❌

Normale Ansicht

Received yesterday — 05. November 2026

Krankenhaus Tergooi MC in Hilversum, Niederlandevon Wiegerinck Architekten

05. November 2026 um 17:55
Infrastrukturen |
Best Practice

Krankenhaus Tergooi MC in Hilversum, Niederlande von Wiegerinck Architekten

Im Tergooi MC wurden die Akutversorgung, Intensivmedizin und stationäre Versorgung der bisherigen Standorte Blaricum und Hilversum an einem neuen Standort zusammengeführt.

2011 wurde beschlossen, in Hilversum einen zentralisierten Standort für die medizinische Versorgung zu errichten. Dabei verfolgte das Krankenhaus das Ziel, mehr Behandlungen wohnortnah oder zu Hause anzubieten und den Neubau entsprechend kompakter zu halten. Wiegerinck gliederte das Krankenhaus in vier Baukörper, die sich in die bewaldete Parklandschaft von Monnikenberg einfügen. Die Verbindung zur Umgebung war dabei ein zentrales Thema für den Entwurf und wird im Inneren immer wieder sichtbar: entlang der zentralen Erschließung, an den begrünten Höfen und in den einzelnen Behandlungsbereichen, von überall ist ein Blick in die Natur möglich.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

Wiegerinck

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2023


Standort

Hilversum, Niederlande

BGF

55.000 m2 im Neubau

 

Quelle: William Moore
Quelle: William Moore
Quelle: William Moore
Ein Krankenhaus im Grünen

Das Tergooi MC liegt im ehemaligen Klosterpark Monnikenberg am Rand von Hilversum. Bei der Verortung des Neubaus wurden die vorhandenen Bäume und Grünflächen möglichst weitgehend erhalten. Die einzelnen Gebäudekörper sind zwischen drei und sechs Stockwerke hoch und stehen mit unterschiedlichen Abständen zueinander. Dadurch entstehen Zwischenräume, die den Eindruck vermitteln, dass sich die Parklandschaft bis in das Innere des Krankenhauses hereinzieht.

Zum Gelände gehören außerdem die eigenständige Behandlungsklinik Tergooi MC Clinics, eine Ambulanzstation und ein Parkhaus. Zwei Flügel des bisherigen Krankenhauses wurden für die weitere Nutzung von Büros und unterstützende Funktionen erhalten.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Vier Baukörper und sechs Höfe

Zwischen den Bäumen entdeckt man das Krankenhaus mit einer klar gegliederten Fassade aus Backstein, Aluminium, Beton und Glaselementen. Der Neubau besteht aus drei höheren Baukörpern und einem niedrigeren, zentral gelegenen Gebäudeteil. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind sie miteinander verbunden. In den darüberliegenden Ebenen sind die einzelnen Baukörper deutlicher als eigenständige Stationen zu erkennen. Eine zentrale Achse verbindet alle Körper miteinander.

Insgesamt gibt es sechs Innenhöfe, die das Krankenhaus gliedern. Sie liegen sowohl innerhalb der Baukörper als auch zwischen den Gebäudeteilen und bringen viel Tageslicht in die innenliegenden Bereiche. Die Grundrisse zeigen, wie orientierungsgebend diese Höfe sind und wie sich Räume und Erschließungswege um diese Freiflächen anordnen. Dadurch erhalten auch Bereiche im Inneren des Krankenhauses einen Bezug nach außen und greifen das Entwurfsthema, die Einbindung der Natur, wieder auf.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Ein zentraler Weg als Orientierung

Vom Haupteingang führt ein Magistrale durch das Krankenhaus. Diese bildet die zentrale Erschließungsachse, von der die einzelnen Baukörper und Abteilungen erschlossen werden. So liegen unter anderem die Radiologie und die Ambulanzen im Erdgeschoss und sind von dieser Achse aus erreichbar.

Zwischen den Baukörpern wird diese Achse zu einem verglasten Verbindungsraum zwischen Innen und Außen. Hier öffnet sich der Wege zu den bepflanzten Innenhöfen und zur umgebenden Parklandschaft. Diese Bereiche unterscheiden sich von den geschlossenen Raumfolgen innerhalb der Abteilungen. Sie brechen den langen Weg auf und bieten Rückzugsbereiche und Orientierung.

Auch die Wartebereiche beziehen sich auf die Höfe und das Grün. Entlang der zentralen Achse sind in den Wänden immer wieder Sitznischen eingelassen. Durch den kleinen Rücksprung bieten sie Privatsphäre und kleine Rückzugsorte innerhalb der gemeinsam genutzten Erschließung.

Quelle: Hanne van der Woude
Kurze Verbindungen zwischen den Behandlungsbereichen

Die Wege und Prozesse für Besuchende, Personal und Bettentransporte sind auf unterschiedlichen Ebenen organisiert. Während die öffentliche Erschließung hauptsächlich im Erdgeschoss stattfindet, können Patient*innen im ersten Obergeschoss zwischen den Gebäudeteilen im Bett transportiert werden.

Über Erschließungskerne, die an die zentrale Magistrale anschließen, werden die Obergeschosse erschlossen, die als drei eigenständige Baukörper über dem Sockelgeschoss liegen. Die Stationen ordnen sich hier jeweils um den großen Innenhof an und werden über eine innenliegende Erschließung erschlossen. So erhalten auch die nach innen gerichteten Räume Tageslicht und einen Blick ins Grüne.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Der OP-Bereich

Der OP-Bereich befindet sich im zentralen Gebäudeteil im ersten Obergeschoss, über der Radiologie. Von dort aus ist er ideal an die umliegenden Abteilungen und die vertikale Erschließung angeschlossen, sodass kurze Wege möglich sind. So können Patient*innen schnellstmöglich auf die Stationen verlegt werden, aber auch die Tagesklinik ist über einen eigenen Weg an den Vorbereitungs- und Aufwachbereich angebunden, was vor allem durch die steigenden Zahlen an ambulanten Operationen von großer Bedeutung ist. Die Zentralsterilisation ist unmittelbar neben dem OP-Bereich verortet. Sterile Materialien werden über einen anderen Weg angeliefert, als gebrauchte Instrumente zur Aufbereitung zurückgeführt werden. Für reine und unreine Versorgungen spielen Prozesse und Erschließungswege eine wichtige Rolle.

Wie im gesamten Krankenhaus wurde auch im OP-Bereich viel Wert auf natürliches Licht gelegt. Die Vor- und Nachbereitungsräume sowie die zwölf Operationssäle sind größtenteils an die Fassade angeschlossen, sodass Mitarbeitende während der Arbeit das Tageslicht wahrnehmen und die Patient*innen beim Aufwachen ins Grüne schauen können.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Patientenzimmer und Pflegestationen

Die Bettenstationen sind jeweils um einen Innenhof angeordnet. Die Patientenzimmer liegen sowohl an den äußeren Fassaden als auch zur Hofseite. Die Erschließung erfolgt über einen umlaufenden und innenliegenden Erschließungsbereich. In die Ringstruktur sind Treppen, Aufzüge und dienenden Räume, wie der Pflegestützpunkt und das Materiallager eingebunden.

Die Pflegestationen für die Patient*innen sind mit Einzelzimmern und einer zugehörigen Nasszelle ausgestattet. Zwischen den Zimmern liegen die  Nasszellen, sodass die Korridorseite für den Zugang und den Kontakt zum Pflegepersonal zugänglich bleibt. Die Zimmer bieten außerdem ausreichend Platz für Besuch, ärztliche Gespräche und physiotherapeutische Übungen.

Auf einer Normalstation gibt es Platz für 28 Patient*innen. Zusätzlich sind die Stationen mit allen notwendigen Räumlichkeiten für die Pflege, wie einem zentralen Pflegestützpunkt, Mitarbeitendenbereichen, rein- und unreinen Lagerräumen etc., ausgestattet. Eine Besonderheit sind kleine Nischen in dem Erschließungsbereich, in denen Versorgungswägen oder Geräte platziert werden können.

Die Überwachung von Patient*innen bekommt auf der Intensivstation nochmal eine größere Bedeutung, sodass diese Stationen als kleinere Einheiten gestaltet sind. Die Intensivzimmer sind ebenfalls als Einbettzimmer ausgestattet und eine Station bietet Platz für 12 Patient*innen. Vor jedem Zimmer gibt es noch einen zusätzlichen Überwachungs- und Dokumentationsplatz. Ergänzend gibt es noch Isolationszimmer und im Akutfall können Stationen oberhalb der Intensivstation in den Intensivstatus hochgefahren werden und über einen separaten Zugang direkt aus der Intensivstation erschlossen werden. Die Stationen haben neben dem Stationsstützpunkt, den reinen und unreinen Arbeitsräumen etc. vor allem einen zusätzlichen Raum für die Medikamentenvorbereitung.
Die Zimmer sind großzügig gestaltet, sodass auch für die Einbindung von Angehörigen ausreichend Platz zur Verfügung steht.

Der den Architekt*innen wichtige Bezug zwischen Innen- und Außenraum wird auch in den  Patient*innenzimmern noch einmal deutlich. Hohe Fenster mit niedrigen Brüstungen ermöglichen einen direkten Blick vom Bett in die Umgebung und lassen viel Tageslicht hinein.

Tagesklinik mit Zugang ins Freie

In der onkologischen Tagesklinik im vierten Obergeschoss sind die Behandlungsplätze in vier Gruppen mit jeweils drei oder sechs Plätzen zusammengefasst. Vorhänge bieten die Möglichkeit, dass trotz der großen Anzahl an Behandlungsplätzen eine gewisse Privatsphäre besteht. Der für den Entwurf wichtige Bezug zum Außenraum wird auch hier noch einmal deutlich. Große Fenster bringen viel Tageslicht in die offenen Behandlungsbereiche und ermöglichen einen direkten Blick ins Grüne. Eine Besonderheit stellt hier der direkte Zugang auf eine Dachterrasse dar, der die Einbindung der Dachterrasse in den Behandlungsalltag ermöglicht.

Quelle: Hanne van der Woude
Quelle: Hanne van der Woude
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Der Entwurf des Tergooi MC integriert Entwurfsprinzipien des baulichen Gesundheitsschutzes auf unterschiedlichen Maßstabsebenen.

Die zentrale Magistrale, die alle Baukörper miteinander verbindet, schafft eine gute Orientierung innerhalb der öffentlichen Bereiche. Die Innenhöfe und der Blick in den Außenraum unterstützten die räumliche Orientierung zusätzlich. Auf der Achse verortete dezentrale Erschließungen der einzelnen Baukörper entzerren Personenströme, vermeiden ungewollte Kontakte und organisieren Personenströme bedarfsgerecht. Gleichzeitig unterstützen interne Erschließungsbereiche ungewollte Kontakte zwischen Mitarbeitenden, Besuchenden und Patient*innen oder auch die Ver- und Entsorgung.

Im Akutfall lassen sich die einzelnen Baukörper kohortieren und separat erschließen. Die Erschließung kann teilweise direkt aus dem Außenraum erfolgen. Besonders hervorzuheben sind die Kohortierungsmöglichkeiten der Intensivstation sowie die Ausstattung der Stationen mit Isolierzimmern. Die Intensivstationen sind kompakt gestaltet und umfassen zwölf Bettplätze. Im Akutfall kann durch die Kohortierung der Stationen die Anzahl auf sechs Bettplätze reduziert werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Kapazitäten der Intensivstation durch die baugleiche Struktur auf andere Stationen zu übertragen und so im Bedarfsfall die intensivmedizinische Versorgung aufzustocken.

Die Stationen sind mit einem zentralen Stationsstützpunkt ausgestattet und dezentrale Dokumentationsplätze vor den Intensivzimmern unterstützen die Überwachung der Patient*innen. Vor allem der Entwurf und die Gestaltung der Patient*innenzimmer, auf der Intensivstation sowie auf Normalpflege, tragen zum baulichen Gesundheitsschutz bei. Alle Zimmer sind als Einbettzimmer ausgestattet. Ausreichend Bewegungsfläche und klar definierte Zonen für Mitarbeitende, Patient*innen und Besuchende unterstützen reibungslose Abläufe und tragen zur Compliance der Hygiene bei.
Die großen Fensterflächen lassen viel Tageslicht in die Zimmer einfallen, was sich zum einen unterstützend auf die Mitarbeitenden auswirkt, aber zum anderen vor allem das Wohlbefinden der Patient*innen unterstützt. Die Zimmer werden möglichst frei von medizinischen Geräten oder außerhalb des Blickfeldes ausgestattet, was zum einen ausreichend Platz für Behandlungen bietet, aber vor allem den Stressfaktor bei Patient*innen minimiert. Zudem trägt die Gestaltung der Räumlichkeiten durch warme Farben und Holz zum Wohlbefinden bei.

Erschließung EG
Orientierung EG
Kohortierbarkeit OG
Erschließung OG

The post Krankenhaus Tergooi MC in Hilversum, Niederlandevon Wiegerinck Architekten appeared first on PlanGesund.info.

KRH Klinikum Siloah in Hannover von a|sh sander.hofrichter architekten

05. November 2026 um 17:16
Infrastrukturen |
Best Practice

KRH Klinikum Siloah in Hannover von a|sh sander.hofrichter architekten

Mit dem Neubau wurden die Krankenhäuser Siloah und Oststadt-Heidehaus am bestehenden Standort Siloah zusammengeführt. Die Architekt*innen a|sh sander.hofrichter haben 2007 den ersten Preis für ihren Entwurf sowie den Auftrag für die weitere Planung erhalten. Neben der neuen Organisation der medizinischen Bereiche war die Einbindung in das vorhandene Klinikgelände eine zentrale Aufgabe. Der neu entstandene Bau nimmt im Sockel die Traufhöhe der denkmalgeschützten Bestandsgebäude auf und ordnet sich entlang der neu entstandenen Klinikallee zwischen der Ihme und den Bestandsbauten an.

 

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

a|sh sander.hofrichter architekten, Ludwigshafen

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Kammstruktur auf einem Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2014


Standort

Hannover, Deutschland

BGF

ca. 62.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

535 Planbetten und 40 Wahlleistungsbetten

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Markus Bachmann
Quelle: Markus Bachmann
Ankommen und Orientierung

Das KRH Klinikum Siloah liegt im hannoverschen Stadtteil Linden-Süd direkt an der Ihme. Der Neubau steht auf dem bestehenden Klinikgelände zwischen den historischen Krankenhausgebäuden und dem begrünten Flussufer der Ihme. Der Haupteingang, gesäumt von zwei alten Eichen, orientiert sich zur Klinikallee und stellt eine direkte Sichtbeziehung zwischen dem Altbau und dem Neubau her. Auf der Rückseite des Krankenhauses öffnet sich das Gelände zum Grünraum entlang der Ihme.

Von der Eingangshalle am Haupteingang erstreckt sich über zwei Geschosse eine große Erschließungsmagistrale, die einen offenen und gleichzeitig ruhigen Eindruck vermittelt. Direkt beim Betreten des Klinikums kann man bis in den grünen Hof der Cafeteria schauen und darüber hinaus einen Blick auf die Ihme bekommen.

Von der Mitte dieser Magistrale führt querliegend die Haupterschließungsachse des Krankenhauses in beide Richtungen. Von dieser Erschließungsachse führen Erschließungsbereiche in die einzelnen Abteilungen und Funktionsbereiche. In  regelmäßigen Abständen sind auf dieser Achse die Treppen und Aufzüge für die vertikale Erschließung verortet. Im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss des Sockelbaus befinden sich die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche. Auf dem Sockelbau liegt eine Kammstruktur, in deren Flügeln sich die Pflegestationen befinden.

Untersuchung und Behandlung

Im Erdgeschoss befinden sich unter anderem die Notaufnahme, das Aufnahme- und Untersuchungszentrum sowie die Radiologie. Im ersten Obergeschoss sind die OP-Abteilung, die interventionelle Diagnostik und die Intensivmedizin zu finden. Die räumliche Nähe ermöglicht die Zusammenarbeit der Fachbereiche und begrenzt die Wege zwischen den Behandlungsschritten.

In der Grundrissstruktur ordnen sich die einzelnen Raumgruppen um sieben unterschiedlich große Innenhöfe an. So entstehen innerhalb des Sockels zusätzliche Außenfassaden, über die Tageslicht und ein Außenraumbezug in die angrenzenden Räume gelangen. Zudem unterbrechen die Innenhöfe die langen Flure und bieten den Patient*innen, Besuchenden und Mitarbeitenden Orientierungspunkte. Der Zugang zur Notaufnahme im Untergeschoss erfolgt über deinen direkten Weg vom Empfangstresen in der Eingangshalle oder über die dezentrale Zufahrt über die Querseite des Gebäudes, zum Eingang ds Krankenhausgeländes gerichtet.

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Markus Bachmann
Das Patient*innengeschoss und die Patient*innenzimmer

In den oberen Geschossen befinden sich die Pflegestationen, die über dezentrale Treppenhäuser und Aufzüge in der Erschließungsachse erschlossen werden. Die drei Bettenhausflügel sind durch einen gemeinsamen Querbau miteinander verbunden. In diesem Querbau sind die drei dezentralen Erschließungskerne verortet, die direkt gegenüber dem Zugang der Stationen liegen. Dort befinden sich die Pflegestützpunkte, sodass diese direkt beim Betreten der Station sichtbar sind und einen Orientierungspunkt für Patient*innen und Besuchende ausbilden.

Innerhalb der Flügel verläuft jeweils ein innenliegender Erschließungsbereich, von dem aus die beidseitig an der Fassade angeordneten Patient*innenzimmer erschlossen werden. Durch die Struktur erhalten alle Zimmer direktes Tageslicht. Die Zimmer sind als Zwei- und Vierbettzimmer ausgebildet. Die Sanitärräume liegen jeweils an der Flurseite, während sich der Aufenthaltsbereich mit einer kleinen Sitzgruppe, an der Fassade anordnet. Im Zweibettzimmer stehen die Betten parallel nebeneinander und ergänzend spiegeln sich im Vierbettzimmer noch zwei weitere Betten an der gegenüberliegenden Wand. Durch große Fensterflächen haben die Patient*innen einen Blick ins Grüne und auf die Ihme. Die Zimmer der Patient*innen sind mit hellen Möbeln ausgestattet, haben einen Boden in Holzoptik und hinter den Betten sind großformatige Pflanzenmotive in den passenden Farben zum jeweiligen Signaletikkonzept der Station angebracht.

Zwischen den Flügeln entstehen große Freiräume, die sich zur Ihme hin öffnen. Im Querbau der Kammstruktur ordnen sich weitere Pflegezimmer zwischen den Stationsstützpunkten an. Zwischen den dezentralen Erschließungskernen sind u.a. Sanitäranlagen und Lagerräume angeordnet. Zwei parallele Erschließungsbereiche verlaufen beidseitig entlang dieser dienenden Spange. Im rückwärtigen Bereich des Querbaus befinden sich, entlang der Fassade, Arzt- und Untersuchungszimmer, sowie weitere dienende Räumlichkeiten. An den äußeren Enden des Querbaus sind Aufenthaltsräume mit Sitzgruppen verortet.

Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Quelle: Wolfgang Fallier
Farbe als Orientierungshilfe

Ein starkes Signaletikkonzept unterstützt die Besuchenden und Patient*innen bei der Orientierung und Durchwegung des Gebäudes. So sind unterschiedliche Nutzungen und Funktionsbereiche durch Farben gekennzeichnet und werden durch das Farbkonzept leichter erkennbar. Grün kennzeichnet beispielsweise die Behandlungsbereiche im Sockelgeschoss, wohingegen Violett, Gelb und Rot die drei stationären Pflegestationen kennzeichnen. Die Farben Violett, Gelb und Rot beziehen sich auf die Heilpflanzen Lavendel, Ringelblume und Hibiskus. Durch farbige Wandflächen sind damit unter anderem die Aufzüge, Treppen und Stationszugänge markiert. Von dort wird die jeweilige Farbe vom Pflegestützpunkt bis in die Patientenzimmer weitergeführt.

In den Behandlungsbereichen findet sich das Grün unter anderem an der Anmeldung der Notaufnahme und an den Türen wieder. Großflächige Pflanzenzeichnungen und kurze Texte ergänzen die Beschilderung in den Fluren. In den Patient*innenzimmern werden die Pflanzen auch als Wandmotive hinter den Betten aufgegriffen. So begleitet das Farb- und Pflanzenkonzept den Weg durch das gesamte Klinikum bis hin zum einzelnen Bettplatz.

Fassade und Materialität

Der Aufbau des Krankenhauses lässt sich an den Fassaden ablesen. Der massive, zweigeschossige Sockel mit u.a. den Untersuchungs- und Behandlungsräumen ist mit einem hellen Klinker verkleidet. Über dem Sockelgeschoss liegt eine fünfgeschossige Kammstruktur, in der sich die Bettenstationen befinden. Eine zurückgesetzte, dunkel verglaste Etage trennt die oberen Baukörper optisch vom Sockel und zusammen mit den auskragenden Gebäudekanten verstärkt sie den Eindruck, dass die Bettenhäuser über dem unteren Gebäudeteil schweben. Die oberen vier Etagen sind mit einer hellen, grünschimmernden Fassade und grauen Fensterelementen verkleidet.

Quelle: Markus Bachmann
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Das Siloah Klinikum in Hannover bietet seinen Patient*innen und Besuchenden von innen und außen eine gute Orientierung und Übersichtlichkeit. Dies hilft dabei, ungewollte Kontakte zu Personengruppen zu vermeiden und direkte Wege zunehmen. Im Siloah Klinikum kann die Aufteilung in Funktions- und Pflegebereiche bereits in der Fassade durch den massiven Sockel und die leichte Kammstruktur abgelesen werden. Die große Magistrale bietet eine gute Übersichtlichkeit und wird durch das Signaletikkonzept noch weiter unterstützt. Diese Magistrale kann im Akutfall auch zum Errichten von temporären Flächen genutzt werden. Der große Empfangsbereich auf der Magistrale und die Stationsstützpunkte, die jeweils gegenüber der dezentralen Erschließung liegen, bieten direkte Anlaufstellen und eine zusätzliche gute Überwachung. Die dezentrale Erschließung verringert die Kontaktzahl bzw. die Kontaktzeit von Personengruppen. Zusätzlich unterstützt diese die Möglichkeit der Kohortierung im Pandemiefall. Durch die dezentralen Erschließungskerne können die einzelnen Bettenflügel separat erschlossen werden. Durch die jeweils den Erschließungskernen u.a. zugeordneten Sanitäranlagen und Lagerflächen ist die Bildung von Kohorten möglich, sodass im Akutfall die einzelnen Funktionsbereiche losgelöst voneinander genutzt werden könnten.
Die Wege zwischen den Untersuchungs- und Behandlungsbereichen sind kurz. Dies reduziert die Laufwege zwischen unterschiedlichen Bereichen und optimiert die Prozesse der Mitarbeitenden. Die Funktionsbereiche sind so aufgebaut, dass das medizinische Personal zu den Patient*innen kommt, wodurch die Kontakte minimiert werden.

Erschließung EG
Temporäre Flächen EG
Orientierung EG
Erschließung OG
Orientierung OG
Nutzernahe Lagerflächen OG

The post KRH Klinikum Siloah in Hannover von a|sh sander.hofrichter architekten appeared first on PlanGesund.info.

Bürgerspital Solothurn, Schweiz von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten

05. November 2026 um 16:57
Infrastrukturen |
Best Practice

Bürgerspital Solothurn in der Schweiz von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten

Beim Neubau des Bürgerspitals Solothurn haben Silvia Gmür Reto Gmür Architekten den Fokus auf das Wohlbefinden von Mitarbeitenden und Patient*innen gelegt. Mit ihrem Entwurf „Oasis“ gewannen sie 2008 den Wettbewerb für den Neubau des Bürgerspitals Solothurn. Das Spital wurde 2021 nach rund sechsjähriger Bauzeit eröffnet und bietet Platz für bis zu 290 Betten. Ein  zweigeschossiger Sockelbau verbindet öffentliche Nutzungen, Untersuchungen und Behandlungen mit einem darüberliegenden Bettenhaus. Drei unterschiedlich große Innenhöfe bringen viel Tageslicht in das Gebäude und auf dem freien Dach des Sockelbaus liegt ein Dachgarten. In den Zweibettzimmern stehen die Betten versetzt, sodass sich persönliche Bereiche mit einem Blick in den Außenraum für die Patient*innen ausbilden.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

Silvia Gmür Reto Gmür Architekten, Basel, Schweiz

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Sockelbau

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2021


Standort

Solothurn, Schweiz

GF

ca. 57.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

290 Betten

Quelle: Architekturfotografie Gempeler, Bern
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Reto Gmür, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Reto Gmür, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Neubau Bürgerspital Solothurn

Der Neubau des Bürgerspitals Solothurn geht auf einen internationalen Wettbewerb zurück, den Silvia Gmür Reto Gmür Architekten 2008 mit ihrem Entwurf „Oasis“ gewonnen haben. Bei der Planung des Akutspitals standen neben der stationären Versorgung mit 290 Betten auch spezialisiertere Bereiche im Fokus. Hierzu zählen u.a. die Operationssäle, Intensivmedizin, Tagesklinik und Notfallversorgung. Der Neubau entstand parallel zum Normalbetrieb des bereits bestehenden Spitals, das nach der Eröffnung des Neubaus abgerissen wurde.

Das Spital teilt sich in einen unteren, zweigeschossigen Sockelbau und einen Bettenturm. Die beiden Gebäudeteile folgen unterschiedlichen räumlichen Anforderungen und dennoch einer klaren Grundstruktur. Im Sockel befinden sich öffentliche Nutzungen sowie Untersuchungs- und Behandlungsbereiche und im oberen Bereich befinden sich die stationären Bereiche für die Patient*innen.

Der Sockelbereich baut auf einer linearen Grundstruktur auf, die für unterschiedliche Nutzungen ausgelegt ist und spätere Anpassungen zulässt. So lassen sich innerhalb dieses Rasters unterschiedliche Raumgrößen und Raumgruppen bilden. Die Struktur soll flexibel und erweiterbar sein, um auf zukünftige Anforderungen reagieren zu können.
Drei Innenhöfe ermöglichen in dem großen Sockelbau viel Tageslicht und eine gute Orientierung. Neben dem Bettenturm wird die freie Sockeldachfläche als Dachgarten genutzt.

Der Bettenturm

Die Patientengeschosse für den stationären Aufenthalt befinden sich im oberen Gebäudeteil, in dem Bettenturm. Die Stationen sind ringförmig aufgebaut. Die Zimmer der Patienten liegen dabei nahezu umlaufend an der Außenfassade und werden von einem sich immer wieder aufweitenden Erschließungsbereich, der ebenso einmal um das gesamte Geschoss verläuft, erschlossen. So erhalten alle Zimmer direktes Tageslicht und einen Blick nach außen. In der Geschossmitte befinden sich die dienenden Stationsräume sowie zwei Lichthöfe, die auch Tageslicht in die innenliegenden Erschließungsbereiche und Räumlichkeiten bringen.

Der umlaufende Erschließungsbereich verläuft zwischen den Patient*innenzimmern und dem inneren Kern aus dienenden Räumen sowie Lichthöfen. An den Ecken wird dieser regelmäßige Verlauf des Erschließungsbereiches durch schräg gestellte Wände unterbrochen und weitet sich auf. An diesen vier sich öffnenden Flächen entstehen zum einen lichtdurchflutete Freiflächen und zum anderen der Stationszugang über Aufzüge und Treppen. Ausgewiesene und lichtdurchflutete Bereiche für Patient*innen und Angehörige bieten Platz für Begegnungen.

Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Die Patient*inenzimmer

Das Zweibettzimmer auf der Normalstation ist so aufgeteilt, dass Patient*innen innerhalb des gemeinsamen Raums einen eigenen Bereich erhalten, sodass Privatsphäre und Gemeinschaft nah beieinander liegen. Der Grundriss lässt sich dabei in drei Zonen gliedern: den Versorgungsbereich der Patient*innen, die Bewegungszone sowie den Bereich für den Aufenthalt von Besuchenden und Patient*innen.

Wenn das Zimmer betreten wird, befindet sich im Eingang ein kleiner Bereich für das medizinische Personal und der Zugang zur Nasszelle mit WC, Waschbecken und Dusche. Die Wand der Nasszelle bildet zugleich die Kopfwand für das korridornahe Bett. Dieses Bett ist mit seiner Längsachse zur Fensterfront ausgerichtet. Mittig im Zimmer ist ein Versatz in der Wand ausgebildet. Hinter diesem Versatz steht das zweite Bett, quer zum ersten Bett, an einem schräg verlaufenden Abschnitt der Zimmertrennwand.

Der Versatz der seitlichen Wände unterstützt die Aufteilung in zwei persönliche Bereiche. Dabei verschiebt sich der fensternahe Teil des Zimmers gegenüber dem korridornahen. Zusammen mit der annähernd rechtwinkligen Bettenstellung ermöglicht dies beiden Patienten einen unabhängigen Blick nach draußen. Vom weiter innen liegenden Bett führt die Sicht am zweiten Bett vorbei zur Fensterfront. Auch der fensternahe Bettplatz besitzt einen eigenen Ausblick.

Die beiden Plätze unterscheiden sich in ihrer Lage und Ausrichtung, bieten aber jeweils Aussicht und Platz für Besuch. An beiden Betten sind Sitzmöglichkeiten vorgesehen und im fensternahen Bereich befindet sich zusätzlich ein Tisch. Zwischen den beiden Bettplätzen bleibt genug Platz für eine ausreichende Bewegungsfläche, um die Betten zu manövrieren.

Beide Betten haben die Möglichkeit, mit Sichtschutzvorhängen die Bettplätze bei Bedarf einzeln abzuschirmen, ohne den jeweils anderen Bereich zu beeinträchtigen. Die medizinischen Anschlüsse und die Beleuchtung sind in wandhängende Holzmöbel an den Bettplätzen integriert.

Die Patientenzimmer sind durch einen Parkettboden und Holzmöbel an den Bettplätzen ausgestattet. Die sichtbare Holzmaserung gibt dem Raum zusammen mit den textilen Vorhängen einen eher wohnlichen Charakter und auch die Wände und die Decke sind in hellen, zurückhaltenden Farbtönen gehalten. Die farbigen Streifen in den Vorhängen sowie rote Tische und Sitzmöbel setzen einzelne farbliche Akzente. An den Fenstern gibt es lichtdurchlässige Vorhänge, die Tageslicht in den Raum lassen und zugleich einen leichten Sichtschutz bieten.

Quelle: Reto Gmür, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Quelle: Ralph Feiner, Spital Solothurn von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten Basel
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

In dem Spital Solothurn treffen ein hohes Maß an Flexibilität und Funktionalität auf Gemeinschaft und Privatsphäre. Durch das hohe Maß an Flexibilität bietet die Grundstruktur die Möglichkeit, zum Errichten von temporären Flächen. Zudem ist das Spital klar gegliedert, wodurch sich eine gute Übersichtlichkeit ergibt. Die Bündelung der Funktionsbereiche ermöglicht für die Mitarbeitenden kurze und direkte Wege und kann somit zu optimierten Arbeitsprozessen beitragen.

Besonders hervorzuheben sind die Patient*innenzimmer, die durch ihre Struktur in einem hohem Maß zum Wohlbefinden und zur Privatsphäre der Patient*innen jedoch auch zur Compliance der Hygiene beitragen. Durch die klare Gliederung der Zonen im Zimmer wird die Hygiene während der Arbeitsprozesse unterstützt. Zusätzlich bietet die Ausstattung des Zimmers durch den Arbeitsbereich eine gezieltere Versorgung und die Möglichkeit der Lagerung von Hilfsmaterial. Ebenso kann der Abstand der Patient*innen die Infektionsübertragung durch eine räumliche Distanzierung zueinander minimieren. Dies unterstützt ebenfalls die Compliance des Personals, da die Gefahr, zwei nebeneinanderliegende Patient*innen nacheinander ohne eine zwischenzeitliche Händedesinfizierung zu versorgen, reduziert wird.

Die klare Zonierung des Zimmers und die Positionierung der Betten sorgen zudem für eine privatere Atmosphäre. Durch die Ausrichtung der Betten haben die Patient*innen während des Aufenthaltes die Möglichkeit, einen direkten Blick in den Außenraum zu werfen und ein hohes Maß an natürlichem Licht fällt in den Raum, wodurch das Wohlbefinden gesteigert wird.
Zum Wohlbefinden der Patient*innen trägt schlussendlich auch die Gestaltung der Räumlichkeiten bei. Die Architekt*innen schaffen in Solothurn durch warme Farben und Holzelemente einen wohnlichen Charakter.

Flächenmanagement
Orientierung
Kurze Wege

The post Bürgerspital Solothurn, Schweiz von Silvia Gmür Reto Gmür Architekten appeared first on PlanGesund.info.

Herlev Hospital in Kopenhagen von Henning Larsen – Architects

05. November 2026 um 16:34
Infrastrukturen |
Best Practice

Herlev Hospital in Kopenhagen von Henning Larsen – Architects

2011 gewann das Team von Henning Larsen den Wettbewerb für die Erweiterung des Herlev Hospitals. Südlich des bestehenden Krankenhauses entstand ein Neubau mit u.a. einer Notaufnahme sowie einem Frauen- und Kinderzentrum, der 2021 in Betrieb genommen wurde. Die Architekt*innen fokussierten sich bei ihrem Entwurf auf den Einfluss von Tageslicht und Natur auf die Gesundheit der Patient*innen.

Der Altbau, mit seinen 120 Meter hohen Bettenturm und der Neubau, der aus viel kleineren Baukörpern besteht, sind durch das neue Foyer des Krankenhauses miteinander verbunden.

Auf einem rechteckigen Sockelbau stehen zwei unterschiedlich große Ringbauten, die durch ihre Form in den unteren Sockelgeschossen unterschiedlich große Lichthöfe ermöglichen. In den unteren Geschossen befinden sich die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche und in den oberen Geschossen liegen in den Ringbauten die Pflegestationen. Der Neubau wird vom Foyer durch einen hellen und offenen Verbindungsflur erschlossen, in dem sich der neue Haupteingang befindet.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

Henning Larsen, Kopenhagen

Gebäudetypologie

Akutkrankenhaus mit Frauen- und Kinderzentrum

Grundrisstypologie

Ringförmige Bettenhäuser auf rechteckigen Behandlungssockel

Bauvorhaben

Neubau als Bestandserweiterung

Fertigstellung

2021


Standort

Herlev bei Kopenhagen, Dänemark

BGF

56.000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

28 Betten

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Mikkel Eye/ Henning Larsen
Quelle: Mikkel Eye/ Henning Larsen
Ankommen und Orientierung

Vom Haupteingang aus führt das Foyer in die neuen Krankenhausbereiche. Ein mit Holz verkleideter Empfang liegt direkt am Eingang. Breite, verglaste Erschließungsbereiche verbinden die einzelnen Funktionsbereiche miteinander und geben den Blick auf die bepflanzten Höfe frei. Entlang der Wege befinden sich Sitzgruppen und Wartebereiche, die teilweise über zwei Geschosse reichen.

Die Erschließung im Sockel folgt zunächst einer geradlinigen Ordnung: An den Übergängen zu den Ringbauten liegen Treppenkerne und Aufzüge, über die die oberen Patientengeschosse erreichbar sind. Die Innenhöfe und Gärten bleiben dabei immer wieder sichtbar und bieten Bezugspunkte auf dem Weg durch das Gebäude.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Untersuchung und Behandlung

Betreten die Besuchenden, Patient*innen und Mitarbeitenden den Neubau, dann weiten sich die Erschließungsbereiche immer wieder auf und stellen eine Verbindung zu den Innenhöfen her. Neben dem Haupteingang können die einzelnen Funktionsbereiche im Erdgeschoss über dezentrale Eingänge betreten werden und auch separate Eingänge für das Personal sind hier vorzufinden. Dezentrale Stationsstützpunkte an den Eingängen der Funktionsbereiche bieten Anlaufstellen innerhalb der großen Strukturen.
Im EG des Sockelbaus unter dem kleineren Ringbau befinden sich der Bereitschaftsdienst, ein ambulanter Kinderarzt und ein Kinderschutzzentrum. Die Räumlichkeiten werden über einen innenliegenden Erschließungsbereich erschlossen, sodass durch den begrünten Innenhof und den Außenraumbezug viel Tageslicht in u.a. die Behandlungs- und Besprechungsräume fällt.

Im Erdgeschoss unterhalb des großen Ringbaus befinden sich u.a. ein ambulanter Gynäkologe, eine Ergotherapie und die Notaufnahme. In der Notaufnahme sind die Zugänge für selbstständig ankommende Patient*innen und für Krankentransporte getrennt angeordnet. Auf der östlichen Fassadenseite befinden sich Anmeldung, Ersteinschätzung und Wartebereiche, auf der südlichen Seite die Zufahrt für die Rettungswagen und die unmittelbar anschließenden Behandlungsräume.

Die Untersuchungsräume gruppieren sich um die Innenhöfe, sodass überall Tageslicht hinfallen kann. Röntgen-, CT- und MRT-Räume sind in die Notaufnahme eingebunden, um kurze Wege zu gewährleisten. Die Bildgebung liegt damit in direkter Nähe zu den Bereichen, in denen Patienten aufgenommen und behandelt werden.

Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind in den meisten Funktionsbereichen doppelte Erschließungsspannen vorzufinden. Dadurch sind beispielsweise MRT- und CT-Räume nicht an der Fassade angeordnet, jedoch von zwei Seiten zu betreten.

Im Obergeschoss befinden sich die Entbindungsstationen, Familienbereiche,  Operationsbereiche und Intensivstationen. Im Obergeschoss unterscheidet der Grundriss zwischen den Wegen innerhalb des OP-Bereichs und zusätzlichen Service- und Logistikfluren. So können reine und unreine Prozesse voneinander getrennt werden. Ein eigener Aufzugskern verbindet die übereinanderliegenden Akutbereiche.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Das Patientengeschoss

Auf dem zweigeschossigen Sockelbau sind die Pflegestationen als kreisrunder Ring angeordnet. Ein umlaufender Erschließungsbereich verbindet die einzelnen Stationsbereiche miteinander, die über drei Erschließungskerne erreichbar sind. Die Patient*innenzimmer liegen auf beiden Seiten der Struktur und orientieren sich entweder zur äußeren Umgebung oder zu den innenliegenden Gärten. An zwei der Zugänge liegen größere gemeinsame Empfangsbereiche. Zwischen den Bettenzimmern sind Stationsstützpunkte angeordnet, sodass das Personal innerhalb der Stationen erreichbar ist.

Die gleichmäßige Folge der Patientenzimmer wird durch Arbeitsplätze, Nebenräume und gemeinschaftliche Aufenthaltsbereiche unterbrochen. Zur Hofseite liegen außerdem Küchen- und Aufenthaltsräume sowie eine Lounge. Diese Bereiche haben größere Fensterflächen, die die Stationen zu den Gärten hin öffnen und viel Tageslicht hineinlassen.

Die Patient*innenzimmer sind als Einzelzimmer mit jeweils eigener Nasszelle geplant. Die Nasszellen zweier benachbarter Zimmer sind paarweise zwischen den Zimmern angeordnet und können über Schiebetüren im Zimmer betreten werden. Dadurch bleibt vom Eingang aus eine direkte Blickachse zum Fenster frei. Schon beim Betreten des Zimmers kann man den gesamten Raum erfassen und hat einen direkten Blick auf Patient*innen.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Vier Gärten als Innenhöfe

Die Mitte des großen Ringbaus wird durch vier Gärten geteilt. Die strukturelle Anordnung der Räumlichkeiten im Sockelgeschoss und der verbindende Erschließungsbereich bildet im Erdgeschoss eine kreuzförmige Struktur, die die Höfe voneinander trennt. Die Dächer sind bepflanzt, sodass die Patient*innen von ihren Zimmern aufs Grüne schauen.

Die vier Gärten sind unterschiedlich gestaltet. Durch große Verglasungen entlang der angrenzenden Erschließungsbereiche werden diese Bepflanzungen auch von innen sichtbar.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Fassade und Materialität

Von außen ist der Unterschied zwischen dem Sockel und dem Bettenhaus deutlich erkennbar. Der Sockelbau wird durch helle Fassadenflächen, schlanke Stützen und große Verglasungen gegliedert. Darauf steht der Ringbau mit seiner grünlich schimmernden Außenfassade und hellen Fassade im Inneren. Dort folgen die Fenster einem Raster und die Geschosse sind in der Fassade abzulesen.

Zur Hofseite wird die Kreisform durch vor- und zurückspringende Fassade im Erdgeschoss aufgelockert. Dabei wechseln sich hochformatige Fensterflächen mit dunklen, fein strukturierten Fassadenflächen ab. In den Bereichen mit der größeren Fensterfläche befinden sich die gemeinschaftlich genutzten Bereiche und machen sie so auch aus den Gärten erkennbar.

Im Inneren werden Sichtbeton und Glas mit hellen Holzoberflächen kombiniert. Schmale Holzlamellen verlaufen dabei entlang der öffentlichen Wege und verkleiden teilweise sowohl die Wände als auch die Decken. Zusammen mit den hellen Böden und den Holztischen in den Sitzbereichen geben sie den Räumen eine warme Atmosphäre. Die Sitzgruppen sind an den großen Fenstern angeordnet, sodass Patient*innen und Besucher beim Warten oder im Gespräch auf die bepflanzten Höfe schauen können. An den Aufzügen und Durchgängen werden einzelne Wandflächen in kräftigem Farben, wie Rot oder Grün hervorgehoben und helfen bei der Orientierung. Durch die großen Verglasungen fällt viel Tageslicht in die Räume, das je nach Tageszeit unterschiedliche Schatten auf die Böden und Wände wirft.

Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Quelle: Laura Stamer/ Henning Larsen
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Der Neubau des Herlev Hospitals in Kopenhagen ergänzt durch neue Funktionsbereiche den bestehenden Krankenhausbau un trägt durch u.a. die Struktur im neuen Entwurf zum baulichen Gesundheitsschutz bei.

Der Neubau bietet von innen und außen eine gute Orientierung. In der Fassadengestaltung lassen sich die unterschiedlichen Funktionsbereiche sehr gut ablesen. Im Inneren unterstützen großzügig dimensionierte Erschließungsbereiche mit klaren Wegeführungen und wiederkehrenden Blickbeziehungen zum Außenraum die räumliche Orientierung. Durch die farbliche Markierung der Erschließungskerne wird die Orientierung bis in die Details unterstützt.

Über einen zentralen Haupteingang können Besuchende und Patient*innen das Krankenhaus erschließen. Ergänzend bestehen dezentrale Erschließungen zu den Funktionsbereichen. Dies ermöglicht eine gezielte Erschließung im Pandemiefall, ungewollte Kontakte werden vermieden bzw. die Kontaktzeit wird minimiert. An den Zugängen der jeweiligen Funktionsbereiche befinden sich zusätzlich Stützpunkte, die den Zugang kontrollieren.
Eigene Zugänge für das Personal optimieren die Arbeitsprozesse und verhindern ebenfalls ungewollte Kontakte. In der Notaufnahme sind zudem die Zugänge und Zufahrten für selbstständig ankommende Patient*innen und den Rettungswagen ebenfalls getrennt. Dies entzerrt Personenströme, unterstützt die Arbeitsprozesse der Mitarbeitenden und trägt zur Compliance bei.

Die Wege zwischen den Funktionsbereichen sind kurz und interne Verbindungen zwischen bspw. Notaufnahme und Operationsbereich reduzieren die Laufwege und tragen zu optimierten Arbeitsprozessen bei.

Durch die großen Fensterflächen und den Außenraumbezug fällt viel Tageslicht in die Räumlichkeiten. Dies trägt zum Wohlbefinden der Patient*innen und Mitarbeitenden bei. Die ringförmige Grundrissstruktur auf den Pflegestationen kann die Patient*innen zur Bewegung animieren. Gleichzeitig laden auch die öffentlicheren Erschließungsbereiche durch ihr Wechselspiel zwischen Ausblick und verschlossenen Fassadenelementen und den vielen Sitz- und Begegnungsmöglichkeiten zur Bewegung ein. Die Gestaltung dieser Bereiche mit warmen Farben und Holzdekoren kann das Wohlbefinden der Patient*innen zusätzlich steigern.
Der direkte Zugang in die kleinen Innenhöfe kann zusätzlich durch die eigenständige Exposition der Patient*innen an der frischen Luft zur Reduzierung der Keimbelastung beitragen und das Wohlbefinden fördern.

Erschließung EG
Erschließung OG
Kurze Wege OG
Orientierung OG

The post Herlev Hospital in Kopenhagen von Henning Larsen – Architects appeared first on PlanGesund.info.

❌