Krankenhaus Tergooi MC in Hilversum, Niederlandevon Wiegerinck Architekten
Krankenhaus Tergooi MC in Hilversum, Niederlande von Wiegerinck Architekten
Im Tergooi MC wurden die Akutversorgung, Intensivmedizin und stationäre Versorgung der bisherigen Standorte Blaricum und Hilversum an einem neuen Standort zusammengeführt.
2011 wurde beschlossen, in Hilversum einen zentralisierten Standort für die medizinische Versorgung zu errichten. Dabei verfolgte das Krankenhaus das Ziel, mehr Behandlungen wohnortnah oder zu Hause anzubieten und den Neubau entsprechend kompakter zu halten. Wiegerinck gliederte das Krankenhaus in vier Baukörper, die sich in die bewaldete Parklandschaft von Monnikenberg einfügen. Die Verbindung zur Umgebung war dabei ein zentrales Thema für den Entwurf und wird im Inneren immer wieder sichtbar: entlang der zentralen Erschließung, an den begrünten Höfen und in den einzelnen Behandlungsbereichen, von überall ist ein Blick in die Natur möglich.
Architekt*innen
Wiegerinck
Gebäudetypologie
Krankenhaus
Grundrisstypologie
Sockelbau
Bauvorhaben
Neubau
Fertigstellung
2023
Standort
Hilversum, Niederlande
BGF
55.000 m2 im Neubau
Ein Krankenhaus im Grünen
Das Tergooi MC liegt im ehemaligen Klosterpark Monnikenberg am Rand von Hilversum. Bei der Verortung des Neubaus wurden die vorhandenen Bäume und Grünflächen möglichst weitgehend erhalten. Die einzelnen Gebäudekörper sind zwischen drei und sechs Stockwerke hoch und stehen mit unterschiedlichen Abständen zueinander. Dadurch entstehen Zwischenräume, die den Eindruck vermitteln, dass sich die Parklandschaft bis in das Innere des Krankenhauses hereinzieht.
Zum Gelände gehören außerdem die eigenständige Behandlungsklinik Tergooi MC Clinics, eine Ambulanzstation und ein Parkhaus. Zwei Flügel des bisherigen Krankenhauses wurden für die weitere Nutzung von Büros und unterstützende Funktionen erhalten.
Vier Baukörper und sechs Höfe
Zwischen den Bäumen entdeckt man das Krankenhaus mit einer klar gegliederten Fassade aus Backstein, Aluminium, Beton und Glaselementen. Der Neubau besteht aus drei höheren Baukörpern und einem niedrigeren, zentral gelegenen Gebäudeteil. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind sie miteinander verbunden. In den darüberliegenden Ebenen sind die einzelnen Baukörper deutlicher als eigenständige Stationen zu erkennen. Eine zentrale Achse verbindet alle Körper miteinander.
Insgesamt gibt es sechs Innenhöfe, die das Krankenhaus gliedern. Sie liegen sowohl innerhalb der Baukörper als auch zwischen den Gebäudeteilen und bringen viel Tageslicht in die innenliegenden Bereiche. Die Grundrisse zeigen, wie orientierungsgebend diese Höfe sind und wie sich Räume und Erschließungswege um diese Freiflächen anordnen. Dadurch erhalten auch Bereiche im Inneren des Krankenhauses einen Bezug nach außen und greifen das Entwurfsthema, die Einbindung der Natur, wieder auf.
Ein zentraler Weg als Orientierung
Vom Haupteingang führt ein Magistrale durch das Krankenhaus. Diese bildet die zentrale Erschließungsachse, von der die einzelnen Baukörper und Abteilungen erschlossen werden. So liegen unter anderem die Radiologie und die Ambulanzen im Erdgeschoss und sind von dieser Achse aus erreichbar.
Zwischen den Baukörpern wird diese Achse zu einem verglasten Verbindungsraum zwischen Innen und Außen. Hier öffnet sich der Wege zu den bepflanzten Innenhöfen und zur umgebenden Parklandschaft. Diese Bereiche unterscheiden sich von den geschlossenen Raumfolgen innerhalb der Abteilungen. Sie brechen den langen Weg auf und bieten Rückzugsbereiche und Orientierung.
Auch die Wartebereiche beziehen sich auf die Höfe und das Grün. Entlang der zentralen Achse sind in den Wänden immer wieder Sitznischen eingelassen. Durch den kleinen Rücksprung bieten sie Privatsphäre und kleine Rückzugsorte innerhalb der gemeinsam genutzten Erschließung.
Kurze Verbindungen zwischen den Behandlungsbereichen
Die Wege und Prozesse für Besuchende, Personal und Bettentransporte sind auf unterschiedlichen Ebenen organisiert. Während die öffentliche Erschließung hauptsächlich im Erdgeschoss stattfindet, können Patient*innen im ersten Obergeschoss zwischen den Gebäudeteilen im Bett transportiert werden.
Über Erschließungskerne, die an die zentrale Magistrale anschließen, werden die Obergeschosse erschlossen, die als drei eigenständige Baukörper über dem Sockelgeschoss liegen. Die Stationen ordnen sich hier jeweils um den großen Innenhof an und werden über eine innenliegende Erschließung erschlossen. So erhalten auch die nach innen gerichteten Räume Tageslicht und einen Blick ins Grüne.
Der OP-Bereich
Der OP-Bereich befindet sich im zentralen Gebäudeteil im ersten Obergeschoss, über der Radiologie. Von dort aus ist er ideal an die umliegenden Abteilungen und die vertikale Erschließung angeschlossen, sodass kurze Wege möglich sind. So können Patient*innen schnellstmöglich auf die Stationen verlegt werden, aber auch die Tagesklinik ist über einen eigenen Weg an den Vorbereitungs- und Aufwachbereich angebunden, was vor allem durch die steigenden Zahlen an ambulanten Operationen von großer Bedeutung ist. Die Zentralsterilisation ist unmittelbar neben dem OP-Bereich verortet. Sterile Materialien werden über einen anderen Weg angeliefert, als gebrauchte Instrumente zur Aufbereitung zurückgeführt werden. Für reine und unreine Versorgungen spielen Prozesse und Erschließungswege eine wichtige Rolle.
Wie im gesamten Krankenhaus wurde auch im OP-Bereich viel Wert auf natürliches Licht gelegt. Die Vor- und Nachbereitungsräume sowie die zwölf Operationssäle sind größtenteils an die Fassade angeschlossen, sodass Mitarbeitende während der Arbeit das Tageslicht wahrnehmen und die Patient*innen beim Aufwachen ins Grüne schauen können.
Patientenzimmer und Pflegestationen
Die Bettenstationen sind jeweils um einen Innenhof angeordnet. Die Patientenzimmer liegen sowohl an den äußeren Fassaden als auch zur Hofseite. Die Erschließung erfolgt über einen umlaufenden und innenliegenden Erschließungsbereich. In die Ringstruktur sind Treppen, Aufzüge und dienenden Räume, wie der Pflegestützpunkt und das Materiallager eingebunden.
Die Pflegestationen für die Patient*innen sind mit Einzelzimmern und einer zugehörigen Nasszelle ausgestattet. Zwischen den Zimmern liegen die Nasszellen, sodass die Korridorseite für den Zugang und den Kontakt zum Pflegepersonal zugänglich bleibt. Die Zimmer bieten außerdem ausreichend Platz für Besuch, ärztliche Gespräche und physiotherapeutische Übungen.
Auf einer Normalstation gibt es Platz für 28 Patient*innen. Zusätzlich sind die Stationen mit allen notwendigen Räumlichkeiten für die Pflege, wie einem zentralen Pflegestützpunkt, Mitarbeitendenbereichen, rein- und unreinen Lagerräumen etc., ausgestattet. Eine Besonderheit sind kleine Nischen in dem Erschließungsbereich, in denen Versorgungswägen oder Geräte platziert werden können.
Die Überwachung von Patient*innen bekommt auf der Intensivstation nochmal eine größere Bedeutung, sodass diese Stationen als kleinere Einheiten gestaltet sind. Die Intensivzimmer sind ebenfalls als Einbettzimmer ausgestattet und eine Station bietet Platz für 12 Patient*innen. Vor jedem Zimmer gibt es noch einen zusätzlichen Überwachungs- und Dokumentationsplatz. Ergänzend gibt es noch Isolationszimmer und im Akutfall können Stationen oberhalb der Intensivstation in den Intensivstatus hochgefahren werden und über einen separaten Zugang direkt aus der Intensivstation erschlossen werden. Die Stationen haben neben dem Stationsstützpunkt, den reinen und unreinen Arbeitsräumen etc. vor allem einen zusätzlichen Raum für die Medikamentenvorbereitung.
Die Zimmer sind großzügig gestaltet, sodass auch für die Einbindung von Angehörigen ausreichend Platz zur Verfügung steht.
Der den Architekt*innen wichtige Bezug zwischen Innen- und Außenraum wird auch in den Patient*innenzimmern noch einmal deutlich. Hohe Fenster mit niedrigen Brüstungen ermöglichen einen direkten Blick vom Bett in die Umgebung und lassen viel Tageslicht hinein.
Tagesklinik mit Zugang ins Freie
In der onkologischen Tagesklinik im vierten Obergeschoss sind die Behandlungsplätze in vier Gruppen mit jeweils drei oder sechs Plätzen zusammengefasst. Vorhänge bieten die Möglichkeit, dass trotz der großen Anzahl an Behandlungsplätzen eine gewisse Privatsphäre besteht. Der für den Entwurf wichtige Bezug zum Außenraum wird auch hier noch einmal deutlich. Große Fenster bringen viel Tageslicht in die offenen Behandlungsbereiche und ermöglichen einen direkten Blick ins Grüne. Eine Besonderheit stellt hier der direkte Zugang auf eine Dachterrasse dar, der die Einbindung der Dachterrasse in den Behandlungsalltag ermöglicht.
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?
Der Entwurf des Tergooi MC integriert Entwurfsprinzipien des baulichen Gesundheitsschutzes auf unterschiedlichen Maßstabsebenen.
Die zentrale Magistrale, die alle Baukörper miteinander verbindet, schafft eine gute Orientierung innerhalb der öffentlichen Bereiche. Die Innenhöfe und der Blick in den Außenraum unterstützten die räumliche Orientierung zusätzlich. Auf der Achse verortete dezentrale Erschließungen der einzelnen Baukörper entzerren Personenströme, vermeiden ungewollte Kontakte und organisieren Personenströme bedarfsgerecht. Gleichzeitig unterstützen interne Erschließungsbereiche ungewollte Kontakte zwischen Mitarbeitenden, Besuchenden und Patient*innen oder auch die Ver- und Entsorgung.
Im Akutfall lassen sich die einzelnen Baukörper kohortieren und separat erschließen. Die Erschließung kann teilweise direkt aus dem Außenraum erfolgen. Besonders hervorzuheben sind die Kohortierungsmöglichkeiten der Intensivstation sowie die Ausstattung der Stationen mit Isolierzimmern. Die Intensivstationen sind kompakt gestaltet und umfassen zwölf Bettplätze. Im Akutfall kann durch die Kohortierung der Stationen die Anzahl auf sechs Bettplätze reduziert werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Kapazitäten der Intensivstation durch die baugleiche Struktur auf andere Stationen zu übertragen und so im Bedarfsfall die intensivmedizinische Versorgung aufzustocken.
Die Stationen sind mit einem zentralen Stationsstützpunkt ausgestattet und dezentrale Dokumentationsplätze vor den Intensivzimmern unterstützen die Überwachung der Patient*innen. Vor allem der Entwurf und die Gestaltung der Patient*innenzimmer, auf der Intensivstation sowie auf Normalpflege, tragen zum baulichen Gesundheitsschutz bei. Alle Zimmer sind als Einbettzimmer ausgestattet. Ausreichend Bewegungsfläche und klar definierte Zonen für Mitarbeitende, Patient*innen und Besuchende unterstützen reibungslose Abläufe und tragen zur Compliance der Hygiene bei.
Die großen Fensterflächen lassen viel Tageslicht in die Zimmer einfallen, was sich zum einen unterstützend auf die Mitarbeitenden auswirkt, aber zum anderen vor allem das Wohlbefinden der Patient*innen unterstützt. Die Zimmer werden möglichst frei von medizinischen Geräten oder außerhalb des Blickfeldes ausgestattet, was zum einen ausreichend Platz für Behandlungen bietet, aber vor allem den Stressfaktor bei Patient*innen minimiert. Zudem trägt die Gestaltung der Räumlichkeiten durch warme Farben und Holz zum Wohlbefinden bei.
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