Hochwasserschutz: Universität Siegen entwickelt digitales Entscheidungstool
Bei Hochwasser zählt oft jede Minute: Behörden müssen schnell erkennen, wo sich Wasser ausbreitet und welche Schutzmaßnahmen den größten Schaden verhindern. Im Forschungsprojekt BONSAI simulieren die Universität Siegen und 16 internationale Partner künftige, klimawandelbedingte Szenarien, um Schutzsysteme, Katastrophenschutz und Fachkräfteausbildung zu stärken – mit 10,7 Mio. Euro Budget, davon 6,42 Mio. Euro von der EU (Interreg North-West-Europe) und 634.000 Euro für die Uni Siegen.
„Durch den Klimawandel nehmen Starkregen, Sturmfluten und der Meeresspiegelanstieg zu. Dadurch geraten Deiche, Sperrwerke und andere Hochwasserschutzanlagen stärker unter Druck – vor allem in Gegenden rund um Flussmündungen“, erklärt Dr.
Dr. Evangelos Rozos, Leiter der Siegener Forschungsgruppe (Quelle: Universität Siegen/idw)
Evangelos Rozos, Leiter der Siegener Forschungsgruppe. „Es müssen robuste, physikalisch fundierte Methoden entwickelt werden, um zukünftige Hochwasserrisiken abzuschätzen und dieses Wissen in praktische, zuverlässige und anpassungsfähige Konzepte für den Hochwasserschutz zu überführen.“
Digitales Werkzeug für den Hochwasserschutz
Genau das soll im Projekt BONSAI umgesetzt werden. Von Seiten der Universität Siegen simuliert das Forschungsinstitut für Wasser und Umwelt (FWU) unter Prof. Dr. Jorge Leandro, wie sich Wasser bei Hochwasser über ein Gelände ausbreitet – unter Berücksichtigung von Topografie, Geländeeigenschaften und Randbedingungen. Gemeinsam mit der Universität Lille entwickelt Siegen zudem ein interaktives Online-Entscheidungsunterstützungssystem, das hydrodynamische Modellierung, räumliche Analyse und Optimierung verbindet. Es soll Einsatzkräfte dabei unterstützen, gefährdete Gebiete zu identifizieren, kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser zu schützen und temporäre Schutzmaßnahmen – etwa mobile Hochwasserbarrieren – gezielt einzusetzen. Erprobt wird das Tool zunächst in der ostfriesischen Stadt Norden; viele Methoden sollen sich aber auch auf Binnenregionen wie Südwestfalen übertragen lassen.
Vom Forschungslabor in die Anwendung
Um im Projekt entwickeltes Wissen, Methoden und Werkzeuge direkt den Fachkräften zu präsentieren, richten die teilnehmenden Hochschulen regelmäßig Flood Academies (Flut Akademien) aus. September 2027 findet die Veranstaltung am Biggesee bei Olpe statt, veranstaltet durch die Uni Siegen. Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an Akteure, die unmittelbar für das Management von Hochwasserschutzmaßnahmen, die Katastrophenbewältigung sowie die Instandhaltung und den Betrieb von Deichen verantwortlich sind.
Eine internationale Gruppe von Expertinnen und Experten wird Vorträge und Diskussionsbeiträge anbieten. Die Teilnehmenden können sich über den aktuellen Stand der Forschung sowie über moderne Ansätze des Hochwasserschutzes aus verschiedenen Regionen und Perspektiven weltweit informieren. Das übergeordnete Ziel ist es, das Verständnis von Hochwasserrisiken zu erweitern und sowohl bekannte als auch weniger häufig berücksichtigte Gefahren für Hochwasserschutzanlagen in den Blick zu nehmen. Dabei geht es etwa darum, wie grabende Tiere die Stabilität von Deichen beeinflussen und wie sich Deiche mit schonenden Methoden stärken lassen, zum Beispiel, indem man gezielt geeignete Pflanzenarten einsetzt.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Evangelos Rozos, Universität Siegen
Evangelos.Rozos@uni-siegen.de
Prof. Dr. Jorge Leandro, Universität Siegen
jorge.leandro@uni-siegen.de
Quelle: Universität Siegen
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