Amazon, Microsoft und NABU starten Projekt zur Grundwasserneubildung
Amazon und Microsoft Deutschland haben ein gemeinsames Projekt zur Wasserrückführung in Hessen angekündigt. Umgesetzt wird es vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) gemeinsam mit regionalen Partnern und Behörden. In der Region Vogelsberg sollen auf 40 Hektar natürliche Bedingungen für Feuchtgebiete wiederhergestellt werden.
Der Vogelsberg ist ein bedeutendes Gebiet für die Wassergewinnung und liefert einen erheblichen Teil des Frankfurter Trinkwassers. Der NABU setzt das Projekt mit Finanzierung von Amazon und Microsoft um. Unterstützt durch Amazons Beitrag von über 2,9 Millionen Euro soll das Projekt nach Fertigstellung jährlich voraussichtlich mehr als 750 Millionen Liter Wasser in die lokale Grundwasserversorgung zurückführen. Damit sollen die Wasserressourcen für die Stadt Frankfurt und umliegende Gemeinden gestärkt werden.
Für Amazon ist es die dritte Initiative zur Wasserrückführung in Deutschland. Zuvor hatte das Unternehmen ein Programm zur Leckageerkennung in städtischen Gebieten in Frankfurt mit Shayp sowie die Renaturierung von Feuchtgebieten im Spessart mit EcoTree angekündigt. Zusammengenommen sollen durch Amazons Beitrag zu den drei Projekten voraussichtlich jährlich mehr als 920 Millionen Liter Wasser an Gemeinden und Ökosysteme in der Großregion Frankfurt zurückgeführt werden. Das Projekt greift die wachsende Erkenntnis im Wassersektor auf, dass die Stärkung der regionalen Wasserresilienz gemeinsames Handeln erfordert. Unternehmen, Umweltorganisationen, Grundstücksbesitzer und Behörden arbeiten dabei zusammen, um gemeinsame Herausforderungen auf Ebene der betroffenen Einzugsgebiete zu bewältigen.
Das Vorhaben trägt außerdem zu Amazons Ziel bei, bis 2030 mehr Wasser an Gemeinden zurückzuführen, als das Unternehmen im direkten Betrieb seiner Rechenzentren verbraucht.
„Effiziente Wassernutzung gehört zu unserer Arbeitsweise, aber das ist ein Anfang, nicht das Ziel. Wir wollen aktiv dazu beitragen, die Wassersysteme vor Ort zu verbessern, auf die Gemeinden jeden Tag angewiesen sind. Der NABU weiß, was bei der Renaturierung natürlicher Landschaften funktioniert, und wir sind stolz darauf, dass wir ihn dabei unterstützen, noch mehr davon umzusetzen“, sagt Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS Deutschland.
Feuchtgebiete sollen Wasserspeicherung verbessern
Der Vogelsberg, die größte zusammenhängende Vulkanregion Mitteleuropas, verfügt über erhebliches Potenzial für die Grundwasserneubildung. Die Grundwasserreserven der Region sind eine zentrale Trinkwasserquelle für Frankfurt und umliegende Gemeinden. Angesichts eines steigenden Bedarfs und sich verändernder Klimamuster gewinnt die Wiederherstellung der natürlichen Fähigkeit der Landschaft, diese Reserven aufzufüllen, für die langfristige Resilienz der regionalen Wasserversorgung an Bedeutung.
Gleichzeitig wächst in den Gemeinden der Frankfurter Region das Bestreben, die natürliche Fähigkeit der Landschaft zur Speicherung und Filterung von Wasser wiederherzustellen. Damit sollen die Folgen von Entnahme, künstlicher Entwässerung und intensiver Landwirtschaft rückgängig gemacht werden.
In Zusammenarbeit mit rund zehn lokalen Grundstücksbesitzern wird der NABU ab 2026 schrittweise insgesamt 80 Hektar Land in den Projektgebieten „Alte Hasel“ und „Eisenbachaue“ bei Herbstein erwerben. Weitere Flächenkäufe sind bis Ende 2028 geplant. Auf 40 Hektar sollen mit bewährten naturbasierten Ansätzen die natürlichen Bedingungen wiederhergestellt werden. Dazu gehören die Entfernung künstlicher Entwässerungssysteme sowie die Schaffung von Flachwasserzonen und Mulden, die den Wasserabfluss verlangsamen und die Versickerung erhöhen. Zudem ist eine extensive Grünlandbewirtschaftung vorgesehen, um Nährstoffeinträge in Gewässer zu verringern. Die Arbeiten werden gemeinsam mit der Stadt Herbstein und örtlichen Landwirten durchgeführt.
„Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der NABU mit Gemeinden im Vogelsberg an der Wiederherstellung natürlicher Wassersysteme. Diese Investition ermöglicht es uns, unsere Initiative deutlich auszuweiten. Das Projekt wird jährlich Hunderte Millionen Liter Wasser in den Boden zurückführen und zugleich Lebensräume für Arten wie das Braunkehlchen schaffen, die aus Deutschlands Tiefebenen verschwinden“, erklärt Ingo Ammermann, Bundesgeschäftsführer des NABU.
„Wasser ist eine gemeinsame Ressource und damit auch eine gemeinsame Verantwortung. Deshalb braucht es Partnerschaften, die lokale Expertise, Wissenschaft und die Möglichkeiten der Privatwirtschaft zusammenbringen. Dass Microsoft und Amazon hier gemeinsam mit dem NABU investieren, zeigt, dass wir als Branche Verantwortung übernehmen und mit konkreten Projekten vor Ort einen messbaren Unterschied machen können“, sagt Christian Schätz, COO von Microsoft Deutschland.
Neue Lebensräume für gefährdete Arten
Neben der Grundwasserneubildung soll das Projekt auch neue Lebensräume für Arten schaffen, deren Bestände in der Region erheblich zurückgegangen sind. Dazu zählen Braunkehlchen, Bekassinen, Bruchwasserläufer und Schnatterenten.
Das kühlere Klima des Vogelsbergs macht die Region zudem zu einem potenziellen Rückzugsgebiet für Arten, die durch die Erwärmung aus umliegenden Tieflandgebieten verdrängt werden. Dieser positive Effekt ist bereits durch vergleichbare NABU-Projekte in der Region belegt. Die Auswirkungen auf die Artenvielfalt sollen durch ein jährliches Monitoring von Säugetieren, Vögeln, Insekten, Amphibien und Reptilien zwischen 2028 und 2038 erfasst werden. Damit sollen über mehr als ein Jahrzehnt hinweg Erkenntnisse zu den ökologischen Ergebnissen des Projekts gewonnen werden.
Mehr als 70 Wasserprojekte weltweit
Amazon hat weltweit mehr als 70 Projekte zur Wasserrückführung angekündigt. Diese sollen jährlich voraussichtlich mehr als 40 Milliarden Liter Wasser an Gemeinden und Wassereinzugsgebiete zurückführen. Die Maßnahmen reichen von der Leckageerkennung in städtischen Gebieten über die Renaturierung von Feuchtgebieten bis zur Steigerung der Bewässerungseffizienz. Damit investiert Amazon in Lösungen, die Gemeinden bei der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Wasserressourcen unterstützen sollen.
Über das Wassermanagement hinaus ist Amazon der größte privatwirtschaftliche Abnehmer CO2-freier Energie in Europa mit mehr als 260 Projekten, die mehr als zehn Gigawatt Kapazität in der Region bereitstellen.
Quelle: LEWIS Communications GmbH
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