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Heute — 16. Juli 2026Pressemitteilungen

Sozialräumliche Unterschiede von Übergewicht und Adipositas im Vorschulalter: Ein Überblick mit Daten der Schuleingangs­untersuchung

15. Juli 2026 um 09:00
Abstract: Hintergrund: Aus Schuleingangsuntersuchungen (SEU) der Länder liegen Messdaten zu Körpergröße und -gewicht von Kindern im Vorschulalter vor. Die Übergewichts- und Adipositasprävalenzen stehen für die Gesundheitsberichterstattung (GBE) zur Verfügung und können auf aggregierter Ebene mit weiteren Faktoren verknüpft werden. Der Beitrag beschreibt Übergewichts -und Adipositasprävalenzen bei Vorschulkindern anhand aggregierter SEU-Daten, differenziert nach zwei sozialräumlichen Indikatoren. Methode: Im Projekt AdiRaum 2.0 wurden aggregierte SEU-Daten der Einschulungsjahre 2006 – 2024 zu Übergewicht und Adipositas aus 13 Ländern (sofern verfügbar) zusammengeführt. Exemplarisch wurden die Übergewichts- und Adipositasprävalenzen für das Einschulungsjahr 2019 mit Indikatoren der Siedlungsstruktur und der sozioökonomischen Deprivation verknüpft. Ergebnisse: Es wurden Daten von 4.269.299 Kindern im Alter von 4 bis 7 Jahren zusammengefügt. Die Prävalenz von Übergewicht (inkl. Adipositas) lag im Zeitraum 2006 – 2024 zwischen 8,6 % und 13,4 % und die Adipositasprävalenz zwischen 3,7 % und 5,9 %. Im Jahr 2019 waren Kinder aus Kreisen mit hoher sozioökonomischer Deprivation häufiger von Adipositas betroffen als Kinder anderer Kreise. Schlussfolgerungen: Die Analysen bestätigen, dass hohe sozioökonomische Deprivation bereits im Kindesalter ein zentraler Risikofaktor für Übergewicht und Adipositas ist. Zur Darstellung sind aggregierte SEU-Daten von Kindern im Vorschulalter geeignet. Prävention sollte gesundheitliche Ungleichheit im Kindesalter auf Verhältnisebene in den Blick nehmen und reduzieren.

Zeitliche Trends bei Risiko­faktoren und Komorbiditäten bei Personen mit einem erstmaligen, im Krankenhaus behandelten Herzinfarkt zwischen 1985 und 2023 – Ergebnisse aus dem Herzinfarkt­register Augsburg

15. Juli 2026 um 09:00
Abstract: Hintergrund: Seit 40 Jahren erfasst das Augsburger Herzinfarktregister alle Fälle von stationär behandelten akuten Herzinfarkten (AHI) sowie prähospitalen Todesfällen aufgrund einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Adipositas, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes mellitus und Rauchen sind wichtige Risikofaktoren für KHK und AHI. Methode: Es wurden die Häufigkeiten sowie zeitlichen Trends der oben genannten Begleiterkrankungen und Risikofaktoren bei stationär behandelten Personen mit einem erstmaligen AHI analysiert. Ergebnisse: Die Prävalenz von Adipositas (BMI > 30 kg/m²) bei AHI-Patientinnen und -Patienten stieg zwischen 1985 und 2023 stetig an. Bei Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten war von 1985 bis in die frühen 2000er Jahre ein Anstieg zu verzeichnen, gefolgt von einem anschließenden Rückgang bis 2023. Ebenso nahm die Prävalenz von Diabetes bei männlichen AHI-Patienten nach einem Anstieg in den ersten beiden Jahrzehnten in den letzten Jahren leicht ab. Bei Frauen blieb der Anteil der Patientinnen mit bekanntem Diabetes in den ersten beiden Jahrzehnten unverändert, ging jedoch seit der Jahrtausendwende ebenfalls zurück. Während sich die Zahl der AHI-Patienten, die aktuelle oder ehemalige Raucher waren, im Zeitverlauf kaum veränderte, zeigte sich bei den Patientinnen in beiden Gruppen ein deutlicher Anstieg. Schlussfolgerungen: Die Prävalenz wichtiger Begleiterkrankungen und Risikofaktoren bei stationär behandelten AHI-Patientinnen und -Patienten hat sich in den letzten vier Jahrzehnten verändert. Insbesondere der stetige Anstieg von Adipositas sowie des Rauchens bei AHI-Patientinnen macht deutlich, dass Präventionsmaßnahmen verstärkt werden müssen, um die negativen Auswirkungen nicht nur auf die koronare, sondern auch auf die kardiovaskuläre Gesundheit und den allgemeinen Gesundheitszustand zu verringern.

Adipositas und Über­gewicht im Vor­schul­alter: Daten aus Schul­eingangs­unter­suchungen bis auf Land­kreis­ebene abrufbar

15. Juli 2026 um 09:00
In den Schuleingangsuntersuchungen werden u. a. Messdaten zu Körpergröße und -gewicht von Vorschul­kindern erhoben. Daraus werden Kennzahlen für Übergewicht und Adipositas bestimmt, die für die Gesundheits­berichterstattung der Länder aggregiert auf Kreisebene ausgewiesen werden. Im Rahmen des Projekts AdiRaum 2.0 haben Forschende des RKI die auf Land­kreisebene aggregierten Daten der Einschulungs­jahre 2006 bis 2024 aus 13 Bundesländern zusammen­getragen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Journal of Health Monitoring veröffentlicht.
Gestern — 15. Juli 2026Pressemitteilungen

Bundesweites Informationssystem bündelt Niedrigwasserdaten

15. Juli 2026 um 11:10

Mit dem Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS steht seit dem 15. Juli 2026 erstmals ein bundesweites Informationsangebot zur aktuellen Niedrigwassersituation in Deutschland zur Verfügung. Betrieben wird das System von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Ziel ist es, eine einheitliche und vergleichbare Datengrundlage für Bundes- und Landesbehörden, Wirtschaft, Wissenschaft sowie die Öffentlichkeit bereitzustellen.

NIWIS bündelt und visualisiert Messdaten zu Wasserständen, Abflüssen, Grundwasserständen, Quellschüttungen und Niederschlagsverhältnissen. Durch die Kombination räumlicher Analysen und zeitlicher Auswertungen lassen sich Niedrigwasserereignisse schnell überregional bewerten. Interaktive Karten, statistische Kennwerte und historische Vergleiche erleichtern die Einordnung der aktuellen Lage.

Ergänzung bestehender Landesangebote

Das System ergänzt bestehende Informationsangebote der Bundesländer und macht Messdaten erstmals auf Bundesebene sichtbar. Regionale Portale bleiben weiterhin relevant, da sie detailliertere Informationen mit höherer räumlicher Auflösung liefern.

Zusätzlich stellt NIWIS Hintergrundinformationen zum Thema Niedrigwasser bereit und trägt dazu bei, hydrologische Daten und wissenschaftliche Analysen verständlich aufzubereiten.

 

Die Startseite fasst die aktuelle Niedrigwassersituation kompakt zusammen. Quelle: NIWIS

Steigender Bedarf durch Klimaveränderungen

Veränderungen der globalen Zirkulationsmuster erhöhen in Mitteleuropa die Wahrscheinlichkeit von langanhaltenden Trocken- und Niedrigwasserphasen. Diese Entwicklungen stellen Wasserwirtschaft, Schifffahrt, Landwirtschaft, Ökologie und Trinkwasserversorgung vor zunehmende Herausforderungen.

Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf an verlässlichen, einheitlich bewerteten und tagesaktuellen Informationen zum Wasserdargebot. NIWIS schafft hierfür eine zentrale Wissensbasis und erleichtert die Entscheidungsfindung für unterschiedliche Akteure.

Für die Schifffahrt und die Bundeswasserstraßen bietet das System ein belastbares Lagebild sowie eine vergleichbare Bewertung der Niedrigwassersituation über verschiedene Gewässer hinweg. Damit dient NIWIS auch als fachliche Grundlage für Management- und Kommunikationsprozesse.

Entwicklung im Verbund von Bund und Ländern

Das Informationssystem wurde in Zusammenarbeit mit Bundes- und Landesbehörden innerhalb der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) entwickelt. Es ist Teil der Nationalen Wasserstrategie des BMUKN.

Mit NIWIS übernimmt die BfG eine zentrale Rolle als nationales Datenzentrum „Wasser“ und bringt ihre Expertise im Datenmanagement sowie in der wissenschaftlichen Analyse ein. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern ermöglicht eine übergreifende Bereitstellung von Informationen zum Niedrigwassermanagement.

Ausbau und zukünftige Erweiterungen

Dank des modularen Aufbaus kann das System kontinuierlich weiterentwickelt werden. Geplant ist die Integration zusätzlicher Parameter, Modelldaten sowie eine geografische Erweiterung über Deutschland hinaus. Auch Rückmeldungen der Nutzenden sollen in zukünftige Anpassungen einfließen.

Die Datengrundlage umfasst derzeit Messwerte aus rund 350 Messstellen an Oberflächengewässern sowie etwa 200 Grundwassermessstellen. Ergänzt werden diese durch hydrometeorologische Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Mit NIWIS steht damit erstmals eine zentrale Plattform zur Verfügung, die umfassende und vergleichbare Informationen zur Niedrigwassersituation in Deutschland bereitstellt und den Umgang mit Wasserknappheit unterstützt.

Zu NIWIS

Quelle: BfG – Aktuelles – Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS gestartet

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Erstes Halbjahr 2026: Erneuerbare Energien wachsen in allen Sektoren

Von:UBA
15. Juli 2026 um 08:01

Im ersten Halbjahr 2026 stammten rund 57 Prozent des in Deutschland genutzten Stroms aus erneuerbaren Energien. Das zeigen neue Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat). Demnach wurden rund sechs Prozent mehr Strom aus Wind-, Wasser-, Sonnen- und Bioenergie gewonnen als im Vorjahreszeitraum. Auch im Gebäude- und im Verkehrssektor legten die erneuerbaren Energien zu: Umweltwärme und Geothermie aus Wärmepumpen um 19 Prozent; der Einsatz von Biokraftstoffen und Strom im Verkehrsbereich um 13 Prozent.

Extremhitze bringt Flüsse an ihre Belastungsgrenze

15. Juli 2026 um 07:42

 

Die Hitzewelle im Juni 2026 zählt zu den außergewöhnlichsten Wetterereignissen, die Europa bislang erlebt hat. In zahlreichen Ländern wurden neue Temperaturrekorde gemessen, vielerorts sanken die Temperaturen selbst in den Nachtstunden kaum ab. Ein interdisziplinäres Forschungsteam des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Ursachen der langanhaltenden Hitze sowie deren Auswirkungen auf Wasserhaushalt, Energieversorgung, Infrastruktur und Gesundheit untersucht.

Rekordhitze mit weitreichenden Folgen

„Die Hitzewelle hat nicht nur Rekorde gebrochen – sie tat dies zeitgleich über einen ungewöhnlich großen Teil Europas hinweg“, sagt Professor Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT, einer der Autoren des Berichts und Sprecher des CEDIM. „Allein in Deutschland wurden an 252 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) neue Allzeitrekorde der Tageshöchsttemperaturen verzeichnet. Europaweit zeigt unsere Analyse, dass die räumliche Ausdehnung der Juni-Hitzewelle alles übertrifft, was seit Beginn der Wetteraufzeichnung in den Datensätzen beobachtet wurde.“

Neben den außergewöhnlich hohen Tageswerten seien vor allem die warmen Nächte bemerkenswert gewesen, die Mensch und Umwelt kaum Zeit zur Erholung ließen.

„Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung waren erheblich. Das Robert Koch-Institut geht von bis zu 5 200 Sterbefällen aus“, so Kunz.

Flüsse und Ökosysteme unter Druck

Die Hitze wirkte sich nicht nur auf die Lufttemperaturen aus, sondern auch auf die Gewässer. Steigende Wassertemperaturen, sinkende Sauerstoffgehalte und früh einsetzendes Niedrigwasser belasteten Flüsse und ihre Ökosysteme erheblich. Regional kam es zu Fischsterben, zugleich verschärften sich die Einschränkungen für Schifffahrt sowie die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle.

„Im Bereich der Obermosel sank der Sauerstoffgehalt zeitweise auf nur noch 2,6 Milligramm pro Liter; vorher lag er bei rund sechs Milligramm pro Liter. Gleichzeitig überschritten Rhein und Mosel eine Wassertemperatur von über 28 Grad“, sagt der Experte. „Solche Entwicklungen gefährden Ökosysteme, beeinträchtigen die Schifffahrt und schränken die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle für Industrie und Energiewirtschaft ein.“

Wechselwirkungen erhöhen das Risiko

Aus Sicht der Forschenden sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Folgen der Hitze entscheidend. Während die Photovoltaik von der intensiven Sonneneinstrahlung profitierte, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig deutlich zurück. Treffen diese Entwicklungen auf Niedrigwasser und hohe Kühlwassertemperaturen, können mehrere kritische Infrastrukturen gleichzeitig unter Druck geraten.

„Hitze erzeugt Kaskadeneffekte. Während die Photovoltaikproduktion in Deutschland im Untersuchungszeitraum vom 13. bis 29. Juni um rund 31 Prozent zunahm, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig um fast 29 Prozent zurück“, erklärt Kunz. „Kommen diese Veränderungen mit niedrigen Flusspegeln und hohen Kühlwassertemperaturen zusammen, die den Betrieb thermischer Kraftwerke einschränken können, geraten mehrere Versorgungssysteme gleichzeitig unter Druck.“

Aus den gemeinsam mit dem CEDIM-Team erarbeiteten Ergebnissen zieht Kunz ein klares Fazit: „Genau diese Wechselwirkungen werden künftig entscheidend sein. Anhaltende Hitze ist ein Systemrisiko für Europa.“

Fünf Tipps für heiße Tage

  • Ausreichend trinken – regelmäßig Wasser oder ungesüßte Getränke trinken, auch ohne Durstgefühl.
  • Hitze meiden – körperliche Anstrengungen möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden verlegen.
  • Wohnräume kühl halten – tagsüber Fenster geschlossen halten und verschatten, nachts lüften.
  • Körper kühlen – lauwarme Duschen, feuchte Tücher oder kühle Fußbäder helfen, die Körpertemperatur zu senken.
  • Besonders gefährdete Menschen im Blick behalten – ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke benötigen bei Hitze oft zusätzliche Unterstützung.

 

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Hitzerekord in Deutschlands Seen

15. Juli 2026 um 07:35

Das IGB bestimmt bereits seit über 45 Jahren mehrmals täglich automatisiert an einer Messstation (auf dem See, rund 200 Meter vom Ufer entfernt) die Wassertemperatur des Müggelsees an der Oberfläche und in fünf Metern Tiefe. Außerdem werden andere Werte in Wasser und Luft gemessen, darunter die Sichttiefe, der Sauerstoffgehalt oder die Lufttemperatur.

„Wir hatten bereits in den Jahren 2006 und 2018 Hitzewellen mit Temperaturen knapp unter 30 Grad, gemessen in einem halben Meter Wassertiefe an unserer Messstation. Aber die Messungen Ende Juni 2026 mit 30,2 °C sind ein neuer Rekord für den Müggelsee. Direkt am Ufer haben waren es sogar 32,7 °C Wassertemperatur”, sagt Dr. Tom Shatwell, Forscher am IGB.

Aber auch am tiefsten Messpunkt der Station in fünf Metern Tiefe war das Wasser mit etwa 20 Grad Celsius recht warm.

Seen werden allgemein wärmer

„Diese hohe Temperatur ist zwar ein Rekord, aber grundsätzlich nehmen die Temperaturen im Müggelsee zu“, sagt Tom Shatwell.

Die Daten der letzten Jahrzehnte zeigen für den Müggelsee einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen im Sommer von 0,5 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Das sind also mehr als zwei Grad seit den 1980-er Jahren. Damit liegt der Müggelsee genau im deutschen Durchschnitt: Eine Studie des IGB aus dem Jahr 2025 zeigt anhand von Langzeitdaten aus 46 deutschen Seen, dass sich die Oberflächentemperatur des Wassers in den letzten 30 Jahren stärker erhöht hat als die Lufttemperatur. Zwischen 1990 und 2020 haben sich die Seen im Jahresmittel um 0,5 °C pro Dekade erwärmt, die Luft um 0,43 °C.

Wenn sich der See nicht durchmischt, fehlt Sauerstoff

Im Frühjahr und Sommer kann sich das Oberflächenwasser von Seen schneller erwärmen als das Tiefenwasser. Da warmes Wasser leichter ist als kaltes, schwimmt das wärmere Oberflächenwasser auf dem kälteren Tiefenwasser. Dieser Zustand wird als Schichtung bezeichnet und verhindert, dass sich der Wasserkörper durchmischt. Dadurch gelangt kein sauerstoffreiches Wasser mehr zum Grund.

Eine Schichtung bildet sich in tiefen Seen kontinuierlich vom Frühjahr bis in den Herbst aus. Ein flacher See wie der Müggelsee, mit einer Maximaltiefe von acht Metern, wird hingegen in der Regel durch den Wind bis zum Grund durchmischt. Eine stabile Schichtung tritt dort nur zeitweise auf, beispielsweise bei Hitzewellen. Beim Baden kann man diese Temperaturschichtung manchmal spüren.

„Häufigere und intensivere Hitzewellen infolge des Klimawandels führen dazu, dass sich flache Seen häufiger schichten. Das kann zu Sauerstoffarmut am Gewässergrund führen“, sagt Tom Shatwell.

So bildete der Müggelsee vom 17. Juni bis zum 4. Juli 2026 eine stabile Temperaturschichtung aus. In dieser Zeit nahm der Sauerstoffgehalt am Gewässergrund deutlich ab: Lag der Sauerstoffgehalt an der Wasseroberfläche bei rund 10 mg/Liter, waren es in 5 Metern Tiefe nur noch 2,5 mg/Liter und weniger.

„Zwei Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser ist der Schwellenwert für das Überleben vieler sauerstoffbedürftiger Organismen im See“, so der Wissenschaftler.

Was ist eigentlich ein See?

In Deutschland gibt es rund 300.000 stehende Gewässer. Doch nicht alle können tatsächlich als See bezeichnet werden. In der Regel versteht man unter einem See ein Binnengewässer, das über einen Hektar groß ist und eine Wasserverweilzeit von mindestens drei Tagen hat. Seen sind immer Sammelbecken der Einflüsse aus dem Einzugsgebiet. Die Anreicherung von Nährstoffen (aus kommunalen oder industriellen Einleitungen, Einträge von Düngemitteln aus der Landwirtschaft, etc.) ist nach wie vor ein Hauptproblem der Gewässerqualität von Seen. Für Seen über 50 Hektar Größe gilt die EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL). Das Ziel: einen guten ökologischen und chemischen Zustand für diese Gewässer zu erreichen. Sie unterliegen einem Verschlechterungsverbot. Der überwiegende Teil der Seen in Deutschland ist deutlich kleiner als 50 Hektar, weshalb dort keine Berichtspflicht für die EU-WRRL besteht. Dabei wird häufig übersehen, dass nach EU-WRRL auch die nicht berichtspflichtigen Gewässer einen guten ökologischen Zustand erreichen müssen.

Bei hohen Temperaturen bindet Wasser weniger Sauerstoff und es wird mehr verbraucht

Zusätzlich zur Schichtung kommen noch zwei weitere Faktoren hinzu, die den Sauerstoff bei Hitze knapp werden lassen. Dazu ein kleiner Exkurs in den Chemieunterricht: Wenn die Wassertemperatur steigt, sinkt die Kapazität des Wassers, Sauerstoff zu lösen. Bei einer Temperatur um die 10 °C sind etwa zwölf Milligramm Sauerstoff pro Liter Seewasser zu finden, bei 25 °C nur noch sieben bis acht Milligramm. Außerdem führt das wärmere Wasser zu einer höheren Sauerstoffzehrung, weil der Stoffkreislauf des Gewässers angeregt wird; Mikroorganismen mehr organisches Material abbauen.

Dadurch kann die Sauerstoffkonzentration im Tiefenwasser während einer Schichtungsphase innerhalb kurzer Zeit deutlich abnehmen. Und auch das ist ein erkennbarer Trend: In der oben genannten IGB-Studie von 2025 ist zu sehen, dass die Sauerstoffkonzentration der 46 untersuchten deutschen Seen zwischen 1990 und 2020 deutlich gesunken ist. In 51 Prozent der Sommermessungen lag die Sauerstoffkonzentration unter zwei Milligramm pro Liter.

„Temperaturlebensräume“ gehen verloren

Wie gehen also die Fische mit den steigenden Temperaturen und sinkenden Sauerstoffkonzentrationen um?

„Im Müggelsee kommen insgesamt 26 Fischarten vor, darunter Karpfen, Flussbarsch, Zander, Plötze, Wels und Aal. All diese Arten sind recht temperaturtolerant. Das bedeutet, dass sie bei Sauerstoffmangel auch in andere Wasserschichten umziehen können“, sagt IGB-Fischökologe Thomas Mehner. In vielen tiefen Seen wie dem Stechlinsee oder dem Bodensee gibt es jedoch auch besonders kälteliebende Arten wie die Maräne. „Für die kälteliebenden Arten schrumpfen die sogenannten Temperaturlebensräume, wenn die Sauerstoffkonzentration im Tiefenwasser sinkt. Das sind die Bereiche im Wasser, in denen sie sich aufhalten können, ohne Wärmestress zu erfahren“, sagt der Forscher.

Wasserpflanzen durch trüberes Wasser beeinflusst

Amine Mahdjoub vom IGB kombiniert Freilandbeobachtungen am Müggelsee mit Laborexperimenten, um zu untersuchen, wie Wasserpflanzen die vom Gewässergrund aufwachsen auf Umweltbelastungen wie Erwärmung und Sauerstoffmangel reagieren. Den Stress bestimmt er mithilfe der Effizienz der Photosynthese. Sein Modell ist das Kamm-Laichkraut (Stuckenia pectinata). Diese Pflanze wächst am Gewässergrund und kommt typischerweise in vielen Seen und langsam fließenden Gewässern vor.

„Ein moderater Temperaturanstieg kommt den Pflanzen zunächst zugute, da Photosynthese und Stoffwechsel angeregt werden“, erklärt der Forscher. „Selbst zwei Tage bei 33 °C lösen keinen messbaren Stress aus. Meine Experimente zeigen jedoch, dass etwa zehn aufeinanderfolgende Tage bei 32–33 °C zu einem deutlichen Rückgang der Photosynthese-Leistung führen.“

Eine derart anhaltende Hitzewelle wurde am Müggelsee bisher noch nicht verzeichnet. Auch wenn ein kurzzeitiger Temperaturanstieg keinen Stress auslöst, gibt es indirekte Effekte.

„Während des Hitzewellen-Wochenendes im Juni 2026 kam es im Müggelsee zu einem erheblichen Anstieg von Kleinstlebewesen und Fadenalgen. Das Wasser verlor an Klarheit, wodurch weniger Licht für die Pflanzen nach unten drang“, so Amine Mahdjoub.

Muscheln: Die wichtigen Filtrierer machen schlapp

Algen und Cyanobakterien wachsen bei wärmeren Temperaturen besonders gut und können niedrige Sauerstoffkonzentrationen verkraften. Wie eine aktuelle Studie des IGB-Forschers Jonas Mauch zeigt, werden sie bei hohen Temperaturen auch weniger von Muscheln aus dem Wasser herausgefiltert. Muscheln leiden nämlich auch unter wärmeren Wassertemperaturen. Jonas Mauch untersuchte die Filterleistung der invasiven Quagga-Muschel. Diese macht rund 97 Prozent der Biomasse an Muscheln im Müggelsee aus. Sie bedecken ein Drittel des Gewässergrunds und können Dichten von 46.000 Individuen pro Quadratmeter erreichen.

„Seit sie im Müggelsee leben, ist das Wasser viel klarer geworden, denn sie filtern es fast zwei Mal am Tag komplett durch“, sagt Jonas Mauch.

So reduzieren die Quagga-Muschel beispielsweise auch die Cyanobakterien („Blaualgen“) im See. Eine Studie von Jonas Mauch aus dem April 2026 zeigt jedoch, dass diese Leistung mit zunehmender Temperatur abnimmt.

„Infolge der Hitzewelle sind viele Muscheln gestorben. In Experimenten konnten wir zeigen, dass die Muscheln bereits nach vier Stunden bei einer Temperatur von 32 °C sterben“, so der Forscher.

Laut der Studie hören die Muscheln ab einer Temperatur von 28 °C auf, zu filtrieren, weshalb sich die Cyanobakterien oberhalb dieser Temperatur wieder stärker im Müggelsee vermehren können.

Kurz gesagt

Der Müggelsee hat mit 32,7 °C an der Wasseroberfläche am Gewässerrand im Juni 2026 Rekordtemperaturen erreicht. Von der IGB-Messstation aus, 299 Meter vom Ufer entfernt, waren es in einem halben Meter Wassertiefe 30,2 °C.

Dies ist keine Ausnahme, sondern ein Trend in Deutschlands Seen: Die Oberflächentemperaturen der deutschen Seen sind zwischen 1990 und 2020 im Jahresmittel um rund 0,5 °C pro Dekade angestiegen.

Selbst flache Seen bilden immer häufiger Temperaturschichten aus, auch der Müggelsee. Durch die Faktoren Schichtung, verringerte Sauerstofflösung bei hohen Temperaturen und einen höheren Sauerstoffverbrauch durch Stoffwechselprozesse kann der Sauerstoff im Gewässer knapp werden. Der kritische Schwellenwert für aquatische Organismen liegt bei 2 mg/Liter.

Viele Fischarten in deutschen Seen haben zwar eine größere Temperaturtoleranz, kälteliebende Arten verlieren jedoch ihre „Temperaturlebensräume“. Wasserpflanzen leiden eher indirekt: Weil das Wasser trüber wird, bleibt weniger Licht für die Photosynthese und damit für das Wachstum.

Muscheln sind wichtige Filtrierer und halten das Wasser sauber. Die im Müggelsee vorkommende invasive Quagga-Muschel (die häufigste Muschelart im Müggelsee) stellt das Filtrieren bei 28°C ein und stirbt bei 32°C.

Leitfaden: Hilfe für Seen im schlechten Zustand

Quelle: IGB

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