Extremwetter in Deutschland: Wasserressourcen gehen zurück
Extremwetter in Deutschland verändert zunehmend den Wasserhaushalt. Das Faktenpapier 2026 des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des DAS-Basisdienstes und des Extremwetterkongresses zeigt, dass die jährlich verfügbaren Wasserressourcen zurückgehen. Gleichzeitig wurden 2026 an zahlreichen Fließgewässern neue Niedrigwasserextreme und hohe Wassertemperaturen beobachtet. Für die Wasserwirtschaft ergeben sich daraus zusätzliche Anforderungen an die Bewertung von Wasserverfügbarkeit und Klimarisiken. Das Papier steht zum kostenfreien Download bereit.
Extremwetter in Deutschland verändert die Wasserverfügbarkeit
Die langfristigen Daten zeigen einen Rückgang der jährlich verfügbaren Wasserressourcen. Während Deutschland im Zeitraum 1961 bis 1990 durchschnittlich 188 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr zur Verfügung standen, waren es zwischen 1991 und 2020 noch 176 Milliarden Kubikmeter. Das entspricht einer Abnahme um 12 Milliarden Kubikmeter.
Elf der vergangenen 15 Jahre lagen unter dem Mittelwert der Referenzperiode 1991 bis 2020. Besonders ausgeprägt war die Situation 2025 mit weniger als 100 Milliarden Kubikmetern. Der Durchschnitt für 1996 bis 2025 liegt bereits rund 5 Milliarden Kubikmeter unter dem Mittelwert von 1991 bis 2020.
Zu den Einflussfaktoren zählen veränderte Niederschlagsmuster, höhere Verdunstungsraten und abnehmende Schneerücklagen. Die Autoren beobachten zugleich eine Intensivierung nasser und trockener Witterungsphasen. Dabei unterscheiden sich die Entwicklungen regional und zwischen den einzelnen hydrologischen Kenngrößen.
Niedrigwasser und steigende Gewässertemperaturen
Im Jahr 2026 erreichten zahlreiche Fließgewässer nach Angaben des Faktenpapiers ihre niedrigsten Pegelstände seit Beginn der jeweiligen Aufzeichnungen. Die Veränderungen betreffen nicht nur die verfügbaren Wassermengen, sondern auch die thermischen Bedingungen in den Gewässern.
An der Messstation Koblenz wurde im Sommer 2026 mit 29,0 Grad Celsius der bislang höchste Tagesmittelwert der Wassertemperatur registriert. In den vergangenen beiden Jahrzehnten überwogen positive Temperaturanomalien, obwohl Wärmeeinleitungen beispielsweise aus thermischen Kraftwerken zurückgegangen sind. Hohe Wassertemperaturen können aquatische Ökosysteme belasten und die Nutzung von Oberflächenwasser einschränken.
Niedrige Rheinpegel beeinträchtigen die Binnenschifffahrt
Wie stark sich Niedrigwasser auf wirtschaftliche Nutzungen auswirkt, verdeutlichen Untersuchungen am Mittelrhein. In Niedrigwasserphasen der vergangenen Jahre gingen die registrierten Schiffspassagen um bis zu 35 Prozent und die modellierten Gütertransportmengen um bis zu 75 Prozent zurück. Als Vergleich dient das erste Quartal 2020.
Dass die transportierten Gütermengen stärker zurückgehen als die Zahl der Schiffspassagen, deutet auf eine deutlich reduzierte Auslastung der Binnenschiffe hin. Damit beeinflussen niedrige Wasserstände nicht nur die Befahrbarkeit, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Gütertransports.
NIWIS erweitert die Informationsgrundlage
Mit dem 2026 eingeführten Niedrigwasserinformationssystem NIWIS steht ein Instrument zur kurzfristigen Einordnung und Analyse von Wasserständen in Grund- und Oberflächenwasserkörpern in Deutschland zur Verfügung. Es ergänzt die bereits bestehenden Informationsangebote für Klimamonitoring und Klimarisikoanalysen.
Der DAS-Basisdienst stellt hierfür seit 2020 relevante Daten bereit. Für Wasserwirtschaft, Behörden und Versorgungsunternehmen sind solche Informationsgrundlagen wichtig, um die Entwicklung der Wasserverfügbarkeit zu verfolgen und regionale Risiken besser einzuordnen.
Meeresspiegelanstieg erhöht Risiken in Flussmündungen
Das Faktenpapier betrachtet erstmals auch marine Extreme und ihre Auswirkungen ausführlicher. Die Nordsee erreichte 2025 mit einer durchschnittlichen Oberflächentemperatur von 11,6 Grad Celsius einen neuen Jahresrekord. In der Ostsee lag der entsprechende Wert bei 9,7 Grad Celsius und damit auf dem zweithöchsten Niveau seit Beginn der Messreihen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie.
Gleichzeitig liegt der Meeresspiegel an den deutschen Nord- und Ostseeküsten relativ zur Landoberfläche heute mehr als 20 Zentimeter höher als 1900. Dadurch steigt das Ausgangsniveau für Sturmfluten. Entsprechende Auswirkungen sind auch in tidebeeinflussten Flussmündungen zu erwarten, unter anderem an Elbe und Weser bis nach Hamburg und Bremen.
Bedeutung für die Wasserwirtschaft
Für die wasserwirtschaftliche Planung gewinnt die gemeinsame Betrachtung von Wasserverfügbarkeit, Niedrigwasser, Gewässertemperaturen und Extremniederschlägen an Bedeutung. Die dokumentierten Entwicklungen verdeutlichen, dass historische Mittelwerte allein nicht ausreichen, um zukünftige Belastungen zu bewerten.
Die Autoren halten die Entwicklung der Lufttemperaturen für wissenschaftlich eindeutig belegt. Bei Niederschlägen, Wind und gewässerbezogenen Kennwerten ist die Bewertung aufgrund überlagerter Prozesse differenzierter. Für die wasserwirtschaftliche Praxis unterstreicht dies den Bedarf an kontinuierlicher Beobachtung, regionalen Risikoanalysen und anpassungsfähigem Ressourcenmanagement.
Fazit
Das Faktenpapier 2026 dokumentiert einen langfristigen Rückgang der verfügbaren Wasserressourcen in Deutschland sowie neue Extreme bei Wasserständen und Gewässertemperaturen. Für die Wasserwirtschaft rücken damit die quantitative und qualitative Gewässerüberwachung sowie die vorausschauende Bewirtschaftung der Wasserressourcen weiter in den Mittelpunkt.
Das gesamte Papier steht zum kostenfreien Download bereit:
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