Allianz für wasserbewusste Stadtentwicklung

Die Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“ ist ein von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) initiiertes und koordiniertes Netzwerk von Verbänden und Institutionen verschiedener Fachdisziplinen. Sie setzt sich für eine bundesweite Umsetzung wasserbewusster Stadtentwicklung ein und fördert die Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft, Stadtentwicklung, Freiraumentwicklung, Straßenplanung, Wissenschaft, Praxis und Entscheidungsträgern.

Zur gwf WA-Ausgabe 6 mit Schwerpunkt „Schwammstadt“ Weitere Informationen zur wasserbewussten Stadt

Quelle: DVGW

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Cyberangriffe auf Wasserwerke: FBI und EPA warnen vor Angriffen auf OT-Systeme

05. August 2026 um 07:15

Cyberangriffe auf Wasserwerke nehmen nach Einschätzung US-amerikanischer Sicherheitsbehörden zu. Das Federal Bureau of Investigation (FBI) und die US-Umweltbehörde EPA warnen gemeinsam mit weiteren Behörden vor Angriffen auf internetseitig erreichbare Steuerungen in Wasser- und Abwasseranlagen. Die Angriffe hätten in mehreren Fällen bereits zu betrieblichen Beeinträchtigungen geführt.

FBI und EPA warnen vor Angriffen auf SPS-Systeme

Das FBI schreibt in einer aktuellen Sicherheitswarnung, dass Angreifer gezielt internetseitig erreichbare speicherprogrammierbare Steuerungen (Programmable Logic Controllers, PLC) in kritischen Infrastrukturen angreifen. Betroffen seien insbesondere Wasser- und Abwasseranlagen, deren Automatisierungssysteme direkt aus dem Internet erreichbar sind. Nach Angaben der Behörden wurden dabei unter anderem Passwörter verändert und Betriebsabläufe gestört.

Die US-Umweltbehörde EPA unterstützt die Warnung und verweist darauf, dass bereits einfache organisatorische und technische Maßnahmen die Widerstandsfähigkeit vieler Anlagen deutlich erhöhen können. Betreiber sollten insbesondere die direkte Internetanbindung von OT-Komponenten vermeiden und bestehende Fernzugänge absichern.

Angriffe in mindestens sieben US-Bundesstaaten

NBC News berichtet unter Berufung auf das FBI, dass innerhalb einer Woche Wasser- und Abwasseranlagen in mindestens sieben US-Bundesstaaten Ziel koordinierter Cyberangriffe wurden. Nach Behördenangaben wurden allein in Minnesota mehr als 30 Wasserversorgungssysteme attackiert. Die Vorfälle führten unter anderem zu kurzfristigen Betriebsstörungen, Kommunikationsausfällen sowie Veränderungen an Steuerungssystemen. Die Trinkwasserqualität sei nach bisherigem Kenntnisstand jedoch nicht beeinträchtigt worden.

Wie Heise Online berichtet, sehen FBI und EPA eine zunehmende Bedrohung für Betreiber kritischer Wasserinfrastrukturen. Im Mittelpunkt stehen dabei Operational-Technology-Systeme (OT), deren Komponenten häufig über Jahre im Einsatz bleiben und ursprünglich nicht für eine direkte Anbindung an öffentliche Netzwerke entwickelt wurden.

Behörden empfehlen grundlegende Schutzmaßnahmen

Das FBI empfiehlt Betreibern unter anderem, SPS-Systeme grundsätzlich nicht direkt über das Internet erreichbar zu machen, werkseitige Standardpasswörter konsequent zu ersetzen und Fernzugriffe ausschließlich über abgesicherte Verbindungen bereitzustellen. Darüber hinaus sollten Netzwerke segmentiert, Sicherheitsupdates zeitnah eingespielt sowie Protokollierungen und Überwachungsmaßnahmen eingerichtet werden.

Die Behörden weisen darauf hin, dass insbesondere kleinere Versorgungsunternehmen häufig nur über begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen für die Cybersicherheit verfügen. Deshalb stellen EPA und CISA zusätzliche technische Hilfen, Leitfäden und Unterstützungsangebote für Betreiber der Wasserwirtschaft bereit.

Wie es um die Cybersicherheit der deutschen Wasserwirtschaft steht, lesen Sie im Interview mit Ronald Derler, Geschäftsführer Kompetenzzentrum Digitale Wasserwirtschaft.


Quellen:

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OOWV meistert SAP-Migration

04. August 2026 um 08:00

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat einen wichtigen Meilenstein seiner Digitalisierungsstrategie erreicht: Die Migration auf SAP S/4HANA wurde erfolgreich abgeschlossen. Seit Ende Mai arbeiten die Mitarbeitenden des OOWV in den migrierten Systemen SAP S/4HANA Core und IS-U. Anfang Juli konnte zudem die sogenannte Hypercare-Phase, die intensive Betreuungsphase nach der Systemumstellung, planmäßig beendet werden.

„Mit der Umstellung auf SAP S/4HANA haben wir einen wichtigen und dringlichen Schritt in der digitalen Weiterentwicklung des OOWV vollzogen“, sagt Robert Pöhlmann, der die Einführung als Programmleiter mitgestaltete.

Als Partner wählte der Verband mit koenig.solutions ein auf kommunale Unternehmen spezialisiertes Beratungshaus. Intern waren bis zu 60 Mitarbeitende intensiv beteiligt.

Digitalisierung mit ins Team bringen

Der OOWV setzte das Vorhaben agil in Sprints nach der für den Verband maßgeschneiderten Methode SAP Activate um. Fachbereiche und Beratungshaus arbeiteten in gemeinsamen Streams zusammen, geführt von Stream-Leads. Dieses Vorgehen brachte internes Fachwissen und externe Beratung eng zusammen. Wohl wissend, dass Berechtigungen immer ein herausforderndes Gebiet sind, wurde auf das Berechtigungskonzept besonderer Fokus gelegt. Indem sie an Stellenprofile geknüpft wurden, blieben sie handhabbar. Das Resultat: Fast keine Berechtigungsprobleme nach dem Go-Live.

„Technisch war die Umstellung anspruchsvoll, folgte im Kern aber einem etablierten Standard”, sagt Core-Projektleiter Rainer Kruse. „Die eigentliche Aufgabe lag darin, die Belegschaft mitzunehmen und den Umgang mit der neuen Benutzeroberfläche SAP Fiori im Haus aufzubauen“, ergänzt IS-U-Projektleiter Timo Peters.

Mit Know-How ans neue System

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war das umfassende Schulungskonzept. Jeder beim OOWV konnte eine für seine Tätigkeit angepasste Schulungsmaßnahme besuchen – der Mitarbeiter im Kundenservice genauso wie die Führungskraft oder der Techniker in den Betriebsstellen. Wie umfangreich so eine Migration ist, zeigt die Anzahl der Testfälle: Rund 1.500 Stück durchlief das System vor dem Go-Live. Aber der Aufwand hat sich gelohnt: Bei der Umstellung trat nur ein einziger Fehler auf. In der Hypercare-Phase gingen lediglich 170 Tickets ein – kein einziges davon kritisch.

Das neue System eröffnet dem OOWV nun weitere Optimierungsmöglichkeiten, die in einer zweiten Welle des Programms angegangen werden. Dazu zählen unter anderem erweiterte Reporting-Funktionen mit der SAP Analytics Cloud, neue Fiori-Apps, zusätzliche Automatisierung und verbesserte Benutzeroberflächen.


Quelle: Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband

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Dezentrale Wasseraufbereitung für eine nachhaltige Zukunft

29. Juli 2026 um 07:56

Die Wiederverwendung von Wasser gewinnt angesichts zunehmender Wasserknappheit und der Folgen des Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Im europäischen Forschungsprojekt DECIRE-WATER entwickeln internationale Partner unter der Leitung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) dezentrale Lösungen für eine nachhaltige Wasserwirtschaft. Nach einem Jahr Entwicklungsarbeit sind mehrere Demonstrationsanlagen in Betrieb gegangen. Dort werden die Technologien nun unter realen Bedingungen getestet und weiter optimiert.

Klimawandel, Bevölkerungsentwicklung und steigende Anforderungen an die Wasser- und Abwasserinfrastruktur stellen viele Regionen vor neue Herausforderungen. Im Projekt DECIRE-WATER (Decentralized Solutions for a Circular and Efficient Water Management – from Demonstration to the Market) entwickeln Forschende dezentrale Aufbereitungssysteme für unterschiedliche Wasserströme. Ziel ist es, die Wiederverwendung von Wasser wirtschaftlicher und effizienter zu gestalten sowie wertvolle Ressourcen wie Stickstoff und Phosphor zurückzugewinnen. Die Systeme können sowohl eigenständig als auch ergänzend zu bestehenden zentralen Infrastrukturen eingesetzt werden und eignen sich für Wohngebäude, Quartiere oder ganze Stadtgebiete.

Naturbasierte Verfahren kombiniert mit moderner Technik

Im Mittelpunkt stehen naturbasierte Lösungen wie bepflanzte Bodenfilter. In den mit Sand oder Kies gefüllten und mit Schilf oder anderen Pflanzen bewachsenen Becken bauen Mikroorganismen Schadstoffe ab und reinigen das Abwasser.

„Unser Ziel ist es, die Vorteile naturbasierter Verfahren mit technischen Lösungen zu kombinieren und die Wasseraufbereitung gezielt an unterschiedliche Anforderungen anzupassen“, sagt Dr. Verena Höckele, Abteilungsleiterin Wassertechnologie beim Projektträger Karlsruhe am KIT.

Abhängig vom Verschmutzungsgrad des Abwassers ergänzen technische Verfahren wie Membranbioreaktoren zur biologischen Reinigung oder UV-Anlagen zur Keimreduzierung die Aufbereitung. Digitale Technologien überwachen die Prozesse kontinuierlich, erkennen Risiken frühzeitig und unterstützen eine sichere sowie effiziente Abwasserbehandlung.

Modularer Container-Bodenfilter mit Rohrleitungssystem, Filtermedium und Schilfbepflanzung zur dezentralen Wasseraufbereitung. Quelle: S. Bauschatz, RPTU

Demonstrationsstandorte liefern Erkenntnisse für die Praxis

Die Leistungsfähigkeit der entwickelten Systeme wird unter der wissenschaftlichen Koordination der RPTU an sechs Demonstrationsstandorten in Europa und Südafrika untersucht. „Wir erproben modulare Systeme und digitale Technologien unter realen Praxisbedingungen. Das ist der Schlüssel für marktfähige Lösungen, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch überzeugen und eine klimaresiliente Wasserwirtschaft unterstützen,“ ergänzt Professorin Heidrun Steinmetz, Leiterin des Fachgebiets Ressourceneffiziente Abwasserbehandlung der RPTU.

In den kommenden zwei Projektjahren sollen die Technologien kontinuierlich weiterentwickelt und ihre Praxistauglichkeit weiter verbessert werden. Erste Ergebnisse zeigen bereits, dass die Systeme eine zuverlässige Wasserwiederverwendung ermöglichen. Dadurch kann selbst an Standorten mit schwankenden Zuflüssen dauerhaft sauberes Bewässerungswasser bereitgestellt werden.

Ganzheitlicher Blick auf die Wasserwirtschaft

Im Projekt arbeiten Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Kommunen und weitere Partner eng zusammen. Neben der Entwicklung neuer Technologien untersuchen sie auch wirtschaftliche, geografische und rechtliche Rahmenbedingungen für die Wasserwiederverwendung. Lebenszyklusanalysen bewerten die ökologischen Auswirkungen der entwickelten Lösungen. Ergänzend fördern Workshops den Wissensaustausch, stärken die Akzeptanz der neuen Technologien und unterstützen deren spätere Umsetzung in der Praxis.

Weitere Informationen


Quelle: Vom Abwasser zur Ressource: Neue Wege für eine effiziente Wassernutzung

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Auszeichnung für KI-Lösung im Wassermanagement

27. Juli 2026 um 08:02

Der Wassertechnologiekonzern Wilo ist mit dem AI Innovation Award des KI Park e. V. ausgezeichnet worden. Prämiert wurde die Anwendung „Wilo Speaking Waters“, die künftig als Bestandteil der Wilo WATER AI Platform Betriebsdaten aus dem Wassermanagement analysiert und daraus Prognosen sowie konkrete Handlungsempfehlungen ableitet. Ziel ist es, Betreibern eine vorausschauende Betriebsführung zu ermöglichen und den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Wasserwirtschaft weiter voranzutreiben.

„Mit unserer Group Strategy ‚Pioneering WATER AI for You’ verschmelzen wir systematisch Wassertechnologie und Künstliche Intelligenz. Dass wir den AI Innovation Award für ‚Wilo Speaking Waters‘ erhalten, macht uns besonders stolz: Die KI-Lösung zeigt ganz deutlich, dass die Strategie greift – und wir Künstliche Intelligenz gezielt in unsere Produkte, Systeme und Lösungen integrieren“, ordnet Oliver Hermes, President & Global CEO der Wilo Group, die Auszeichnung ein.

Frühzeitige Erkennung von Auffälligkeiten

Mit „Wilo Speaking Waters“ erweitert Wilo seine WATER AI Platform um eine KI-gestützte Entscheidungsintelligenz. Die Anwendung analysiert kontinuierlich den Zustand von Wasser- und Abwassersystemen, erkennt Muster und identifiziert Auffälligkeiten wie Leckagen, Druckabweichungen oder Veränderungen der Wasserqualität frühzeitig.

„Auf dieser Basis entstehen Prognosen, die Betreiber im operativen Betrieb und bei strategischen Entscheidungen unterstützen. So stärkt Wilo nachhaltig die Resilienz von Wasser- und Abwassersystemen“, sagt Peter Glauner, CEO von Wilo Europe.

Entwicklungspartnerschaft und Auszeichnung

Die technische Grundlage für „Wilo Speaking Waters“ entstand im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft mit dem KI-Spezialisten InstaDeep. Verliehen wurde der AI Innovation Award vom KI Park e. V. in Berlin.

Das Innovationsnetzwerk vereint Unternehmen, Start-ups, Forschungseinrichtungen sowie Akteure aus Politik und Gesellschaft, um KI-Innovationen aus Deutschland und Europa zu fördern. Der erstmals vergebene AI Innovation Award würdigt branchenübergreifende Projekte und bewertet sie anhand der Kriterien Innovation, Impact und Perspektive.


Quelle: WILO

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