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Sana Klinik München von Wörner Traxler Richter Architekten

05. November 2026 um 17:47
Infrastrukturen |
Best Practice

Sana Klinik München von Wörner Traxler Richter Architekten

Die Sana Klinik München in München-Sendling wurde 2017 nach dem Entwurf von Wörner Traxler Richter Architekten fertiggestellt. Der Neubau ergänzt die bestehende Bebauung zum Sana Gesundheitscampus München und eröffnet eine Fachklinik für orthopädische Chirurgie. Die Architekt*innen haben in ihrem Entwurf einen Fokus auf die Mitarbeitenden gesetzt und besonders auf eine wohltuende Arbeitsatmosphäre geachtet. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die natürliche Belichtung des Arbeitsumfeldes, sodass auch in den Operationssälen ein Arbeiten bei Tageslicht ermöglicht wird.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

Wörner Traxler Richter, Frankfurt am Main I Dresden I München I Basel

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2017


Standort

München, Deutschland

BGF

14.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

173 Betten + 7 Intensivpflegebetten

Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner

Die Sana Klinik München ist ein fünfgeschossiger Neubau und liegt im Münchner Stadtteil Sendling. Sie wurde 2017 als Fachklinik für orthopädische Chirurgie eröffnet. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Klinikaltbau bildet er den Sana Gesundheitscampus München.

Das Gebäude gliedert sich in mehrere Gebäudeflügel, die einen offenen Hof von drei Seiten umschließen. Zwei seitliche Flügel sind durch einen querliegenden Gebäudeteil miteinander verbunden und bilden so einen U-förmigen Grundriss. Am oberen Ende des rechten Flügels verbindet sich der Neubau mit dem Bestand eines Mehrfamilienhauses. So bildet pro Etage jeder der beiden Seitenflügel eine Station aus. Die Patient*innenenzimmer liegen entlang der Fassade und öffnen sich entweder zum Hof oder zu den umliegenden Gebäuden.

Die zentrale Erschließung der Station liegt in der Mitte des U-förmigen Grundrisses, in dem verbindenden Gebäudeteil und erfolgt über drei Aufzüge und ein Treppenhaus. Der Erschließungsbereich wird durch Wartemöglichkeiten, Büroflächen und Sanitäranlagen ergänzt. Von hier durchstößt ein zentraler Erschließungsbereich die jeweiligen Stationen und bildet somit auch den Eingang zu den Stationen aus. Beim Betreten der Station fällt der Blick direkt über das gegenüberliegende Fenster in den Außenraum. Die Patient*innen oder Angehörigen werden zunächst am Stationsstützpunkt empfangen.

Ein zentraler, innenliegender Flur erschließt in den Seitenflügeln jeweils die Patient*innenzimmer. Die östlichen Stationen weisen aufgrund des verbindenden Gebäudeflügels, der den Neubau mit dem Altbau verbindet, eine höhere Anzahl an Zimmern auf. Am knickenden Gelenk des Flügels befinden sich hier noch einmal dienende Räume  und im Seitenflügel ordnen sich fünf weitere Patient*innenzimmer zur Fassade hin an. Jede Station weist am Kopfende der Flügel, zur Straßenseite angeordnet, einen Gemeinschaftsraum vor. Durch die Anordnung von Aufenthaltsbereichen nahe der zentralen Erschließung als auch an den Enden der Gebäudeflügel können diese als Orte der Begegnung dienen.

Weitere Treppenkerne befinden sich jeweils am Ende der Gebäudeflügel. Im rückwärtigen Bereich des Verbindungsflügels ordnen sich die dienenden Räumlichkeiten der jeweiligen Station an, die separate Zugänge für Mitarbeitende vorweisen.

Die Sana Klinik München zeichnet sich durch einen großen Fensteranteil in der Fassade aus. Die großen, nahezu bodentiefen Fenster lassen viel Tageslicht in die Patientenzimmer und ermöglichen gleichzeitig einen Blick in den Hof oder auf die umliegenden Gebäude. Die Patientenzimmer zum Hof weisen hier eine Besonderheit durch ihre schräg angeordneten Fensterbereiche auf. Die Wände zum Hof sind um etwa 30° abgewinkelt und bilden so einen privaten Blick in den Hof aus. Dadurch verändert sich auch die Struktur der Zimmer im Fensterbereich und bildet dort eine gemütliche Sitzecke aus.

Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Standardzimmer

Die Standardzimmer sind als Zweibettzimmer konzipiert und werden über den Stationsflur erschlossen. Im Eingangsbereich befindet sich die zugehörige Nasszelle. Durch die abgeschrägte Wand wird der Blick in das Zimmer geöffnet und zusätzliche Bewegungsfläche im Patientenzimmer geschaffen.
Die Betten sind parallel zueinander und mit ihren Kopfenden an derselben Seitenwand angeordnet. Zum Hof hin öffnet sich der Raum durch den abgewinkelten Fensterbereich. Hier befindet sich eine gemeinsame Sitzgruppe mit einem Tisch und zwei Stühlen. Dadurch entsteht neben dem Bereich der Betten ein zusätzlicher Platz zum Sitzen und für Gespräche.

Privatzimmer

Die Wahlleistungszimmer sind als Zweibettzimmer konzipiert und werden über einen gemeinsamen Eingangsbereich erschlossen, von dem auch das gemeinsame Bad betreten wird. In diesem Eingangsbereich befinden sich zusätzlich Arbeits- und Lagermöglichkeiten. Ein festes Trennelement gliedert das Zimmer in zwei private Bereiche und schafft eine seitliche Abschirmung der Patient*innen. Zum Eingangsbereich bleiben beide Bereiche offen und miteinander verbunden. Jeder Bettplatz verfügt über einen eigenen Fensterabschnitt sowie separate Sitz- und Ablagemöglichkeiten. Im Vergleich zu den Standardzimmern bietet diese Raumaufteilung mehr Platz und Privatheit.

Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Quelle: wörner traxler richter | Fotograf: Christian Börner
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Die Sana Klinik in München Sending sticht vor allem durch ihren hohen Fensteranteil hervor, wodurch viel Tageslicht in die Patient*innenzimmer gelangt und eine gute natürliche Belüftung möglich ist.
Durch die klare Gliederung der Grundrissstruktur können die einzelnen Stationen im Akutfall kohortiert und dezentral erschlossen werden.
Die Stationen sind übersichtlich gestaltet und weisen einen zentralen Stationsstützpunkt vor, wodurch sich Mitarbeitende, Angehörige und Patient*innen gut orientieren können.

Die klare Gliederung der Station ermöglicht kurze Wege zwischen den dienenden und hochfrequentierten Räumen und den Patient*innenzimmern, sodass auch die Arbeitsprozesse unterstützt werden. Auf den größeren Stationen sind noch einmal dezentrale Räumlichkeiten zur Patient*innenversorgung angeordnet, wodurch die Arbeitsprozesse noch weiter unterstützt und Wege verkürzt werden.
Durch die same-handed Anordnung der Grundrisse in den Patient*innenzimmern auf der Normalstation wird das Personal zusätzlich in ihren Arbeitsprozessen unterstützt. So muss sich das Personal in den unterschiedlichen Zimmern nicht neu orientieren und die Versorgungsprozesse können optimiert werden.
Im Unterschied dazu ist die Gestaltung in Privatzimmern nicht same-handed ausgebildet Dafür sind jedoch die Patient*innenbereiche klar voneinander getrennt, wodurch auch die Prozesse klar gegliedert und voneinander getrennt stattfinden. Durch die räumliche Trennung finden auch die Arbeitsbereiche in den dafür ausgewiesenen Flächen pro Patient*in statt. Durch die klar lesbaren und nutzerspezifischen Zonen im Patient*innenzimmer können unkontrollierte Kontakte vermieden werden.

Vom Eingang sind die Bettplätze für das Personal gut einsehbar, sodass eine gute Überwachung der Patientinnen ermöglicht wird und im Notfall ein schneller Eingriff möglich ist.

Die Gestaltung der Patient*innenzimmer trägt durch ein hohes Maß an natürlichem Lichteinfall zum Wohlbefinden der Patient*innen bei.

Flächenmanagement Pflegezimmer
Flächenmanagement Privatzimmer
Kohortierung OG
Orientierung OG

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Akershus University Hospital in Oslo, von C.F. Møller Architects

05. November 2026 um 17:43
Infrastrukturen |
Best Practice

Akershus University Hospital in Norwegen, von C.F. Møller Architects

Im Jahr 2000 gewannen C.F. Møller Architects den Wettbewerb zur Realisierung des neuen Universitätskrankenhauses, New Ahus. Das Krankenhaus wurde 2015 final fertiggestellt. Den Architekt*innen war für ihren Entwurf die Beziehung von Innen- und Außenraum von Bedeutung. Viel Tageslicht und der Bezug zur Natur sind ein wesentliches Gestaltungselement, das sich in den unterschiedlichen Bereichen des Krankenhauses widerspiegelt.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

C.F. Møller Architects, Aarhus I Berlin I Copenhagen

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Krankenhaus

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2015


Standort

Nordbyhagen, Norwegen

BGF

118,000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

565 Betten

Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod

Das Universitätskrankenhaus liegt nordöstlich von Oslo in der Provinz Akerhus, die zum Großraum Oslo gehört. Eingebettet in einen grünen Universitätscampus liegt der Haupteingang im Norden des Geländes und wird über einen Vorplatz betreten.

Der offen und einladend gestaltete Entwurf der Architekt*innen empfängt die Patient*innen und Angehörigen am Haupteingang und leitet sie entlang einer großzügigen Achse zu den unterschiedlichen Funktionsbereichen. Ein großes Auditorium sowie eine Kantine schließen direkt an den Eingangsbereich im Norden an. Im Erdgeschoss sind entlang der Erschließungsachse Freiflächen, Begegnungsflächen, Rückzugsflächen und öffentliche Funktionen wie eine Apotheke, ein Friseur oder ein Café angeordnet. Das große Glasdach und die Fassadenelemente ermöglichen einen Bezug zur Natur und bieten eine gute Orientierung. Entlang der Achse sind Erschließungskerne angeordnet, die einen Zugang zu den unterschiedlichen Funktionsbereichen des Universitätskrankenhauses ermöglichen. Gläserne Brücken durch die Erschließungsachse, verbinden die gegenüberliegenden Erschließungskerne der unterschiedlichen Funktionsbereiche miteinander.

Auf der östlichen Seite, in den Fingern der Kammstruktur, befinden sich im Erdgeschoss ambulante Stationen. In den oberen Geschossen befinden sich stationäre Bettenstationen. Die Patient*innenzimmer sind beidseitig an der Fassade angeordnet und werden über einen innenliegenden Erschließungsbereich erschlossen. Zwischen den einzelnen Bettenstationen sind die Funktionsbereiche für die Versorgung parallel zur Erschließungsachse angeordnet. Die Räumlichkeiten orientieren sich dabei sowohl zum Luftraum der Erschließungsachse als auch zum Außenraum.

Auf der westlichen Seite liegen Büro- und Verwaltungsräume ebenfalls parallel zur Erschließungsachse. Die Finger der Kammstruktur sind auf dieser Seite mit einem Riegel verbunden, sodass ein Innenhof ausgebildet wird. Um die beiden nördlichen Innenhöfe orientieren sich in den unteren Etagen u.a. Tagesklinik, Aufwachräume, Radiologie und Schmerzklinik. Die Stationen sind so strukturiert, dass der Leitgedanke des Entwurfes, die Verbindung von Innen- und Außenraum sowie Tageslicht in allen Arbeitsbereichen, ermöglicht wird. Dies wird besonders in der fünften Etage, in der sich die Operationsbereiche befinden, verdeutlicht. Die Operationssäle und alle dienenden Räume sind an die Fassade angeschlossen und werden so mit direktem Tageslicht versorgt.

Die Notaufnahme wird über die westliche Fassadenseite erschlossen. Durch einen Geländeversprung erfolgt die Liegendanfahrt, sowie der Eingang zur Notaufnahme, über die zweite Etage. Die Triage, der Notfall-Operationsbereich und der Behandlungsbereich schließen sich hier ebenfalls direkt an und orientieren sich um die beiden südlichen Innenhöfe herum. Im südlichen Gebäudeteil schließt direkt zwischen Notaufnahme und Erschließungsachse ein Kopfbau an, in dem die Kinder- und Frauenheilkunde untergebracht ist. Hier befinden sich u.a. die Neonatologie, Geburtsstationen und Kinderklinik. Dieser Funktionsbereich wird über einen separaten Eingang im Süden der Erschließungsachse betreten und bietet Kindern und ihren Familien einen geschützten Raum.

Durch die Verwendung von Holz als natürliches Material und den direkten Einfall von natürlichem Licht wird eine wohltuende Atmosphäre erzeugt.

Quelle: Jorgen True
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Bei einem Universitätskrankenhaus steht selbstverständlich der Gesundheitsschutz im Vordergrund. Ein Entwurf kann durch die Struktur zu optimierten Arbeitsprozessen, aber auch aufgrund der Materialwahl oder Bauteilfügung zur Infektionsprävention beitragen.

Die große Erschließungsachse im Universitätskrankenhaus Akershus trägt zur guten Orientierung innerhalb der Gebäudestruktur bei. Von dieser Magistrale, an der sich alle öffentlichen Funktionen anordnen, erfolgt über dezentrale Erschließungskerne die Erschließung der unterschiedlichen ambulanten und stationären Funktionsbereiche. Somit ist einerseits eine gezielte Erschließung möglich, wodurch Personenströme direkt geleitet werden können und nicht notwendige Kontakte vermieden werden. Andererseits ist die Kohortierung der einzelnen Bettenstationen, aber auch der Operationsbereiche oder weiterer Fachbereiche voneinander möglich. Des Weiteren ermöglichen Fluchttreppenhäuser, an den Kopfseiten der Kämme, eine direkte Erschließung aus dem Außenraum.

Die separate Erschließung der Notaufnahme mit direkter Anbindung an den OP-Bereich unterstützt die Arbeitsprozesse im Notfall. Zusätzlich ist die Frauen- und Kinderklinik noch einmal mit einem separaten Gebäudetrakt von den weiteren Funktionsbereichen getrennt, sodass sich Personenströme nicht begegnen und im Notfall eine prozessorientierte Versorgung durch die kurzen Wege bspw. zwischen Kreißsaal und Neonatologie erfolgen kann.

Direkte und kurze Wege zwischen den Fachbereichen und dem bspw. Operationsbereich sowie die Verbindung über Brücken in die Bettenstationen ermöglichen kurze Wege zwischen Behandlungen und im Notfall.

Nutzernahe Lagerflächen, bspw. durch die Anordnung der Versorgungsräume direkt am  Zugang zur Bettenstation, ermöglichen eine dezentrale Lagerung von Materialien, die bedarfsgerecht und prozessorientiert aufgefüllt werden können.

Kohortierbarkeit EG
Erschließung EG
Kurze Wege EG
Orientierung EG
Kohortierbarkeit OG
Erschließung OG
Kurze Wege OG
Orientierung OG

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KRH Klinikum Siloah in Hannover von a|sh sander.hofrichter architekten

05. November 2026 um 17:16
Infrastrukturen |
Best Practice

KRH Klinikum Siloah in Hannover von a|sh sander.hofrichter architekten

Mit dem Neubau wurden die Krankenhäuser Siloah und Oststadt-Heidehaus am bestehenden Standort Siloah zusammengeführt. Die Architekt*innen a|sh sander.hofrichter haben 2007 den ersten Preis für ihren Entwurf sowie den Auftrag für die weitere Planung erhalten. Neben der neuen Organisation der medizinischen Bereiche war die Einbindung in das vorhandene Klinikgelände eine zentrale Aufgabe. Der neu entstandene Bau nimmt im Sockel die Traufhöhe der denkmalgeschützten Bestandsgebäude auf und ordnet sich entlang der neu entstandenen Klinikallee zwischen der Ihme und den Bestandsbauten an.

 

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

a|sh sander.hofrichter architekten, Ludwigshafen

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Kammstruktur auf einem Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2014


Standort

Hannover, Deutschland

BGF

ca. 62.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

535 Planbetten und 40 Wahlleistungsbetten

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Markus Bachmann
Quelle: Markus Bachmann
Ankommen und Orientierung

Das KRH Klinikum Siloah liegt im hannoverschen Stadtteil Linden-Süd direkt an der Ihme. Der Neubau steht auf dem bestehenden Klinikgelände zwischen den historischen Krankenhausgebäuden und dem begrünten Flussufer der Ihme. Der Haupteingang, gesäumt von zwei alten Eichen, orientiert sich zur Klinikallee und stellt eine direkte Sichtbeziehung zwischen dem Altbau und dem Neubau her. Auf der Rückseite des Krankenhauses öffnet sich das Gelände zum Grünraum entlang der Ihme.

Von der Eingangshalle am Haupteingang erstreckt sich über zwei Geschosse eine große Erschließungsmagistrale, die einen offenen und gleichzeitig ruhigen Eindruck vermittelt. Direkt beim Betreten des Klinikums kann man bis in den grünen Hof der Cafeteria schauen und darüber hinaus einen Blick auf die Ihme bekommen.

Von der Mitte dieser Magistrale führt querliegend die Haupterschließungsachse des Krankenhauses in beide Richtungen. Von dieser Erschließungsachse führen Erschließungsbereiche in die einzelnen Abteilungen und Funktionsbereiche. In  regelmäßigen Abständen sind auf dieser Achse die Treppen und Aufzüge für die vertikale Erschließung verortet. Im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss des Sockelbaus befinden sich die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche. Auf dem Sockelbau liegt eine Kammstruktur, in deren Flügeln sich die Pflegestationen befinden.

Untersuchung und Behandlung

Im Erdgeschoss befinden sich unter anderem die Notaufnahme, das Aufnahme- und Untersuchungszentrum sowie die Radiologie. Im ersten Obergeschoss sind die OP-Abteilung, die interventionelle Diagnostik und die Intensivmedizin zu finden. Die räumliche Nähe ermöglicht die Zusammenarbeit der Fachbereiche und begrenzt die Wege zwischen den Behandlungsschritten.

In der Grundrissstruktur ordnen sich die einzelnen Raumgruppen um sieben unterschiedlich große Innenhöfe an. So entstehen innerhalb des Sockels zusätzliche Außenfassaden, über die Tageslicht und ein Außenraumbezug in die angrenzenden Räume gelangen. Zudem unterbrechen die Innenhöfe die langen Flure und bieten den Patient*innen, Besuchenden und Mitarbeitenden Orientierungspunkte. Der Zugang zur Notaufnahme im Untergeschoss erfolgt über deinen direkten Weg vom Empfangstresen in der Eingangshalle oder über die dezentrale Zufahrt über die Querseite des Gebäudes, zum Eingang ds Krankenhausgeländes gerichtet.

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Markus Bachmann
Das Patient*innengeschoss und die Patient*innenzimmer

In den oberen Geschossen befinden sich die Pflegestationen, die über dezentrale Treppenhäuser und Aufzüge in der Erschließungsachse erschlossen werden. Die drei Bettenhausflügel sind durch einen gemeinsamen Querbau miteinander verbunden. In diesem Querbau sind die drei dezentralen Erschließungskerne verortet, die direkt gegenüber dem Zugang der Stationen liegen. Dort befinden sich die Pflegestützpunkte, sodass diese direkt beim Betreten der Station sichtbar sind und einen Orientierungspunkt für Patient*innen und Besuchende ausbilden.

Innerhalb der Flügel verläuft jeweils ein innenliegender Erschließungsbereich, von dem aus die beidseitig an der Fassade angeordneten Patient*innenzimmer erschlossen werden. Durch die Struktur erhalten alle Zimmer direktes Tageslicht. Die Zimmer sind als Zwei- und Vierbettzimmer ausgebildet. Die Sanitärräume liegen jeweils an der Flurseite, während sich der Aufenthaltsbereich mit einer kleinen Sitzgruppe, an der Fassade anordnet. Im Zweibettzimmer stehen die Betten parallel nebeneinander und ergänzend spiegeln sich im Vierbettzimmer noch zwei weitere Betten an der gegenüberliegenden Wand. Durch große Fensterflächen haben die Patient*innen einen Blick ins Grüne und auf die Ihme. Die Zimmer der Patient*innen sind mit hellen Möbeln ausgestattet, haben einen Boden in Holzoptik und hinter den Betten sind großformatige Pflanzenmotive in den passenden Farben zum jeweiligen Signaletikkonzept der Station angebracht.

Zwischen den Flügeln entstehen große Freiräume, die sich zur Ihme hin öffnen. Im Querbau der Kammstruktur ordnen sich weitere Pflegezimmer zwischen den Stationsstützpunkten an. Zwischen den dezentralen Erschließungskernen sind u.a. Sanitäranlagen und Lagerräume angeordnet. Zwei parallele Erschließungsbereiche verlaufen beidseitig entlang dieser dienenden Spange. Im rückwärtigen Bereich des Querbaus befinden sich, entlang der Fassade, Arzt- und Untersuchungszimmer, sowie weitere dienende Räumlichkeiten. An den äußeren Enden des Querbaus sind Aufenthaltsräume mit Sitzgruppen verortet.

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Farbe als Orientierungshilfe

Ein starkes Signaletikkonzept unterstützt die Besuchenden und Patient*innen bei der Orientierung und Durchwegung des Gebäudes. So sind unterschiedliche Nutzungen und Funktionsbereiche durch Farben gekennzeichnet und werden durch das Farbkonzept leichter erkennbar. Grün kennzeichnet beispielsweise die Behandlungsbereiche im Sockelgeschoss, wohingegen Violett, Gelb und Rot die drei stationären Pflegestationen kennzeichnen. Die Farben Violett, Gelb und Rot beziehen sich auf die Heilpflanzen Lavendel, Ringelblume und Hibiskus. Durch farbige Wandflächen sind damit unter anderem die Aufzüge, Treppen und Stationszugänge markiert. Von dort wird die jeweilige Farbe vom Pflegestützpunkt bis in die Patientenzimmer weitergeführt.

In den Behandlungsbereichen findet sich das Grün unter anderem an der Anmeldung der Notaufnahme und an den Türen wieder. Großflächige Pflanzenzeichnungen und kurze Texte ergänzen die Beschilderung in den Fluren. In den Patient*innenzimmern werden die Pflanzen auch als Wandmotive hinter den Betten aufgegriffen. So begleitet das Farb- und Pflanzenkonzept den Weg durch das gesamte Klinikum bis hin zum einzelnen Bettplatz.

Fassade und Materialität

Der Aufbau des Krankenhauses lässt sich an den Fassaden ablesen. Der massive, zweigeschossige Sockel mit u.a. den Untersuchungs- und Behandlungsräumen ist mit einem hellen Klinker verkleidet. Über dem Sockelgeschoss liegt eine fünfgeschossige Kammstruktur, in der sich die Bettenstationen befinden. Eine zurückgesetzte, dunkel verglaste Etage trennt die oberen Baukörper optisch vom Sockel und zusammen mit den auskragenden Gebäudekanten verstärkt sie den Eindruck, dass die Bettenhäuser über dem unteren Gebäudeteil schweben. Die oberen vier Etagen sind mit einer hellen, grünschimmernden Fassade und grauen Fensterelementen verkleidet.

Quelle: Markus Bachmann
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Das Siloah Klinikum in Hannover bietet seinen Patient*innen und Besuchenden von innen und außen eine gute Orientierung und Übersichtlichkeit. Dies hilft dabei, ungewollte Kontakte zu Personengruppen zu vermeiden und direkte Wege zunehmen. Im Siloah Klinikum kann die Aufteilung in Funktions- und Pflegebereiche bereits in der Fassade durch den massiven Sockel und die leichte Kammstruktur abgelesen werden. Die große Magistrale bietet eine gute Übersichtlichkeit und wird durch das Signaletikkonzept noch weiter unterstützt. Diese Magistrale kann im Akutfall auch zum Errichten von temporären Flächen genutzt werden. Der große Empfangsbereich auf der Magistrale und die Stationsstützpunkte, die jeweils gegenüber der dezentralen Erschließung liegen, bieten direkte Anlaufstellen und eine zusätzliche gute Überwachung. Die dezentrale Erschließung verringert die Kontaktzahl bzw. die Kontaktzeit von Personengruppen. Zusätzlich unterstützt diese die Möglichkeit der Kohortierung im Pandemiefall. Durch die dezentralen Erschließungskerne können die einzelnen Bettenflügel separat erschlossen werden. Durch die jeweils den Erschließungskernen u.a. zugeordneten Sanitäranlagen und Lagerflächen ist die Bildung von Kohorten möglich, sodass im Akutfall die einzelnen Funktionsbereiche losgelöst voneinander genutzt werden könnten.
Die Wege zwischen den Untersuchungs- und Behandlungsbereichen sind kurz. Dies reduziert die Laufwege zwischen unterschiedlichen Bereichen und optimiert die Prozesse der Mitarbeitenden. Die Funktionsbereiche sind so aufgebaut, dass das medizinische Personal zu den Patient*innen kommt, wodurch die Kontakte minimiert werden.

Erschließung EG
Temporäre Flächen EG
Orientierung EG
Erschließung OG
Orientierung OG
Nutzernahe Lagerflächen OG

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