Moore speichern enorme Mengen Kohlenstoff, Feuchtgebiete schützen vor Hochwasser, sichern Wasser in Trockenzeiten und bieten unzähligen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Dass diese Ökosysteme zu den wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise gehören, war die zentrale Botschaft der Festveranstaltung „50 Jahre Ramsar Konvention in Deutschland“. Dazu kamen am 29. Juni rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Naturschutz sowie Städten und Gemeinden im Inselhotel in Konstanz zusammen. Das Ramsar-Abkommen ist das einzige völkerrechtlich verbindliche Umweltabkommen weltweit, das sich dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten widmet.
Die im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) sowie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) von der Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) organisierte Tagung zog Bilanz über fünf Jahrzehnte Ramsar-Arbeit in Deutschland und richtete zugleich den Blick auf künftige Herausforderungen.
Feuchtgebietsschutz als gemeinsame Aufgabe
Durch das Programm führte Moderator Christoph Tiemann. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMUKN, eröffnete die Veranstaltung mit einer Rede zur zentralen Rolle intakter Feuchtgebiete für den globalen Klimaschutz.
Sie betonte, dass der Erhalt dieser Ökosysteme im Sinne der Ramsar-Leitlinien eine vordringliche internationale Verantwortung ist: „Angesichts der derzeitigen Hitzewelle und Trockenheit wird überdeutlich, wie wichtig Moore, Auen oder andere Feuchtgebiete für uns sind: Sie halten Wasser in der Landschaft, schützen also gegen Wasserknappheit und sie wirken abkühlend. Neben dieser für uns alle spürbaren Funktion sind sie noch viel mehr: sie sind wichtiger Lebensraum für diverse Tier- und Pflanzenarten, machen uns widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels und helfen gegen den Verlust biologischer Vielfalt. Sie sind wahre Alleskönner, auf die wir nicht verzichten können, und die wir deshalb schützen und stärken müssen“, so Rita Schwarzelühr-Sutter.
Daran anschließend rückte Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, gesunde Ökosysteme auf regionaler Ebene in den Mittelpunkt.
„Feuchtgebiete spielen in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle. Sie bieten Schutz und Raum für zahlreiche heimische Tiere und Pflanzen, binden wirksam Kohlenstoff, dienen als natürliche Wasserspeicher und helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Der Schutz von Feuchtgebieten, ihre nachhaltige Nutzung und Wiederherstellung ist daher in unser aller höchstem Interesse. Die Ramsar Konvention bietet hierfür einen stabilen internationalen Rahmen und ist von großer Bedeutung für Erhalt dieser einzigartigen Naturräume“, so Thekla Walker.
Der Konstanzer Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn begrüßte die Gäste in der Konzilsstadt und stellte unter dem Leitmotiv „global denken, lokal handeln“ kommunale Ansätze vor. Er hob hervor, wie wichtig es ist, Naturschutz, Naherholung, Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung im Sinne des „Wise Use“-Prinzips, also der nachhaltigen Nutzung, der Ramsar Konvention miteinander in Einklang zu bringen. Zugleich würdigte er die Arbeit lokaler Naturschutzorganisationen.

Exkursion ins Ramsar-Gebiet Mindelsee 2 Quelle: GNF
Internationale Perspektiven und praktische Beispiele
Einen globalen Überblick über die Chancen weltweiter Abkommen auf lokaler Ebene gab Dr. Musonda Mumba, Generalsekretärin der internationalen Feuchtgebiets-Konvention. Sie zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Akteure vor Ort und appellierte daran, eine starke Brücke zur nächsten Generation zu schlagen, um der Jugend einen intakten Planeten zu hinterlassen. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Dr. Mumba eine offizielle Ramsar-Urkunde sowie die Ramsar-Flagge an das BMUKN, vertreten durch Rita Schwarzelühr-Sutter.
Wie die Instrumente der Konvention konkret angewendet werden, zeigten mehrere Praxisberichte. Dr. Kim Grützmacher, Leiterin des Fachgebiets Internationaler Naturschutz beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), gab Einblicke in die bundesweite Umsetzung des Ramsar-Regelwerks. Dr. Raphael Rehm von der ARGE Schwäbisches Donaumoos e.V. präsentierte das Schwäbische Donaumoos als Modellregion für Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Susanne Pimentel vom Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört stellte die grenzüberschreitende Ramsar-Zusammenarbeit am Oberrhein vor und machte damit die internationale Dimension direkt vor der Haustür sichtbar.
Innovative Ansätze für den urbanen Feuchtgebietsschutz präsentierten Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund, Marion Klose, Leiterin des Amts für Stadtplanung und Umwelt der Stadt Konstanz, sowie Dr. Mathias Scholz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Im Mittelpunkt standen Zukunftsmodelle für eine nachhaltige städtische Entwicklung, darunter die Auszeichnung „Wetland City“ der Ramsar Konvention, sowie die Herausforderungen eines nachhaltigen städtischen Wassermanagements am Beispiel von Konstanz und der Renaturierung im Leipziger Auwald. Die Botschaft war eindeutig: Moderne Stadtentwicklung und wirksamer Naturschutz schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich.
Nationale und internationale Expertinnen und Experten, darunter Ann Christin Kornelsen, Gründerin der Mission to Marsh gGmbH, Elena Kmetova-Biro, Projektkoordinatorin LIFE WILDisland, der Ramsar-Jugendvertreter für Deutschland Moritz Röhlke sowie Dr. Mumba, diskutierten über die gesellschaftliche Wahrnehmung von Mooren und Feuchtgebieten. Weitere Themen waren internationale Kooperationen im Rahmen der Konvention, die Beteiligung junger Menschen sowie politische und praktische Herausforderungen beim Schutz und bei der Wiederherstellung von Feuchtgebieten. Die Diskussion zeigte auch Perspektiven für Deutschland auf und verdeutlichte, welche Chancen eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft bietet.
Zum Abschluss des Vormittages fand Rita Schwarzelühr-Sutter eindringliche Worte, die die Zukunftsrelevanz der Feuchtgebietsarbeit unterstrichen.

Exkursion ins Ramsar-Gebiet Wollmatinger Ried 2 . Quelle: Global Nature Fund
Ramsar-Gebiete als Orte gelebten Naturschutzes
Nach dem intensiven Vormittagsprogramm und einer Pause wechselten die Teilnehmenden bei hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad direkt in die Feuchtgebiete. Auf drei Exkursionsrouten erlebten sie Naturschutz im Feuchtgebiet internationaler Bedeutung „Bodensee: Wollmatinger Ried – Gierenmoos und Mindelsee“ aus nächster Nähe.
Die Führungen durch das Wollmatinger Ried, das größte und älteste Naturschutzgebiet am deutschen Bodenseeufer und Herzstück des dortigen Ramsar-Areals, wurden vom NABU-Bodenseezentrum geleitet. Der BUND Baden-Württemberg führte die Gruppe um den Mindelsee und zeigte, wie der Erhalt naturnaher Wälder und Niedermoore zur regionalen Biodiversität beiträgt und zugleich internationale Schutzstandards erfüllt. Die Exkursionen machten deutlich: Ramsar-Gebiete sind keine statischen Denkmäler, sondern vitale Zukunftsorte des globalen Klimaschutzes.
Die Jubiläumsveranstaltung veranschaulichte, dass Feuchtgebiete 50 Jahre nach dem Beitritt Deutschlands zur Ramsar-Konvention wichtiger denn je sind. Das gemeinschaftliche Engagement und die vielfältigen Beiträge machten den Tag zu einer Veranstaltung voller Begegnungen und starker Impulse für den bundesweiten Feuchtgebietsschutz.
Quelle: Global Nature Fund
The post Jubiläum für den Feuchtgebietsschutz appeared first on gwf-wasser.de.