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EU-Meeresschutzgebiete auf dem Prüfstand: Wie wirksam ist ihr Schutz?

21. Oktober 2026 um 07:32

Der Europäische Rechnungshof hat untersucht, wie wirksam die Meeresschutzgebiete in der EU tatsächlich geschützt werden. Ein neuer Sonderbericht beleuchtet, inwieweit die bestehenden Schutzmaßnahmen greifen und welche Herausforderungen bei der Umsetzung des EU-Ziels bestehen, bis 2030 insgesamt 30 % der Meeresgewässer unter Schutz zu stellen.

Europäische Meeresökosysteme zunehmend unter Druck

Die Meeresgewässer der Europäischen Union erstrecken sich über eine Fläche von rund fünf Millionen Quadratkilometern und sind damit größer als die gesamte Landfläche der EU. Etwa 40 % der EU-Bevölkerung leben weniger als 50 Kilometer von einer Küste entfernt. Gleichzeitig verschlechtert sich der Zustand der europäischen Meeresökosysteme. Rund 79 % des Küstenmeerbodens sind unterschiedlichen menschlichen Belastungen ausgesetzt. Auch die biologische Vielfalt nimmt in diesen Gebieten kontinuierlich ab.

Die Europäische Union hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2030 insgesamt 30 % ihrer Meeresgewässer unter Schutz zu stellen. Vor diesem Hintergrund hat der Europäische Rechnungshof untersucht, ob die bereits ausgewiesenen Meeresschutzgebiete tatsächlich wirksam geschützt werden.

Die Ergebnisse der Prüfung werden in einem aktuellen Sonderbericht vorgestellt, der auch Schlussfolgerungen und Empfehlungen enthält.

Sonderbericht wird am 26. Oktober veröffentlicht

Am Montag, dem 26. Oktober 2026, stellt der Europäische Rechnungshof seinen Sonderbericht im Rahmen eines englischsprachigen Online-Pressebriefings vor. Die Veranstaltung beginnt um 11.00 Uhr Luxemburger Ortszeit. Journalistinnen und Journalisten erhalten dabei die Gelegenheit, sich über die Prüfung zu informieren und die Ergebnisse mit Iliana Ivanova, Mitglied des Europäischen Rechnungshofs, sowie Vertretern des Prüfungsteams zu diskutieren.

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bis Freitag, den 23. Oktober 2026, um 12.00 Uhr erforderlich. Angemeldete Medienvertreter können den Bericht und die zugehörige Pressemitteilung auf Anfrage bereits vor dem Briefing erhalten. Für beide Dokumente gilt eine Sperrfrist.

Die offizielle Veröffentlichung erfolgt am 26. Oktober 2026 um 17.00 Uhr auf der Website des Europäischen Rechnungshofs.


Quelle: Europäischer Rechnungshof (EuRH)

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7. Mülheimer Wasseranalytisches Seminar bringt rund 200 Fachleute zum Austausch zusammen

20. Oktober 2026 um 12:53

Das siebte Mülheimer Wasseranalytische Seminar (MWAS) am 16. und 17. September war erneut ein großer Erfolg. Knapp 200 Fachleute aus der Analytik tauschten sich an zwei Tagen über aktuelle Themen und Forschungsergebnisse aus. Die Stadthalle Mülheim bot dafür wieder den passenden Rahmen. Die Kombination aus Fachvorträgen, Posterausstellung und Fachmesse, die das MWAS seit seiner Gründung prägt, wurde von den Teilnehmenden geschätzt.

PFAS, Massenspektrometrie und Digitalisierung im Fokus

Mit 16 Fachvorträgen und wissenschaftlichen Postern widmete sich die Veranstaltung aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen in der Wasseranalytik. Zu den zentralen Themen gehörten der Einsatz hochauflösender Massenspektrometrie (HRMS), insbesondere zur Untersuchung von Transformationsprodukten, sowie die Analyse und Bewertung perfluorierter Alkylsubstanzen (PFAS).

Weitere Vorträge beschäftigten sich mit der Bewertung analytischer Befunde im Grundwasser und der Dimensionierung von Infektionsbarrieren. Erstmals stand zudem eine eigene Session zur digitalen Transformation und Automatisierung auf dem Programm. Diese stieß auf große Resonanz und spiegelte sich auch in den Produkten und Unternehmen der begleitenden Fachausstellung wider.

Quelle: IWW Zentrum Wasser

Mülheim Water Award zum zehnten Mal verliehen

Ein weiterer Programmpunkt war die Verleihung des Mülheim Water Awards am Konferenzabend, die bereits zum zehnten Mal stattfand. Ausgezeichnet wurde eine Gruppe der GCI GmbH und der Berliner Wasserbetriebe für die Entwicklung und den erfolgreichen Einsatz von Rohrpassivsammlern im Wasser- und Abwassermonitoring.

Die drei Preisträger Jörg-Helge Hein, Tobias Hensel und Frederik Zietzschmann stellten ihren Ansatz am zweiten Konferenztag gemeinsam vor. Im weiteren Verlauf des Seminars wurde die Entwicklung intensiv diskutiert.

Wissenschaftlicher Nachwuchs erhält Posterpreise

Der von SHIMADZU gestiftete Preis für die besten wissenschaftlichen Poster ging an Nachwuchswissenschaftler der Hochschule Niederrhein in Krefeld (HNR) und der Instrumentellen Analytischen Chemie der Universität Duisburg-Essen (IAC UDE). Dr. Melanie Voigt (HNR) präsentierte Ergebnisse zur Untersuchung der Transformation von Venlafaxin durch elektrochemische Oxidation in einer μ-Durchflusszelle mit anschließender HRMS-Analyse.

Daniel Höhn (IAC UDE) stellte in seinem Poster ein Verfahren zur schnellen Datenprozessierung in der Non-Target-Analyse mittels HRMS vor, das ohne nutzerspezifische Parameter auskommt.


Quelle: IWW Zentrum Wasser

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Fünf häufige Fehler bei der Wasserhaltung auf Baustellen

20. Oktober 2026 um 07:47

Wenn Baugruben volllaufen, Schläuche einfrieren oder Pumpen durch Schlamm verstopfen, entstehen auf Baustellen schnell hohe Kosten. Besonders im Herbst und Winter treffen starke Niederschläge, niedrige Temperaturen und schwierige Bodenverhältnisse aufeinander. Eine zuverlässige Wasserhaltung ist deshalb entscheidend, um den Baustellenbetrieb aufrechtzuerhalten. Der Pumpenhersteller Tsurumi erläutert fünf häufige Fehler, die Bauunternehmen während der kalten Jahreszeit vermeiden sollten.

1. Pumpenleistung nicht ausreichend dimensioniert

Bereits bei der Auswahl der Pumpe können Fehler entstehen. Wird die Förderleistung ausschließlich anhand der durchschnittlich anfallenden Wassermenge bemessen, reicht sie bei starken Niederschlägen möglicherweise nicht mehr aus. Neben der maximalen Fördermenge müssen auch die tatsächlich erforderliche Förderhöhe sowie Druckverluste in Schläuchen und Leitungen berücksichtigt werden. Denn bei Kreiselpumpen nimmt die verfügbare Fördermenge mit steigender Förderhöhe in der Regel ab.

Tsurumi empfiehlt daher, die Wasserhaltung auf mögliche Belastungsspitzen auszulegen und bei Bedarf zusätzliche Reservekapazitäten einzuplanen.

2. Feststoffe im Baustellenwasser unterschätzt

Baustellenwasser enthält häufig Sand, Schlamm und andere abrasive Partikel. Besonders nach starken Regenfällen können diese die eingesetzten Pumpen erheblich beanspruchen. Ungeeignete Technik erhöht das Risiko von Verschleiß und Betriebsausfällen. Für solche Einsatzbedingungen bietet Tsurumi unter anderem die Pumpenbaureihe KTZ an. Sie verfügt über robuste, verschleißbeständige Komponenten sowie eine doppelte Gleitringdichtung im Ölbad.

Auch die Positionierung der Pumpe spielt eine wichtige Rolle. Sie sollte möglichst so aufgestellt werden, dass nicht unnötig große Mengen abgesetzter Feststoffe angesaugt werden. Ein entsprechend angelegter Pumpensumpf kann dabei helfen.

3. Frostschutz bei Schläuchen und Leitungen vernachlässigt

Bei niedrigen Temperaturen können nicht nur Pumpen, sondern auch Schläuche, Rohrleitungen und Armaturen Probleme verursachen. Bleibt Wasser darin stehen, kann es bei Frost gefrieren. Dadurch drohen blockierte Leitungen und Schäden an Bauteilen. Besonders gefährdet sind Anlagen, die nur zeitweise betrieben werden. Nicht benötigte Leitungen sollten deshalb entleert und frostgefährdete Abschnitte entsprechend geschützt werden.

Auch bei vollständig eingetauchten Pumpen muss sichergestellt sein, dass das geförderte Wasser jederzeit ungehindert abfließen kann. Beim Einsatz von Rückschlagklappen und Rückschlagventilen ist besondere Vorsicht geboten.

4. Unnötige Laufzeiten erhöhen den Energieverbrauch

Nicht jede Entwässerungsaufgabe erfordert einen durchgehenden Pumpenbetrieb. Läuft eine Pumpe auch bei niedrigem Wasserstand weiter, verbraucht sie unnötig Energie. Unter ungünstigen Betriebsbedingungen kann dies zudem die Technik belasten. Automatische Steuerungen können den Betrieb bedarfsgerecht regeln. Die Pumpen der Tsurumi-KTVE-Serie verfügen beispielsweise über eine integrierte Elektrodensteuerung. Diese erfasst den Wasserstand und schaltet die Pumpe entsprechend ein oder aus. Auf diese Weise lassen sich unnötige Laufzeiten reduzieren.

5. Wartung und Kontrollen zu spät durchgeführt

Kleine technische Mängel können insbesondere im Winter erhebliche Auswirkungen auf den Baustellenbetrieb haben. Verstopfte Ansaugöffnungen, beschädigte Stromkabel, verschlissene Laufräder oder undichte Schlauchverbindungen beeinträchtigen die Betriebssicherheit. Regelmäßige Sicht- und Funktionskontrollen sind daher wichtig. Dazu gehört auch die Überprüfung elektrischer Anschlüsse und Schutzeinrichtungen durch entsprechend qualifiziertes Personal.

Tsurumi rät dazu, die vorgeschriebenen Wartungsintervalle und Herstellervorgaben einzuhalten. Besonders stark beanspruchte Anlagen sollten darüber hinaus häufiger kontrolliert werden.

Rechtzeitige Vorbereitung verhindert Baustillstände

Eine zuverlässige Baustellenentwässerung hängt nicht allein von der Leistung der eingesetzten Pumpen ab. Ebenso entscheidend sind die passende Auswahl der Technik, eine fachgerechte Installation und die regelmäßige Überwachung während des Betriebs.

Tsurumi bietet hierfür verschiedene Schmutzwasserpumpen für unterschiedliche Einsatzbedingungen an. Wer seine Wasserhaltung frühzeitig auf die Anforderungen der kalten Jahreszeit vorbereitet, kann das Risiko ungeplanter Ausfälle reduzieren und Verzögerungen im Bauablauf vermeiden.


Quelle: Tsurumi Pressestelle

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Ecomondo 2026 stellt Wasserwirtschaft und Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt

19. Oktober 2026 um 07:00

Die 29. Ausgabe der Ecomondo findet vom 3. bis 6. November 2026 im Messezentrum Rimini statt. Die internationale Fachmesse der Italian Exhibition Group (IEG) bietet ein umfangreiches wissenschaftliches und institutionelles Konferenzprogramm.

Mehr als 70 Veranstaltungen, Konferenzen und Workshops werden vom internationalen technisch-wissenschaftlichen Komitee unter Vorsitz von Professor Fabio Fava gemeinsam mit europäischen und internationalen Partnerorganisationen organisiert. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Entwicklungen der Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und ökologischen Transformation.

Wasserwirtschaft und nachhaltige Ressourcennutzung

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Wasserkreislauf und der sogenannten Blue Economy. Zahlreiche Veranstaltungen beschäftigen sich mit der Regeneration mariner Ökosysteme sowie der nachhaltigen, effizienten und sicheren Nutzung von Wasserressourcen. Zu den zentralen Themen gehören die Anpassung von Küstenregionen an den Klimawandel, der Umgang mit neu auftretenden Schadstoffen sowie die Weiterentwicklung einer klimaneutralen Wasserwirtschaft.

Weitere Veranstaltungen befassen sich mit naturbasierten Lösungen zur Wiederherstellung des Wasserkreislaufs, dem Gewässerschutz und dem Erhalt der Biodiversität. Auch die effiziente Wassernutzung in Industrie und Landwirtschaft sowie die Kreislaufführung von Wasser stehen auf dem Programm. Ein weiterer Schwerpunkt sind zukunftsfähige Wasserinfrastrukturen mit intelligenten Netzen, Digitalisierung und Sicherheitslösungen. An der Gestaltung des Programms beteiligen sich unter anderem die Region Emilia-Romagna, die italienische Regulierungsbehörde ARERA, die Po-Flussgebietsbehörde, CNR-IRSA, UTILITALIA sowie mehrere italienische Universitäten.

Internationale Zusammenarbeit für mehr Wasserresilienz

Die Ecomondo 2026 legt besonderen Wert auf die internationale Zusammenarbeit im Mittelmeerraum und mit afrikanischen Ländern. Eine Veranstaltung zur Wasserresilienz innerhalb und außerhalb Europas beschäftigt sich mit euro-mediterraner Kooperation, Innovationen und internationaler Zusammenarbeit. Beteiligt sind unter anderem Water Europe, das Imperial College London und weitere wissenschaftliche Einrichtungen.

Weitere Diskussionen widmen sich der Verschmutzung des Mittelmeers durch Öl, nachhaltigen Materialien sowie Strategien zur Verbesserung der Wasserresilienz im Mittelmeerraum. Dabei werden auch Ansätze im Zusammenhang mit dem europäischen Ocean Pact behandelt. Das sechste Africa Green Growth Forum thematisiert unter anderem die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Institutionen und Privatwirtschaft zur nachhaltigen Entwicklung Afrikas. Im Fokus stehen Wasser und Landwirtschaft als Grundlage widerstandsfähiger Wertschöpfungsketten.

Kreislaufwirtschaft und Recycling im Fokus

Neben der Wasserwirtschaft behandelt das Konferenzprogramm zentrale Herausforderungen der europäischen Kreislaufwirtschaft. Diskutiert werden unter anderem das Recycling von Elektroaltgeräten und Batterien, die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe sowie Maßnahmen zur Verringerung der europäischen Importabhängigkeit. Weitere Schwerpunkte bilden die Kreislaufführung von Kunststoffen, nachhaltige Verpackungen und das sogenannte Urban Mining, also die Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehenden Gebäuden und Infrastrukturen.

Auch die europäische Textilindustrie steht im Mittelpunkt mehrerer Veranstaltungen. Themen sind Wiederverwendung, Reparatur, Ökodesign, erweiterte Herstellerverantwortung und digitale Produktpässe. Darüber hinaus beschäftigt sich das Programm mit nachhaltiger Stadtentwicklung, Bodengesundheit, regenerativer Bioökonomie, Bioenergie sowie der Vermeidung und Verwertung von Abfällen.

EU-Regulierung und Finanzierung der Transformation

Ein weiterer Themenblock widmet sich den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen der ökologischen Transformation. Auf dem Programm stehen unter anderem der europäische Circular Economy Act, die Regulierung von Wasserdienstleistungen, neue Anforderungen an die Abfallwirtschaft sowie die Umsetzung der europäischen Industrieemissionsrichtlinie.

Auch Finanzierungsfragen spielen eine Rolle. Diskutiert werden ESG-Risikomanagement, nachhaltige Investitionsmodelle und Finanzierungsmöglichkeiten für Innovationen, unter anderem in der Wasserwirtschaft und Bioökonomie. Zu den Höhepunkten gehören die 15. „States General of the Green Economy“, die am 3. und 4. November stattfinden. Die Veranstaltung wird von der Foundation for Sustainable Development gemeinsam mit dem italienischen Ministerium für Umwelt und Energiesicherheit organisiert.

Weitere Programmpunkte sind das Forum on Responsible Communication und der ESG CEO Summit. Ergänzt wird das Konferenzprogramm durch wissenschaftliche Beiträge, Praxisbeispiele und Diskussionen über die Skalierung innovativer Umwelttechnologien.

Zum Programm

Quelle: Ecomondo /Smartitaly

 

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Tiefengeothermie auf Wachstumskurs mit steigender Wärmeproduktion

16. Oktober 2026 um 10:02

Erstmals hat das Praxisforum Tiefengeothermie in diesem Jahr die Betreiberdaten hydrothermaler Geothermieanlagen aus ganz Deutschland abgefragt. Damit richtet das Branchenevent seinen Blick über Bayern hinaus. Von 33 angefragten Betreibern reichten 21 ihre Daten für das Betriebsjahr 2025 ein. Insgesamt produzierten die bayerischen Geothermieanlagen 3,4 Terawattstunden Wärme. Auf ganz Deutschland hochgerechnet ergibt sich eine Wärmemenge von 3,8 Terawattstunden.

„Heute versorgen die deutschen Geothermieanlagen zusammengenommen eine Großstadt wie Frankfurt oder Köln“, erklärt Dr. Jochen Schneider, Veranstalter des Praxisforums.

Die Roadmap Tiefengeothermie des IEG sehe ein Marktpotenzial von 300 Terawattstunden vor, was einem Viertel des deutschen Wärmebedarfs entspreche. Angesichts der aktuellen Dynamik hält Schneider dieses Potenzial für realistisch. Für die Auswertung wurden unter anderem Betriebsstunden, Wärmeproduktion und -verkauf, Stromproduktion, Anlagenverfügbarkeit, Revisionsarbeiten und Schäden sowie der Stromverbrauch zur Wärmeerzeugung untersucht. Weitere Kriterien waren Förder- und Injektionstemperaturen sowie die Förderrate.

Unterhaching und Dürrnhaar für ihre Anlagenleistung ausgezeichnet

Den Preis für das „Goldene Heizwerk“ erhielt die Geothermieanlage Unterhaching. Mit 185.000 Megawattstunden produzierte sie im Betriebsjahr 2025 die höchste Wärmemenge eines reinen Heizwerks. Die Anlage steht zugleich beispielhaft für die Umstellung von einer kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung auf einen vollständig wärmeorientierten Betrieb. Parallel dazu wird das Fernwärmenetz weiter ausgebaut.

Das „Goldene Kraftwerk“ ging an die Geothermieanlage der Stadtwerke München in Dürrnhaar. Trotz ähnlicher geologischer Bedingungen wie in Unterhaching kann die Anlage durch ihre ganzjährige Stromproduktion mehr Wärme aus der Tiefe fördern. Mit über 35.000 Megawattstunden erzeugtem Strom und einer Auslastung von 80 Prozent erzielte das Kraftwerk eine besonders hohe Leistung. Laudator Wolfgang Geisinger überreichte die Auszeichnungen an Franz Barenth von der Geothermie Unterhaching Produktions GmbH & Co.KG und Stefan Birle von den Stadtwerken München.

Ehrenpreis würdigt Engagement für die Geothermie in NRW

Der Ehrenpreis des Praxisforums Tiefengeothermie ging in diesem Jahr an Dr. Ulrich Pahlke vom Geologischen Dienst NRW (GD NRW). Ausgezeichnet wurde sein langjähriges Engagement für die Geologie und insbesondere die Tiefengeothermie. Pahlke war insgesamt 42 Jahre im Dienst, davon zehn Jahre als Direktor des Geologischen Dienstes NRW. In dieser Funktion gelang es ihm, ein interregionales EU-Projekt zur Tiefengeothermie nach Nordrhein-Westfalen zu holen. Dadurch wurde die Landesregierung verstärkt auf das Potenzial der hydrothermalen Geothermie aufmerksam.

In der Folge erhielt der GD NRW den Auftrag, ein umfangreiches Explorations- und Bohrprogramm umzusetzen. Dieses wurde ab 2024 mit dem Masterplan verstetigt. Die gewonnenen Untergrunddaten ermöglichen Kommunen und Stadtwerken, eigene Geothermieprojekte zu entwickeln.

„Sie sind maßgeblich für die Entwicklungen verantwortlich, die Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren bezüglich der Geothermie erreicht hat“, würdigte Laudator Hubertus Prinz zu Hohenlohe-Langenburg den Preisträger.

Christian-Hecht-Preis geht an Nachwuchswissenschaftlerin der TU München

Mit dem Christian-Hecht-Preis wurde die Doktorandin Valerie Ernst von der TU München ausgezeichnet. Der Preis erinnert an den 2017 verstorbenen Wissenschaftler und Geothermie-Vordenker Christian Hecht und würdigt herausragende Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Ernst überzeugte mit ihrer Forschungsarbeit zur „Verknüpfung von Transmissibilität und hydraulisch aktiven Zonen im tiefengeothermischen Reservoir in Bayern“.

„Mit Ihrer Arbeit haben Sie eine wissenschaftliche Lücke geschlossen und einen wichtigen Baustein für die Wärmewende geliefert“, betonte Laudator Dr. Christian Pletl von den Stadtwerken München. Diese stifteten auch das Preisgeld.

Praxisforum verzeichnet neuen Teilnehmerrekord

Die wachsende Bedeutung der Tiefengeothermie zeigte sich auch bei den Besucherzahlen. Mit mehr als 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem In- und Ausland übertraf das Praxisforum seinen bisherigen Rekord aus dem Vorjahr.

„Die Tiefengeothermie ist kein Nischenthema mehr, die Branche wächst und der Bedarf am Austausch aus der Praxis ist größer denn je“, erklärte Schneider.

Im Mittelpunkt des Kongresstages am 15. Oktober standen unter anderem neue Entwicklungen bei Fernwärmenetzen, Optimierungsmöglichkeiten beim Bohren, aktuelle Rahmenbedingungen der Projektplanung und Fördermöglichkeiten. Darüber hinaus wurden Fortschritte verschiedener Geothermieprojekte vorgestellt. Bereits am 14. Oktober hatte ein Workshoptag zum Betrieb von Geothermieanlagen stattgefunden.

Weitere Bohrungen sollen Fernwärmeversorgung ausbauen

Den Abschluss des Praxisforums bildet am 16. Oktober die Exkursion GeoTHOUR® zu zwei bestehenden Geothermieprojekten in der Region. Besucht werden die Anlage in Pullach sowie das interkommunale Projekt der AFK in Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim. Beide Betreiber planen beziehungsweise realisieren weitere Dubletten, um der steigenden Nachfrage nach Fernwärmeanschlüssen in ihren Kommunen gerecht zu werden. Die Projekte verdeutlichen die aktuelle Ausbaudynamik der Tiefengeothermie.

„Die Menschen möchten unabhängig von hohen Preisen für fossile Energien sein“, sagt Schneider.

Die Tiefengeothermie biete eine zuverlässige, preisstabile und klimafreundliche Wärmeversorgung.

Weitere Informationen

Quelle: Praxisforum Tiefengeothermie

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mioty: Zuverlässige Sensordaten für die Wasserwirtschaft auch im Krisenfall

15. Oktober 2026 um 12:33

Die vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS entwickelte Funktechnologie mioty ermöglicht den energieautarken, robusten und unabhängigen Betrieb weitreichender Sensornetze. Auch bei Störungen oder Ausfällen der Netz- und Stromanbindung soll die Technologie eine zuverlässige Datenübertragung gewährleisten. Auf der Smart Country Convention (SCCON) vom 13. bis 15. Oktober in Berlin können sich Vertreter kommunaler Verbände, Versorger, Netzbetreiber und Gerätehersteller am Stand 404 in Hub 27 über die Technologie informieren.

Wie wichtig widerstandsfähige Infrastrukturen, vorausschauende Planung und ein umfassendes Lagebild im Krisenfall sind, haben Hitzewellen, Brände und Hochwasser in Europa in diesem Jahr erneut gezeigt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die zuverlässige Vernetzung von Sensoren, die beispielsweise Luftqualität, Temperatur, Rauchentwicklung oder Wasserstände erfassen. Die Funktechnologie mioty soll die Übertragung dieser Daten auch unter schwierigen Bedingungen ermöglichen und damit zur Sicherheit kritischer Infrastrukturen und zum Bevölkerungsschutz beitragen.

Sensornetze müssen auch im Krisenfall funktionieren

Sensoren kommen in Städten und Kommunen in zahlreichen Bereichen zum Einsatz. Vom Wasserzähler über Pegelsensoren bis hin zu Rauch- und Bewegungsmeldern liefern sie wichtige Informationen, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Insbesondere bei kritischen Infrastrukturen (KRITIS) ist diese erste Übertragungsstrecke der Sensordaten entscheidend. Das gilt auch dann, wenn die Funkabdeckung eingeschränkt ist, die Stromversorgung ausfällt oder Mobilfunknetze durch ein hohes Gesprächsaufkommen überlastet sind.

Für Kommunen bietet der Aufbau flächendeckender Sensornetze die Möglichkeit, unterschiedliche Anwendungen miteinander zu vernetzen und die Infrastruktur flexibel an steigende Anforderungen anzupassen. Gleichzeitig lassen sich Wartungsaufwand und Kosten reduzieren. Deutschlandweit steht mit bestehenden Netz- und Servicebetreibern bereits eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung.

„Moderne und resiliente terrestrische Rundfunkübertragungsplattformen wie z.B. das digitale Radio DAB+ und digitale Anwendungen sorgen schon jetzt dafür, dass Inhalte jederzeit zuverlässig ihre Zielgruppe erreichen. Mit dieser leistungsstarken Infrastruktur und spezialisierten technischen Services basierend auf mioty können wir noch mehr Sicherheit und Qualität bieten, die resiliente KRITIS-Anwendungen in der Zukunft erfordern“, erklärt Francie Petrick, Geschäftsführerin von Media Broadcast.

Europäische Technologie für unabhängige Kommunikation

Als standardisierte Low-Power-Wide-Area-Network-Technologie (LPWAN) aus Europa soll mioty einen zuverlässigen Betrieb ermöglichen, ohne in kritischem Maße von einzelnen Anbietern oder externen Rahmenbedingungen abhängig zu sein.

Die Kontrolle über die Technologie verbleibt beim jeweiligen Unternehmen beziehungsweise innerhalb definierter Rechtsräume. Gleichzeitig sorgen transparente Schnittstellen und nachvollziehbare Prozesse dafür, dass der Technologieeinsatz dokumentiert und kontrolliert werden kann.

Robuste Datenübertragung durch Telegram-Splitting

Ein zentrales Merkmal von mioty ist das sogenannte Telegram-Splitting. Dieses Verfahren ermöglicht eine zuverlässige Übertragung von Sensordaten, selbst wenn andere Funksignale stören oder schwierige Umgebungsbedingungen vorliegen.

Damit soll die Datenübertragung auf Sensorebene auch bei Ausfällen anderer Funkinfrastrukturen aufrechterhalten werden. So können wichtige Informationen weiterhin für ein möglichst vollständiges Lagebild zur Verfügung stehen und die Widerstandsfähigkeit smarter Städte und Kommunen stärken.


Quelle: IIS Fraunhofer Pressemitteilung: Resiliente Sensornetze verhindern Funkstille im Smart Country

 

 

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Erfolgreiche Kanalsanierung im Fokus zweier Fachtagungen in Kassel

14. Oktober 2026 um 13:33

Am 8. und 9. September 2026 diskutierten Fachleute beim 24. Deutschen Schlauchlinertag und 15. Deutschen Reparaturtag in Kassel über die Voraussetzungen für eine dauerhaft erfolgreiche Kanalsanierung. Im Mittelpunkt standen Praxisbeispiele, neue Verfahren und aktuelle technische Entwicklungen. 264 Teilnehmer besuchten den 24. Deutschen Schlauchlinertag, 164 den 15. Deutschen Reparaturtag. Beide Veranstaltungen beschäftigten sich mit der Frage, welche Faktoren von der Planung über die Ausführung und Qualitätssicherung bis zum späteren Betrieb entscheidend sind, damit Sanierungsmaßnahmen langfristig erfolgreich bleiben.

„Uns interessiert nicht nur, dass eine Sanierung funktioniert hat. Spannend ist, warum sie funktioniert hat. Welche Grundlagen lagen vor, welche Entscheidungen wurden getroffen und was lässt sich daraus für zukünftige Projekte mitnehmen?“, betonte Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. und Geschäftsführer des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V.

Diese praxisorientierte Herangehensweise prägte beide Veranstaltungstage. Den Schlauchlinertag moderierte Dipl.-Ing. Univ. Alexander Jung von der ISAS GmbH, durch den Reparaturtag führte Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB).

Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. und Geschäftsführer des VSB (r.), Dipl.-Ing. Univ. Alexander Jung von der ISAS GmbH (m.) sowie Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des VSB, (r.) führten durch das Programm. Jung moderierte den Schlauchlinertag, Hippe moderierte den Reparaturtag und Borovsky eröffnete beide Veranstaltungen. Quelle: TAH

Langjährige Erfahrungen als Grundlage erfolgreicher Sanierungen

Zum Auftakt des Schlauchlinertages blickte Dipl.-Ing. Frank Werner Grauvogel von den Technischen Betrieben Solingen auf rund 30 Jahre Sanierungspraxis zurück. Bereits 1996 stellte Solingen 20 Millionen Euro für eine langfristige Kanalsanierungsstrategie bereit. Seither wurden rund 75 Kilometer Schlauchliner eingebaut. Zwar konnte der ursprünglich auf 20 Jahre angelegte Zeitplan nicht vollständig eingehalten werden, die Strategie wurde jedoch konsequent fortgesetzt.

Mit zunehmender Erfahrung stiegen auch die Qualitätsanforderungen. Neben mechanischen Materialprüfungen kamen Wasserdichtheitskontrollen, baubegleitende Qualitätssicherung und DSC-Prüfungen hinzu. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen kontinuierlich in neue Ausschreibungen ein. „Unsere Anforderungen sind mit den Erfahrungen gewachsen. Was wir aus der Ausführung, aus Prüfungen oder Nachträgen gelernt haben, haben wir in die nächsten Ausschreibungen übernommen“, betonte Grauvogel den Lernprozess.

Sorgfältige Planung entscheidet über die Lebensdauer

Welche Bedeutung die Planung für eine langlebige Sanierung hat, erläuterte Dipl.-Ing. (FH) Markus Vogel, Beratender Ingenieur. Entscheidend sei, welche Leistung der Netzbetreiber über die vorgesehene Nutzungsdauer von der sanierten Anlage erwarte. Dazu gehörten unter anderem Dichtheit, Standsicherheit, Betriebssicherheit und chemische Resistenz. Für Schlauchliner setzte Vogel eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren an. Sämtliche Anforderungen müssten deshalb bereits vor der Vergabe eindeutig festgelegt werden.

Auch Dipl.-Ing. Roland Wacker, Sachverständiger für Instandhaltung und Sanierung von Entwässerungsnetzen, unterstrich die Bedeutung belastbarer Planungsgrundlagen. Für die Schlauchlinerstatik müssten Altrohrzustand, Imperfektionen und Belastungen genau ermittelt werden. Regelstatiktabellen seien nur innerhalb bestimmter Randbedingungen anwendbar. Bei Altrohrzustand III oder überschrittenen Grenzwerten sei eine Einzelstatik erforderlich.

Qualitätssicherung muss den gesamten Einbau berücksichtigen

Dass Materialprüfungen allein keine ausreichende Qualitätssicherung gewährleisten, verdeutlichte Markus Vogel anhand von Auswertungen aus mehr als 7.500 Linerinstallationen. Dabei zeigten sich Abweichungen unter anderem bei Temperaturen, Drücken, Ziehgeschwindigkeiten und Leuchtmitteln. „Materialkennwerte sind kein Prozessnachweis“, brachte Vogel die Problematik auf den Punkt. Entscheidend sei deshalb auch der systematische Abgleich der aufgezeichneten Prozessdaten mit den Herstellerangaben.

Michelle Peeck, B.Sc., von der Siebert + Knipschild GmbH erläuterte die Weiterentwicklung von Materialkennwerten. Glasfasern und optimierte Laminataufbauten ermöglichen höhere E-Modulwerte und Biegespannungen bei geringeren Wanddicken. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Qualitätssicherung. Am Beispiel des Reststyrolgehalts zeigte Peeck, wie wichtig eindeutige Bezugsgrößen für die Bewertung von Messergebnissen sind.

Auch die Normung entwickelt sich weiter. Dr. John Gumbel von JG Pipeline Consultancy Ltd und Wim Elzink, Leiter der zuständigen internationalen Arbeitsgruppe, stellten die Neuordnung der bisherigen Schlauchlinernormen vor. Mit der DIN EN ISO 11300-2 werden Anforderungen künftig werkstoffbezogen zusammengeführt. Die Norm enthält unter anderem neue Definitionen, eine detailliertere Klassifizierung der Harze und präzisere Vorgaben für mechanische Kurzzeitkennwerte.

Unterschiedliche Kanalprofile stellen besondere Anforderungen

Welche Herausforderungen große Kanalprofile mit sich bringen, erläuterte Tobias Gierok von der Fischer Teamplan Ingenieurbüro GmbH. Bereits bei der Planung müssten unter anderem Zugänglichkeit, Platzbedarf, Abflusslenkung, Verkehrsführung und Anschlüsse berücksichtigt werden. Ein anspruchsvolles Praxisbeispiel präsentierte Dipl.-Ing. (FH) Torsten Seiler von der Stadtentwässerung Dresden. Bei der Sanierung des Dükers Flügelweg DN 2000 wurde eine tragende Linerwanddicke von 42 Millimetern nachgewiesen. Das rund 210 Tonnen schwere System wurde bei etwa einem Meter Wasserstand eingebaut, während ein paralleles Rohr die Abwasserhaltung übernahm.

Auch kleinere Dimensionen erfordern sorgfältige Vorbereitung. Dipl.-Ing. (FH) Dirk Mumm vom Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück berichtete über Versuche aus den Jahren 2025 und 2026, Anschlussliner vom Hauptkanal aus einzubauen. Das Verfahren kann den Zugang über den Übergabeschacht vermeiden, ist jedoch an bestimmte technische Voraussetzungen gebunden. Dipl.-Ing. (FH) Steffen Hommel von IRS Sachsen widmete sich dem Einbau von Schlauchlinern in Trinkwasserleitungen ab DN 600. Hier kommen zusätzliche hygienische Anforderungen sowie Belastungen durch Innen- und Außendruck hinzu.

Langlebigkeit und Nachhaltigkeit gehören zusammen

Die Qualität einer Sanierung zeigt sich auch im späteren Betrieb. Dr.-Ing. Susanne Leddig-Bahls, Technische Leiterin der IQS Engineering AG, erläuterte die Anforderungen an die Hochdruckspülung renovierter Abwasserkanäle. Reinigungsziel, Verschmutzung, Rohrwerkstoff und Zustand bestimmen die geeigneten Spülparameter. Ihr Grundsatz: „Reinigung mit so wenig Druck wie möglich – nur so viel wie nötig.“

Dipl.-Ing. Marco Schlüter vom IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur vertiefte das Thema am Reparaturtag. Er zeigte, dass die Beanspruchung von Reparaturstellen nicht allein von Druck und Durchfluss abhängt. Auch Düsentyp, Strahlgeometrie, Abstand und Anschlüsse beeinflussen die Belastung. Die Bedeutung langlebiger Sanierungen für den Klimaschutz beleuchtete Prof. Dr. Jörg Sebastian. Er stellte den Arbeitsstand einer VSB-Empfehlung zur CO₂-Bilanzierung von Sanierungsprodukten und -verfahren vor. Für aussagekräftige Vergleiche seien einheitliche Bezugsgrößen und klar definierte Systemgrenzen erforderlich.

Anhand eines Rechenbeispiels verdeutlichte Sebastian, dass der CO₂-Ausstoß je Meter und Nutzungsjahr mit zunehmender Lebensdauer sinkt. „Der stärkste Hebel ist die erreichte Nutzungsdauer. Qualität ist Klimaschutz.“ In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es darum, welche Rolle ökologische Kennwerte künftig bei Planung, Ausschreibung und Vergabe spielen können.

Strategische Reparaturplanung für den langfristigen Netzerhalt

Am 15. Deutschen Reparaturtag stand die Reparatur als Bestandteil einer nachhaltigen Netzbewirtschaftung im Mittelpunkt. Florian Frambach, M.Eng., von hanseWasser Bremen erläuterte die systematische Vorgehensweise seines Unternehmens. Von rund 2.300 Kilometern Kanalnetz werden jährlich 230 Kilometer mittels TV-Inspektion untersucht. Die Ergebnisse werden bewertet und bilden die Grundlage für die Entscheidung zwischen Reparatur, Renovierung und Erneuerung.

Dr.-Ing. Mark Kopietz von der SBKS GmbH stellte anschließend das Zulassungsverfahren beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) vor. Die Prüfungen richten sich nach dem jeweiligen Anwendungsbereich und umfassen unter anderem Materialeigenschaften, Haftung, Chemikalienbeständigkeit, Abrieb und Hochdruckspülfestigkeit.

Flexible Lösungen bei akuten Kanalschäden

Wie sich kurzfristige Eingriffe mit planbaren Reparaturen verbinden lassen, zeigte Dipl.-Ing. (FH) Bianca Burger von den Göttinger Entsorgungsbetrieben. Bei Wurzeleinwuchs wird bei Bedarf zunächst die Betriebssicherheit wiederhergestellt. Weitergehende Reparaturen werden anschließend über einen Rahmenauftrag gebündelt und in zwei planbaren Einsätzen jährlich durchgeführt.

Sarah Beck-Wieneke, B. Eng., von der IWA Ingenieurgesellschaft erläuterte die besonderen Herausforderungen bei Reparaturen unter Grundwassereinfluss. Entscheidend sei nicht nur, eindringendes Wasser zu stoppen, sondern auch mögliche Folgeschäden wie Hohlräume oder den Verlust der Bettungszone zu berücksichtigen. Edelstahlmanschetten und Injektionstechniken bieten unterschiedliche Möglichkeiten, haben jedoch jeweils technische Einsatzgrenzen.

Ein außergewöhnliches Sanierungsprojekt stellten Anja Kröhan von den Berliner Wasserbetrieben und Anja Janßen von Umwelttechnik Franz Janßen vor. Am Düker Popitzweg machten starke Infiltration, Bodeneintrag und ein sichtbarer Hohlraum eine sofortige Reparatur erforderlich. Erschwerend kamen unter anderem 45-Grad-Bögen, eine benachbarte U-Bahn-Linie und die historische Siemensbahn hinzu. Da die vorhandene Technik für die mehr als drei Meter lange Schadstelle nicht ausreichte, wurde ein 3,5 Meter langer Packer als Sonderanfertigung entwickelt. Die erfolgreiche Reparatur bildete die Grundlage für die anschließende umfassende Sanierungsplanung.

Materialwahl, Ausführung und Arbeitssicherheit im Blick

Weitere Vorträge beschäftigten sich mit speziellen Anforderungen einzelner Reparaturverfahren. Markus Vogel erläuterte die Risiken beim Kurzlinereinbau. Besonders wichtig seien sorgfältige Vorarbeiten, darunter Reinigung, Klebeflächenvorbereitung und Grundwasservorabdichtung.

Markus Dohmann vom Tiefbauamt Backnang stellte verschiedene Möglichkeiten zur Sanierung von Schachtgerinnen vor. Neben der Materialwahl seien eine hydraulisch geeignete Gestaltung, die Eignung für Betrieb und Unterhaltung sowie die fachgerechte Verarbeitung entscheidend.

Gerry Wehrle richtete den Blick auf die Arbeitssicherheit bei Reparaturen in begehbaren Kanälen. Gefährdungen durch Gase, Sauerstoffmangel, Wasserkräfte und eingeschränkte Bewegungsfreiheit müssten bereits in der Planung berücksichtigt werden. Eine fundierte Gefährdungsbeurteilung, schriftliche Freigaben und klare Zuständigkeiten seien vor Arbeitsbeginn unerlässlich.

Aussagekräftige Dokumentation statt unnötiger Bürokratie

Zum Abschluss rückten Abnahme, Dokumentation und Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Dipl.-Ing. Roland Wacker betonte, dass nicht die Menge der Unterlagen, sondern deren Aussagekraft entscheidend sei. Prüfungen und Nachweise sollten verfahrensabhängig und bereits vertraglich festgelegt werden. Eine Risikoanalyse könne helfen, besonders kritische Arbeitsschritte gezielt zu kontrollieren.

Hendrik Klar, M.Eng., von der ISAS GmbH beschäftigte sich mit den Anforderungen an ein erfolgreiches Projektmanagement. Sein Grundsatz „Fordern, was bewertbar ist – umsetzen, was leistbar ist“ verdeutlichte die Bedeutung realistischer Anforderungen, frühzeitiger Abstimmungen und einer funktionierenden Kommunikation zwischen Auftraggebern, Ingenieurbüros und ausführenden Unternehmen.

Auch die abschließende Podiumsdiskussion griff das Thema Dokumentation auf. Unterschiedliche Vorgaben und unvollständige Ausgangsunterlagen verursachen zusätzlichen Aufwand. Diskutiert wurden deshalb einheitlichere Strukturen und verlässliche Grundlagen, die bereits zu Projektbeginn vorliegen sollten.

Erfolgreiche Sanierung erfordert das Zusammenspiel aller Beteiligten

Zum Abschluss zog Michael Hippe ein positives Fazit: „Die beiden Tage haben sehr deutlich gezeigt, wie viele Faktoren über den Erfolg einer Sanierungsmaßnahme entscheiden. Das beginnt bei belastbaren Planungsgrundlagen und der richtigen Verfahrenswahl, reicht über Material, Vorarbeiten und Ausführung bis zu Qualitätssicherung, Dokumentation und Betrieb. Besonders zielführend war es, dass wir viele Fragen in diesem Jahr noch enger auf Basis realer Projekte diskutiert haben und die Erfahrungen von Netzbetreibern, Planern, Ausführenden und Herstellern übereinanderlegen konnten“.

Die beiden Veranstaltungstage lieferten damit zahlreiche praxisorientierte Impulse für die Planung, Umsetzung und langfristige Qualitätssicherung von Kanalsanierungsmaßnahmen.

Zur Anmeldung

Quelle: Thomas Martin Kommunikation

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Greenpeace fordert Planungsstopp in Wasserstressregionen

13. Oktober 2026 um 11:30

Beim Forum „Zukunft Wasser“ des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) kamen Vertreter aus Umwelt, Wirtschaft und Sicherheit zusammen, um über die zukünftige Wasserpolitik zu diskutieren. Bundesumweltminister Carsten Schneider stellte gemeinsam mit EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall zentrale wasserpolitische Schwerpunkte vor.

Schneider betonte die Notwendigkeit, Wasser künftig effizienter zu nutzen und stärker in der Landschaft zu halten. Dazu gehören unter anderem die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Flussauen und der Umbau von Wäldern zu stabilen Mischwäldern. Auch die öffentliche Wasserinfrastruktur müsse an die Folgen des Klimawandels angepasst werden. Schneider verwies dabei auf die Bedeutung leistungsfähiger Wasserspeicher, Kanalnetze und Kläranlagen. Die Bundesländer rief er dazu auf, einen relevanten Teil der Mittel aus dem Sondervermögen in die Wasserinfrastruktur zu investieren.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Verbesserung der Wasserqualität. Schneider sprach sich für den Ausbau der vierten Reinigungsstufe in Kläranlagen aus und bekräftigte das Prinzip der Herstellerverantwortung bei der Finanzierung.

Rechenzentren sollen bei Wasserknappheit stärker in die Verantwortung genommen werden

Unter dem Stichwort „Wassergerechtigkeit“ thematisierte Schneider die Verteilung der Kosten für die Wassernutzung. Angesichts zunehmender Wasserknappheit dürften die Grundbedürfnisse der Bevölkerung nicht mit dem Bedarf großer Wasserverbraucher konkurrieren.

„Wenn Wasser knapp ist, kann es nicht sein, dass die Grundbedürfnisse der Bürger mit Großverbrauchern wie Rechenzentren konkurrieren müssen“, erklärte Schneider.

Der Minister forderte, dass Betreiber von Rechenzentren in solchen Situationen mehr für Wasser zahlen oder in wassersparende Technologien investieren. Dafür brauche es einen Rahmen, der einen sparsamen Umgang mit Wasser belohnt und Anreize für Investitionen in effiziente Technik schafft.

Greenpeace fordert Planungsstopp in Wasserstressregionen

Der Umweltorganisation Greenpeace gehen die Forderungen von Bundesumweltminister Carsten Schneider nicht weit genug. Digitalexpertin Linda Klapdor fordert einen Planungsstopp für wasserintensive Rechenzentren in Regionen, die bereits unter Wasserstress leiden. Aus ihrer Sicht müssen Umweltminister Schneider und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) gemeinsam verhindern, dass weitere Großrechenzentren in besonders von Trockenheit betroffenen Gebieten entstehen.

„Umweltminister Schneider fordert völlig zurecht, dass menschliche Grundbedürfnisse wie der Zugang zu Wasser nicht mit dem Ressourcenverbrauch von Rechenzentren konkurrieren dürfen“, erklärt Klapdor.

Als besonders betroffene Regionen nennt Greenpeace Brandenburg und das Rhein-Main-Gebiet. In Brandenburg, einer der trockensten Regionen Deutschlands, plant der Cloud-Anbieter Amazon Web Services (AWS) nach Angaben der Umweltorganisation zwei Rechenzentren in Massen und Baruth. Greenpeace verweist in diesem Zusammenhang auf die anhaltende Trockenperiode im Sommer 2026, die in der Region zu akuter Wasserknappheit, sinkenden Brunnenständen und regionalen Entnahmeverboten geführt habe.

Kritisch bewertet Greenpeace insbesondere die geplante Wasserversorgung der Anlagen. AWS habe angekündigt, die Rechenzentren mit Regenwasser zu kühlen. Angesichts eines von Greenpeace genannten Wasserbedarfs von bis zu einer Million Litern täglich hält die Organisation dieses Konzept jedoch nicht für plausibel. Klapdor fordert deshalb mehr Transparenz bereits während der Planung. Betreiber müssten frühzeitig offenlegen, wie sie ihre Rechenzentren künftig kühlen und die dafür benötigten Wassermengen bereitstellen wollen.

„Solange keine überzeugenden Konzepte zur Wasserversorgung vorliegen, dürfen solche Projekte nicht umgesetzt werden“, betont die Greenpeace-Expertin.

Deutschland und EU verstärken Zusammenarbeit

Im Rahmen des Forums unterzeichneten Schneider und Roswall eine gemeinsame Erklärung zur wasserpolitischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Europäischen Kommission. Ziel ist es, die Gewässer besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen und die verfügbaren Wasserressourcen effizienter zu nutzen. Dazu gehören unter anderem die Renaturierung von Auen, die Wiederverwendung von Wasser und geschlossene Wasserkreisläufe in der Industrie.

Die Zusammenarbeit ist Teil der strukturierten Dialoge der Europäischen Kommission mit den Mitgliedstaaten. Sie soll die Umsetzung des europäischen Wasserrechts und der EU-Wasserresilienzstrategie unterstützen.


Quellen: Greenpeace, Wirksame Umsetzung der europäischen Wassergesetzgebung: Erklärung von EU-Kommissarin Roswall und Bundesminister Schneider – Vertretung in Deutschland

und BMUKN: Schneider: Deutschland braucht neuen Umgang mit Wasser | Pressemitteilung

 

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Treibhausgasbilanzierung in der Wasserwirtschaft wird weiter vereinheitlicht

13. Oktober 2026 um 07:07

Eine Arbeitsgruppe aus Unternehmen der Trink- und Abwasserbranche hat ihren Leitfaden zur Bilanzierung von Scope-3-Emissionen umfassend überarbeitet. Die aktualisierte Fassung berücksichtigt nun sieben statt bisher drei Scope-3-Kategorien des Greenhouse Gas Protocol und deckt damit weitere Bereiche ab, die derzeit als wesentlich für die Wasserwirtschaft eingestuft werden.

Der ursprünglich im Sommer 2024 veröffentlichte Leitfaden wurde gemeinsam von den Berliner Wasserbetrieben, der GELSENWASSER AG, der hanseWasser Bremen GmbH, HAMBURG WASSER, der Münchner Stadtentwässerung und den Stadtentwässerungsbetrieben Köln überarbeitet. Unterstützung erhielten die Unternehmen dabei von der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie und Wasserverwendung (ASEW). Neben fachlichen und redaktionellen Anpassungen umfasst die neue Version eine Erweiterung der berücksichtigten Scope-3-Kategorien von drei auf sieben.

Gemeinsame Grundlagen für die Emissionsbilanzierung

Mit dem Leitfaden erhalten Unternehmen der Wasserwirtschaft eine methodische Grundlage, um ihre Scope-3-Emissionen nach einheitlichen Kriterien zu erfassen und zu bilanzieren. Dadurch sollen die Qualität und Vergleichbarkeit der Treibhausgasbilanzen innerhalb der Branche verbessert werden.

Die Veröffentlichung bietet methodische Empfehlungen, Praxisbeispiele und Hinweise zu geeigneten Datengrundlagen. Ergänzend stehen Berechnungstools zur Verfügung, die Unternehmen bei der Bilanzierung unterstützen. Scope-3-Emissionen entstehen innerhalb der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette eines Unternehmens. In vielen Betrieben machen sie einen erheblichen Teil der verursachten Treibhausgasemissionen aus. Eine möglichst belastbare Erfassung ist daher wichtig, um vollständige Treibhausgasbilanzen zu erstellen und Potenziale zur Emissionsminderung gezielt zu erkennen und zu steuern.

Vier zusätzliche Emissionskategorien aufgenommen

Die erste Fassung des Leitfadens konzentrierte sich auf drei der insgesamt 15 Scope-3-Kategorien des Greenhouse Gas Protocol. Die Auswahl beruhte auf unternehmensspezifischen Wesentlichkeitsanalysen, deren Ergebnisse innerhalb der Arbeitsgruppe miteinander abgeglichen wurden.

Bereits in der bisherigen Version enthalten waren:

  • Scope 3.1: Gekaufte Waren und Dienstleistungen

  • Scope 3.2: Investitionsgüter

  • Scope 3.5: Im Betrieb anfallende Abfälle

 

Mit der Überarbeitung kommen vier weitere Kategorien hinzu:

  • Scope 3.3: Brennstoffe und energiebezogene Aktivitäten außerhalb Scope 1 oder 2

  • Scope 3.6: Geschäftsreisen

  • Scope 3.7: Pendeln der Mitarbeitenden

  • Scope 3.15: Investitionen

Damit berücksichtigt die aktualisierte Fassung alle Scope-3-Kategorien, die von der Arbeitsgruppe gegenwärtig als wesentlich für die Wasserwirtschaft bewertet werden.

Weitere Kategorien sollen später folgen

Noch nicht Bestandteil des aktualisierten Leitfadens sind die Kategorien Scope 3.11 „Nutzung verkaufter Produkte“ und Scope 3.12 „Behandlung verkaufter Produkte am Ende ihrer Lebensdauer“. Ihre Bearbeitung ist für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen. Aufgrund ihrer potenziellen Bedeutung sind zunächst weitere inhaltliche Vorarbeiten und Abstimmungen erforderlich.

Zum Leitfaden (Download)

Quelle: Treibhausgasbilanzen in der Trink- und Abwasserbranche – hanseWasser Bremen

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Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses im Rhein bleibt eine Herausforderung

12. Oktober 2026 um 07:33

Seit 1958 galt der Atlantische Lachs im Rhein als ausgestorben. In den 1990er-Jahren begannen erste Bemühungen, die Fischart wieder anzusiedeln. Im Rahmen des sechsjährigen Modell- und Demonstrationsvorhabens „Genetisches Monitoring zur Wiederansiedlung des Lachses im Rheingebiet“ (GeMoLaR) wurde untersucht, wie erfolgreich der Besatz mit Junglachsen aus Aufzuchtstationen ist und in welchem Umfang sich die Tiere bereits auf natürliche Weise vermehren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen zur Rückkehr der Lachse beitragen. Eine sich selbst erhaltende Population konnte sich bislang jedoch nicht etablieren. Die Erkenntnisse des Projekts sind in einen praxisorientierten Leitfaden eingeflossen.

Jährlich werden mehr als eine Million Junglachse aus Aufzuchtstationen in Deutschland und Frankreich in ökologisch geeigneten Nebenflüssen des Rheins ausgesetzt. Ziel ist es, den Atlantischen Lachs langfristig wieder im Rheinsystem anzusiedeln. Die Maßnahmen orientieren sich am natürlichen Lebenszyklus der Wanderfische. Lachse schlüpfen in kühlen, klaren Fließgewässern und verbringen dort ihre erste Lebensphase. Spätestens im Alter von zwei Jahren wandern sie als sogenannte Smolts ins Meer ab. Nach mehreren Jahren kehren sie zum Laichen in ihre Heimatgewässer zurück.

Genetische Analysen geben Aufschluss über den Wiederansiedlungserfolg

Im Mittelpunkt des Projekts GeMoLaR stand die Frage, welchen Beitrag die verschiedenen Besatzmaßnahmen zum heutigen Lachsbestand leisten und wie viele Jungfische bereits aus natürlicher Fortpflanzung hervorgehen. Dazu analysierten die Forschenden insgesamt 15.566 genetische Proben Atlantischer Lachse aus dem Rheingebiet.

Die Ergebnisse bestätigen, dass die Wiederansiedlungsprogramme in Deutschland gemeinsam mit den Maßnahmen in Frankreich und der Schweiz die Rückkehr des Atlantischen Lachses in das Rheinsystem ermöglichen. Die heutigen Bestände weisen eine hohe genetische Vielfalt auf, die auf die unterschiedlichen Herkünfte der im Laufe der Jahre eingesetzten Lachse zurückzuführen ist.

Auch eine natürliche Fortpflanzung konnte nachgewiesen werden. Allerdings hängt der Lachsbestand weiterhin überwiegend von den Besatzmaßnahmen ab. Die natürliche Reproduktion trägt bislang nur in geringem Umfang zum Bestand bei. Zudem gingen die Zahlen der zurückkehrenden Lachse während der Projektlaufzeit insgesamt zurück. Zusätzliche Schwierigkeiten entstehen durch Niedrigwasser, steigende Wassertemperaturen und veränderte Abflussverhältnisse, die sowohl Wanderfische als auch andere Fischarten beeinträchtigen.

Neuer Leitfaden unterstützt das genetische Monitoring

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Wiederansiedlung bedrohter Fischarten künftig besser zu koordinieren. Dabei spielt insbesondere die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern und den angrenzenden Staaten eine wichtige Rolle.

Die entwickelten Methoden und der daraus entstandene Leitfaden bilden eine Grundlage für ein langfristiges genetisches Monitoring. Darüber hinaus enthalten sie konkrete Empfehlungen, wie das Reproduktionsmanagement verbessert und die Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses weiter vorangetrieben werden kann.

Die Ansätze lassen sich auch auf andere Wanderfischarten sowie weitere Projekte des Fischereimanagements übertragen. Zudem wurde GeMoLaR als Fallstudie in die „Leitlinie zum genetischen Management von Besatzprogrammen für aquatische Arten“ (S. 55–56) der Welternährungsorganisation (FAO) aufgenommen.


Quelle: Neuer Leitfaden zur Wiederansiedlung von Atlantischen Lachsen im Rhein

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Meerwasser als Ressource für die Wasserstoffproduktion

09. Oktober 2026 um 08:09

Meer- und Brackwasser könnten künftig eine Alternative zu anderen Wasserressourcen für die Wasserstoffproduktion darstellen. Bislang benötigen herkömmliche Elektrolyseure jedoch aufwendig aufbereitetes, hochreines Wasser. Im Projekt SeaEly untersuchten das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES und das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM deshalb, wie gut sich Meer- und Brackwasser für die Wasserstoffproduktion eignen und welche Prüf- und Testinfrastruktur dafür erforderlich ist.

Besonders interessant ist die direkte Nutzung von Meer- und Brackwasser für küstennahe und Offshore-Anwendungen. Wird Strom aus Windenergieanlagen unmittelbar in Wasserstoff umgewandelt, entsteht ein speicher- und transportierbarer Energieträger. Dieser kann beispielsweise als chemischer Rohstoff, zur Energieversorgung oder für die Herstellung von Ammoniak und synthetischen Kraftstoffen eingesetzt werden.

Das vom Fraunhofer IWES koordinierte Verbundprojekt SeaEly lief von Oktober 2022 bis März 2026 und war Teil des Ideenwettbewerbs „Wasserstoffrepublik Deutschland“. Untersucht wurde die direkte Elektrolyse von Meer- und Brackwasser zur Erzeugung von Wasserstoff und Sauerstoff. Neben Fraunhofer IWES und Fraunhofer IFAM waren unter anderem die TU Berlin, die Whitecell Eisenhuth GmbH & Co. KG sowie das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik beteiligt. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Meerwasser mit weniger Aufbereitung nutzen

„Die Idee war, zu prüfen, bis zu welchem Reinheitsgrad man das Meerwasser direkt in der Elektrolyse einsetzen kann, ohne die Geräte zu überfordern“, erklärt Dr. Nadine Menzel, Gruppenleiterin Elektrochemie und Analytik am Hydrogen Lab Leuna des Fraunhofer IWES.

Im Projekt wurde untersucht, inwieweit Meerwasser in der Elektrolyse als alternative Ressource zu Trink- und Brauchwasser eingesetzt werden kann. Am Fraunhofer IFAM entwickelten die Forschenden dafür neue Membranen für die Elektrolyse von nicht gereinigtem Meerwasser. Diese wurden mit einem modularen elektrochemischen Prüfstand untersucht.

Der Prüfstand ermöglicht es, Materialien unter unterschiedlichen Betriebsbedingungen zu testen und anschließend gezielt zu analysieren. Dabei können unter anderem Ablagerungen, Veränderungen an Oberflächen sowie Korrosions- und Alterungsprozesse erfasst werden. Durch die Kombination von Materialentwicklung und Prüfung lässt sich die Stabilität der eingesetzten Komponenten unter verschiedenen Belastungen systematisch bewerten.

Membranen spielen eine zentrale Rolle

Bei der Wasserelektrolyse wird Wasser mithilfe von elektrischem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Eine wichtige Aufgabe übernimmt dabei die Membran. Sie trennt die beiden Reaktionsräume voneinander und ermöglicht gleichzeitig den für die elektrochemische Reaktion notwendigen Transport von Ionen. Vereinfacht funktioniert sie wie ein sehr feines Sieb, das bestimmte Ionen passieren lässt, während die entstehenden Gase möglichst voneinander getrennt bleiben.

Beim Einsatz von Meerwasser steigen jedoch die Anforderungen an die Komponenten. Chloride und weitere Inhaltsstoffe können Nebenreaktionen verursachen, sich auf Oberflächen ablagern oder Korrosions- und Alterungsprozesse begünstigen.

„Je unreiner wir mit unserem Elektrolyten werden, desto mehr stellt sich die Frage, wie lange halten unsere einzelnen Komponenten?“, sagt Andreas Brinkmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter aus der Abteilung Adhäsion und Grenzflächenforschung am Fraunhofer IFAM.

Materialien auf Verschleiß untersuchen

Um die Auswirkungen zu untersuchen, können am Fraunhofer IFAM verschiedene Elektrolyte und Zellkonfigurationen eingesetzt werden. Ergänzend zu elektrochemischen Messungen kommen Rasterelektronenmikroskopie, EDX, XPS und TOF-SIMS zum Einsatz. Damit lassen sich die Materialien nach den Versuchen detailliert analysieren. Auf diese Weise könne im Prinzip eine Verschleißgeschwindigkeit ermittelt werden, erklärt Brinkmann.

Parallel dazu entstand am Fraunhofer IWES ein größerer, multi-use-fähiger Prüfstand. Dort können unterschiedliche Elektrolysetechnologien und neu entwickelte Komponenten mit Brack- oder Salzwasser untersucht und miteinander verglichen werden. Dazu zählen PEM-, alkalische und AEM-Elektrolyse. Vielversprechende Materialien lassen sich so von kleineren Messzellen auf größere Aufbauten übertragen. Dadurch können die Forschenden neben dem Verhalten einzelner Materialien auch das Zusammenspiel mehrerer Zellen und weiterer Systemkomponenten untersuchen.

Langzeitstabilität rückt in den Fokus

Im Rahmen von SeaEly wurden Prüfstände und Komponenten für die Untersuchung der Elektrolyse mit Meer- und Brackwasser entwickelt und erste Machbarkeitsuntersuchungen durchgeführt. Die entstandene Infrastruktur schafft nun die Grundlage für systematische Langzeituntersuchungen. Im Mittelpunkt stehen dabei Alterung, Korrosion und Ablagerungen sowie die Frage, welchen Einfluss die Zusammensetzung des Elektrolyten auf die Lebensdauer der Komponenten hat.

Die im Projekt entwickelten Prüfstände werden bei Fraunhofer IFAM und Fraunhofer IWES auch nach Abschluss von SeaEly weiter eingesetzt. Untersucht werden damit unter anderem alternative Wasserquellen sowie die Eignung von Komponenten für die Elektrolyse. Darüber hinaus stehen die Prüfstände für Industrieprojekte und externe Anwendungen zur Verfügung.

Weitere Informationen

Quelle: Ungereinigtes Meerwasser im Elektrolyseur: Fraunhofer testet Materialien und Membranen

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Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei

08. Oktober 2026 um 08:01

Bereits seit mehreren Jahren führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt taucharchäologische Untersuchungen im Arendsee im Altmarkkreis Salzwedel durch. Dabei sorgten unter anderem jungsteinzeitliche Fischzäune, ein hochmittelalterlicher Prahm – ein flachbodiges Lastschiff – sowie ein spätmittelalterlicher Einbaum für Aufsehen.

Im Sommer 2026 gelang den Forschenden eine weitere außergewöhnliche Entdeckung. Die neuen Funde führen rund 10.500 Jahre zurück in eine Zeit, in der die Menschen noch nicht dauerhaft sesshaft waren und sich vom Jagen, Sammeln und Fischfang ernährten. In dieser als Mesolithikum oder Mittelsteinzeit bezeichneten Epoche lebte auch die Schamanin von Bad Dürrenberg. Auch am Ufer des Arendsees hielten sich nachweislich bereits Menschen auf.

Besondere Bedingungen erhalten jahrtausendealte Spuren

Eine geologische Besonderheit des Arendsees hat dazu beigetragen, dass die Spuren der damaligen Besiedlung und der einstigen Uferlandschaft außergewöhnlich gut erhalten geblieben sind. Anders als viele Binnengewässer, die im Laufe der Jahrtausende langsam verlanden, sinkt der Grund des Arendsees durch geologische Prozesse über einem im Untergrund liegenden Salzstock langsam ab. Dadurch befinden sich die mesolithischen Funde heute unter einer dünnen Sedimentschicht in etwa 20 Metern Tiefe und sind ausgezeichnet konserviert.

Neben den für diese Zeit typischen Funden wie Steingeräten und Tierknochen konnten die Taucher auch selten erhaltene Hölzer bergen. „Die Funde werfen ein ganz neues Licht auf die Mittelsteinzeit, für die Spuren von Bauten bislang in Mitteldeutschland nur in Form von Erdverfärbungen bekannt sind“, erklärt Landesarchäologe Harald Meller. Nach ersten Erkenntnissen könnte es sich bei einem 1,60 Meter hohen Pfahl mit Fällspuren und bis zu 1,30 Meter langen Spaltbrettern um Überreste ehemaliger Konstruktionen handeln.

Bei einem etwa 1,60 Meter hohen Pfahl aus dem Arendsee mit Fäll- und Bearbeitungsspuren könnte es sich um das tragende Element eines mittelsteinzeitlichen Bauwerks gehandelt haben. Quelle: Juraj Lipták´Copyright: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Welche Konstruktionen entstanden vor 10.500 Jahren?

Noch ist unklar, welchem Zweck die entdeckten Holzkonstruktionen dienten. „Ob wir hier Reste von Hütten, oder andere, bisher vollkommen unbekannte Holzkonstruktionen vor uns haben, ist Gegenstand der laufenden und zukünftigen Forschungen“, erläutert Marcel Weiß, Projektleiter auf Seiten des LDA Sachsen-Anhalt. Sollte sich zeigen, dass bereits vor 10.500 Jahren dauerhafte Bauten oder intensiv gestaltete Lebensräume existierten, könnte dies das bisherige Bild von Jägern und Sammlern verändern. Die Funde wären rund 3.000 Jahre älter als die Langhäuser der ersten Bauern in Mitteleuropa.

Bislang wird die grundlegende Umgestaltung der natürlichen Umwelt zu Kulturlandschaften vor allem mit den ersten Bauern verbunden, die um 5.500 vor Christus nach Mitteldeutschland einwanderten. Die Unterwasserarchäologie am Arendsee könne daher eine besondere Möglichkeit bieten, mehr über die Wurzeln moderner Kulturlandschaften zu erfahren.

Unterwasserroboter kartiert die Fundstelle

Nach der Entdeckung im Frühjahr 2026 wurden weitere Proben und einzelne Funde geborgen, um Alter und Ausdehnung der Fundstelle genauer zu bestimmen. In einer zweiten Kampagne arbeitete das LDA Sachsen-Anhalt mit dem Fraunhofer IOSB-AST in Ilmenau zusammen. Mithilfe eines Remote Operated Vehicles (ROV), eines ferngesteuerten Unterwasserroboters, entstanden hochauflösende Sonarscans des einstigen Uferreliefs.

Durch die genaue Bestimmung der einzelnen Fundlagen sollen Verdachtsflächen eingegrenzt und weitere unterwasserarchäologische Untersuchungen gezielt geplant werden. „Die Unterstützung der Arbeiten unter Wasser mit modernsten Technologien, die am Fraunhofer Institut in Ilmenau entwickelt werden, ist für die Archäologie von unschätzbarem Wert“, sagt Sven Thomas, Taucheinsatzleiter des LDA Sachsen-Anhalt am Arendsee.

Die rund 10.500 Jahre alten Funde aus dem Arendsee könnten neue Einblicke in die Zeit der Schamanin von Bad Dürrenberg ermöglichen. Sie steht derzeit im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Die Schamanin“ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale).

 

 


Quelle: Reste von über 10.000 Jahre alten mittelsteinzeitlichen Holzkonstruktionen im Arendsee gefunden

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Weltmeere im Wärmecheck: Messungen zeigen Abweichungen von Klimamodellen

06. Oktober 2026 um 12:35

Die Erde nimmt derzeit mehr Wärme auf, als sie ins Weltall abgibt. Rund 90 Prozent dieser zusätzlichen Wärme werden von den Ozeanen aufgenommen. Das wirkt sich unter anderem auf den Meeresspiegel, marine Hitzewellen und Wetterphänomene wie El Niño aus.

Wie sich die Wärme innerhalb der Ozeane verteilt, lässt sich bislang mit frei treibenden Tauchbojen nur unvollständig erfassen. Forschende der Universität Bonn kombinieren deshalb Messungen dieser Bojen mit Satellitendaten zum Meeresspiegel. Auf dieser Grundlage können sie monatliche Karten erstellen und die Erwärmung des gesamten Ozeans rekonstruieren.

Messdaten und Klimamodelle zeigen Unterschiede

Über alle Weltmeere betrachtet stimmen die Ergebnisse der Forschenden weitgehend mit den Klimamodellen überein. Bei einzelnen Ozeanbecken zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede zu den Modellsimulationen, die teilweise im zweistelligen Prozentbereich liegen. Besonders auffällig war die Entwicklung zwischen 2005 und 2015: In diesem Zeitraum nahm der Indische Ozean ungewöhnlich viel Wärme auf. Über die vergangenen 20 Jahre entfiel jeweils etwa ein Drittel der zusätzlichen Wärme auf Pazifik, Atlantik und Indischen Ozean. Nach Angaben der Forschenden deutet dies auf einen Wärmetransport zwischen den Ozeanen hin.

Für ihre Untersuchung kombinieren die Forschenden Bojenmessungen mit Daten verschiedener Satelliten. Radaraltimetersatelliten erfassen den Meeresspiegel sehr genau. Da sich Wasser bei steigenden Temperaturen ausdehnt, führt die Erwärmung zu einem Anstieg des Meeresspiegels im Millimeterbereich – ähnlich wie bei der Flüssigkeit in einem Thermometer.

Allerdings steigt der Meeresspiegel auch durch schmelzende Gletscher und Eisschilde. Um diesen Einfluss herauszurechnen, nutzt das Forschungsteam Messungen der GRACE-Satelliten. So lässt sich die Erwärmung des gesamten Ozeans bestimmen und ihre räumliche Verteilung abbilden. Die Bojendaten liefern zusätzlich Informationen über die Erwärmung der oberen Ozeanschichten. Dadurch können die Forschenden abschätzen, wie sich die zusätzliche Wärme in unterschiedlichen Tiefen verteilt.

Aufnahme von Wärmeenergie (OHU) in den großen Ozeanbecken, wie aus Satellitenmessungen der letzten 20 Jahre ermittelt. Copyright: Abbildung: Bernd Uebbing/Uni Bonn

Regionale Unterschiede genauer berücksichtigen

Ein neuer Bestandteil der Methode ist die Berechnung des Wärmeausdehnungskoeffizienten für verschiedene Regionen des Ozeans. Bislang wurde dieser Wert häufig als überall gleich angenommen. Nach Angaben der Forschenden kann dies zu erheblichen Fehlern führen.

Für die Untersuchung mussten große und sehr unterschiedliche Datensätze einheitlich ausgewertet werden. Moderne Rechenverfahren helfen dabei, Unterschiede in der Datenverteilung zu berücksichtigen und mögliche Fehlinterpretationen zu minimieren. Die Wärmeaufnahme und -verteilung in den Ozeanen kann sich innerhalb weniger Jahre deutlich verändern. Die Ursachen und Folgen dieser Veränderungen sind bislang noch nicht vollständig verstanden. Umso wichtiger seien langfristige und verlässliche Messungen durch Satelliten und Messsysteme im Meer.

Nach Ansicht der Forschenden sollte sich die Klimapolitik zudem nicht allein an der Entwicklung der mittleren Landoberflächentemperaturen orientieren. Der Ozean und insbesondere der Meeresspiegelanstieg seien als „Thermometer des Erdsystems“ besser geeignet, da sie deutlich geringeren Schwankungen unterliegen.

Analyse soll auf frühere Jahrzehnte ausgeweitet werden

Im nächsten Schritt wollen die Forschenden ihre Analyse auf frühere Jahrzehnte ausweiten. Da vor 1993 weniger Satellitendaten verfügbar sind, sollen dafür historische Messungen herangezogen werden. Künftig sollen außerdem Daten der Satelliten GRACE-C und NGGM in die Untersuchungen einfließen.


Originalpublikation: ESSD – Improving global and regional ocean heat content by consistently combining GRACE gravity, satellite altimetry and Argo profile observations in a joint inversion framework

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Innovationspreis für Echtzeitmonitoring im Gewässerschutz

05. Oktober 2026 um 12:20

wilde-natur.org gGmbH und der UHV 20 „Untere Oste“ sind beim niedersächsischen Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss 26“ mit dem Innovationspreis ausgezeichnet worden. Prämiert wurde das gemeinsame Projekt „Mehr Wasser für die Aue – Zuwässerung und Echtzeitmonitoring kombiniert“.

Gewässerentwicklung trifft auf moderne Messtechnik

Mit der Auszeichnung wird ein Ansatz gewürdigt, der praktische Gewässerentwicklung mit moderner Umwelttechnik verbindet. Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist Nala, eine von wilde-natur.org entwickelte Lösung zur kontinuierlichen Beobachtung wichtiger Gewässerparameter.

Nala soll Veränderungen im Gewässer frühzeitig sichtbar machen und dazu beitragen, kritische Entwicklungen zu erkennen, bevor ökologische Schäden bereits deutlich sichtbar sind. Dafür werden Messdaten aus dem Gewässer kontinuierlich erfasst. Sie können als Grundlage für frühzeitige Einschätzungen und gezieltes Handeln dienen.

Veränderungen in Flüssen frühzeitig erkennen

„Für uns ist diese Auszeichnung vor allem eine Bestätigung dafür, dass Gewässerschutz und technologische Innovation zusammengehören können“, sagt Elke Freimuth, Geschäftsführerin von wilde-natur.org gGmbH. „Flüsse senden ständig Signale. Mit Nala wollen wir helfen, diese Signale früher zu verstehen und Veränderungen sichtbar zu machen. Genau darin sehen wir einen wichtigen Baustein für einen vorsorgenden Gewässerschutz.“

Der Innovationspreis wurde im Rahmen des niedersächsischen Gewässerwettbewerbs „Bach im Fluss 26“ vergeben. Ausgezeichnet wurden wilde-natur.org gGmbH und der UHV 20 „Untere Oste“ gemeinsam für das Projekt „Mehr Wasser für die Aue – Zuwässerung und Echtzeitmonitoring kombiniert“. Bei der Preisübergabe wurde das Projekt auch durch Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer gewürdigt.

Nala soll Entscheidungsgrundlagen verbessern

Für wilde-natur.org ist die Auszeichnung ein wichtiger Meilenstein bei der Weiterentwicklung von Nala als praxisnahes Instrument für mehr Transparenz über die Gesundheit von Flüssen. Ziel ist es, ökologische Veränderungen frühzeitig erkennbar zu machen und damit bessere Entscheidungsgrundlagen für Gewässerschutz, Wasserwirtschaft sowie regionale Akteurinnen und Akteure zu schaffen.


Quelle: wilde-natur.org

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Lorraine Frega übernimmt Leitung von GF Building Flow Solutions

02. Oktober 2026 um 07:44

Der Verwaltungsrat von GF hat Lorraine Frega mit Wirkung zum 18. November 2026 zur neuen Präsidentin von GF Building Flow Solutions ernannt. Gleichzeitig wird sie Mitglied der Konzernleitung.

Lorraine Frega kommt von der Michelin-Gruppe in Frankreich zu GF. Dort gehört sie seit 2021 der Konzernleitung an und verantwortet drei globale Geschäftsbereiche sowie Strategie, Services & Solutions, nachhaltige Entwicklung und die Region China. Sie bringt umfassende internationale Führungserfahrung und strategische Expertise in der Wasserindustrie mit. Die gebürtige Französin lebt in der Schweiz und folgt auf GF CEO Andreas Müller, der die Division GF Building Flow Solutions seit März 2026 interimistisch leitet.

Langjährige Erfahrung in der Wasserindustrie

Vor ihrer Tätigkeit bei Michelin war Lorraine Frega Verwaltungsratsmitglied und Chief Strategy Officer des Wasseraufbereitungsunternehmens Shanghai Winner Environmental Technologies. Zudem arbeitete sie als Investment Principal bei Global Water Development Partners mit einem Schwerpunkt auf Investitionen in die Wasserinfrastruktur.

Weitere berufliche Stationen führten sie zu Veolia Water in Paris und Hongkong. Lorraine Frega verfügt über einen MBA der Harvard Business School sowie einen Master of Science in Management der HEC School of Management in Paris.

GF setzt auf internationale Führungserfahrung

«Lorraine verfügt über einen überzeugenden Leistungsausweis in der Wasserindustrie sowie über umfassende Erfahrung in der Führung von Unternehmen mit Multi-Channel-Vertrieb. Dies wird GF Building Flow Solutions unterstützen, profitables Wachstum zu beschleunigen und die Kundennähe zu stärken», sagte Andreas Müller, GF CEO. «Ich freue mich sehr, sie bei GF willkommen zu heissen, während wir unsere Strategie 2030 weiter umsetzen und unser Ziel vorantreiben, weltweit führend im Bereich Flow Solutions zu werden.»

Lorraine Frega wird künftig gemeinsam mit CEO Andreas Müller, CFO Mads Joergensen und Thomas Hary, Präsident von GF Industry and Infrastructure Flow Solutions, der Konzernleitung von GF angehören.


Quelle: Georgfischer.com

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Amazon, Microsoft und NABU starten Projekt zur Grundwasserneubildung

01. Oktober 2026 um 07:51

Amazon und Microsoft Deutschland haben ein gemeinsames Projekt zur Wasserrückführung in Hessen angekündigt. Umgesetzt wird es vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) gemeinsam mit regionalen Partnern und Behörden. In der Region Vogelsberg sollen auf 40 Hektar natürliche Bedingungen für Feuchtgebiete wiederhergestellt werden.

Der Vogelsberg ist ein bedeutendes Gebiet für die Wassergewinnung und liefert einen erheblichen Teil des Frankfurter Trinkwassers. Der NABU setzt das Projekt mit Finanzierung von Amazon und Microsoft um. Unterstützt durch Amazons Beitrag von über 2,9 Millionen Euro soll das Projekt nach Fertigstellung jährlich voraussichtlich mehr als 750 Millionen Liter Wasser in die lokale Grundwasserversorgung zurückführen. Damit sollen die Wasserressourcen für die Stadt Frankfurt und umliegende Gemeinden gestärkt werden.

Für Amazon ist es die dritte Initiative zur Wasserrückführung in Deutschland. Zuvor hatte das Unternehmen ein Programm zur Leckageerkennung in städtischen Gebieten in Frankfurt mit Shayp sowie die Renaturierung von Feuchtgebieten im Spessart mit EcoTree angekündigt. Zusammengenommen sollen durch Amazons Beitrag zu den drei Projekten voraussichtlich jährlich mehr als 920 Millionen Liter Wasser an Gemeinden und Ökosysteme in der Großregion Frankfurt zurückgeführt werden. Das Projekt greift die wachsende Erkenntnis im Wassersektor auf, dass die Stärkung der regionalen Wasserresilienz gemeinsames Handeln erfordert. Unternehmen, Umweltorganisationen, Grundstücksbesitzer und Behörden arbeiten dabei zusammen, um gemeinsame Herausforderungen auf Ebene der betroffenen Einzugsgebiete zu bewältigen.

Das Vorhaben trägt außerdem zu Amazons Ziel bei, bis 2030 mehr Wasser an Gemeinden zurückzuführen, als das Unternehmen im direkten Betrieb seiner Rechenzentren verbraucht.

„Effiziente Wassernutzung gehört zu unserer Arbeitsweise, aber das ist ein Anfang, nicht das Ziel. Wir wollen aktiv dazu beitragen, die Wassersysteme vor Ort zu verbessern, auf die Gemeinden jeden Tag angewiesen sind. Der NABU weiß, was bei der Renaturierung natürlicher Landschaften funktioniert, und wir sind stolz darauf, dass wir ihn dabei unterstützen, noch mehr davon umzusetzen“, sagt Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS Deutschland.

Feuchtgebiete sollen Wasserspeicherung verbessern

Der Vogelsberg, die größte zusammenhängende Vulkanregion Mitteleuropas, verfügt über erhebliches Potenzial für die Grundwasserneubildung. Die Grundwasserreserven der Region sind eine zentrale Trinkwasserquelle für Frankfurt und umliegende Gemeinden. Angesichts eines steigenden Bedarfs und sich verändernder Klimamuster gewinnt die Wiederherstellung der natürlichen Fähigkeit der Landschaft, diese Reserven aufzufüllen, für die langfristige Resilienz der regionalen Wasserversorgung an Bedeutung.

Gleichzeitig wächst in den Gemeinden der Frankfurter Region das Bestreben, die natürliche Fähigkeit der Landschaft zur Speicherung und Filterung von Wasser wiederherzustellen. Damit sollen die Folgen von Entnahme, künstlicher Entwässerung und intensiver Landwirtschaft rückgängig gemacht werden.

In Zusammenarbeit mit rund zehn lokalen Grundstücksbesitzern wird der NABU ab 2026 schrittweise insgesamt 80 Hektar Land in den Projektgebieten „Alte Hasel“ und „Eisenbachaue“ bei Herbstein erwerben. Weitere Flächenkäufe sind bis Ende 2028 geplant. Auf 40 Hektar sollen mit bewährten naturbasierten Ansätzen die natürlichen Bedingungen wiederhergestellt werden. Dazu gehören die Entfernung künstlicher Entwässerungssysteme sowie die Schaffung von Flachwasserzonen und Mulden, die den Wasserabfluss verlangsamen und die Versickerung erhöhen. Zudem ist eine extensive Grünlandbewirtschaftung vorgesehen, um Nährstoffeinträge in Gewässer zu verringern. Die Arbeiten werden gemeinsam mit der Stadt Herbstein und örtlichen Landwirten durchgeführt.

„Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der NABU mit Gemeinden im Vogelsberg an der Wiederherstellung natürlicher Wassersysteme. Diese Investition ermöglicht es uns, unsere Initiative deutlich auszuweiten. Das Projekt wird jährlich Hunderte Millionen Liter Wasser in den Boden zurückführen und zugleich Lebensräume für Arten wie das Braunkehlchen schaffen, die aus Deutschlands Tiefebenen verschwinden“, erklärt Ingo Ammermann, Bundesgeschäftsführer des NABU.

„Wasser ist eine gemeinsame Ressource und damit auch eine gemeinsame Verantwortung. Deshalb braucht es Partnerschaften, die lokale Expertise, Wissenschaft und die Möglichkeiten der Privatwirtschaft zusammenbringen. Dass Microsoft und Amazon hier gemeinsam mit dem NABU investieren, zeigt, dass wir als Branche Verantwortung übernehmen und mit konkreten Projekten vor Ort einen messbaren Unterschied machen können“, sagt Christian Schätz, COO von Microsoft Deutschland.

Neue Lebensräume für gefährdete Arten

Neben der Grundwasserneubildung soll das Projekt auch neue Lebensräume für Arten schaffen, deren Bestände in der Region erheblich zurückgegangen sind. Dazu zählen Braunkehlchen, Bekassinen, Bruchwasserläufer und Schnatterenten.

Das kühlere Klima des Vogelsbergs macht die Region zudem zu einem potenziellen Rückzugsgebiet für Arten, die durch die Erwärmung aus umliegenden Tieflandgebieten verdrängt werden. Dieser positive Effekt ist bereits durch vergleichbare NABU-Projekte in der Region belegt. Die Auswirkungen auf die Artenvielfalt sollen durch ein jährliches Monitoring von Säugetieren, Vögeln, Insekten, Amphibien und Reptilien zwischen 2028 und 2038 erfasst werden. Damit sollen über mehr als ein Jahrzehnt hinweg Erkenntnisse zu den ökologischen Ergebnissen des Projekts gewonnen werden.

Mehr als 70 Wasserprojekte weltweit

Amazon hat weltweit mehr als 70 Projekte zur Wasserrückführung angekündigt. Diese sollen jährlich voraussichtlich mehr als 40 Milliarden Liter Wasser an Gemeinden und Wassereinzugsgebiete zurückführen. Die Maßnahmen reichen von der Leckageerkennung in städtischen Gebieten über die Renaturierung von Feuchtgebieten bis zur Steigerung der Bewässerungseffizienz. Damit investiert Amazon in Lösungen, die Gemeinden bei der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Wasserressourcen unterstützen sollen.

Über das Wassermanagement hinaus ist Amazon der größte privatwirtschaftliche Abnehmer CO2-freier Energie in Europa mit mehr als 260 Projekten, die mehr als zehn Gigawatt Kapazität in der Region bereitstellen.


Quelle: LEWIS Communications GmbH

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Niedrigwasser hält an: So können Kommunen ihre Gewässer schützen

01. Oktober 2026 um 07:42

Die seit Monaten anhaltende Trockenheit in Baden-Württemberg ist nach wie vor akut, es gibt keine Entwarnung, was die Niedrigwasser-Situation im gesamten Land betrifft. 01Sie können die Herbst- und Wintermonate dafür nutzen, um ihre Bäche und Flüsse widerstandsfähiger gegen die immer häufiger auftretenden Trockenheits-Phasen zu machen. Beispielsweise durch die Beschattung der Gewässer durch Baumpflanzaktionen oder den Bau von Fischunterständen schützen sie Flora und Fauna. Die Fachleute des Kompetenzzentrums Wasser und Boden der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) unterstützen Kommunen mit Informationen und Praxisbeispielen.

Vitale Gewässer sind gegenüber Niedrigwasser resilienter und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität natürlicher Ökosysteme sowie zur Lebensqualität der Bevölkerung. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, tragen zu einem ausgeglichenen Wasserhaushalt bei und wirken als natürliche Puffer bei Hitze und Niedrigwasser sowie bei Hochwasser und Starkregen.

Historisches Wasserdefizit im Südwesten

Die Folgen des heißen Sommers sind nach wie vor im ganzen Land spürbar, die Niedrigwasser-Situation hält bis jetzt an. Das zuständige Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) hat gemessen, wie weit verbreitet Wassermangel und Trockenheit im Land sind. Seit November 2025 mit Ausnahme des Februars waren alle Monate deutlich zu trocken. Im August 2026 etwa hat es in Baden-Württemberg im Durchschnitt nur 63 Millimeter geregnet; der typische Augustniederschlag liegt bei 95 Millimeter. Laut NIZ erlebt der Südwesten zurzeit ein historisches Wasserdefizit.

Niedrigwasser ist nicht nur ein Problem der Sommermonate, sondern es begleitet die Menschen das ganze Jahr über – künftig könnte sich das noch ausweiten. Dabei sind Trockenheit, Hitze und Niedrigwasser eine große Belastung für Flora und Fauna in und um die Gewässer im Südwesten. Fehlende Beschattungen an den Ufern machen unter anderem die Flüsse immer wärmer, das bedeutet weniger Sauerstoff im Wasser und damit Stress für die darin lebenden Fische und wirbellose Kleinstlebewesen wie Insektenlarven, Würmer und Schnecken.

Hitze und Trockenheit setzen Gewässer zunehmend unter Druck

Die Wassertemperaturen sind zuletzt deutlich gestiegen: In Flüssen kommt es immer öfter zu sehr hohen Wassertemperaturen. Rhein, Donau und Neckar hatten Temperaturen von über 25 Grad Celsius im Tagesmittel. Zusätzlich treten in den Sommermonaten zunehmend lange Trockenphasen mit ausgeprägten Niedrigwasserphasen auf. Der sinkende Grundwasserspiegel trocknet die Gewässerauen aus, gleichzeitig häufen sich Starkregenereignisse.

Natürliche Gewässer sind widerstandsfähiger gegenüber diesen Entwicklungen als verbaute Bäche und Flüsse. „Der Ausbau der Ufervegetation zum Beschatten und das Anlegen von Rückzugsgebieten für kälteliebende Fische sind wichtige Schritte hin zu mehr Widerstandsfähigkeit“, sagt Georg Kahles von der KEA-BW, Leiter des Kompetenzzentrums. „Die Monate Oktober bis Februar eignen sich ideal, um Unterhaltungsarbeiten wie das Pflanzen von Bäumen und den Bau von Fischunterständen voranzutreiben. Natürlich müssen hier der Hochwasserschutz und andere Aspekte, wie etwaige Fischlaichzeiten berücksichtigt werden.“

Ufergehölze als natürlicher Hitzeschutz

Bäume und Gehölz an Ufern von Bächen und Flüssen erfüllen wichtige Aufgaben. Sie wirken wie natürliche Klimaanlagen für die Gewässer und schützen vor einer intensiven Erwärmung. Vitale Gewässer mit natürlichen und vielfältigen Gewässerstrukturen verfügen über genügend Raum, Ufergehölz zur Beschattung und natürliche Abflussverhältnisse. Darüber hinaus können sie Extremwetterereignisse besser abpuffern.

Viele Bäche und Flüsse wurden in der Vergangenheit jedoch stark verbaut und haben diese natürlichen Fähigkeiten eingebüßt. Das Anpflanzen von Schatten spendenden Bäumen und Sträuchern ist daher eine wirkungsvolle Maßnahme hin zu mehr Resilienz.

„Geeignete Baumarten für die Pflanzung an Ufern sind beispielsweise Schwarz-Erlen, Baumweiden, Flatter-Ulmen und Schwarzpappeln“, so Martina Bachmann, Expertin für Gewässerunterhaltung bei der KEA-BW. „Wichtig ist es, die Bäume oder Sträucher möglichst nah an der Uferlinie zu pflanzen. Dann bieten die Baumwurzeln später auch noch Struktur und natürliche Unterstände für Fische.“

Konkrete Planungen sind mit der unteren Naturschutzbehörde und der unteren Wasserbehörde abzuklären.

Kühle Rückzugsorte für Fische schaffen

Hinzu kommt: Kälteliebende Fische wie Bachforellen geraten angesichts der klimatischen Entwicklung immer mehr unter Temperaturstress. In naturnahen Gewässern bieten natürliche Vertiefungen und tiefe Rinnen am Boden den Fischen wichtige kühlere Rückzugsräume. In verbauten Gewässern fehlen diese natürlichen Grundlagen. Hier können künstliche Kaltwasserpools helfen. Das sind künstlich angelegte Vertiefungen am Gewässergrund, die durch Grundwasser oder kalte Zuflüsse gespeist werden. Das kühlere Wasser bietet Äschen und Bachforellen bei niedrigen Wasserständen und hohen Temperaturen einen Rückzugsbereich.

Eine weitere sinnvolle Baumaßnahme zum Schutz der Fische ist das Errichten von künstlichen Fischunterständen.

„Mit Fischunterständen schaffen Gemeinden für die heißen Monate Ausweichorte für die dort vorkommenden Fischarten“, sagt Georg Kahles. „Fischunterstände sind überall dort sinnvoll, wo natürliche Unterstände wie Wurzeln nicht mehr vorhanden sind.“

Künstlich geschaffene Fischunterstände sollten von der Beschaffenheit her an die Art der Fische angepasst werden. Großwüchsige Schwarmfische wie Nasen und Barben brauchen große und tiefe Unterstände, während Bachforellen kleinere Unterstände bevorzugen. Praktische Kompaktinfos und Bausteckbriefe zu den genannten und weiteren Maßnahmen finden Interessierte in den gemeinsam vom Kompetenzzentrum Wasser und Boden sowie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) erarbeiteten Broschüren der Reihe Vitale Gewässer:

Kompaktinfos Bausteckbriefe

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat die Beschattungspotenziale für Fließgewässer anhand einer Modellierung dargestellt. Auf https://umweltdaten.lubw.baden-wuerttemberg.de/ einfach den Begriff Fließgewässer eingeben.

Das Kompetenzzentrum Wasser und Boden der KEA-BW betreibt seit über 30 Jahren das Netzwerk der Gewässernachbarschaften. Die 43 Gewässernachbarschaften in Baden-Württemberg vernetzen Fachleute aus Kommunen, Landesverwaltung und weitere Akteure, um Methoden einer naturgemäßen Gewässerentwicklung und -unterhaltung praxisnah zu vermitteln. Eingeladen sind alle Personen, die vor Ort mit der Unterhaltung von Gewässern betraut sind: https://wasserundboden.kea-bw.de/zielgruppen-und-netzwerke/gewaessernachbarschaften


Quelle: KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH

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Berlin setzt bei Klimaanpassung auf Spiel- und Planungstool

30. September 2026 um 10:07

Mit zwei neuen digitalen Angeboten soll die Schwammstadt in Berlin anschaulicher und besser planbar werden. Während das Browser-Spiel „Schwammtastisch“ das Thema Klimaanpassung spielerisch vermittelt, unterstützt der Blau-Grüne Infrastrukturplaner (BGI-Planer) bei Planungsentscheidungen. Beide Anwendungen zeigen, wie blau-grüne Infrastruktur dazu beitragen kann, Berlin widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Schwammstadt spielerisch entdecken

Mit dem Browser-Spiel „Schwammtastisch“ können Berliner ausprobieren, wie sich ihre Stadt durch Pflanzstreifen, Bäume, Dachbegrünung, Regenwassernutzung und weitere blau-grüne Maßnahmen verändern lässt. Dabei wird vermittelt, welchen Beitrag die einzelnen Elemente leisten können, um Regenwasser zu speichern, Hitze zu reduzieren, Gewässer zu schützen und die Biodiversität zu fördern. Zur Verfügung stehen 14 Ansichten realer Orte wie Straßen und Schulhöfe in allen zwölf Berliner Bezirken. Diese können mit verschiedenen Maßnahmen der blau-grünen Infrastruktur umgestaltet werden. Durch das Platzieren und Kombinieren von Puzzleteilen wie Bäumen, Versickerungsmulden oder Zisternen sammeln die Spielenden Punkte und erfahren gleichzeitig, wie unterschiedliche Maßnahmen zusammenwirken.

Auf diese Weise soll Klimaanpassung auch ohne Vorwissen verständlich und altersunabhängig vermittelt werden. Das kostenfreie Spiel wird von der Berliner Regenwasseragentur betreut und ist über deren Website verfügbar.

BGI-Planer unterstützt frühe Planungsphasen

Während „Schwammtastisch“ ein breites Publikum anspricht, wurde der Blau-Grüne Infrastrukturplaner vor allem für die Verwaltung entwickelt. Die kartenbasierte Webanwendung ist jedoch für alle zugänglich. Sie soll dabei helfen, blau-grüne Maßnahmen in städtebauliche Projekte zu integrieren und die Widerstandsfähigkeit Berlins insbesondere gegenüber Starkregen und Hitze zu erhöhen.Der BGI-Planer ist in drei Module gegliedert. Das erste Modul dient dazu, Handlungsbedarfe und Herausforderungen zu identifizieren. Dafür stehen Karten und Checkfragen zu Starkregen, Hitze, Versiegelung, Wasserhaushalt und Gewässerschutz zur Verfügung.

Im zweiten Modul lassen sich Machbarkeit und mögliche Hemmnisse prüfen. Dazu gehören unter anderem Potenzialkarten für Gründächer sowie Informationen zu Faktoren wie Denkmalschutz oder Baumbestand. Das dritte Modul dient der Planung und Bewertung konkreter Maßnahmen. Dafür stehen Steckbriefe, ein Wasserhaushaltsmodell, eine Gewässermodellierung sowie Modellszenarien zu Hitze und Starkregen zur Verfügung.

Offene Daten für die Planungspraxis

Der bislang prototypische BGI-Planer greift auf offene Daten aus dem Geoportal Berlin zurück. Die Anwendung wurde mit offenen Frameworks umgesetzt und der Quellcode unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht.

Ziel ist es, komplexes Wissen zur Klimaanpassung für die Verwaltungspraxis nutzbar zu machen. Effektabschätzungen sollen bereits während der Planung zeigen, an welchen Stellen beispielsweise eine neue Versickerungsmulde, ein begrüntes Dach oder eine entsiegelte Fläche besonders wirksam sein kann.

Drei digitale Angebote aus dem SmartWater-Projekt

Das Online-Spiel und der BGI-Planer wurden ebenso wie das bereits im Mai 2026 vorgestellte Hochwasser-Infoportal im Rahmen des Projekts SmartWater entwickelt. Beteiligt sind das Kompetenzzentrum Wasser Berlin, die Technologiestiftung Berlin, die Berliner Regenwasseragentur, die Berliner Wasserbetriebe, die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung sowie für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und die Bezirksämter Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow.

SmartWater wird vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin koordiniert und ist Teil der Modellprojekte Smart City der Senatskanzlei Berlin. Gefördert wurde das Projekt von der Senatskanzlei Berlin sowie durch das Bundesbauministerium und die KfW.


Quelle: Berliner Wasserbetriebe

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Verborgene Welt in Fischkiemen: Forschende entdecken neue Bakterien

29. September 2026 um 12:24

Forschende des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg haben bislang unbekannte Mikroorganismen in den Kiemen von Korallenrifffischen entdeckt. Die Bakterien könnten vielfältige Stoffwechselfunktionen übernehmen. Besonders häufig stieß das Team auf eine neue Gruppe von Proteobakterien mit chemosynthetischem Potenzial.

Solche Bakterien können durch die Oxidation anorganischer Verbindungen Energie gewinnen und diese nutzen, um Kohlendioxid in Biomasse zu fixieren. Bekannt sind Mikroorganismen mit chemosynthetischen Fähigkeiten bereits aus verschiedenen marinen Lebensräumen und von wirbellosen Wirten wie Ringelwürmern und Weichtieren. Bei Fischen wurden sie nach Kenntnis der Forschenden bislang jedoch noch nicht dokumentiert.

Die Ergebnisse der in PLOS Genetics veröffentlichten Studie zeigen zugleich, dass Fischkiemen ein komplexes und spezialisiertes Mikrobiom beherbergen. Dieses ist bislang wenig erforscht, könnte aber eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel, die Immunabwehr und die Gesundheit der Fische spielen.

Vom vermeintlichen Störfaktor zum Forschungsgegenstand

Für ihre Untersuchung griffen die Wissenschaftler auf Daten früherer Genomstudien an tropischen Hamletbarschen (Hypoplectrus spp.) aus der gesamten Karibik zurück. Dafür waren Hunderte Kiemenproben untersucht und die gesamte DNA in den Gewebeproben – das sogenannte Metagenom – sequenziert worden. Der Datensatz enthielt dadurch nicht nur die DNA der Fische, sondern auch die ihrer mikrobiellen Kiemenbewohner.

Ursprünglich interessierte sich das Team ausschließlich für die Fisch-DNA, um die Artbildung und Evolution der Tiere zu untersuchen. Die mikrobielle DNA sollte dagegen unberücksichtigt bleiben. Schließlich entschieden sich die Forschenden jedoch dafür, ihren Datensatz aus einer völlig anderen Perspektive zu analysieren.

„Früher haben wir uns bei unserer Arbeit ausschließlich auf die Fisch-DNA konzentriert und mikrobielle DNA als Verunreinigung betrachtet“, erinnert sich Oscar Puebla, Fischökologe am ZMT und Professor für Fischökologie am ICBM der Universität Oldenburg. „Eines Tages dachten wir uns: Warum betrachten wir die Sache nicht einmal aus der umgekehrten Perspektive, untersuchen das Mikrobiom der Kiemen und lassen die Fisch-DNA außer Acht?“

Aus diesem Perspektivwechsel entstanden neue Forschungsfragen. An den Untersuchungen waren neben ZMT und ICBM auch Kollegen vom Helmholtz-Institut für funktionelle marine Biodiversität (HIFMB) in Oldenburg sowie von den Universitäten Hongkong und Chicago beteiligt.

„Unser Plan bestand nun darin, herauszufinden, welche Mikroorganismen in den Kiemen dieser Fische leben, und so neue Aufschlüsse in das noch wenig erforschte Kiemenmikrobiom zu erlangen“, erklärt Sabrin Abdelghany, ehemalige Doktorandin am ZMT und Erstautorin der Studie.

Die Kiemen sind dabei ein besonders interessanter Lebensraum. Ihr Co-Autor Martin Helmkampf vom ZMT ergänzt: „Die Kiemen sind eine wichtige Schnittstelle zwischen dem Körper des Fisches und seiner Umwelt. Sie sind nicht nur für den Gasaustausch bei der Atmung von Bedeutung, sondern auch für die Immunabwehr, die Ausscheidung von Abfall- und Stoffwechselprodukten sowie für die Regulierung des pH-Werts und des Salzhaushalts im Körper.“

Weniger als fünf Prozent der DNA liefern neue Erkenntnisse

Mehr als 95 Prozent der aus den Kiemen gewonnenen DNA stammten von den Hamletbarschen. Auf die mikrobielle DNA entfielen weniger als fünf Prozent. Dieser vergleichsweise kleine Anteil genügte jedoch, um neue Erkenntnisse über das Kiemenmikrobiom zu gewinnen.

Den Forschenden gelang es, 70 bakterielle Genome aus insgesamt 17 Bakteriengruppen zu rekonstruieren. Die Mehrzahl dieser Bakterien war neu für die Wissenschaft. Zudem unterschied sich das Kiemenmikrobiom deutlich von der Gemeinschaft der Mikroorganismen im umgebenden Meerwasser. Die Zusammensetzung spricht nach Angaben der Forschenden dafür, dass das Mikrobiom der Kiemen nicht lediglich das Meerwasser-Mikrobiom widerspiegelt, mit dem die Tiere ständig in Kontakt kommen. Vielmehr scheint es speziell an das Leben auf den Kiemen angepasst zu sein.

Puebla sagt: „Die Gene in diesen neuen Bakteriengenomen deuten darauf hin, dass die in den Kiemen gefundenen Mikroorganismen eine Vielzahl von Stoffwechselfunktionen ausüben können, darunter zahlreiche potenzielle metabolische Wechselwirkungen sowohl zwischen verschiedenen Bakterien als auch zwischen den Bakterien und den Fischen.“

Hinweise auf Chemosynthese in den Fischkiemen

Eine weitere Entdeckung überraschte das Forschungsteam: Die am häufigsten in den Kiemen vorkommenden Bakterien verfügen über sämtliche Gene, die für die Chemosynthese erforderlich sind. Damit besitzen sie das Potenzial, Kohlendioxid zu binden. Die dafür benötigte Energie beziehen sie – anders als Pflanzen – nicht aus Sonnenlicht, sondern aus der Oxidation anorganischer Verbindungen.

„Wir haben die DNA von Proteobakterien aus der Familie der Burkholderiaceae mit chemosynthetischem Potenzial nachgewiesen“, berichtet Sabrin Abdelghany. „Bakterien mit solchen chemosynthetischen Fähigkeiten wurden bereits in verschiedenen Meereslebensräumen wie Tiefsee-Hydrothermalquellen oder in Verbindung mit Wirbellosen wie Ringelwürmern und Weichtieren gefunden. Nach unserem Kenntnisstand wurden sie bislang jedoch noch nicht bei Fischen dokumentiert.“

Bedeutung des Kiemenmikrobioms noch weitgehend unbekannt

Die Ergebnisse zeigen den Forschenden zufolge, dass die Kiemen ein komplexes und spezialisiertes Mikrobiom beherbergen. Welche Bedeutung diese Mikroorganismen für die Fische haben, ist allerdings noch weitgehend offen. Möglich ist, dass sie eine Rolle für Stoffwechsel, Immunsystem und Gesundheit spielen. Die neuen Erkenntnisse werfen deshalb weitere Forschungsfragen auf.

Helmkampf beschreibt es so: „Es ist wie zum ersten Mal durch einen Dschungel zu wandern, damit anzufangen, die dort lebenden Organismen zu untersuchen, und sich zu fragen, wie sie wohl miteinander interagieren.“

Puebla fasst zusammen: „Wir befinden uns eindeutig noch in einer Phase der Erkundung und Entdeckung und wissen so gut wie nichts darüber, welche Bedeutung das Kiemenmikrobiom für die Physiologie und Gesundheit von Fischen hat. Das ist sowohl für Aquakultur als auch für natürliche Populationen relevant, die mit raschen Umweltveränderungen konfrontiert sind.“


Originalpublikation: Proteobacteria with chemosynthetic potential are highly prevalent in the gills of Hypoplectrus reef fishes | PLOS Genetics

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Regenerierbares Harz soll Mikroschadstoffe aus Abwasser entfernen

28. September 2026 um 12:59

Fraunhofer UMSICHT entwickelt mit ARKON ein neues Verfahren für die vierte Reinigungsstufe. Mikroschadstoffe und ein Teil der PFAS werden dabei an Harz gebunden, das direkt vor Ort regeneriert und erneut eingesetzt werden kann. Das soll Ressourcen, Energie und Entsorgungskosten sparen. Auf der Kläranlage Wolfsburg soll das Verfahren nun unter realen Bedingungen demonstriert werden.

Arzneimittelrückstände, Pestizide und Industriechemikalien gelangen über das Abwasser in Flüsse, Seen und das Grundwasser. Bereits in niedrigen Konzentrationen können sie Ökosysteme beeinträchtigen und die Gesundheit gefährden. Herkömmliche Kläranlagen können viele dieser Mikroschadstoffe nur unzureichend entfernen. Als besonders langlebig gelten per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), die sich in der Umwelt und in Organismen anreichern.

Mit der 2025 in Kraft getretenen EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) steigen die Anforderungen an die Abwasserreinigung. Große Kläranlagen müssen schrittweise um eine vierte Reinigungsstufe erweitert werden. Insbesondere Hersteller von Arzneimitteln und Kosmetika werden dabei in die Verantwortung genommen und sollen künftig mindestens 80 Prozent der Investitions- und Betriebskosten tragen. Allein in Deutschland gelten die Anforderungen für gut 570 kommunale Kläranlagen. Der Investitionsbedarf wird auf bis zu 10,5 Mrd. Euro geschätzt. Hinzu kommen jährliche Aufwendungen im hohen dreistelligen Millionenbereich. Damit gewinnen nachhaltige und bezahlbare Technologien für die vierte Reinigungsstufe an Bedeutung.

Harz wird im Kreislauf wiederverwendet

Konventionelle Verfahren für die vierte Reinigungsstufe wie Aktivkohle und Ozonung sind technisch etabliert, benötigen jedoch Energie und Ressourcen. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen entwickeln mit ARKON eine Alternative. Das Verfahren basiert auf den drei Schritten Adsorption, Regeneration und Konzentration.

Das biologisch gereinigte Abwasser strömt zunächst durch ein Harzbett. An dessen Oberfläche lagern sich Mikroschadstoffe sowie ein Teil der PFAS an. Anschließend werden die gebundenen Stoffe mithilfe von zwei unterschiedlichen Regenerationsmedien wieder vom Harz gelöst. Durch Filtration können die Regenerationsmedien danach weiter aufkonzentriert werden. So entsteht aus dem ursprünglichen Abwasserstrom ein kleinvolumiges Spurenstoffkonzentrat, das mit geringem Aufwand entsorgt werden kann. Die Regenerationsmedien verbleiben weitgehend im Prozess. Zusätzlich wird Wärme zurückgewonnen.

„Im Unterschied zu konventionellen Adsorptionsverfahren muss das Material nicht laufend ausgetauscht und kostenintensiv extern regeneriert werden. Bei ARKON führen wir es im Kreislauf. So verbinden wir eine leistungsfähige Adsorption mit einer ressourcenschonenden Regeneration“, erklärt Dr.-Ing. Lukas Rüller aus der Abteilung Circular Water and Biomass Utilization bei Fraunhofer UMSICHT.

Praxistest auf der Kläranlage Wolfsburg

Das UMSICHT-Team um Lena Fingerhut, Josef Robert und Lukas Rüller hat die entscheidenden Verfahrensschritte bereits im Labor und im Technikum erprobt. Als nächster Schritt soll ARKON auf der Kläranlage Wolfsburg in größerem Maßstab demonstriert werden. Geplant ist eine Teilstromanlage mit einem Durchsatz von 25 bis 50 m³ pro Stunde. Im Dauerbetrieb wollen die Forschenden unter anderem untersuchen, wie lange das Harz Schadstoffe bindet, wie häufig eine Regeneration erforderlich ist und wie sich der Energie- und Chemikalienverbrauch weiter reduzieren lässt.

Die Ergebnisse sollen verlässliche Auslegungsdaten für Kläranlagen unterschiedlicher Größe liefern und einen Vergleich mit Aktivkohle und Ozonung ermöglichen. Die Demonstrationsanlage in Wolfsburg soll zudem als Referenz für weitere kommunale Betreiber und Unternehmen im Anlagenbau dienen.

Darüber hinaus kommt das Verfahren auch für Anwendungen in der Chemie- und Pharmaindustrie, auf Deponien sowie in der Oberflächentechnik infrage.


Quelle: Vierte Reinigungsstufe: Kreislaufverfahren nimmt Mikroschadstoffe ins Visier

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